"Stalin"

Werke

Band 9

ÜBER DIE
LOSUNG DER DIKTATUR DES PROLETARIATS UND
DER ARMEN BAUERNSCHAFT IN DER PERIODE
DER VORBEREITUNG DES OKTOBERS

Antwort an S. Pokrowski

Ich glaube, dass Ihr Brief vom 2. Mai d. J. weder Grund noch Anlass gibt, ihn ausführlich, sozusagen in allen Punkten zu beantworten.

Im Grunde genommen bietet er nichts besonders Neues im Vergleich zu dem Brief von Janski.

Wenn ich Ihren Brief dennoch beantworte, so deshalb, weil er einige Elemente direkter Restaurierung der Kamenewiade der Periode von April bis Mai 1917 enthält. Nur zur Entlarvung dieser Elemente der Restaurierung der Kamenewiade halte ich es für notwendig, Ihren Brief kurz zu beantworten.

1. Sie sagen in Ihrem Brief, dass „wir in der Periode vom Februar bis zum Oktober in Wirklichkeit die Losung des Bündnisses mit der gesamten Bauernschaft hatten“, dass „die Partei in der Periode vom Februar bis zum Oktober ihre alte Losung in Bezug auf die Bauernschaft - Bündnis mit der gesamten Bauernschaft als Ganzem - verfocht und verteidigte“.

Daraus ergäbe sich erstens, dass sich die Bolschewiki in der Periode der Vorbereitung des Oktober (April-Oktober 1917) nicht die Aufgabe gestellt hätten, zwischen der armen Bauernschaft und den wohlhabenden Bauern eine Scheidelinie zu ziehen, sondern die Bauernschaft als ein Ganzes genommen hätten.

Daraus ergäbe sich zweitens, dass die Bolschewiki in der Periode der Vorbereitung des Oktobers die alte Losung „Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft“ nicht durch die neue Losung „Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft“ ersetzt hätten, sondern auf den alten Positionen verblieben wären, die in der Schrift Lenin s „Zwei Taktiken“ im Jahre 1905 dargelegt worden sind.

Daraus ergäbe sich drittens, dass die bolschewistische Politik des Kampfes gegen die Schwankungen und das Paktierertum der Sowjets in der Periode der Vorbereitung des Oktober (März-Oktober 1917), gegen die Schwankungen der Mittelbauernschaft in den Sowjets und an der Front, gegen die Schwankungen zwischen Revolution und Konterrevolution, gegen die Schwankungen und das Paktierertum, die in den Julitagen besonders heftigen Charakter angenommen hatten, als die Sowjets, an deren Spitze Paktierer aus den Reihen der Sozialrevolutionäre und Menschewiki standen, mit den konterrevolutionären Generalen gemeinsame Sache machten, um die Bolschewiki zu isolieren - es ergäbe sich, dass der bolschewistische Kampf gegen diese Schwankungen und dieses Paktierertum bestimmter Schichten der Bauernschaft gegenstandslos und absolut unnötig gewesen wäre.

Daraus ergäbe sich schließlich, dass Kamenew recht gehabt hätte, als er im April und Mai 1917 die alte Losung der Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft verteidigte, Lenin aber, der diese Losung bereits für veraltet hielt und die neue Losung der Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft aufstellte, unrecht gehabt hätte.

Man braucht diese Fragen nur aufzuwerfen, um die völlige Widersinnigkeit Ihres ganzen Briefes zu erkennen.

Da Sie jedoch ein großer Liebhaber einzelner Zitate aus Lenin s Werken sind, wollen wir uns Zitaten zuwenden.

Es bedarf keiner großen Mühe, um zu beweisen, dass Lenin das Neue in den Agrarverhältnissen Rußlands nach dem Februarumsturz, vom Standpunkt der weiteren Entwicklung der Revolution, nicht in der Interessengemeinschaft des Proletariats und der Bauernschaft als Ganzes sah, sondern in der Abspaltung der armen Bauernschaft von der wohlhabenden Bauernschaft, von denen sich die erste, das heißt die arme Bauernschaft, zum Proletariat hingezogen fühlte, die zweite dagegen, das heißt die wohlhabende Bauernschaft, der Provisorischen Regierung folgte.

