"Stalin"

Werke

Band 9

NOCH EINMAL ÜBER
DIE SOZIALDEMOKRATISCHE ABWEICHUNG
IN UNSERER PARTEI

Referat, gehalten am 7. Dezember

III
DIE MEINUNGSVERSCHIEDENHEITEN
IN DER KPdSU(B)

Gehen wir jetzt zum Wesen der Meinungsverschiedenheiten über.

Ich glaube, man könnte unsere Meinungsverschiedenheiten auf einige grundlegende Fragen zurückführen. Ich werde diese Fragen nicht ausführlich behandeln, da die Zeit hierfür nicht ausreicht und mein Referat sich ohnehin in die Länge zieht. Zudem haben Sie die Materialien über die Fragen der KPdSU(B) erhalten, die allerdings einige Übersetzungsfehler aufweisen, im wesentlichen aber doch eine richtige Vorstellung von den Meinungsverschiedenheiten in unserer Partei geben.

1. Die Fragen des sozialistischen Aufbaus

Die erste Frage. Die erste Frage ist die Frage der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande, die Frage der Möglichkeit des siegreichen Aufbaus des Sozialismus. Es handelt sich natürlich nicht um Montenegro, auch nicht einmal um Bulgarien, sondern um unser Land, um die UdSSR. Es handelt sich um ein Land, wo der Imperialismus bestanden und sich entwickelt hat, wo es ein bestimmtes Minimum an Großindustrie gibt, wo es ein bestimmtes Minimum an Proletariat gibt, wo es eine Partei gibt, die das Proletariat führt. Ist also der Sieg des Sozialismus in der UdSSR möglich, ist es möglich, hier den Sozialismus auf der Grundlage der inneren Kräfte unseres Landes zu errichten, auf der Grundlage der Möglichkeiten, über die das Proletariat der UdSSR verfügt?

Was aber heißt den Sozialismus errichten, wenn man diese Formel in die konkrete Klassensprache übersetzt? Den Sozialismus in der UdSSR errichten, das heißt, aus eigener Kraft im Verlauf des Kampfes unsere, die sowjetische, Bourgeoisie überwinden. Folglich läuft die Frage darauf hinaus, ob das Proletariat der UdSSR fähig ist, seine eigene, die sowjetische, Bourgeoisie zu überwinden? Wenn man also davon spricht, ob es möglich ist, den Sozialismus in der UdSSR zu errichten, so meint man damit: Ist das Proletariat der UdSSR fähig, aus eigener Kraft die Bourgeoisie der UdSSR zu überwinden? So, und nur so. steht die Frage bei der Lösung des Problems der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande.

Die Partei beantwortet diese Frage positiv, denn sie geht davon aus, dass das Proletariat der UdSSR, die proletarische Diktatur in der UdSSR die Möglichkeit besitzt, die Bourgeoisie der UdSSR aus eigener Kraft zu überwinden.

Wenn das nicht richtig wäre, wenn die Partei keinen Grund hätten zu der Behauptung, dass das Proletariat der UdSSR fähig ist, ungeachtet der relativen technischen Rückständigkeit unseres Landes die sozialistische Gesellschaft zu errichten, so hätte die Partei keinen Grund, weiter an der Macht zu bleiben, sie müsste so oder so die Macht aufgeben und die Position einer oppositionellen Partei beziehen.

Denn eins von beiden:

Entweder können wir, indem wir unsere „nationale“ Bourgeoisie überwinden, den Sozialismus aufbauen und ihn letzten Endes errichten - dann ist die Partei verpflichtet, an der Macht zu bleiben und den sozialistischen Aufbau im Lande zu leiten im Namen des Sieges des Sozialismus in der ganzen Welt; oder wir sind nicht imstande, aus eigener Kraft unsere Bourgeoisie zu überwinden - dann müssen wir, unter Berücksichtigung der Tatsache, dass uns die sofortige Unterstützung von außen her, durch die siegreiche Revolution in anderen Ländern, fehlt, offen und ehrlich von der Macht zurücktreten und Kurs darauf nehmen, für die Zukunft eine neue Revolution in der UdSSR zu organisieren.

Kann die Partei ihre Klasse, im gegebenen Fall die Arbeiterklasse, betrügen? Nein, das kann sie nicht. Eine solche Partei verdiente, gevierteilt zu werden. Aber eben weil unsere Partei nicht das Recht hat, die Arbeiterklasse zu betrügen, müsste sie geradeheraus sagen, dass die fehlende Überzeugung von der Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande dazu führt, dass unsere Partei von der Macht zurücktritt und von der Position der regierenden auf die Position einer oppositionellen Partei übergeht.

Wir haben die Diktatur des Proletariats erkämpft und damit die politische Basis für die Vorwärtsentwicklung zum Sozialismus geschaffen. Können wir aus eigener Kraft die ökonomische Basis des Sozialismus, das neue ökonomische Fundament schaffen, das zur Errichtung des Sozialismus notwendig ist? Worin bestehen das ökonomische Wesen und die ökonomische Basis des Sozialismus? Etwa darin, auf Erden das „Himmelreich“ und allgemeines Wohlleben einzuführen? Nein, nicht darin. Das ist eine spießerhafte, kleinbürgerliche Vorstellung von dem ökonomischen Wesen des Sozialismus. Die ökonomische Basis des Sozialismus schaffen heißt die Landwirtschaft mit der sozialistischen Industrie zu einem wirtschaftlichen Ganzen zusammenschließen, die Landwirtschaft der Führung der sozialistischen Industrie unterstellen, die Beziehungen zwischen Stadt und Land auf der Grundlage des Austauschs von landwirtschaftlichen Produkten und Industrieerzeugnissen regeln, heißt alle jene Kanäle schließen und liquidieren, mit deren Hilfe Klassen entstehen und vor allen Kapital entsteht, und letzten Endes derartige Produktions- und Distributionsbedingungen schaffen, die direkt und unmittelbar zur Aufhebung der Klassen führen.

Folgendes sagte Genosse Lenin hierüber in der Periode, als wir die NÖP einführten und als sich die Frage der Errichtung des sozialistischen Fundaments der Volkswirtschaft in ihrer ganzen Größe vor der Partei erhob:

„Ersetzung der Ablieferungspflicht durch eine Steuer, ihre prinzipielle Bedeutung: vom ‚Kriegs’kommunismus zum richtigen sozialistischen Fundament. Weder Ablieferungspflicht noch Steuer, sondern Austausch der Erzeugnisse der (‚sozialisierten’) Großindustrie gegen bäuerliche Produkte, das ist das ökonomische Wesen des Sozialismus, seine Basis.“ (Siehe 4.Ausgabe, Bd. 32, S.300, russ.)

So fasst Lenin das Problem der Schaffung der ökonomischen Basis des Sozialismus auf.

Um aber die Landwirtschaft mit der sozialisierten Industrie zusammenzuschließen, muss man vor allen Dingen ein ausgedehntes Netz von Organen für die Verteilung der Produkte haben, ein ausgedehntes Netz von Genossenschaftsorganen, sowohl von Konsumgenossenschaften als auch von landwirtschaftlichen, von Produktionsgenossenschaften. Lenin ging gerade von diesem Grundsatz aus, als er in seiner Schrift „Über das Genossenschaftswesen“ schrieb:

„Die Genossenschaften decken sich unter unseren Verhältnissen in der Regel völlig mit dem Sozialismus.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 33, S. 433 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 993].)

