"Stalin"

Werke

Band 7

ÜBER DIE AUFGABEN
DES KOMMUNISTISCHEN JUGENDVERBANDS

Antworten auf Fragen der Redaktion der „Komsomolskaja Prawda”

I

Welche Pflichten erwachsen im Wesentlichen dem Kommunistischen Jugendverband aus der gegenwärtigen internationalen und inneren Lage der Sowjetunion?

Die Frage ist zu allgemein gestellt, deshalb kann auch die Antwort nur allgemein gehalten sein. Aus der gegenwärtigen internationalen und inneren Lage der Sowjetunion erwächst dem Kommunistischen Jugendverband im wesentlichen die Pflicht, die revolutionäre Bewegung der unterdrückten Klassen aller Länder und den Kampf des Proletariats der Sowjetunion für den Aufbau des Sozialismus, für die Freiheit und Unabhängigkeit des proletarischen Staates durch Wort und Tat zu unterstützen. Daraus folgt aber, dass der Kommunistische Jugendverband dieser seiner allgemeinen Aufgabe nur dann gerecht werden kann, wenn er sich in seiner gesamten Arbeit von den Direktiven leiten lässt, die von der Kommunistischen Internationale und der Kommunistischen Partei Rußlands gegeben werden.

II

Vor welchen Aufgaben steht der Kommunistische Jugendverband im Zusammenhang mit der Gefahr des Liquidatorentums (Verlust der Perspektive des sozialistischen Aufbaus), des Nationalismus (Verlust der internationalen revolutionären Perspektive) und der Schmälerung der führenden Rolle der Partei, das heißt im Zusammenhang mit den Gefahren, die in der Schrift „Fragen und Antworten” festgestellt wurden?

In kurzen Worten, die Aufgaben des Kommunistischen Jugendverbands bestehen auf diesem Gebiet darin, unsere Arbeiter- und Bauernjugend im Geiste des Lenin ismus zu erziehen. Was bedeutet aber, die Jugend im Geiste des Lenin ismus zu erziehen? Das bedeutet erstens, sie mit dem Bewusstsein zu erfüllen, dass der Sieg des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande durchaus möglich und notwendig ist. Das bedeutet zweitens, in ihr die Überzeugung zu festigen, dass unser Arbeiterstaat ein Kind des internationalen Proletariats ist, das er die Basis für die Entfaltung der Revolution in allen Ländern bildet, dass der endgültige Sieg unserer Revolution eine Sache des internationalen Proletariats ist. Das bedeutet drittens, die Jugend im Geiste des Vertrauens zur Führung der Kommunistischen Partei Rußlands zu erziehen. Innerhalb des Kommunistischen Jugendverbands müssen solche Kader und ein solches Aktiv geschaffen werden, die die Jugend gerade in dieser Richtung zu erziehen vermögen.

Die Jungkommunisten sind auf allen Gebieten des Aufbaus tätig: in der Industrie, in der Landwirtschaft, in den Genossenschaften, in den Sowjets, in den Kultur- und Bildungsorganisationen usw. Es ist notwendig, dass jeder Aktivist des Kommunistischen Jugendverbands seine tagtägliche Arbeit auf allen Gebieten des Aufbaus mit der Perspektive der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft in Zusammenhang bringt. Es ist notwendig, dass er es versteht, seine tagtägliche Arbeit im Geiste dieser Perspektive und im Interesse ihrer Verwirklichung zu verrichten.

Die Jungkommunisten sind unter den Arbeitern und Bauern der verschiedenartigsten Nationalitäten tätig. Der Kommunistische Jugendverband selbst stellt in gewissem Sinne eine eigentümliche Internationale dar. Hierbei spielt nicht nur die nationale Zusammensetzung des Kommunistischen Jugendverbands eine Rolle, sondern auch die Tatsache, dass der Kommunistische Jugendverband sich unmittelbar an die KPR(B) anlehnt, die einen der wichtigsten Kampftrupps der weltumspannenden proletarischen Internationale bildet. Der Internationalismus ist die Grundidee, die die Tätigkeit des Kommunistischen Jugendverbands durchdringt. Darin liegt seine Kraft. Darin liegt seine Stärke. Es ist notwendig, dass der Geist des Internationalismus stets im Kommunistischen Jugendverband lebendig bleibt. Es ist notwendig, dass die Jungkommunisten den Zusammenhang zwischen den Erfolgen und Misserfolgen im Kampf des Proletariats unseres Landes und den Erfolgen und Misserfolgen der internationalen revolutionären Bewegung erkennen. Es ist notwendig, dass die Jungkommunisten lernen, unsere Revolution nicht als Selbstzweck zu betrachten, sondern als Mittel und Stütze für den Sieg der proletarischen Revolution in allen Ländern.

