"Stalin"

Werke

Band 10

DER XV. PARTEITAG DER KPdSU(B)[69]

POLITISCHER RECHENSCHAFTSBERICHT
DES ZENTRALKOMITEES

3. Dezember

I
DIE ANWACHSENDE KRISE DES WELTKAPITALISMUS
UND DIE AUSSENPOLITISCHE STELLUNG DER UdSSR

Genossen, unser Land lebt und entwickelt sich inmitten einer kapitalistischen Umwelt. Seine außenpolitische Stellung hängt nicht nur von seinen inneren Kräften ab, sondern auch von dem Zustand dieser kapitalistischen Umwelt, von der Lage in den kapitalistischen Ländern, die unser Land umgeben, von ihrer Stärke und Schwäche, von der Stärke und Schwäche der unterdrückten Klassen in der ganzen Welt, von der Stärke und Schwäche der revolutionären Bewegung dieser Klassen. Ich rede schon gar nicht davon, dass unsere Revolution ein Teil der internationalen revolutionären Bewegung der unterdrückten Klassen ist.

Deshalb glaube ich, dass der Bericht des ZK mit einer Skizzierung der internationalen Stellung unseres Landes, mit einer Skizzierung der Lage in den kapitalistischen Ländern und des Zustands der revolutionären Bewegung in allen Ländern beginnen muss.

1. Die Wirtschaft des Weltkapitalismus und die Verschärfung
des Kampfes um die Auslandsmärkte

a) Die erste Frage ist die nach dem Zustand der Produktion und des Handels in den größten kapitalistischen Ländern.

Genossen, die grundlegende Tatsache auf diesem Gebiet besteht darin, dass die Produktion der kapitalistischen Länder in diesen zwei Jahren, in der Berichtsperiode, über den Vorkriegsstand hinausgegangen ist, die Vorkriegsnormen überschritten hat.

Hier einige Zahlen darüber.

Der Index der Weltproduktion von Roheisen lag 1925 bei 97,6 Prozent und 1926 bereits bei 100,5 Prozent der Vorkriegsleistung; für das Jahr 1927 gibt es keine vollständigen Unterlagen; vorhanden sind Angaben über das erste Halbjahr, und diese sprechen von einem weiteren Anwachsen der Roheisenproduktion.

Der Index der Weltproduktion von Stahl lag 1925 bei 118,5 Prozent und 1926 bei 122,6 Prozent der Vorkriegsleistung.

Der Index der Weltproduktion von Kohle lag 1925 bei 97,9 Prozent, 1926 gab es einen gewissen Rückgang - auf 96,8 Prozent. Hier hat sich offenbar der Einfluss des englischen Streiks geltend gemacht.

Der Weltverbrauch von Baumwolle erreichte im Jahre 1925/26 108,3 Prozent und 1926/27 112,5 Prozent des Vorkriegsverbrauchs.

Die Welternte von fünf Getreidearten[70] belief sich im Jahre 1925 auf 107,2 Prozent, 1926 auf 110,5 Prozent und 1927 auf 112,3 Prozent der Vorkriegsernte.

So kommt der Gesamtindex der Weltproduktion langsam, in kleinen Schrittchen, voran und gelangt über das Vorkriegsniveau hinaus.

Dafür gibt es aber einige kapitalistische Länder, die nicht vorwärts schreiten, sondern vorwärts springen und das Vorkriegsniveau weit hinter sich lassen, so zum Beispiel die Vereinigten Staaten von Nordamerika und in geringerem Maße auch Japan. Einige Angaben über die Vereinigten Staaten von Nordamerika: Die Produktion der verarbeitenden Industrie war 1925 auf 148 Prozent, im Jahre 1926 auf 152 Prozent, die der Grundstoffindustrie 1925 auf 143 Prozent und 1926 auf 154 Prozent des Vorkriegsstandes gestiegen.

Das Wachstum des internationalen Handels. Der Welthandel wächst nicht so rasch wie die Produktion, er bleibt gewöhnlich hinter der Produktion zurück, aber er ist trotzdem seinem Vorkriegsstand nahe gekommen. Der Index des Außenhandelsumsatzes in der ganzen Welt bzw. in den wichtigsten Ländern lag 1925 bei 98,1 Prozent, 1926 bei 97,1 Prozent des Vorkriegsumsatzes. Von den einzelnen Ländern erreichten die Vereinigten Staaten von Nordamerika 1925 134,3 und 1926 143 Prozent ihres Vorkriegsumsatzes; Frankreich 98,2 bzw. 99,2 Prozent; Deutschland 74,8 bzw. 73,6 Prozent; Japan 176,9 bzw. 170,1 Prozent.

Im Großen und Ganzen ist der Welthandel bereits dem Vorkriegsstand nahe gekommen, in einigen Ländern aber, zum Beispiel in Nordamerika und Japan, hat er den Vorkriegsstand bereits überschritten.

