"Stalin"

Werke

Band 10

KONSPEKT FÜR DEN ARTIKEL
„DER INTERNATIONALE CHARAKTER
DER OKTOBERREVOLUTION“

Die Oktoberrevolution ist nicht nur eine Revolution „im nationalen Rahmen“, sondern vor allem eine Revolution von internationaler, von Weltbedeutung, denn sie bedeutet eine grundlegende Wendung in der Weltgeschichte der Menschheit, eine Wendung vom Alten zum Neuen.

Die Revolutionen der Vergangenheit endeten gewöhnlich damit, dass am Regierungsruder eine Ausbeutergruppe durch eine andere Ausbeutergruppe abgelöst wurde. Die Ausbeuter wechselten, die Ausbeutung blieb. So war es zur Zeit der Sklavenrevolutionen, der Revolutionen der Leibeigenen, der Revolutionen der Handels- und Industriebourgeoisie. Die Oktoberrevolution unterscheidet sich grundsätzlich von diesen Revolutionen. Sie setzt sich nicht das Ziel, eine Ausbeutungsform durch eine andere Ausbeutungsform, eine Ausbeutergruppe durch eine andere Ausbeutergruppe zu ersetzen, sondern jede Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu beseitigen, alle und jede Ausbeutergruppen zu stürzen.

Errichtung der Diktatur des Proletariats, als der revolutionärsten und organisiertesten Klasse unter allen Ausgebeuteten.

Eben deshalb bedeutet der Sieg der Oktoberrevolution eine grundlegende Wendung in der Ökonomik und der Politik, im Leben und in der Lebensweise, in den Sitten und den Traditionen, in der Kultur und in der gesamten geistigen Physiognomie der ausgebeuteten Massen der ganzen Welt.

Darin liegt auch die Wurzel jener großen Sympathien, die die unterdrückten Klassen aller Länder der Oktoberrevolution entgegenbringen, in der sie das Unterpfand ihrer eigenen Befreiung sehen.

Vier grundlegende Züge.

1. Die Zentren des Imperialismus (die „Mutterländer“). Der Oktober als Wendung von der Herrschaft des Kapitalismus in den fortgeschrittenen Ländern - zum Kommunismus. Bei uns wird häufig gesagt, dass die Oktoberrevolution eine Durchbrechung der Front des Weltimperialismus darstellt. Was aber bedeutet das? Das bedeutet, dass sie die Ära der proletarischen Revolutionen und der Diktatur des Proletariats eröffnet hat.

Früher ging man von der französischen Revolution des 18. Jahrhunderts aus, man benutzte ihre Traditionen und führte ihre Ordnung ein. Jetzt geht man von der Oktoberrevolution aus.

Früher Frankreich.

Jetzt die UdSSR.

Früher war der „Jakobiner“ der Schrecken der gesamten Bourgeoisie. Jetzt ist der Bolschewik der Schrecken der Bourgeoisie.

Die Ära der „einfachen“ bürgerlichen Revolutionen, als das Proletariat lediglich die Stoßkraft war, die Ausbeuter aber die Früchte der Revolutionen einheimsten, ist vorbei.

Angebrochen ist die Ära der proletarischen Revolutionen in den kapitalistischen Ländern.

2. Die Peripherie des Imperialismus. Der Oktober hat die Ära der Befreiungsrevolutionen in den Kolonien und abhängigen Ländern eröffnet.

Das Proletariat kann sich nicht befreien, ohne die vom Imperialismus unterdrückten Völker zu befreien. Einheitsfront der proletarischen Revolutionen in den Mutterländern und der kolonialen Revolutionen in den abhängigen Ländern.

Die Ära der ungestörten Ausbeutung der Kolonien und abhängigen Länder ist vorbei.

Angebrochen ist die Ära der Befreiungsrevolutionen in den Kolonien, die Ära des Erwachens des Proletariats dieser Länder, die Ära seiner Hegemonie.

3. Zentren und Peripherie - zusammen. Damit hat der Oktober dem Weltimperialismus einen tödlichen Schlag versetzt, von dem er sich nie erholen wird.

Der Imperialismus wird nie das „Gleichgewicht“ und die „Stabilität“ wiedererlangen, die er vor dem Oktober besaß.

Die Ära der „Stabilität“ des Kapitalismus ist vorbei.

Angebrochen ist die Ära des Niedergangs des Kapitalismus.

4. Der Oktober bedeutet den ideologischen Sieg des Kommunismus über den Sozialdemokratismus, des Marxismus über den Reformismus. Früher, vor dem Sieg der Diktatur des Proletariats in der UdSSR, konnten die Sozialdemokraten und Reformisten mit dem Banner des Marxismus prunken, mit Marx und Engels kokettieren usw., da das für die Bourgeoisie nicht gefährlich war und die Menschen noch nicht wussten, wozu der Sieg des Marxismus führen kann.

Jetzt, nach dem Sieg der Diktatur des Proletariats in der UdSSR, nachdem alle begriffen haben, wozu der Marxismus führt und was sein Sieg zu bedeuten hat, haben es die Sozialdemokraten und Reformisten vorgezogen, sich vom Marxismus abzugrenzen, da sie spüren, dass dieses Prunken und Kokettieren mit dem Marxismus für die Bourgeoisie gefährlich ist.

Von nun an ist der Kommunismus zum einzigen Hort und Bollwerk des Marxismus geworden.

Von nun an verlässt der Geist des Marxismus die Sozialdemokratie so, wie die Sozialdemokratie schon vorher den Marxismus verlassen hatte.

Seit dem Sieg der Oktoberrevolution können nur diejenigen Marxisten sein, die die erste proletarische Diktatur der Welt entschlossen und rück-haltlos unterstützen.

Was heißt die erste proletarische Diktatur in der Welt unterstützen? Das heißt die Position des direkten Kampfes gegen die eigene Bourgeoisie einnehmen. Da aber die Sozialdemokraten nicht gegen ihre eigene Bourgeoisie kämpfen wollen, sondern es vorziehen, sich ihr anzupassen, so nehmen sie natürlich die Position des Kampfes gegen die erste proletarische Diktatur der Welt ein, die Position der Wiederaufrichtung des

Kapitalismus in der UdSSR. Und das eben ist der Untergang der Sozialdemokratie.

Der Oktober hat die Ära des Triumphes des Weltkommunismus eröffnet, die die Ära des Untergangs der Sozialdemokratie und ihres direkten Übergangs in das Lager der Bourgeoisie ist.

Der Oktober ist der Sieg des Marxismus in der Ideologie.

Oktober 1927.

Zum erstenmal veröffentlicht.

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