"Stalin"

Werke

Band 10

DIE TROTZKISTISCHE OPPOSITION
FRÜHER UND JETZT

Rede in der Sitzung des vereinigten Plenums
des ZK und der ZKK der KPdSU(B)[45]

23. Oktober 1927

I
EINIGE KLEINE FRAGEN

Genossen! Ich habe wenig Zeit, deshalb werde ich nur zu einzelnen Fragen sprechen.

Vor allem über das persönliche Moment. Sie haben hier gehört, wie eifrig die Oppositionellen, ohne ihre Kräfte zu schonen, auf Stalin schimpfen. Das wundert mich nicht, Genossen. Die Tatsache, dass die Angriffe hauptsächlich gegen Stalin gerichtet sind, erklärt sich daraus, dass Stalin besser vielleicht als mancher unserer Genossen das ganze gaunerische Treiben der Opposition kennt und dass es nicht so leicht sein dürfte, ihn hinters Licht zu führen. Und deshalb richten sie den Schlag vor allem gegen Stalin. Nun, mögen sie schimpfen, soviel sie wollen.

Lassen wir Stalin, Stalin ist ein kleiner Mann. Nehmen wir Lenin . Wer wüsste nicht, dass die Opposition mit Trotzki an der Spitze zur Zeit des Augustblocks eine noch unverschämtere Hetze gegen Lenin betrieb. Hören Sie zum Beispiel Trotzki:

„Wie ein unsinniger Teufelsspuk mutet einen das gemeine Gezänk an, das Lenin , Meister in diesen Dingen, dieser berufsmäßige Ausbeuter jeglicher Rückständigkeit in der russischen Arbeiterbewegung, systematisch schürt.“ (Siehe „Brief Trotzkis an Tschcheidse“, April 1913.)

Ausdrücke sind das, Genossen, Ausdrücke, achten Sie darauf! Das schreibt Trotzki, und das schreibt er über Lenin .

Kann man sich da wundern, wenn Trotzki, der den großen Lenin so skrupellos verleumdet, dessen Stiefel er nicht einmal wert ist, nunmehr auf einen der vielen Schüler Lenin s, auf Genossen Stalin, schimpft, was das Zeug hält.

Mehr noch, ich betrachte es als eine Ehre für mich, wenn die Opposition ihren ganzen Hass gegen Stalin richtet. So muss es auch sein. Ich meine, es wäre sonderbar und eine Beleidigung für mich, wenn die Opposition, die die Partei zu zerstören sucht, Stalin lobte, der die Grundlagen des Lenin schen Parteiprinzips verteidigt.

Jetzt über Lenin s „Testament“. Die Oppositionellen haben hier, wie Sie gehört haben, ein großes Geschrei erhoben und behauptet, das Zentralkomitee der Partei habe das „Testament“ Lenin s „verheimlicht“. Mehrmals wurde diese Frage bei uns, wie Sie wissen, auf dem Plenum des ZK und der ZKK behandelt. (Zuruf: „Dutzende von Malen.“) Es wurde bewiesen und abermals bewiesen, dass niemand etwas verheimlicht, dass das „Testament“ Lenin s an den XIIL Parteitag gerichtet war, dass es, dies „Testament“, auf dem Parteitag verlesen wurde (Zurufe: „Sehr richtig!“) und dass der Parteitag einstimmig beschloss, es nicht zu veröffentlichen, unter anderem deshalb, weil Lenin dies selbst nicht gewünscht und nicht verlangt hatte. All das weiß die Opposition ebenso gut wie wir alle. Und trotzdem hat die Opposition die Stirn zu erklären, dass das ZK das „Testament“ „verheimlicht“.

Die Frage des „Testaments“ Lenin s wurde bei uns, wenn ich nicht irre, bereits 1924 erörtert. Es gibt da einen gewissen Eastman, einen ehemaligen amerikanischen Kommunisten, der dann aus der Partei hinausgeworfen wurde. Nachdem sich dieser Herr eine Zeitlang in Moskau unter Trotzkisten herumgetrieben und verschiedene Gerüchte und Verleumdungen in Bezug auf Lenin s „Testament“ gesammelt hatte, fuhr er ins Ausland und gab unter dem Titel „Nach Lenin s Tod“ ein Buch heraus, in dem er nicht mit Farben spart, um die Partei, das Zentralkomitee und die Sowjetmacht zu verleumden, und in dem alles darauf aufgebaut ist, dass das ZK unserer Partei angeblich das „Testament“ Lenin s „verheimlicht“. Da dieser Eastman eine Zeitlang mit Trotzki in Verbindung stand, forderten wir, die Mitglieder des Politbüros, Trotzki auf, sich von Eastman abzugrenzen, der dadurch, dass er sich an Trotzki klammert und sich auf die Opposition beruft, Trotzki für die Verleumdung unserer Partei hinsichtlich des „Testaments“ verantwortlich macht. Da die Frage so offenkundig war, grenzte sich Trotzki wirklich von Eastman ab und gab eine entsprechende Erklärung an die Presse. Sie wurde im September 1925 in Nummer 16 des „Bolschewik“ veröffentlicht.

Gestatten Sie mir, die Stelle aus Trotzkis Artikel zu verlesen, die davon handelt, ob die Partei und ihr ZK das „Testament“ Lenin s verheimlicht oder es nicht verheimlicht. Ich zitiere aus Trotzkis Artikel:

„An einigen Stellen seines Büchleins spricht Eastman davon, dass das ZK eine Reihe außerordentlich wichtiger Dokumente, die Lenin in der letzten Periode seines Lebens geschrieben hat (es handelt sich um Briefe zur nationalen Frage, um das so genannte ,Testament’ usw.), vor der Partei ,verheimlicht’ habe; das kann man nicht anders nennen als eine Verleumdung des ZK unserer Partei. Aus Eastmans Worten kann man den Schluss ziehen, Wladimir Iljitsch habe diese Briefe, die den Charakter innerorganisatorischer Ratschläge trugen, für die Presse bestimmt. In Wirklichkeit stimmt das absolut nicht. Wladimir Iljitsch wandte sich seit der Zeit seiner Krankheit wiederholt an die leitenden Institutionen der Partei und an ihren Parteitag mit Vorschlägen, Briefen u. a. Es versteht sich von selbst, dass alle diese Briefe und Vorschläge stets bestimmungsgemäß weitergeleitet, den Delegierten des XII. und des XIII. Parteitags zur Kenntnis gebracht wurden und selbstverständlich immer entsprechenden Einfluss auf die Beschlüsse der Partei ausübten, und wenn nicht alle diese Briefe veröffentlicht wurden, so deshalb, weil sie von ihrem Verfasser nicht für die Presse bestimmt waren. Wladimir Iljitsch hat überhaupt kein ‚Testament’ hinterlassen, und der Charakter seines Verhältnisses zur Partei sowie auch der Charakter der Partei selbst schlossen die Möglichkeit eines solchen ‚Testaments’ aus. Als ,Testament’ wird in der Emigrantenpresse sowie in der ausländischen bürgerlichen und menschewistischen Presse gewöhnlich ein (bis zur Unkenntlichkeit entstellter) Brief Wladimir Iljitschs bezeichnet, der Ratschläge organisatorischer Art enthielt. Der XIII. Parteitag brachte diesem Brief, wie auch allen anderen, die größte Aufmerksamkeit entgegen und zog daraus den gegebenen Bedingungen und Umständen entsprechende Schlüsse. Alle Redereien über ein verheimlichtes oder verletztes ‚Testament’ sind bösartige Erfindungen und sind ganz und gar gegen den faktischen Willen ‘Wladimir Iljitschs sowie gegen die Interessen der von ihm geschaffenen Partei gerichtet’.“ (Siehe Trotzkis Artikel „Zu Eastmans Buch ,Nach Lenin s Tod“, „Bolschewik“ Nr. 16, 1. September 1925, S.68.)

Das ist wohl klar. Das schreibt Trotzki und niemand anders. Mit welchem Recht kommen jetzt Trotzki, Sinowjew und Kamenew mit ihrem Geschwätz und behaupten, dass die Partei und ihr ZK Lenin s „Testament“ „verheimlichen“? Schwätzen „darf“ man, aber alles muss seine Grenzen haben.

Man sagt, Genosse Lenin habe in diesem „Testament“ dem Parteitag vorgeschlagen, man solle sich im Hinblick auf Stalins „Grobheit“ überlegen, ob man nicht Stalin als Generalsekretär durch einen anderen Genossen ersetzen solle. Das stimmt durchaus. Ja, Genossen, ich bin grob gegen diejenigen, die grob und verräterisch die Partei zersetzen und spalten. Ich habe das nicht verheimlicht und verheimliche es nicht. Möglich, dass hier eine gewisse Milde gegenüber den Spaltern erforderlich ist. Aber das bringe ich nicht fertig. Gleich in der ersten Sitzung des ZK-Plenums nach dem XIII. Parteitag ersuchte ich das Plenum des ZK, mich von der Funktion des Generalsekretärs zu entbinden. Der Parteitag selbst behandelte diese Frage. Jede Delegation behandelte diese Frage, und alle Delegationen, unter ihnen auch Trotzki, Kamenew, Sinowjew, verpflichteten Stalin einstimmig, auf seinem Posten zu bleiben.

