"Stalin"

Werke

Band 10

DER XV. PARTEITAG DER KPdSU(B)[69]

POLITISCHER RECHENSCHAFTSBERICHT
DES ZENTRALKOMITEES

3. Dezember

II
DIE ERFOLGE DES SOZIALISTISCHEN AUFBAUS
UND DIE INNERE LAGE DER UdSSR

Gestatten Sie mir, Genossen, zur inneren Lage unseres Landes, zu den Erfolgen unseres sozialistischen Aufbaus, zur Frage nach dem Schicksal der Diktatur des Proletariats, nach ihrer Entwicklung, nach ihrer Festigung überzugehen.

Unser XIV. Parteitag beauftragte das Zentralkomitee, unsere Volkswirtschaft unter dem Gesichtspunkt folgender Hauptaufgaben zu entwickeln:

erstens, dass unsere Politik ein fortschreitendes Anwachsen der Produktion der gesamten Volkswirtschaft fördert;

zweitens, dass die Politik der Partei das Entwicklungstempo der Industrie beschleunigt und dieser die führende Rolle in der gesamten Volkswirtschaft sichert;

drittens, dass im Zuge der Entwicklung der Volkswirtschaft dafür gesorgt wird, dass der Anteil des sozialistischen Sektors der Volkswirtschaft, der sozialistischen Wirtschaftsformen immer mehr anwächst auf Kosten des Sektors der privaten Warenwirtschaft und des kapitalistischen Sektors;

viertens, dass unsere ganze wirtschaftliche Entwicklung, die Organisierung neuer Industriezweige, die Entwicklung bestimmter Rohstoffindustrien usw. derart betrieben wird, dass die Gesamtentwicklung unserem Lande die ökonomische Unabhängigkeit garantiert, dass unser Land sich nicht in ein Anhängsel des kapitalistischen Weltwirtschaftssystems verwandelt;

fünftens, dass die Diktatur des Proletariats, der Block der Arbeiter-klasse und der Bauernmassen und die führende Rolle der Arbeiterklasse in diesem Block gestärkt werden;

sechstens, dass die materielle und kulturelle Lage der Arbeiterklasse und der Dorfarmut ständig gebessert wird.

Was hat unsere Partei, was hat das Zentralkomitee unserer Partei in der Berichtsperiode getan, um diese Aufgaben zu erfüllen?

1. Die Volkswirtschaft in ihrer Gesamtheit

Die erste Frage ist die Entwicklung der Volkswirtschaft in ihrer Gesamtheit. ich werde hier einige grundlegende Zahlen anführen zu der Frage, wie die Volkswirtschaft in ihrer Gesamtheit, die Industrie und die Landwirtschaft im Einzelnen während der Berichtsperiode gewachsen sind. Ich entnehme diese Zahlen den bekannten Aufstellungen der Staatlichen Plankommission. Ich habe die Kontrollzahlen der Staatlichen Plankommission für das Jahr 1927/28 und den Rohentwurf des Fünfjahrplans im Auge.

a) Das Wachstum der gesamten volkswirtschaftlichen Produktion der UdSSR in den letzten zwei Jahren. Lag die Bruttoproduktion der Landwirtschaft nach den neuen Berechnungen der Staatlichen Plankommission im Jahre 1924/25 bei 87,3 Prozent des Vorkriegsstandes, die Produktion der gesamten Industrie aber bei 63,7 Prozent der Vorkriegsleistung, so haben wir jetzt, zwei Jahre später, im Jahre 1926/27, bereits eine landwirtschaftliche Produktion von 108,3 Prozent und eine industrielle Produktion von 100,9 Prozent. In den Kontrollzahlen der Staatlichen Plankommission ist für 1927/28 eine weitere Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion auf 111,8 Prozent, der industriellen auf 114,4 Prozent des Vorkriegsstandes vorgesehen.

Das Wachstum des Handelsumsatzes im Lande in den letzten zwei Jahren. Setzt man den Umsatz von 1924/25 gleich 100 (14613 Millionen Rubel Tscherwonez-Währung), so haben wir im Jahre 1926/27 eine Steigerung um 97 Prozent (28775 Millionen Rubel), während für 1927/28 eine weitere Erhöhung auf mehr als 116 Prozent (33440 Millionen Rubel) geplant ist.

Die Entwicklung unseres Kreditsystems in den letzten zwei Jahren. Setzt man die Bilanzsummen aller unserer Kreditanstalten am 1. Oktober 1925 gleich 100 (5343 Millionen Rubel Tscherwonez-Währung), so hatten wir am 1. Juli 1927 eine Erhöhung um 53 Prozent (8175 Millionen Rubel). Es besteht kein Grund, daran zu zweifeln, dass das Jahr 1927/28 uns ein weiteres Anwachsen unseres nationalisierten Kreditsystems bringen wird.

Die Entwicklung des Eisenbahnwesens in den letzten zwei Jahren. Hatten wir 1924/25 für unser gesamtes Eisenbahnnetz einen Güterumschlag von 63,1 Prozent der Vorkriegszeit, so haben wir jetzt, im Jahre 1926/27, 99,1 Prozent und werden im Jahre 1927/28 111,6 Prozent haben. Ich rede gar nicht davon, dass in diesen zwei Jahren unser Eisenbahnnetz sich von 74400 Kilometer auf 76200 Kilometer vergrößert hat, was eine Vergrößerung von 30,3 Prozent gegenüber der Vorkriegszeit und von 8,9 Prozent gegenüber dem Jahre 1917 ergibt.

Das Wachstum des Staatshaushalts in den letzten zwei Jahren. War unser Gesamthaushalt (der einheitliche Staatshaushalt zuzüglich der lokalen Haushalte) 1925/26 gleich 72,4 Prozent des Vorkriegshaushalts (5024 Millionen Rubel), so muss der Gesamthaushalt gegenwärtig, das heißt für 1927/28, 110-112 Prozent des Vorkriegshaushalts (mehr als 7 Milliarden Rubel) ausmachen. Er ist in den letzten zwei Jahren um 41,5 Prozent gewachsen.

Das Wachstum des Außenhandels in den letzten zwei Jahren. Hatte unser Außenhandel im Jahre 1924/25 einen Gesamtumsatz von 1282 Millionen Rubel, das heißt ungefähr 27 Prozent des Vorkriegsbetrags, so haben wir jetzt, im Jahre 1926/27, einen Umsatz von 1483 Millionen Rubel, das heißt 35,6 Prozent des Vorkriegsbetrags, während im Jahre 1927/28 ein Umsatz von 1626 Millionen Rubel vorgesehen ist, das heißt 37,9 Prozent des Vorkriegsbetrags.

Die Ursachen der verzögerten Außenhandelsentwicklung sind:

erstens die Tatsache, dass die bourgeoisen Staaten unserem Außenhandel häufig Hindernisse in den Weg legen, die zuweilen in eine versteckte Blockade übergehen;

zweitens die Tatsache, dass wir nicht nach der bourgeoisen Formel Handel treiben können: „Selbst nicht satt, aber dennoch ausführen“.

Ein Plus ist hier der Aktivsaldo des Außenhandelskommissariats für das Jahr 1926/27 in Höhe von 57 Millionen Rubel. Es ist das erste Mal seit 1923/24, dass die Außenhandelsbilanz mit einem Aktivsaldo abschließt.

Als Ergebnis haben wir folgendes Bild des allgemeinen Wachstums des gesamten Nationaleinkommens in den letzten zwei Jahren: Nimmt man das Nationaleinkommen der UdSSR im Jahre 1924/25 mit 15589 Millionen Rubel Tscherwonez-Währung an, so hatten wir im Jahre 1925/26 20252 Millionen Rubel, das heißt einen Jahreszuwachs um 29,9 Prozent, und im Jahre 1926/27 22 560 Millionen Rubel, das heißt einen Jahreszuwachs um 11,4 Prozent. Nach den Kontrollzahlen der Staatlichen Plankommission werden wir im Jahre 1927/28 24208 Millionen Rubel haben, das heißt einen Zuwachs um 7,3 Prozent.

Berücksichtigt man, dass die durchschnittliche Jahreszunahme des Nationaleinkommens der Vereinigten Staaten 3-4 Prozent nicht überschreitet (nur einmal in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hatten die Vereinigten Staaten eine Zunahme des Nationaleinkommens von ungefähr 7 Prozent), die Jahreszunahme des Nationaleinkommens der anderen Länder dagegen, zum Beispiel Englands und Deutschlands, 1 bis 3 Prozent nicht überschreitet, so muss man zugeben, dass das Nationaleinkommen der UdSSR in den letzten Jahren in einem Rekordtempo gewachsen ist im Vergleich mit den großen kapitalistischen Ländern Europas und Amerikas.

Schlussfolgerung: Die Volkswirtschaft unseres Landes wächst in raschem Tempo.

Die Aufgabe der Partei: die Entwicklung der Volkswirtschaft unseres Landes, die Entwicklung aller Produktionszweige weiter voranzutreiben.

b) Das Wachstum der Volkswirtschaft erfolgt bei uns nicht ins Blaue hinein, es ist kein bloß quantitatives Wachstum der Produktion, sondern es verläuft in einer bestimmten, streng festgesetzten Richtung. Die entscheidenden Faktoren für die Entwicklung der Volkswirtschaft in den letzten zwei Jahren sind zwei Hauptumstände.