Schließlich eine dritte Reihe von Tatsachen, die von dem technischen Fortschritt, von der Rationalisierung der kapitalistischen Industrie, von der Schaffung neuer Wirtschaftszweige, von verstärkter Vertrustung, von verstärkter Kartellierung der Industrie im internationalen Maßstab sprechen. Diese Tatsachen sind, glaube ich, allen bekannt. Deshalb will ich mich nicht weiter darüber verbreiten. Ich stelle nur fest, dass das Kapital Erfolge aufzuweisen hat nicht nur hinsichtlich des Wachstums der Produktion wie des Handels, sondern auch auf dem Gebiet der Verbesserung der Produktionstechnik, auf dem Gebiet des technischen Fortschritts, auf dem Gebiet der Rationalisierung der Produktion, wobei dies alles zu einer weiteren Stärkung der größten Truste und zur Gründung neuer, mächtiger monopolistischer Kartelle geführt hat.

Das sind die Tatsachen, Genossen, die man feststellen und von denen man ausgehen muss.

Bedeutet das alles, dass die Stabilisierung des Kapitalismus damit fest, dass sie dauerhaft geworden wäre? Natürlich nicht! Bereits auf dem XIV. Parteitag hieß es im Bericht[71], dass der Kapitalismus bis zum Vorkriegsstand gelangen, dass er diesen Vorkriegsstand überschreiten, dass er seine Produktion rationalisieren kann, was aber noch nicht - bei weitem noch nicht - bedeutet, dass die Stabilisierung des Kapitalismus dadurch zu einer dauerhaften werden, dass der Kapitalismus die einstige Vorkriegsfestigkeit wiedererlangen könnte. Im Gegenteil, aus der Stabilisierung selbst, aus der Tatsache, dass die Produktion wächst, dass der Handel wächst, dass der technische Fortschritt und die Produktionsmöglichkeiten wachsen, während der Weltmarkt, die Grenzen dieses Marktes und die Einflusssphären der einzelnen imperialistischen Gruppen mehr oder weniger stabil bleiben - gerade daraus erwächst die tiefste und schärfste Krise des Weltkapitalismus, die mit neuen Kriegen schwanger geht und das Bestehen jeder wie immer gearteten Stabilisierung bedroht.

Aus der teilweisen Stabilisierung erwächst eine Verschärfung der Krise des Kapitalismus, die anwachsende Krise legt die Stabilisierung in Trümmer - das ist die Dialektik der Entwicklung des Kapitalismus im gegebenen historischen Moment.

b) Am charakteristischsten an diesem Wachstum der Produktion und des Handels des Weltkapitalismus ist die Tatsache, dass die Entwicklung ungleichmäßig vor sich geht. Die Entwicklung verläuft nicht so, dass die kapitalistischen Länder eins nach dem anderen vorwärts eilen, ruhig und gleichmäßig, ohne einander zu stören und niederzurennen, sondern umgekehrt - auf dem Wege der Verdrängung und des Niedergangs der einen Länder, auf dem Wege des Vorrückens und Emporkommens der anderen, als ein Kampf auf Leben und Tod, der von den Kontinenten und Ländern uni die Vorherrschaft auf dem Markt geführt wird.

Das Zentrum der Wirtschaft verlagert sich von Europa nach Amerika, vom Atlantischen nach dem Großen Ozean. Dadurch wächst der relative Anteil Amerikas und Asiens am Welthandelsumsatz auf Kosten Europas.

Einige Zahlen: waren 1913 Europa am Welthandel mit 58,5 Prozent, Amerika mit 21,2 Prozent und Asien mit 12,3 Prozent beteiligt, so ist 1925 der Anteil Europas auf 50 Prozent gesunken, dagegen der Anteil Amerikas auf 26,6 Prozent und der Asiens auf 16 Prozent gestiegen. Neben den Ländern mit vorwärts stürmendem Kapitalismus (Vereinigte Staaten von Nordamerika und in geringerem Maße Japan) haben wir Länder des wirtschaftlichen Niedergangs (England). Neben dem erstarkenden kapitalistischen Deutschland und den in den letzten Jahren emporgekommenen und weiter aufsteigenden Ländern (Kanada, Australien, Argentinien, China, Indien) haben wir Länder eines sich stabilisierenden Kapitalismus (Frankreich, Italien). Es wächst die Zahl der Prätendenten auf Absatzmärkte, es wachsen die Produktionsmöglichkeiten, es wächst das Angebot, der Umfang der Märkte aber und die Grenzen der Einflusssphären bleiben mehr oder weniger stabil.

Das ist die Grundlage für die wachsenden unversöhnlichen Widersprüche des modernen Kapitalismus.

c) Dieser Widerspruch zwischen dem Wachstum der Produktionsmöglichkeiten und der relativen Stabilität der Märkte ist der Grund dafür, dass das Problem der Märkte jetzt das Hauptproblem des Kapitalismus ist. Verschärfung des Problems der Absatzmärkte im Allgemeinen, Verschärfung des Problems der Auslandsmärkte im Besonderen, Verschärfung des Problems der Märkte für Kapitalexport im Einzelnen - das ist der jetzige Zustand des Kapitalismus.

