"Stalin"

Werke

Band 8

SCHLUSSWORT ZU DEM REFERAT
„ÜBER DIE SOZIALDEMOKRATISCHE ABWEICHUNG
IN UNSERER PARTEI”

IV
TROTZKI FÄLSCHT DEN Lenin ISMUS

1. Trotzkis Taschenspielertricks oder die Frage der
„permanenten Revolution”

Ich komme zu Trotzkis Rede.

Trotzki hat erklärt, die Theorie der permanenten Revolution habe mit der zur Erörterung stehenden Frage nach dem Charakter und den Perspektiven unserer Revolution überhaupt nichts zu tun.

Das ist, gelinde gesagt, sehr sonderbar. Wieso? Ist etwa die Theorie der permanenten Revolution nicht die Theorie von den Triebkräften der Revolution? Trifft es etwa nicht zu, dass die Theorie der permanenten Revolution vor allem von den Triebkräften unserer Revolution handelt? Was aber ist die Frage nach dem Charakter und den Perspektiven unserer Revolution anderes als die Frage nach den Triebkräften dieser Revolution? Wie kann man behaupten, die Theorie der permanenten Revolution habe mit der zur Erörterung stehenden Frage überhaupt nichts zu tun? Das trifft nicht zu, Genossen. Das ist ein Kniff, ein Taschenspielertrick. Das ist ein Versuch, die Spuren zu verwischen. Das ist ein Versuch, Versteck zu spielen. Vergebliches Bemühen! Versuchen Sie nicht, Versteck zu spielen - sich zu verstecken wird Ihnen doch nicht gelingen!

An einer anderen Stelle seiner Rede versuchte Trotzki darauf „anzuspielen”, dass er der Theorie der permanenten Revolution schon längst keine ernste Bedeutung mehr beimesse. Und Kamenew hat in seiner Rede „zu verstehen gegeben”, dass Trotzki wahrscheinlich gar nicht abgeneigt sei, sich von der Theorie der permanenten Revolution abzukehren, sofern er sich nicht bereits von ihr abgekehrt habe.

Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Wollen wir die Frage untersuchen: Trifft es zu, dass die Theorie der permanenten Revolution nichts mit der zur Erörterung stehenden Frage zu tun hat, und wenn das nicht zutrifft, kann man dann Kamenew glauben, dass Trotzki der Theorie der permanenten Revolution keine Bedeutung beimesse und sich schier von ihr losgesagt habe?

Wenden wir uns den Dokumenten zu. Ich habe vor allem einen 1925 in der Presse veröffentlichten Brief Trotzkis an Genossen Olminski vom Dezember 1921 im Auge - einen Brief, von dem Trotzki niemals abzurücken versucht hat, von dem er bis auf den heutigen Tag weder direkt noch indirekt abgerückt ist und der infolgedessen volle Gültigkeit behält. Was aber wird in diesem Brief über die permanente Revolution gesagt?

Hören Sie bitte:

 

„Ich bin keineswegs der Meinung, dass ich in meinen Differenzen mit den Bolschewiki in allem Unrecht hatte. Ich hatte Unrecht - und zwar gründlich - in der Einschätzung der menschewistischen Fraktion, als ich ihre revolutionären Möglichkeiten überschätzte und hoffte, dass es gelingen werde, ihren rechten Flügel zu isolieren und unschädlich zu machen. Dieser fundamentale Fehler rührte jedoch daher, dass ich an beide Fraktionen, sowohl an die bolschewistische als auch an die menschewistische, vom Standpunkt der Idee der permanenten Revolution und der Diktatur des Proletariats heranging, während in jener Periode sowohl die Bolschewiki als auch die Menschewiki den Standpunkt der bürgerlichen Revolution und der demokratischen Republik vertraten. Ich nahm an, dass die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Fraktionen grundsätzlich nicht allzu tiefe Wurzeln hätten, und hoffte (diese Hoffnung habe ich wiederholt in Briefen und in Referaten zum Ausdruck gebracht), dass der Verlauf der Revolution selbst beide Fraktionen zu dem Standpunkt der permanenten Revolution und der Eroberung der Macht durch die Arbeiterklasse gelangen lassen werde, was im Jahre 1905 zum Teil auch geschehen ist. (Vorwort des Genossen Lenin zu Kautskys Artikel über die Triebkräfte der russischen Revolution und die ganze Richtung der Zeitung ,Natschalo’.)

Ich glaube, dass meine Einschätzung der Triebkräfte der Revolution unbedingt richtig war, wohingegen die Schlussfolgerungen, die ich daraus in bezug auf die beiden Fraktionen zog, unbedingt falsch waren. Nur der Bolschewismus konzentrierte in seinen Reihen dank seiner unversöhnlichen Linie die wirklich revolutionären Elemente sowohl der alten Intelligenz als auch der fortgeschrittenen Schicht der Arbeiterklasse. Nur dank der Tatsache, dass es dem Bolschewismus gelang, diese revolutionär zusammengeschlossene Organisation zu schaffen, wurde eine so rasche Wendung von der revolutionär-demokratischen Position zur revolutionär-sozialistischen Position möglich.