Also: Kann das Proletariat der UdSSR unter den Bedingungen der kapitalistischen Umkreisung unseres Landes aus eigener Kraft die ökonomische Basis des Sozialismus errichten?

Die Partei beantwortet diese Frage positiv (siehe Resolution der XIV. Konferenz der KPR(B)[10]). Lenin beantwortet diese Frage positiv (siehe zum Beispiel seine Schrift „Über das Genossenschaftswesen“). Die gesamte Praxis unseres Aufbaus gibt eine positive Antwort auf diese Frage, denn der Anteil des sozialistischen Sektors unserer Wirtschaft wächst von Jahr zu Jahr auf Kosten des Anteils des Privatkapitals sowohl auf dem Gebiet der Produktion als auch auf dem Gebiet der Zirkulation, wobei die Rolle des Privatkapitals in ihrem Verhältnis zur Rolle der sozialistischen Elemente unserer Wirtschaft von Jahr zu Jahr geringer wird.

Welche Antwort gibt nun aber die Opposition auf diese Frage? Sie gibt auf diese Frage eine negative Antwort.

Aus dem Gesagten geht hervor, dass der Sieg des Sozialismus in unserem Lande möglich ist, dass die Möglichkeit der Errichtung der ökonomischen Basis des Sozialismus als gesichert gelten kann.

Bedeutet das nun, dass man einen solchen Sieg als vollen Sieg, als endgültigen Sieg des Sozialismus bezeichnen kann, der das Land, das den Sozialismus aufbaut, vor jeder Gefahr von außen, vor der Gefahr einer imperialistischen Intervention und einer damit verbundenen Restauration sichert? Nein, das bedeutet es nicht. Während die Frage der Errichtung des Sozialismus in der UdSSR eine Frage der Überwindung der eigenen, der „nationalen“ Bourgeoisie ist, ist die Frage des endgültigen Sieges des Sozialismus eine Frage der Überwindung der internationalen Bourgeoisie. Die Partei sagt, dass das Proletariat eines Landes nicht imstande ist, aus eigener Kraft die internationale Bourgeoisie zu bezwingen. Die Partei sagt, dass zum endgültigen Sieg des Sozialismus in einem Lande die Überwindung oder wenigstens die Neutralisierung der internationalen Bourgeoisie notwendig ist. Die Partei sagt, dass diese Aufgabe nur von dem Proletariat mehrerer Länder gelöst werden kann. Deshalb bedeutet der endgültige Sieg des Sozialismus in dem einen oder dem anderen Lande den Sieg der proletarischen Revolution mindestens in einigen Ländern.

Diese Frage ruft in unserer Partei keine besonderen Meinungsverschiedenheiten hervor, deshalb werde ich darauf nicht weiter eingehen und verweise diejenigen, die sich dafür interessieren, auf die Materialien des ZK unserer Partei, die vor einigen Tagen an die Mitglieder des erweiterten Plenums des EKKI verteilt worden sind.

2. Die Faktoren der „Atempause“

Die zweite Frage. Die zweite Frage betrifft die Bedingungen der gegenwärtigen internationalen Lage der UdSSR, die Bedingungen jener Periode der „Atempause“, in deren Verlauf wir die Arbeit zum Aufbau des Sozialismus begonnen und entfaltet haben. Wir können und müssen den Sozialismus in der UdSSR aufbauen. Um aber den Sozialismus aufzubauen, muss man vor allen Dingen existieren. Wir brauchen eine „Atempause“ vom Krieg, es darf keine Interventionsversuche geben, man muss ein gewisses Minimum an internationalen Bedingungen erkämpft haben, die unerlässlich sind, um existieren und den Sozialismus aufbauen zu können.

Es fragt sich: Worauf beruht die gegenwärtige internationale Lage der Sowjetrepublik, wodurch wird die gegenwärtige „friedliche“ Periode in der Entwicklung unseres Landes in seinem Verhältnis zu den kapitalistischen Ländern bestimmt, worauf basiert jene „Atempause“ beziehungsweise jene Periode der „Atempause“, die erkämpft worden ist, die es der kapitalistischen Welt unmöglich macht, sofort Versuche einer ernsthaften Intervention zu unternehmen, und die die notwendigen äußeren Bedingungen für den Aufbau des Sozialismus in unserem Lande schafft, wenn bewiesen ist, dass die Gefahr der Intervention besteht und weiterhin bestehen bleibt und dass diese Gefahr nur durch den Sieg der proletarischen Revolution in einer Reihe von Ländern beseitigt werden kann?

Die gegenwärtige Periode der „Atempause“ basiert auf mindestens vier grundlegenden Tatsachen.

Erstens auf den Gegensätzen im Lager der Imperialisten, die sich nicht abschwächen und die ein Komplott gegen die Republik der Sowjets erschweren.

Zweitens auf den Gegensätzen zwischen dem Imperialismus und den Kolonialländern, auf dem Anwachsen der Befreiungsbewegung in den kolonialen und abhängigen Ländern.

Drittens auf dem Anwachsen der revolutionären Bewegung in den kapitalistischen Ländern und der wachsenden Sympathie der Proletarier aller Länder für die Republik der Sowjets. Die Proletarier der kapitalistischen Länder sind noch nicht imstande, durch eine direkte Revolution gegen ihre eigenen Kapitalisten die Proletarier der UdSSR zu unterstützen. Aber die Kapitalisten der imperialistischen Staaten sind schon nicht mehr imstande, „ihre“ Arbeiter gegen das Proletariat der UdSSR in Marsch zu setzen, denn die Sympathie der Proletarier aller Länder für die Republik der Sowjets wächst und muss notwendigerweise von Tag zu Tag wachsen. Ohne die Arbeiter aber kann man jetzt keinen Krieg führen.

Viertens auf der Kraft und Stärke des Proletariats der UdSSR, auf den Erfolgen ihres sozialistischen Aufbaus, auf der Kraft der Organisiertheit ihrer Roten Armee.

Das Zusammentreffen dieser und ähnlicher Bedingungen hat jene Periode der „Atempause“ geschaffen, die ein charakteristischer Zug in der gegenwärtigen internationalen Lage der Sowjetrepublik ist.

3. Die Einheit und Unteilbarkeit
der „nationalen“ und der internationalen Aufgaben der Revolution

Die dritte Frage. Die dritte Frage betrifft die „nationalen“ und die internationalen Aufgaben der proletarischen Revolution in dem einen oder anderen Lande. Die Partei geht davon aus, dass die „nationalen“ und die internationalen Aufgaben des Proletariats der UdSSR mit der gemeinsamen Aufgabe der Befreiung der Proletarier aller Länder vom Kapitalismus verschmelzen, dass die Interessen des Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande mit den Interessen der revolutionären Bewegung aller Länder voll und ganz zu einem gemeinsamen Interesse - Sieg der sozialistischen Revolution in allen Ländern - verschmelzen.