Erstens steht die Entwicklung unserer Volkswirtschaft im Zeichen der Industrialisierung des Landes, im Zeichen der wachsenden Rolle der Industrie gegenüber der Landwirtschaft.

Zweitens entwickelt sich die Volkswirtschaft, entwickelt sich die Industrialisierung des Landes in Richtung auf ein Anwachsen des Anteils und der vorherrschenden Rolle der sozialistischen Wirtschaftsformen, sowohl in der Produktion als auch im Warenumsatz, auf Kosten des Sektors der privaten Warenwirtschaft und des kapitalistischen Sektors.

Die Zunahme des Anteils der Industrie im System der Volkswirtschaft (ohne Verkehrswesen und Elektrifizierung) zeigen folgende Zahlen. Entfielen 1924/25, in Vorkriegspreisen berechnet, auf die Bruttoproduktion der Industrie 32,4 Prozent, auf die Landwirtschaft aber 67,6 Prozent der Gesamtproduktion der Volkswirtschaft, so ist 1926/27 der Anteil der Industrie auf 38 Prozent gestiegen, während der Anteil der Landwirtschaft auf 62 Prozent zurückgegangen ist. Im Jahre 1927/28 soll der Anteil der Industrie bis auf 40,2 Prozent anwachsen, während der Anteil der Landwirtschaft auf 59,8 Prozent zurückgehen soll.

Die Zunahme des Anteils der Produktion von Produktionsinstrumenten und -mitteln - dieses Rückgrats der Industrie - im System der gesamten Industrie in den letzten zwei Jahren zeigen folgende Zahlen: im Jahre 1924/25 betrug der Anteil der Produktion von Produktionsmitteln 34,1 Prozent, im Jahre 1926/27 37,6 Prozent, im Jahre 1927/28 aber soll er auf 38,6 Prozent gebracht werden.

Die Zunahme des Anteils der Produktion von Produktionsmitteln in der staatlichen Großindustrie in den letzten zwei Jahren zeigen folgende Zahlen: im Jahre 1924/25 42,0 Prozent, im Jahre 1926/27 44,0 Prozent, im Jahre 1927/28 aber soll er auf 44,9 Prozent gebracht werden.

Was die Warenproduktion der Industrie und ihren Anteil an der gesamten Warenmenge betrifft, so ist der Anteil der Industrie in den letzten zwei Jahren von 53,1 Prozent im Jahre 1924/25 auf 59,5 Prozent im Jahre 1926/27 angewachsen, und im Jahre 1927/28 soll er 60,7 Prozent erreichen, während der Anteil der Warenproduktion der Landwirtschaft im Jahre 1924/25 46,9 Prozent betrug, im Jahre 1926/27 auf 40,5 Prozent zurückging und im Jahre 1927/28 auf 39,3 Prozent zurückgehen soll.

Schlussfolgerung: Unser Land wird zu einem Industrieland.

Die Aufgabe der Partei: mit allen Mitteln die Industrialisierung unseres Landes voranzutreiben.

Das Anwachsen des Anteils und der vorherrschenden Rolle der sozialistischen Wirtschaftsformen auf Kosten des Sektors der privaten Warenwirtschaft und des kapitalistischen Sektors in den letzten zwei Jahren zeigen folgende Zahlen. Während die Kapitalinvestitionen des vergesellschafteten Sektors der Volkswirtschaft (Staats- und Genossenschaftsindustrie, Verkehrswesen, Elektrifizierung usw.) von 1231 Millionen Rubel im Jahre 1924/25 auf 2683 Millionen im Jahre 1926/27 stiegen und im Jahre 1927/28 auf 3456 Millionen anwachsen sollen, was einen Zuwachs der Investitionen von 43,8 Prozent im Jahre 1924/25 auf 65,3 Prozent im Jahre 1927/28 ausmacht, sind die Investitionen des nicht vergesellschafteten Sektors der Volkswirtschaft die ganze Zeit über relativ zurückgegangen und in absoluten Zahlen nur unbedeutend angewachsen: von 1577 Millionen im Jahre 1924/25 auf 1717 Millionen im Jahre 1926/27, und 1927/28 sollen sie 1836 Millionen erreichen, was eine Verringerung des Anteils der Investitionen des nicht vergesellschafteten Sektors von 56,2 Prozent im Jahre 1924/25 auf 34,7 Prozent im Jahre 1927/28 ergibt.

Während die Bruttoproduktion des vergesellschafteten Sektors der Industrie von 81 Prozent der gesamten Industrieproduktion im Jahre 1924/25 auf 86 Prozent im Jahre 1926/27 angewachsen ist und sich im Jahre 1927/28 auf 86,9 Prozent erhöhen wird, sank der Anteil des nicht vergesellschafteten Sektors der Industrie von Jahr zu Jahr: von 19 Prozent der Produktion der Gesamtindustrie im Jahre 1924/25 auf 14 Prozent im Jahre 1926/27, und im Jahre 1927/28 soll er auf 13,1 Prozent zurückgehen.

Was die Rolle des Privatkapitals in der Großindustrie (Zensusindustrie) betrifft, so sinkt sie nicht nur relativ (3,9 Prozent im Jahre 1924/25 und 2,4 Prozent im Jahre 1926/27), sondern auch absolut (169 Millionen Vorkriegsrubel im Jahre 1924/25 und 165 Millionen Vorkriegsrubel im Jahre 1926127).

Dieselbe Verdrängung der privatkapitalistischen Elemente haben wir auch im Warenumsatz des Landes. Während der Anteil des vergesellschafteten Sektors am gesamten Handelsumsatz im Jahre 1924/25 72,6 Prozent, am Großhandel 90,6 Prozent, am Kleinhandel dagegen 57,3 Prozent betrug, wuchs im Jahre 1926/27 der Anteil des vergesellschafteten Sektors am Gesamtumsatz auf 81,9 Prozent, am Großhandel auf 94,9 Prozent, am Kleinhandel auf 67,4 Prozent, während der Anteil des privaten Sektors am gesamten Handelsumsatz in dieser Zeit von 27,4 Prozent auf 18,1 Prozent zurückging, am Großhandel von 9,4 Prozent auf 5,1 Prozent, am Kleinhandel von 42,7 auf 32,6 Prozent, wobei für 1927/28 ein weiterer Rückgang des Anteils des privaten Sektors auf allen Gebieten des Handels vorgesehen ist.

Schlussfolgerung: Unser Land schreitet unbeirrt und rasch zum Sozialismus, die kapitalistischen Elemente in den Hintergrund schiebend und sie Schritt für Schritt aus der Volkswirtschaft verdrängend.

Diese Tatsache enthüllt uns die Grundlage der Frage „Wer - wen“. Diese Frage stellte Lenin im Jahre 1921 nach Einführung der Neuen Ökonomischen Politik. Werden wir es verstehen, unsere sozialisierte Industrie mit der bäuerlichen Wirtschaft zu verbinden, den Privathändler, den Privatkapitalisten zu verdrängen und selbst den Handel zu erlernen, oder wird das Privatkapital uns unterkriegen, eine Spaltung zwischen dem Proletariat und der Bauernschaft zuwege bringen? - das war damals die Frage. Jetzt können wir sagen, dass wir auf diesem Gebiet im Großen und Ganzen bereits entscheidende Erfolge zu verzeichnen haben. Höchstens Blinde oder Narren können das leugnen.

Jetzt aber gewinnt die Frage „Wer - wen“ schon einen anderen Charakter. Jetzt wird diese Frage hinübergetragen aus dem Gebiet des Handels auf das Gebiet der Produktion, auf das Gebiet der handwerklichen Produktion, auf das Gebiet der landwirtschaftlichen Produktion, wo das Privatkapital ein bestimmtes Gewicht hat und von wo man es systematisch verdrängen muss.

Die Aufgabe der Partei: unsere sozialistischen Kommandohöhen in allen Zweigen der Volkswirtschaft, sowohl in der Stadt als auch im Dorfe, zu erweitern und zu festigen und auf die Liquidierung der kapitalistischen Elemente in der Volkswirtschaft hinzusteuern.

2. Das Tempo der Entwicklung unserer sozialistischen Großindustrie

a) Das Wachstum der Produktion der nationalisierten Großindustrie, deren Anteil an der gesamten Industrie im Lande 77 Prozent übersteigt. War die Produktion der nationalisierten Großindustrie (in Vorkriegsrubeln) gegenüber dem Vorjahr im Jahre 1925/26 um 42,2 Prozent und 1926/27 um 18,2 Prozent gewachsen und wird sie 1927/28 um 15,8 Prozent wachsen, so wird nach den viel zu niedrigen Ansätzen des von der Staatlichen Plankommission ausgearbeiteten Fünfjahrplanentwurfs der Gesamtzuwachs in fünf Jahren 76,7 Prozent betragen, was im arithmetischen Durchschnitt einen jährlichen Produktionszuwachs von 15 Prozent bedeutet, so dass sich die Industrieproduktion 1931/32 gegenüber der Vorkriegsproduktion verdoppelt haben wird.