Auch jetzt könnte ich mühelos meine polemischen Artikel gegen die Menschewiki und Bolschewiki in zwei Kategorien einteilen: Die einen sind der Analyse der inneren Kräfte der Revolution, ihren Perspektiven gewidmet (im polnischen theoretischen Organ Rosa Luxemburgs, ‚Neue Zeit’), und die anderen sind der Einschätzung der Fraktionen der russischen Sozialdemokraten, ihrem Kampf u. a. gewidmet. Die Artikel der ersten Kategorie könnte ich, ohne eine Korrektur an ihnen vorzunehmen, auch jetzt herausgeben, da sie mit der Position unserer Partei, beginnend mit dem Jahre 1917, voll und ganz übereinstimmen. Die Artikel der zweiten Kategorie sind augenscheinlich fehlerhaft, und es würde sich nicht lohnen, sie neu herauszugeben.” (Siehe „ Lenin über Trotzki”, 1925, mit einem Vorwort des Genossen Olminski.)

 

Und was ergibt sich demnach?

Es ergibt sich demnach, dass sich Trotzki in Organisationsfragen geirrt hat, dass er aber in Fragen der Einschätzung unserer Revolution, in der Frage der permanenten Revolution, Recht hatte und Recht behält.

Es kann Trotzki allerdings nicht unbekannt sein, dass Lenin bis zu seinem Lebensende gegen die Theorie der permanenten Revolution gekämpft hat. Aber dadurch lässt er sich nicht beirren.

Es ergibt sich demnach ferner, dass beide Fraktionen, sowohl die Menschewiki als auch die Bolschewiki, zur Theorie der permanenten Revolution hätten gelangen müssen, dass aber in Wirklichkeit nur die Bolschewiki zu dieser Theorie gelangt sind, da sie über eine revolutionär zusammengeschlossene Organisation der Arbeiter und der alten Intelligenz verfügten, und sie sind auch nicht sofort zu dieser Theorie gelangt, sondern erst „beginnend mit dem Jahre 1917”.

Es ergibt sich demnach schließlich, dass die Theorie der permanenten Revolution „mit der Position unserer Partei, beginnend mit dem Jahre 1917, voll und ganz übereinstimmte”.

Urteilen Sie nun selbst: Sieht das danach aus, als ob Trotzki der Theorie der permanenten Revolution keine große Bedeutung beimisst? Nein, es sieht nicht danach aus. Im Gegenteil, wenn die Theorie der permanenten Revolution tatsächlich, „beginnend mit dem Jahre 1917”, mit der Position der Partei übereinstimmte, so kann man daraus nur die eine Schlussfolgerung ziehen, dass Trotzki dieser Theorie entscheidende Bedeutung für unsere gesamte Partei beimaß und weiter beimisst.

Was aber heißt „übereinstimmte”? Wie konnte Trotzkis Theorie der permanenten Revolution mit der Position unserer Partei übereinstimmen, wenn feststeht, dass unsere Partei, vertreten durch Lenin , die ganze Zeit hindurch gegen diese selbe Theorie gekämpft hat?

Eins von beiden: Entweder hatte unsere Partei keine eigene Theorie und wurde erst später, durch den Lauf der Dinge, gezwungen, Trotzkis Theorie der permanenten Revolution zu übernehmen, oder sie hatte ihre eigene Theorie, diese Theorie aber wurde, „beginnend mit dem Jahre 1917”, durch Trotzkis Theorie der permanenten Revolution, ohne dass man es merkte, verdrängt.

Diese „Unklarheit” hat Trotzki dann später in seinem „Vorwort” zu dem im Jahre 1922 geschriebenen Buch „Das Jahr 1905” geklärt. Nachdem Trotzki das Wesen der Theorie der permanenten Revolution dargelegt und die Einschätzung unserer Revolution unter dem Gesichtswinkel der Theorie der permanenten Revolution analysiert hat, gelangt er zu folgendem Schluss:

 

„Diese Einschätzung hat, wenn auch mit einer Unterbrechung von 12 Jahren, ihre volle Bestätigung gefunden.” (Trotzki, „1905”, „Vorwort“.)

 

Mit anderen Worten: Die von Trotzki im Jahre 1905 „konstruierte” Theorie der permanenten Revolution hat im Jahre 1917, 12 Jahre später, „ihre volle Bestätigung gefunden”.

Wie aber konnte sie ihre Bestätigung finden? Und die Bolschewiki - was ist aus ihnen geworden? Sollten sie wirklich in die Revolution gezogen sein, ohne überhaupt eine eigene Theorie gehabt zu haben, sollten sie zu nichts weiter fähig gewesen sein, als die revolutionäre Intelligenz, die revolutionären Arbeiter zusammenzuschließen? Und außerdem, auf welcher Grundlage haben sie die Arbeiter zusammengeschlossen, auf Grund welcher Prinzipien? Die Bolschewiki hatten doch wohl irgendeine Theorie, eine Einschätzung der Revolution, eine Einschätzung der Triebkräfte der Revolution aufzuweisen? Sollte unsere Partei wirklich keine andere Theorie als die Theorie der permanenten Revolution gehabt haben?