Hieraus erklärt sich denn auch, weshalb die Unterbelastung der Industriebetriebe zu einer gewöhnlichen Erscheinung wird. Mit der Verstärkung der Zollschranken wird nur Öl ins Feuer gegossen. Es wird dem Kapitalismus zu eng im Rahmen der jetzigen Märkte und Einflusssphären. Versuche, das Problem der Märkte friedlich zu lösen, blieben ergebnislos und mussten ergebnislos bleiben. Die bekannte Deklaration der Bankiers vom Jahre 1926 über die Freiheit des Handels endete bekanntlich mit einem Fiasko[72]. Die Wirtschaftskonferenz des Völkerbunds im Jahre 1927, die sich die „Vereinigung der wirtschaftlichen Interessen“ der kapitalistischen Länder zur Aufgabe stellte, hat ebenfalls mit einem Fiasko geendet. Der friedliche Weg zur Lösung des Problems der Märkte bleibt dem Kapitalismus verschlossen. Es bleibt für den Kapitalismus ein einziger „Ausweg“: eine Neuverteilung der Kolonien und Einflusssphären auf dem Wege der Gewalt, auf dem Wege militärischer Zusammenstöße, auf dem Wege neuer imperialistischer Kriege.

Aus der Stabilisierung entspringt das Anwachsen der Krise des Kapitalismus.

2. Die internationale Politik des Kapitalismus
und die Vorbereitung neuer imperialistischer Kriege

a) Im Zusammenhang damit ist jetzt die Frage der Neuaufteilung der Welt und der Einflusssphären, die die Basis der Auslandsmärkte bilden, in der Politik des Weltkapitalismus die Hauptfrage. Ich sagte bereits, dass die jetzige Verteilung der Kolonien und Einflusssphären, die im Ergebnis des letzten imperialistischen Krieges festgesetzt wurde, schon wieder veraltet ist. Sie befriedigt jetzt weder Nordamerika, das in Asien (vor allem in China) einzudringen sucht und sich nicht mit Südamerika begnügt, noch England, dessen Händen die Dominions und eine Reihe wichtigster Märkte im Osten entgleiten, noch Japan, das in China dauernd von England und Amerika „gestört“ wird, noch Italien und Frankreich, zwischen denen unzählige „Streitfragen“ bestehen, sowohl in den Donauländern als auch im Mittelmeer, und um so weniger Deutschland, das noch immer keine Kolonien hat.

Daher der „allgemeine“ Drang nach einer Neuaufteilung der Märkte und Rohstoffquellen. Es braucht nicht erst bewiesen zu werden, dass die asiatischen Märkte und die Wege dahin die Hauptarena des Kampfes sind. Daher eine Reihe von Schlüsselproblemen, die Herde für neue Zusammenstöße bilden. Daher das so genannte Pazifikproblem (Antagonismus Amerika - Japan - England) als Ursache des Kampfes um die Vorherrschaft in Asien und auf den Wegen dahin. Daher das Mittelmeerproblem (Antagonismus England - Frankreich - Italien) als Ursache des Kampfes um die Vorherrschaft an den Küsten des Mittelmeers, des Kampfes um die kürzesten Wege nach dem Osten. Daher die Verschärfung des Erdölproblems (Antagonismus England --- Amerika), denn ohne Erdöl kann man nicht Krieg führen, wer aber auf dem Gebiet des Erdöls überlegen ist, der hat auch Siegeschancen im kommenden Krieg.

Vor kurzem ist in der englischen Presse der „jüngste“ Plan Chamberlains veröffentlicht worden, der das Mittelmeerproblem „regulieren“ soll. Ich kann mich nicht dafür verbürgen, dass dieser Plan authentisch ist. Dass aber die Veröffentlichung des Chamberlainschen Planes symptomatisch ist, daran kann nicht gezweifelt werden. Er, dieser Plan, besteht darin, dass das „Mandat“ über Syrien Frankreich genommen und Italien übergeben wird, dass Tanger gegen eine finanzielle Abfindung Spaniens Frankreich übergeben wird, dass Deutschland Kamerun zurückerhält, dass Italien sich verpflichtet, nicht mehr auf dem Balkan „herumzurumoren“ usw.

All das geschieht unter der Flagge des Kampfes gegen die Sowjets. Bekanntlich wird jetzt überhaupt keine einzige Gemeinheit verübt, ohne dass man mit diesem Schmutz die Sowjets in Verbindung bringt.

Worin besteht jedoch der wirkliche Sinn dieses Planes? Der Sinn des Planes besteht darin, die französische Bourgeoisie aus Syrien zu verdrängen. Syrien ist von alters her das Tor nach dem Osten, nach Mesopotamien, nach Ägypten usw. Von Syrien aus kann man England sowohl am Suezkanal als auch in Mesopotamien schaden. Und nun will Chamberlain offenbar dieser unangenehmen Sache ein Ende machen. Wie nicht erst gesagt zu werden braucht, ist es kein Zufall, dass dieser Plan in die Presse gelangt ist. Der Wert dieser Tatsache besteht darin, dass sie eine krasse Charakteristik jener Zänkereien, Konflikte und militärischen Zusammenstöße gibt, mit denen die jetzigen Beziehungen der so genannten „Großmächte“ geladen sind.