Was konnte ich tun? Von meinem Posten davonlaufen? Das ist nicht meine Art, ich bin niemals von irgendeinem Posten davongelaufen, und ich habe kein Recht davonzulaufen, denn das wäre Desertion. Wie ich schon früher sagte, bin ich nicht frei in meinen Entschlüssen, und wenn die Partei mich zu etwas verpflichtet, so muss ich mich fügen.

Ein Jahr danach richtete ich erneut einen Antrag an das Plenum, mich von meiner Funktion zu entbinden, aber man verpflichtete mich erneut, auf meinem Posten zu bleiben.

Was konnte ich weiter tun?

Was die Veröffentlichung des „Testaments“ angeht, so beschloss der Parteitag, es nicht zu veröffentlichen, da es an den Parteitag gerichtet und nicht für die Presse bestimmt war.

Es gibt bei uns einen Beschluss des Plenums des ZK und der ZKK aus dem Jahre 1926, den XV. Parteitag um die Erlaubnis zu ersuchen, dieses Dokument zu veröffentlichen. Es gibt weiter einen Beschluss des gleichen Plenums des ZK und der ZKK über die Veröffentlichung anderer Briefe Lenin s, in denen Lenin Kamenews und Sinowjews Fehler vor dem Oktoberaufstand behandelt und ihren Ausschluss aus der Partei verlangt[46].

Es ist klar, dass alles Gerede darüber, die Partei verberge diese Dokumente, gemeine Verleumdung ist. Hierher gehören auch Dokumente wie Lenin s Briefe über die Notwendigkeit, Sinowjew und Kamenew aus der Partei auszuschließen. Niemals noch hat die bolschewistische Partei, hat das ZK der bolschewistischen Partei die Wahrheit gefürchtet. Die Stärke der bolschewistischen Partei besteht gerade darin, dass sie die Wahrheit nicht fürchtet und ihr direkt ins Gesicht sieht.

Die Opposition versucht, mit dem „Testament“ Lenin s aufzutrumpfen. Aber man braucht dieses „Testament“ nur durchzulesen, um zu begreifen, dass nichts da ist, womit sie auftrumpfen könnten. Im Gegenteil, das „Testament“ Lenin s ist der Tod der heutigen Führer der Opposition.

In der Tat, es ist eine Tatsache, dass Lenin in seinem „Testament“ Trotzki des „Nichtbolschewismus“ beschuldigt und in Bezug auf Kamenews und Sinowjews Fehler während des Oktobers feststellt, dass dieser Fehler kein „Zufall“ ist. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass man weder Trotzki, der an „Nichtbolschewismus“ leidet, politisch vertrauen darf noch Kamenew und Sinowjew, deren Fehler kein „Zufall“ sind und sich wiederholen können und müssen.

Es ist bezeichnend, dass über Fehler Stalins in dem „Testament“ kein einziges Wort, keine einzige Andeutung enthalten ist. Dort ist nur von der Grobheit Stalins die Rede. Aber Grobheit ist kein Fehler in der politischen Linie beziehungsweise Position Stalins und kann es nicht sein.

Hier die entsprechende Stelle aus dem „Testament“:

„Ich werde die anderen Mitglieder des ZK nicht weiter auf ihre persönlichen Eigenschaften hin charakterisieren. Ich erinnere nur daran, dass die Oktoberepisode Sinowjews und Kamenews natürlich kein Zufall ist, dass sie ihnen aber ebensowenig als persönliche Schuld angerechnet werden kann wie Trotzki der Nichtbolschewismus.“

Das ist wohl klar.

II
ÜBER DIE „PLATTFORM“ DER OPPOSITION

Die nächste Frage. Weshalb hat das ZK die bekannte „Plattform“ der Opposition nicht veröffentlicht? Sinowjew und Trotzki erklären das damit, dass das ZK und die Partei die Wahrheit „fürchten“. Stimmt das? Natürlich stimmt das nicht. Mehr noch, es ist eine Dummheit zu sagen, die Partei oder das ZK fürchteten die Wahrheit. Es gibt bei uns stenographische Protokolle der Plenartagungen des ZK und der ZKK. Diese Protokolle werden in einigen Tausend Exemplaren gedruckt und an die Parteimitglieder verteilt. Sie enthalten die Reden der Oppositionellen ebenso wie die Reden der Genossen, die die Parteilinie vertreten. Sie werden von Zehntausenden und Hunderttausenden von Parteimitgliedern gelesen. (Zurufe: „Sehr richtig!“) Wenn wir die Wahrheit fürchteten, würden wir diese Dokumente nicht verbreiten. Das Gute an diesen Dokumenten ist gerade, dass sie es den Parteimitgliedern ermöglichen, die Position des ZK mit den Ansichten der Opposition zu vergleichen und ihre Entscheidungen zu treffen. Wo kann hier von Furcht vor der Wahrheit die Rede sein?

Im Oktober 1926 spielten sich die Führer der Opposition auf, indem sie behaupteten, wie sie es auch heute tun, das ZK fürchte die Wahrheit, verberge ihre „Plattform“, verheimliche sie vor der Partei usw. Gerade deshalb versuchten sie damals ihr Glück in den Zellen von Moskau (ich erinnere an „Aviopribor“), von Lenin grad (ich erinnere an „Putilow“) usw. Und was geschah? Es zeigte sich, dass die Arbeiter, die Kommunarden, unsere Oppositionellen verdroschen, ja sie so gründlich verdroschen, dass die Führer der Opposition gezwungen waren, das Kampffeld fluchtartig zu verlassen. Weshalb wagten sie denn damals nicht, weiter alle Zellen zu durchwandern und zu prüfen, wer von uns die Wahrheit fürchtet - die Oppositionellen oder das ZK? Einfach deshalb, weil sie aus Angst vor der wirklichen (nicht aber ausgedachten) Wahrheit die Courage verloren.

Und jetzt? Gibt es etwa, offen gesagt, jetzt bei uns keine Diskussion in den Zellen? Man zeige uns nur eine Zelle, in der es auch nur einen Oppositionellen gibt, wo während der letzten 3-4 Monate auch nur eine Zellensitzung ohne Auftreten der Opposition, ohne Diskussion stattgefunden hätte. Ist es etwa nicht Tatsache, dass die Opposition in den letzten 3-4 Monaten überall, wo sie es nur kann, in den Zellen mit eigenen Gegenresolutionen auftritt? (Zurufe: „Ganz richtig!“) Warum versuchen Trotzki und Sinowjew denn nicht, in die Zellen zu gehen und dort ihre Ansichten darzulegen?

Eine bezeichnende Tatsache. Im August dieses Jahres, nach dem Plenum des ZK und der ZKK, schickten Trotzki und Sinowjew dem ZK ein Schreiben, in dem sie erklärten, dass sie in der Versammlung des Moskauer Parteiaktivs auftreten wollen, wenn das ZK nichts dagegen einzuwenden habe. Das ZK antwortete darauf (und diese Antwort wurde den Ortsorganisationen zugeschickt), dass es gegen das Auftreten Trotzkis und Sinowjews nichts einzuwenden habe, jedoch unter der Voraussetzung, dass sie als Mitglieder des ZK nicht gegen die Beschlüsse des ZK aufträten. Und was geschah? Sie verzichteten auf dies Auftreten. (Allgemeine Heiterkeit.)

Ja, Genossen, es gibt bei uns tatsächlich Leute, die die Wahrheit fürchten, aber das sind nicht das ZK und noch weniger die Partei, sondern es sind die Führer unserer Opposition.

Warum hat dann das ZK die „Plattform“ der Opposition nicht veröffentlicht?