Urteilen Sie selbst: Da haben wir Bolschewiki nun gelebt und uns entwickelt ohne Perspektiven und ohne eine revolutionäre Theorie; so haben wir gelebt von 1903 bis 1917; dann aber, „beginnend mit dem Jahre 1917”, haben wir, ohne es selbst zu merken, die Theorie der permanenten Revolution geschluckt und sind auf die Beine gekommen. Zweifelsohne - eine interessante Mär. Wie aber konnte das geschehen, ohne dass wir es merkten, ohne Kampf, ohne Erschütterung innerhalb der Partei? Wie konnte das so einfach, so mir nichts, dir nichts geschehen? Zumal, da bekannt ist, dass Lenin und seine Partei gegen die Theorie der permanenten Revolution seit dem ersten Tage ihres Entstehens gekämpft haben?

Übrigens klärt Trotzki diese „Unklarheit” in einem anderen Dokument. Ich meine Trotzkis „Anmerkung” zu seinem im Jahre 1922 geschriebenen Artikel „Unsere Meinungsverschiedenheiten”.

Die entsprechende Stelle aus diesem Artikel Trotzkis lautet:

 

„Wenn die Menschewiki, ausgehend von der Abstraktion: ,’Unsere Revolution ist eine bürgerliche Revolution’ zu der Idee der Anpassung der gesamten Taktik des Proletariats an das Verhalten der liberalen Bourgeoisie, die Eroberung der Staatsmacht durch sie einbegriffen, gelangen - so gelangen die Bolschewiki, ausgehend ebenfalls von der reinen Abstraktion: ,demokratische, und nicht sozialistische Diktatur’ zu der Idee der bürgerlich-demokratischen Selbstbeschränkung des Proletariats, in dessen Händen sich die Staatsmacht befindet. Allerdings besteht zwischen ihnen in dieser Frage ein sehr bedeutsamer Unterschied: Während die antirevolutionären Seiten des Menschewismus sich bereits jetzt in aller Schärfe geltend machen, drohen die antirevolutionären Züge des Bolschewismus erst im Falle des revolutionären Sieges zu einer gewaltigen Gefahr zu werden.” (Trotzki, „1905”, S.285.)

 

Es stellt sich heraus, dass nicht nur der Menschewismus seine antirevolutionären Seiten hatte, sondern dass auch der Bolschewismus nicht frei von „antirevolutionären Zügen” war, die „erst im Falle des revolutionären Sieges zu einer gewaltigen Gefahr zu werden” drohten.

Haben denn die Bolschewiki sich später von den „antirevolutionären Zügen” des Bolschewismus frei gemacht, und wenn ja, auf welche Weise?

Diese „Unklarheit” klärt Trotzki in der „Anmerkung” zu dem Artikel „Unsere Meinungsverschiedenheiten”.

Hören Sie bitte:

„Das war bekanntlich nicht der Fall, da der Bolschewismus unter der Führung des Genossen Lenin (nicht ohne inneren Kampf) die Auswechslung seines ideologischen Rüstzeugs in dieser wichtigen Frage im Frühjahr 1917, d. h. vor .der Eroberung der Macht, vornahm.” (Trotzki, „1905”, 5.285.)

 

Also „Auswechslung des Rüstzeugs” der Bolschewiki, „beginnend mit dem Jahre 1917”, auf Grund der Theorie der permanenten Revolution, dadurch Rettung der Bolschewiki vor den „antirevolutionären Zügen des Bolschewismus”, endlich die Tatsache, dass die Theorie der permanenten Revolution somit „ihre volle Bestätigung gefunden hat” - das ist Trotzkis Schlussfolgerung.

Was aber ist aus dem Lenin ismus geworden, aus der Theorie des Bolschewismus, aus der bolschewistischen Einschätzung unserer Revolution, ihrer Triebkräfte usw.? Entweder haben sie nicht „ihre volle Bestätigung gefunden”, oder sie haben überhaupt keine „Bestätigung gefunden”, oder aber sie sind in Dunst und Rauch aufgegangen und haben zwecks „Auswechslung des Rüstzeugs” der Partei der Theorie der permanenten Revolution Platz gemacht.

Also, es waren einmal Bolschewiki, die „beginnend” mit dem Jahre 1903, die Partei schlecht und recht „zusammenschlossen”, die aber keine revolutionäre Theorie hatten, die, „beginnend” mit dem Jahre 1903, durch viele Irrungen und Wirrungen gingen und sich irgendwie bis zum Jahre 1917 durchschlugen; dann aber, als sie Trotzki mit der Theorie der permanenten Revolution in der Hand erblickten, beschlossen sie, ihr „Rüstzeug auszuwechseln”, und büßten nach „Auswechslung des Rüstzeugs” die letzten Reste des Lenin ismus, der Lenin schen Revolutionstheorie, ein und erreichten damit eine „völlige Übereinstimmung” der Theorie der permanenten Revolution mit der „Position” unserer Partei.

