"Stalin"

Werke

Band 9

NOCH EINMAL ÜBER
DIE SOZIALDEMOKRATISCHE ABWEICHUNG
IN UNSERER PARTEI

Referat, gehalten am 7. Dezember

I
VORBEMERKUNGEN

Genossen! Gestatten Sie mir, bevor ich mich dem eigentlichen Thema zuwende, einige Vorbemerkungen zu machen.

1. Die Gegensätze in der innerparteilichen Entwicklung

Die erste Frage ist die Frage des Kampfes innerhalb unserer Partei, eines Kampfes, der nicht erst gestern begonnen hat und der weitergeht.

Wenn man die Geschichte unserer Partei von dem Augenblick an betrachtet, da sie in Gestalt der Gruppe der Bolschewiki im Jahre 1903 entstand, und ihre folgenden Etappen bis in unsere Zeit hinein verfolgt, so kann man ohne Übertreibung sagen, dass die Geschichte unserer Partei die Geschichte des Kampfes der Gegensätze innerhalb der Partei ist, die Geschichte der Überwindung dieser Gegensätze und des allmählichen Erstarkens unserer Partei auf der Grundlage der Überwindung dieser Gegensätze. Man könnte annehmen, dass die russischen Menschen allzu rauflustig seien, dass sie gern diskutieren, Meinungsverschiedenheiten in die Welt setzen, und dass deshalb die Entwicklung ihrer Partei durch die Überwindung der innerparteilichen Gegensätze vor sich gehe. Das stimmt nicht, Genossen. Es handelt sich hier nicht um Rauflust. Es handelt sich darum, dass es prinzipielle Meinungsverschiedenheiten gibt, die im Verlauf der Entwicklung der Partei, im Verlauf des Klassenkampfes des Proletariats entstehen. Es handelt sich darum, dass man Gegensätze nur auf dem Wege des Kampfes überwinden kann, des Kampfes um diese oder jene Prinzipien, um diese oder jene Kampfziele, um diese oder jene Kampfmethoden zur Erreichung des Zieles. Man kann und soll in Fragen der Tagespolitik, in Fragen rein praktischen Charakters Übereinkommen jeglicher Art mit Andersdenkenden innerhalb der Partei treffen. Wenn aber diese Fragen mit prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten verbunden sind, so kann kein Übereinkommen, keine „mittlere“ Linie die Sache retten. Es gibt keine „mittlere“ Linie in Fragen prinzipiellen Charakters, und es kann sie nicht geben. Der Arbeit der Partei müssen entweder die einen oder die anderen Prinzipien zugrunde gelegt werden. Die „mittlere“ Linie in prinzipiellen Fragen ist die „Linie“ der Verkleisterung der Hirne, die „Linie“ der Vertuschung der Meinungsverschiedenheiten, die „Linie“ der ideologischen Entartung der Partei, die „Linie“ des ideologischen Todes der Partei.

Wie leben und entwickeln sich heute die sozialdemokratischen Parteien im Westen? Gibt es bei ihnen innerparteiliche Gegensätze, prinzipielle Meinungsverschiedenheiten? Natürlich gibt es sie. Decken sie diese Gegensätze auf, streben sie danach, sie offen und ehrlich vor den Augen der Parteimassen zu überwinden? Nein. Natürlich nicht! Die Praxis der Sozialdemokratie besteht darin, diese Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten zu verheimlichen, zu verbergen. Die Praxis der Sozialdemokratie besteht darin, ihre Konferenzen und Parteitage in eine leere Maskerade zu verwandeln, indem sie ein falsches Bild wohlgeordneter Zustände zur Schau stellt und die inneren Meinungsverschiedenheiten sorgfältig verheimlicht und verkleistert. Aber dabei kann nichts herauskommen als Verkleisterung der Hirne und ideologische Verarmung der Partei. Darin liegt eine der Ursachen für den Niedergang der westeuropäischen Sozialdemokratie, die einst revolutionär war, jetzt aber reformistisch geworden ist.