Lenin sagte darüber im April 1917 in der Polemik gegen Kamenew und die Kamenewiade:

„Für die proletarische Partei ist es unzulässig, jetzt auf die Interessengemeinschaft mit der Bauernschaft Hoffnungen zu setzen.“ (Siehe Lenin s Rede auf der Aprilkonferenz 1917, 4. Ausgabe, Bd. 24, S. 205, russ.)

Weiter:

„Schon jetzt stoßen wir in den Beschlüssen einer Reihe von Bauernkongressen auf den Gedanken, man solle mit der Lösung der Agrarfrage bis zur Konstituierenden Versammlung warten - dies ist ein Sieg der wohlhabenden Bauernschaft, die zu den Kadetten hinneigt.“ (Siehe Lenin s Rede auf der Petrograder Stadtkonferenz im April 1917, 4. Ausgabe, Bd. 24, S. 117, russ.)

Ferner:

„Es ist möglich, dass die Bauernschaft den ganzen Grund und Boden und die ganze Macht an sich reißt. Ich vergesse diese Möglichkeit durchaus nicht, ich beschränke mein Blickfeld keineswegs auf den heutigen Tag, vielmehr formuliere ich direkt und genau das Agrarprogramm unter Berücksichtigung einer neuen Erscheinung: der tiefer gehenden Abspaltung]. der Landarbeiter und armen Bauern von den begüterten Bauern.“ (Siehe Lenin s Aprilartikel „Briefe über Taktik“, 4. Ausgabe, Bd. 24, S.27, russ.)

Darin sah Lenin das Neue und ‘Wichtige in den neuen Verhältnissen im Dorfe nach der Februarrevolution.

Davon ging Lenin bei der Festlegung der Politik der Partei in der Periode nach dem Februar 1917 aus.

Von dieser These ging Lenin aus, als er auf der Petrograder Stadtkonferenz im April 1917 sagte:

„Erst hier an Ort und Stelle erfuhren wir, dass der Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten die Macht an die Provisorische Regierung abgetreten hat. Der Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten ist die Verwirklichung der Diktatur des Proletariats und der Soldaten; die Mehrheit der Soldaten besteht aus Bauern. Das eben ist die Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft. Diese ‚Diktatur’ aber ist ein Kompromiss mit der Bourgeoisie eingegangen. Hier eben ist eine Revision des ‚alten’ Bolschewismus nötig.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 24, 5.116, russ.)

Von der gleichen These ging Lenin aus, als er im April 1917 schrieb:

„Wer jetzt lediglich von ‚revolutionär-demokratischer Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft’ spricht, der ist hinter dem Leben zurückgeblieben, der ist damit faktisch zum Kleinbürgertum übergegangen, der ist gegen den proletarischen Klassenkampf, der gehört in ein Archiv für ‚bolschewistische’ vorrevolutionäre Raritäten (Archiv ‚alter Bolschewiki’ könnte man es nennen).“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 24, S. 26, russ.)

Auf dieser Grundlage entstand denn auch die Losung: Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft, an Stelle der alten Losung: Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft.

Sie könnten erwidern, was Sie ja auch in Ihrem Brief tun, dies sei ein trotzkistisches Überspringen der noch nicht abgeschlossenen Bauernrevolution, das wird jedoch geradeso überzeugend sein, wie ein ähnlicher, im April 1917 gegen Lenin gerichteter Einwand Kamenews überzeugend war.

Lenin hat mit einem solchen Einwand durchaus gerechnet, als er erklärte:

„Der Trotzkismus sagt: ‚Weg mit dem Zaren, her mit der Arbeiterregierung’. Das ist falsch. Das Kleinbürgertum existiert, man darf es nicht ignorieren. Aber es besteht aus zwei Teilen. Sein ärmerer“ Teil geht mit der Arbeiterklasse.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 24, S. 123, russ.)

Kamenews Fehler, und jetzt Ihr Fehler, besteht in der Unfähigkeit, den Unterschied zwischen zwei Teilen des Kleinbürgertums, im gegebenen Fall der Bauernschaft, wahrzunehmen und zu unterstreichen, in der Unfähigkeit, den armen Teil der Bauernschaft aus der gesamten Masse der Bauernschaft als Ganzes auszusondern und darauf die Politik der Partei unter den Verhältnissen des Übergangs von der ersten Etappe der Revolution im Jahre 1917 zu ihrer zweiten Etappe aufzubauen, in der Unfähigkeit, daraus die neue Losung, die zweite strategische Losung der Partei - Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft - abzuleiten.