Nimmt man die Bruttoproduktion der gesamten Industrie des Landes, der großen (staatlichen und privaten) wie der kleinen, so wächst nach dem Fünfjahrplanentwurf der Staatlichen Plankommission die Produktion im arithmetischen Jahresdurchschnitt um ungefähr 12 Prozent, was bis 1931/32 eine Gesamtsteigerung der industriellen Produktion gegenüber der Vorkriegszeit um fast 70 Prozent ergibt.

In Amerika betrug die jährliche Zunahme der gesamten industriellen Produktion in den fünf Jahren 1890-1895 8,2 Prozent, in den fünf Jahren 1895-1900 5,2 Prozent, in den fünf Jahren 1900-1905 2,6 Prozent und in den fünf Jahren 1905-1910 3,6 Prozent. In Rußland betrug die durchschnittliche Jahreszunahme in den zehn Jahren 1895-1905 10,7 Prozent, in den acht Jahren 1905-1913 8,1 Prozent.

Der Prozentsatz der jährlichen Produktionssteigerung unserer sozialistischen Industrie wie auch der gesamten Industrie ist ein Rekordsatz, wie ihn kein einziges großes kapitalistisches Land in der Welt aufzuweisen hat.

Und das alles, obgleich sowohl die amerikanische als auch besonders die russische Industrie vor dem Kriege durch einen mächtigen Zustrom von ausländischem Kapital reichlich befruchtet wurde, während unsere nationalisierte Industrie auf ihre eigenen Akkumulationen angewiesen ist.

Und das alles, obgleich unsere nationalisierte Industrie bereits in die Periode der Rekonstruktion eingetreten ist, in der die Neuausrüstung der alten Betriebe und die Errichtung neuer die entscheidende Bedeutung erlangt für die Zunahme der industriellen Produktion.

Was das Entwicklungstempo betrifft, so holt unsere Industrie überhaupt, unsere sozialistische Industrie im Besonderen, die Industrie der kapitalistischen Länder ein, ja überholt sie.

b) Wodurch ist dieses beispiellose Entwicklungstempo unserer Großindustrie zu erklären?

Erstens dadurch, dass sie eine nationalisierte Industrie ist, also frei ist von den eigennützigen und gesellschaftsfeindlichen Interessen der privat-kapitalistischen Gruppen und die Möglichkeit hat, sich im Interesse der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit zu entwickeln.

Zweitens dadurch, dass sie die größte und konzentrierteste Industrie der ganzen Welt ist, weshalb sie alle Möglichkeiten hat, die privatkapitalistische Industrie zu schlagen.

Drittens dadurch, dass der Staat, der das nationalisierte Verkehrswesen, das nationalisierte Kreditwesen, den nationalisierten Außenhandel, den gesamten Staatshaushalt in seinen Händen hält, alle Möglichkeiten hat, die nationalisierte Industrie planmäßig als einheitliche industrielle Wirtschaft zu leiten, was gegenüber jeder anderen Industrie einen gewaltigen Vorzug bietet und ihr Entwicklungstempo um ein Vielfaches beschleunigt.

Viertens dadurch, dass die nationalisierte Industrie als die größte und leistungsfähigste Industrie alle Möglichkeiten hat, eine Politik ständiger Senkung der Selbstkosten, der Herabsetzung ihrer Lieferpreise und der Verbilligung ihrer Produktion durchzuführen, wodurch sie den Markt für ihre Erzeugnisse erweitert, die Aufnahmefähigkeit des inneren Marktes steigert und sich eine immer reichlicher fließende Quelle der weiteren Produktionsentwicklung schafft.

Fünftens dadurch, dass sich die nationalisierte Industrie aus vielen Gründen, unter anderem auch, weil sie eine Politik der Preissenkung treibt, unter Bedingungen entwickeln kann, wie sie die allmähliche Annäherung zwischen Stadt und Land, zwischen Proletariat und Bauernschaft ihr bietet, im Gegensatz zur kapitalistischen Industrie, die sich in einer Atmosphäre wachsender Feindseligkeit zwischen der bourgeoisen Stadt, die der Bauernschaft das Mark aussaugt, und dem dem Ruin verfallenden Dorfe entwickelt.

Schließlich dadurch, dass die nationalisierte Industrie sich auf die Arbeiterklasse, als den Hegemon unserer gesamten Entwicklung, stützt, so dass sie die Möglichkeit hat, die Technik überhaupt, die Arbeitsproduktivität insbesondere leichter zu heben, die Produktion und die Verwaltung mit Unterstützung der breitesten Massen der Arbeiterklasse zu rationalisieren, was beim kapitalistischen Industriesystem nicht der Fall ist und nicht der Fall sein kann.

Ein unanfechtbarer Beweis für all dies ist die rasche Entwicklung unserer Technik in den letzten zwei Jahren und die rasche Entwicklung neuer Industriezweige (Maschinenbau, Werkbankbau, Turbinenbau, Automobil- und Flugzeugbau, chemische Industrie usw.).

Ein Beweis dafür ist auch die bei uns durchgeführte Rationalisierung der Produktion bei gleichzeitiger Verkürzung des Arbeitstages (Siebenstundentag) und bei ständiger Hebung der materiellen und kulturellen Lage der Arbeiterklasse, was unter dem kapitalistischen Wirtschaftssystem nicht der Fall ist und nicht der Fall sein kann.

Das beispiellose Entwicklungstempo unserer sozialistischen Industrie ist ein direkter, unbestreitbarer Beweis dafür, dass das sowjetische System der Produktion dem kapitalistischen System überlegen ist.

Lenin hatte recht, als er schon im September 1917, vor der Eroberung der Macht durch die Bolschewiki, erklärte, wir könnten und müssten nach Errichtung der Diktatur des Proletariats „die fortgeschrittenen Länder auch ökonomisch einholen und überholen“. (4. Ausgabe, Bd. 25, S. 338 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 130].)

Die Aufgabe der Partei: das erreichte Entwicklungstempo der sozialistischen Industrie zu halten und es in nächster Zukunft weiter zu steigern, damit die günstigen Vorbedingungen geschaffen werden, die notwendig sind, um die fortgeschrittenen kapitalistischen Länder einholen und überholen zu können.

3. Das Tempo der Entwicklung unserer Landwirtschaft

a) Auf dem Lande haben wir dagegen ein verhältnismäßig langsames Anwachsen der Produktion. War die Bruttoproduktion (in Vorkriegsrubeln) gegenüber dem Vorjahr im Jahre 1925/26 um 19,2 Prozent und 1926/27 um 4,1 Prozent gewachsen und wird sie 1927/28 um 3,2 Prozent wachsen, so wird nach den viel zu niedrigen Ansätzen des von der Staatlichen Plankommission ausgearbeiteten Fünfjahrplanentwurfs der Produktionszuwachs in fünf Jahren 24 Prozent betragen, was im arithmetischen Durchschnitt einen jährlichen Produktionszuwachs von 4,8 Prozent bedeutet, so dass die landwirtschaftliche Produktion, 1931/32 um 28-30 Prozent über der Vorkriegsproduktion liegen wird.

Das ist ein mehr oder weniger leidlicher Jahreszuwachs der landwirtschaftlichen Produktion. Er kann jedoch weder als eine Rekordleistung im Vergleich mit den kapitalistischen Ländern bezeichnet werden noch als hinreichend, um in Zukunft das notwendige Gleichgewicht zwischen der Landwirtschaft und unserer nationalisierten Industrie aufrechtzuerhalten.

In den Vereinigten Staaten von Nordamerika betrug der jährliche Zuwachs der landwirtschaftlichen Bruttoproduktion in den zehn Jahren 1890-1900 9,3 Prozent, in den zehn Jahren 1900-1910 3,1 Prozent und in den zehn Jahren 1910-1920 1,4 Prozent. Im Rußland der Vorkriegszeit betrug der jährliche Zuwachs der landwirtschaftlichen Produktion in dem Jahrzehnt 1900-1911 3,2 bis 3,5 Prozent.

Allerdings wird der jährliche Zuwachs unserer landwirtschaftlichen Produktion in den fünf Jahren 1926/27 bis 1931/32 4,8 Prozent betragen, wobei, wie zu ersehen ist, die prozentuale Zunahme der landwirtschaftlichen Produktion unter sowjetischen Verhältnissen größer ist als in der Periode des kapitalistischen Rußlands. Man darf jedoch nicht vergessen, dass, während die Bruttoproduktion der nationalisierten Industrie im Jahre 1931/32 gegenüber der Vorkriegsproduktion verdoppelt sein und die gesamte Industrieproduktion im Jahre 1931/32 das Vorkriegsniveau um ungefähr 70 Prozent überschreiten wird, die landwirtschaftliche Produktion zu diesem Zeitpunkt die Vorkriegsproduktion erst um 28-30 Prozent, das heißt um weniger als ein Drittel, überschritten haben wird.

Infolgedessen kann das Entwicklungstempo unserer Landwirtschaft nicht als hinlänglich zufrieden stellend bezeichnet werden.

b) Wodurch ist ein solches, im Vergleich zu dem Entwicklungstempo unserer nationalisierten Industrie relativ langsames Entwicklungstempo der Landwirtschaft zu erklären?