Was wäre die Folge, wenn die Proletarier aller Länder der Republik der Sowjets nicht Sympathie und Unterstützung erwiesen? Intervention und Zerschlagung der Republik der Sowjets wäre die Folge.

Was wäre die Folge, wenn es dem Kapital gelänge, die Republik der Sowjets zu zerschlagen? Eine Epoche der schwärzesten Reaktion würde über alle kapitalistischen und kolonialen Länder hereinbrechen, man würde die Arbeiterklasse und die unterdrückten Völker vollends knebeln, die Positionen des internationalen Kommunismus würden liquidiert.

Was wird geschehen, wenn sich die Sympathie und Hilfe der Proletarier aller Länder für die Republik der Sowjets verstärkt und steigert? Das wird den Aufbau des Sozialismus in der UdSSR von Grund aus erleichtern.

Was wird geschehen, wenn die Erfolge des sozialistischen Aufbaus in der UdSSR wachsen? Das wird die revolutionären Positionen der Proletarier aller Länder in ihrem Kampf gegen das Kapital von Grund aus verbessern, wird die Positionen des internationalen Kapitals in seinem Kampf gegen das Proletariat untergraben und die Chancen des internationalen Proletariats steigern.

Daraus folgt aber, dass die Interessen und die Aufgaben des Proletariats der UdSSR sich mit den Interessen und den Aufgaben der revolutionären Bewegung in allen Ländern ständig verflechten und unlösbar mit ihnen verbunden sind, und umgekehrt, dass die Aufgaben der revolutionären Proletarier aller Länder unlösbar verbunden sind mit den Aufgaben und Erfolgen der Proletarier der UdSSR an der Front des sozialistischen Aufbaus.

Deshalb heißt es einen schwerwiegenden Fehler in der Politik begehen, wenn man die „nationalen“ Aufgaben der Proletarier dieses oder jenes Landes den internationalen Aufgaben entgegenstellt.

Deshalb heißt es den Verstand verlieren oder kindisch werden, wenn man den Eifer und den Elan der Proletarier der UdSSR im Kampf an der Front des sozialistischen Aufbaus als Merkmal „nationaler Abgeschlossenheit“ und „nationaler Beschränktheit“ hinstellt, wie das zuweilen unsere Oppositionellen tun.

Deshalb ist die Behauptung der Einheit und Unteilbarkeit der Interessen und Aufgaben der Proletarier eines Landes und der Interessen und Aufgaben der Proletarier aller Länder der sicherste Weg zum Sieg der revolutionären Bewegung der Proletarier aller Länder.

Gerade deshalb ist der Sieg der proletarischen Revolution in einem Lande nicht Selbstzweck, sondern Mittel und Hilfe für die Entwicklung und den Sieg der Revolution in allen Ländern.

Den Sozialismus in der UdSSR aufbauen heißt deshalb, die gemeinsame Sache der Proletarier aller Länder verfechten, heißt, den Sieg über das Kapital nicht nur in der UdSSR, sondern auch in allen kapitalistischen Ländern schmieden, denn die Revolution in der UdSSR ist ein Teil der Weltrevolution, ist ihr Anfang und die Basis für ihre Entfaltung.

4. Zur Geschichte der Frage des Aufbaus des Sozialismus

Die vierte Frage. Die vierte Frage betrifft die Geschichte des Problems, das wir hier erörtern. Die Opposition beteuert, dass die Frage des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande in unserer Partei zum erstenmal im Jahre 1925 aufgeworfen worden sei. Jedenfalls hat Trotzki auf der XV. Parteikonferenz direkt erklärt: „Weshalb fordert man die theoretische Anerkennung der Errichtung des Sozialismus in einem Lande? Woher stammt diese Perspektive? Weshalb hat vor 1925 niemand diese Frage aufgeworfen?“

Demnach wäre also diese Frage vor 1925 in unserer Partei nicht aufgeworfen worden. Demnach hätten nur Stalin und Bucharin diese Frage in der Partei aufgeworfen, und zwar im Jahre 1925.

Stimmt das? Nein, das stimmt nicht.

Ich behaupte, dass die Frage des Aufbaus der sozialistischen Wirtschaft in einem Lande zum erstenmal in der Partei von Lenin bereits im Jahre 1915 aufgeworfen wurde. Ich behaupte, dass damals niemand anders als Trotzki gegen Lenin auftrat. Ich behaupte, dass seit jener Zeit, das heißt seit dem Jahre 1915, die Frage des Aufbaus der sozialistischen Wirtschaft in einem Lande wiederholt in unserer Presse und in unserer Partei behandelt wurde.

Wenden wir uns den Tatsachen zu.

a) 1915. Lenin s Artikel im Zentralorgan der Bolschewiki (im „Sozialdemokrat“ [11]): „Über die Losung der Vereinigten Staaten von Europa“. In diesem Artikel sagt Lenin :

„Als selbständige Losung wäre jedoch die Losung Vereinigte Staaten der Welt kaum richtig, denn erstens fällt sie mit dem Sozialismus zusammen; zweitens könnte sie die falsche Auffassung von der Unmöglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande und eine falsche Auffassung von den Beziehungen eines solchen Landes zu den übrigen entstehen lassen.

Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus. Hieraus folgt, dass der Sieg des Sozialismus ursprünglich in wenigen kapitalistischen Ländern oder sogar in einem einzeln genommenen Lande möglich ist. Das siegreiche Proletariat dieses Landes würde sich nach Enteignung der Kapitalisten und nach Organisierung der sozialistischen Produktion im eigenen Lande der übrigen, der kapitalistischen Welt entgegenstellen und würde die unterdrückten Klassen der anderen Länder auf seine Seite ziehen, in ihnen den Aufstand gegen die Kapitalisten entfachen und im Notfall sogar mit Waffengewalt gegen die Ausbeuterklassen und ihre Staaten vorgehen“ ... Denn, „die freie Vereinigung der Nationen im Sozialismus ist unmöglich ohne einen mehr oder weniger langwierigen, hartnäckigen Kampf der sozialistischen Republiken gegen die rückständigen Staaten.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 21, S. 311 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. I, S. 753].)