Was den jetzigen Zustand des Erdölproblems und den Kampf um das Erdöl betrifft, so spricht darüber in recht beredter Weise die bekannte amerikanische Zeitschrift „World’s Work“[73] in ihrer Oktobernummer wie folgt:

„Darin liegt eine sehr reale Gefahr für den Frieden und das gegenseitige Verständnis zwischen den angelsächsischen Völkern ... Das Staatsdepartement wird die amerikanischen Geschäftsleute unweigerlich immer stärker unterstützen, je mehr das Bedürfnis danach zunimmt. Wenn die britische Regierung sich mit der britischen Erdölindustrie identifiziert, so wird auch die amerikanische Regierung sich früher oder später mit der amerikanischen Erdölindustrie identifizieren. Der Kampf kann nicht an die Regierungen übergehen, ohne dass die Kriegsgefahr gewaltig gesteigert wird.“

Zweifel sind unmöglich: Es handelt sich um die Organisierung neuer Mächtekoalitionen zwecks Vorbereitung neuer Kriege um die Auslandsmärkte, um die Rohstoffquellen und um die Wege zu ihnen.

b) Gab es in der Berichtsperiode Versuche zu einer „friedlichen Bereinigung“ der heranreifenden militärischen Konflikte? Ja, es gab sie. Es gab ihrer mehr, als man erwarten konnte. Aber diese Versuche haben zu nichts, zu rein gar nichts geführt. Noch mehr, diese Versuche erwiesen sich lediglich als ein Deckmantel für die Vorbereitungen der „Mächte“ zu neuen Kriegen, als ein Deckmantel, um das Volk, die „öffentliche Meinung“ zu betrügen.

Nehmen wir den Völkerbund, der nach Meinung der verlogenen bürgerlichen Presse und der nicht weniger verlogenen sozialdemokratischen Presse ein Instrument des Friedens ist. Wozu hat das Geschwätz des Völkerbunds von Frieden, Abrüstung und Rüstungseinschränkung geführt? Zu nichts Gutem, zu nichts anderem als zum Betrug an den Massen, als zu neuen fieberhaften Rüstungen, als zu einer neuen Verschärfung der heranreifenden Konflikte. Kann man es etwa als Zufall betrachten, dass der Völkerbund drei Jahre lang über Frieden und Abrüstung schwätzt, dass dieses verlogene Geschwätz drei Jahre lang von der so genannten II. Internationale unterstützt wird, während die „Nationen“ immer weiter rüsten und rüsten, die alten Konflikte zwischen den „Mächten“ ausweiten, neue Konflikte auftürmen und auf diese Weise den Frieden untergraben?

Was anders besagt das Fiasko der Dreierkonferenz über die Einschränkung der Flottenrüstungen (England, Amerika und Japan)[74], als dass dem Pazifikproblem neue imperialistische Kriege entspringen, dass die „Mächte“ weder abrüsten noch die Rüstungen einschränken wollen? Was hat der Völkerbund getan, um diese Gefahr abzuwenden?

Oder nehmen wir zum Beispiel die von der Sowjetdelegation unlängst in Genf unternommenen Schritte für eine wirkliche (und nicht bloß dekorative) Abrüstung[75]. Womit lässt es sich erklären, dass die gradsinnige und aufrichtige Erklärung des Genossen Litwinow über die völlige Abrüstung den Völkerbund in einen Zustand der Lähmung versetzt hat und für ihn „völlig unerwartet“ kam? Beweist diese Tatsache nicht, dass der Völkerbund kein Instrument des Friedens und der Abrüstung, sondern ein. Instrument zur Tarnung neuer Rüstungen, zur Tarnung der Vorbereitung neuer Kriege ist?

Die käufliche bürgerliche Presse aller Länder, von Japan bis England, von Frankreich bis Amerika, schreit aus vollem Halse über die „Unaufrichtigkeit“ der sowjetischen Abrüstungsvorschläge. Warum stellt man in einem solchen Fall nicht die Aufrichtigkeit der sowjetischen Vorschläge auf die Probe und schreitet nicht auf der Stelle praktisch zur Abrüstung oder wenigstens zu einer ernstlichen Einschränkung der Rüstungen? Was steht dem im Wege?

Oder nehmen wir zum Beispiel das jetzige System von „Freundschaftsverträgen“ der kapitalistischen Staaten, den Vertrag Frankreichs mit Jugoslawien, den Vertrag Italiens mit Albanien, den „Freundschaftsvertrag“ zwischen Polen und Litauen, den Pilsudski vorbereitet, das „Locarno-System“[76], den „Geist von Locarno“ usw. - was ist dies alles, wenn nicht ein System der Vorbereitung neuer Kriege und der Gruppierung der Kräfte für künftige militärische Konflikte?