Wir aber, Genossen, können so nicht leben und uns entwickeln. Die Politik der „mittleren“ prinzipiellen Linie ist nicht unsere Politik. Die Politik der „mittleren“ prinzipiellen Linie ist die Politik dahinsiechender und entartender Parteien. Eine solche Politik führt unvermeidlich zur Verwandlung der Partei in einen hohlen bürokratischen Apparat, der sich im Leerlauf dreht und von den Arbeitermassen losgelöst ist. Dieser Weg ist nicht unser Weg.

Die ganze Vergangenheit unserer Partei ist eine Bestätigung der These, dass die Geschichte unserer Partei die Geschichte der Überwindung der innerparteilichen Gegensätze und der steten Festigung der Reihen unserer Partei eben auf der Grundlage der Überwindung der Gegensätze ist.

Nehmen wir die erste Periode, die Periode der „Iskra“, oder die Periode unseres II. Parteitags, als sich zum erstenmal Meinungsverschiedenheiten innerhalb unserer Partei zwischen Bolschewiki und Menschewiki zeigten und als die Führung unserer Partei schließlich in zwei Teile zerfiel: in einen bolschewistischen Teil ( Lenin ) und einen menschewistischen Teil (Plechanow, Axelrod, Martow, Sassulitsch, Potressow). Lenin stand damals allein. Wenn Sie wüssten, wieviel Geschrei und Gejammer es damals gab über die „Unersetzlichen“, die Lenin verlassen hatten! Die Praxis des Kampfes aber und die Geschichte der Partei haben gezeigt, dass diese Trennung eine prinzipielle Grundlage hatte, dass diese Trennung eine notwendige Etappe war für die Entstehung und Entwicklung einer wirklich revolutionären und wirklich marxistischen Partei. Die Praxis des Kampfes zeigte damals erstens, dass es nicht auf die Quantität ankommt, sondern auf die Qualität, und zweitens, dass es nicht auf eine formale Einheit ankommt, sondern darauf, dass die Einheit eine prinzipielle Grundlage hat. Die Geschichte hat gezeigt, dass Lenin Recht hatte, die „Unersetzlichen“ aber im Unrecht waren. Die Geschichte hat gezeigt, dass wir ohne Überwindung dieser Gegensätze zwischen Lenin und den „Unersetzlichen“ keine wirklich revolutionäre Partei hätten.

Nehmen wir die folgende Periode, die Periode des Vorabends der Revolution von 1905, als sich Bolschewiki und Menschewiki immer noch in ein und derselben Partei als zwei Lager mit zwei völlig verschiedenen Plattformen gegenüberstanden, als die Bolschewiki vor der formellen Spaltung der Partei standen und als sie zur Verteidigung der Linie unserer Revolution gezwungen waren, ihren eigenen Parteitag (den III. Parteitag) einzuberufen. Wodurch gewann damals der bolschewistische Teil der Partei die Oberhand, wodurch eroberte er die Sympathien der Mehrheit in der Partei? Dadurch, dass er die prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten nicht verkleisterte, sondern für die Überwindung dieser Meinungsverschiedenheiten durch die Isolierung der Menschewiki kämpfte.

Ich könnte mich weiter auf das dritte Stadium der Entwicklung unserer Partei berufen, auf die Periode nach der Niederlage der Revolution von 1905, auf die Periode von 1907, als sich ein Teil der Bolschewiki, die so genannten „Otsowisten“, mit Bogdanow an der Spitze, vom Bolschewismus abwandte. Das war eine kritische Periode im Leben unserer Partei. Das war jene Periode, als eine ganze Reihe Bolschewiki aus der alten Garde Lenin und seine Partei verließ. Die Menschewiki erhoben damals ein großes Geschrei über den Untergang der Bolschewiki. Der Bolschewismus aber ging nicht unter, und die Praxis des Kampfes im Verlauf von ungefähr anderthalb Jahren zeigte, dass Lenin und seine Partei recht hatten, wenn sie den Kampf für die Überwindung der Gegensätze in den Reihen des Bolschewismus führten. Diese Gegensätze wurden nicht durch Verkleisterung überwunden, sondern durch ihre Aufdeckung und durch Kampf, zum Wohle und zum Nutzen unserer Partei.