Der Kommunistische Jugendverband ist formal eine parteilose Organisation. Aber er ist zugleich eine kommunistische Organisation. Das bedeutet, dass der Kommunistische Jugendverband, der formal eine parteilose Organisation der Arbeiter und Bauern ist, zugleich unter der Führung unserer Partei arbeiten muss. Das Vertrauen der Jugend zu unserer Partei zu sichern, die führende Rolle unserer Partei im Kommunistischen Jugendverband zu sichern - darin besteht die Aufgabe. Der Jungkommunist muss dessen eingedenk sein, dass die Sicherung der führenden Rolle der Partei das Hauptsächlichste und Wichtigste in der gesamten Arbeit des Kommunistischen Jugendverbands ist. Der Jungkommunist muss dessen eingedenk sein, dass ohne Führung der Partei der Kommunistische Jugendverband seine Hauptaufgabe, die Arbeiter- und Bauernjugend im Geiste der Diktatur des Proletariats und des Kommunismus zu erziehen, nicht zu erfüllen vermag.

III

Wie soll man sich gegenwärtig zur Frage des Wachstums des Kommunistischen Jugendverbands verhalten: soll im wesentlichen auch weiterhin am Kurs auf Hineinziehung der gesamten Arbeiter-, Landarbeiter- und Kleinbauernjugend sowie des besten Teils der Mittelbauernjugend in die Reihen des Kommunistischen Jugendverbands festgehalten oder soll das Hauptaugenmerk auf die feste Bindung und Erziehung der vom Verband bereits erfassten Massen der Jugend gerichtet werden?

Man darf nicht sagen: Entweder - oder. Sowohl das eine als auch das andere ist zu tun. Nach Möglichkeit sollen die gesamte Arbeiterjugend und die besten Elemente der Dorfarmut und der Mittelbauern in den Kommunistischen Jugendverband hineingezogen werden. Gleichzeitig aber muss die Aufmerksamkeit auf die Erziehung der neuen Verbandsmitglieder durch das Aktiv des Kommunistischen Jugendverbands konzentriert werden. Die Verstärkung des proletarischen Kerns ist die wichtigste Tagesaufgabe des Kommunistischen Jugendverbands. Die Bewältigung dieser Aufgabe bietet die Gewähr dafür, dass der Kommunistische Jugendverband den richtigen Weg gehen wird. Aber der Kommunistische Jugendverband ist nicht eine Organisation der Arbeiterjugend allein. Der Kommunistische Jugendverband ist eine Organisation der Arbeiter- und Bauernjugend. Deshalb muss außer an der Verstärkung des proletarischen Kerns zugleich an der Heranziehung der besten Elemente der Bauernjugend, an der Sicherung eines festen Bündnisses zwischen dem proletarischen Kern und dem bäuerlichen Teil des Kommunistischen Jugendverbands gearbeitet werden. Ohne das ist die Führung der Bauernjugend durch den proletarischen Kern im Kommunistischen Jugendverband unmöglich.

IV

Manche Gouvernementskomitees des Lenin schen Kommunistischen Jugendverbands Rußlands sind, unter Berufung auf das Beispiel der Frauendelegiertenversammlungen, dazu übergegangen, Delegiertenversammlungen der parteilosen Bauernjugend mit gleich bleibendem Teilnehmerkreis zu organisieren. Diesen Versammlungen fällt die Rolle zu, das bäuerliche, vornehmlich das mittelbäuerliche Jugendaktiv unter der Führung des Kommunistischen Jugendverbands zu vereinigen. Ist ein solcher Standpunkt richtig, und birgt das nicht die Gefahr in sich, dass diese Delegiertenversammlungen zu einer Art parteiloser bäuerlicher Jugendverbände entarten, die sich unserem Jugendverband entgegenstellen könnten?

Ein solcher Standpunkt ist meines Erachtens falsch. Warum? Aus folgenden Gründen.

