"Stalin"

Werke

Band 9

SCHLUSSWORT

13. Dezember

IV
DIE OPPOSITION
UND DIE FRAGE DER EINHEIT DER PARTEI

Ich komme zur letzten Frage, zur Frage des Oppositionsblocks und der Einheit unserer Partei.

Wie ist der Oppositionsblock entstanden?

Die Partei behauptet, dass der Oppositionsblock dadurch entstand, dass die „neue Opposition“, dass Kamenew und Sinowjew zum Trotzkismus übergegangen sind.

Sinowjew und Kamenew bestreiten das und geben zu verstehen, dass nicht sie zu Trotzki übergegangen sind, sondern Trotzki zu ihnen. Wenden wir uns den Tatsachen zu:

Ich sprach von der Resolution der XIV. Parteikonferenz zur Frage des Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande. Ich sprach davon, dass sich Kamenew und Sinowjew von dieser Resolution, die Trotzki nicht anerkennt und nicht anerkennen kann, losgesagt haben, losgesagt, um Trotzki näher zu kommen und zum Trotzkismus überzugehen. Stimmt das oder nicht? Ja, das stimmt. Haben Kamenew und Sinowjew den Versuch gemacht, dieser Behauptung irgendetwas entgegenzustellen? Nein, das haben sie nicht. Sie haben die Frage mit Stillschweigen übergangen.

Wir haben ferner die Resolution der XIII. Konferenz unserer Partei, die den Trotzkismus als kleinbürgerliche Abweichung und als Revision des Lenin ismus qualifiziert [33]. Diese Resolution ist bekanntlich vom V. Kongress der Komintern bestätigt worden. Ich sprach in meinem Referat davon, dass Kamenew und Sinowjew sich von dieser Resolution losgesagt und gleichzeitig in besonderen Erklärungen dem Trotzkismus in seinem 1923 gegen die Partei geführten Kampfe recht gegeben haben. Stimmt das oder nicht? Ja, das stimmt. Haben Sinowjew und Kamenew den Versuch gemacht, dieser Behauptung irgendetwas entgegenzustellen? Nein, das haben sie nicht. Sie haben mit Stillschweigen geantwortet.

Weitere Tatsachen. Folgendes schrieb Kamenew im Jahre 1925 über den Trotzkismus:

„Gen. Trotzki ist zu dem Kanal geworden, durch den die kleinbürgerlichen Elemente in unserer Partei wirken. Der ganze Charakter seiner Reden, seine ganze geschichtliche Vergangenheit zeigen, dass dem so ist. In seinem Kampf gegen die Partei ist er im Lande bereits zu einem Symbol alles dessen geworden, was gegen unsere Partei gerichtet ist“ ... „Wir müssen alle Maßnahmen ergreifen, um vor der Ansteckung mit dieser unbolschewistischen Lehre jene Schichten der Partei zu bewahren, auf die sie rechnet, nämlich - unsere Jugend, jenen künftigen Bestand der Partei, der die Geschicke der Partei in seine Hände zu nehmen hat. Und darum muss die Verstärkung jeder nur möglichen Aufklärung über die Unrichtigkeit der Positionen des Gen. Trotzki, der Aufklärung darüber, dass man zwischen Trotzkismus und Lenin ismus wählen muss, dass man den einen nicht mit dem andern vereinbaren kann, zur dringlichsten Aufgabe unserer Partei werden.“ (Siehe Kamenew, „Partei und Trotzkismus“, Sammelband „Für den Lenin ismus“, S. 84-86.)

Wird Kamenew den Mut aufbringen, diese Worte jetzt zu wiederholen? Wenn er bereit ist, sie zu wiederholen, warum befindet er sich dann in einem Block mit Trotzki? Wenn er es aber nicht wagt, sie zu wiederholen, ist es dann nicht klar, dass Kamenew seine alten Positionen aufgegeben hat und zum Trotzkismus übergegangen ist?

Sinowjew schrieb im Jahre 1925 über den Trotzkismus:

„Das letzte Auftreten des Gen. Trotzki („Die Lehren des Oktober“) ist nichts anderes als ein bereits ziemlich offener Versuch der Revision oder sogar der direkten Liquidation der Grundlagen des Lenin ismus. In allerkürzester Zeit wird das unserer gesamten Partei und der gesamten Internationale klar werden.“ (Siehe Sinowjew, „Bolschewismus oder Trotzkismus“, Sammelband „Für den Lenin ismus“, S. 120.)

Vergleichen Sie dieses Zitat Sinowjews mit der Erklärung Kamenews in seiner Rede: „Wir stehen zu Trotzki, weil er die Grundgedanken Lenin s nicht revidiert“ - und Sie werden die ganze Tiefe des Sturzes von Kamenew und Sinowjew begreifen.

