"Stalin"

Werke

Band 10

VEREINIGTES PLENUM DES ZK UND DER ZKK
DER KPdSU(B)[1]

DIE INTERNATIONALE LAGE
UND DIE VERTEIDIGUNG DER UdSSR

IV
Über die Kriegsgefahr und die Verteidigung der UdSSR

Die Frage des Krieges. Ich muss vor allem die völlig falsche, nicht den Tatsachen entsprechende Erklärung Sinowjews und Trotzkis widerlegen, wonach ich auf unserem VIII. Parteitag der so genannten „militärischen Opposition“ angehört hätte. Das stimmt ganz und gar nicht, Genossen. Das ist eine Verleumdung, die Sinowjew und Trotzki aufgebracht haben, weil sie nichts anderes zu tun haben. Ich habe das Stenogramm in Händen, aus dem klar hervorgeht, dass ich damals zusammen mit Lenin gegen die so genannte „militärische Opposition“ aufgetreten bin. Schließlich sind hier Teilnehmer des VIII. Parteitags anwesend, die bestätigen werden, dass ich damals, auf dem VIII. Parteitag, gegen die „militärische Opposition“ aufgetreten bin. Ich bin nicht so scharf gegen die „militärische Opposition“ aufgetreten, wie es Trotzki vielleicht lieb gewesen wäre, weil ich der Meinung war, dass es unter den militärischen Oppositionellen ausgezeichnete Funktionäre gab, die man an der Front nicht entbehren kann, dass ich aber entschieden gegen die militärischen Oppositionellen aufgetreten bin und sie bekämpft habe - das ist eine Tatsache, die höchstens solche hoffnungslos verlorenen Leute wie Sinowjew und Trotzki bestreiten können.

Worum ging damals der Streit auf dem VIII. Parteitag? Um die Notwendigkeit, mit dem Freiwilligenprinzip und dem Partisanentum Schluss zu machen, um die Notwendigkeit, eine wirkliche reguläre Arbeiter- und Bauernarmee mit einer eisernen Disziplin zu schaffen, um die Notwendigkeit, für diese Sache Militärspezialisten heranzuziehen.

Es gab einen Resolutionsentwurf, der von den Anhängern einer regulären Armee und einer eisernen Disziplin eingebracht wurde. Für ihn traten Lenin , Sokolnikow, Stalin und andere ein. Es gab einen anderen Entwurf, den Entwurf W. Smirnows, der von denjenigen eingebracht wurde, die für die Beibehaltung von Elementen des Partisanentums in der Armee waren. Für ihn traten W. Smirnow, Safarow, Woroschilow, Pjatakow und andere ein.

Hier Auszüge aus meiner Rede:

„Alle Fragen, die hier berührt wurden, laufen auf die eine hinaus, oh es in Rußland eine streng disziplinierte reguläre Armee geben soll oder nicht.

Vor einem halben Jahr hatten wir nach dem Zerfall der alten, zaristischen Armee eine neue, eine Freiwilligenarmee, die schlecht organisiert war, kollektiv geleitet wurde und den Befehlen nicht immer Folge leistete. Das war die Periode, in der die Entente ihre Offensive einleitete. Die Armee setzte sich hauptsächlich, wenn nicht ausschließlich, aus Arbeitern zusammen. Weil es in dieser Freiwilligenarmee an Disziplin mangelte, weil die Befehle nicht immer ausgeführt wurden und weil innerhalb der Leitung der Armee Desorganisation herrschte, erlitten wir Niederlagen und überließen dem Gegner Kasan, während Krasnow erfolgreich vom Süden her vorrückte... Die Tatsachen zeugen davon, dass die Freiwilligenarmee keiner Kritik standhält, dass wir außerstande sein werden, unsere Republik zu verteidigen, wenn wir nicht eine andere Armee schaffen, eine reguläre Armee, die vom Geiste der Disziplin durchdrungen ist, eine gut organisierte politische Abteilung besitzt, eine Armee, die fähig und in der Lage ist, sich auf den ersten Befehl hin gegen den Feind in Marsch zu setzen.

Ich muss sagen, dass die Elemente, die die Mehrheit unserer Armee bilden und keine Arbeiterelemente, sondern Bauern sind, nicht freiwillig für den Sozialismus kämpfen werden. Eine ganze Reihe von Tatsachen weist darauf hin. Mehrere Meutereien im Hinterland und an den Fronten zeigen ebenso wie eine Reihe von Ausschreitungen an den Fronten, dass die nichtproletarischen Elemente, die in unserer Armee die Mehrheit bilden, nicht freiwillig für den Kommunismus kämpfen wollen. Daher unsere Aufgabe - diese Elemente im Geiste einer eisernen Disziplin zu erziehen, zu erreichen, dass sie sich nicht nur im Hinterland, sondern auch an den Fronten der Führung des Proletariats anvertrauen, sie zu zwingen, für unsere gemeinsame sozialistische Sache zu kämpfen, und im Laufe des Krieges den Aufbau einer wirklichen regulären Armee zu vollenden, die allein imstande ist, das Land zu verteidigen.

So ist die Frage gestellt.

...Entweder bringen wir es fertig, eine streng disziplinierte, reguläre, wirkliche Arbeiter- und Bauernarmee zu schaffen, und behaupten die Republik, oder wir bringen das nicht fertig, und dann ist unsere Sache zugrunde gerichtet.