Erstens verbirgt sich dahinter eine gewisse Angst vor dem Mittelbauern, das Bestreben, die Mittelbauernjugend von sich fernzuhalten, der Versuch, sie links liegen zu lassen. Ist ein solches Bestreben richtig? Natürlich nicht. Wir sollen die Mittelbauernjugend nicht von uns fernhalten, sondern sie an uns heranziehen, sie an den Kommunistischen Jugendverband heranziehen. Nur so ist es möglich, der Mittelbauernjugend Vertrauen zu den Arbeitern, Vertrauen zum proletarischen Kern des Kommunistischen Jugendverbands, Vertrauen zu unserer Partei anzuerziehen.

Zweitens steht außer Zweifel, dass besondere Delegiertenversammlungen der Mittelbauernjugend beim Kommunistischen Jugendverband sich unter den gegenwärtigen Verhältnissen des Auflebens aller Gruppen der Bauernschaft unvermeidlich in einen besonderen Verband der Mittelbauernjugend verwandeln würden. Dabei wird dieser besondere Verband notwendigerweise gezwungen sein, sich dem bestehenden Jugendverband und seiner Führerin - der KPR(B) - entgegenzustellen, er wird den bäuerlichen Teil des Kommunistischen Jugendverbands an sich zu ziehen suchen und so die Gefahr des Auseinanderfallens des Kommunistischen Jugendverbands in zwei Verbände - in einen Verband der Arbeiterjugend und einen Verband der Bauernjugend - heraufbeschwören. Können wir eine solche Gefahr außer acht lassen? Natürlich können wir sie nicht außer acht lassen. Können wir ein solches Auseinanderfallen brauchen, zumal in der heutigen Situation, zumal unter den jetzigen Verhältnissen unserer Entwicklung? Natürlich können wir es nicht brauchen. Im Gegenteil, was wir jetzt brauchen, ist nicht die Fernhaltung der Bauernjugend, sondern ihre Heranziehung an den proletarischen Kern des Kommunistischen Jugendverbands, ist nicht Zwietracht, sondern ein festes Bündnis zwischen ihnen.

Drittens lässt sich die Organisierung von Delegiertenversammlungen der Mittelbauernjugend nicht mit der Berufung auf die Delegiertenversammlungen der Arbeiterinnen und Bäuerinnen rechtfertigen. Man darf die Arbeiter- und Bauernjugend, die ihre besondere Organisation, den Kommunistischen Jugendverband, hat, nicht auf eine Stufe mit den Arbeiterinnen und Bäuerinnen stellen, die keine besondere Organisation haben, ebenso wie man die Mittelbauernjugend nicht mit den Arbeiterinnen verwechseln darf, die einen Teil der Arbeiterklasse bilden. Delegiertenversammlungen der Mittelbauernjugend beschwören für den Jugendverband eine Gefahr herauf, während die Delegiertenversammlungen der Arbeiterinnen und Bäuerinnen für niemand irgendeine Gefahr bedeuten, da die Arbeiterinnen und Bäuerinnen gegenwärtig keine eigene, besondere, ständige Organisation haben, wie es der Jugendverband ist.

Aus diesem Grunde bin ich der Ansicht, dass die Organisierung spezieller Delegiertenversammlungen der Mittelbauernjugend beim Kommunistischen Jugendverband überflüssig ist.

Ich bin der Ansicht, dass der VI. Kongress des Kommunistischen Jugendverbands[45] richtig gehandelt hat, als er sich auf den Vorschlag beschränkte, auf dem Lande Hilfsorganisationen wie Selbstbildungszirkel, Landwirtschaftsgruppen usw. um den Kommunistischen Jugendverband zu schaffen.

V

Ist es dem Aktiv des Kommunistischen Jugendverbands unter unseren Verhältnissen möglich, die praktische Arbeit mit einem gründlichen Studium des Marxismus und Lenin ismus zu verbinden, und was müssen die Organisationen des Kommunistischen Tugendverbands und die einzelnen Jungkommunisten in dieser Richtung tun?

