"Stalin"

Werke

Band 9

BRIEF AN SCHINKEWITSCH

Ich bitte um Entschuldigung, dass ich mich mit der Antwort verspätet habe.

1. Sie berufen sich auf Lenin s Worte gegen den Wodka (siehe Bd. XXVI u. XXVII[43]). Lenin s Worte sind dem Zentralkomitee natürlich bekannt. Wenn sich das ZK der Partei dennoch mit der Zulassung des Wodka einverstanden erklärt hat, so deshalb, weil es dazu das im Jahre 1922 gegebene Einverständnis Lenin s hatte.

Lenin hielt es nicht für ausgeschlossen, dass es uns, unter bestimmten Opfern unserseits gelingen könnte, die Verrechnung der Schulden mit den bürgerlichen Staaten zu regeln und eine große Anleihe oder bedeutende langfristige Kredite zu erhalten. Das war seine Meinung zur Zeit der Konferenz von Genua[44] Hätten die Dinge diesen Lauf genommen, dann hätten wir den Wodka natürlich nicht zuzulassen brauchen. Da aber die Dinge nicht diesen Lauf nahmen und wir für die Industrie kein Geld hatten, da wir aber ohne ein bestimmtes Minimum an finanziellen Mitteln nicht auf eine einigermaßen befriedigende Entwicklung unserer Industrie, von der das Schicksal unserer gesamten Volkswirtschaft abhängt, rechnen konnten, sind wir gemeinsam mit Lenin zu der Schlussfolgerung gekommen, dass man den Wodka wird zulassen müssen.

Was ist besser, das Joch des ausländischen Kapitals oder die Zulassung des Wodkas - das war die Frage, vor der wir standen. Es ist klar, dass wir uns für den Wodka entschieden, denn wir waren und sind weiterhin der Ansicht, dass wir, wenn wir nicht umhinkönnen, uns im Interesse des Sieges des Proletariats und der Bauernschaft etwas zu beschmutzen, im Interesse unserer Sache sogar zu diesem äußersten Mittel greifen werden.

Diese Frage wurde bei uns im Oktober 1924 vom ZK unserer Partei behandelt. Einige ZK-Mitglieder wandten sich gegen die Einführung des Wodkas, ohne jedoch auf irgendwelche Quellen hinweisen zu können, aus denen sich Mittel für die Industrie schöpfen ließen. Als Antwort darauf unterbreiteten 7 ZK-Mitglieder, darunter auch ich, dem Plenum des ZK folgende Erklärung:

„Genosse Lenin erklärte im Sommer 1922 und im Herbst des gleichen Jahres (September) jedem von uns mehrmals, dass es in Anbetracht der Aussichtslosigkeit, im Ausland Anleihen zu bekommen (Scheitern von Genua), notwendig sein wird, das Wodkamonopol einzuführen, dass dies besonders für die Schaffung eines Minimalfonds notwendig ist, um die Währung zu stützen und die Industrie in Gang zu halten. Wir halten es für unsere Pflicht, über all das eine Erklärung abzugeben, in Anbetracht dessen, dass sich einige Genossen auf frühere Erklärungen Lenin s zu dieser Frage berufen.“

Das Plenum des ZK unserer Partei fasste den Beschluss, das Wodkamonopol einzuführen.

2. Was Ihren Wunsch betrifft, „mit mir in Briefwechsel zu treten“, so bin ich bereit, Ihnen entgegenzukommen, und bitte Sie, über Fragen zu schreiben, die Sie interessieren. Möglicherweise werde ich mit einiger Verspätung antworten. Aber antworten werde ich dennoch.

Mit kommunistischem Gruß

J. Stalin

20. März 1927.

Zum erstenmal veröffentlicht.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis