"Stalin"

Werke

Band 8

ÜBER DAS ENGLISCH-RUSSISCHE KOMITEE

Rede in der Sitzung des Präsidiums des EKKI
7. August 1926

Genossen! Bereits vor den Ausführungen Murphys erhielt das ZK der KPdSU(B) vom ZK der englischen Kommunistischen Partei einen Brief, in dem gegen den bekannten vom Zentralrat der Gewerkschaften der Sowjetunion erlassenen Aufruf[70] zur Frage des Generalstreiks in England protestiert wird. Mir scheint, dass Murphy hier die in diesem Brief angeführten Argumente wiederholt. Murphy stellt hauptsächlich formale Erwägungen an, unter anderem dahingehend, dass die strittigen Fragen nicht vorher gemeinsam mit der britischen Kommunistischen Partei erörtert wurden. Ich gebe zu, dass der letztgenannte Einwand Murphys nicht unbegründet ist. Die Komintern war tatsächlich zuweilen gezwungen, Beschlüsse zu fassen, ohne sie mit dem ZK der britischen Kommunistischen Partei vorher vereinbart zu haben. Aber hier gibt es Umstände, die das entschuldigen: die Dringlichkeit gewisser Fragen, die Unmöglichkeit, sich schnell mit dem ZK der britischen Kommunistischen Partei in Verbindung zu setzen usw.

Was jedoch die übrigen Erwägungen und Argumente Murphys anbelangt, die den Zentralrat der sowjetischen Gewerkschaften und seinen Aufruf betreffen, so müssen sie als völlig falsch bezeichnet werden.

Falsch ist die Behauptung, der Zentralrat habe mit dem Erlass des Aufrufs formell einen Fehler begangen, da er damit angeblich die Funktion der Roten Gewerkschaftsinternationale beziehungsweise der Komintern übernommen habe. Der Zentralrat hat ebenso das Recht, Aufrufe zu erlassen, wie jede beliebige gewerkschaftliche oder andere Vereinigung das Recht hat, Aufrufe zu erlassen. Wie kann man dem Zentralrat dieses elementare Recht absprechen?

Noch falscher ist die Behauptung, der Zentralrat der Gewerkschaften der Sowjetunion habe durch seinen Aufruf die Rechte der Roten Gewerkschaftsinternationale oder der Komintern verletzt, die Rote Gewerkschaftsinternationale und die Komintern seien hier die Leidtragenden, die Schaden erlitten hätten. Ich muss mitteilen, dass der Aufruf des Zentralrats mit Kenntnis und Billigung der Roten Gewerkschaftsinternationale und der Komintern erlassen wurde. Daraus erklärt sich denn auch die Tatsache, dass weder die Rote Gewerkschaftsinternationale noch die Komintern daran denken, den Zentralrat der sowjetischen Gewerkschaften der Verletzung der ihnen zustehenden Rechte zu beschuldigen. Wenn Murphy im gegebenen Fall gegen den Zentralrat auftritt, so tritt er damit dem Wesen der Sache nach gegen das EKKI und die Rote Gewerkschaftsinternationale auf.

Als völlig unzulässig muss schließlich Murphys Behauptung bezeichnet werden, die vom Zentralrat der sowjetischen Gewerkschaften am Generalrat geübte Kritik und der Aufruf des Zentralrats überhaupt seien eine „Einmischung” in die inneren Angelegenheiten der britischen Kommunistischen Partei, der Zentralrat als „nationale Organisation” dürfe sich eine solche „Einmischung” nicht erlauben. Es ist sehr bedauerlich, dass Murphy hier die „Argumente” wiederholt, die Pugh und Purcell auf der Pariser Beratung des Englisch-Russischen Komitees vorgebracht haben. Mit eben diesen „Argumenten” sind Pugh, Purcell und Citrine dieser Tage gegen die Delegation des Zentralrats der sowjetischen Gewerkschaften aufgetreten. Schon das allein spricht dafür, dass Murphy Unrecht hat. Man darf nicht aus formalen Beweggründen den Inhalt der Sache, das Wesen der Sache vergessen. So kann ein Kommunist nicht handeln. Um die Sache der englischen Bergarbeiter wäre es viel besser bestellt, und die falsche Handlungsweise des Generalrats wäre entlarvt worden, wenn außer dem Zentralrat der Gewerkschaften der Sowjetunion die „nationalen” Gewerkschaftsvereinigungen anderer Länder, sagen wir Frankreichs, Deutschlands usw., den Generalrat kritisiert hätten. Nicht als Fehler des Zentralrats, sondern als Verdienst des Zentralrats gegenüber den englischen Arbeitern ist die Veröffentlichung seines Aufrufs und seine Kritik am Generalrat zu betrachten.

Das ist alles, was ich zu Murphys Referat sagen wollte - unter Berücksichtigung hauptsächlich der formalen Seite der Sache.

Ich könnte mich auf das Gesagte beschränken, sofern es sich hier um die formale Seite der Sache handelt. Aber die Sache ist die, dass Murphy sich nicht allein auf die formale Seite der Sache beschränkt. Er benutzt die formale Seite der Sache, um gewisse Ergebnisse zu erzielen, die wesentlich sind und keineswegs formalen Charakter tragen. Murphys Taktik besteht darin, hier bestimmte Beschlüsse durchzudrücken, die das Wesen der Sache betreffen, wobei er sich hinter formalen Motiven versteckt und sich gewisse formale Unstimmigkeiten in der praktischen Arbeit des EKKI zunutze macht. Daher müssen über Murphys Argumente einige Worte gesagt werden, die das Wesen der Sache betreffen.

Worum geht es Murphy eigentlich?

Es geht ihm, um es kurz zu sagen, darum, den Zentralrat der Gewerkschaften der Sowjetunion zu zwingen, die offene Kritik am Generalrat einzustellen, den Zentralrat zum Schweigen zu bringen und ihn zu zwingen, sich in die „Angelegenheiten des Generalrats” „nicht einzumischen”.

Kann der Zentralrat oder unsere Partei oder die Komintern darauf eingehen?

Nein, keinesfalls. Denn was bedeutet es, den Zentralrat zum Schweigen zu bringen, wie wird das Schweigen des Zentralrats aufgefasst werden in einem Augenblick, da der Generalrat die Isolierung der streikenden englischen Bergarbeiter organisiert und ihre Niederlage vorbereitet? Unter diesen Umständen schweigen bedeutet zu den Sünden des Generalrats, zu seinem Verrat schweigen. Zu dem Verrat des Generalrats aber schweigen angesichts der Tatsache, dass zwischen dem Generalrat und dem Zentralrat der sowjetischen Gewerkschaften ein Block in Gestalt des Englisch-Russischen Komitees besteht, - bedeutet diesen Verrat schweigend gutheißen, folglich - die Verantwortung für den Verrat des Generalrats gegenüber der Arbeiterbewegung der ganzen Welt mit dem Generalrat teilen. Muss noch bewiesen werden, dass der Zentralrat der Gewerkschaften der Sowjetunion politischen und moralischen Selbstmord begehen würde, wenn er diesen Weg beschritte, wenn er auch nur eine einzige Minute auf die offene Kritik an dem Verrat des Generalrats verzichtete?

Urteilen Sie selbst. Im Mai brach der Generalrat den Generalstreik ab und verriet somit die englische Arbeiterklasse im Allgemeinen und die englischen Bergarbeiter im Besonderen. Im Juni und Juli rührte der Generalrat keinen Finger, um den streikenden Bergarbeitern zu helfen. Nicht genug damit, der Generalrat tat alles, was in seinen Kräften stand, um die Niederlage der Bergarbeiter vorzubereiten und somit den „ungehorsamen” Verband der englischen Bergarbeiter zu züchtigen. Im August weigern sich die Führer des Generalrats auf der Pariser Beratung des Englisch-Russischen Komitees, den von den Vertretern des Zentralrats der Gewerkschaften der Sowjetunion gemachten Vorschlag über die Unterstützung der englischen Bergarbeiter zu erörtern, obwohl gegen die vom Zentralrat vorgeschlagene Tagesordnung dieser Beratung vom Generalrat kein Protest erhoben wurde. Wir haben somit eine ganze Kette fortgesetzten Verrats des Generalrats, der sich in eine faule Diplomatie verstrickt hat. Murphy aber fordert, dass der Zentralrat der sowjetischen Gewerkschaften vor all diesen Missständen die Augen verschließt und sich in Schweigen hüllt! Nein, Genossen, der Zentralrat kann diesen Weg nicht beschreiten, denn er hat nicht die Absicht, Selbstmord zu begehen.