Vor allem deshalb, weil das ZK die Fraktion Trotzkis, und fraktionelle Gruppierungen überhaupt, nicht legalisieren wollte und nicht legalisieren durfte. Lenin sagt in der Resolution des X. Parteitags „Über die Einheit“, dass das Vorhandensein einer „Plattform“ eins der entscheidenden Merkmale der Fraktionsmacherei ist. Trotzdem arbeitete die Opposition eine „Plattform“ aus und forderte ihre Veröffentlichung, womit sie gegen den Beschluss des X. Parteitags verstieß. Was hätte es bedeutet, wenn das ZK die „Plattform“ der Opposition veröffentlicht hätte? Es hätte bedeutet, dass das ZK bereit ist, sich an der gegen die Beschlüsse des X. Parteitags verstoßenden fraktionellen Arbeit der Opposition zu beteiligen. Konnten sich das ZK und die ZKK darauf einlassen? Es ist klar, dass kein ZK, das sich selbst achtet, sich auf diesen fraktionellen Schritt einlassen konnte. (Zurufe: „Sehr richtig!“)

Weiter. In der gleichen, von Lenin s Hand geschriebenen Resolution des X. Parteitags „Über die Einheit“ heißt es, dass „der Parteitag die strikte Weisung gibt, ausnahmslos alle Gruppen, die sich auf der einen oder anderen Plattform gebildet haben, sofort aufzulösen“, dass „die Nichterfüllung dieses Parteitagsbeschlusses den unbedingten und sofortigen Ausschluss aus der Partei nach sich zieht“. Eine klare und eindeutige Direktive. Was aber hätte es bedeutet, wenn das ZK und die ZKK die „Plattform“ der Opposition veröffentlicht hätten? Hätte man das Auflösung ausnahmslos aller Gruppen nennen können, die sich auf der einen oder anderen „Plattform“ gebildet haben? Natürlich nicht. Im Gegenteil, das hätte bedeutet, dass das ZK und die ZKK es selbst übernehmen, die Gruppen und Fraktionen nicht aufzulösen, sondern zu helfen, auf der Grundlage der „Plattform“ der Opposition Gruppen und Fraktionen zu organisieren. Konnten sich das ZK und die ZKK auf eine solche Spaltermaßnahme einlassen? Es ist klar, dass sie das nicht konnten.

Schließlich enthält die „Plattform“ der Opposition derartige Verleumdungen der Partei, dass ihre Veröffentlichung sowohl der Partei als auch unserem Staate nicht wiedergutzumachenden Schaden zufügen würde.

In der Tat, in der „Plattform“ der Opposition heißt es, dass unsere Partei angeblich bereit sei, das Außenhandelsmonopol abzuschaffen und alle Schulden, also auch die Kriegsschulden, zu bezahlen. Jedermann weiß, dass das eine gemeine Verleumdung unserer Partei, unserer Arbeiterklasse, unseres Staates ist. Nehmen wir einmal an, wir hätten die „Plattform“ mit derartigen Verleumdungen der Partei und des Staates veröffentlicht. Was wäre die Folge davon? Das hätte lediglich zur Folge, dass die internationale Bourgeoisie einen noch größeren Druck auf uns ausüben würde, indem sie Zugeständnisse von uns fordern würde, auf die wir uns keinesfalls einlassen können (zum Beispiel die Abschaffung des Außenhandelsmonopols, die Bezahlung der Kriegsschulden usw.), und indem sie uns mit Krieg drohen würde.

Wenn solche Mitglieder des ZK wie Trotzki und Sinowjew unsere Partei bei den Imperialisten aller Länder verleumderisch denunzieren und ihnen versichern, wir wären bereit, maximale Zugeständnisse, bis zur Aufhebung des Außenhandelsmonopols, zu machen, so kann dies nur das eine bedeuten: Ihr Herren Bourgeois, übt einen noch größeren Druck auf die Partei der Bolschewiki aus, droht ihnen mit dem Kriege, sie, die Bolschewiki, sind zu allen und jeglichen Zugeständnissen bereit, wenn ihr nur den nötigen Druck ausübt.

Verleumderisch Denunziation unserer Partei bei den Herren Imperialisten durch Sinowjew und Trotzki, um unsere Schwierigkeiten auf dem Gebiet der Außenpolitik zu vertiefen - darauf läuft die „Plattform“ der Opposition hinaus.

Wem gereicht das zum Schaden? Es ist klar, dass das dem Proletariat der UdSSR, der Kommunistischen Partei der UdSSR, unserem ganzen Staat zum Schaden gereicht.

Wem gereicht das zum Nutzen? Das gereicht den Imperialisten aller Länder zum Nutzen.

Jetzt frage ich Sie - konnte sich das ZK bereit finden, solche Gemeinheiten in unserer Presse zu veröffentlichen? Es ist klar, dass es das nicht konnte.

Dies sind die Erwägungen, die das ZK veranlassten, die Veröffentlichung der „Plattform“ der Opposition abzulehnen.

III
Lenin ÜBER DIE DISKUSSION UND DIE
OPPOSITION UBERHAUPT

Die nächste Frage. Sinowjew legte sich hier mächtig ins Zeug, als er zu beweisen suchte, dass Lenin immer und zu jeder Zeit für Diskussionen gewesen sei, er stützte sich dabei auf die Tatsache, dass vor dem X. Parteitag und auf dem Parteitag selbst eine Diskussion auf der Grundlage von Plattformen stattgefunden hat. Er „vergaß“ jedoch zu erwähnen, dass Lenin die Diskussion vor dem X. Parteitag für einen Fehler hielt. Er „vergaß“ zu sagen, dass in der Resolution des X. Parteitags „Über die Einheit der Partei“, die von Lenin s Hand geschrieben ist und die eine Direktive für die Entwicklung unserer Partei darstellt, keine Diskussion auf der Grundlage von „Plattformen“ gefordert wird, sondern die Auflösung aller und jeglicher Gruppen, die sich auf der einen oder anderen „Plattform“ gebildet haben. Er „vergaß“, dass sich Lenin auf dem X. Parteitag dafür aussprach, dass künftig eine Opposition gleich welcher Art in der Partei „nicht zugelassen werden darf“. Er „vergaß“ zu sagen, dass Lenin die Verwandlung unserer Partei in einen „Diskussionsklub“ für völlig unzulässig hielt.

Hier ein Beispiel dafür, wie Lenin die Diskussion vor dem X. Parteitag einschätzte:

„Ich hatte heute bereits Gelegenheit, darüber zu sprechen, und ich konnte selbstverständlich nur vorsichtig sagen, dass sich wohl nicht viele unter Ihnen finden werden, die diese Diskussion nicht als einen übermäßigen Luxus einschätzen. Ich für meine Person kann nicht umhin, hinzuzufügen, dass dieser Luxus meiner Meinung nach wirklich völlig unerlaubt war und dass wir mit der Zulassung einer solchen Diskussion zweifellos einen Fehler begangen haben.“ (Siehe Protokolle des X. Parteitags, S. 16[47].)

Und folgendes sagte Lenin auf dem X. Parteitag über jede Opposition, die nach dem X. Parteitag auftreten könnte:

„Die Partei zusammenschweißen, keine Opposition in der Partei zulassen - das ist die politische Schlussfolgerung aus der gegenwärtigen Lage...“ „Wir brauchen jetzt keine Opposition, Genossen! Und ich glaube, der Parteitag wird diese Schlussfolgerung ziehen müssen, wird die Schlussfolgerung ziehen müssen, dass es mit der Opposition jetzt zu Ende ist, dass sie ausgespielt hat, dass wir jetzt von den Oppositionen genug haben!“ (Ebenda, S. 61 und 63[48].)

Das war Lenin s Ansicht über die Frage der Diskussion und über die Opposition überhaupt.

IV
DIE OPPOSITION UND DIE „DRITTE KRAFT“

Die nächste Frage. Wozu bedurfte es der Mitteilung des Genossen Menshinski über die Weißgardisten, mit denen ein Teil der „Mitarbeiter“ der illegalen parteifeindlichen Druckerei der Trotzkisten in Verbindung steht?

Erstens, um die Lügen und Verleumdungen zu widerlegen, die die Opposition in ihren parteifeindlichen Blättern zu dieser Frage verbreitet. Die Opposition versichert allen und jedem, dass die Angelegenheit mit den Weißgardisten, die auf diese oder jene Art mit den Verbündeten der Opposition wie Schtscherbakow, Twerskoi und anderen in Verbindung stehen, eine Erfindung, eine Lüge sei, die in Umlauf gesetzt wurde, uni die Opposition in Verruf zu bringen. Die Mitteilung des Genossen Menshinski samt den Aussagen der Verhafteten lassen keinerlei Zweifel darüber bestehen, dass ein Teil der „Mitarbeiter“ der illegalen parteifeindlichen Druckerei der Trotzkisten mit konterrevolutionären weißgardistischen Elementen in Verbindung steht, zweifellos in Verbindung steht. Mag die Opposition versuchen, diese Tatsachen und Dokumente zu widerlegen.