Verfolgen wir Schritt für Schritt in den Werken Lenin s die praktische Geschichte der Losung „Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft“ von April bis Oktober 1917.

April 1917:

„Die Eigenart der gegenwärtigen Lage in Rußland besteht im Übergang von der ersten Etappe der Revolution, die infolge des ungenügend entwickelten Klassenbewusstseins und der ungenügenden Organisiertheit des Proletariats der Bourgeoisie die Macht gab, zur zweiten Etappe der Revolution, die die Macht in die Hände des Proletariats und der ärmsten Schichten der Bauernschaft“ legen muss.“ (Siehe Lenin s „Aprilthesen“, 4. Ausgabe, Bd. 24, S. 4 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 81.)

Juli 1917:

„Einzig und allein die revolutionären Arbeiter sind imstande, wenn sie von den armen Bauern“ unterstützt werden, den Widerstand der Kapitalisten zu brechen, das Volk zur Erkämpfung des Grund und Bodens ohne Entschädigung, zur vollen Freiheit, zur Besiegung der Hungersnot, zur Besiegung des Krieges, zu einem gerechten und dauerhaften Frieden zu führen.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 25, S. 218 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. Il, S.891.)

August 1917:

„Nur das Proletariat, das die arme Bauernschaft (die Halbproletarier, wie es in unserem Programm heißt) führt, kann den Krieg durch einen demokratischen Frieden beenden, die von ihm geschlagenen Wunden heilen, die unbedingt notwendig und unaufschiebbar gewordenen Schritte zum Sozialismus tun - so lautet jetzt die Definition unserer Klassenpolitik.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 25, S. 258, russ.)

September 1917:

„Nur die Diktatur der Proletarier und der armen Bauern“ ist imstande, den Widerstand der Kapitalisten zu brechen, eine wahrhaft großartige Kühnheit und Entschlossenheit ihrer Macht zu zeigen und sich die begeisterte, rückhaltlose, wahrhaft heroische Unterstützung der Massen sowohl in der Armee wie in der Bauernschaft zu sichern.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 25, S. 346/347, russ.)

September-Oktober 1917 in der Schrift „Werden die Bolschewiki die Staatsmacht behaupten?“, wo Lenin gegen die „Nowaja Shisn“[64] polemisiert:

„Entweder die ganze Macht der Bourgeoisie - das verteidigt ihr seit langem nicht mehr, und die Bourgeoisie selbst wagt nicht einmal, derartiges auch nur anzudeuten, da sie weiß, dass das Volk eine solche Macht am 20.-21. April schon einmal mit einer einzigen Bewegung seiner Schultern abgeschüttelt hat und sie jetzt dreimal entschiedener, schonungsloser abschütteln würde. Oder die Macht dem Kleinbürgertum, das bedeutet dessen Koalition (Bündnis, Kompromiss) mit der Bourgeoisie, denn die Macht selbständig und unabhängig übernehmen will und kann das Kleinbürgertum nicht, wie die Erfahrung aller Revolutionen bewiesen hat, wie auch die ökonomische Wissenschaft beweist, die klarlegt, dass man in einem kapitalistischen Lande für das Kapital oder für die Arbeit eintreten kann, dass man aber in der Mitte nicht stehen bleiben kann. Diese Koalition hat in Rußland im Laufe eines halben Jahres Dutzende Methoden ausprobiert und hat Bankrott gemacht. Oder schließlich, die ganze Macht den Proletariern und armen Bauern, gegen die Bourgeoisie, um deren Widerstand zu brechen. Das wurde noch nicht ausprobiert, und davon ratet ihr Herren von der ‚Nowaja Shisn’ dem Volke ab, das ihr mit eurer eigenen Angst vor der Bourgeoisie zu schrecken versucht. Etwas Viertes lässt sich nicht einmal ausdenken.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 26, S. 99/100, russ.)

Das sind die Tatsachen.

Alle diese Tatsachen und Ereignisse aus der Geschichte der Vorbereitung des Oktobers werden von Ihnen „glücklich“ umgangen. Sie streichen „glücklich“ aus der Geschichte des Bolschewismus den Kampf der Bolschewiki in der Periode der Vorbereitung des Oktobers gegen die Schwankungen und das Paktierertum der „begüterten Bauern“, die damals in den Sowjets saßen. Sie begraben „glücklich“ Lenin s Losung der Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft und bilden sich dabei ein, das sei keine Vergewaltigung der Geschichte, keine Vergewaltigung des Lenin ismus.