Murphy ist der Meinung, dass es zweckmäßiger gewesen wäre, wenn der Aufruf gegen den Generalrat von der Roten Gewerkschaftsinternationale, als internationaler Organisation, erlassen worden wäre, während der Zentralrat der sowjetischen Gewerkschaften, als „nationale” Organisation, sich auf eine kurze Resolution hätte beschränken sollen, in der er sich dem Aufruf der Roten Gewerkschaftsinternationale anschließt. Vom ausschließlich formalen Standpunkt aus ist Murphys Plan, was die Stufenleiter der Instanzen betrifft, recht harmonisch aufgebaut. Von diesem Standpunkt aus hat er einiges für sich. Aber vom politischen Standpunkt aus ist Murphys Plan unter aller Kritik. Es bedarf keines Beweises, dass Murphys Plan, was die Entlarvung des Generalrats und die politische Erziehung der englischen Arbeitermassen betrifft, auch nicht ein Hundertstel der politischen Wirkung gehabt hätte, die der Aufruf des Zentralrats der Gewerkschaften der Sowjetunion zweifellos gehabt hat. Die Sache ist die, dass die Rote Gewerkschaftsinternationale in den Reihen der englischen Arbeiterklasse weniger bekannt ist als der Zentralrat der sowjetischen Gewerkschaften, dass sie weniger populär ist als dieser und dass sie infolgedessen unvergleichlich geringeres Gewicht hat als dieser. Daraus aber folgt, dass gerade der Zentralrat als das Organ, das in den Augen der englischen Arbeiterklasse die größte Autorität besitzt, Kritik am Generalrat üben musste. Anders konnte man gar nicht handeln, wollte man ins Schwarze treffen und den Verrat des Generalrats entlarven. Nach dem Geheul zu urteilen, das die reformistischen Führer der englischen Arbeiterbewegung über den Aufruf des Zentralrats der Gewerkschaften der Sowjetunion erhoben haben, kann man mit Gewissheit sagen, dass der Zentralrat ins Schwarze getroffen hat.

Murphy meint, die offene Kritik des Zentralrats der sowjetischen Gewerkschaften am Generalrat könne zur Sprengung des Blocks mit dem Generalrat, zum Zusammenbruch des Englisch-Russischen Komitees führen. Ich bin der Meinung, dass Murphy Unrecht hat. Ein Zusammenbruch des Englisch-Russischen Komitees ist, wenn der Zentralrat der Gewerkschaften der Sowjetunion die Bergarbeiter auf das aktivste unterstützt, für ausgeschlossen oder für fast ausgeschlossen zu erachten. Daraus erklärt sich denn auch, dass niemand einen Zusammenbruch des Englisch-Russischen Komitees so fürchtet, wie die Vertreter der Mehrheit des Generalrats, Purcell und Hicks. Natürlich werden sowohl Purcell als auch Hicks uns mit der Gefahr einer Sprengung zu erpressen versuchen. Aber man muss zwischen der Erpressung und der wirklichen Gefahr einer Sprengung zu unterscheiden verstehen.

Außerdem darf nicht vergessen werden, dass das Englisch-Russische Komitee für uns nicht Selbstzweck ist. Wir sind in das Englisch-Russische Komitee nicht bedingungslos gegangen und werden nicht bedingungslos darin verbleiben, sondern nur unter bestimmten Bedingungen, zu denen sowohl das Recht der freien Kritik des Zentralrats der sowjetischen Gewerkschaften am Generalrat als auch das Recht der freien Kritik des Generalrats am Zentralrat zu zählen sind. Wir können nicht, nur um die Respektabilität des Blocks zu wahren und um den Block unbedingt aufrechtzuerhalten, auf die Freiheit der Kritik verzichten.