...Der von Smirnow vorgelegte Entwurf ist unannehmbar, da er die Disziplin in der Armee nur untergraben kann und die Schaffung einer regulären Armee unmöglich macht.“[22]

Das sind die Tatsachen, Genossen.

Sie sehen, dass Trotzki und Sinowjew wiederum Verleumdungen ausgestreut haben.

Weiter. Kamenew hat hier behauptet, wir hätten in letzter Zeit, in den letzten zwei Jahren, das moralische Kapital verschleudert, das wir früher in der internationalen Welt besaßen. Stimmt das? Natürlich stimmt es nicht! Nicht im Geringsten stimmt das!

Welche Bevölkerungsschichten Kamenew meint, unter welchen Bevölkerungsschichten des Ostens und des Westens wir an Einfluss verloren oder gewonnen haben - das hat Kamenew nicht gesagt. Indes ist für uns Marxisten gerade diese Frage entscheidend. Nehmen wir zum Beispiel China. Kann man behaupten, dass wir unser moralisches Kapital bei den chinesischen Arbeitern und Bauern eingebüßt haben? Es ist klar, dass man das nicht behaupten kann. Bis in die letzte Zeit hinein wussten die Millionenmassen der Arbeiter und Bauern Chinas wenig von uns. Bis in die letzte Zeit hinein beschränkte sich die Autorität der UdSSR auf einen engen Kreis der Spitzen der chinesischen Gesellschaft, auf den engen Kreis der liberalen Intelligenz der Kuomintang, auf Persönlichkeiten wie Feng Yu-hsiang, die Kantoner Generale usw. Das hat sich jetzt grundlegend geändert. Jetzt genießt die UdSSR in den Augen der Millionenmassen der Arbeiter und Bauern Chinas eine Autorität, um die sie jede Macht, jede politische Partei in der Welt beneiden könnte. Aber dafür ist die Autorität der UdSSR in den Augen der liberalen Intelligenz Chinas, aller möglichen Generale usw. beträchtlich gesunken, und von den letzteren beginnen viele sogar, die UdSSR zu bekämpfen. Aber was ist denn daran verwunderlich, und was ist daran schlecht? Kann man denn von der UdSSR, von der Sowjetmacht, von unserer Partei verlangen, dass unser Land bei allen Schichten der chinesischen Gesellschaft moralische Autorität genießt? Wer außer hohlköpfigen Liberalen kann das von unserer Partei, von der Sowjetmacht verlangen? Was ist besser für uns: Autorität bei der liberalen Intelligenz und bei allen möglichen reaktionären Generalen Chinas oder Autorität bei den Millionenmassen der Arbeiter und Bauern Chinas? Was ist vom Standpunkt unserer internationalen Lage, vom Standpunkt der Entwicklung der Revolution in der ganzen Welt entscheidend: das Anwachsen der Autorität der UdSSR unter den Millionenmassen der Werktätigen bei offensichtlichem Sinken der Autorität der ‘UdSSR in den liberal-reaktionären Kreisen der chinesischen Gesellschaft oder Autorität in diesen letzteren liberal-reaktionären Kreisen bei Sinken des moralischen Gewichts unter den breiten Massen der Bevölkerung? Man braucht diese Frage nur zu stellen, um zu begreifen, dass Kamenew mit seiner Behauptung völlig daneben trifft...

Und im Westen? Kann man sagen, wir hätten moralisches Kapital hei den proletarischen Schichten des Westens eingebüßt? Es ist klar, dass man das nicht kann. Wovon zeugen zum Beispiel die jüngsten Aktionen des Proletariats in Wien, der Generalstreik und der Bergarbeiterstreik in England, die Demonstrationen vieler Tausender Arbeiter zur Verteidigung der UdSSR in Deutschland, in Frankreich? Zeugen sie davon, dass das moralische Gewicht der proletarischen Diktatur in den Augen der Millionenmassen der Arbeiterklasse sinkt? Natürlich nicht! Im Gegenteil, sie zeugen davon, dass das moralische Gewicht der UdSSR bei den Arbeitern des Westens steigt und sich festigt, dass die Arbeiter im Westen beginnen, ihre Bourgeoisie „auf russisch“ zu bekämpfen.

Zweifellos nimmt die Feindschaft gegen die UdSSR in bestimmten Schichten der pazifistischen und der liberal-reaktionären Bourgeoisie zu, besonders im Zusammenhang mit der Erschießung der 20 „erlauchten“ Terroristen und Brandstifter[23]. Aber sollte Kamenew die Meinung der liberal-reaktionären pazifistischen Kreise der Bourgeoisie wirklich höher schätzen als die Meinung der Millionenmassen der Proletarier des Westens? Wer wird die Tatsache zu bestreiten wagen, dass die Erschießung der 20 „Erlauchten“ von den Millionenmassen der Arbeiter sowohl bei uns in der UdSSR als auch im Westen höchst beifällig aufgenommen wurde? „Recht geschieht ihnen, den Schurken!“ - das waren die Worte, mit denen die Arbeiterviertel auf die Erschießung der 20 „Erlauchten“ antworteten.