Und hier die gegenteilige Auffassung Trotzkis, wie er sie, ebenfalls 1915 in dem von ihm geleiteten „Nasche Slowo“[12], zum Ausdruck brachte:

„’Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus.’ Daraus zog der ‚Sozialdemokrat’ (das Zentralorgan der Bolschewiki im Jahre 1915, in dem auch der erwähnte Artikel Lenin s veröffentlicht wurde. J.St.) den Schluss, dass der Sieg des Sozialismus in einem Lande möglich sei und dass es deshalb nicht notwendig sei, die Diktatur des Proletariats in jedem einzelnen Staat von der Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa abhängig zu machen... Dass kein einziges Land in seinem Kampfe auf die anderen ‚warten’ soll, ist ein elementarer Gedanke, den zu wiederholen nützlich und notwendig ist, damit nicht die Idee der parallelen internationalen Tat durch die Idee der abwartenden internationalen Untätigkeit ersetzt werde. Ohne auf die anderen zu warten, beginnen wir den Kampf auf nationalem Boden und setzen ihn hier fort, in der vollen Überzeugung, dass unsere Initiative dem Kampf in den anderen Ländern einen Anstoß geben wird; wenn das aber nicht geschehen sollte, dann wäre es aussichtslos, zu glauben - davon zeugen sowohl die geschichtlichen Erfahrungen als auch theoretische Erwägungen -, dass zum Beispiel ein revolutionäres Rußland einem konservativen Europa gegenüber sich behaupten oder ein sozialistisches Deutschland in der kapitalistischen Welt isoliert bleiben könnte. Die Perspektiven der sozialen Revolution im nationalen Rahmen zu betrachten, würde bedeuten, ein Opfer jener nationalen Beschränktheit zu werden, die das Wesen des Sozialpatriotismus ist.“ (Trotzki, „Das Jahr 1917“, Bd. III, Teil 1, S. 89/90.)

Sie sehen, dass die Frage der „Organisierung der sozialistischen Produktion“ von Lenin bereits im Jahre 1915 gestellt wurde, an der Schwelle der bürgerlich-demokratischen Revolution in Rußland, in der Periode des imperialistischen Krieges, als die Frage des Hinüberwachsens der bürgerlich-demokratischen Revolution in die sozialistische Revolution auf der Tagesordnung stand.

Sie sehen, dass damals gegen Genossen Lenin niemand anders als Trotzki auftrat, der offensichtlich wusste, dass es sich in Lenin s Artikel um den „Sieg des Sozialismus“ und um die Möglichkeit der „Organisierung der sozialistischen Produktion in einem Lande“ handelt.

Sie sehen, dass die Beschuldigung der „nationalen Beschränktheit“ zuerst von Trotzki bereits im Jahre 1915 erhoben wurde, wobei diese Beschuldigung nicht gegen Stalin oder Bucharin, sondern gegen Lenin gerichtet war.

Jetzt setzt Sinowjew immer wieder die lächerliche Beschuldigung der „nationalen Beschränktheit“ in Umlauf. Er versteht aber augenscheinlich nicht, dass er damit die gegen Lenin und seine Partei gerichtete These Trotzkis wiederholt und restauriert.

b) 1919. Lenin s Artikel „Ökonomik und Politik in der Epoche der Diktatur des Proletariats“. Folgendes schreibt Lenin in diesem Artikel:

„Wie die Bourgeois aller Länder und ihre offenen und verkappten Helfershelfer (die „Sozialisten“ der II. Internationale) auch lügen und uns verleumden mögen, eines bleibt zweifellos: Vom Standpunkt des ökonomischen Hauptproblems der Diktatur des Proletariats ist bei uns der Sieg des Kommunismus über den Kapitalismus gesichert. Die Bourgeoisie der ganzen Welt tobt und wütet ja gerade darum gegen den Bolschewismus, organisiert militärische Invasionen, Verschwörungen und ähnliches gegen die Bolschewiki, weil sie ausgezeichnet versteht, dass unser Sieg beim Umbau der gesellschaftlichen Wirtschaft unvermeidlich ist, wenn man uns nicht durch militärische Gewalt erdrückt. Und uns auf diese Weise zu erdrücken, gelingt ihr nicht.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 30, S.90 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 989].)

Sie sehen, dass es sich in diesem Artikel Lenin s um das „ökonomische Problem der Diktatur des Proletariats“, um den „Umbau der gesellschaftlichen Wirtschaft“ in der Richtung des „Sieges des Kommunismus“ handelt. Was bedeuten aber das „ökonomische Problem der Diktatur des Proletariats“ und der „Umbau der gesellschaftlichen Wirtschaft“ unter den Bedingungen der Diktatur des Proletariats? Das bedeutet nichts anderes als den Aufbau des Sozialismus in einem Lande, in unserem Lande.

c) 1921. Lenin s Schrift „Über die Naturalsteuer“[13]. Der bekannte Leitsatz, dass wir das „sozialistische Fundament unserer Ökonomik“ errichten können und müssen. (Siehe „über die Naturalsteuer“.)

d) 1922. Die Rede des Genossen Lenin im Moskauer Sowjet, wo er davon spricht, dass „wir den Sozialismus in das Alltagsleben einbezogen haben“, dass „aus dem Rußland der NÖP das sozialistische Rußland werden wird“ (siehe 4. Ausgabe, Bd. 33, S. 405, russ.). Die Einwendungen Trotzkis in seinem 1922 geschriebenen „Nachwort“ zum „Friedensprogramm“, ohne direkten Hinweis darauf, dass er gegen Lenin polemisiert. Trotzki schreibt in diesem „Nachwort“ folgendes:

„Die im ‚Friedensprogramm’ sich mehrere Male wiederholende Behauptung, dass die proletarische Revolution im nationalen Rahmen nicht siegreich zu Ende geführt werden kann, wird wohl manchen Lesern durch die fast fünfjährige Erfahrung unserer Sowjetrepublik als widerlegt erscheinen. Eine solche Schlussfolgerung wäre aber unbegründet. Die Tatsache, dass der Arbeiterstaat sich in einem, und überdies rückständigen Lande gegen die ganze Welt behaupten konnte, zeugt von der kolossalen Macht des Proletariats, die in anderen, fortgeschritteneren, zivilisierteren Ländern fähig sein wird, wahrhaft Wunder zu vollbringen. Aber wenn wir uns politisch und militärisch als Staat behauptet haben, so sind wir doch noch nicht zur Schaffung einer sozialistischen Gesellschaft gekommen, ja nicht einmal an sie herangekommen. Der Kampf für die Selbsterhaltung des revolutionären Staates hat in dieser Periode einen außerordentlichen Rückgang der Produktivkräfte hervorgerufen; der Sozialismus ist aber nur denkbar auf der Grundlage des Wachstums und der vollen Entfaltung der Produktivkräfte. Unsere kommerziellen Verhandlungen mit den bürgerlichen Staaten, die Konzessionen, die Konferenz von Genua usw. sind ein nur zu deutlicher Beweis für die Unmöglichkeit eines isolierten sozialistischen Aufbaus im nationalen Rahmen eines Staates ... Ein wirklicher Aufschwung der sozialistischen Wirtschaft in Rußland wird erst nach dem Siege des Proletariats in den wichtigsten Ländern Europas möglich sein.“ (Trotzki, „Das Jahr 1917“, Bd. III, Teil 1, S. 92/93.)