Oder nehmen wir zum Beispiel folgende Tatsachen: von 1913 bis 1927 ist die Stärke der Armeen Frankreichs, Englands, Italiens, der Vereinigten Staaten von Nordamerika und Japans von 1888000 auf 2262000 Mann angewachsen; in der gleichen Periode sind die Militärhaushalte derselben Länder von 2345 Millionen auf 3948 Millionen Goldrubel angewachsen; die Zahl der in diesen fünf Ländern vorhandenen einsatzbereiten Flugzeuge ist von 1923 bis 1927 von 2655 auf 4340 angewachsen, die Tonnage der Kreuzer dieser fünf Mächte von 724000 Tonnen im Jahre 1922 auf 864000 Tonnen im Jahre 1926; die Lage hinsichtlich des Gaskrieges wird durch die bekannte Erklärung des Chefs des kriegschemischen Dienstes der Vereinigten Staaten von Nordamerika, des Generals Fries, illustriert: „Eine 450 Kilogramm schwere, mit Lewisit geladene chemische Fliegerbombe kann zehn Häuserblocks von New York unbewohnbar machen, während 100 Tonnen Lewisit, von 50 Flugzeugen abgeworfen, ganz New York zumindest auf eine Woche unbewohnbar machen können.“

Wovon sprechen diese Tatsachen, wenn nicht davon, dass die Vorbereitung eines neuen Krieges mit Volldampf betrieben wird?

Das sind die Ergebnisse der „Friedenspolitik“ und der „Abrüstungs“-politik der bürgerlichen Staaten überhaupt, des Völkerbunds im Besonderen und der sozialdemokratischen Liebedienerei vor dem Kapital im Einzelnen.

Früher versuchte man, das Wachstum der Rüstungen mit dem Vorhandensein des bis an die Zähne bewaffneten Deutschlands zu rechtfertigen. Jetzt fällt diese „Rechtfertigung“ fort, da Deutschland entwaffnet ist.

Ist es etwa nicht klar, dass das Anwachsen der Rüstungen eine gebieterische Folge der Unvermeidlichkeit neuer imperialistischer Kriege zwischen den „Mächten“ ist, dass der „Geist des Krieges“ der Hauptinhalt des „Geistes von Locarno“ ist?

Ich glaube, dass man die jetzigen „friedlichen Beziehungen“ vergleichen könnte mit einem alten, abgetragenen Hemd, bestehend nur noch aus Flicken, die durch ein dünnes Fädchen zusammengehalten werden. Man braucht bloß mehr oder weniger ernstlich an diesem Fädchen zu zerren, es an dieser oder jener Stelle zu zerreißen, und das ganze Hemd fällt auseinander, es bleibt nichts übrig als die Lappen. Man braucht nur irgendwo in Albanien oder in Litauen, in China oder in Nordafrika an den jetzigen „friedlichen Beziehungen“ zu rütteln, und das ganze „Gebäude der friedlichen Beziehungen“ fällt in Trümmer.

So war es vor dem letzten imperialistischen Krieg, als der Mord in Sarajewo[77] zum Kriege führte.

So steht es auch jetzt.

Aus der Stabilisierung erwächst die Unvermeidlichkeit neuer imperialistischer Kriege.

3. Der Zustand der internationalen revolutionären Bewegung
und die Vorboten eines neuen revolutionären Aufschwungs

a) Zur Kriegführung genügt nicht das Wachstum der Rüstungen, genügt nicht die Organisierung neuer Koalitionen. Dazu bedarf es noch der Stärkung des Hinterlands in den Ländern des Kapitalismus. Kein einziges kapitalistisches Land kann einen ernsten Krieg führen, ohne vorher sein eigenes Hinterland gestärkt, ohne den „eigenen“ Arbeitern, ohne den „eigenen“ Kolonien den Zaum angelegt zu haben. Daher die allmähliche Faschisierung der Politik der bürgerlichen Regierungen.

Es kann nicht als Zufall bezeichnet werden, dass jetzt in Frankreich der Rechtsblock, in England der Block Hicks - Deterding - Urquhart, in Deutschland der Bürgerblock, in Japan die Kriegspartei, in Italien und Polen faschistische Regierungen an der Macht sind.

Daher der Druck auf die Arbeiterklasse, das Gewerkschaftsgesetz in England[78], das Gesetz über die „Bewaffnung der Nation“ in Frankreich[79], die Abschaffung des Achtstundentags in einer Reihe von Ländern, die überall zu beobachtende Offensive der Bourgeoisie gegen das Proletariat.

Daher der gesteigerte Druck auf die Kolonien und die abhängigen Länder, die Verstärkung der imperialistischen Truppenkontingente in diesen Ländern auf rund 1 Million Mann, wobei mehr als 700000 Soldaten davon in den britischen „Einflusssphären“ und „Besitzungen“ stehen.

b) Es lässt sich unschwer begreifen, dass dieser bestialische Druck der faschisierten Regierungen nicht ohne eine Gegenbewegung der unterdrückten Völker in den Kolonien und der Arbeiterklasse in den Metropolen bleiben konnte. Solche Tatsachen wie das Anwachsen der revolutionären Bewegung in China, in Indonesien, in Indien usw. müssen für die Geschicke des Weltimperialismus unweigerlich von entscheidender Bedeutung sein.

Urteilen Sie selbst. Von 1905 Millionen Bewohnern des gesamten Erdballs leben 1134 Millionen in den Kolonien und abhängigen Ländern, 143 Millionen leben in der UdSSR, 264 Millionen in den Ländern mit einer Zwischenstellung und nur 363 Millionen in den großen imperialistischen Ländern, die die Kolonien und abhängigen Länder unterdrücken.