Ich weiß, dass es bei uns eine gewisse Sorte Leute gibt, die behaupten, je ruhiger wir uns verhielten, umso besser wäre es für uns. Sie, diese Leute, sagen uns: „Es stand gut um die Sache der UdSSR, als England die Beziehungen zu ihr abbrach; noch besser stand es um die Sache der UdSSR, als Wojkow ermordet wurde; aber die Sache der UdSSR verschlechterte sich, als wir die Zähne zeigten und die Ermordung Wojkows mit der Erschießung der 20 ,erlauchten’ Konterrevolutionäre beantworteten; bis zur Erschießung der Zwanzig brachte man uns in Europa Mitgefühl und Sympathie entgegen; nach der Erschießung dagegen hörte die Sympathie auf, und man begann uns vorzuwerfen, dass wir nicht die braven Kinder sind, als die uns die öffentliche Meinung Europas sehen möchte.“

Was soll man zu dieser reaktionär-liberalen Philosophie sagen? Dazu kann man nur sagen, dass ihre Urheber die UdSSR ohnmächtig, unbewaffnet sehen möchten, vor den Feinden in die Knie sinkend, vor ihnen kapitulierend. Es gab einmal ein „blutendes“ Belgien, von dem eine Zeitlang ständig Bilder auf den Zigarettenschachteln zu sehen waren. Warum sollte es nicht eine „blutende“ UdSSR geben - ihr würden dann alle Sympathie und Mitgefühl entgegenbringen. Nein, und abermals nein, Genossen! Wir sind damit nicht einverstanden. Mögen sich alle diese liberal-pazifistischen Philosophen mit ihrer „Sympathie“ für die UdSSR zum Teufel scheren. Wenn wir nur die Sympathie der Millionenmassen der Werktätigen haben - das übrige wird sich finden, und wenn schon unbedingt jemand „bluten“ soll, so werden wir alles daransetzen, dass nicht die UdSSR, sondern irgendein bürgerliches Land blutig geschlagen wird und „blutet“.

Die Frage .der Unvermeidlichkeit des Krieges. Sinowjew regte sich hier mächtig auf, als er behauptete, in Bucharins Thesen werde von der „Wahrscheinlichkeit“ und „Unvermeidlichkeit“ des Krieges, nicht aber von seiner unbedingten Unvermeidlichkeit gesprochen. Er behauptete, eine solche Formulierung könne die Partei verwirren. Ich habe mir daraufhin Sinowjews Artikel „Konturen des künftigen Krieges“ durchgelesen. Und was stellte sich heraus? Es stellte sich heraus, dass in Sinowjews Artikel kein einziges, buchstäblich kein einziges Wort darüber steht, dass der Krieg unvermeidlich geworden ist. In Sinowjews Artikel ist die Rede von der Möglichkeit eines neuen Krieges. Es gibt ein ganzes Kapitel darin, in dem er beweist, dass ein Krieg möglich ist. Dieses Kapitel schließt mit dem Satz: „Deshalb ist es berechtigt und notwendig, dass die Bolschewiki, die Lenin isten, gegenwärtig an die Möglichkeit eines neuen Krieges denken.“ (Allgemeine Heiterkeit.) Beachten Sie, Genossen - an die Möglichkeit eines neuen Krieges „denken“. In Sinowjews Artikel heißt es an einer Stelle, das der Krieg unvermeidlich „wird“, aber es wird kein einziges, buchstäblich kein einziges Wort darüber gesagt, dass der Krieg bereits unvermeidlich geworden ist. Und dieser Mann hat - wie soll man es gelinde ausdrücken - die Stirn, Anklage zu erheben gegen Buchurins Thesen, die besagen, dass der Krieg wahrscheinlich und unvermeidlich geworden ist.

Was bedeutet es, jetzt von der „Möglichkeit“ eines Krieges zu sprechen? Das bedeutet, uns um mindestens sieben Jahre zurückzuzerren, denn bereits vor sieben Jahren sagte Lenin , dass ein Krieg zwischen der UdSSR und der kapitalistischen Welt möglich ist. Wozu brauchte Sinowjew längst bekannte Tatsachen zu wiederholen und seine Rückwärtsbewegung als etwas Neues auszugeben?

Was bedeutet es, jetzt zu sagen, dass der Krieg unvermeidlich wird? Das bedeutet, uns um mindestens vier Jahre zurückzuzerren, denn wir haben bereits in der Periode des Curzon-Ultimatums[24] gesagt, dass der Krieg unvermeidlich wird.

Wie konnte es geschehen, dass Sinowjew, der gestern noch einen so konfusen und völlig ungereimten Artikel über den Krieg geschrieben hat, der kein einziges Wort darüber enthält, dass der Krieg unvermeidlich geworden ist, wie konnte es geschehen, dass dieser Mann es wagt, über Bucharins klare und eindeutige Thesen von der Unvermeidlichkeit des Krieges herzufallen? Das konnte nur geschehen, weil Sinowjew vergessen hat, was er gestern geschrieben hat. Die Sache ist die, dass Sinowjew zu den Glücklichen gehört, die schreiben, um das Geschriebene schon am nächsten Tage zu vergessen. (Heiterkeit.)