Gegen wen polemisiert Trotzki hier mit der Behauptung von der „Unmöglichkeit eines isolierten sozialistischen Aufbaus im nationalen Rahmens eines Staates“? Natürlich nicht gegen Stalin oder Bucharin. Trotzki polemisiert hier gegen Genossen Lenin , und er polemisiert nicht in irgendeiner anderen Frage, sondern in der Grundfrage, in der Frage der Möglichkeit des „sozialistischen Aufbaus im nationalen Rahmen eines Staates“.

e) 1923. Lenin s Schrift „Über das Genossenschaftswesen“, die sein politisches Vermächtnis darstellt. Folgendes schrieb Lenin in dieser Broschüre:

„In der Tat, die Verfügungsgewalt des Staates über alle großen Produktionsmittel, die Staatsmacht in den Händen des Proletariats, das Bündnis dieses Proletariats mit den vielen Millionen Klein- und Zwergbauern, die Sicherung der Führerstellung dieses Proletariats gegenüber der Bauernschaft usw. - ist das nicht alles, was notwendig ist, um aus den Genossenschaften, allein aus den Genossenschaften, die wir früher geringschätzig als Krämerei behandelt haben und die wir in gewisser Hinsicht jetzt, unter der NÖP, ebenso zu behandeln berechtigt sind, ist das nicht alles, was notwendig ist, um die vollendete sozialistische Gesellschaft zu errichten? Das ist noch nicht die Errichtung der sozialistischen Gesellschaft, aber es ist alles, was zu dieser Errichtung notwendig und hinreichend ist.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 33, S.428 (deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 989].)

Klarer kann man sich wohl kaum ausdrücken.

Nach Trotzki ist der „sozialistische Aufbau im nationalen Rahmen eines Staates“ unmöglich. Lenin dagegen behauptet, dass wir, das heißt das Proletariat der UdSSR, jetzt, in der Periode der Diktatur des Proletariats, „alles“ haben, was „notwendig und hinreichend ist“, „um die vollendete sozialistische Gesellschaft zu errichten“. Eine absolute Gegensätzlichkeit in den Auffassungen.

Das sind die Tatsachen.

Sie sehen also, dass die Frage des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande in unserer Partei bereits im Jahre 1915 aufgeworfen wurde, dass sie von Lenin persönlich aufgeworfen wurde, dass niemand anders als Trotzki in dieser Frage gegen Lenin polemisierte und ihm „nationale Beschränktheit“ vorwarf.

Sie sehen, dass diese Frage seit jener Zeit bis zum Tode des Genossen Lenin nicht von der Tagesordnung der Arbeit unserer Partei verschwand.

Sie sehen, dass diese Frage mehrmals in dieser oder jener Form von Trotzki aufgegriffen wurde, und zwar in Form einer versteckten, aber ganz bestimmten Polemik gegen Genossen Lenin , wobei diese Frage von Trotzki niemals im Geiste Lenin s und des Lenin ismus behandelt wurde, sondern stets gegen Lenin und den Lenin ismus.

Sie sehen, dass Trotzki direkt die Unwahrheit spricht, wenn er erklärt, dass die Frage des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande vor 1925 von niemand aufgeworfen wurde.

5. Die besonders große Bedeutung der Frage des Aufbaus des Sozialismus
in der UdSSR im gegenwärtigen Augenblick

Die fünfte Frage. Die fünfte Frage betrifft das Problem, warum die Aufgabe, den Sozialismus aufzubauen, gegenwärtig aktuell ist. Weshalb erlangte die Frage des Aufbaus des Sozialismus einen besonders aktuellen Charakter gerade jetzt, gerade in letzter Zeit? Weshalb wurde die Frage des Aufbaus des Sozialismus in der UdSSR zum Beispiel in den Jahren 1915, 1918, 1919, 1921, 1922, 1923 von Fall zu Fall, in einzelnen Artikeln besprochen, während diese Frage in den Jahren 1924, 1925, 1926 einen besonders hervorragenden Platz in unserer Parteipraxis eingenommen hat? Wodurch ist das zu erklären?

Das erklärt sich meines Erachtens durch drei Hauptursachen.

Erstens dadurch, dass sich das Tempo der Revolution in den anderen Ländern in den letzten Jahren verlangsamt hat, dass die so genannte „teilweise Stabilisierung des Kapitalismus“ eingetreten ist. Daher die Frage: Führt nicht die teilweise Stabilisierung des Kapitalismus zur Verringerung oder sogar zur Beseitigung der Möglichkeiten des Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande? Daher das gesteigerte Interesse für die Frage des Schicksals des Sozialismus und des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande.

Zweitens dadurch, dass wir die NÖP eingeführt haben, dass wir das Privatkapital zugelassen und einen gewissen Rückzug durchgeführt haben, um die Kräfte umzugruppieren und dann zum Angriff überzugehen. Daher die Frage: Kann nicht die Einführung der NÖP die Möglichkeiten des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande beeinträchtigen? Daher eine neue Quelle des wachsenden Interesses für die Frage der Möglichkeit des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande.

Drittens durch den Umstand, dass wir im Bürgerkrieg gesiegt, die Interventionisten verjagt und eine „Atempause“ vom Krieg erkämpft haben, dass wir uns den Frieden und eine friedliche Periode gesichert haben, die günstige Bedingungen bietet, um die wirtschaftliche Zerrüttung zu überwinden, die Produktivkräfte des Landes wiederherzustellen und sich mit dem Aufbau einer neuen Ökonomik in unserem Lande zu befassen. Daher die Frage: In welcher Richtung soll der Aufbau der Wirtschaft geführt werden, in der Richtung zum Sozialismus oder in irgendeiner anderen Richtung? Daher die Frage: Besteht, wenn der Aufbau in der Richtung zum Sozialismus geführt wird, Grund zu der Annahme, dass wir die Möglichkeit haben, unter den Bedingungen der NÖP und der teilweisen Stabilisierung des Kapitalismus den Sozialismus zu erbauen? Daher das gewaltige Interesse der gesamten Partei und der gesamten Arbeiterklasse für das Schicksal des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande. Daher die Berechnungen aller Art von Ziffern, die alljährlich von den Organen der Partei und der Sowjetmacht unter dem Gesichtswinkel der Steigerung des Anteils der sozialistischen Wirtschaftsformen auf dem Gebiet der Industrie, auf dem Gebiet des Handels, auf dem Gebiet der Landwirtschaft angestellt werden.

Da haben Sie die drei Hauptursachen dafür, dass die Frage des Aufbaus des Sozialismus für unsere Partei und für unser Proletariat, ebenso wie für die Komintern, zur aktuellsten Frage geworden ist.

Die Opposition glaubt, die Frage des Aufbaus des Sozialismus in der UdSSR sei lediglich von theoretischem Interesse. Das stimmt nicht. Das ist ein tiefgehender Irrtum. Eine solche Auslegung der Frage ist nur durch die völlige Losgelöstheit der Opposition von unserer Parteipraxis, von unserem wirtschaftlichen Aufbau, von unserem genossenschaftlichen Aufbau zu erklären. Die Frage des Aufbaus des Sozialismus hat jetzt, nachdem wir die wirtschaftliche Zerrüttung überwunden, die Industrie wiederhergestellt haben und in die Phase des Umbaus der gesamten Volkswirtschaft auf neuer technischer Grundlage eingetreten sind - die Frage des Aufbaus des Sozialismus hat jetzt eine gewaltige praktische Bedeutung. Wohin soll man den wirtschaftlichen Aufbau führen, in welcher Richtung soll man bauen, was bauen, welches sollen die Perspektiven unseres Aufbaus sein - all das sind Fragen, ohne deren Lösung ehrliche und besonnene Wirtschaftler keinen Schritt vorwärts tun können, wenn sie sich zur Sache des Aufbaus wirklich bewusst und überlegt verhalten wollen. Bauen wir, um den Boden für die bürgerliche Demokratie zu düngen oder um die sozialistische Gesellschaft zu errichten - das ist jetzt die Kernfrage unserer Aufbauarbeit. Haben wir die Möglichkeit, die sozialistische Wirtschaft jetzt, unter den Bedingungen der NÖP, bei der teilweisen Stabilisierung des Kapitalismus zu erbauen - das ist jetzt eine der wichtigsten Fragen unserer Partei- und Sowjetarbeit.