Ich könnte mich ferner auf die vierte Periode in der Geschichte unserer Partei berufen, auf die Periode 1911-1912, als die Bolschewiki die von der zaristischen Reaktion fast zerschlagene Partei wiederaufbauten und die Liquidatoren davonjagten. Auch hier gingen die Bolschewiki, ebenso wie in den früheren Perioden, an den Wiederaufbau und die Festigung der Partei heran, nicht indem sie die prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten mit den Liquidatoren verkleisterten, sondern indem sie sie aufdeckten und überwanden.

Ich könnte dann auf das fünfte Stadium in der Entwicklung unserer Partei hinweisen, auf die Periode vor der Oktoberrevolution 1917, als ein Teil der Bolschewiki mit bekannten Führern der bolschewistischen Partei an der Spitze schwankte und nicht zum Oktoberaufstand schreiten wollte, da sie ihn für ein Abenteuer hielten. Es ist bekannt, dass auch dieser Gegensatz von den Bolschewiki überwunden wurde nicht durch Verkleisterung der Meinungsverschiedenheiten, sondern durch den offenen Kampf für die Oktoberrevolution. Die Praxis des Kampfes hat gezeigt, dass wir ohne Überwindung dieser Meinungsverschiedenheiten die Oktoberrevolution in eine kritische Lage hätten bringen können.

Ich könnte schließlich auf die weiteren Perioden der Entwicklung unseres innerparteilichen Kampfes hinweisen, auf die Periode des Brester Friedens, auf die Periode von 1921 (die Gewerkschaftsdiskussion) und auf die übrigen Perioden, die Ihnen bekannt sind und über die ich mich hier nicht weiter verbreiten werde. Bekanntlich ist unsere Partei in allen diesen Perioden ebenso wie auch vorher gewachsen und erstarkt durch die Überwindung der inneren Gegensätze.

Was ergibt sich nun daraus?

Daraus ergibt sich, dass die KPdSU(B) gewachsen und erstarkt ist durch die Überwindung der innerparteilichen Gegensätze.

Daraus ergibt sich, dass die Überwindung der innerparteilichen Meinungsverschiedenheiten auf dem Wege des Kampfes ein Entwicklungsgesetz unserer Partei ist.

Man könnte sagen, das sei ein Gesetz für die KPdSU(B), nicht aber für die anderen proletarischen Parteien. Das stimmt nicht. Dieses Gesetz ist ein Entwicklungsgesetz für alle einigermaßen großen Parteien, ganz gleich, ob es sich um die proletarische Partei der UdSSR oder um die proletarischen Parteien des Westens handelt. Wenn man in einer kleinen Partei eines kleinen Landes Meinungsverschiedenheiten mit Hilfe der Autorität eines einzelnen oder einiger Personen so oder anders vertuschen kann, so ist in einer großen Partei eines großen Landes die Entwicklung durch Überwindung der Gegensätze ein unerlässliches Element des Wachstums und der Festigung der Partei. So war es in der Vergangenheit. So ist es in der Gegenwart.

Ich möchte mich hier auf die Autorität von Engels berufen, der zusammen mit Marx jahrzehntelang die proletarischen Parteien im Westen leitete. Es handelt sich um die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als in Deutschland das Ausnahmegesetz gegen die Sozialisten[2] herrschte, als Marx und Engels in London in der Emigration lebten und das illegale Auslandsorgan der deutschen Sozialdemokratie „Der Sozialdemokrat“[3] faktisch die Arbeit der deutschen Sozialdemokratie leitete. Bernstein war damals ein revolutionärer Marxist (er war noch nicht zu den Reformisten hinübergewechselt), und Engels stand mit ihm in regem Briefwechsel über die aktuellsten Fragen der Politik der deutschen Sozialdemokratie. Folgendes schrieb er damals an Bernstein (1882):

