"Stalin"

Werke

Band 8

ÜBER DIE SOZIALDEMOKRATISCHE ABWEICHUNG
IN UNSERER PARTEI

IV
EINIGE SCHLUSSFOLGERUNGEN

Vor kurzem erklärte Trotzki auf der Plenartagung des ZK und der ZKK[91], die Annahme der Thesen über den Oppositionsblock durch die Konferenz müsse unvermeidlich zum Ausschluss der Oppositionsführer aus der Partei führen. Ich muss feststellen, Genossen, dass diese Erklärung Trotzkis jeglicher Grundlage entbehrt und dass sie voller Fehler ist. Ich muss erklären, dass die Annahme der Thesen über den Oppositionsblock nur den einen Zweck haben kann: die energische Bekämpfung der prinzipiellen Fehler der Opposition bis zu ihrer restlosen Überwindung.

Es ist allgemein bekannt, dass der X. Parteitag unserer Partei eine Resolution über die anarcho-syndikalistische Abweichung[92] angenommen hat. Was ist aber über die anarcho-syndikalistische Abweichung zu sagen? Man kann nicht behaupten, dass die anarcho-syndikalistische Abweichung „besser” wäre als die sozialdemokratische Abweichung. Aus der Tatsache der Annahme der Resolution über die anarcho-syndikalistische Abweichung hat jedoch bisher noch niemand den Schluss gezogen, dass die Mitglieder der „Arbeiteropposition” unbedingt aus der Partei ausgeschlossen werden müssten.

Es kann Trotzki nicht unbekannt sein, dass der XIII. Parteitag unserer Partei den Trotzkismus für eine „klar ausgeprägte kleinbürgerliche Abweichung” erklärt hat. Bisher war jedoch noch niemand der Meinung, dass die Annahme dieser Resolution unbedingt den Ausschluss der Führer der trotzkistischen Opposition aus der Partei zur Folge haben müsste.

Die entsprechende Stelle der Resolution des XIII. Parteitags lautet:

 

„Bei der jetzigen ‚Opposition’ haben wir es nicht nur mit einem Versuch, den Bolschewismus zu revidieren, nicht nur mit einer direkten Abkehr vom Lenin ismus zu tun, sondern auch mit einer klar ausgeprägten kleinbürgerlichen Abweichung. Es unterliegt keinem Zweifel, dass diese ‚Opposition’ objektiv den Druck des Kleinbürgertums auf die Positionen der proletarischen Partei und auf ihre Politik widerspiegelt.” (Aus der Resolution des XIII. Parteitags.)

 

Möge uns Trotzki erklären, inwiefern die kleinbürgerliche Abweichung besser ist als die sozialdemokratische Abweichung. Ist es denn so schwer zu begreifen, dass die sozialdemokratische Abweichung eine Abart der kleinbürgerlichen Abweichung ist? Ist es denn so schwer zu begreifen, dass wir, wenn wir von einer sozialdemokratischen Abweichung sprechen, nur das präzisieren, was in unserer Resolution auf dem XIII. Parteitag gesagt wurde? Wir erklären keineswegs die Führer des Oppositionsblocks für Sozialdemokraten. Wir sagen nur, dass sich beim Oppositionsblock eine sozialdemokratische Abweichung geltend macht, wir machen die Opposition darauf aufmerksam, dass es noch nicht zu spät ist, sich von dieser Abweichung loszusagen, und fordern den Oppositionsblock hierzu auf.

Über den Trotzkismus wird in der bekannten Resolution des ZK und der ZKK vom Januar 1925[93] folgendes gesagt:

 

„Seinem Wesen nach ist der gegenwärtige Trotzkismus eine Falsifizierung des Kommunismus im Sinne einer Annäherung an die ‚europäischen’ Vorbilder des Pseudomarxismus, das heißt letzten Endes im Sinne der ‚europäischen’ Sozialdemokratie.” (Aus der Resolution des Plenums des ZK und der ZKK vom 17. Januar 1925.)

 

Ich muss erwähnen, dass beide Resolutionen im Wesentlichen der Feder Sinowjews entstammen. Aber weder die Partei als Ganzes noch Sinowjew insbesondere haben daraus den Schluss gezogen, dass die Führer der trotzkistischen Opposition aus der Partei ausgeschlossen werden müssten.