Aus diesen Zitaten, deren Anzahl man vermehren könnte, müssen Sie ersehen, dass die Bolschewiki nach dem Februar 1917 nicht die Bauernschaft als Ganzes zum Ausgangspunkt genommen haben, sondern deren armen Teil, dass sie zum Oktober nicht unter der alten Losung, Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft, sondern unter der neuen Losung, Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft, geschritten sind.

Daraus ist ersichtlich, dass die Bolschewiki diese Losung im Kampf gegen die Schwankungen und das Paktierertum der Sowjets, gegen die Schwankungen und das Paktierertum eines bestimmten Teils der Bauernschaft verwirklichten, der damals in den Sowjets saß, gegen die Schwankungen und das Paktierertum bestimmter Parteien der kleinbürgerlichen Demokratie, genannt Sozialrevolutionäre und Menschewiki.

Daraus ist ersichtlich, dass wir ohne die neue Losung, Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft, keine genügend starke politische Armee hätten sammeln können, die fähig gewesen wäre, das Paktierertum der Sozialrevolutionäre und Menschewiki zu überwinden, die Schwankungen eines bestimmten Teils der Bauernschaft zu neutralisieren, die bürgerliche Macht zu stürzen und auf diese Weise die Vollendung der bürgerlichen Revolution zu ermöglichen.

Daraus ist ersichtlich, dass „wir zusammen mit der armen Bauernschaft, beim Widerstand der Kulaken (die ebenfalls Bauern sind) und bei Schwankungen der Mittelbauernschaft, zum Oktober schritten und im Oktober siegten“. (Siehe meine Antwort an Jan-ski.)

Daraus ergibt sich, dass im April 1917, ebenso wie in der ganzen Periode der Vorbereitung des Oktober, nicht Kamenew, sondern Lenin recht hatte, Sie aber, der Sie jetzt die Kamenewiade restaurieren, geraten, wie es scheinen will, in eine nicht gerade gute Gesellschaft.

2. Gegen all das, was oben gesagt wurde, führen Sie Lenin s Worte an, dass wir im Oktober 1917 mit Unterstützung der Bauernschaft als Ganzes die Macht ergriffen haben. Dass wir die Macht mit einer gewissen Unterstützung durch die Bauernschaft als Ganzes ergriffen, ist völlig richtig. Doch haben Sie vergessen, eine „Kleinigkeit“ hinzuzufügen: Die Bauernschaft als Ganzes unterstützte uns im Oktober und nach dem Oktober nur insofern, als wir die bürgerliche Revolution zu Ende führten. Das ist eine sehr wichtige „Kleinigkeit“, die im gegebenen Fall die Frage entscheidet. Eine solche wichtige „Kleinigkeit“ „vergessen“ und somit eine überaus wichtige Frage vertuschen ist für einen Bolschewik unzulässig.

Aus Ihrem Brief ist ersichtlich, dass Sie Lenin s Worte von der Unterstützung durch die Bauernschaft als ganzes der Losung der Partei „Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft“ entgegenstellen, die ebenfalls von Lenin aufgestellt wurde. Um aber diese Worte Lenin s den vorhergehenden Zitaten aus Lenin s Werken entgegenstellen zu können, um einen Grund zu haben, die vorhergehenden Zitate aus Lenin über die Losung der Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft durch die von Ihnen angeführten Worte desselben Lenin über die Bauernschaft als Ganzes zu widerlegen - dazu muss man mindestens zwei Dinge beweisen.

Erstens. Man muss beweisen, dass die Vollendung der bürgerlichen Revolution das Wichtigste in der Oktoberrevolution ist. Lenin ist der Ansicht, dass die Vollendung der bürgerlichen Revolution ein „Neben“produkt der Oktoberrevolution ist, die diese Aufgabe „im Vorbeigehen“ gelöst hat. Man muss vor allem diesen Satz Lenin s widerlegen und beweisen, dass nicht der Sturz der Macht der Bourgeoisie und der Übergang der Macht in die Hände des Proletariats, sondern die Vollendung der bürgerlichen Revolution das Wichtigste in der Oktoberrevolution ist. Versuchen Sie, das zu beweisen, und dann bin ich bereit anzuerkennen, dass die Losung der Partei von April bis Oktober 1917 bei uns nicht die Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft, sondern die Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft war.