Lenin beantwortete diese Frage positiv (siehe zum Beispiel seine Schrift „Über das Genossenschaftswesen“). Die Partei beantwortete diese Frage positiv (siehe die Resolution der XIV. Konferenz der KPR(B)). Nun, und die Opposition? Ich sagte bereits, dass die Opposition diese Frage negativ beantwortet. Ich sagte bereits in meinem Referat auf der XV. Konferenz der KPdSU(B) und bin jetzt gezwungen, es hier zu wiederholen, dass Trotzki, der Führer des Oppositionsblocks, noch vor ganz kurzer Zeit, im September 1926, in seinem bekannten Aufruf an die Oppositionellen erklärt hat, er halte die „Theorie des Sozialismus in einem Lande“ für eine „theoretische Rechtfertigung der nationalen Beschränktheit“ (siehe das Referat Stalins auf der XV. Konferenz der KPdSU(B)[14]).

Vergleichen Sie dieses Zitat Trotzkis (1926) mit seinem Artikel aus dem Jahre 1915, wo er in seiner Polemik gegen Lenin in der Frage der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande zum erstenmal Genossen Lenin und die Lenin isten der „nationalen Beschränktheit“ beschuldigte, und Sie werden begreifen, dass Trotzki in der Frage des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande auf seinem alten ablehnenden, sozialdemokratischen Standpunkt beharrt.

Gerade deshalb behauptet die Partei, dass der Trotzkismus eine sozialdemokratische Abweichung innerhalb unserer Partei ist.

6. Über die Perspektiven der Revolution

Die sechste Frage. Die sechste Frage betrifft das Problem der Perspektiven der proletarischen Revolution. Trotzki sagte in seiner Rede auf der XV. Parteikonferenz: „ Lenin war der Ansicht, dass wir in 20 Jahren den Sozialismus auf keinen Fall errichten, dass wir ihn infolge der Rückständigkeit unseres bäuerlichen Landes auch in 30 Jahren nicht errichten werden. Nehmen wir 30-50 Jahre als Minimum an.“

Ich muss hier erklären, Genossen, dass diese von Trotzki erfundene Perspektive mit der von Genossen Lenin aufgezeigten Perspektive der Revolution in der UdSSR nichts gemein hat. Einige Minuten darauf fängt Trotzki selber an, in seiner eigenen Rede gegen diese Perspektive zu kämpfen. Das ist aber schon seine Sache. Ich aber muss erklären, dass weder Lenin noch die Partei für diese von Trotzki erfundene Perspektive und für die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen die Verantwortung tragen können. Die Tatsache, dass Trotzki, nachdem er diese Perspektive erfunden hat, in seiner eigenen Rede gegen seine eigene Erfindung zu kämpfen beginnt - diese Tatsache besagt nur, dass Trotzki sich endgültig verheddert und sich in eine lächerliche Lage gebracht hat.

Lenin hat keineswegs gesagt, dass „wir den Sozialismus auf keinen Fall“ in 30 oder 50 Jahren „errichten werden“. In Wirklichkeit hat Lenin folgendes gesagt:

„10-20 Jahre richtiger Beziehungen zur Bauernschaft, und der Sieg ist im Weltmaßstab (sogar bei einer Verzögerung der proletarischen Revolutionen, die anwachsen) gesichert, sonst 20-40 Jahre Qualen weißgardistischen Terrors.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 32, S. 302/303, russ.)

Kann man aus dieser These Lenin s den Schluss ziehen, dass wir „den Sozialismus auf keinen Fall in 20-30 oder 50 Jahren errichten werden“? Nein, das kann man nicht. Aus dieser These kann man nur folgende Schlussfolgerungen ziehen:

a) bei richtigen Beziehungen zur Bauernschaft ist uns in 10-20 Jahren der Sieg (das heißt der Sieg des Sozialismus) gesichert;

b) dieser Sieg wird ein Sieg nicht nur in der UdSSR, sondern ein Sieg „im Weltmaßstab“ sein;

c) wenn wir in dieser Frist nicht siegen, so wird das bedeuten, dass wir geschlagen worden sind und dass das Regime der Diktatur des Proletariats von dem Regime des weißgardistischen Terrors abgelöst worden ist, das 20-40 Jahre dauern kann.

Natürlich kann man mit dieser These Lenin s und den sich aus ihr ergebenden Schlussfolgerungen einverstanden sein oder nicht einverstanden sein. Aber sie entstellen, wie Trotzki es tut, darf man nicht.

Was aber bedeutet Sieg „im Weltmaßstab“? Bedeutet das, dass ein solcher Sieg gleichbedeutend ist mit dem Sieg des Sozialismus in einem Lande? Nein, das bedeutet es nicht. Lenin unterscheidet in seinen Werken streng zwischen dem Sieg des Sozialismus in einem Lande und dem Sieg „im Weltmaßstab“. Wenn Lenin von dem Sieg „im Weltmaßstab“ spricht, will er sagen, dass die Erfolge des Sozialismus in unserem Lande, dass der Sieg des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande von so gewaltiger internationaler Bedeutung sind, dass dieser Sieg sich nicht auf unser Land beschränken kann, sondern eine machtvolle Bewegung zum Sozialismus in allen kapitalistischen Ländern hervorrufen muss, wobei er, wenn er zeitlich nicht mit dem Sieg der proletarischen Revolution in anderen Ländern zusammenfällt, doch auf jeden Fall eine machtvolle Bewegung der Proletarier der anderen Länder für den Sieg der Weltrevolution auslösen muss.

Das ist nach Lenin die Perspektive der Revolution, wenn man die Perspektive des Sieges der Revolution im Auge hat; denn darum handelt es sich im Grunde genommen bei uns, in der Partei.

Diese Perspektive mit der Perspektive Trotzkis von den 30-50 Jahren verwechseln - heißt Lenin verleumden.

