"Stalin"

Werke

Band 8

SCHLUSSWORT ZU DEM REFERAT
„ÜBER DIE SOZIALDEMOKRATISCHE ABWEICHUNG
IN UNSERER PARTEI”

V
DIE PRAKTISCHE PLATTFORM DER OPPOSITION
DIE FORDERUNGEN DER PARTEI

Nach dem Jonglieren mit Zitaten haben die Führer der Opposition sodann versucht, zu den Meinungsverschiedenheiten praktischer Natur überzugehen. Trotzki und Kamenew wie auch Sinowjew haben den Versuch gemacht, diese Meinungsverschiedenheiten zu formulieren, wobei sie zugleich behaupteten, dass nicht die theoretischen, sondern die praktischen Meinungsverschiedenheiten von Bedeutung seien. Ich muss jedoch feststellen, dass sich keine einzige der von der Opposition auf dieser Konferenz gegebenen Formulierungen unserer Meinungsverschiedenheiten durch Objektivität oder Vollständigkeit auszeichnet.

Sie wollen wissen, worin unsere praktischen Meinungsverschiedenheiten bestehen, Sie wollen wissen, was die Partei von Ihnen verlangt? So hören Sie:

1. Die Partei kann und wird nicht länger dulden, dass Sie jedesmal, wenn Sie in der Minderheit bleiben, auf die Straße laufen, eine Krise in der Partei ankündigen und Unruhe in der Partei stiften. Das wird die Partei nicht länger dulden. (Zurufe: „Richtig!” Beifall.)

2. Die Partei kann und wird nicht dulden, dass Sie, die Sie schon keine Hoffnung mehr haben, die Mehrheit in unserer Partei zu bekommen, allerlei unzufriedene Elemente auflesen und um sich sammeln, die Ihnen als Material für eine neue Partei dienen sollen. Das kann und wird die Partei nicht dulden. (Beifall.)

3. Die Partei kann und wird nicht dulden, dass Sie, die Sie den führenden Apparat der Partei verunglimpfen und das Regime in der Partei durchbrechen, die eiserne Disziplin in der Partei durchbrechen, alle und jegliche von der Partei verurteilten Strömungen unter der Flagge der Freiheit der Fraktionen um sich vereinigen und zu einer neuen Partei formieren. Die Partei wird das nicht dulden. (Beifall.)

4. Wir wissen, dass wir auf dem Wege des Aufbaus des Sozialismus auf große Schwierigkeiten stoßen. Wir sehen diese Schwierigkeiten, und wir haben die Möglichkeit, sie zu überwinden. Wir würden es nur begrüßen, wenn uns die Opposition bei der Überwindung dieser Schwierigkeiten in irgendeiner Weise helfen würde. Aber die Partei kann und wird nicht dulden, dass Sie diese Schwierigkeiten auszunutzen versuchen, um unsere Lage zu verschlechtern, um über die Partei herzufallen, um Attacken gegen die Partei zu reiten. (Beifall.)

5. Die Partei weiß besser als sämtliche Oppositionen zusammengenommen, dass das Fortschreiten der Industrialisierung und die Errichtung des Sozialismus nur möglich ist, wenn sich die materielle und kulturelle Lage der Arbeiterklasse ständig verbessert. Die Partei trifft alle Maßnahmen und wird alle Maßnahmen treffen, um die materielle und kulturelle Lage der Arbeiterklasse ständig zu verbessern. Aber die Partei kann und wird nicht dulden, dass die Opposition auf die Straße läuft und demagogisch erklärt, der Arbeitslohn müsse sofort um 30-40 Prozent erhöht werden, obwohl sie ganz genau weiß, dass die Industrie eine derartige Erhöhung des Arbeitslohnes gegenwärtig nicht verträgt, obwohl sie ganz genau weiß, dass derartige demagogische Erklärungen nicht den Zweck haben, die Lage der Arbeiterklasse zu verbessern, sondern den Zweck, unter den rückständigen Schichten der Werktätigen Unzufriedenheit zu schüren, Unzufriedenheit zu organisieren und sie gegen die Partei, gegen die Avantgarde der Arbeiterklasse, zu lenken. Die Partei kann und wird das nicht dulden. (Zurufe: „Richtig!” Beifall.)

6. Die Partei kann und wird nicht dulden, dass die Opposition auch weiterhin fortfährt, die Grundlagen des Zusammenschlusses der Arbeiter und Bauern, die Grundlagen des Bündnisses der Arbeiter und Bauern zu untergraben, indem sie die Idee der Erhöhung der Verkaufspreise und der Verstärkung des Steuerdrucks auf die Bauernschaft propagiert und das Verhältnis zwischen Proletariat und Bauernschaft nicht als Verhältnis der ökonomischen Zusammenarbeit, sondern als Verhältnis der Ausbeutung der Bauernschaft durch den proletarischen Staat „zu konstruieren” versucht. Die Partei kann und wird das nicht dulden. (Beifall.)

7. Die Partei kann und wird nicht dulden, dass die Oppositionellen auch weiterhin fortfahren, ideologische Verwirrung in der Partei zu stiften, unsere Schwierigkeiten zu übertreiben, defätistische Stimmungen zu nähren, die Idee der Unmöglichkeit der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande zu propagieren und dadurch die Grundlagen des Lenin ismus zu untergraben. Die Partei kann und wird das nicht dulden. (Zurufe: „Richtig!” Beifall.)

8. Die Partei kann und wird nicht dulden - wenn das auch nicht nur ihre Angelegenheit ist, sondern Angelegenheit aller Sektionen der Komintern -, dass Sie auch weiterhin fortfahren, die Arbeit der Komintern zu stören, ihre Sektionen zu zersetzen und die Führung der Komintern zu diskreditieren. Die Partei kann und wird das nicht dulden. (Beifall.)

Darin bestehen unsere praktischen Meinungsverschiedenheiten.

Das ist das Wesen der politischen und praktischen Plattform des Oppositionsblocks, und das ist es, wogegen unsere Partei heute kämpft.

Trotzki, der in seiner Rede einige Punkte dieser Plattform darlegte und sich über die anderen geflissentlich ausschwieg, fragte: Was ist denn hieran sozialdemokratisch? Eine sonderbare Frage! Ich aber frage: Was ist denn hieran, an dieser Plattform des Oppositionsblocks, kommunistisch? Was ist denn hieran nicht sozialdemokratisch? Ist etwa nicht klar, dass die praktische Plattform des Oppositionsblocks auf der Linie der Abkehr vom Lenin ismus, auf der Linie der Annäherung an die Sozialdemokratie liegt?

Sie wollten wissen, was die Partei von Ihnen verlangt, verehrte Oppositionelle - jetzt wissen Sie, was sie von Ihnen verlangt.

Entweder Sie erfüllen diese Bedingungen, die zugleich die Voraussetzungen für die völlige Einheit unserer Partei sind, oder Sie tun das nicht - und dann wird Sie die Partei, die Sie gestern geschlagen hat, morgen vollends zu zerschlagen beginnen. (Beifall.)

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