Es ist klar, dass das revolutionäre Erwachen der kolonialen und abhängigen Länder das Ende des Weltimperialismus ankündigt. Die Tatsache, dass die chinesische Revolution noch nicht zum direkten Sieg über den Imperialismus geführt hat, diese Tatsache kann für die Perspektiven der Revolution keine entscheidende Bedeutung haben. Große Volksrevolutionen siegen nie vollständig im ersten Turnus ihrer Aktionen. Sie wachsen und erstarken im Wechsel von Flut und Ebbe. So war es überall, auch in Rußland. Ebenso wird es in China sein.

Das wichtigste Resultat der chinesischen Revolution ist die Tatsache, dass sie Hunderte Millionen von Ausgebeuteten und Unterdrückten aus jahrhundertelangem Schlaf gerüttelt und in Bewegung gebracht, den konterrevolutionären Charakter der Generalscliquen vollends entlarvt, den Kuomintanglakaien der Konterrevolution die Maske abgerissen, die Autorität der Kommunistischen Partei bei den unteren Schichten des Volkes gestärkt, die Bewegung in ihrer Gesamtheit auf eine höhere Stufe gebracht und bei den Millionen Menschen der unterdrückten Klassen Indiens, Indonesiens usw. neue Hoffnungen erweckt hat. Höchstens Blinde und Kleinmütige können daran zweifeln, dass die chinesischen Arbeiter und Bauern einem neuen revolutionären Aufschwung entgegengehen.

Was die revolutionäre Bewegung der Arbeiterklasse in Europa betrifft, so haben wir auch hier, auch auf diesem Gebiet, unverkennbare Anzeichen einer Linksentwicklung der Massen der einfachen Arbeiter und einer revolutionären Belebung. Solche Tatsachen wie der Generalstreik und der Bergarbeiterstreik in England, die revolutionäre Erhebung der Arbeiter in Wien, die revolutionären Demonstrationen in Frankreich und Deutschland aus Anlass der Ermordung Saccos und Vanzettis, die Wahlerfolge der deutschen und der polnischen Kommunistischen Partei, die unverkennbare Differenzierung der Arbeiterbewegung in England, kraft deren die Arbeiter nach links gehen, die Führer aber nach rechts, in den Schoß des offenen Sozialimperialismus, wie die Entartung der II. Internationale zu einem direkten Anhängsel des imperialistischen Völkerbunds, das Sinken der Autorität der sozialdemokratischen Parteien unter den breiten Massen der Arbeiterklasse, das überall zu beobachtende Wachstum des Einflusses und der Autorität der Komintern und ihrer Sektionen unter den Proletariern aller Länder, das Wachstum der Autorität der UdSSR unter den unterdrückten Klassen der ganzen Welt, der „Kongress der Freunde der Sowjetunion“[80] usw. - alle diese Tatsachen sprechen unzweifelhaft dafür, dass Europa in eine neue Phase revolutionären Aufschwungs eintritt.

Wenn eine Tatsache wie die Ermordung Saccos und Vanzettis Demonstrationen der Arbeiterklasse auszulösen vermochte, so ist das zweifellos ein Beweis dafür, dass sich in den Tiefen der Arbeiterklasse eine revolutionäre Energie angesammelt hat, die nach einem Anlass, einer Gelegenheit, mitunter sogar nach einer anscheinend ganz unbedeutenden Gelegenheit sucht und suchen wird, um zum Durchbruch zu kommen und sich gegen das kapitalistische Regime zu entladen.

Wir leben am Vorabend eines neuen revolutionären Aufschwungs sowohl in den Kolonien als auch in den Metropolen.

Aus der Stabilisierung erwächst ein neuer revolutionärer Aufschwung.

4. Die kapitalistische Welt und die UdSSR

a) Wir haben also alle Anzeichen der schwersten Krise und wachsender Labilität des Weltkapitalismus.

Wenn die zeitweilige Nachkriegskrise der Wirtschaft von 1920 und 1921 mit ihrem Chaos im Innern der kapitalistischen Länder und dem Zerfall der äußeren Verbindungen dieser Länder als überwunden gelten kann, weswegen ja die Periode der teilweisen Stabilisierung eintrat, so ist die allgemeine und grundlegende Krise des Kapitalismus, die sich infolge des Sieges der Oktoberrevolution und des Ausscheidens der UdSSR aus dem kapitalistischen Weltsystem abzeichnete, nicht nur nicht überwunden, sondern im Gegenteil, sie vertieft sich immer mehr und mehr und erschüttert die Existenzgrundlagen des Weltkapitalismus.

Die Stabilisierung hat die Entwicklung dieser allgemeinen und grundlegenden Krise nicht nur nicht behindert, sondern im Gegenteil, sie hat den Nährboden und die Quelle geliefert für deren weitere Entwicklung. Der zunehmende Kampf um die Märkte, die Notwendigkeit einer Neuaufteilung der Welt und der Einflusssphären, das Fiasko des bürgerlichen Pazifismus und des Völkerbunds, die fieberhafte Arbeit an der Bildung neuer Koalitionen und an der Umgruppierung der Kräfte angesichts eines möglichen neuen Krieges, das tollwütige Anwachsen der Rüstungen, der bestialische Druck auf die Arbeiterklasse und die kolonialen Länder, das Ansteigen der revolutionären Bewegung in den Kolonien und in Europa, das Wachstum der Autorität der Komintern in der ganzen Welt, schließlich die Festigung der Macht der Sowjetunion und die Stärkung ihrer Autorität unter den Arbeitern Europas und den werktätigen Massen der Kolonien - all das sind Tatsachen, die unweigerlich den internationalen Kapitalismus in seinen Grundfesten erschüttern müssen.