Aus Ihrem Brief ist ersichtlich, dass Sie es nicht für möglich halten, diese mehr als riskante Aufgabe auf sich zu nehmen, jedoch den Versuch machen, „im Vorbeigehen“ zu beweisen, dass uns in einer der wichtigsten Fragen der Oktoberrevolution, in der Frage des Friedens, die gesamte Bauernschaft als Ganzes unterstützt habe. Das ist natürlich falsch. Das ist völlig falsch. In der Frage des Friedens sind Sie auf den Standpunkt eines Spießbürgers hinab geglitten. In Wirklichkeit war bei uns die Frage des Friedens damals die Frage der Macht, denn nur, wenn die Macht in die Hände des Proletariats überging, konnte man darauf rechnen, aus dem imperialistischen Kriege auszuscheiden.

Sie haben wohl die Worte Lenin s vergessen: „Der Krieg kann nur durch den Übergang der Macht in die Hände einer anderen Klasse beendet werden“, und „’Nieder mit dem Krieg’ bedeutet nicht, dass man die Gewehre wegwirft. Es bedeutet den Übergang der Macht in die Hände einer anderen Klasse.“ (Siehe Lenin s Rede auf der Petrograder Stadtkonferenz im April 1917, 4. Ausgabe, Bd. 24, S. 123 und 119, russ.)

Also eins von beiden: Entweder müssen Sie beweisen, dass die Vollendung der bürgerlichen Revolution das Wichtigste in der Oktoberrevolution ist, oder Sie beweisen es nicht, und dann ergibt sich daraus von selbst die Schlussfolgerung, dass die Bauernschaft als Glanzes uns im Oktober nur insofern unterstützen konnte, als wir die bürgerliche Revolution zu Ende führten und die Monarchie, das gutsherrliche Eigentum und die Gutsbesitzerordnung beseitigten.

Zweitens. Sie müssen beweisen, dass die Bolschewiki, insofern sie die bürgerliche Revolution zu Ende führten, im Oktober und nach dem Oktober die Unterstützung der Bauernschaft als Ganzes erlangen konnten, ohne die Losung der Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft in der ganzen Periode der Vorbereitung des Oktober systematisch durchzuführen, ohne systematisch den Kampf gegen das Paktierertum der kleinbürgerlichen Parteien zu führen, der sich aus dieser Losung ergibt, ohne die Schwankungen bestimmter Schichten der Bauernschaft und deren Vertreter in den Sowjets systematisch zu entlarven, was sich aus der gleichen Losung ergibt.

Versuchen Sie, das zu beweisen. In der Tat, warum gelang es uns, im Oktober und nach dem Oktober uns die Unterstützung der Bauernschaft als Ganzes zu sichern? Weil wir die Möglichkeit erhielten, die bürgerliche Revolution zu Ende zu führen.

Warum erhielten wir diese Möglichkeit? Weil es uns gelang, die bürgerliche Macht zu stürzen und sie durch die Macht des Proletariats zu ersetzen, die allein imstande ist, die bürgerliche Revolution zu Ende zu führen.

Warum gelang es uns, die Macht der Bourgeoisie zu stürzen und die Macht des Proletariats aufzurichten? Weil wir die Vorbereitung des Oktober unter der Losung der Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft betrieben, weil wir, von dieser Losung ausgehend, einen systematischen Kampf gegen das Paktierertum der kleinbürgerlichen Parteien führten, weil wir, von dieser Losung ausgehend, einen systematischen Kampf gegen die Schwankungen der Mittelbauernschaft in den Sowjets führten, weil wir nur mit dieser Losung die Schwankungen des Mittelbauern überwinden, dem Paktierertum der kleinbürgerlichen Parteien ein Ende bereiten und eine politische Armee sammeln konnten, die imstande war, den Kampf für den Übergang der Macht in die Hände des Proletariats zu führen.

Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass wir ohne diese Vorbedingungen, die das Schicksal der Oktoberrevolution bestimmten, die Unterstützung der Bauernschaft als ganzes bei der Vollendung der bürgerlichen Revolution weder im Oktober noch nach dem Oktober hätten erlangen können.

So ist die Vereinigung von Bauernkriegen mit der proletarischen Revolution zu verstehen.