Es dürfte vielleicht nicht überflüssig sein zu erwähnen, was Kamenew über den Trotzkismus, den er dem Menschewismus gleichstellte, gesagt hat. Hören Sie bitte:

 

„Der Trotzkismus war immer die wohlanständigste, die verhüllteste und die zum Betrug gerade des revolutionär eingestellten Teils der Arbeiter geeignetste Form des Menschewismus.” (Sammelband von Artikeln „Für den Lenin ismus”. L. Kamenew, „Partei und Trotzkismus”, S.51.)

 

Alle diese Tatsachen sind Trotzki nicht weniger bekannt als jedem von uns. Es hat jedoch noch niemand die Frage aufgeworfen, Trotzki und seine Gesinnungsgenossen auf Grund der Resolutionen, sagen wir, des XIII. Parteitags auszuschließen.

Darum hin ich der Meinung, dass Trotzkis Erklärung auf der Plenartagung des ZK und der ZKK unaufrichtig und voller Falsch ist.

Als das Oktoberplenum des ZK und der ZKK die Thesen über den Oppositionsblock im wesentlichen billigte, hatte es damit nicht Repressalien im Auge, sondern die Notwendigkeit eines ideologischen Kampfes gegen die prinzipiellen Fehler der Opposition, von denen sich die Opposition immer noch nicht lossagt und die sie auch künftighin im Rahmen des Statuts zu verfechten gedenkt, wie sie in ihrer „Erklärung” vom 16.Oktober mitteilt. Die Plenartagung des ZK und der ZKK ging bei der Annahme der Thesen von dem Standpunkt aus, dass der Kampf gegen die prinzipiellen Fehler der Opposition das einzige Mittel zu ihrer Überwindung und die Überwindung dieser Fehler der einzige Weg zur wirklichen Einheit in unserer Partei ist. Dadurch, dass die Partei den Oppositionsblock zerschlagen und ihn gezwungen hat, seine Fraktionsmacherei aufzugeben, hat sie das Minimum dessen erreicht, was für die Einheit in der Partei erforderlich ist. Das ist gewiss nicht wenig. Aber das genügt noch nicht. Zur Erzielung der vollen Einheit muss noch ein weiterer Schritt getan und erreicht werden, dass sich der Oppositionsblock von seinen prinzipiellen Fehlern lossagt, damit die Partei und der Lenin ismus vor Angriffen und Revisionsversuchen bewahrt bleiben.

Das ist die erste Schlussfolgerung.

Nachdem die Mitgliedermassen der Partei die prinzipielle Position des Oppositionsblocks abgelehnt und die Versuche der Opposition, eine neue Diskussion zu entfachen, vereitelt haben, erklärten sie: Jetzt ist nicht die Zeit für Geschwätz, es ist an der Zeit, unmittelbar an die sozialistische Aufbauarbeit zu gehen. Daher die Schlussfolgerung: Weniger Geschwätz, mehr schöpferische, positive Arbeit, vorwärts, an die sozialistische Aufbauarbeit!

Das ist die zweite Schlussfolgerung.

Und die dritte Schlussfolgerung ist die, dass sich die Partei im Prozess des innerparteilichen Kampfes und bei der Abwehr der Angriffe der Opposition fester denn je auf der Grundlage der sozialistischen Perspektiven unseres Aufbaus zusammengeschlossen hat.

Das ist die dritte Schlussfolgerung.

Eine Partei, die sich auf der Grundlage der sozialistischen Perspektiven unseres Aufbaus zusammengeschlossen hat - das ist gerade der Hebel, den wir jetzt so nötig brauchen, um den sozialistischen Aufbau in unserem Lande voranbringen zu können.

Diesen Hebel haben wir uns im Kampf gegen den Oppositionsblock geschmiedet.

Der Kampf hat unsere Partei auf der Grundlage der sozialistischen Perspektiven unseres Aufbaus um ihr ZK zusammengeschlossen. Der Konferenz obliegt es, diese Geschlossenheit durch die, wie ich hoffe, einstimmige Annahme der ihr vom Zentralkomitee unterbreiteten Thesen in aller Form zu bekräftigen.

Ich zweifle nicht daran, dass die Konferenz ihre Aufgabe in Ehren erfüllen wird. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall, alle Delegierten erheben sich. Ovation.)

Zurück zum Inhaltsverzeichnis