"Stalin"

Werke

Band 8

SCHLUSSWORT ZU DEM REFERAT
„ÜBER DIE SOZIALDEMOKRATISCHE ABWEICHUNG
IN UNSERER PARTEI”

VI
DAS FAZIT

Was ist das Fazit, was sind die Ergebnisse unseres innerparteilichen Kampfes?

Ich bin im Besitze eines von Trotzki unterzeichneten Dokuments vom September 1926. Dieses Dokument ist insofern bemerkenswert, als hier gewissermaßen versucht wird, die Ergebnisse des innerparteilichen Kampfes vorwegzunehmen, als es eine gewisse Prognose und eine gewisse Skizzierung der Perspektiven unseres innerparteilichen Kampfes enthält. In diesem Dokument heißt es:

 

„Die vereinigte Opposition hat im April und im Juli gezeigt, und sie wird im Oktober zeigen, dass die Einheitlichkeit ihrer Anschauungen unter dem Einfluss der groben und unloyalen Hetze nur gefestigt wird, und die Partei wird begreifen, dass nur auf dem Boden der Anschauungen der vereinigten Opposition ein Ausweg aus der gegenwärtigen schweren Krise möglich ist.” (Siehe Trotzkis Brief an die Oppositionellen, September 1926. - Anlage zum stenographischen Protokoll der Sitzungen des Politbüros vom B. und 11. Oktober 1926.)

 

Sie sehen, das ist fast wie eine Wahrsagung. (Zuruf: „Aber nur - fast.”) Das ist fast wie eine Prophezeiung rein marxistischen Typs - eine Voraussage auf volle zwei Monate. (Heiterkeit.)

Natürlich enthält sie einige Übertreibungen. (Heiterkeit.) Es wird hier zum Beispiel von der gegenwärtigen schweren Krise unserer Partei gesprochen. Aber wir sind gottlob gesund und munter und haben die Krise nicht einmal bemerkt. Eine gewisse Krise ist allerdings vorhanden, aber keine Krise der Partei, sondern eine Krise einer gewissen Fraktion, genannt Fraktion des Oppositionsblocks. Man soll aber nicht die Krise einer kleinen Fraktion für die Krise einer Millionenpartei ausgeben.

In Trotzkis Dokument wird ferner gesagt, der Oppositionsblock festige sich und werde sich in Zukunft noch mehr festigen. Ich denke, dass hier ebenfalls einiges übertrieben ist. (Heiterkeit.) Die Tatsache lässt sich doch nicht leugnen, dass der Oppositionsblock in Zersetzung begriffen ist, dass sich die besten Elemente von ihm abspalten, dass er an seinen inneren Widersprüchen erstickt. Ist es etwa nicht Tatsache, dass sich zum Beispiel Genossin Krupskaja vom Oppositionsblock abkehrt? (Stürmischer Beifall.) Ist das Zufall?

In Trotzkis Dokument wird schließlich gesagt, nur auf dem Boden der Anschauungen der vereinigten Opposition sei ein Ausweg aus der gegenwärtigen Krise möglich. Ich denke, dass Trotzki hier ebenfalls einiges übertrieben hat. (Heiterkeit.) Es kann den Oppositionellen nicht unbekannt sein, dass die Partei sich nicht auf dem Boden der Anschauungen des Oppositionsblocks, sondern im Kampf gegen diese Anschauungen, auf dem Boden der sozialistischen Perspektiven unseres Aufbaus vereinigt und zusammengeschlossen hat. Die Übertreibung in Trotzkis Dokument ist ganz offensichtlich.

Wenn man aber von all diesen Übertreibungen, die sich Trotzki in seinem Dokument zuschulden kommen lässt, absieht, so bleibt, wie mir scheinen will, von der ganzen Prognose eigentlich nichts übrig, Genossen. (Allgemeine Heiterkeit.)

Wie Sie sehen, ist das Fazit gerade das Gegenteil von dem Fazit, das uns Trotzki in seiner Prognose skizziert hat.

Ich komme zum Schluss, Genossen.

Sinowjew prahlte eine Zeitlang damit, dass er es verstehe, sein Ohr an die Erde zu drücken (Heiterkeit), und wenn er es an die Erde drücke, dann vernehme er die Schritte der Geschichte. Es mag sehr wohl sein, dass dem wirklich so ist. Aber eins muss immerhin festgestellt werden, dass Sinowjew, der es versteht, sein Ohr an die Erde zu drücken und die Schritte der Geschichte zu vernehmen, manchmal einige „Kleinigkeiten” nicht vernimmt. Es mag sein, dass die Opposition es tatsächlich versteht, das Ohr an die Erde zu drücken und so großartige Dinge zu vernehmen wie die Schritte der Geschichte. Jedoch muss festgestellt werden, dass die Opposition, obwohl sie so großartige Dinge zu vernehmen versteht, es nicht verstanden hat, die „Kleinigkeit” zu vernehmen, dass die Partei der Opposition schon längst den Rücken gekehrt hat und dass die Opposition gestrandet ist. Das haben sie nicht vernommen. (Zurufe: „Richtig!”)

Was aber folgt daraus? Daraus folgt, dass die Ohren der Opposition augenscheinlich nicht in Ordnung sind. (Heiterkeit.)

Daher mein Ratschlag: Verehrte Oppositionelle, kurieren Sie Ihre Ohren! (Stürmischer, lang anhaltender Beifall. Die Konferenz bringt stehend dem Genossen Stalin eine Ovation dar.)

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