Zweitens, um die Lügen zu entlarven, die das Maslow-Organ in Berlin, („Die Fahne des Kommunismus“) jetzt verbreitet. Wir haben soeben die letzte Nummer dieses Schmutzblättchens des Renegaten Maslow erhalten, das sich damit beschäftigt, die UdSSR zu verleumden und der Bourgeoisie Staatsgeheimnisse der UdSSR zu verraten. In diesem Presseorgan sind, natürlich entstellt, die Aussagen der verhafteten Weißgardisten und ihrer Verbündeten aus der illegalen parteifeindlichen Druckerei zur allgemeinen Kenntnisnahme veröffentlicht. (Zurufe: „Das ist aber ein starkes Stück!“) Woher konnte Maslow diese Mitteilungen erhalten? Diese Mitteilungen sind vertraulich, da noch nicht der ganze Kreis von Weißgardisten ermittelt und verhaftet ist, der in die Organisierung einer Verschwörung nach dem Typ der Pilsudskiverschwörung verwickelt ist. In diese Aussagen nahmen in der ZKK Trotzki, Sinowjew, Smilga und andere Oppositionelle Einsicht. Es wurde ihnen vorerst verboten, eine Kopie von diesen Aussagen anzufertigen. Sie haben jedoch offenbar trotzdem eine Kopie angefertigt und sich bemüßigt gefühlt, sie Maslow zu übersenden. Was heißt aber, Maslow diese Mitteilungen zur Veröffentlichung übergeben? Das heißt die Weißgardisten, die noch nicht ermittelt und verhaftet sind, warnen, sie warnen, dass die Bolschewiki sie zu verhaften beabsichtigen.

Kann man das gutheißen, darf sich ein Kommunist so verhalten? Es ist klar, dass er das nicht darf.

Der Artikel in Maslows Organ hat eine pikante Überschrift: „Stalin spaltet die KPdSU(B). Weißgardistische Verschwörung. Brief aus der UdSSR.“ (Zurufe: „Schurken!“) Konnten wir es nach alledem, nachdem Maslow mit Trotzkis und Sinowjews Hilfe die entstellten Aussagen der Verhafteten zur allgemeinen Kenntnisnahme veröffentlicht hatte - konnten wir es nach alledem unterlassen, dem Plenum des ZK und der ZKK Rechenschaft abzulegen und den Verleumdungen die wirklichen Tatsachen und die wirklichen Aussagen gegenüberzustellen?

Das sind die Gründe, weshalb das ZK und die ZKK es für notwendig hielten, Genossen Menshinski zu ersuchen, eine Mitteilung über die Tatsachen zu machen.

Was geht aus diesen Aussagen, aus der Mitteilung des Genossen Menshinski hervor? Haben wir die Opposition jemals beschuldigt oder beschuldigen wir sie jetzt, eine militärische Verschwörung organisiert zu haben? Natürlich nicht. Haben wir die Opposition jemals beschuldigt oder beschuldigen wir sie jetzt, an einer solchen Verschwörung teilgenommen zu haben? Natürlich nicht. (Muralow: „Auf dem letzten Plenum wurde diese Beschuldigung erhoben.“) Das stimmt nicht, Muralow. Es gibt bei uns zwei Verlautbarungen des ZK und der ZKK über die illegale parteifeindliche Druckerei und über die parteilosen Intellektuellen, die mit dieser Druckerei in Verbindung standen. Sie werden in diesen Dokumenten nicht einen Satz, nicht ein Wort darüber finden, dass wir die Opposition der Teilnahme an einer militärischen Verschwörung beschuldigen. Das ZK und die ZKK behaupten in diesen Dokumenten lediglich, dass die Opposition bei der Organisierung der illegalen Druckerei mit bürgerlichen Intellektuellen in Verbindung getreten ist und dass ein Teil dieser Intellektuellen seinerseits, wie sich zeigte, Verbindungen mit Weißgardisten hatte, die eine militärische Verschwörung planen. Ich würde Muralow bitten, die entsprechende Stelle in den vom Politbüro des ZK und dem Präsidium der ZKK zu dieser Frage herausgegebenen Dokumenten anzugeben. Muralow wird sie nicht angeben, denn solche Stellen gibt es überhaupt nicht.

Wessen haben wir dann die Opposition beschuldigt, und wessen beschuldigen wir sie auch weiterhin?

Erstens, dass die Opposition in Verfolgung ihrer Spalterpolitik eine parteifeindliche illegale Druckerei organisierte.

Zweitens, dass die Opposition zur Organisierung dieser Druckerei einen Block mit bürgerlichen Intellektuellen einging, von denen ein Teil, wie sich zeigte, in direkter Verbindung mit konterrevolutionären Verschwörern stand.

Drittens, dass die Opposition, indem sie bürgerliche Intellektuelle zu sich heranzog und mit ihnen gegen die Partei konspirierte, damit, ohne dass sie es wollte und wünschte, in den Bannkreis der so genannten „dritten Kraft“ geriet.

Es zeigte sich, dass die Opposition viel mehr Vertrauen zu diesen bürgerlichen Intellektuellen hat als zu ihrer eigenen Partei. Sonst hätte sie nicht die Freilassung „aller Verhafteten“ gefordert, die im Zusammenhang mit der illegalen Druckerei festgenommen worden sind, einschließlich Schtscherbakow, Twerskoi, Bolschakow und andere, die, wie sich zeigte, Verbindungen mit konterrevolutionären Elementen unterhielten.

Die Opposition wollte eine parteifeindliche illegale Druckerei haben; zu diesem Zweck wandte sie sich um Hilfe an bürgerliche Intellektuelle; ein Teil dieser letzteren nun hatte, wie sich zeigte, Verbindungen mit direkten Konterrevolutionären - eine solche Kette ergab sich, Genossen. An die Opposition heftete sich, ohne dass sie es wollte und wünschte, ein Schwarm sowjetfeindlicher Elemente, die bestrebt sind, die Spalterarbeit der Opposition für ihre Zwecke auszunutzen.

Somit bewahrheitete sich die Voraussage, die Lenin schon auf dem X. Parteitag unserer Partei machte (siehe Resolution des X. Parteitags „Über die Einheit der Partei“), wo er sagte, dass die „dritte Kraft“, das heißt die Bourgeoisie, unbedingt bestrebt sein wird, bei einem Kampf innerhalb unserer Partei ihre Hände im Spiel zu haben, um die Arbeit der Opposition für ihre Klassenziele auszunutzen.

Man sagt, dass konterrevolutionäre Elemente bisweilen auch, ohne dass sie mit der Opposition in irgendeiner Verbindung stehen, in die Sowjetorgane, zum Beispiel an den Fronten, eindringen. Das stimmt. Aber dann werden sie von den Sowjetorganen verhaftet und erschossen. Was aber tat die Opposition? Sie forderte die Freilassung der bei der illegalen Druckerei verhafteten und mit konterrevolutionären Elementen in Verbindung stehenden bürgerlichen Intellektuellen. Das ist das Schlimme, Genossen. Das ist das Resultat, zu dem die Spalterarbeit der Opposition führt. Statt an all diese Gefahren zu denken, statt an den Abgrund zu denken, in den sie sich selbst hineintreiben, verlegen sich unsere Oppositionellen darauf, die Partei zu verleumden, und bemühen sich mit aller Kraft, unsere Partei zu desorganisieren, zu spalten.

Man spricht von einem ehemaligen Wrangeloffizier, der der OGPU bei der Aufdeckung konterrevolutionärer Organisationen hilft. Die Opposition gerät außer sich und erhebt ein großes Geschrei darüber, dass sich der ehemalige Wrangeloffizier, an den sich die Verbündeten der Opposition, alle diese Schtscherbakow und Twerskoi, wandten, als Agent der OGPU erwies. Aber was ist daran Schlimmes, wenn dieser selbe ehemalige Wrangeloffizier der Sowjetmacht dabei behilflich ist, konterrevolutionäre Verschwörungen aufzudecken? Wer kann der Sowjetmacht das Recht absprechen, ehemalige Offiziere auf ihre Seite zu ziehen, um sie zur Aufdeckung konterrevolutionärer Organisationen zu verwenden? Schtscherbakow und Twerskoi haben sich an diesen ehemaligen Wrangeloffizier nicht als einen Agenten der OGPU, sondern als ehemaligen Wrangeloffizier gewandt, um ihn gegen die Partei und gegen die Sowjetmacht auszunutzen. Darum handelt es sich, und das ist das Schlimme bei unserer Opposition. Und als die OGPU bei der Verfolgung dieser Spuren, ganz unerwartet für sie selbst, auf die illegale parteifeindliche Druckerei der Trotzkisten stieß, da stellte sich heraus, dass die Herren Schtscherbakow, Twerskoi und Bolschakow, während sie den Block mit der Opposition eingehen, bereits einen Block mit Konterrevolutionären, mit ehemaligen Koltschakoffizieren vom Schlage eines Kostrow und Nowikow, haben, worüber uns Genosse Menshinski heute berichtet hat.

Darum handelt es sich, Genossen, und das ist das Schlimme bei unserer Opposition.

Die Spalterarbeit der Opposition führt zu ihrem Zusammenschluß mit bürgerlichen Intellektuellen, der Zusammenschluß mit bürgerlichen Intellektuellen aber erleichtert die Umwucherung der Opposition mit konterrevolutionären Elementen aller Art - das ist die bittere Wahrheit.