Es erklärt sich sowohl durch die außerordentliche Rückständigkeit unserer landwirtschaftlichen Technik als auch durch das zu niedrige Kulturniveau des Dorfes, ferner aber besonders dadurch, dass unsere zersplitterte landwirtschaftliche Produktion nicht über die Vorzüge verfügt, die unsere vereinigte nationalisierte Großindustrie besitzt. Vor allem ist die landwirtschaftliche Produktion nicht nationalisiert und nicht zusammengefasst, sondern in durcheinander gewürfelte Stücke zersplittert. Sie wird nicht planmäßig betrieben und unterliegt vorläufig noch zum größten Teil der Anarchie der Kleinproduktion. Sie ist nicht zusammengeschlossen und nicht durch Kollektivierung zu größeren Einheiten zusammengefasst, weshalb sie noch einen günstigen Boden für die Ausbeutung durch kulakische Elemente bietet. Diese Umstände berauben die zersplitterte Landwirtschaft jener kolossalen Vorzüge einer zusammengefassten, planmäßig betriebenen Großproduktion, wie sie unsere nationalisierte Industrie besitzt.

Wo ist der Ausweg für die Landwirtschaft? Vielleicht in der Verlangsamung des Entwicklungstempos unserer Industrie überhaupt, unserer nationalisierten Industrie im Besonderen? Auf keinen Fall! Das wäre die reaktionärste antiproletarische Utopie. (Zurufe: „Sehr richtig!“) Die nationalisierte Industrie muss und wird sich in beschleunigtem Tempo entwickeln. Darin liegt die Garantie für unseren Vormarsch zum Sozialismus. Darin liegt die Garantie dafür, dass unsere Landwirtschaft selbst schließlich industrialisiert werden wird.

Wo ist nun der Ausweg? Der Ausweg liegt im Übergang der kleinen, zersplitterten Bauernwirtschaften zu großen, zusammengeschlossenen Wirtschaften auf der Grundlage der gesellschaftlichen Bodenbestellung, im Übergang zur kollektiven Bodenbestellung auf der Grundlage der modernen, höheren Technik.

Der Ausweg liegt darin, die bäuerlichen Klein- und Zwergwirtschaften allmählich, aber unentwegt, nicht durch Zwang, sondern durch Beispiel und Überzeugung zu Großwirtschaften zusammenzuschließen auf der Grundlage der gesellschaftlichen, gemeinschaftlichen, kollektiven Bodenbestellung, unter Anwendung landwirtschaftlicher Maschinen und Traktoren, unter Anwendung wissenschaftlicher Methoden zur Intensivierung der Landwirtschaft.

Andere Auswege gibt es nicht.

Anders wird unsere Landwirtschaft nie imstande sein, die in landwirtschaftlicher Beziehung am weitesten fortgeschrittenen kapitalistischen Länder (Kanada usw.) einzuholen oder gar zu überholen.

Alle unsere Maßnahmen zur Einschränkung der kapitalistischen Elemente der Landwirtschaft, zur Entwicklung der sozialistischen Elemente im Dorfe, zur Einbeziehung der Bauernwirtschaften in den Strom der Genossenschaftsentwicklung, zur planmäßigen Einwirkung des Staates auf das Dorf mit dem Ziel, die bäuerliche Wirtschaft sowohl hinsichtlich der Versorgung und des Absatzes als auch hinsichtlich der Produktion zu erfassen - alle diese Maßnahmen sind zwar entscheidende, aber doch nur vorbereitende Maßnahmen für die Hinüberleitung der Landwirtschaft in die Bahnen des Kollektivismus.

c) Was hat die Partei in den letzten zwei Jahren in dieser Richtung getan? Nicht wenig. Aber bei weitem noch nicht alles, was getan werden konnte.

Was die Erfassung der Landwirtschaft sozusagen von außen betrifft, die Versorgung der Landwirtschaft mit den notwendigen Waren und den Absatz der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, so haben wir folgende Errungenschaften zu verzeichnen: Die landwirtschaftlichen Genossenschaften vereinigen jetzt ungefähr ein Drittel aller Bauernhöfe; die Konsumgenossenschaften haben ihren Anteil an der Versorgung des Dorfes von 25,6 Prozent im Jahre 1924/25 auf 50,8 Prozent im Jahre 1926/27 vergrößert; die genossenschaftlichen und staatlichen Organe haben ihren Anteil am Absatz der landwirtschaftlichen Produktion von 55,7 Prozent im Jahre 1924/25 auf 63 Prozent im Jahre 1926/27 erhöht.

Was die Erfassung der Landwirtschaft sozusagen von innen, die landwirtschaftliche Produktion, betrifft, so haben wir auf diesem Gebiet erschreckend wenig getan. Es genügt zu sagen, dass die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften gegenwärtig nur etwas über 2 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Produktion liefern und etwas über 7 Prozent der Warenproduktion.

Hierfür gibt es natürlich nicht wenig Ursachen, sowohl objektive als auch subjektive. Ungeschicktes Herangehen an die Sache, ungenügende Aufmerksamkeit unserer Funktionäre für diese Aufgabe, Konservatismus und Rückständigkeit der Bauern, Mangel an Mitteln, die notwendig sind, um die Umstellung der Bauern auf gesellschaftliche Bodenbestellung finanzieren zu können usw. Und hier sind nicht wenig Mittel erforderlich.

Lenin sagte auf dem X. Parteitag, dass wir noch nicht die Fonds besitzen, die notwendig sind, um die Landwirtschaft dem staatlichen oder kollektiven Prinzip unterordnen zu können. Ich glaube, dass wir jetzt diese Fonds haben werden, und sie müssen mit der Zeit anwachsen. Indessen nimmt die Sache nun eine derartige Wendung, dass es ohne Zusammenfassung der zersplitterten Bauernwirtschaften, ohne Umstellung dieser Wirtschaften auf gesellschaftliche Bodenbestellung unmöglich ist, die Intensivierung und Maschinisierung der Landwirtschaft ernstlich vorwärtszutreiben, dass es unmöglich ist, die Sache derart zu organisieren, dass unsere Landwirtschaft imstande wäre, in ihrem Entwicklungstempo solche kapitalistischen Länder wie zum Beispiel Kanada einzuholen.

Es ist deshalb unsere Aufgabe, die Aufmerksamkeit unserer Funktionäre im Dorf auf diese wichtige Sache zu konzentrieren.

Ich glaube, dass die Ausleihstellen bei den Organen der Landwirtschaftskommissariate und der landwirtschaftlichen Genossenschaften hier die größte Rolle spielen müssen.

Hier ein Beispiel dafür, wie die Sowjetwirtschaften mitunter den Bauern helfen, zum gewaltigen Vorteil für die Bauern, zur kollektiven Bodenbestellung überzugehen. Ich denke dabei an die Vereinigung ukrainischer Sowjetwirtschaften, die die Bauern des Odessaer Bezirks mit Traktoren unterstützte, und an den unlängst in den „Iswestija“ erschienenen Dankbrief dieser Bauern für die erwiesene Hilfe. Gestatten Sie mir, diesen Brief im Wortlaut vorzulesen. (Zurufe: „Bitte!“)

„Wir Neusiedler der Dörfer ,Scwetschenko’, ,Krassin’, ,Kalinin’, ,Tscherwona Sirka’ [Morgenröte] und Woßchodjaschtscheje’ [Aufgehende Sonne] sprechen der Sowjetmacht unseren tiefsten Dank aus für die große Unterstützung, die uns beim Wiederaufbau unserer Wirtschaft erwiesen worden ist. Die meisten von uns sind arme Bauern, die keine Pferde und kein Inventar besitzen. Wir waren daher nicht imstande, den uns zugeteilten Boden zu bearbeiten, und mussten ihn den altansässigen Kulaken gegen Überlassung eines Teils der Ernte verpachten. Die Ernte war durchweg schlecht, da bekanntlich kein Pächter fremden Boden sorgfältig bearbeitet. Die geringfügigen Darlehen, die wir vom Staat bekamen, verzehrten wir, und wir wurden von Jahr zu Jahr ärmer.

In diesem Jahr kam zu uns ein Vertreter der Vereinigung ukrainischer Sowjetwirtschaften und schlug uns vor, statt Gelddarlehen zu nehmen, unseren Boden mit Traktoren bearbeiten zu lassen. Alle Neusiedler, die paar Kulaken ausgenommen, gaben ihre Zustimmung, obwohl sie kaum glaubten, dass die Arbeit wirklich sorgsam ausgeführt werden wird. Zu unserer größten Freude und zum Ärger der Kulaken pflügten die Traktoren das gesamte Neuland und Brachland um, zwecks Reinigung von Unkraut wurde fünf-, sechsmal nachgepflügt und geeggt, und schließlich wurde das ganze Feld mit einer reinen Weizensorte besät. Jetzt lachen die Kulaken nicht mehr über die Arbeit der Traktorenkolonne. In diesem Jahre hatten die Bauern in unserem Bezirk, da Regenfälle ausblieben, fast kein Wintergetreide gesät, und auf dem Boden, wo gesät wurde, ist noch nichts aufgegangen. Bei unseren Neusiedlern aber grünt auf Hunderten Deßjatinen [Deßjatine entspricht ca. 1,1 ha] Brache prächtiger Weizen, wie man ihn nicht einmal in den reichsten deutschen Kolonien antrifft.