Sinowjew hat hier behauptet, Bucharin sei von Genossen Tschitscherin dazu „gedrängt“ worden, seine Thesen im Sinne der Wahrscheinlichkeit und Unvermeidlichkeit des Krieges zu schreiben. Ich frage: Wer hat Sinowjew dazu „gedrängt“, einen Artikel über die Möglichkeit eines Krieges zu schreiben, jetzt, da der Krieg bereits unvermeidlich geworden ist? (Heiterkeit.)

Die Frage der Stabilisierung des Kapitalismus. Sinowjew ist hier über Bucharins Thesen hergefallen und hat behauptet, die Thesen wichen in der Frage der Stabilisierung von der Position der Komintern ab. Das ist natürlich Unsinn. Damit hat Sinowjew nur seine Ignoranz in der Frage der Stabilisierung, in der Frage des Weltkapitalismus bewiesen. Sinowjew glaubt, da es nun einmal eine Stabilisierung gibt, sei die Sache der Revolution verloren. Er begreift nicht, dass die Krise des Kapitalismus und die Vorbereitung seines Untergangs aus der Stabilisierung erwachsen. Ist es etwa nicht Tatsache, dass der Kapitalismus in letzter Zeit seine Technik vervollkommnet und rationalisiert hat und dadurch gewaltige Warenmengen erzeugt, die nicht realisiert werden können? Ist es etwa nicht Tatsache, dass die kapitalistischen Regierungen sich immer mehr faschisieren, wobei sie zu Angriffen gegen die Arbeiterklasse übergehen und ihre Positionen zeitweilig festigen? Folgt aus diesen Tatsachen, dass die Stabilisierung zu einer dauerhaften Stabilisierung geworden ist? Natürlich nicht! Im Gegenteil, gerade diese Tatsachen führen zur Verschärfung der Krise des Weltkapitalismus, die unvergleichlich tiefer ist als die Krise vor dem letzten imperialistischen Krieg.

Gerade die Tatsache, dass sich die kapitalistischen Regierungen faschisieren, gerade diese Tatsache führt zur Verschärfung der inneren Lage in den kapitalistischen Ländern und zu revolutionären Aktionen der Arbeiter (Wien, England).

Gerade die Tatsache, dass der Kapitalismus die Technik rationalisiert und eine gewaltige Menge von Waren erzeugt, die der Markt nicht absorbieren kann, gerade diese Tatsache führt dazu, dass sich der Kampf um die Absatzmärkte, um die Märkte für die Kapitalausfuhr im Lager der Imperialisten verschärft, dass die Voraussetzungen für einen neuen Krieg, für eine abermalige Neuaufteilung der Welt entstehen.

Ist es etwa schwer zu begreifen, dass das ungeheure Anwachsen der Produktionsmöglichkeiten des Kapitalismus bei der bekannten Begrenztheit des Weltmarkts und der Stabilität der „Einflusssphären“ den Kampf um die Märkte verstärkt und die Krise des Kapitalismus vertieft?

Der Kapitalismus könnte diese Krise beheben, wenn er die Löhne der Arbeiter um ein Mehrfaches erhöhen, wenn er die materielle Lage der Bauernschaft ernstlich verbessern, wenn er auf diese Weise die Kaufkraft der Millionen Werktätigen ernstlich heben und die Aufnahmefähigkeit des inneren Marktes erweitern könnte. Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus. Eben weil der Kapitalismus das nicht tun kann, eben weil der Kapitalismus seine „Einkünfte“ nicht für die Hebung des Wohlstands der Mehrheit der Werktätigen, sondern für die Verstärkung ihrer Ausbeutung und für die Kapitalausfuhr in weniger entwickelte Länder verwendet, um noch größere „Einkünfte“ zu erzielen - eben deshalb erzeugt der Kampf um die Absatzmärkte, der Kampf um die Märkte für Kapitalausfuhr einen verzweifelten Kampf um eine Neuaufteilung der Welt und der Einflusssphären, einen Kampf, der einen neuen imperialistischen Krieg bereits unvermeidlich gemacht hat.

Warum blicken gewisse imperialistische Kreise mit scheelen Augen auf die UdSSR und organisieren eine Einheitsfront gegen sie? Weil die UdSSR ein großartiger Markt für Absatz und Kapitalausfuhr ist. Warum intervenieren dieselben imperialistischen Kreise in China? Weil China ein großartiger Markt für Absatz und Kapitalausfuhr ist. Und so weiter und so fort.

Eben darin liegen Ursache und Quelle der Unvermeidlichkeit eines neuen Krieges, ganz gleich, ob er zwischen einzelnen imperialistischen Koalitionen oder gegen die UdSSR entbrennt.

Das Unglück der Opposition besteht darin, dass sie diese einfachen, elementaren Dinge nicht begreift.

Die Frage der Verteidigung unseres Landes. Und jetzt gestatten Sie mir, auf die letzte Frage einzugehen, auf die Frage, wie unsere Opposition sich anschickt, die UdSSR zu verteidigen.

Genossen! Den Prüfstein für das revolutionäre Wesen dieser oder jener Gruppe, dieser oder jener Strömung, dieser oder jener Partei bilden nicht die von ihnen abgegebenen Erklärungen oder Deklarationen. Den Prüfstein für das revolutionäre Wesen bilden die Taten, die praktische Tätigkeit, die praktischen Pläne dieser oder jener Gruppe, dieser oder jener Strömung, dieser oder jener Partei. Man kann den Erklärungen und Deklarationen der Menschen, so effektvoll sie auch sein mögen, keinen Glauben schenken, wenn sie nicht durch die Tat bekräftigt und in die Tat umgesetzt werden.