V
WIE SICH DIE OPPOSITION AUF DEN PARTEITAG
„VORBEREITET“

Die nächste Frage: über die Vorbereitung des Parteitags. Sinowjew und Trotzki regten sich hier mächtig auf, als sie behaupteten, wir bereiteten den Parteitag mittels Repressalien vor. Seltsam, dass sie nichts außer „Repressalien“ sehen. Und der Beschluss des Plenums des ZK und der ZKK über die Diskussion, mehr als einen Monat vor dem Parteitag - was ist das Ihrer Ansicht nach: eine Vorbereitung des Parteitags oder nicht? Und die nicht abreißende Diskussion in den Zellen und sonstigen Organisationen der Partei, die nun schon drei, vier Monate andauert?

Und die Erörterung der stenographischen Protokolle und der Beschlüsse des Plenums während des letzten halben Jahres, besonders während der letzten drei, vier Monate, die alle Fragen der Innen- und Außenpolitik betreffen? Als was soll man das alles bezeichnen, wenn nicht als Aufschwung der Aktivität der Parteimassen, als ihre Heranziehung zur Erörterung der wichtigsten Fragen unserer Politik, als Vorbereitung der Parteimassen auf den Parteitag?

Wessen Schuld ist es denn, wenn die Parteiorganisationen die Opposition dabei nicht unterstützen? Offensichtlich ist es die Schuld der Opposition, deren Linie eine Linie des völligen Bankrotts, deren Politik eine Politik des Blocks mit allen parteifeindlichen Elementen einschließlich der Renegaten Maslow und Souvarine gegen die Partei und die Komintern ist.

Sinowjew und Trotzki sind offenbar der Meinung, man müsse den Parteitag durch die Organisierung illegaler parteifeindlicher Druckereien, durch die Organisierung illegaler parteifeindlicher Versammlungen, durch verleumderische Denunziationen unserer Partei bei den Imperialisten aller Länder, durch die Desorganisierung und Spaltung unserer Partei vorbereiten. Dass das eine recht merkwürdige Auffassung von der Vorbereitung eines Parteitags ist, werden Sie zugeben. Und wenn die Partei entschiedene Maßnahmen, bis zum Ausschluss, gegen die Desorganisatoren und Spalter ergreift, dann erhebt die Opposition ein Geschrei über Repressalien.

Ja, die Partei wendet Repressalien gegen die Desorganisatoren und Spalter an und wird sie anwenden, denn die Partei darf unter keinen Umständen gespalten werden, weder vor dem Parteitag noch während des Parteitags. Denn die Partei würde Selbstmord begehen, wenn sie es den frech gewordenen Spaltern, den Verbündeten all der verschiedenen Schtscherbakow, gestattete, die Partei zugrunde zu richten, nur deshalb, weil uns bis zum Parteitag nur noch ein Monat bleibt.

Genosse Lenin war darüber anderer Meinung. Sie wissen, dass Lenin 1921 vorschlug, Schljapnikow aus dem ZK und aus der Partei auszuschließen, nicht wegen Organisierung einer parteifeindlichen Druckerei, und nicht wegen eines Bündnisses mit bürgerlichen Intellektuellen, sondern schon allein deswegen, weil Schljapnikow sich erdreistet hatte, in einer Parteizelle die Beschlüsse des Obersten Volkswirtschaftsrats zu kritisieren. Vergleichen Sie nun dieses Verhalten Lenin s damit, wie die Partei jetzt mit der Opposition verfährt, und Sie werden verstehen, wie nachsichtig wir gegenüber den Desorganisatoren und Spaltern waren.

Es kann Ihnen nicht unbekannt sein, dass Lenin 1917, vor dem Oktoberaufstand, mehrmals vorschlug, Kamenew und Sinowjew aus der Partei auszuschließen, allein schon deshalb, weil sie einen unveröffentlichten Beschluss der Partei in einer halbsozialistischen, halbbürgerlichen Zeitung, in der Zeitung „Nowaja Shisn“[49], kritisierten. Wie viele vertrauliche Beschlüsse des ZK und der ZKK aber publiziert unsere Opposition jetzt auf den Seiten der Maslowschen Zeitung in Berlin, die eine bürgerliche, antisowjetische, konterrevolutionäre Zeitung ist! Und wir dulden das immer noch, dulden es endlos und geben damit den Spaltern aus der Opposition die Möglichkeit, unsere Partei zugrunde zu richten. Eine solche Schande hat die Opposition über uns gebracht! Aber wir können das nicht endlos dulden, Genossen. (Zurufe: „Sehr richtig!“ Beifall.)

Man spricht von Verhaftungen der aus der Partei ausgeschlossenen Desorganisatoren, die eine antisowjetische Tätigkeit entfalten. Ja, wir verhaften sie, und wir werden sie verhaften, wenn sie nicht aufhören, die Partei und die Sowjetmacht zu untergraben. (Zurufe: „Richtig! Sehr richtig!“)

Man sagt, die Geschichte unserer Partei kenne dafür keine Beispiele. Das ist nicht wahr. Und die Gruppe Mjasnikow[50]? Und die Gruppe der „Arbeiterwahrheit“? Wer wüsste nicht, dass die Mitglieder dieser Gruppen mit der unmittelbaren Unterstützung Sinowjews, Trotzkis und Kamenews verhaftet wurden? Weshalb konnte man die aus der Partei ausgeschlossenen Desorganisatoren vor drei, vier Jahren verhaften, und weshalb kann man das jetzt nicht, wenn einige ehemalige Mitglieder der trotzkistischen Opposition so weit gehen, dass sie sich direkt mit Konterrevolutionären zusammenschließen?

Sie haben die Mitteilung des Genossen Menshinski gehört. In dieser Mitteilung heißt es, dass ein gewisser Stepanow (Angehöriger der Armee), Parteimitglied, Anhänger der Opposition, direkte Verbindungen mit den Konterrevolutionären unterhält, mit Nowikow, Kostrow und anderen, was Stepanow in seinen Aussagen auch selbst nicht leugnet. Was soll man da mit diesem Typ tun, der bis zum heutigen Tage ein Oppositioneller ist? Ihn in die Arme schließen oder ihn verhaften? Kann es da wundernehmen, wenn die OGPU solche Typen verhaftet? (Zwischenrufe: „Richtig, ganz richtig!“ Beifall.)

Lenin sagte, dass die Partei völlig zugrunde gerichtet werden kann, wenn man den Desorganisatoren und Spaltern gegenüber Nachsicht übt. Das ist völlig richtig. Gerade deshalb ist es, denke ich, an der Zeit, mit der Nachsicht gegenüber den Führern der Opposition Schluss zu machen, ist es an der Zeit, die Konsequenz zu ziehen und Trotzki und Sinowjew aus dem ZK unserer Partei auszuschließen. (Zurufe: „Sehr richtig!“) Das sind die elementaren Schlussfolgerungen und die elementaren Minimalmaßnahmen, die wir ergreifen müssen, um die Partei vor der Spalterarbeit der Desorganisatoren zu schützen.

Auf der letzten Plenartagung des ZK und der ZKK im August dieses Jahres schalten mich einige Mitglieder des Plenums wegen meiner Milde Trotzki und Sinowjew gegenüber, weil ich dem Plenum abriet, Trotzki und Sinowjew sofort aus dem ZK auszuschließen. (Zwischenrufe: „Sehr richtig, und wir schelten auch jetzt noch darüber.“) Möglich, dass ich damals zu gut war und einen Fehler beging, als ich eine gemäßigtere Linie Trotzki und Sinowjew gegenüber vorschlug. (Zurufe: „Sehr richtig!“ Genosse Petrowski: „Sehr richtig, wir werden immer wegen des faulen ‚Bindfadens’ schelten!“) Jetzt aber, Genossen, nach all dem, was wir in diesen drei Monaten erlebt haben, nachdem die Opposition das von ihr selbst in der speziellen „Erklärung“ vom 8. August gegebene Versprechen, ihre Fraktion aufzulösen, gebrochen und damit die Partei ein weiteres Mal betrogen hat - nach all dem ist keinerlei Milde mehr am Platze. Jetzt heißt es, in den ersten Reihen der Genossen stehen, die Trotzkis und Sinowjews Ausschluss aus dem ZK verlangen. (Stürmischer Beifall. Zurufe: „Richtig! Sehr richtig!“ Zwischenruf: „Trotzki muss aus der Partei ausgeschlossen werden.“) Das soll der Parteitag entscheiden, Genossen.

Wenn wir Trotzki und Sinowjew aus dem ZK ausschließen, müssen wir dem XV. Parteitag all die Materialien über die Spalterarbeit der Opposition zur Beurteilung vorlegen, die sich bei uns angehäuft haben und auf Grund deren der Parteitag die Möglichkeit haben wird, einen entsprechenden Beschluss zu fassen.