Die Traktoren haben nicht nur die Winterweizenfläche bestellt, sondern auch auf der ganzen für Sommergetreide vorgesehenen Fläche den Herbststurz gepflügt. letzt gibt es bei uns nicht eine einzige Deßjatine ungeackerten oder verpachteten Landes mehr. Es gibt bei uns keinen einzigen armen Bauern, der nicht mehrere Deßjatinen Winterweizen auf Brache hätte.

Nachdem wir diese Arbeit der Traktoren gesehen haben, wollen wir nicht mehr als Dorfarme unseren Kleinbetrieb weiterführen, sondern haben beschlossen, eine vergesellschaftete Traktorenwirtschaft zu organisieren, in der es nicht mehr abgesonderte bäuerliche Landfetzen geben wird. Die Organisierung einer solchen Traktorenwirtschaft besorgt uns die Sowjetwirtschaft ‚Taras Schewtschenko’, mit der wir einen Vertrag abgeschlossen haben.“ („Iswestija“ Nr. 267 vom 22. November 1927.)

So schreiben die Bauern.

Recht viele solche Beispiele, Genossen, und wir könnten das Werk der Kollektivierung des Dorfes weit voranbringen.

Die Aufgabe der Partei: verstärkte Erfassung der bäuerlichen Wirtschaft durch die Genossenschaften und Staatsorgane auf dem Gebiet des Absatzes und der Versorgung und als nächste praktische Aufgabe unseres Aufbaus im Dorfe die allmähliche Hinüberleitung der zersplitterten Bauernwirtschaften in die Bahnen vereinigter Großwirtschaften, die Umstellung auf gesellschaftliche, kollektive Bodenbestellung auf Basis der Intensivierung und Maschinisierung des Ackerbaus mit Rücksicht darauf, dass dieser Entwicklungsweg das wichtigste Mittel ist zur Beschleunigung des Entwicklungstempos der Landwirtschaft und zur Überwindung der kapitalistischen Elemente im Dorfe.

*

Das sind im Großen und Ganzen unsere Ergebnisse und Errungenschaften auf dem Gebiet des wirtschaftlichen Aufbaus.

Das bedeutet nicht, dass bei uns alles gut bestellt wäre auf diesem Gebiet. Nein, Genossen, bei uns ist bei weitem nicht alles gut bestellt.

Es gibt bei uns zum Beispiel Elemente des Warenhungers. Das ist ein Minus in unserer Wirtschaft. Aber dieses Minus ist einstweilen leider noch unvermeidlich. Denn die Tatsache, dass wir die Produktion von Produktionsinstrumenten und -mitteln schneller entwickeln als die Leichtindustrie - schon diese Tatsache bedingt es, dass wir in den nächsten paar Jahren noch Elemente des Warenhungers haben werden. Wir können aber nicht anders handeln, wenn wir die Industrialisierung des Landes in jeder Weise vorwärts bringen wollen.

Es gibt Leute, zum Beispiel unsere Opposition, die das Material für ihre Ideologie aus den von Schleichhändlern gebildeten Käuferschlangen schöpfen und über Warenhunger schreien, gleichzeitig aber die Durchführung einer Politik der „Überindustrialisierung“ fordern. Aber das ist natürlich Unsinn, Genossen. So können nur Ignoranten reden. Wir können und dürfen die Schwerindustrie nicht um einer mit allen Kräften vorangetriebenen Entwicklung der Leichtindustrie willen einschränken. Ja, und außerdem kann auch die Leichtindustrie ohne eine beschleunigte Entwicklung der Schwerindustrie nicht in genügendem Maße entwickelt werden.

Man könnte die Einfuhr von Fertigwaren steigern und auf diese Weise den Warenhunger mildern, wie das die Opposition eine Zeitlang nachdrücklich verlangte. Aber das war eine Dummheit, von der die Opposition abrücken musste. Eine andere Frage ist es, wie geschickt bei uns an der Milderung der Elemente des Warenhungers gearbeitet wird, was unter unseren Verhältnissen durchaus möglich ist und von der Partei stets gefordert wurde. Ich glaube, dass gerade auf diesem Gebiet bei uns nicht alles zum Besten bestellt ist.

Ferner haben wir eine solche Tatsache wie die verhältnismäßig beträchtliche Zahl von Kapitalisten sowohl in der Industrie als auch im Handel. Das spezifische Gewicht dieser Elemente ist keineswegs so gering, wie manche Genossen es bei uns mitunter darstellen. Das ist ebenfalls ein Minus in der Bilanz unserer Wirtschaft.

Unlängst habe ich ein in jeder Beziehung interessantes Büchlein des Genossen Larin, „Das Privatkapital in der UdSSR“, gelesen. Ich möchte den Genossen empfehlen, dieses Buch zu lesen. Sie werden aus diesem Buch ersehen, wie listig und geschickt sich der Kapitalist unter der Flagge der Gewerbegenossenschaft, unter der Flagge der landwirtschaftlichen Genossenschaften, unter der Flagge dieser oder jener staatlichen Handelsorgane versteckt. Wird nun alles getan, um die kapitalistischen Elemente einzuschränken, zu vermindern und schließlich aus der Sphäre der Volkswirtschaft zu verdrängen? Ich glaube, nicht alles. Ich weiß zum Beispiel, dass es im Kleingewerbe überhaupt und im Leder- und Textilgewerbe im Besonderen nicht wenige neue Millionäre gibt, die Handwerker und überhaupt Kleinproduzenten unterjochen. Wird nun alles getan, um diese Ausbeuterelemente ökonomisch einzukreisen und zu verdrängen, dadurch, dass die Kleingewerbetreibenden mit den Genossenschaften oder mit den Staatsorganen in Verbindung gebracht werden? Man kann wohl kaum daran zweifeln, dass auf diesem Gebiet bei weitem nicht alles getan wird. Indessen ist diese Frage für uns von ernstester Bedeutung.

Wir haben ferner ein gewisses Wachstum des Kulakentums im Dorfe. Das ist ein Minus in der Bilanz unserer Wirtschaft. Wird nun alles getan, um das Kulakentum ökonomisch einzuschränken und zu isolieren? Ich glaube, nicht alles. Unrecht haben die Genossen, die da glauben, man könnte und müsste mit dem Kulaken durch administrative Maßnahmen, durch die GPU Schluss machen: befohlen, gestempelt und basta. Das ist ein leichtes, aber bei weitem nicht wirksames Mittel. Der Kulak muss durch wirtschaftliche Maßnahmen und auf dem Boden der sowjetischen Gesetzlichkeit angepackt werden. Die sowjetische Gesetzlichkeit aber ist keine leere Phrase. Das schließt natürlich die Anwendung gewisser notwendiger administrativer Maßnahmen gegen den Kulaken nicht aus. Aber die administrativen Maßnahmen dürfen nicht an die Stelle der wirtschaftlichen Maßnahmen treten. Es gilt, die ernsteste Aufmerksamkeit zu richten auf die Entstellung der Parteilinie im Kampf gegen das Kulakentum in der Praxis unserer Genossenschaftsorgane, insbesondere im landwirtschaftlichen Kreditwesen.

Wir haben ferner eine solche Tatsache wie das außerordentlich langsame Tempo der Senkung der Selbstkosten in der Industrie, der Lieferpreise für Industriewaren und besonders der Einzelhandelspreise für städtische Waren. Das ist ebenfalls ein Minus in der Bilanz unseres wirtschaftlichen Aufbaus. Es muss festgestellt werden, dass wir hier beim Apparat, beim Staats-, Genossenschafts- und Parteiapparat, auf gewaltigen Widerstand stoßen. Unsere Genossen scheinen nicht zu verstehen, dass die Politik der Herabsetzung der Preise für Industriewaren einer der wichtigsten Hebel ist zur Verbesserung unserer Industrie, zur Erweiterung des Marktes und zur Stärkung jener Quelle, dank der allein die Entfaltung unserer Industrie möglich ist. Es kann wohl kaum daran gezweifelt werden, dass nur durch rücksichtslose Bekämpfung dieser Trägheit des Apparats, seines Widerstands gegen die Durchführung der Preissenkungspolitik dieses Minus liquidiert werden kann.

Schließlich haben wir solche Minusposten wie den Wodka im Staatshaushalt, wie das außerordentlich langsame Entwicklungstempo unseres Außenhandels und den Mangel an Reserven. Ich glaube, man könnte mit einem allmählichen Abbau der Wodkaerzeugung anfangen und an Stelle des Wodkas solche Einnahmequellen wie Radio und Kino setzen. In der Tat, warum sollten wir nicht diese überaus wichtigen Mittel in die Hände nehmen und tüchtige Leute, wirkliche Bolschewiki, auf diesem Gebiet arbeiten lassen, die mit Erfolg die Sache entwickeln könnten, so dass schließlich der Abbau der Wodkaerzeugung möglich wird?

