"Stalin"

Werke

Band 8

SCHLUSSWORT ZU DEM REFERAT
„ÜBER DIE SOZIALDEMOKRATISCHE ABWEICHUNG
IN UNSERER PARTEI”

III
HEILLOSES DURCHEINANDER,
ODER SINOWJEW ÜBER REVOLUTIONÄREN
GEIST UND INTERNATIONALISMUS

Ich komme zu Sinowjew. Während Kamenew sich in seiner ganzen Rede befleißigt, Trotzki den Weg zu säubern, übernahm Sinowjew die Aufgabe, den Beweis dafür zu erbringen, dass die Führer der Opposition die einzigen Revolutionäre und einzigen Internationalisten auf der ganzen Welt seien.

Untersuchen wir seine „Argumente”.

Er knüpft an die Worte Bucharins an, dass man bei der Behandlung von Fragen inneren Charakters (Aufbau des Sozialismus) methodologisch von den Fragen äußeren Charakters absehen müsse; er vergleicht dann diesen Satz Bucharins mit den Thesen über den Oppositionsblock, in denen von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in unserem Lande die Rede ist und gelangt zu dem Schluss, dass Bucharin und das ZK, das die Thesen im wesentlichen bestätigt hat, somit die internationalen Aufgaben unserer Revolution, die Interessen der internationalen Revolution angeblich außer acht lassen.

Stimmt das alles? Das alles ist Unsinn, Genossen. Das ganze Geheimnis besteht darin, dass Sinowjew in Fragen der Methodologie schwach ist, dass er die einfachsten Dinge nicht auseinander halten kann und seine eigene Verworrenheit für die Wirklichkeit ausgibt. Bucharin sagt, man dürfe die Fragen des Aufbaus des Sozialismus nicht mit den Fragen der Schaffung einer Garantie gegen Interventionen in unser Land, die inneren Fragen nicht mit den äußeren Fragen verwechseln. Bucharin sagt keineswegs, dass die inneren Fragen mit den äußeren, den internationalen Fragen, nicht im Zusammenhang stünden. Er sagt lediglich, dass man die Fragen der ersten Kategorie nicht mit den Fragen der zweiten Kategorie durcheinander bringen darf. Das ist eine grundlegende und elementare Forderung der Methodologie. Wen trifft denn die Schuld, wenn Sinowjew die elementaren Fragen der Methodologie nicht begreift?

Wir gehen davon aus, dass unser Land zwei Gruppen von Gegensätzen aufweist: innere Gegensätze und äußere Gegensätze. Die inneren Gegensätze bestehen vor allem im Kampf zwischen den sozialistischen und den kapitalistischen Elementen. Wir sagen, dass wir diese Gegensätze aus eigener Kraft überwinden können, dass wir die kapitalistischen Elemente unserer Wirtschaft besiegen, die Hauptmassen der Bauernschaft in den sozialistischen Aufbau einbeziehen und die sozialistische Gesellschaft errichten können.

Die äußeren Gegensätze bestehen im Kampf zwischen dem Land des Sozialismus und der kapitalistischen Umwelt. Wir sagen, dass wir diese Gegensätze nicht aus eigener Kraft beseitigen können, dass zur Beseitigung dieser Gegensätze der Sieg des Sozialismus, zumindest in einigen Ländern, notwendig ist. Eben deshalb sagen wir auch, dass der Sieg des Sozialismus in einem Lande nicht Selbstzweck ist, sondern Stütze, Mittel und Instrument für den Sieg der proletarischen Revolution in allen Ländern.

Ist das alles richtig? Möge Sinowjew den Beweis erbringen, dass das falsch ist.

Es ist Sinowjews Pech, dass er den Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen von Gegensätzen nicht sieht, dass er sie heillos durcheinanderbringt und seine eigene Verworrenheit für „wahren” Internationalismus ausgibt, in der Meinung, dass man, wenn man bei der Untersuchung von Fragen inneren Charakters methodologisch von den Fragen äußeren Charakters absieht, die Interessen der internationalen Revolution außer acht lässt.