Das ist eine sehr interessante Mär, Genossen. Das ist, wenn Sie wollen, einer jener erstklassigen Taschenspielertricks, wie man sie im Zirkus sehen kann. Wir befinden uns aber nicht im Zirkus, sondern auf einer Konferenz unserer Partei. Und wir haben Trotzki doch nicht als Zirkuskünstler engagiert. Was sollen also all diese Taschenspielertricks?

Wie beurteilte Genosse Lenin Trotzkis Theorie der permanenten Revolution? In einem seiner Artikel, in dem er sich über diese Theorie lustig macht und sie „originell” und „wunderbar” nennt, schreibt er folgendes:

 

„Die Klassenverhältnisse in der bevorstehenden Revolution klarzustellen, ist die Hauptaufgabe einer revolutionären Partei... Diese Aufgabe wird von Trotzki in ‚Nasche Slowo’ nicht richtig gelöst; er wiederholt seine ‚originelle’ Theorie aus dem Jahre 1905 und will sich keine Gedanken darüber machen, aus welchen Gründen das Leben volle zehn Jahre an dieser wunderbaren Theorie vorbeigegangen ist.

Die originelle Theorie Trotzkis übernimmt von den Bolschewiki den Appell zum entschlossenen revolutionären Kampf des Proletariats und zur Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat, von den Menschewiki aber die ,Negierung’ der Rolle der Bauernschaft” ... Dadurch „hilft Trotzki in Wirklichkeit den liberalen Arbeiterpolitikern in Rußland, die unter der ,Negierung’ der Rolle der Bauernschaft den mangelnden ‘Willen verstehen, die Bauern zur Revolution aufzurütteln!” (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 21, S. 3811382, russ.)

 

Es ergibt sich somit, dass Lenin in der Theorie der permanenten Revolution eine halbmenschewistische Theorie sah, die die revolutionäre Rolle der Bauernschaft in der russischen Revolution ignoriert.

Unbegreiflich ist nur, wie diese halbmenschewistische Theorie mit der Position unserer Partei, wenn auch erst „beginnend mit dem Jahre 1917”, „voll und ganz übereinstimmen” konnte.

Und wie beurteilt unsere Partei die Theorie der permanenten Revolution? In der bekannten Resolution der XIV. Parteikonferenz wird darüber folgendes gesagt:

 

„Ein Bestandteil der trotzkistischen Theorie der permanenten Revolution ist die Behauptung, dass ‚ein wirklicher Aufschwung der sozialistischen Wirtschaft in Rußland erst nach dem Siege des Proletariats in den wichtigsten Ländern Europas möglich sein wird’ (Trotzki 1922) - eine Behauptung, die das Proletariat der UdSSR in der jetzigen Periode zu fatalistischer Passivität verurteilt. Gegen derartige ,Theorien’ schrieb Genosse Lenin : ,Unendlich schablonenhaft ist ihr Argument, das sie im Verlauf der Entwicklung der westeuropäischen Sozialdemokratie auswendig gelernt haben und das darin besteht, dass wir für den Sozialismus noch nicht reif seien, dass uns, wie sich die verschiedenen ,gelehrten’ Herren unter ihnen ausdrücken, die objektiven ökonomischen Voraussetzungen für den Sozialismus fehlen.” (Aufzeichnungen über Suchanow.) (Resolution der XIV. Parteikonferenz[99].)

 

Es ergibt sich somit, dass die Theorie der permanenten Revolution mit der gleichen Suchanow-Richtung zusammenfällt, die Genosse Lenin in seinen Aufzeichnungen „über unsere Revolution” als Sozialdemokratismus brandmarkt.

Unbegreiflich ist nur, wie es geschehen konnte, dass unsere bolschewistische Partei ihr Rüstzeug zugunsten einer solchen Theorie „auswechseln” konnte.

Kamenew hat in seiner Rede „zu verstehen gegeben”, dass Trotzki im Begriff sei, sich von seiner Theorie der permanenten Revolution abzukehren, und hat zur Erhärtung dessen folgende mehr als zweideutige Stelle aus Trotzkis jüngstem Brief an die Oppositionellen vom September 1926 zitiert:

„Wir gehen davon aus, dass Wladimir Iljitsch, wie die Erfahrung unwiderlegbar gezeigt hat, in allen nur halbwegs grundsätzlichen Fragen, in denen jemand von uns mit Lenin Differenzen hatte, unbedingt recht gehabt hat.”

Kamenew hat jedoch verschwiegen, dass Trotzki gleich danach in demselben Brief folgendes erklärte, was seine vorhergegangene Erklärung vollständig umstößt:

 

„Die Lenin grader Opposition hat sich energisch gegen die Theorie des Sozialismus in einem Lande, als gegen eine theoretische Rechtfertigung der nationalen Beschränktheit, gewandt.” (Siehe Trotzkis Brief, September 1926. - Anlage zum stenographischen Protokoll der Sitzungen des Politbüros des ZK der KPdSU(B) vom B. und 11. Oktober 1926.)

 

Welche Bedeutung kann die erste, zweideutige und absolut unverbindliche Erklärung Trotzkis haben in Anbetracht seiner zweiten Erklärung, die die erste vollständig umstößt?