Die Stabilisierung des Kapitalismus wird immer fauler und unsicherer.

Konnte und musste man vor zwei Jahren von einem Abebben der revolutionären Wogen in Europa sprechen, so haben wir jetzt allen Grund zu der Behauptung, dass Europa eindeutig in die Phase eines neuen revolutionären Aufschwungs eintritt. Ich rede schon gar nicht von den kolonialen und abhängigen Ländern, wo die Stellung der Imperialisten immer katastrophaler wird.

b) Die Hoffnungen der Kapitalisten, die UdSSR kirre machen zu können, die Hoffnungen auf eine kapitalistische Entartung der UdSSR, auf ein Sinken ihrer Autorität unter den Arbeitern Europas und den werk-tätigen Massen der Kolonien sind zusammengebrochen. Die UdSSR wächst und entwickelt sich gerade als das Land des im Aufbau befindlichen Sozialismus. Ihr Einfluss unter den Arbeitern und Bauern der ganzen Welt wächst und erstarkt. Schon allein die Existenz der UdSSR als eines Landes des im Aufbau befindlichen Sozialismus trägt als einer der mächtigsten Faktoren dazu bei, den Weltimperialismus zu zersetzen und seine Stabilität sowohl in Europa als auch in den Kolonien zu untergraben. Die UdSSR wird unverkennbar zum Banner der Arbeiterklasse Europas und der unterdrückten Völker der Kolonien.

Um sich daher die Bahn frei zu machen für künftige imperialistische Kriege, um zwecks Festigung des kapitalistischen Hinterlands der „eigenen“ Arbeiterklasse die Daumenschrauben noch fester anzuziehen und den „eigenen“ Kolonien den Zaum anzulegen, muss man, so glauben die bürgerlichen Machthaber, vor allem die UdSSR zügeln, diesen Herd und Nährboden der Revolution, der überdies einen der größten Absatzmärkte für die kapitalistischen Länder darstellt. Daher das Aufleben der Interventionstendenzen unter den Imperialisten, die Politik der Isolierung der UdSSR, die Politik der Einkreisung der UdSSR, die Politik der Vorbereitung der Bedingungen für einen Krieg gegen die UdSSR.

Die Verstärkung der Interventionstendenzen im Lager der Imperialisten und die Gefahr eines Krieges (gegen die UdSSR) ist einer der Hauptfaktoren der jetzigen Lage.

Als der angesichts der sich entwickelnden Krise des Kapitalismus am meisten „gefährdete“ und „in Mitleidenschaft gezogene“ Teil gilt die englische Bourgeoisie. Sie ist es auch, die die Initiative ergriffen hat bei der Stärkung der Interventionstendenzen. Es ist klar, dass die Unterstützung der englischen Bergarbeiter durch die sowjetischen Arbeiter und die Sympathie der Arbeiterklasse der UdSSR für die revolutionäre Bewegung in China unweigerlich Öl ins Feuer sein mussten. Alle diese Umstände bedingten den Bruch Englands mit der UdSSR und die Verschlechterung der Beziehungen zu einer Reihe anderer Staaten.

c) Der Kampf zweier Tendenzen in den Beziehungen zwischen der kapitalistischen Welt und der UdSSR, der Tendenz militärischer Aggression (England vor allem) und der Tendenz der Fortsetzung friedlicher Beziehungen (eine Reihe anderer kapitalistischer Länder), ist infolgedessen im gegenwärtigen Moment die grundlegende Tatsache im System unserer auswärtigen Beziehungen.

Tatsachen, die die Tendenz friedlicher Beziehungen in der Berichtsperiode kennzeichnen: der Nichtangriffsvertrag mit der Türkei; der Garantievertrag mit Deutschland; das Zollabkommen mit Griechenland; das Kreditabkommen mit Deutschland; der Garantievertrag mit Afghanistan; der Garantievertrag mit Litauen; die Paraphierung eines Garantievertrags mit Lettland; der Handelsvertrag mit der Türkei; die Beilegung des Konflikts mit der Schweiz; der Neutralitätsvertrag mit Persien; die Besserung der Beziehungen zu Japan; der Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen zu Amerika und Italien.

Tatsachen, die die Tendenz militärischer Aggression in der Berichtsperiode kennzeichnen: die englische Note anlässlich der finanziellen Unterstützung der streikenden Bergarbeiter; der Überfall auf die sowjetischen diplomatischen Vertreter in Peking, Tientsin und Schanghai; der Überfall auf die Arcos; der Bruch Englands mit der UdSSR; die Ermordung Wojkows; die Terrorakte englischer Söldlinge in der UdSSR; die Verschärfung der Beziehungen zu Frankreich in der Frage der Abberufung Rakowskis.