VI
VOM Lenin ISMUS ZUM TROTZKISMUS

Die nächste Frage. Sinowjew berührte in seiner Rede die interessante Frage der „Fehler“ der Parteilinie in den letzten zwei Jahren und der „Richtigkeit“ der Linie der Opposition. Ich möchte darauf mit ein paar Worten antworten, indem ich die Frage des Bankrotts der Linie der Opposition und der Richtigkeit der Politik unserer Partei in den letzten zwei Jahren klarstelle. Ich nehme aber Ihre Aufmerksamkeit zu sehr in Anspruch, Genossen. (Zurufe: „Bitte, wir bitten fortzufahren!“ Vorsitzender: „Ist jemand dagegen?“ Zurufe: „Wir bitten fortzufahren!“)

Worin besteht die Hauptsünde der Opposition, die den Bankrott der Politik der Opposition bestimmte? Die Hauptsünde der Opposition besteht darin, dass sie versuchte, versucht und weiter versuchen wird, den Lenin ismus durch den Trotzkismus zu verfälschen und zu ersetzen. Es gab eine Zeit, da Kamenew und Sinowjew den Lenin ismus gegen Trotzkis Anschläge verteidigten. Damals war auch Trotzki nicht so dreist. Das war die eine Position. Dann aber wechselten Sinowjew und Kamenew, erschreckt durch die neuen Schwierigkeiten, auf Trotzkis Seite hinüber, bildeten mit Trotzki zusammen etwas Ähnliches wie den Augustblock, nur noch schlimmerer Art, und verfielen somit dem Trotzkismus. Auch hier hat sich Lenin s Voraussage bewahrheitet, dass der Oktoberfehler Sinowjews und Kamenews kein „Zufall“ war. Vom Kampf für den Lenin ismus gingen Sinowjew und Kamenew zum Kampf für den Trotzkismus über. Das ist bereits eine völlig andere Position. Dadurch erklärt es sich eigentlich auch, dass Trotzki jetzt dreister geworden ist.

Worin besteht die Hauptaufgabe des jetzigen vereinigten Blocks, an dessen Spitze Trotzki steht? Darin, die Partei allmählich, Schritt für Schritt von den Bahnen des Lenin ismus in die Bahnen des Trotzkismus zu lenken. Das ist die Hauptsünde der Opposition. Die Partei will aber eine Lenin istische Partei bleiben. Es ist nur natürlich, dass die Partei der Opposition den Rücken gekehrt hat und das Banner des Lenin ismus immer höher erhebt. Das ist der Grund, weshalb die gestrigen Führer der Partei heute zu Renegaten geworden sind.

Die Opposition glaubt, ihre Niederlage durch persönliche Momente, durch die Grobheit Stalins, die Unnachgiebigkeit Bucharins und Rykows usw. „erklären“ zu können. Eine allzu billige Erklärung! Das ist ein Taschenspielertrick, aber keine Erklärung. Trotzki kämpft seit 1904 gegen den Lenin ismus. In der Periode von 1904 bis zur Februarrevolution 1917 trieb sich Trotzki die ganze Zeit bei den Menschewiki herum und führte einen erbitterten Kampf gegen die Partei Lenin s. In dieser Periode brachte die Partei Lenin s Trotzki eine ganze Reihe von Niederlagen bei. Warum? Vielleicht war die Grobheit Stalins daran schuld? Aber Stalin war damals noch nicht Sekretär des ZK, er befand sich damals fern vom Ausland, führte den Kampf in der Illegalität, gegen den Zarismus, während sich der Kampf zwischen Trotzki und Lenin im Ausland abspielte - was hat das also mit der Grobheit Stalins zu tun?

In der Periode von der Oktoberrevolution bis zum Jahre 1922 brachte es Trotzki, der nun bereits der Partei der Bolschewiki angehörte, fertig, zwei „großartige“ Ausfälle gegen Lenin und seine Partei zu unternehmen: 1918 - in der Frage des Brester Friedens und 1921 - in der Gewerkschaftsfrage. Beide Ausfälle endeten mit einer Niederlage Trotzkis. Warum? Vielleicht war die Grobheit Stalins daran schuld? Aber Stalin war damals noch nicht Sekretär des ZK, Sekretärsposten bekleideten damals allen bekannte Trotzkisten - was hat das also mit der Grobheit Stalins zu tun?

Im Weiteren hatte die Partei mit einer ganzen Reihe neuer Ausfälle Trotzkis zu tun (1923, 1924, 1926, 1927), wobei jeder Ausfall mit einer neuen Niederlage Trotzkis endete.

Geht aus all dem nicht klar hervor, dass Trotzkis Kampf gegen die Lenin istische Partei weitreichende, tiefe historische Wurzeln hat? Geht daraus nicht klar hervor, dass der gegenwärtige Kampf der Partei gegen den Trotzkismus eine Fortsetzung des Kampfes ist, den die Partei mit Lenin an der Spitze seit 1904 führte?

Geht aus all dem nicht klar hervor, dass die Versuche der Trotzkisten, den Lenin ismus durch den Trotzkismus zu ersetzen, die Hauptursache für die Niederlage und den Bankrott der gesamten Linie der Opposition sind?

Unsere Partei ist geboren und groß geworden im Sturm revolutionärer Schlachten. Sie ist keine Partei, die in einer Periode friedlicher Entwicklung groß geworden ist. Gerade deshalb ist sie erfüllt von revolutionären Traditionen und frei von einer fetischistischen Einstellung zu ihren Führern. Plechanow war eine Zeitlang der populärste Mann in der Partei. Mehr noch, er war Begründer der Partei, und mit seiner Popularität kann die Popularität Trotzkis oder Sinowjews überhaupt keinen Vergleich aushalten. Und doch hat sich die Partei, ungeachtet dessen, von Plechanow abgewandt, sobald Plechanow begann, vom Marxismus zum Opportunismus überzugehen. Kann es da wundernehmen, wenn sich solche weniger „großen“ Männer wie Trotzki und Sinowjew in den allerletzten Reihen der Partei fanden, nachdem sie sich vom Lenin ismus abzukehren begannen?

Das markanteste Merkmal der opportunistischen Entartung der Opposition, das markanteste Zeichen des Bankrotts und des Verfalls der Opposition ist aber, dass sie gegen das Manifest des Zentralexekutivkomitees der UdSSR gestimmt hat. Die Opposition ist gegen den Übergang zum Siebenstundentag! Die Opposition ist gegen das Manifest des ZEK der UdSSR! Die ganze Arbeiterklasse der UdSSR, der ganze fortgeschrittene Teil der Proletarier aller Länder begrüßen das Manifest voller Begeisterung, zollen der Idee des Übergangs zum Siebenstundentag einmütigen Beifall - die Opposition aber stimmt gegen das Manifest, stimmt in den allgemeinen Chor der bürgerlichen und menschewistischen „Kritiker“ ein und schließt sich den Verleumdern aus dem „Vorwärts“[51] an.

Ich hatte nicht geglaubt, dass die Opposition sich derart mit Schande bedecken könnte.

VII
ÜBER EINIGE DER WICHTIGSTEN ERGEBNISSE DER
PARTEIPOLITIK IN DEN LETZTEN JAHREN

Kommen wir nun zur Frage der Linie unserer Partei in den, letzten zwei Jahren, zur Überprüfung dieser Linie, zur Einschätzung dieser Linie.

Sinowjew und Trotzki haben gesagt, die Linie unserer Partei habe sich als unhaltbar erwiesen. Wenden wir uns den Tatsachen zu. Nehmen wir die vier Grundfragen unserer Politik und überprüfen wir die Linie unserer Partei in den letzten zwei Jahren unter dem Gesichtswinkel dieser Fragen. Ich denke an so entscheidende Fragen wie die Frage der Bauernschaft, die Frage der Industrie und ihrer Neuausrüstung, die Frage des Friedens und schließlich die Frage des Anwachsens der kommunistischen Elemente in der ganzen Welt.

Die Frage der Bauernschaft. Wie war die Lage bei uns vor zwei, drei Jahren? Sie wissen, dass die Lage im Dorfe bei uns damals schwer war. Die Vorsitzenden der Exekutivkomitees unserer Amtsbezirke und unsere Dorffunktionäre überhaupt wurden nicht immer anerkannt und waren nicht selten Terrorakten ausgesetzt. Dorfkorrespondenten wurden mit Schüssen empfangen. Hie und da, besonders in den Randgebieten, kam es zu Banditenüberfällen. Und in einem Lande wie Georgien kam es sogar zu Auf ständen[52]. Natürlich gewann der Kulak in einer solchen Situation an Kraft, der Mittelbauer scharte sich um den Kulaken, die Dorfarmut aber bröckelte auseinander. Besonders schwer wirkte sich auf die Lage des Landes der Umstand aus, dass die Produktivkräfte des Dorfes äußerst langsam wuchsen, ein Teil des Ackerlandes wurde überhaupt nicht bestellt, die Anbaufläche belief sich auf etwa 70-75 Prozent der vor dem Kriege bebauten Fläche. Das war in der Periode vor der XIV. Konferenz unserer Partei.