Was ist die Theorie der permanenten Revolution? Die Verneinung der Lenin schen „Theorie des. Sozialismus in einem Lande”.

Was ist die Lenin sche „Theorie des Sozialismus in einem Lande”? Die Verneinung der Trotzkischen Theorie der permanenten Revolution.

Ist es nicht klar, dass Kamenew, indem er die erste Stelle aus Trotzkis Brief zitierte und die zweite verschwieg, versuchte, unsere Partei irrezuführen und zu betrügen?

Unsere Partei lässt sich aber nicht so leicht betrügen.

2. Jonglieren mit Zitaten, oder Trotzki fälscht den Lenin ismus

Haben Sie darauf geachtet, Genossen, dass Trotzkis ganze Rede mit den verschiedensten Zitaten aus Lenin s Werken gespickt ist? Man liest diese aus verschiedenen Artikeln Lenin s herausgerissenen Zitate, und man weiß nicht recht, worauf es Trotzki vor allem ankommt: darauf, mit ihnen seine eigene Position zu bekräftigen, oder darauf, Genossen Lenin bei „Widersprüchen zu ertappen”? Die eine Gruppe von Zitaten, die er aus Lenin s Werken anführte, besagt, dass die Gefahr einer Intervention nur im Falle des Sieges der Revolution in einigen Ländern überwunden werden kann; damit glaubte er offenbar, die Partei „zu entlarven”. Er hat jedoch nicht begriffen oder will nicht begreifen, dass diese Zitate nicht gegen die Position der Partei, sondern für ihre Position und gegen Trotzkis Position sprechen, denn die Einschätzung, die die Partei der Bedeutung der äußeren Gefahr gibt, steht voll und ganz im Einklang mit Lenin s Linie. Die andere Gruppe von Zitaten, die er anführte, besagt, dass der vollständige Sieg des Sozialismus ohne den Sieg der Revolution in einigen Ländern unmöglich ist; mit diesen Zitaten versucht er in jeder Weise zu jonglieren. Er hat jedoch nicht begriffen oder will nicht begreifen, dass man den vollständigen Sieg des Sozialismus (Garantie gegen eine Intervention) nicht in einen Topf werfen darf mit dem Sieg des Sozialismus überhaupt (Errichtung der sozialistischen Gesellschaft), er begreift nicht oder will nicht begreifen, dass diese Zitate aus Lenin s Werken nicht gegen die Partei, sondern für die Partei und gegen Trotzkis Position sprechen.

Trotzki hat zwar eine Menge verschiedenster, gar nicht zur Sache gehörender Zitate angeführt, aber auf Lenin s grundlegenden Artikel über die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande (1915) einzugehen, war er nicht gewillt, offenbar in der Meinung, dass Kamenew ihn durch seine Ausführungen vor einer Stellungnahme zu diesem Artikel glücklich bewahrt habe. Es kann jedoch jetzt als endgültig erwiesen gelten, dass es Kamenew nicht gelungen ist, seine Rolle mit Erfolg zu spielen, und dass der Artikel des Genossen Lenin seine uneingeschränkte Gültigkeit behält.

Trotzki hat ferner eine Stelle aus einem bekannten Artikel des Genossen Lenin zitiert, worin es heißt, dass es zwischen ihnen in der Bauernfrage, was die Tagespolitik anbetrifft, keine Meinungsverschiedenheiten gibt. Er hat aber vergessen zu sagen, dass dieser Artikel Lenin s die Frage der Meinungsverschiedenheiten, die zwischen Trotzki und Lenin in der Frage der Bauernschaft im Zusammenhang mit der Möglichkeit der Errichtung der vollendeten sozialistischen Gesellschaft in unserem Lande bestehen, nicht nur ungelöst lässt, sondern sie nicht einmal berührt.

Daraus erklärt sich denn auch, weshalb Trotzkis Operieren mit Zitaten zu einem leeren Jonglieren mit Zitaten geworden ist.

Trotzki hat versucht, den Beweis zu erbringen, dass seine Position mit Lenin s Position in der Frage der Möglichkeit der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft in unserem Lande auf Grund der inneren Kräfte unserer Revolution „übereinstimmt”. Wie aber lässt sich Unbeweisbares beweisen?

Wie lässt sich Lenin s These, dass „der Sieg des Sozialismus ursprünglich in wenigen kapitalistischen Ländern oder sogar in einem einzeln genommenen Lande möglich ist”[100] mit Trotzkis These vereinbaren, dass es „aussichtslos wäre, zu glauben ..., dass zum Beispiel ein revolutionäres Rußland einem konservativen Europa gegenüber sich behaupten könnte”?

Wie lässt sich ferner Lenin s These, dass „das siegreiche Proletariat dieses Landes (eines Landes. J. St.) sich nach Enteignung der Kapitalisten und nach Organisierung der sozialistischen Produktion im eigenen Lande der übrigen, der kapitalistischen Welt entgegenstellen würde“[101], mit Trotzkis These vereinbaren, dass „ohne direkte staatliche Unterstützung durch das europäische Proletariat die Arbeiterklasse Rußlands nicht imstande sein wird, die Macht zu behaupten und ihre zeitweilige Herrschaft in eine dauernde sozialistische Diktatur zu verwandeln”?