Das ist lächerlich genug, aber man muss sich darüber klar werden, dass es nicht überzeugend ist.

Was die Thesen betrifft, die angeblich das internationale Moment unserer Revolution außer acht lassen, so braucht man diese Thesen nur durchzulesen, um zu erkennen, dass sich Sinowjew wiederum verheddert hat. In den Thesen wird folgendes gesagt:

„Die Partei geht davon aus, dass unsere Revolution eine sozialistische Revolution ist, dass die Oktoberrevolution nicht nur Signal, Anstoß und Ausgangspunkt für die sozialistische Revolution im Westen ist, sondern dass sie gleichzeitig erstens die Basis für die weitere Entfaltung der internationalen revolutionären Bewegung ist und zweitens die Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus in der UdSSR (Diktatur des Proletariats) eröffnet, in deren Verlauf das Proletariat, bei einer richtigen Politik gegenüber der Bauernschaft, die vollendete sozialistische Gesellschaft erfolgreich aufbauen kann und wird, vorausgesetzt natürlich, dass die Macht der internationalen revolutionären Bewegung einerseits und die Macht des Proletariats der ‘UdSSR anderseits groß genug sein werden, um die UdSSR vor einer militärischen Intervention des Imperialismus zu schützen.“

 

Sie sehen, dass dem internationalen Moment in den Thesen voll und ganz Rechnung getragen worden ist.

Ferner: Sinowjew, und im Verein mit ihm Trotzki, führen Zitate aus Lenin s Werken an, in denen es heißt, dass der „vollständige Sieg der sozialistischen Revolution in einem Lande undenkbar ist, dass er die aktivste Zusammenarbeit zumindest einiger fortgeschrittener Länder erfordert”, und gelangen sonderbarerweise zu dem Schluss, dass die Errichtung des Sozialismus in einem Lande über die Kräfte des Proletariats unseres Landes gehe. Aber das ist doch ein heilloses Durcheinander, Genossen! Hat die Partei jemals gesagt, dass der vollständige Sieg, der endgültige Sieg des Sozialismus in unserem Lande möglich sei und von den Kräften des Proletariats eines Landes errungen werden könne? Wo und wann wurde das gesagt - das möge man uns zeigen. Sagt denn die Partei nicht, und hat sie nicht stets ebenso wie Lenin gesagt, dass der vollständige, endgültige Sieg des Sozialismus nur nach dem Siege des Sozialismus in einigen Ländern möglich ist? Hat denn die Partei nicht Dutzende und Hunderte Male erklärt, dass man den Sieg des Sozialismus in einem Lande nicht mit dem vollständigen, endgültigen Sieg des Sozialismus verwechseln darf?

Die Partei ist stets davon ausgegangen, dass der Sieg des Sozialismus in einem Lande die Möglichkeit bedeutet, den Sozialismus in diesem Lande zu errichten, wobei diese Aufgabe mit den Kräften eines Landes gelöst werden kann, dass der vollständige Sieg des Sozialismus dagegen die Garantie gegen Intervention und Restauration bedeutet, wobei diese Aufgabe nur unter der Voraussetzung des Sieges der Revolution in einigen Ländern gelöst werden kann. Wie kann man nach alledem die eine und die andere Aufgabe so heillos durcheinander bringen? Wen trifft denn da die Schuld, wenn Sinowjew, und im Verein mit ihm Trotzki, den Sieg des Sozialismus in einem Lande und den vollständigen, endgültigen Sieg des Sozialismus so heillos durcheinander bringen? Sie sollten doch wenigstens die bekannte Resolution der XIV. Parteikonferenz durchlesen, worin diese Frage mit einer Genauigkeit behandelt wird, die selbst schon für einen Schüler der Partei- und Verwaltungsschule befriedigend sein dürfte.