Wenn man daher die Unterstützung, die uns die Bauernschaft als Ganzes im Oktober und nach dein Oktober bei der Vollendung der bürgerlichen Revolution erwies, der Tatsache entgegenstellt, dass die Vorbereitung der Oktoberrevolution unter der Losung der Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft durchgeführt wurde, so bedeutet das, dass man vom Lenin ismus nichts versteht.

Ihr Grundfehler besteht darin, dass Sie weder die Tatsache der Verflechtung der sozialistischen Aufgaben mit den Aufgaben der Vollendung der bürgerlichen Revolution im Laufe der Oktoberrevolution noch die Mechanik der Verwirklichung der einzelnen Forderungen der Oktoberrevolution begriffen haben, die sich aus der zweiten strategischen Losung der Partei, der Losung von der Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft, ergeben.

Beim Lesen Ihres Briefes könnte man glauben, dass nicht wir die Bauernschaft in den Dienst der proletarischen Revolution gestellt haben, sondern umgekehrt, dass „die Bauernschaft als Ganzes“, das Kulakentum mit inbegriffen, die Bolschewiki in ihren Dienst gestellt hätte. Schlecht stünde es um die Sache der Bolschewiki, wenn sie sich so leicht in den Dienst nichtproletarischer Klassen „stellten“.

Die Kamenewiade der Periode vom April 1917 - das ist es, was Ihnen als Bleigewicht an den Füßen hängt.

3. Sie behaupten, dass Stalin zwischen der Situation von 1905 und der Situation vom Februar 1917 keinen Unterschied sehe. Das ist natürlich nicht ernst zu nehmen. Das habe ich nicht gesagt und konnte ich nicht sagen. Ich habe in meinem Brief nur davon gesprochen, dass die Losung der Partei von der Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft, die im Jahre 1905 aufgestellt wurde, in der Februarrevolution 1917 ihre Bestätigung gefunden hat. Und das ist natürlich richtig. Gerade so hat Lenin in seinem Artikel „Bauern und Arbeiter“ im August 1917 die Lage geschildert:

„Nur das Proletariat und die Bauernschaft können die Monarchie stürzen - so lautete damals (gemeint ist das Jahr 1905. J. St.) die grundlegende Definition unserer Klassenpolitik. Und diese Definition war richtig. Die 2 Monate Februar und März 1917 haben dies ein übriges Mal bestätigt.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 25, S. 258, russ.)

Sie belieben einfach zu nörgeln.

4. Sie versuchen weiter, Stalin der Widersprüche zu überführen, indem Sie seiner These vom Paktierertum des Mittelbauern vor dem Oktober ein Zitat aus Stalins Schrift „Fragen des Lenin ismus“ entgegenstellen, wo von der Möglichkeit gesprochen wird, den Sozialismus zusammen mit der Mittelbauernschaft nach der Festigung der Diktatur des Proletariats aufzubauen.

Es bedarf keiner großen Mühe, um zu beweisen, dass es absolut unwissenschaftlich ist, zwei verschiedene Erscheinungen in dieser Weise miteinander zu identifizieren. Der Mittelbauer vor dem Oktober, als die Bourgeoisie an der Macht stand, und der Mittelbauer nach der Festigung der Diktatur des Proletariats, da die Bourgeoisie bereits gestürzt und expropriiert ist, das Genossenschaftswesen sich entwickelt hat und die wichtigsten Produktionsmittel in den Händen des Proletariats konzentriert sind - das sind zwei verschiedene Dinge. Diese beiden Arten des Mittelbauern miteinander identifizieren und mit dem gleichen Maß messen heißt die Erscheinungen außerhalb des Zusammenhangs mit der historischen Situation betrachten und jede Perspektive verlieren. Das ähnelt der Sinowjewschen Manier zu zitieren, bei der alle Daten und Perioden durcheinander gebracht werden.

Wenn das „revolutionäre Dialektik“ genannt wird, dann muss man gestehen, dass Pokrowski alle Rekorde „dialektischer“ Spitzfindigkeit geschlagen hat.

5. Die anderen Fragen berühre ich nicht, da ich der Meinung bin, dass sie in dem Briefwechsel mit Janski bereits erschöpfend behandelt worden sind.

20. Mai 1927.

Zuerst veröffentlicht in dem Buch:
J. Stalin, Fragen des Lenin ismus.
4. Ausgabe, 1928.

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