Sinowjew schrieb im gleichen Jahr 1925 über Trotzki:

„Jetzt wird die Frage entschieden, was die KPR im Jahre 1925 darstellt. Im Jahre 1903 wurde diese Frage entschieden nach dem Verhalten zum ersten Paragraphen des Statuts, im Jahre 1925 aber nach dem Verhalten zu Trotzki, zum Trotzkismus. Wer behauptet, der Trotzkismus könne eine ‚legale Schattierung’ in der bolschewistischen Partei werden, der hört selbst auf, Bolschewik zu sein. Wer jetzt die Partei im Bunde mit Trotzki aufbauen will, in Zusammenarbeit mit demselben Trotzkismus, der offen gegen den Bolschewismus auftritt, der verlässt die Grundlagen des Lenin ismus. Man muss begreifen, dass der Trotzkismus eine zurückgelegte Etappe ist, dass man die Lenin sche Partei jetzt nur gegen den Trotzkismus aufbauen kann.“ („Prawda“ vom 5. Februar 1925.)

Wird Sinowjew den Mut aufbringen, diese Worte jetzt zu wiederholen? Wenn er bereit ist, sie zu wiederholen, warum befindet er sich dann in einem Block mit Trotzki? Wenn er sie nicht wiederholen kann, ist es dann nicht klar, dass sich Sinowjew vom Lenin ismus abgekehrt hat und zum Trotzkismus übergegangen ist?

Was beweisen alle diese Tatsachen?

Sie beweisen, dass der Oppositionsblock dadurch entstanden ist, dass Kamenew und Sinowjew zum Trotzkismus übergegangen sind.

Welches ist die Plattform des Oppositionsblocks?

Die Plattform des Oppositionsblocks ist eine Plattform der sozialdemokratischen Abweichung, eine Plattform der rechten Abweichung in unserer Partei, eine Plattform der Sammlung aller und jeglicher opportunistischen Strömungen zur Organisierung des Kampfes gegen die Partei, gegen ihre Einheit, gegen ihre Autorität. Kamenew spricht von der rechten Abweichung in unserer Partei und deutet auf das Zentralkomitee. Das aber ist ein Winkelzug, ein grober und heuchlerischer Winkelzug, der angewandt wird, um mit marktschreierischen Beschuldigungen gegen die Partei den Opportunismus des Oppositionsblocks zu bemänteln. In Wirklichkeit ist gerade der Oppositionsblock der Ausdruck der rechten Abweichung in unserer Partei. Wir beurteilen die Opposition nicht nach ihren Erklärungen, sondern nach ihren Taten. Die Taten der Opposition aber beweisen, dass sie Sammelbecken und Hort aller und jeglicher opportunistischen Elemente ist, von Ossowski und der „Arbeiteropposition“ bis zu Souvarine und Maslow, Korsch und Ruth Fischer. Wiederaufnahme der Fraktionsmacherei, Wiederbelebung der Theorie von der Freiheit der Fraktionen in unserer Partei, Sammlung aller opportunistischen Elemente unserer Partei, Kampf gegen die Einheit der Partei, Kampf gegen ihre führenden Kader, Kampf für die Bildung einer neuen Partei - darauf zielt die Opposition, nach der Rede Kamenews zu urteilen, jetzt ab. Die Rede Kamenews stellt in dieser Hinsicht einen Wendepunkt dar von der „Erklärung“ der Opposition im Oktober 1926 zur Wiederaufnahme ihrer Spalterlinie.

Was ist der Oppositionsblock vom Standpunkt der Einheit der Partei?

Der Oppositionsblock ist der Keim einer neuen Partei innerhalb unserer Partei. Ist es etwa nicht Tatsache, dass die Opposition ein eigenes Zentralkomitee und eigene parallele lokale Komitees hatte? Die Opposition versicherte in ihrer „Erklärung“ vom 16. Oktober 1926, dass sie der Fraktionsmacherei entsagt habe. Beweist aber etwa das Auftreten Kamenews nicht, dass die Opposition von neuem zum Fraktionskampf zurückgekehrt ist? Welche Garantie ist gegeben, dass sie nicht ihre Parallelorganisationen, die zentrale und die lokalen bereits wiederhergestellt hat? Ist es etwa nicht Tatsache, dass die Opposition besondere Mitgliedsbeiträge für ihre Kasse erhoben hat? Welche Garantie ist gegeben, dass sie diesen Weg der Spaltung nicht von neuem beschritten hat?

Der Oppositionsblock ist der Keim einer neuen Partei, der die Einheit unserer Partei untergräbt.

Die Aufgabe besteht darin, diesen Block zu zerschlagen und ihn zu liquidieren. (Stürmischer Beifall.)

Genossen, die Diktatur des Proletariats bei gleichzeitiger Herrschaft des Imperialismus in den anderen Ländern, da ein Land, nur ein einziges Land, die Front des Kapitals zu durchbrechen vermocht hat - die Diktatur des Proletariats kann unter solchen Bedingungen keine einzige Minute existieren ohne die Einheit der Partei, ohne dass die Partei mit einer eisernen Disziplin gewappnet ist. Die Versuche, die Einheit der Partei zu untergraben, die Versuche, eine neue Partei zu schaffen, müssen mit der Wurzel ausgerottet werden, wenn wir die Diktatur des Proletariats behaupten wollen, wenn wir den Sozialismus aufbauen wollen.

Deshalb besteht die Aufgabe darin, den Oppositionsblock zu liquidieren und die Einheit unserer Partei zu festigen.

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