7. Wie die Frage in Wirklichkeit steht

Die siebente Frage. Nun gut, sagt uns die Opposition, mit wem aber ist es letzten Endes vorteilhafter, ein Bündnis zu haben - mit dem Weltproletariat oder mit der Bauernschaft unseres Landes, wem sollen wir den Vorzug geben - dem Weltproletariat oder der Bauernschaft der UdSSR? Dabei wird die Sache so dargestellt, als ob hier das Proletariat der UdSSR stehe und vor ihm zwei Verbündete - das Weltproletariat, das bereit ist, unverzüglich seine Bourgeoisie zu stürzen, jedoch darauf wartet, dass wir ihm den Vorzug, unser Einverständnis hierzu geben, und unsere Bauernschaft, die bereit ist, dem Proletariat der UdSSR zu helfen, aber nicht ganz davon überzeugt ist, dass das Proletariat der UdSSR diese Hilfe annimmt. Das ist eine kindische Fragestellung, Genossen. Eine solche Fragestellung hat weder mit dem Verlauf der Revolution in unserem Lande noch mit dem Kräfteverhältnis an der Front des Kampfes zwischen internationalem Kapitalismus und Sozialismus etwas gemein. Entschuldigen Sie den Ausdruck, aber so können nur höhere Töchter die Frage stellen. Leider ist es nicht so, wie einige Oppositionelle uns die Sache darstellen, wobei gar nicht daran zu zweifeln ist, dass wir recht gern sowohl von der einen als auch von der anderen Seite Hilfe annehmen würden, wenn dies nur von uns abhinge. Nein, nicht so steht die Frage im wirklichen Leben.

Die Frage steht folgendermaßen: Da sich das Tempo der internationalen revolutionären Bewegung verlangsamt hat, da der Sozialismus im Westen noch nicht gesiegt hat, das Proletariat der UdSSR aber an der Macht ist, diese Macht von Jahr zu Jahr festigt, die Hauptmassen der Bauernschaft um sich schart, bereits ernste Erfolge an der Front des sozialistischen Aufbaus aufzuweisen hat und erfolgreich die Bande der Freundschaft mit den Proletariern und den unterdrückten Völkern aller Länder festigt - kann man da bestreiten, dass das Proletariat der UdSSR seine Bourgeoisie überwinden und den siegreichen Aufbau des Sozialismus in unserem Lande ungeachtet der kapitalistischen Umkreisung fortsetzen kann?

So steht jetzt die Frage, wenn man natürlich nicht von Phantasien ausgeht, wie das der Oppositionsblock tut, sondern von dem wirklichen Kräfteverhältnis an der Front des Kampfes zwischen Sozialismus und Kapitalismus.

Die Partei antwortet auf diese Frage, dass das Proletariat der UdSSR imstande ist, unter solchen Umständen seine „nationale“ Bourgeoisie zu überwinden und die sozialistische Wirtschaft mit Erfolg aufzubauen. Die Opposition dagegen sagt:

„Ohne direkte staatliche Unterstützung durch das europäische Proletariat wird die Arbeiterklasse Rußlands nicht imstande sein, die Macht zu behaupten und ihre zeitweilige Herrschaft in eine dauernde sozialistische Diktatur zu verwandeln.“ (Siehe Trotzki, „Unsere Revolution“, S. 278.)

Welches ist aber der Sinn dieses Zitats von Trotzki, und was bedeutet „staatliche Unterstützung durch das europäische Proletariat“? Das bedeutet, dass ohne vorhergehenden Sieg des Proletariats im Westen, ohne vorhergehende Machtergreifung durch das Proletariat im Westen das Proletariat der UdSSR nicht nur nicht imstande ist, seine Bourgeoisie zu überwinden und den Sozialismus aufzubauen, sondern nicht einmal seine Macht zu behaupten vermag.

So steht die Frage, und hier liegt die Wurzel unserer Meinungsverschiedenheiten.

Wodurch unterscheidet sich dieser Standpunkt Trotzkis von dem Standpunkt des Menschewiks Otto Bauer?

Leider durch gar nichts.

8. Über die Chancen für den Sieg

Die achte Frage. Nun gut, sagt die Opposition, wer aber hat mehr Aussichten auf den Sieg - das Proletariat der UdSSR oder das internationale Proletariat?

„Kann man sich vorstellen“, sagt Trotzki in seiner Rede auf der XV. Konferenz der KPdSU(B), „dass der europäische Kapitalismus im Laufe von 30 bis 50 Jahren allmählich verfaulen, das Proletariat aber sich als unfähig erweisen werde, die Revolution durchzuführen? Ich frage: Warum muss ich von dieser Voraussetzung ausgehen, die man nicht anders als eine Voraussetzung des unbegründeten schwarzen Pessimismus dem europäischen Proletariat gegenüber nennen kann? ... Ich behaupte, dass ich keinerlei theoretische oder politische Gründe habe zu der Annahme, dass es für uns zusammen mit der Bauernschaft leichter sein werde, den Sozialismus zu errichten, als für das europäische Proletariat, die Macht zu erobern.“ (Siehe die Rede Trotzkis auf der XV. Konferenz der KPdSU(B).)

Erstens muss die Perspektive der Stagnation in Europa „im Laufe von 30-50 Jahren“ ohne jeden Vorbehalt verworfen werden. Niemand hat Trotzki verpflichtet, von dieser Perspektive der proletarischen Revolution in den kapitalistischen Ländern des Westens auszugehen, einer Perspektive, die nichts mit der Perspektive unserer Partei gemein hat. Trotzki hat sich selbst durch diese erfundene Perspektive gebunden und muss nun selbst für die Folgen einer solchen Handlung die Verantwortung tragen. Ich glaube, dass diese Fristen mindestens um die Hälfte verkürzt werden müssen, wenn man die tatsächliche Perspektive der proletarischen Revolution im Westen im Auge hat.

Zweitens ist es für Trotzki beschlossene Sache, dass die Proletarier des Westens viel größere Aussichten haben, die Weltbourgeoisie zu überwinden, die gegenwärtig an der Macht ist, als es das Proletariat der UdSSR hat, seine eigene „nationale“ Bourgeoisie zu überwinden, die politisch bereits zerschlagen, von den Kommandohöhen der Volkswirtschaft verjagt und in ökonomischer Hinsicht gezwungen ist, unter dem Druck der Diktatur des Proletariats und der sozialistischen Formen unserer Wirtschaft den Rückzug anzutreten.

Ich bin der Auffassung, dass eine solche Fragestellung falsch ist. Ich bin der Ansicht, dass Trotzki sich durch eine derartige Fragestellung völlig entlarvt. Haben uns etwa die Menschewiki im Oktober 1917 nicht genau dasselbe gesagt, als sie an allen Ecken und Enden schrien, dass die Proletarier des Westens viel größere Chancen hätten, ihre Bourgeoisie zu stürzen und die Macht zu ergreifen, als die Proletarier Rußlands, wo die Technik wenig entwickelt und das Proletariat zahlenmäßig schwach ist? Und ist es etwa nicht Tatsache, dass es sich trotz des Lamentierens der Menschewiki erwies, dass die Proletarier Rußlands im Oktober 1917 mehr Chancen hatten, die Macht zu ergreifen und die Bourgeoisie zu stürzen, als die Proletarier Englands, Frankreichs oder Deutschlands? Hat etwa die Praxis des revolutionären Kampfes in der ganzen Welt nicht gezeigt und bewiesen, dass man die Frage nicht so stellen darf, wie Trotzki sie stellt?