Was den Außenhandel betrifft, so scheint mir, dass eine ganze Reihe von Schwierigkeiten, die wir bei uns in der Wirtschaft haben, in dem ungenügenden Export wurzeln. Können wir den Export steigern? Ich glaube, ja. Wird nun alles getan, um den Export voll in Gang zu bringen? Ich glaube, nicht alles.

Dasselbe gilt für die Reserven. Unrecht haben die Genossen, die mitunter aus Leichtsinn, mitunter aus Unkenntnis der Dinge behaupten, wir hätten keine Reserven. Nein, Genossen, wir haben schon einige kleine Reserven. Alle Organe unseres Staates, von den Kreis- und Gouvernementsorganen bis zu den Gebiets- und Zentralorganen, bemühen sich, gewisse Reserven für den Fall der Not zusammenzubekommen. Aber diese Reserven sind gering. Das muss man zugeben. Deshalb besteht unsere Aufgabe darin, die Reserven soweit wie möglich zu vergrößern, sogar auf Kosten einiger Bedürfnisse des heutigen Tages, die mitunter eingeschränkt werden müssten.

Das, Genossen, sind die Schattenseiten unseres wirtschaftlichen Aufbaus, auf die wir unsere Aufmerksamkeit richten und die wir um jeden Preis liquidieren müssen, um in schnellerem Tempo vorwärts marschieren zu können.

4. Die Klassen, der Staatsapparat,
die kulturelle Entwicklung des Landes

Kommen wir nun von den Fragen der Wirtschaftslage des Landes zu den Fragen der politischen Lage.

a) Die Arbeiterklasse. Das zahlenmäßige Anwachsen der Arbeiterklasse und der Lohn- und Gehaltsempfänger überhaupt geht aus folgenden Zahlen hervor: 1924/25 gab es 8215000 Lohn- und Gehaltsempfänger (ohne Arbeitslose), 1926/27 10346000. Ein Zuwachs um 25 Prozent. Von diesen waren Handarbeiter, landwirtschaftliche und Saisonarbeiter eingeschlossen, im Jahre 1924/25 5448000, im Jahre 1926/27 7060000. Ein Zuwachs um 29,6 Prozent. Von diesen waren Arbeiter der Großindustrie im Jahre 1924/25 1794000, im Jahre 1926127 2388000. Ein Zu-wachs um 33 Prozent.

Die materielle Lage der Arbeiterklasse. Auf die Lohn- und Gehaltsempfänger entfielen 1924/25 24,1 Prozent des Nationaleinkommens, im Jahre 1926127 stieg dieser Anteil auf 29,4 Prozent, was den Vorkriegsanteil der Lohn- und Gehaltsempfänger am Nationaleinkommen um 30 Prozent überschreitet, während der Anteil der anderen sozialen Gruppen am Nationaleinkommen, darunter auch der Bourgeoisie, in dieser Periode zurückgegangen ist (zum Beispiel fiel der Anteil der Bourgeoisie von 5,5 auf 4,8 Prozent). Der Reallohn der Arbeiter in der gesamten Staatsindustrie belief sich 1924/25 ohne die Zuschläge auf 25,18 Moskauer Indexrubel monatlich, im Jahre 1926/27 auf 32,14 Rubel, was eine Erhöhung in zwei Jahren um 27,6 Prozent bedeutet und das Vorkriegsniveau um 5,4 Prozent überschreitet. Mit den Zuschlägen (für Sozialversicherung, kulturelle Bedürfnisse, kommunale Dienste usw.) war der Arbeitslohn 1924/25 gleich 101,5 Prozent, im Jahre 1926/27 dagegen gleich 128,4 Prozent des Vorkriegslohns. Die Sozialversicherungsfonds stiegen von 461 Millionen Rubel im Jahre 1924/25 auf 852 Millionen Rubel im Jahre 1926/27, das heißt um 85 Prozent, was die Möglichkeit bot, 513000 Personen in Erholungsheimen und Sanatorien unterzubringen, 460000 Arbeitslose und 700000 Rentner (Arbeits- und Bürgerkriegsinvaliden) zu unterstützen und kranken Arbeitern während ihrer Krankheit den vollen Arbeitslohn weiterzuzahlen.

Die Ausgaben, das heißt die Aufwendungen für den Bau von Arbeiterwohnungen betrugen vor zwei Jahren, im Jahre 1924/25, über 132 Millionen Rubel, im Jahre 1925/26 über 230 Millionen, im Jahre 1926127 282 Millionen und im Jahre 1927128 werden sie über 391 Millionen betragen, einschließlich der 50 Millionen, die auf Grund des Manifests des Zentralexekutivkomitees für diesen Zweck ausgeworfen worden sind. Insgesamt wurden in den verflossenen drei Jahren für den Bau von Arbeiterwohnungen, ohne den Bau von Eigenheimen, von der Industrie, dem Verkehrswesen, den Exekutivkomitees der Sowjets und den Genossenschaften 644,7 Millionen Rubel ausgegeben, zusammen mit den für 1927/28 bewilligten Summen aber 1036 Millionen Rubel. Diese Bewilligungen machten es möglich, in den letzten drei Jahren Wohnungen mit 4594000 Quadratmeter Wohnfläche fertig zu stellen und 257000 Arbeiter unterzubringen, zusammen mit den Familien ungefähr 900000 Personen.

Die Frage der Arbeitslosigkeit. Ich muss feststellen, dass hier eine Differenz zwischen dem Zentralrat der Gewerkschaften der Sowjetunion und dem Volkskommissariat für Arbeit besteht. Ich nehme die Zahlen des Volkskommissariats für Arbeit, weil sie das wirklich arbeitslose Element erfassen, das bei den Arbeitsnachweisen gemeldet ist. Nach den Angaben des Volkskommissariats für Arbeit ist die Zahl der Arbeitslosen in den letzten zwei Jahren von 950000 auf 1048000 gestiegen. Davon sind 16,5 Prozent Industriearbeiter, dagegen 74 Prozent geistige Arbeiter und nicht qualifizierte Arbeiter. Die Hauptquelle unserer Arbeitslosigkeit ist also in der Übervölkerung des Dorfes zu suchen, und nur eine Nebenquelle liegt in dem Umstand, dass ein bestimmtes minimales Kontingent von Industriearbeitern noch nicht in unserer Industrie untergekommen ist.

Das Fazit: eine unzweifelhafte Hebung des materiellen Niveaus der gesamten Arbeiterklasse.

Die Aufgabe der Partei: Fortsetzung der Linie, die auf die weitere Verbesserung der materiellen und kulturellen Lage der Arbeiterklasse, auf die weitere Erhöhung des Verdienstes der Arbeiterklasse gerichtet ist.

b) Die Bauernschaft. Ich glaube, zur Frage der Differenzierung der Bauernschaft brauche ich keine Zahlen anzuführen, da mein Bericht sich sowieso schon in die Länge gezogen hat, die Zahlen aber allgemein bekannt sind. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Differenzierung, die unter der proletarischen Diktatur vor sich geht, nicht gleichgesetzt werden darf mit der Differenzierung unter dem kapitalistischen Regime. Unter dem Kapitalismus wachsen die Extreme: Dorfarmut und Kulakentum, der Mittelbauer aber wird hinweggeschwemmt. Bei uns dagegen wächst die Mittelbauernschaft auf Kosten eines gewissen Teils der Dorfarmut, der zu Mittelbauern wird, es wächst der Kulak, die Dorfarmut aber vermindert sich. Diese Tatsache ist ein Beweis dafür, dass der Mittelbauer die Zentralfigur in der Landwirtschaft war und bleibt. Der Block mit den Mittelbauern, wobei die Dorfarmut unsere Stütze bildet, ist von ausschlaggebender Bedeutung für das Schicksal unseres gesamten Aufbaus, für die Diktatur des Proletariats.

Die allgemeine Hebung der materiellen Lage des Dorfes. Wir haben Zahlen über die Steigerung des Einkommens der Bauernbevölkerung. Das Einkommen der bäuerlichen Bevölkerung betrug vor zwei Jahren, im Jahre 1924/25, 3548 Millionen Rubel, 1926/27 wuchs dieses Einkommen auf 4792 Millionen Rubel, das heißt um 35,1 Prozent, während die Bauernbevölkerung in dieser Periode nur um 2,38 Prozent angewachsen ist. Das ist ein untrüglicher Gradmesser dafür, dass die materielle Lage des Dorfes sich bessert.

Dies bedeutet nicht, dass die Bauernschaft ihre materielle Lage in allen Gebieten des Landes gebessert hätte. Bekanntlich hatten wir in diesen zwei Jahren hier und da recht verschiedene Ernten, und die Folgen der Missernte von 1924 sind noch nicht völlig überwunden. Daher die staatliche Unterstützung für die werktätige Bauernschaft überhaupt und die bäuerliche Armut insbesondere. Die staatliche Unterstützung für die werktätige Bauernschaft betrug im Jahre 1925/26 373 Millionen Rubel, im Jahre 1926/27 427 Millionen Rubel. Die Sonderunterstützung für die Dorfarmut betrug im Jahre 1925/26: Bewilligungen für die ärmsten Wirtschaften 38 Millionen Rubel, Steuervergünstigungen für die armen Bauernwirtschaften 44 Millionen Rubel, Versicherungsvergünstigungen für die arme Bauernschaft 9 Millionen Rubel, insgesamt 91 Millionen Rubel. Im Jahre 1926/27 betrug die Sonderunterstützung für die arme Bauernschaft nach denselben Rubriken 39 Millionen, 52 Millionen und 9 Millionen Rubel, insgesamt rund 100 Millionen Rubel.