Worin besteht der Sinn dieses Blocks? Darin, gemeinsame Aktionen der Mitglieder des Blocks gegen das Kapital, im Interesse der Arbeiterklasse, gemeinsame Aktionen der Mitglieder des Blocks gegen den imperialistischen Krieg, für den Frieden unter den Völkern zu organisieren. Nun, was soll aber geschehen, wenn ein Mitglied des Blocks oder einige Führer einer der Parteien gegen die Interessen der Arbeiterklasse verstoßen, sie verraten und damit gemeinsame Aktionen unmöglich machen? Man soll sie doch wohl nicht für solche Fehler loben? Folglich ist die gegenseitige Kritik, die Beseitigung der Fehler auf dem Wege der Kritik notwendig, um die Möglichkeit gemeinsamer Aktionen im Interesse der Arbeiterklasse wiederherzustellen. Deshalb hat das Englisch-Russische Komitee nur dann einen Sinn, wenn die Freiheit der Kritik garantiert ist.

Man sagt, die Kritik könne zur Diskreditierung gewisser reaktionärer Gewerkschaftsführer führen. Nun, und wenn schon? Ich sehe darin nichts Schlechtes. Für die Arbeiterklasse kann es nur ein Gewinn sein, wenn die alten Führer, die ihre Interessen verraten, diskreditiert und durch neue, der Sache der Arbeiterklasse ergebene Führer ersetzt werden. Und je schneller diese reaktionären und unzuverlässigen Führer abgesetzt und durch neue, bessere Führer ersetzt werden, die von den reaktionären Gepflogenheiten der alten Führer frei sind - umso besser.

Das bedeutet jedoch nicht, dass man etwa die Macht der reaktionären Führer mit einem Schlage brechen und sie innerhalb einer kurzen Zeitspanne isolieren, sie durch neue, revolutionäre Führer ersetzen könne.

Manche Pseudomarxisten glauben, eine „revolutionäre” Geste genüge, ein Auftritt mit viel Geschrei genüge, um die Macht der reaktionären Führer zu brechen. Wirkliche Marxisten haben mit solchen Leuten nichts gemein und können mit ihnen nichts gemein haben.

Andere glauben, die Kommunisten brauchten nur eine richtige Linie auszuarbeiten, und die breiten Massen der Arbeiter würden den reaktionären Reformisten im Nu den Rücken kehren und sich gleichfalls im Nu um die kommunistische Partei zusammenschließen. Das ist völlig falsch. So können nur Nichtmarxisten denken. In Wirklichkeit ist von der richtigen Linie der Partei bis zu dem Punkt, wo sich die Massen diese Linie zu Eigen machen und sie als richtig akzeptieren, noch ein weiter Weg. Damit die Partei die Millionenmassen führen könne, dazu genügt eine richtige Linie allein noch nicht - dazu gehört außerdem, dass sich die Massen an Hand ihrer eigenen Erfahrung von der Richtigkeit dieser Linie überzeugen, dass die Massen die Politik der Partei und ihre Losungen als ihre Politik und als ihre eigenen Losungen aufnehmen und beginnen, sie in die Tat umzusetzen. Nur unter dieser Bedingung kann eine Partei mit einer richtigen Politik tatsächlich zur führenden Kraft der Klasse werden.

War die Politik der britischen Kommunistischen Partei während des Generalstreiks in England richtig? Ja, sie war richtig. Warum ist es ihr dann nicht gelungen, die Millionen streikender Arbeiter für sich zu gewinnen? Weil sich diese Massen noch nicht von der Richtigkeit der Politik der Kommunistischen Partei überzeugt hatten. Die Massen von der Richtigkeit der Politik der Partei zu überzeugen, ist aber innerhalb einer kurzen Zeitspanne unmöglich. Um so weniger ist das mit Hilfe „revolutionärer” Gesten möglich. Dazu braucht man Zeit, dazu ist erforderlich, dass man in unermüdlicher, tatkräftiger Arbeit die reaktionären Führer entlarvt, die rückständigen Massen der Arbeiterklasse politisch erzieht und neue Kader aus der Arbeiterklasse auf führende Posten aufrücken lässt.