Wie lässt sich schließlich Lenin s These, dass „nur eine Verständigung mit der Bauernschaft die sozialistische Revolution in Rußland retten kann, solange die Revolution in den anderen Ländern nicht eingetreten ist”[102], mit Trotzkis These vereinbaren, dass „die Widersprüche in der Stellung der Arbeiterregierung in einem rückständigen Lande mit einer erdrückenden Mehrheit bäuerlicher Bevölkerung nur im internationalen Maßstab, in der Arena der Weltrevolution des Proletariats ihre Lösung werden finden können”?

Und weiter: Wodurch unterscheidet sich Trotzkis Position in der Frage des Sieges des Sozialismus in unserem Lande eigentlich von der Position des Menschewiks O. Bauer, nämlich, dass „in Rußland, wo das Proletariat nur eine kleine Minderheit der Nation darstellt, das Proletariat seine Herrschaft nur vorübergehend behaupten kann”, dass „es sie wieder verlieren muss, sobald die bäuerliche Masse der Nation kulturell reif genug wird, selbst die Herrschaft zu übernehmen”, dass „erst die Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat des industriellen Westens die dauernde Herrschaft des industriellen Sozialismus” in Rußland „begründen kann”?

Ist etwa nicht klar, dass Trotzki Bauers Position näher steht als Lenin s Position? Und trifft es etwa nicht zu, dass Trotzkis Position die Position der sozialdemokratischen Abweichung ist, dass Trotzki dem Wesen der Sache nach den sozialistischen Charakter unserer Revolution leugnet?

Trotzki hat versucht, seine These von der Unmöglichkeit, die proletarische Macht einem konservativen Europa gegenüber zu behaupten, mit Spekulationen solcher Art zu begründen, dass das gegenwärtige Europa nicht konservativ, sondern mehr oder weniger liberal sei und dass, wenn Europa wirklich konservativ wäre, das Proletariat unseres Landes die Macht nicht behaupten könnte. Aber ist es denn so schwer zu begreifen, dass sich Trotzki hier restlos und endgültig verheddert hat? Als was soll man zum Beispiel das heutige Italien oder England oder aber Frankreich bezeichnen - als konservativ oder als liberal? Was ist das heutige Nordamerika - ein konservatives oder ein liberales Land? Und welche Bedeutung kann diese „spitzfindige” und lächerliche Hervorhebung des Unterschieds zwischen einem konservativen und einem „liberalen” Europa für den Bestand und die Unversehrtheit unserer Republik haben? Haben etwa das republikanische Frankreich und das demokratische Amerika in der Periode Koltschaks und Denikins nicht ebenso an der Intervention gegen unser Land teilgenommen wie das monarchistische und konservative England?

Besonders viel Platz hat Trotzki der Frage des Mittelbauern eingeräumt. Er hat eine Stelle aus Lenin s Werken aus der Periode von 1906 zitiert, worin Lenin die Möglichkeit voraussagt, dass ein Teil der Mittelbauern nach dem Siege der bürgerlichen Revolution zur Konterrevolution abschwenkt, womit Trotzki offenbar zu beweisen suchte, dass dieses Zitat mit seiner Position in der Frage der Bauernschaft nach dem Siege der sozialistischen Revolution „übereinstimmt”. Es ist nicht schwer zu begreifen, dass Trotzki hier Dinge miteinander vergleicht, die sich nicht miteinander vergleichen lassen. Trotzki ist geneigt, die Mittelbauernschaft als ein „Ding an sich”, als etwas Beständiges und ein für allemal Gegebenes zu betrachten. Die Bolschewiki haben jedoch niemals eine solche Ansicht gegenüber der Mittelbauernschaft vertreten.

Trotzki hat offenbar vergessen, dass die Bolschewiki in bezug auf die Hauptmasse der Bauernschaft über drei Pläne verfügen: Der erste Plan gilt für die Periode der bürgerlichen Revolution, der zweite Plan gilt für die Periode der proletarischen Revolution, und der dritte Plan gilt für die Periode nach der Festigung der Sowjetmacht.

In der ersten Periode sagten die Bolschewiki: Zusammen mit der gesamten Bauernschaft, gegen den Zaren und die Gutsbesitzer bei Neutralisierung der liberalen Bourgeoisie, für die bürgerlich-demokratische Revolution.

In der zweiten Periode sagten die Bolschewiki: Zusammen mit der armen Bauernschaft, gegen Bourgeoisie und Kulaken bei Neutralisierung der Mittelbauernschaft, für die sozialistische Revolution. Was aber bedeutet die Neutralisierung der Mittelbauernschaft? Das bedeutet, dass das Proletariat die politische Aufsicht über die Mittelbauernschaft hat, dass es ihr nicht traut und alle Maßnahmen trifft, damit sie sich nicht seiner Macht entzieht.