Sinowjew, und im Verein mit ihm Trotzki, führen aus Lenin s Werken eine Reihe von Zitaten aus der Periode des Brester Friedens an, in denen es heißt, dass der äußere Feind unsere Revolution niederschlagen kann. Aber ist es denn so schwer zu begreifen, dass diese Zitate nichts mit der Frage der Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande zu tun haben? Genosse Lenin sagt, dass wir gegen die Möglichkeit von Interventionen nicht gesichert sind, und das trifft absolut zu. Hat denn aber unsere Partei jemals gesagt, dass wir unser Land allein aus eigener Kraft vor der Interventionsgefahr zu sichern vermögen? Hat denn die Partei nicht behauptet, und behauptet sie nicht auch weiterhin, dass nur der Sieg der proletarischen Revolution in einigen Ländern uns eine Garantie gegen eine Intervention zu bieten vermag? Wie kann man auf Grund dessen behaupten, die Errichtung des Sozialismus in unserem Lande gehe über die Kräfte des Proletariats unseres Landes? Ist es nicht an der Zeit, damit aufzuhören, die äußeren Fragen, die Fragen des direkten Kampfes gegen die Weltbourgeoisie, mit den Fragen des Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande, mit den Fragen des Sieges über die kapitalistischen Elemente in unserem eigenen Lande bewusst zu vermengen?

Ferner. Sinowjew führt ein Zitat aus dem „Kommunistischen Manifest” an: „Vereinigte Aktion, wenigstens der zivilisierten Länder, ist eine der ersten Bedingungen seiner Befreiung” [d. h. des Proletariats. Der Übers.], vergleicht dieses Zitat mit dem Zitat aus einem Manuskript des Genossen Lenin , dass „für den Sieg des Sozialismus die gemeinsamen Anstrengungen der Arbeiter einiger fortgeschrittener Länder notwendig sind”, und gelangt zu dem Schluss, dass unsere Partei angeblich gegen diese allgemein gültigen und unbestreitbaren Sätze verstoßen und die internationalen Voraussetzungen für den Sieg der proletarischen Revolution außer acht gelassen habe. Nun, ist das etwa nicht lächerlich, Genossen? Wo und wann hätte unsere Partei die entscheidende Bedeutung der internationalen Anstrengungen der Arbeiterklasse und die internationalen Voraussetzungen für den Sieg der Revolution in unserem Lande jemals unterschätzt? Was ist denn die Komintern anderes als der Ausdruck der Vereinigung der Anstrengungen der Proletarier nicht nur der fortgeschrittenen Länder, sondern auch aller Länder der Welt sowohl im Interesse der Weltrevolution als auch im Interesse der Entwicklung unserer Revolution? Und wer anders als unsere Partei hat die Initiative zur Gründung der Komintern ergriffen, und wer anders als unsere Partei ist ihr Vortrupp? Und was ist die Politik der Einheitsfront der Gewerkschaften anderes als die Vereinigung der Anstrengungen der Arbeiter nicht nur der fortgeschrittenen Länder, sondern überhaupt aller Länder? Wer kann bestreiten, dass unsere Partei bei der Durchführung der Politik der Einheitsfront der Gewerkschaften der ganzen Welt eine Rolle von erstrangiger Bedeutung spielt? Ist es etwa nicht Tatsache, dass unsere Revolution die Entwicklung der Revolution in allen Ländern stets unterstützt hat und auch weiterhin unterstützt? Ist es etwa nicht Tatsache, dass die Arbeiter aller Länder durch ihre Sympathie für unsere Revolution und durch ihren Kampf gegen die Interventionsversuche unsere Revolution unterstützt haben und auch weiterhin unterstützen? Was ist das anderes als die Vereinigung der Anstrengungen der Arbeiter aller Länder im Interesse des Sieges unserer Revolution? Und der Kampf der englischen Arbeiter gegen Curzon im Zusammenhang mit der bekannten Note[98]? Und die Unterstützung der englischen Bergarbeiter durch die Arbeiter der UdSSR? Ich könnte, Genossen, nötigenfalls noch eine Reihe bekannter Tatsachen dieser Art anführen.

Wo werden hier die internationalen Aufgaben unserer Revolution außer Acht gelassen?