Das Fazit: die Verbesserung der materiellen Lage der Hauptmassen der Bauernschaft.

Die Aufgabe der Partei: Fortsetzung der Linie, die auf die weitere Verbesserung der materiellen und kulturellen Lage der Hauptmassen der Bauernschaft und vor allen Dingen der armen Bauern gerichtet ist, Stärkung des Bündnisses der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft, Hebung der Autorität der Arbeiterklasse und ihrer Partei im Dorfe.

c) Die neue Bourgeoisie. Die Intelligenz. Ein charakteristischer Zug der neuen Bourgeoisie ist der, dass sie, im Gegensatz zur Arbeiterklasse und zur Bauernschaft, keinen Grund hat, mit der Sowjetmacht zufrieden zu sein. Ihre Unzufriedenheit ist keine zufällige Erscheinung. Sie hat ihre Wurzeln im Leben.

Ich sprach vorhin über das Wachstum unserer Volkswirtschaft, ich sprach über das Wachstum unserer Industrie, über das Wachstum der sozialistischen Elemente der Volkswirtschaft, über den Rückgang der relativen Bedeutung des Privatunternehmers, über die Verdrängung der Kleinhändler. Was bedeutet das aber? Das bedeutet, dass, während unsere Industrie und unsere Handelsorgane wachsen, Zehntausende von kleinen und mittleren Kapitalisten ruiniert werden. Wie viele kleine und mittlere Läden sind in diesen Jahren geschlossen worden? Tausende. Und wie viele kleine Industrielle wurden proletarisiert? Tausende. Und wie viele Angestellte wurden beim Personalabbau aus unserem Staatsapparat entlassen? Hunderte und Tausende.

Die Vorwärtsentwicklung unserer Industrie, die Vorwärtsentwicklung unserer Handels- und Genossenschaftsorgane, die Verbesserung unseres Staatsapparats ist eine Vorwärtsentwicklung und eine Verbesserung mit einem Plus für die Arbeiterklasse, mit einem Plus für die Hauptmassen der Bauernschaft, aber mit einem Minus für die neue Bourgeoisie, mit einem Minus für die Mittelschichten überhaupt, für die städtischen Mittelschichten im besonderen. Ist es da verwunderlich, dass die Unzufriedenheit mit der Sowjetmacht unter diesen Schichten wächst? Daher die konterrevolutionären Stimmungen in diesen Kreisen. Daher die Smena-Wech-Ideologie als Modeware auf dem politischen Markt der neuen Bourgeoisie.

Es wäre jedoch falsch, wollte man glauben, dass die gesamte Angestelltenschaft, die ganze Intelligenz sich in einem Zustand der Unzufriedenheit mit der Sowjetmacht, in einem Zustand des Murrens und der Gärung befindet. Neben steigender Unzufriedenheit innerhalb der neuen Bourgeoisie haben wir die Tatsache der Differenzierung der Intelligenz, die Tatsache des Abrückens vom Smenowechismus, des Übergangs von Hunderten und Tausenden werktätiger Intellektueller zur Sowjetmacht. Diese Tatsache, Genossen, ist eine zweifellos positive Tatsache, die hervorgehoben werden muss.

Bahnbrecherin ist hier die technische Intelligenz, denn sie, die aufs engste mit dem Produktionsprozess verknüpft ist, kann nicht umhin zu sehen, dass die Bolschewiki unser Land vorwärts bringen, die Sache zum Besseren wenden. So gigantische Unternehmungen wie Wolchowstroi, Dnjeprostroi, Swirstroi, die Turkestanische Eisenbahn, der Wolga-Don-Kanal, jene ganze Reihe neuer gigantischer Betriebe, mit denen das Schicksal ganzer Schichten der technischen Intelligenz verknüpft ist, können nicht ohne einen gewissen wohltuenden Einfluss auf diese Schichten bleiben. Das ist für sie nicht nur eine Brotfrage. Das ist für sie gleichzeitig eine Sache der Ehre, eine Sache des Schöpfertums, die sie auf natürliche Weise der Arbeiterklasse, der Sowjetmacht näher bringt.

Ich rede schon gar nicht von der werktätigen Intelligenz auf dem Lande, insbesondere von der Dorflehrerschaft, die sich längst der Sowjetmacht zugewandt hat und nicht umhinkann, die Entwicklung des Schulwesens auf dem Lande zu begrüßen.

Deshalb haben wir neben steigender Unzufriedenheit unter gewissen Schichten der Intelligenz die Tatsache des Zusammenschlusses der werk-tätigen Intelligenz mit der Arbeiterklasse zu verzeichnen.

Die Aufgabe der Partei besteht darin, die auf Isolierung der neuen Bourgeoisie gerichtete Linie fortzusetzen und den Zusammenschluss der Arbeiterklasse mit der sowjetischen werktätigen Intelligenz in Stadt und Land zu festigen.

d) Der Staatsapparat und der Kampf gegen den Bürokratismus. Vom Bürokratismus wird so viel gesprochen, dass ich mich nicht weiter darüber auszulassen brauche. Dass Elemente des Bürokratismus bei uns im Staatsapparat, im Genossenschaftsapparat und im Parteiapparat vorhanden sind, darüber kann kein Zweifel bestehen. Dass die Elemente des Bürokratismus bekämpft werden müssen und dass wir so lange vor dieser Aufgabe stehen werden, als wir eine Staatsmacht haben, als ein Staat existiert - das ist ebenfalls eine Tatsache.

Man muss aber doch Grenzen kennen. Den Kampf gegen den Bürokratismus im Staatsapparat so weit treiben, bis der Staatsapparat völlig unmöglich gemacht, bis er diskreditiert ist, es bis zu Versuchen treiben, den Staatsapparat zu zerbrechen - heißt gegen den Lenin ismus angehen, heißt vergessen, dass unser Apparat ein Sowjetapparat ist, der im Vergleich mit allen anderen in der Welt vorhandenen Staatsapparaten den höchsten Typus des Staatsapparats darstellt.

Worin besteht die Stärke unseres Staatsapparats? Darin, dass er die Staatsmacht durch die Sowjets mit den Millionenmassen der Arbeiter und Bauern verbindet. Darin, dass die Sowjets eine Schule der Verwaltung für Zehntausende und Hunderttausende Arbeiter und Bauern sind. Darin, dass der Staatsapparat sich nicht von den Millionenmassen des Volkes abschließt, sondern mit ihnen durch eine Unzahl von Massenorganisationen, allen möglichen Kommissionen, Sektionen, Beratungen, Delegiertenversammlungen usw. verschmilzt, die die Sowjets umgeben und auf diese Weise eine Stütze der Organe der Staatsmacht bilden.

Worin besteht die Schwäche unseres Staatsapparats? Im Vorhandensein bürokratischer Elemente, die seine Arbeit verderben und entstellen. Um den Bürokratismus aus dem Staatsapparat zu vertreiben - und man kann ihn nicht in ein, zwei Jahren vertreiben -, muss man den Staatsapparat systematisch verbessern, ihn den Massen näher bringen, ihn durch neue, der Sache der Arbeiterklasse ergebene Leute auffrischen, ihn im Geiste des Kommunismus umgestalten, nicht aber ihn zerbrechen, nicht aber ihn diskreditieren. Lenin hatte tausendmal recht, als er sagte: „Ohne den ‚Apparat’ wären wir längst zugrunde gegangen. Ohne den systematischen und beharrlichen Kampf für die Verbesserung des Apparats werden wir zugrunde gehen, bevor wir noch die Grundlage für den Sozialismus geschaffen haben.“[81]

Ich will mich nicht über diejenigen Mängel unseres Staatsapparats verbreiten, die auch so schon ins Auge stechen. Ich denke vor allen Dingen an den „guten alten Amtsschimmel“. In meinen Händen befindet sich eine ganze Mappe voll Material über den Amtsschimmel, worin die verbrecherische Fahrlässigkeit einer Reihe von Organisationen im Gerichtswesen, in der Verwaltung, im Versicherungswesen, in den Genossenschaften und auf anderen Gebieten enthüllt wird.

Da haben wir einen Bauern, der 21mal in eine Versicherungsstelle fuhr, um sein Recht durchzusetzen, und dennoch nichts erreicht hat.

Da haben wir einen anderen Bauern, einen alten Mann von 66 Jahren, der 600 Werst zu Fuß zurücklegte, um bei der Kreisfürsorgestelle eine klare Entscheidung zu erreichen, und dennoch nichts erreicht hat.