In der dritten Periode, in der Periode, in der wir jetzt leben, sagen die Bolschewiki: Zusammen mit der Dorfarmut, im festen Bündnis mit dem Mittelbauern, gegen die kapitalistischen Elemente unserer Wirtschaft in Stadt und Land, für den Sieg des sozialistischen Aufbaus.

Wer diese drei Pläne, diese drei verschiedenen Linien, die drei verschiedene Perioden unserer Revolution widerspiegeln, miteinander vermengt, der versteht nichts von Bolschewismus.

Lenin hatte absolut Recht, als er sagte, dass nach dem Siege der bürgerlichen Revolution ein Teil der Mittelbauern zur Konterrevolution abschwenken werde. Und das war auch der Fall, zum Beispiel in der Periode der „Ufaer Regierung”[103], als ein Teil der Mittelbauern des Wolgagebiets zur Konterrevolution, zu den Kulaken, abschwenkte, während ein großer Teil der Mittelbauern zwischen Revolution und Konterrevolution hin und her schwankte. Und das konnte auch gar nicht anders sein. Der Mittelbauer wäre eben kein Mittelbauer, wenn er nicht abwartete und schwankte: „Wer kann wissen, wer siegen wird, da ist es schon besser, man wartet ab.” Erst nach den ersten ernstlichen Siegen über die innere Konterrevolution, und besonders nach der Festigung der Sowjetmacht, begann der Mittelbauer, sich entschieden der Sowjetmacht zuzuwenden, da er offenbar zu dem Schluss gekommen war, dass es ohne Staatsmacht nicht geht, die bolschewistische Staatsmacht aber stark und die Zusammenarbeit mit dieser Macht der einzige Ausweg ist. Gerade in dieser Periode sprach Genosse Lenin die prophetischen Worte: „Wir sind in das Stadium des sozialistischen Aufbaus eingetreten, wo es gilt, konkret, detailliert, auf Grund der Erfahrung der Arbeit im Dorfe überprüfte, grundlegende Regeln und Anweisungen auszuarbeiten, nach denen wir uns richten müssen, um uns in bezug auf den Mittelbauern auf den Boden eines festen Bündnisses zu stellen.“ (Rede auf dem VIII. Parteitag, 4. Ausgabe, Bd. 29, S. 1241125, russ.)

So ist es um die Frage der Mittelbauern bestellt.

Trotzkis Fehler besteht darin, dass er an die Frage der Mittelbauernschaft metaphysisch herangeht, dass er die Mittelbauernschaft als „Ding an sich” betrachtet und somit die Frage verwirrt, den Lenin ismus entstellt und fälscht.

Schließlich handelt es sich gar nicht darum, dass es zwischen Proletariat und einem bestimmten Teil der Mittelbauern noch Widersprüche und Konflikte geben kann und geben wird. Nicht darin bestehen die Meinungsverschiedenheiten zwischen Partei und Opposition. Es handelt sich bei unseren Meinungsverschiedenheiten darum, dass die Partei es für möglich hält, diese Widersprüche und möglichen Konflikte mit den eigenen Kräften unserer Revolution vollständig zu überwinden, während Trotzki und die Opposition der Ansicht sind, dass diese Widersprüche und Konflikte „nur im internationalen Maßstab, in der Arena der Weltrevolution des Proletariats” überwunden werden können.

Trotzki jongliert mit Zitaten und versucht, diese Meinungsverschiedenheiten irgendwo in einer Ecke verschwinden zu lassen. Ich habe aber bereits gesagt, dass es nicht gelingen wird, unsere Partei zu betrügen.

Und die Schlussfolgerung? Die Schlussfolgerung ist die, dass man Dialektiker und kein Gaukler sein soll. Sie hätten, verehrte Oppositionelle, bei Genossen Lenin Dialektik lernen sollen, Sie hätten seine Werke lesen sollen - das hätte Ihnen zum Nutzen gereicht. (Beifall, Heiterkeit.)

3. „Kleinigkeiten” und Kuriositäten

Trotzki hat mir, als Verfasser der Thesen, zum Vorwurf gemacht, dass darin von der Revolution „an und für sich”, als von einer sozialistischen Revolution gesprochen wird. Trotzki ist der Ansicht, dass eine solche Behandlung der Revolution Metaphysik sei. Ich kann dem keinesfalls beistimmen.

Weshalb wird in den Thesen von der Revolution „an und für sich”, als von einer sozialistischen Revolution gesprochen? Weil dadurch der ganze Unterschied hervorgehoben wird, der in der Einschätzung unserer Revolution zwischen den Ansichten unserer Partei und den Ansichten der Opposition besteht.