Es gibt eine Frage, die die Markscheide zwischen allen möglichen Gruppen, Strömungen und Parteien bildet und der Prüfstein für ihr revolutionäres oder antirevolutionäres Wesen ist. Diese Frage ist gegenwärtig die Frage der Verteidigung der UdSSR, die Frage des bedingungslosen, vorbehaltlosen Schutzes der UdSSR vor Überfällen des Imperialismus.

Ein Revolutionär ist, wer ohne Vorbehalte, bedingungslos, offen und ehrlich, ohne militärische Geheimberatungen bereit ist, die UdSSR zu schützen und zu verteidigen, denn die UdSSR ist der erste revolutionäre proletarische Staat in der Welt, der den Sozialismus aufbaut. Ein Internationalist ist, wer vorbehaltlos, ohne zu schwanken, ohne Bedingungen zu stellen, bereit ist, die UdSSR zu schützen, weil die UdSSR die Basis der revolutionären Bewegung der ganzen Welt ist; diese revolutionäre Bewegung zu schützen und voranzubringen ist aber nicht möglich, ohne die UdSSR zu schützen. Denn wer die internationale revolutionäre Bewegung zu schützen gedenkt und dabei die UdSSR nicht schützen will oder sich gegen sie stellt, der stellt sich gegen die Revolution, der gleitet unwiderruflich ins Lager der Feinde der Revolution hinab.

Angesichts der Kriegsgefahr sind jetzt zwei Lager entstanden und dementsprechend zwei Positionen: die Position des bedingungslosen Schutzes der UdSSR und die Position des Kampfes gegen die UdSSR. Zwischen ihnen gilt es, die Wahl zu treffen, denn eine dritte Position gibt es nicht und kann es nicht geben. Neutralität in dieser Sache, Schwanken, Vorbehalte, Suchen nach einer dritten Position bedeuten den Versuch, sich der Verantwortung zu entziehen, dem bedingungslosen Kampf für den Schutz der UdSSR aus dem Wege zu gehen, in einem für die Verteidigung der UdSSR höchst entscheidenden Moment fahnenflüchtig zu werden. Was aber bedeutet, sich der Verantwortung zu entziehen? Das bedeutet, unmerklich ins Lager der Gegner der UdSSR hinab zu gleiten.

So steht jetzt die Frage.

Wie ist es um die Opposition vom Gesichtspunkt der Verteidigung, des Schutzes der UdSSR bestellt?

Gestatten Sie, da wir uns schon einmal damit beschäftigen, auf den bekannten Brief Trotzkis an die ZKK zu verweisen, um Ihnen die Verteidigungs“theorie“, die Verteidigungslosung vor Augen zu führen, die Trotzki für den Fall eines Krieges gegen die UdSSR bereithält. Genosse Molotow hat in seiner Rede schon eine Stelle aus diesem Brief zitiert, aber er hat die betreffende Stelle nicht vollständig zitiert. Gestatten Sie, dass ich sie vollständig anführe.

Trotzki fasst Defätismus und Vaterlandsverteidigung so auf:

„Was ist Defätismus? Eine Politik, die darauf gerichtet ist, zur Niederlage des ‚eigenen’ Staates, der sich in den Händen einer feindlichen Klasse befindet, beizutragen. Jede andere Auffassung und Auslegung des Defätismus wäre eine Verfälschung. Wenn also zum Beispiel jemand sagt, die politische Linie ungebildeter und gewissenloser Plagiatoren müsse, eben im Interesse des Sieges des Arbeiterstaates, wie Kehricht hinweggefegt werden, so wird er deshalb noch keineswegs zum ,Defätisten’. Im Gegenteil, unter den gegebenen konkreten Bedingungen ist er gerade der wahre Wortführer der revolutionären Vaterlandsverteidigung: ideologischer Kehricht führt nicht zum Sieg!

Beispiele, und zwar sehr lehrreiche, könnte man in der Geschichte anderer Klassen finden. Führen wir nur eins an. An der Spitze der französischen Bourgeoisie stand zu Beginn des imperialistischen Krieges eine Regierung ohne Steuer und ohne Segel. Die Gruppe Clemenceau stand in Opposition zu dieser Regierung. Ungeachtet des Krieges und der Militärzensur, ja sogar ungeachtet dessen, dass die Deutschen 80 Kilometer vor Paris standen (Clemenceau sagte: ‚Eben deshalb’), führte er einen wütenden Kampf gegen die kleinbürgerliche Schlaffheit und Unentschlossenheit, für imperialistische Brutalität und Rücksichtslosigkeit. Clemenceau verriet seine Klasse, die Bourgeoisie, nicht, im Gegenteil, er diente ihr treuer, standhafter, entschlossener, klüger als Viviani,. Painleve und Konsorten. Das hat der weitere Verlauf der Ereignisse bewiesen. Die Gruppe Clemenceau kam zur Macht und sicherte der französischen Bourgeoisie durch ihre konsequentere, räuberischere imperialistische Politik den Sieg. Gab es französische Zeitungsskribenten, die die Gruppe Clemenceau als Defätisten bezeichneten? Sicher gab es sie: Dummköpfe und Verleumder treiben sich im Tross aller Klassen herum. Aber sie haben nicht immer die Möglichkeit, die gleiche bedeutende Rolle zu spielen.“ (Aus dem Brief Trotzkis an Genossen Ordshonikidse vom 11. Juli 1927.)