Auf der XIV. Konferenz ergriff die Partei eine Reihe von Maßnahmen, die gewisse Zugeständnisse an den Mittelbauern bedeuteten und darauf berechnet waren, die bäuerliche Wirtschaft in schnellerem Tempo voranzubringen, die Produktion von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Rohstoffen zu steigern, ein festes Bündnis mit dem Mittelbauern herzustellen und die Isolierung des Kulakentums voranzutreiben. Auf unserem XIV. Parteitag versuchte die Opposition mit Sinowjew und Kamenew an der Spitze, diese Politik der Partei zu vereiteln und schlug im Grunde genommen vor, sie durch eine Politik der Enteignung der Kulaken, durch eine Politik der Wiederherstellung der Komitees der Dorfarmut zu ersetzen. Das war im Grunde genommen eine Politik der Erneuerung des Bürgerkriegs im Dorfe. Die Partei schlug diese Attacke der Opposition zurück, bestätigte die Beschlüsse der XIV. Parteikonferenz, billigte die Politik der Belebung der Sowjets im Dorfe und stellte die Losung der Industrialisierung als Hauptlosung des sozialistischen Aufbaus auf. Die Partei stand fest auf der Linie des festen Bündnisses mit dem Mittelbauern und der Isolierung des Kulakentums.

Was hat die Partei damit erreicht?

Sie hat eine Befriedung des Dorfes erreicht, sie hat erreicht, dass sich die Beziehungen zu den Hauptmassen der Bauernschaft gebessert haben, dass die Voraussetzungen geschaffen wurden für die Organisierung der Dorfarmut zu einer selbständigen politischen Kraft, dass das Kulakentum weiter isoliert wurde und dass Millionen bäuerlicher Einzelwirtschaften durch die staatlichen und genossenschaftlichen Organe allmählich erfasst wurden.

Was ist aber Befriedung des Dorfes? Das ist eine der Grundbedingungen für den Aufbau des Sozialismus. Man kann den Sozialismus nicht aufbauen, wenn es Banditenüberfälle und Bauernaufstände gibt. Gegenwärtig haben wir eine Erweiterung der Anbaufläche bis an den Vorkriegsstand (95 Prozent), ein befriedetes Dorf, wir haben das Bündnis mit dem Mittelbauern, eine mehr oder minder organisierte Dorfarmut, erstarkte Sowjets auf dem Lande und eine größere Autorität des Proletariats und seiner Partei im Dorfe.

Wir haben somit die Bedingungen geschaffen, die es ermöglichen, die Offensive gegen die kapitalistischen Elemente im Dorfe voranzutreiben und den weiteren erfolgreichen Aufbau des Sozialismus in unserem Lande zu gewährleisten.

Das sind die Resultate der Politik unserer Partei im Dorfe in den letzten zwei Jahren.

Daraus folgt, dass sich die Politik unserer Partei in der Grundfrage, in der Frage der Wechselbeziehungen zwischen Proletariat und Bauernschaft, als richtig erwiesen hat.

Die Frage der Industrie. Die Geschichte zeigt, dass noch kein einziger junger Staat in der Welt seine Industrie, besonders die Schwerindustrie, ohne Hilfe von außen, ohne ausländische Anleihen oder ohne Ausplünderung fremder Länder, Kolonien usw. entwickelt hat. Das ist der übliche Weg der kapitalistischen Industrialisierung. England entwickelte seine Industrie in der Vergangenheit, indem es jahrhundertelang alle Länder, alle Kolonien aussog und das, was es zusammenraubte, in seiner Industrie anlegte. Deutschland begann in letzter Zeit auf die Beine zu kommen, weil es aus Amerika Anleihen in Höhe von mehreren Milliarden Rubel erhielt.

Wir aber können keinen dieser Wege beschreiten. Unsere ganze Politik schließt die Ausplünderung von Kolonien aus. Und Anleihen gibt man uns nicht. Der einzige Weg, der uns blieb, war der Weg, den uns Lenin gewiesen hat, und zwar: die Entwicklung unserer Industrie, die Neuausrüstung unserer Industrie auf der Grundlage der inneren Akkumulation. Die Opposition unkte die ganze Zeit, dass die innere Akkumulation für die Neuausrüstung unserer Industrie nicht ausreichen würde. Bereits im April 1926 behauptete die Opposition auf der Plenartagung des ZK, dass unsere eigene innere Akkumulation nicht ausreichen würde, um die Neuausrüstung der Industrie voranzubringen. Die Opposition prophezeite damals Niederlage über Niederlage. Indessen hat sich gezeigt, dass es uns in diesen zwei Jahren gelungen ist, das Werk der Neuausrüstung unserer Industrie voranzubringen. Es ist eine Tatsache, dass wir es vermocht haben, in zwei Jahren über zwei Milliarden Rubel in unserer Industrie zu investieren. Es ist eine Tatsache, dass sich diese Investitionen als ausreichend erwiesen haben, um die Neuausrüstung unserer Industrie und die Industrialisierung des Landes weiter voranzubringen. Wir haben erreicht, was noch kein einziger Staat in der Welt zu erreichen versucht hat: Wir haben unsere Industrie entwickelt, wir haben begonnen, sie neu auszurüsten, wir haben dies Werk mit Mitteln unserer eigenen Akkumulation vorangebracht.

Das sind die Resultate unserer Politik in der Frage der Neuausrüstung unserer Industrie.

Nur Blinde können die Tatsache leugnen, dass sich die Politik unserer Partei hier als richtig erwiesen hat.

Die Frage der Außenpolitik. Das Ziel unserer Außenpolitik ist, wenn man die diplomatischen Beziehungen zu den bürgerlichen Staaten im Auge hat, die Erhaltung des Friedens. Was haben wir auf diesem Gebiet erreicht? Wir haben erreicht, dass wir den Frieden erhalten haben - schlecht oder recht -, jedenfalls, dass wir ihn erhalten haben. Wir haben erreicht, dass wir trotz der kapitalistischen Umkreisung, trotz der feindseligen Tätigkeit der kapitalistischen Regierungen, trotz der provokatorischen Ausfälle in Peking[53], London[54], Paris[55] - dass wir uns trotz alledem nicht haben provozieren lassen und es verstanden haben, die Sache des Friedens zu verteidigen.

Wir haben keinen Krieg, trotz der wiederholten Prophezeiungen Sinowjews und anderer - das ist die grundlegende Tatsache, gegen die das hysterische Geschrei unserer Opposition machtlos ist. Und das ist wichtig für uns, denn nur unter den Verhältnissen des Friedens können wir den Aufbau des Sozialismus in unserem Lande mit der für uns wünschenswerten Geschwindigkeit weiter voranbringen. Wie oft aber wurde bei uns ein Krieg prophezeit! Sinowjew prophezeite, dass wir im Frühjahr dieses Jahres Krieg haben würden. Dann begann er zu prophezeien, dass der Krieg aller Wahrscheinlichkeit nach im Herbst dieses Jahres ausbrechen würde. Dabei steht der Winter schon vor der Tür, und wir haben noch keinen Krieg.

Das sind die Resultate unserer Friedenspolitik.

Nur Blinde können diese Resultate nicht sehen.

Schließlich die vierte Frage - die Frage des Zustands der kommunistischen Kräfte in der ganzen Welt. Nur Blinde können leugnen, dass die kommunistischen Parteien in der ganzen Welt wachsen, von China bis Amerika, von England bis Deutschland. Nur Blinde können leugnen, dass die Elemente der Krise des Kapitalismus anwachsen und nicht zurückgehen. Nur Blinde können leugnen, dass das Fortschreiten des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande, die Erfolge unserer Politik innerhalb des Landes eine der Hauptursachen für das Anwachsen der kommunistischen Bewegung in der ganzen Welt sind. Nur Blinde können das fortschreitende Anwachsen des Einflusses und der Autorität der Kommunistischen Internationale in allen Ländern der Welt leugnen.

Das sind die Resultate der Linie unserer Partei in den vier Grundfragen der Innen- und Außenpolitik in den letzten zwei Jahren.

Was aber bedeutet es, dass die Politik unserer Partei richtig ist? Das kann neben allem übrigen nur eins bedeuten: den vollständigen Bankrott der Politik unserer Opposition.

VIII
ZURÜCK ZU AXELROD

Das ist alles gut und schön - könnte man uns sagen. Die Linie der Opposition ist falsch und parteifeindlich. Ihr Verhalten kann man nicht anders nennen als Spaltertum. Der Ausschluss Sinowjews und Trotzkis ist folglich der natürliche Ausweg aus der entstandenen Lage. Das stimmt alles.