Worin besteht dieser Unterschied? Darin, dass die Partei unsere Revolution als sozialistische Revolution betrachtet, als eine Revolution, die eine gewisse selbständige Kraft darstellt und fähig ist, den Kampf gegen die kapitalistische Welt aufzunehmen, während die Opposition unsere Revolution als Gratisbeilage zu der künftigen proletarischen Revolution im Westen, einer Revolution, die noch nicht gesiegt hat, betrachtet, als „Zugabe” zur künftigen Revolution im Westen, als etwas, was keine selbständige Kraft besitzt. Man braucht nur die von Lenin gegebene Einschätzung der proletarischen Diktatur in unserem Lande mit der vom Oppositionsblock gegebenen Einschätzung zu vergleichen, um den ganzen Abgrund zwischen beiden zu erkennen. Während Lenin die proletarische Diktatur als eine Kraft einschätzt, die die größte Initiative zu entfalten vermag und die nach der Organisierung der sozialistischen Wirtschaft zur direkten Unterstützung des Weltproletariats, zum Kampf gegen die kapitalistische Welt übergehen muss, betrachtet die Opposition dagegen die proletarische Diktatur in unserem Lande als eine passive Kraft, die „einem konservativen Europa gegenüber” in steter Angst um ihre Macht lebt.

Ist etwa nicht klar, dass das Wort „Metaphysik” nur in Umlauf gesetzt wurde, um die Blöße der von der Opposition gegebenen sozialdemokratischen Einschätzung unserer Revolution zu verdecken?

Trotzki hat ferner davon gesprochen, dass ich die ungenaue und unrichtige Formulierung der Frage des Sieges des Sozialismus in einem Lande, die ich in meinem Buch „Über die Grundlagen des Lenin ismus” im Jahre 1924 gegeben habe, durch eine andere, genauere und richtigere Formulierung ersetzt habe. Darüber ist Trotzki offenbar unzufrieden.

Warum, aus welchem Grunde - das hat er allerdings nicht gesagt. Was kann denn Schlechtes daran sein, dass ich eine ungenaue Formulierung korrigiert und durch eine genaue ersetzt habe? Ich halte mich durchaus nicht für unfehlbar. Ich denke, es kann für die Partei nur ein Gewinn sein, wenn ein Fehler, den dieser oder jener Genosse begangen hat, von ihm anerkannt und danach korrigiert wird. Was will Trotzki eigentlich damit sagen, wenn er diese Tatsache betont? Vielleicht will er dem guten Beispiel folgen und sich endlich aufraffen, seine zahlreichen Fehler zu korrigieren? (Beifall, Heiterkeit.) Nun, ich bin bereit, ihm dabei zu helfen, wenn meine Hilfe hier gebraucht wird, ich bin bereit, ihm nachzuhelfen und ihn zu unterstützen. (Beifall, Heiterkeit.) Trotzki verfolgt aber offenbar hierbei ein anderes Ziel. Wenn das zutrifft, dann muss ich sagen, dass sein Versuch ein Versuch mit untauglichen Mitteln ist.

Trotzki hat in seiner Rede versichert, dass er gar kein so schlechter Kommunist sei, als den ihn die Vertreter der Parteimehrheit hinzustellen pflegen. Er hat eine ganze Menge von Stellen aus seinen Artikeln zitiert, die davon zeugen, dass er, Trotzki, den „sozialistischen Charakter” unserer Arbeit anerkannt habe und weiterhin anerkennt, dass er den „sozialistischen Charakter” unserer staatlichen Industrie nicht in Abrede stelle usw. usf. Sieh mal einer an, was für eine Neuigkeit! Das fehlte gerade noch, dass Trotzki den sozialistischen Charakter unserer Arbeit, unserer staatlichen Industrie usw. in Abrede stellte. Diese Tatsachen werden heutzutage von allen anerkannt, sogar von der New-Yorker Börse, sogar von unseren NÖP-Leuten, ganz abgesehen von O. Bauer. Jetzt sieht ein jeder, Feind wie Freund, dass wir die Industrie nicht so aufbauen wie die Kapitalisten, dass wir in die Entwicklung unseres wirtschaftlichen und politischen Lebens gewisse neue Elemente hineinbringen, die mit dem Kapitalismus nichts gemein haben.

Nein, verehrte Oppositionelle, nicht darum handelt es sich jetzt.

Die Sache hat jetzt eine ernstere Bewandtnis, als es dem Oppositionsblock scheinen mag.

Es handelt sich jetzt nicht um den sozialistischen Charakter unserer Industrie, sondern darum, die sozialistische Wirtschaft als Ganzes zu errichten, trotz der kapitalistischen Umkreisung, trotz der inneren und äußeren Feinde, die auf den Untergang der proletarischen Diktatur lauern. Es handelt sich darum, dem Lenin ismus zum vollen Triumph in unserer Partei zu verhelfen.

Es geht jetzt nicht um Kleinigkeiten und Kuriositäten. Mit Kleinigkeiten und Kuriositäten kann man heute die Partei nicht abspeisen. Die Partei verlangt jetzt mehr von der Opposition.

Entweder Sie zeigen sich Manns genug und bringen es fertig, sich offen und ehrlich von Ihren prinzipiellen Fehlern loszusagen, oder Sie tun das nicht, und dann geschieht Ihnen recht, wenn die Partei Ihre Position als Position der sozialdemokratischen Abweichung qualifiziert.

Eins von beiden.

Die Oppositionellen haben die Wahl zu treffen. (Zurufe: „Richtig!” Beifall.)

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