„Es scheint, jede Arbeiterpartei eines großen Landes kann sich nur in innerem Kampf entwickeln, wie das in dialektischen Entwicklungsgesetzen überhaupt begründet ist. Die deutsche Partei wurde, was sie ist, im Kampf der Eisenacher und Lassalleaner, wo ja die Keilerei selbst eine Hauptrolle spielte. Einigung wurde erst möglich, als die von Lassalle absichtlich als Werkzeug gezüchtete Lumpenbande sich abgearbeitet hatte - und auch da geschah sie unserseits mit viel zu großer Übereilung. In Frankreich müssen die Leute, die zwar die bakunistische Theorie geopfert, aber die bakunistischen Kampfmittel fortführen und gleichzeitig den Klassencharakter der Bewegung ihren Sonderzwecken opfern wollen, sich auch erst abarbeiten, ehe wieder Einigung möglich. Unter solchen Umständen Einigung predigen wollen, wäre reine Torheit. Mit Moralpredigten richtet man nichts aus gegen Kinderkrankheiten, die unter heutigen Umständen nun einmal durchgemacht werden müssen.“ (Siehe Archiv K. Marx und F. Engels, Bd. I, S. 324/325[4].)

Denn, wie Engels an anderer Stelle sagt (1885):

„Die Gegensätze werden nie auf die Dauer vertuscht, sondern stets ausgefochten.“ (Ebenda, S. 371.)

Dadurch vor allem ist das Vorhandensein von Gegensätzen innerhalb unserer Partei und die Entwicklung unserer Partei durch die Überwindung dieser Gegensätze auf dem Wege des Kampfes zu erklären.

2. Die Quellen der Gegensätze innerhalb der Partei

Woher aber kommen diese Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten, wo liegt ihre Quelle?

Ich glaube, dass die Quellen der Gegensätze innerhalb der proletarischen Parteien in zwei Umständen zu suchen sind.

Was sind das für Umstände?

Das ist erstens der Druck der Bourgeoisie und der bürgerlichen Ideologie auf das Proletariat und seine Partei unter den Bedingungen des Klassenkampfes - ein Druck, dem die am wenigsten widerstandsfähigen Schichten des Proletariats und damit die am wenigsten widerstandsfähigen Schichten der proletarischen Partei nicht selten nachgeben. Man darf das Proletariat nicht als völlig isoliert von der Gesellschaft, als außerhalb der Gesellschaft stehend betrachten. Das Proletariat bildet einen Teil der Gesellschaft, der mit ihren verschiedenartigen Schichten durch zahlreiche Fäden verknüpft ist. Die Partei aber ist ein Teil des Proletariats. Deshalb kann auch die Partei nicht frei sein von Verbindungen mit den verschiedenartigen Schichten der bürgerlichen Gesellschaft und deren Einfluss. Der Druck der Bourgeoisie und ihrer Ideologie auf das Proletariat und seine Partei kommt darin zum Ausdruck, dass nicht selten bürgerliche Ideen, Sitten, Gebräuche, Stimmungen durch bestimmte Schichten des Proletariats, die auf diese oder jene Weise mit der bürgerlichen Gesellschaft verbunden sind, in das Proletariat und seine Partei eindringen.

Das ist zweitens die verschiedenartige Zusammensetzung der Arbeiterklasse, das Vorhandensein verschiedener Schichten innerhalb der Arbeiterklasse. Ich glaube, man könnte das Proletariat als Klasse in drei Schichten unterteilen.

Die erste Schicht ist die Hauptmasse des Proletariats, sein Kern, sein ständiger Teil, jene Masse der „reinblütigen“ Proletarier, die bereits seit langem die Verbindungen mit der Kapitalistenklasse abgebrochen hat. Diese Schicht des Proletariats ist die zuverlässigste Stütze des Marxismus.