Aber es hat doch eine Zeit gegeben, da wir alle gesagt haben, man müsse die Führer der Opposition im ZK behalten, man solle sie nicht absägen. Woher jetzt ein solcher Wechsel? Woraus ist diese Wendung zu erklären? Kann man hier überhaupt von einer Wendung sprechen?

Ja, das kann man. Woraus ist diese Wendung zu erklären? Sie erklärt sich aus der grundlegenden Änderung der prinzipiellen Linie und des Organisationsschemas“ der Führer der Opposition. Geändert haben sich die Führer der Opposition, und vor allem Trotzki, geändert haben sie sich zum Schlechteren. Natürlich musste sich auch die Politik der Partei gegenüber diesen Oppositionellen ändern.

Nehmen wir zum Beispiel eine so wichtige prinzipielle Frage wie die Frage bezüglich der Entartung unserer Partei. Was heißt Entartung unserer Partei? Das heißt Leugnung des Bestehens der Diktatur des Proletariats in der UdSSR. Welchen Standpunkt nahm Trotzki in dieser Frage, sagen wir, vor drei Jahren ein? Sie wissen, dass die Liberalen und die Menschewiki, die Smena-Wech-Leute[56] und allerlei Renegaten damals immer wieder von der Unvermeidlichkeit einer Entartung unserer Partei redeten. Sie wissen, dass sie damals Beispiele aus der französischen Revolution anführten und behaupteten, die Bolschewiki müssten ebenso ein Fiasko erleiden, wie es seinerzeit die Jakobiner in Frankreich erlitten haben. Sie wissen, dass die historischen Analogien mit der französischen Revolution (Fiasko der Jakobiner) das Hauptargument aller und jeglicher Menschewiki und Smena-Wech-Leute gegen die Aufrechterhaltung der Diktatur des Proletariats und gegen die Möglichkeit des Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande waren und sind.

Wie stellte sich Trotzki vor drei Jahren zu dieser Frage? Er stand solchen Analogien damals unbedingt ablehnend gegenüber. Folgendes schrieb er damals in seiner Schrift „Der neue Kurs“ (1924):

„Die historischen Analogien mit der großen französischen Revolution (Fiasko der Jakobiner!), von denen der Liberalismus und der Menschewismus zehren und mit denen sie sich trösten, sind oberflächlich und unhaltbar.“ (Siehe „Der neue Kurs“, S. 33.)

Klar und eindeutig! Man kann sich wohl schwerlich entschiedener und eindeutiger ausdrücken. Ist diese Bemerkung Trotzkis über die historischen Analogien mit der französischen Revolution, die von Smena-Wech-Leuten und Menschewiki aller Art mit Vorliebe gebraucht werden, richtig? Unbedingt ist sie richtig.

Und jetzt? Hält Trotzki an diesem Standpunkt weiterhin fest? Leider nicht. Ganz im Gegenteil. In diesen drei Jahren hat Trotzki eine Evolution zum „Menschewismus“ und „Liberalismus“ hin durchgemacht. Heute behauptet er selbst, dass die historischen Analogien mit der französischen Revolution ein Kennzeichen nicht des Menschewismus, sondern des „wirklichen“, „echten“ „ Lenin ismus“ seien. Haben Sie das stenographische Protokoll der Sitzung des Präsidiums der ZKK vom Juli dieses Jahres gelesen? Wenn Sie es gelesen haben, werden Sie unschwer begreifen, dass Trotzki sich jetzt in seinem Kampf gegen die Partei auf die menschewistischen Theorien über Entartung stützt, nach denen unsere Partei entarte in der gleichen Weise, wie in der Periode der französischen Revolution die Jakobiner ein Fiasko erlitten. Jetzt gehört das Geschwätz vom „Thermidor“ bei Trotzki zum guten Ton.

Vom Trotzkismus zum „Menschewismus“ und zum „Liberalismus“ in der grundlegenden Frage, in der Frage der Entartung - das ist der Weg der Trotzkisten in den letzten drei Jahren.

Die Trotzkisten haben sich geändert. Es musste sich auch die Politik der Partei gegenüber den Trotzkisten ändern.

Nehmen wir jetzt eine solche nicht minder wichtige Frage wie die Organisationsfrage, die Frage der Parteidisziplin, der Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit, der Rolle der eisernen Disziplin in der Partei bei der Festigung der Diktatur des Proletariats. Jedermann weiß, dass die eiserne Disziplin in unserer Partei eine der grundlegenden Bedingungen für die Aufrechterhaltung der Diktatur des Proletariats und für den erfolgreichen Aufbau des Sozialismus in unserem Lande ist. Jedermann weiß, dass die Menschewiki aller Länder bestrebt sind, vor allem die eiserne Disziplin unserer Partei zu untergraben. Es gab eine Zeit, da Trotzki die in unserer Partei bestehende eiserne Disziplin verstand und schätzte. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen unserer Partei und Trotzki haben eigentlich nie aufgehört. Jedoch haben es Trotzki und die Trotzkisten verstanden, sich den Beschlüssen unserer Partei zu fügen. Jedermann kennt die wiederholten Erklärungen Trotzkis, dass er, wie unsere Partei auch sein möge, bereit sei, „die Hände an die Hosennaht zu legen“, wenn die Partei befiehlt. Und man muss sagen, dass es den Trotzkisten nicht selten gelungen ist, sich gegenüber der Partei und ihren führenden Organen loyal zu verhalten.

Und jetzt? Kann man sagen, dass die Trotzkisten, die gegenwärtige Opposition, bereit sind, sich den Beschlüssen der Partei zu fügen, die Hände an die Hosennaht zu legen usw.? Nein, das kann man heute schon nicht mehr sagen. Nachdem sie ihr eigenes Versprechen, sich den Parteibeschlüssen zu fügen, zweimal gebrochen und die Partei zweimal betrogen haben, nachdem sie gemeinsam mit bürgerlichen Intellektuellen illegale Druckereien organisiert haben, nachdem Sinowjew und Trotzki von dieser Tribüne herab wiederholt Erklärungen abgegeben haben, dass sie die Disziplin unserer Partei brechen und auch in Zukunft brechen würden - nach all dem wird sich in unserer Partei wohl kaum jemand finden, der es wagen würde zu glauben, die Führer der Opposition seien bereit, die Hände an die Hosennaht zu legen, der Partei zu gehorchen. Jetzt hat die Opposition einen neuen Weg eingeschlagen, den Weg der Spaltung der Partei, den Weg der Schaffung einer neuen Partei. Jetzt ist die populärste Schrift bei den Oppositionellen nicht die bolschewistische Schrift Lenin s „Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück“[57], sondern die alte menschewistische Broschüre Trotzkis „Unsere politischen Aufgaben“ (herausgegeben im Jahre 1904), die gegen die Organisationsprinzipien des Lenin ismus, gegen Lenin s Schrift „Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück“ gerichtet ist.

Sie wissen, dass der eigentliche Kern dieser alten Broschüre Trotzkis in der Ablehnung der Lenin schen Auffassung von der Partei und der Parteidisziplin besteht. In dieser Broschüre nennt Trotzki Lenin nicht anders als „Maximilian Lenin “, womit er sagen will, dass Lenin ein zweiter Maximilian Robespierre mit dessen Streben nach persönlicher Diktatur sei. In dieser Broschüre erklärt Trotzki unumwunden, dass man sich der Parteidisziplin nur soweit fügen müsse, als die Parteibeschlüsse nicht den Wünschen und Anschauungen derjenigen widersprechen, die sich der Partei fügen sollen. Das ist ein rein menschewistisches Organisationsprinzip. Interessant an dieser Broschüre ist unter anderem, dass Trotzki sie dem Menschewik P. Axelrod widmet. So heißt es dort auch: „Dem teuren Lehrer Pawel Borissowitsch Axelrod.“ (Heiterkeit. Zurufe: „Ausgesprochener Menschewik!“)

Von der Loyalität gegenüber der Partei zur Politik der Spaltung der Partei, von Lenin s Schrift „Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück“ zu Trotzkis Broschüre „Unsere politischen Aufgaben“, von Lenin zu Axelrod - das ist der organisatorische Weg unserer Opposition.

Die Trotzkisten haben sich geändert. Also musste sich auch die Organisationspolitik der Partei gegenüber der trotzkistischen Opposition ändern.

Nun denn - glückliche Reise zu Ihrem „teuren Lehrer Pawel Borissowitsch Axelrod“! Glückliche Reise! Nur beeilen Sie sich, verehrtester Trotzki, denn „Pawel Borissowitsch“ ist recht hinfällig und könnte in Bälde sterben, und Sie könnten zu Ihrem „Lehrer“ zu spät kommen. (Lang anhaltender Beifall.)

„Prawda“ Nr. 251,
2. November 1927.

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