Worin besteht nun das ganze Geheimnis? Das ganze Geheimnis besteht hier darin, dass Sinowjew versucht, an die Stelle der Kardinalfrage, der Frage der Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande ohne staatliche Unterstützung durch das europäische Proletariat, der Kardinalfrage, ob die proletarische Macht in Rußland unter den gegenwärtigen internationalen Bedingungen einem konservativen Europa gegenüber sich behaupten kann - die Frage der gemeinsamen Anstrengungen der Proletarier aller Länder im Interesse des Sieges des Sozialismus in unserem Lande zu setzen.

Trotzki, Sinowjews gegenwärtiger Lehrmeister, sagt:

 

„Es wäre aussichtslos, zu glauben..., dass zum Beispiel ein revolutionäres Rußland einem konservativen Europa gegenüber sich behaupten könnte.” (Trotzki, Bd. III, Teil 1, S. 90.)

 

Trotzki, Sinowjews gegenwärtiger Lehrmeister, sagt:

 

„Ohne direkte staatliche Unterstützung durch das europäische Proletariat wird die Arbeiterklasse Rußlands nicht imstande sein, die Macht zu behaupten und ihre zeitweilige Herrschaft in eine dauernde sozialistische Diktatur zu verwandeln. Daran darf man nicht einen Augenblick zweifeln.” (Siehe „Unsere Revolution”, S. 278.)

 

Folglich setzt Sinowjew an die Stelle der Frage des Sieges des Sozialismus in unserem Lande unter der Voraussetzung des Sieges des Proletariats in Europa („staatliche Unterstützung durch das europ. Proletariat“) die Frage der gemeinsamen Anstrengungen der Arbeiter Europas und Rußlands.

Darum handelt es sich, und darum geht unser Streit.

Sinowjew versucht, durch Anführung von Zitaten aus Lenin s Werken und aus dem „Kommunistischen Manifest” an die Stelle der einen Frage eine andere Frage zu setzen.

Das ist das ganze Geheimnis der Sinowjewschen Exerzitien bezüglich des „Außerachtlassens” der internationalen Aufgaben unserer Revolution durch unsere Partei.

Das ist das ganze Geheimnis der Sinowjewschen Taschenspielertricks, des Wirrwarrs und Durcheinanders, das in seinem Kopfe herrscht.

Und diesen heillosen Wirrwarr, diese Verworrenheit und dieses Durcheinander in seinem Kopf gibt Sinowjew in seiner „Bescheidenheit“ für den dem Oppositionsblock eigenen „wahren” revolutionären Geist und „wahren” Internationalismus aus.

Ist das alles nicht lächerlich, Genossen?

Nein, um in unserer Zeit ein Internationalist und Revolutionär zu sein, muss man als Mitglied der Partei unsere Partei, die zugleich der Vortrupp der Komintern ist, mit allen Mitteln stärken und mit aller Kraft unterstützen. Die Oppositionellen aber richten sie zugrunde und diskreditieren sie.

Um in unserer Zeit ein Internationalist zu sein, muss man die Kommunistische Internationale mit allen Mitteln stärken und mit aller Kraft unterstützen. Die Oppositionellen aber zersetzen sie und richten sie zugrunde, indem sie die Maslow und Souvarine, und wie sie alle heißen, unterstützen und instruieren.

Es ist an der Zeit zu begreifen, dass man nicht Revolutionär und Internationalist sein kann, wenn man mit unserer Partei, die der Vortrupp der Kommunistischen Internationale ist, auf dem Kriegsfuß steht. (Beifall.)

Es ist an der Zeit zu begreifen, dass die Oppositionellen, nachdem sie der Komintern den Krieg erklärt haben, aufgehört haben, Revolutionäre und Internationalisten zu sein. (Beifall.)

Es ist an der Zeit zu begreifen, dass die Oppositionellen keine Revolutionäre und Internationalisten sind, sondern nur von Revolution und Internationalismus schwätzen. (Beifall.)

Es ist an der Zeit zu begreifen, dass sie keine Revolutionäre der Tat sind, sondern Revolutionäre der marktschreierischen Phrasen und der Filmleinwand. (Heiterkeit, Beifall.)

Es ist an der Zeit zu begreifen, dass sie keine Revolutionäre der Tat sind, sondern Kinorevolutionäre. (Heiterkeit, Beifall.)

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