Konnte und musste man vor zwei Jahren von der Periode eines gewissen Gleichgewichts und „friedlichen Zusammenlebens“ zwischen der UdSSR und den kapitalistischen Ländern sprechen, so haben wir jetzt allen Grund zu der Behauptung, dass die Periode „friedlichen Zusammenlebens“ der Vergangenheit anzugehören beginnt und einer Periode imperialistischer Anrempelungen und der Interventionsvorbereitungen gegen die UdSSR Platz macht.

Allerdings sind die Versuche Englands, eine Einheitsfront gegen die UdSSR zustande zu bringen, zunächst noch nicht gelungen. Die Ursachen dieses Fehlschlags sind: der Interessengegensatz im Lager der Imperialisten, die Interessiertheit bestimmter Länder an wirtschaftlichen Beziehungen zur UdSSR, die Friedenspolitik der UdSSR, der Widerstand der Arbeiterklasse Europas, die Furcht der Imperialisten, im Falle eines Krieges gegen die UdSSR die Revolution bei sich zu Hause zu entfachen. Das bedeutet aber noch nicht, dass England seine Bemühungen um die Bildung einer Einheitsfront gegen die UdSSR aufgeben wird, dass es ihm nicht gelingen wird, eine solche Front zu organisieren. Die Gefahr eines Krieges bleibt trotz des zeitweiligen Misserfolgs Englands bestehen.

Daher die Aufgabe, die Widersprüche im Lager der Imperialisten in Rechnung zu stellen, den Krieg hinauszuzögern, sich zu diesem Zweck von den Kapitalisten „loszukaufen“ und alle Maßnahmen zu ergreifen zur Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen.

Wir dürfen die Worte Lenin s nicht vergessen, dass sehr viel für unseren Aufbau davon abhängt, ob es uns gelingen wird, den Krieg mit der kapitalistischen Welt hinauszuzögern, der unvermeidlich ist, den man aber hinauszögern kann, entweder bis zu dem Moment, da die proletarische Revolution in Europa herangereift ist, oder bis zu dem Moment, da die kolonialen Revolutionen vollständig reif geworden sind, oder endlich bis zu dem Moment, da die Kapitalisten einander wegen der Aufteilung der Kolonien in die Haare geraten.

Deshalb ist für uns die Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen zu den kapitalistischen Ländern eine unerlässliche Aufgabe.

Die Grundlage unserer Beziehungen zu den kapitalistischen Ländern besteht darin, dass wir ein Nebeneinanderbestehen der beiden entgegengesetzten Systeme für möglich halten. Die Praxis hat das vollständig gerechtfertigt. Der Stein des Anstoßes ist mitunter die Frage der Schulden und Kredite. Unsere Politik ist hier klar. Sie basiert auf der Formel: „Gibst du, dann gebe auch ich.“ Gibt man uns Kredite, mit denen wir unsere Industrie befruchten können, so bezahlen wir dafür einen gewissen Teil der Vorkriegsschulden, den wir als zusätzliche Zinsen für die Kredite betrachten. Gibt man uns nichts, so geben auch wir nichts. Die Tatsachen beweisen, dass wir in der Erlangung von Industriekrediten gewisse Erfolge verbuchen können. Ich denke dabei nicht nur an Deutschland, sondern auch an Amerika und England. Worin besteht hier das Geheimnis? Darin, dass unser Land ein ganz gewaltiger Markt für die Einfuhr von Maschinen ist und dass die kapitalistischen Länder einen Markt gerade für solche Erzeugnisse benötigen.

5. Schlußfolgerungen

Als Ergebnis haben wir:

Erstens das Anwachsen der Widersprüche innerhalb der kapitalistischen Umwelt; die für den Kapitalismus bestehende Notwendigkeit einer Neuaufteilung der Welt durch einen Krieg; die Interventionstendenzen eines Teils der kapitalistischen Welt mit England an der Spitze; die Abgeneigtheit eines anderen Teils der kapitalistischen Welt, sich in einen Krieg mit der UdSSR verwickeln zu lassen, da er es vorzieht, wirtschaftliche Beziehungen zu ihr anzubahnen; der Kampf dieser beiden Tendenzen und eine gewisse Möglichkeit für die UdSSR, diese Widersprüche zwecks Aufrechterhaltung des Friedens in Rechnung zu stellen.

Zweitens die zerbröckelnde Stabilisierung; das Ansteigen der revolutionären Bewegung in den Kolonien; die Anzeichen eines neuen revolutionären Aufschwungs in Europa; das Anwachsen der Autorität der Komintern und ihrer Sektionen in der ganzen Welt; das unverkennbare Anwachsen der Sympathien der Arbeiterklasse Europas für die UdSSR; die wachsende Stärke der UdSSR und die sich festigende Autorität der Arbeiterklasse unseres Landes unter den unterdrückten Klassen der ganzen Welt.

Daher die Aufgaben für die Partei:

1. Auf dem Gebiet der internationalen revolutionären Bewegung:

2. Auf dem Gebiet der Außenpolitik der UdSSR:

 

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