Da haben Sie die von Trotzki vorgeschlagene, mit Verlaub zu sagen,, „Theorie“ der Verteidigung der UdSSR.

„Kleinbürgerliche Schlaffheit und Unentschlossenheit“ - das verkörpert, wie man erfährt, die Mehrheit unserer Partei, die Mehrheit unseres ZK, die Mehrheit unserer Regierung. Clemenceau - das ist Trotzki mit seiner Gruppe. (Heiterkeit.) Wenn der Feind bis auf etwa 80 Kilometer an die Kremlmauern herangekommen ist, dann wird dieser neu erstandene Clemenceau, dieser Operetten-Clemenceau, wie sich herausstellt, darauf bedacht sein, zunächst die jetzige Mehrheit zu stürzen, eben weil der Feind 80 Kilometer vor dem Kreml steht, und dann wird er sich um die Verteidigung kümmern. Und wenn es unserem Operetten-Clemenceau gelingt, das zu vollbringen, so wird dies, wie sich herausstellt, eben die wahre und bedingungslose Verteidigung der UdSSR sein.

Um das aber vollbringen zu können, wird er, Trotzki, das heißt Clemenceau, darauf bedacht sein, diesen „Kehricht“ vorher „im Interesse des Sieges des Arbeiterstaates“ „hinwegzufegen“. Was ist das aber für „Kehricht“? Das ist, so erfährt man, die Mehrheit der Partei, die Mehrheit des ZK, die Mehrheit der Regierung.

Es stellt sich also heraus, dass sich dieser Operetten-Clemenceau, wenn der Feind bis auf eine Entfernung von 80 Kilometer an den Kreml herangekommen ist, nicht damit befassen wird, die UdSSR zu verteidigen, sondern die jetzige Mehrheit der Partei zu stürzen. Und das nennt er Verteidigung!

Es mutet freilich etwas lächerlich an, wenn diese kleine Don-Quichotte-Gruppe, die im Verlauf von vier Monaten kaum an die tausend Stimmen zusammengebracht hat, wenn diese kleine Gruppe der Millionenpartei droht: „Ich werde dich hinwegfegen.“ Sie können sich ein Urteil bilden, in welch kläglichem Zustand sich die Gruppe Trotzkis befindet, wenn sie, nachdem sie vier Monate lang im Schweiße ihres Angesichts gearbeitet hat, kaum an die tausend Unterschriften zusammenzubringen vermochte. Ich glaube, dass eine beliebige Gruppe von Oppositionellen einige Tausend Unterschriften zusammenbringen könnte, wenn sie zu arbeiten verstünde. Ich wiederhole: Es mutet lächerlich an, wenn diese kleine Gruppe, in der es mehr Führer als Soldaten gibt (Heiterkeit), die volle vier Monate gearbeitet und kaum an die tausend Unterschriften gesammelt hat, wenn diese Gruppe einer Millionenpartei droht: „Ich werde dich hinwegfegen.“ (Heiterkeit.)

Und wie könnte es die kleine fraktionelle Gruppe bewerkstelligen, eine Millionenpartei „hinwegzufegen“? Glauben vielleicht die Genossen von der Opposition, dass die jetzige Mehrheit der Partei, die Mehrheit des ZK eine zufällige sei, dass sie keine Wurzeln in der Partei, dass sie keine Wurzeln in der Arbeiterklasse habe, dass sie sich von einem Operetten-Clemenceau freiwillig „hinwegfegen“ lasse? Nein, diese Mehrheit ist keine zufällige. Sie hat sich von Jahr zu Jahr, im Laufe der Entwicklung unserer Partei, herausgebildet, sie ist erprobt im Feuer des Kampfes, während des Oktober, nach dem Oktober, während des Bürgerkrieges, während des Aufbaus des Sozialismus.

Um eine solche Mehrheit „hinwegzufegen“, muss man einen Bürgerkrieg in der Partei beginnen. Und Trotzki gedenkt nun, in dem Augenblick, wenn der Feind 80 Kilometer vor dem Kreml steht, einen Bürgerkrieg in der Partei zu beginnen. Weiter, scheint’s, kann man nicht mehr gehen...

Und die jetzigen Führer der Opposition? Haben sie denn nicht bewiesen, wer sie sind? Ist es denn Zufall, dass sie, die einst wichtigste Posten in unserer Partei innehatten, sich dann als Renegaten erwiesen? Muss denn noch bewiesen werden, dass dieser Umstand nicht als Zufall betrachtet werden kann? Und Trotzki will nun mit Hilfe der kleinen Gruppe, die die Plattform der Opposition unterschrieben hat, das Rad der Geschichte unserer Partei in dem Augenblick zurückdrehen, wenn der Feind 80 Kilometer vor dem Kreml steht, wobei es heißt, dass ein Teil der Genossen die Plattform der Opposition unterschrieben haben, weil sie dachten: Wenn du unterschreibst, wirst du im Krieg nicht eingezogen. (Heiterkeit.)