Hiernach ist nicht schwer zu verstehen, weshalb man die Macht der reaktionären Führer der Arbeiterklasse nicht im Nu brechen kann, weshalb das Zeit und unermüdliche Aufklärungsarbeit unter den Millionenmassen der Arbeiterklasse erfordert.

Aber um so weniger darf daraus gefolgert werden, dass man die Entlarvung der reaktionären Führer auf Jahrzehnte hinaus hinziehen solle, dass die Entlarvung von selbst, im Selbstlauf erfolge, ohne dass die reaktionären Führer irgendwie gekränkt und die „geheiligten Regeln” des Respekts übertreten werden. Nein, Genossen, nichts kommt jemals „von selbst”. Die Entlarvung der reaktionären Führer und die politische Aufklärung der Massen muss von Ihnen selbst, von den Kommunisten und den anderen linken politischen Führern, durch unermüdliche politische Aufklärungsarbeit unter den Massen bewerkstelligt werden. Nur so wird sich die Revolutionierung der breiten Arbeitermassen beschleunigen lassen.

Schließlich noch eine weitere Bemerkung zu Murphys Referat. Murphy verwies nachdrücklich auf die spezifischen Besonderheiten der Arbeiterbewegung in England, auf die Rolle und Bedeutung der Traditionen in England und spielte, wie mir scheint, darauf an, dass sich die üblichen marxistischen Führungsmethoden in England in Anbetracht dieser spezifischen Besonderheiten als ungeeignet erweisen könnten. Mir scheint, dass Murphy da auf die schiefe Ebene gerät. Natürlich weist die englische Arbeiterbewegung spezifische Besonderheiten auf, und sie müssen unbedingt berücksichtigt werden. Aber diese Besonderheiten zum Prinzip erheben und sie zur Grundlage der Arbeit machen - bedeutet sich auf den Standpunkt von Leuten stellen, die die Unanwendbarkeit des Marxismus auf die englischen Verhältnisse proklamieren. Ich glaube nicht, dass Murphy mit solchen Leuten irgendetwas gemein hat. Aber ich will sagen, dass er jener Grenze nahe ist, hinter der die Erhebung der englischen Besonderheiten zum Prinzip beginnt.

Ein paar Worte über Humboldts Rede. Humboldt erhebt Einwendungen und sagt, dass die Kritik keine leere, keine gegenstandslose Kritik sein darf. Das stimmt. Aber was hat das mit dem Zentralrat der Gewerkschaften der Sowjetunion und dem EKKI zu tun, deren Kritik völlig konkret ist? War die Kritik an den Helden des „schwarzen Freitags”[71] eine leere Kritik? Natürlich war sie das nicht, denn diese Kritik wird jetzt, nachdem der „schwarze Freitag” bereits in die Geschichte eingegangen ist, von jedermann wiederholt. Aber wieso soll denn dann die Kritik am Verrat der Führer des Generalrats während des Generalstreiks und später, im Verlauf des anhaltenden Streiks der Bergarbeiter, eine leere Kritik sein? Wo bleibt da die Logik? Ist etwa der Verrat während des Generalstreiks weniger verhängnisvoll als der Verrat in der Periode des „schwarzen Freitags”?

Ich bin gegen die von Humboldt vorgeschlagene Methode der individuellen Kritik, wenn diese Methode als Hauptmethode vorgeschlagen wird. Ich bin der Meinung, dass unsere Kritik an den reaktionären Führern eine Kritik sein muss, die von der allgemeinen Linie der Führung, nicht aber von den individuellen Besonderheiten dieser Führer ausgeht. Ich bin nicht dagegen, dass in zweiter Linie, als Hilfsmittel, individuelle Kritik geübt wird. Aber ich bin dafür, dass unserer Kritik die grundsätzliche Linie zugrunde gelegt wird. Andernfalls kann dabei statt einer grundsätzlichen Kritik Klatsch und persönliches Gezänk herauskommen, was das Niveau unserer Kritik zum Schaden der Sache unbedingt hinabdrücken würde.

Zum erstenmal veröffentlicht.

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