Die Frage, wer mehr Aussichten auf einen schnellen Sieg hat, wird nicht dadurch entschieden, dass man das Proletariat eines Landes dem Proletariat der anderen Länder oder die Bauernschaft unseres Landes dem Proletariat der anderen Länder gegenüberstellt. Eine solche Gegenüberstellung ist ein kindisches Vergleichsspiel. Die Frage, wer größere Aussichten auf einen schnellen Sieg hat, wird durch die reale internationale Situation, durch das reale Kräfteverhältnis an der Front des Kampfes zwischen Kapitalismus und Sozialismus entschieden. Es kann geschehen, dass die Proletarier des Westens ihre Bourgeoisie besiegen und die Macht ergreifen, ehe wir dazu kommen, das sozialistische Fundament unserer Ökonomik zu errichten. Das ist keineswegs ausgeschlossen. Es kann aber auch so kommen, dass es dem Proletariat der UdSSR gelingt, das sozialistische Fundament unserer Ökonomik zu errichten, ehe die Proletarier im Westen ihre Bourgeoisie gestürzt haben. Auch das ist nicht ausgeschlossen.

Die Lösung der Frage nach den Chancen für einen schnellen Sieg hängt hier von der realen Situation an der Front des Kampfes zwischen Kapitalismus und Sozialismus, und nur hiervon, ab.

9. Die praktisch-politischen Meinungsverschiedenheiten

Das sind die Grundlagen unserer Meinungsverschiedenheiten.

Aus diesen Grundlagen ergeben sich Meinungsverschiedenheiten praktisch-politischen Charakters sowohl auf dem Gebiet der Außen- und Innenpolitik als auch in reinen Parteifragen. Diese Meinungsverschiedenheiten bilden den Gegenstand der neunten Frage.

a) Ausgehend von der Tatsache der teilweisen Stabilisierung des Kapitalismus, ist die Partei der Auffassung, dass wir in einer Periode zwischen zwei Revolutionen leben, dass wir in den kapitalistischen Ländern der Revolution entgegengehen und dass die Hauptaufgabe der kommunistischen Parteien darin besteht, sich den Weg zu den Massen zu bahnen, die Verbindungen mit den Massen zu festigen, die Massenorganisationen des Proletariats zu erobern und die breiten Massen der Arbeiter für die kommenden revolutionären Kämpfe vorzubereiten.

Die Opposition aber, die an die inneren Kräfte unserer Revolution nicht glaubt und die teilweise Stabilisierung des Kapitalismus fürchtet als ein Faktum, das unsere Revolution zugrunde richten könnte, hält (oder hielt) es für möglich, die Tatsache der teilweisen Stabilisierung des Kapitalismus zu leugnen, sie ist (oder war) der Meinung, dass der englische Streik[15] das Ende der Stabilisierung des Kapitalismus anzeige; nachdem es sich jedoch herausgestellt hat, dass die Stabilisierung eine Tatsache ist, behauptet die Opposition, dass dies um so schlimmer für die Tatsachen sei und dass man sich folglich über diese Tatsachen hinwegsetzen könne, wobei sie mit marktschreierischen Losungen für die Revision der Einheitsfronttaktik, des Bruchs mit der Gewerkschaftsbewegung im Westen usw. auftrumpft.

Was bedeutet es aber, nicht mit den Tatsachen, mit dem objektiven Gang der Dinge zu rechnen? Das bedeutet, den Boden der Wissenschaft zu verlassen und sich auf den Boden der Quacksalberei zu begeben.

Daher das Abenteurertum in der Politik des Oppositionsblocks.

b) Ausgehend davon, dass die Industrialisierung der Hauptweg des sozialistischen Aufbaus ist und dass den Hauptmarkt für die sozialistische Industrie der innere Markt unseres Landes bildet, ist die Partei der Auffassung, dass sich die Industrialisierung auf der Grundlage der stetigen Verbesserung der materiellen Lage der Hauptmasse der Bauernschaft (von den Arbeitern ganz zu schweigen) entwickeln muss, dass der Zusammenschluss zwischen Industrie und bäuerlicher Wirtschaft, zwischen Proletariat und Bauernschaft und die führende Rolle des Proletariats bei diesem Zusammenschluss - nach einem Ausdruck Lenin s - das „A und O der Sowjetmacht“[16] und des Sieges unseres Aufbaus sind, dass im Zusammenhang damit unsere Politik im allgemeinen, unsere Steuer- und Preispolitik im besonderen so aufgebaut werden müssen, dass sie die Interessen dieses Zusammenschlusses fördern.

Die Opposition aber, die nicht an die Möglichkeit glaubt, die Bauernschaft zum Aufbau des Sozialismus heranzuziehen, und offenbar annimmt, man könne die Industrialisierung auf Kosten der Hauptmasse der Bauernschaft durchführen, gerät auf den Weg der kapitalistischen Methoden der Industrialisierung, betrachtet die Bauernschaft als „Kolonie“, als „Ausbeutungs“objekt für den proletarischen Staat und schlägt Maßnahmen zur Industrialisierung vor (Verstärkung des Steuerdrucks auf die Bauernschaft, Erhöhung der Verkaufspreise für Industriewaren usw.), die lediglich geeignet sind, den Zusammenschluss der Industrie mit der bäuerlichen Wirtschaft zu zerstören, die ökonomische Lage der armen Bauern und der Mittelbauern zu untergraben und die Grundlagen der Industrialisierung selbst zu vernichten.

Daher die ablehnende Einstellung der Opposition zur Idee des Blocks zwischen Proletariat und Bauernschaft und der Hegemonie des Proletariats in diesem Block - eine Einstellung, die charakteristisch für die Sozialdemokratie ist.

c) Wir gehen davon aus, dass die Partei, die Kommunistische Partei, das Hauptinstrument der Diktatur des Proletariats ist, dass die Führung durch eine Partei, die diese Führung mit anderen Parteien nicht teilt und nicht teilen kann, die grundlegende Voraussetzung ist, ohne die eine einigermaßen feste und entfaltete Diktatur des Proletariats undenkbar ist. Infolgedessen halten wir die Existenz von Fraktionen innerhalb unserer Partei für unzulässig, denn es versteht sich von selbst, dass das Bestehen organisierter Fraktionen innerhalb der Partei zu einer Aufspaltung der einheitlichen Partei in parallele Organisationen, zur Bildung von Keimen und Zellen einer neuen Partei oder neuer Parteien im Lande und folglich zur Zersetzung der Diktatur des Proletariats führt.

Die Opposition tritt zwar nicht offen gegen diese Prinzipien auf, geht aber nichtsdestoweniger in ihrer praktischen Arbeit von der Notwendigkeit der Schwächung der Einheit der Partei, von der Notwendigkeit der Fraktionsfreiheit innerhalb unserer Partei aus, folglich also von der Notwendigkeit, Elemente für eine neue Partei herauszubilden.

Daher die Spaltungspolitik in der praktischen Arbeit des Oppositionsblocks.

Daher das Geheul der Opposition über das „Regime“ in der Partei, ein Geheul, das im Grunde genommen die Proteste der nichtproletarischen Elemente im Lande gegen das Regime der Diktatur des Proletariats widerspiegelt.

Daher die Frage der zwei Parteien.

Das, Genossen, ist die Zusammenfassung der Meinungsverschiedenheiten zwischen uns und der Opposition.

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