Nein, verehrtester Trotzki, Sie täten besser daran, nicht von „Hinwegfegen des Kehrichts“ zu reden. Sie täten besser daran, nicht davon zu reden, da diese Worte ansteckend wirken. Wenn die Mehrheit von Ihrer Methode, den Kehricht hinwegzufegen, „angesteckt“ wird, dann weiß ich nicht, ob das der Opposition gut bekommen würde. Und es ist ja nicht ausgeschlossen, dass die Mehrheit des ZK von einer solchen Methode „angesteckt“ wird und jemand „hinwegfegt“.

Reden über Hinwegfegen sind nicht immer erwünscht und ungefährlich, da sie die Mehrheit unseres ZK „anstecken“ und sie zwingen könnten, jemand „hinwegzufegen“. Und wenn Trotzki den Besen gegen die Partei und ihre Mehrheit zu gebrauchen gedenkt, ist es dann verwunderlich, wenn die Partei diesen Besen umdreht und ihn gegen die Opposition gebraucht?

Jetzt wissen wir, wie die Opposition die UdSSR zu verteidigen gedenkt. Die ihrem Wesen nach defätistische Theorie Trotzkis über Clemenceau, die von der gesamten Opposition unterstützt wird, beweist uns das deutlich genug.

Es ergibt sich also, dass man, um die Verteidigung der UdSSR zu sichern, vor allem das Clemenceausche Experiment durchführen müsse.

Das ist sozusagen der erste Schritt der Opposition zur „bedingungslosen“ Verteidigung der UdSSR.

Der zweite Schritt zur Verteidigung der UdSSR besteht, wie sich herausstellt, darin, unsere Partei für zentristisch zu erklären. Die Tatsache, dass unsere Partei einen Kampf sowohl gegen die linke Abweichung vom Kommunismus (Trotzki - Sinowjew) als auch gegen die rechte Abweichung vom Kommunismus (Smirnow-Sapronow) führt, diese Tatsache wird, wie sich herausstellt, von unserer bornierten Opposition als Zentrismus gewertet.

Diese sonderbaren Käuze haben, wie sich herausstellt, vergessen, dass wir, indem wir den Kampf gegen beide Abweichungen führen, nur das Vermächtnis Lenin s erfüllen, der auf dem entschiedenen Kampf sowohl gegen den „linken Doktrinarismus“ als auch gegen den „rechten Opportunismus“ unbedingt bestand.

Die Führer der Opposition haben mit dem Lenin ismus gebrochen, haben das Vermächtnis Lenin s der Vergessenheit preisgegeben. Die Führer der Opposition wollen nicht zugeben, dass ihr Block, der oppositionelle Block, ein Block der Träger der linken und der rechten Abweichungen vom Kommunismus ist. Sie wollen nicht zugeben, dass ihr jetziger Block die Wiederherstellung des bekannten Trotzkischen Augustblocks unseligen Angedenkens auf neuer Grundlage ist. Sie wollen nicht begreifen, dass eben dieser Block die Gefahr der Entartung in sich birgt. Sie wollen nicht zugeben, dass die Vereinigung der „Ultralinken“ vom Schlage solcher abgefeimten Gauner und Konterrevolutionäre wie Maslow und Ruth Fischer mit den georgischen Vertretern der nationalistischen Abweichung in einem Lager den schlimmsten Abklatsch des liquidatorischen Augustblocks darstellt.

Um also die Verteidigung in Gang zu bringen, muss man, wie sich herausstellt, unsere Partei für zentristisch erklären und versuchen, ihr die Anziehungskraft, die sie auf die Arbeiter ausübt, zu nehmen.

Das ist sozusagen der zweite Schritt der Opposition zur „bedingungslosen“ Verteidigung der UdSSR.

Der dritte Schritt zur Verteidigung der UdSSR besteht, wie sich herausstellt, darin, unsere Partei für nicht existierend zu erklären und sie als „Fraktion Stalins“ hinzustellen. Was wollen die Oppositionellen damit sagen? Sie wollen damit sagen, dass es keine Partei gibt, wohl aber eine „Fraktion Stalins“. Sie wollen damit sagen, dass die Beschlüsse der Partei für sie nicht bindend sind und dass sie diese Beschlüsse stets und ständig durchbrechen können. Sie wollen sich damit den Kampf gegen unsere Partei erleichtern. Zwar haben sie diese Waffe dem Arsenal des menschewistischen „Sozialistitscheski Wjestnik“[25] und der bürgerlichen „Rulj“[26] entnommen. Zwar ist es eines Kommunisten unwürdig, Waffen bei den Menschewiki und bei bürgerlichen Konterrevolutionären zu entnehmen. Aber was kümmert sie das? Der Opposition sind alle Mittel recht, wenn nur der Kampf gegen die Partei geführt wird.

Um also die Verteidigung der UdSSR vorzubereiten, muss man, wie sich herausstellt, die Partei für nicht existierend erklären, dieselbe Partei, ohne die überhaupt keine Verteidigung denkbar ist.