Da haben wir eine alte Bäuerin von 56 Jahren, die auf Vorladung des Volksgerichts 500 Werst zu Fuß und 600 Werst zu Wagen zurückgelegt hat, und dennoch nicht zu ihrem Recht gekommen ist.

Solche Tatsachen gibt es in Mengen. Es lohnt nicht, sie aufzuzählen. Aber das ist eine Schmach für uns, Genossen! Wie kann man solche Schändlichkeiten dulden?

Schließlich die Tatsache der „Rückbeförderten“. Es stellt sich heraus, dass wir außer den beförderten Arbeitern, die auf verantwortliche Posten gestellt wurden, auch noch „Rückbeförderte“ haben, die von ihren eigenen Kollegen in den Hintergrund gedrängt werden, nicht weil sie unfähig wären oder nicht zu arbeiten verstünden, sondern wegen ihrer Gewissenhaftigkeit und Ehrlichkeit in der Arbeit.

Da haben wir einen Arbeiter, einen Werkzeugschlosser, der auf einen bestimmten Posten im Betrieb befördert wurde, weil er ein fähiger und unbestechlicher Mensch ist. Er arbeitet ein, zwei Jahre, arbeitet ehrlich, schafft Ordnung, beseitigt Misswirtschaft und Verschwendung. Aber dieses sein Wirken berührt die Interessen einer bestimmten trauten Kumpanei von „Kommunisten“, es stört ihre Ruhe. Und was geschieht? Die traute Kumpanei von „Kommunisten“ wirft ihm Knüppel zwischen die Beine und zwingt ihn auf diese Weise zur „Rückbeförderung“. „Du wolltest klüger sein als wir, wolltest nicht, dass wir in Ruhe leben und unser Schäfchen ins trockne bringen - zurück mit dir, mein Lieber!“

Da haben wir einen anderen Arbeiter, ebenfalls Werkzeugschlosser, Einrichter von Bolzenschneidemaschinen, der auf einen bestimmten Posten im Betrieb befördert worden ist. Er arbeitet eifrig und ehrlich. Aber durch diese Arbeit stört er manchen in seiner Ruhe. Und was geschah? Man fand einen Anlass, den „unruhigen“ Genossen loszuwerden. Wie ist nun diesem, auf verantwortliche Arbeit beförderten Genossen beim Abgang zumute, welches Gefühl erfüllt ihn? Das folgende: „überall, wo man mich hingestellt hat, war ich bemüht, das mir erwiesene Vertrauen zu rechtfertigen. Aber diese Beförderung hier, die mir so übel mitgespielt hat, die werde ich nie vergessen. Man hat mich mit Schmutz beworfen. Mein Wunsch, alles ans Tageslicht zu bringen, ist ein frommer Wunsch geblieben. Weder das Betriebskomitee noch die Werkverwaltung, noch die Zelle wollten mich auch nur anhören. Für eine Beförderung bin ich nicht mehr zu haben, und wenn man mich mit Gold überschüttete - ich gehe nirgends mehr hin.“ („Trud“[82] Nr. 128 vom 9. Juni 1927.)

Aber das ist doch eine Schmach für uns, Genossen! Wie kann man solche Schändlichkeiten dulden?

Die Aufgabe der Partei besteht darin, im Kampf gegen den Bürokratismus und für die Verbesserung des Staatsapparats solche Schändlichkeiten, von denen ich eben gesprochen habe, mit glühendem Eisen aus unserer Praxis auszubrennen.

e) Über die Lenin sche Losung der Kulturrevolution. Das sicherste Mittel gegen den Bürokratismus ist die Hebung des Kulturniveaus der Arbeiter und Bauern. Man kann den Bürokratismus im Staatsapparat schelten und heruntermachen, soviel man will, man kann den Bürokratismus in unserer Praxis brandmarken und an den Schandpfahl nageln, aber wenn es den breiten Arbeitermassen an einem bestimmten Kulturniveau fehlt, das die Möglichkeit, den Wunsch, die Fähigkeit schafft, den Staatsapparat von unten her, durch die Arbeitermassen selbst zu kontrollieren, dann wird der Bürokratismus trotz allem bestehen bleiben. Deshalb ist die kulturelle Entwicklung der Arbeiterklasse und der werktätigen Massen der Bauernschaft, nicht nur im Sinne weiterer Entwicklung der Schulbildung, wenn auch die Schulbildung die Grundlage einer jeden Kultiviertheit ist, sondern vor allem im Sinne der Erlangung von Fertigkeiten und der Fähigkeit, sich in die Verwaltung des Landes einzuarbeiten, der Haupthebel zur Verbesserung des staatlichen und jedes anderen Apparats. Darin besteht der Sinn und die Bedeutung der Lenin schen Losung von der Kulturrevolution.

Lenin sagte darüber im März 1922 vor Eröffnung unseres XI. Parteitags in seinem an Genossen Molotow adressierten Schreiben an das ZK folgendes :

„Das Wichtigste, was uns fehlt, ist Kultiviertheit, ist die Kunst, zu verwalten... Ökonomisch und politisch sichert uns die NÖP vollauf die Möglichkeit, das Fundament der sozialistischen Ökonomik zu errichten. Es kommt ‚nur’ auf die kulturellen Kräfte des Proletariats und seiner Avantgarde an.“[83]

Diese Worte Lenin s dürfen wir nicht vergessen, Genossen. (Zurufe: „Sehr richtig!“)

Daher die Aufgabe der Partei: den Kampf für den kulturellen Aufschwung der Arbeiterklasse und der werktätigen Schichten der Bauernschaft zu verstärken.

*

Welches Fazit können wir nun in Bezug auf die innerpolitische Lage unseres Landes ziehen?

Das Fazit ist, dass die Sowjetmacht die stabilste Staatsmacht der Welt ist. (Stürmischer Beifall.)

Aber wenn die Sowjetmacht die festeste Staatsmacht der Welt ist, um die jede beliebige bürgerliche Regierung uns beneiden kann, so heißt das noch nicht, dass bei uns auf diesem Gebiet alles gut bestellt ist. Nein, Genossen, bei uns gibt es manches Minus auch auf diesem Gebiet, das wir als Bolschewiki nicht verbergen können und dürfen.

Wir haben erstens die Arbeitslosigkeit. Das ist ein ernstes Minus, das wir um jeden Preis überwinden oder wenigstens auf ein Minimum reduzieren müssen.

Zweitens haben wir ernste Mängel im Bau von Wohnungen für Arbeiter, eine Wohnungskrise, die wir ebenfalls in den nächsten Jahren überwinden oder wenigstens auf ein Minimum reduzieren müssen.

Wir haben gewisse Ansätze des Antisemitismus nicht nur in bestimmten Kreisen der Mittelschichten, sondern auch unter einem gewissen Teil der Arbeiterschaft und sogar an manchen Stellen in unserer Partei. Gegen dieses Übel müssen wir, Genossen, mit aller Unerbittlichkeit ankämpfen.

Wir haben ferner ein solches Minus wie die Abschwächung des antireligiösen Kampfes.

Wir haben schließlich eine schreckliche kulturelle Rückständigkeit, nicht nur im weiteren Sinne dieses Wortes, sondern auch im engeren Sinne, im Sinne der elementaren Schulbildung, denn der Prozentsatz der Analphabeten ist in der UdSSR immer noch nicht gering.

Alle diese und ähnliche Mängel, Genossen, müssen beseitigt werden, wenn wir in mehr oder weniger beschleunigtem Tempo vorwärts schreiten wollen.

Um mit diesem Abschnitt meines Berichts zu Ende zu kommen, gestatten Sie mir, einige Worte über die charakteristischsten Ernennungen in der Berichtsperiode zu sagen. Die Ernennung der Stellvertreter des Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare der UdSSR will ich nicht berühren. Nicht berühren will ich auch die Ernennung der Volkskommissare für den Obersten Volkswirtschaftsrat, für das Handelskommissariat und für die Vereinigte Staatliche Politische Verwaltung der UdSSR. Kurz erwähnen möchte ich drei Ernennungen, die sehr bezeichnend sind. Sie wissen, dass zum Vorsitzenden des Obersten Volkswirtschaftsrates der RSFSR Lobow ernannt worden ist. Er ist Metallarbeiter. Sie wissen, dass zum Vorsitzenden des Moskauer Sowjets an Stelle von Kamenew der Metallarbeiter Uchanow gewählt worden ist. Sie wissen ferner, dass zum Vorsitzenden des Lenin grader Sowjets an Stelle von Sinowjew ebenfalls ein Metallarbeiter, Komarow, gewählt worden ist. Also bei uns sind die „Lord-Mayors“ beider Hauptstädte Metallarbeiter. (Beifall.) Allerdings sind sie keine Adligen, aber sie leiten die Wirtschaft der Hauptstädte besser als irgendein Adliger. (Beifall.) Sie werden sagen, das sei eine Tendenz zur Metallisierung. Ich glaube, daran ist nichts Schlechtes. (Zurufe: „Im Gegenteil, das ist sehr gut!“)

Wünschen wir den kapitalistischen Ländern, wünschen wir London, wünschen wir Paris, dass sie uns endlich einholen und ihre Metallarbeiter zu „Lord-Mayors“ machen. (Bei f all.)

 

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