Erstens eine kleine Bemerkung über Marxismus und Lenin ismus. Bei einer solchen Formulierung der Frage könnte man meinen, der Marxismus sei eins, der Lenin ismus aber etwas anderes, man könne Lenin ist sein, ohne Marxist zu sein. Eine derartige Vorstellung kann man jedoch keinesfalls als richtig gelten lassen. Der Lenin ismus ist nicht die Lenin sche Lehre minus Marxismus. Der Lenin ismus ist der Marxismus der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolutionen. Mit anderen Worten, der Lenin ismus schließt alles ein, was Marx geschaffen hat, plus das Neue, womit Lenin die Schatzkammer des Marxismus bereichert hat und was sich notwendig aus all dem ergibt, was Marx geschaffen hat (die Lehre von der Diktatur des Proletariats, die Bauernfrage, die nationale Frage, die Partei, die Frage der sozialen Wurzeln des Reformismus, die Frage der Hauptabweichungen im Kommunismus usw.). Deshalb wäre es besser, die Frage so zu formulieren, dass man vom Marxismus oder Lenin ismus (was im Grunde genommen ein und dasselbe ist), nicht aber vom Marxismus und Lenin ismus spricht.

Zweitens unterliegt es keinem Zweifel, dass ohne Verbindung der praktischen Arbeit des Aktivs des Kommunistischen Jugendverbands mit seiner theoretischen Schulung („Studium des Lenin ismus") keine auch nur einigermaßen bewusste kommunistische Arbeit innerhalb des Kommunistischen Jugendverbands möglich ist. Der Lenin ismus ist die Verallgemeinerung der Erfahrungen der revolutionären Bewegung der Arbeiter aller Länder. Diese Erfahrungen sind jener Leitstern, der den Praktikern bei ihrer tagtäglichen Arbeit den Weg erhellt und ihnen die Richtung weist. Die Praktiker können weder Zutrauen zu ihrer Arbeit noch das Bewusstsein von der Richtigkeit dieser Arbeit haben, wenn sie sich diese Erfahrungen nicht wenigstens in einem Mindestmaß zu eigen gemacht haben. In der Arbeit im dunkeln zu tappen - dazu sind die Praktiker verurteilt, wenn sie nicht den Lenin ismus studieren, wenn sie nicht bestrebt sind, den Lenin ismus zu meistern, wenn sie nicht willens sind, ihre praktische Arbeit mit der notwendigen theoretischen Schulung zu verbinden. Deshalb ist das Studium des Lenin ismus, die Aneignung der Lenin schen Lehre die unerlässliche Voraussetzung dafür, dass das jetzige Aktiv des Kommunistischen Jugendverbands zu einem wirklich Lenin istischen Aktiv wird, das fähig ist, die Millionen Jugendlichen des Kommunistischen Jugendverbands im Geiste der Diktatur des Proletariats und des Kommunismus zu erziehen.

Ist aber eine derartige Verbindung von Theorie und Praxis unter den gegenwärtigen Verhältnissen, da das Aktiv des Kommunistischen Jugendverbands überlastet ist, möglich? Ja, sie ist möglich. Das ist eine schwierige Sache, ohne Zweifel. Aber sie ist durchaus möglich, eben weil sie so notwendig ist, eben weil ohne diese Voraussetzung die Schaffung eines wirklich Lenin istischen Aktivs im Kommunistischen Jugendverband unmöglich ist. Wir dürfen es nicht Schwächlingen gleichtun, die vor Schwierigkeiten davonlaufen und leichte Arbeit suchen. Schwierigkeiten sind gerade dazu da, dass sie bekämpft und überwunden werden. Die Bolschewiki wären in ihrem Kampf gegen den Kapitalismus bestimmt zugrunde gegangen, wenn sie es nicht gelernt hätten, Schwierigkeiten zu überwinden. Der Kommunistische Jugendverband wäre kein Kommunistischer Jugendverband, wenn er Schwierigkeiten fürchtete. Das Aktiv des Kommunistischen Jugendverbands hat eine große Aufgabe übernommen. Es muss deshalb auch die Kraft aufbringen, um alle und jegliche Schwierigkeiten auf dem Wege zum Ziel zu überwinden.

Geduldiges und beharrliches Studium des Lenin ismus - das ist der Weg, den das Aktiv des Kommunistischen Jugendverbands gehen muss, wenn es wirklich die Millionenmassen der Jugend im Geiste der proletarischen Revolution erziehen will.

„Komsomolskaja Prawda“ Nr. 133,
29. Oktober 1925.
Unterschrift: J. Stalin.

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