Die zweite Schicht sind diejenigen, die erst kürzlich aus nichtproletarischen Klassen, aus der Bauernschaft, aus den Reihen der Kleinbürger, aus der Intelligenz hervorgegangen sind. Es sind Leute, die aus anderen Klassen kommen, erst unlängst zum Proletariat gestoßen sind und ihre Gebräuche, ihre Gewohnheiten, ihre Schwankungen und ihre Unschlüssigkeit in die Arbeiterklasse hineintragen. Diese Schicht bildet den günstigsten Boden für alle möglichen anarchistischen, halbanarchistischen und „ultralinken“ Gruppierungen.

Die dritte Schicht schließlich ist die Arbeiteraristokratie, die Oberschicht der Arbeiterklasse, der materiell am besten gestellte Teil des Proletariats, der bestrebt ist, Kompromisse mit der Bourgeoisie zu schließen, und bei dem Stimmungen dominieren, sich den Mächtigen der Welt anzupassen, es „zu etwas zu bringen“. Diese Schicht bildet den günstigsten Boden für die offenen Reformisten und Opportunisten.

Trotz des äußerlichen Unterschieds bilden diese beiden letzten Schichten der Arbeiterklasse einen mehr oder weniger gemeinsamen Nährboden für den Opportunismus überhaupt, für den offenen Opportunismus, sofern Stimmungen der Arbeiteraristokratie die Oberhand gewinnen, und für den mit „linken“ Phrasen bemäntelten Opportunismus, sofern Stimmungen derjenigen halbspießbürgerlichen Schichten der Arbeiterklasse die Oberhand gewinnen, die mit dem kleinbürgerlichen Milieu noch nicht völlig gebrochen haben. Die Tatsache, dass „ultralinke“ Stimmungen auf Schritt und Tritt mit offen opportunistischen Stimmungen zusammenfallen - diese Tatsache ist nicht verwunderlich. Lenin hat wiederholt erklärt, dass die „ultralinke“ Opposition die Kehrseite der rechten, menschewistischen, offen opportunistischen Opposition ist. Und das ist vollkommen richtig. Da der „Ultralinke“ für die Revolution nur deshalb eintritt, weil er den Sieg der Revolution bereits für morgen erwartet, ist es klar, dass er in Verzweiflung geraten und von der Revolution enttäuscht sein muss, wenn eine Verzögerung der Revolution eintritt, wenn die Revolution nicht bereits morgen siegt.

Es ist natürlich, dass bei jeder Wendung in der Entwicklung des Klassenkampfes, mit jeder Verschärfung des Kampfes und jeder Zunahme der Schwierigkeiten der Unterschied in den Ansichten, Gewohnheiten und Stimmungen der verschiedenen Schichten des Proletariats unvermeidlich in Form bestimmter Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Partei in Erscheinung treten muss. Der Druck der Bourgeoisie und ihrer Ideologie aber muss diese Meinungsverschiedenheiten unvermeidlich verschärfen, was dazu führt, dass sie innerhalb der proletarischen Partei durch Kampf ausgetragen werden.

Das sind die Quellen der innerparteilichen Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten.

Kann man diesen Gegensätzen und Meinungsverschiedenheiten aus dem Wege gehen? Nein, das kann man nicht. Glauben, man könne diesen Gegensätzen aus dem Wege gehen, heißt sich selbst betrügen. Engels hatte Recht, als er sagte, dass man Gegensätze innerhalb der Partei auf die Dauer nicht vertuschen kann, dass diese Gegensätze ausgefochten werden müssen.

Das bedeutet aber nicht, dass die Partei in einen Diskussionsklub verwandelt werden soll. Im Gegenteil, die proletarische Partei ist eine Kampforganisation des Proletariats und muss es bleiben. Ich will damit lediglich sagen, dass man über die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Partei nicht hinweggehen und die Augen vor ihnen nicht verschließen darf, wenn diese Meinungsverschiedenheiten prinzipiellen Charakter haben. Ich will damit lediglich sagen, dass nur durch den Kampf um die prinzipielle marxistische Linie die proletarische Partei gegen den Druck und den Einfluss der Bourgeoisie geschützt werden kann. Ich will damit lediglich sagen, dass nur durch die Überwindung der innerparteilichen Gegensätze die Gesundung und Festigung der Partei erreicht werden kann.

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