Das ist sozusagen der dritte Schritt der Opposition zur „bedingungslosen“ Verteidigung der UdSSR.

Der vierte Schritt zur Verteidigung der UdSSR besteht, wie sich herausstellt, darin, die Komintern zu spalten, in Deutschland eine neue Partei zu organisieren mit den abgefeimten Gaunern und Konterrevolutionären Ruth Fischer und Maslow an der Spitze und dadurch die Unterstützung der UdSSR seitens des westeuropäischen Proletariats zu erschweren.

Um also die Verteidigung der UdSSR vorzubereiten, muss man, wie sich herausstellt, die Komintern spalten.

Das ist sozusagen der vierte Schritt der Opposition zur „bedingungslosen“ Verteidigung der UdSSR.

Der fünfte Schritt zur Verteidigung der UdSSR besteht, wie sich herausstellt, darin, unserer Partei thermidorianische Tendenzen zuzuschreiben, sie zu spalten und mit dem Aufbau einer neuen Partei zu beginnen. Denn wenn wir keine Partei haben, wenn es nur eine „Stalinsche Fraktion“ gibt, deren Beschlüsse für die Mitglieder der Partei nicht bindend sind, wenn diese Fraktion thermidorianisch ist - obwohl es dumm und töricht ist, von Thermidorianertum in unserer Partei zu sprechen -, was bleibt dann zu tun übrig?

Um also die Verteidigung der UdSSR in Gang zu bringen, muss man, wie sich herausstellt, unsere Partei spalten und sich mit der Organisierung einer neuen Partei befassen.

Das ist sozusagen der fünfte Schritt der Opposition zur „bedingungslosen“ Verteidigung der UdSSR.

Da haben Sie die fünf wichtigsten Maßnahmen, die die Opposition zur Verteidigung der UdSSR vorschlägt.

Muss noch bewiesen werden, dass alle diese Maßnahmen der Opposition mit der Verteidigung unseres Landes, mit der Verteidigung des Herdes der Weltrevolution nichts gemein haben?

Und diese Leute wollen, dass wir ihre defaitistischen, halbmenschewistischen Artikel in unserer Parteipresse veröffentlichen! Wofür halten sie uns eigentlich? Haben wir etwa bei uns schon eine Presse“freiheit“ für alle, „von den Anarchisten bis zu den Monarchisten“? Die gibt es nicht und wird es nicht geben. Warum veröffentlichen wir keine menschewistischen Artikel? Weil es bei uns keine Presse“freiheit“ für anti Lenin istische, antisowjetische Strömungen „von den Anarchisten bis zu den Monarchisten“ gibt.

Was wollen die Oppositionellen, die auf Veröffentlichung ihrer halbmenschewistischen, defätistischen Artikel bestehen? Sie wollen der bürgerlichen Presse,,freiheit“ ein Hintertürchen öffnen, wobei sie nicht sehen, dass sie dadurch die antisowjetischen Elemente beleben, deren Druck auf die Diktatur des Proletariats verstärken und der bürgerlichen „Demokratie“ den Weg bahnen. An eine Tür klopfen sie, eine andere aber öffnen sie.

Folgendes schreibt Herr Dan über die Opposition:

„Die russischen Sozialdemokraten würden eine solche Legalisierung der Opposition aufs wärmste begrüßen, obwohl sie mit deren positivem Programm nichts gemein haben. Sie würden die Legalität des politischen Kampfes, die offene Selbstliquidierung der Diktatur und den Übergang zu neuen politischen Formen, die einer breiten Arbeiterbewegung freie Bahn geben, begrüßen.“ („Sozialistitscheski Wjestnik“ Nr. 13, Juli 1927.)

„Die offene Selbstliquidierung der Diktatur“, das ist es, Genossen von der Opposition, was die Feinde der UdSSR von Ihnen erwarten und wohin Ihre Politik führt.

Genossen! Wir stehen vor zwei Gefahren: der Kriegsgefahr, die zu einer Kriegsdrohung geworden ist, und der Gefahr der Entartung einiger Glieder unserer Partei. Zur Vorbereitung der Verteidigung schreitend, müssen wir eine eiserne Disziplin in unserer Partei schaffen. Ohne diese Disziplin ist eine Verteidigung unmöglich. Wir müssen die Parteidisziplin festigen, wir müssen all denen den Zaum anlegen, die unsere Partei desorganisieren. Wir müssen all denen den Zaum anlegen, die unsere Bruderparteien im Westen und im Osten spalten. (Beifall.) Wir müssen all denen den Zaum anlegen, die unsere Bruderparteien im Westen spalten und dabei von solchen abgefeimten Gaunern wie Souvarine, Ruth Fischer, Maslow, dem Wirrkopf Treint unterstützt werden.

Nur so, nur auf diese Weise können wir dem Krieg wohl gerüstet begegnen, wobei wir gleichzeitig bemüht sind, durch gewisse materielle Opfer, die wir auf uns nehmen, den Krieg hinauszuzögern, Zeit zu gewinnen, uns vom Kapitalismus loszukaufen.

Das müssen wir tun, und das werden wir tun. Die zweite Gefahr ist die Gefahr der Entartung.

Woher droht sie? Von dort (zeigt auf die Opposition). Diese Gefahr muss liquidiert werden. (Anhaltender Beifall.)

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