"Stalin"

Werke

Band 10

ERKLÄRUNG FÜR DIE VERTRETER
DER AUSLÄNDISCHEN PRESSE
ÜBER DIE GEFÄLSCHTEN „ARTIKEL STALINS“

In Beantwortung einer Anfrage der Vertreter der ausländischen Presse in Moskau (Associated Press, Agentur Wolff, „Neue Freie Presse“[87] usw.) im Zusammenhang mit den gefälschten „Artikeln Stalins“ halte ich es für nötig, folgendes zu erklären.

Es besteht jetzt wohl kaum eine Notwendigkeit, die Fälscher aus dem „New York American“[88], der Agentur Wide World News oder des Anglo-American Newspaper Service zu widerlegen, die alle möglichen Märchen in Form von in Wirklichkeit nicht existierenden „Artikeln Stalins“ über die „Luftstreitkräfte“ der UdSSR, über die „Aussöhnung“ der Sowjetmacht mit der „rechtgläubigen Kirche“, über die „Rückgabe der Erdölbesitzungen“ in der UdSSR an die Kapitalisten usw. verbreiten. Es besteht keine Notwendigkeit, sie zu widerlegen, da diese Herren sich selbst in der Presse entlarven eben als berufsmäßige Fälscher, die vom Handel mit Fälschungen leben. Es genügt, die dieser Tage in der Presse abgegebenen „Erklärungen“ dieser Herren zu lesen, in denen sie versuchen, ihr gaunerisches Treiben zu „rechtfertigen“, um zu begreifen, dass wir es hier nicht mit Pressevertretern zu tun haben, sondern mit Banditen der Feder.

Dennoch bin ich bereit, auf die Anfrage der Pressevertreter zu erklären, dass

a) mir ein „Hermann Godfrey“ oder irgendwelche anderen Vertreter der ausländischen Presse, die mich interviewt haben sollen, niemals vor Augen gekommen sind;

b) ich im letzten Jahr weder diesen Herren noch irgendeinem anderen Vertreter der ausländischen Presse irgendein Interview gegeben habe;

c) ich weder im „Präsidium des Moskauer Sowjets“ noch im „Moskauer Komitee“ der Partei irgendwelche Reden über die „Rückgabe der Erdölbesitzungen“ in der UdSSR an die Kapitalisten, über die „rechtgläubige Kirche“ oder über die „Luftstreitkräfte“ der UdSSR gehalten habe;

d) ich keinerlei „Artikel“ oder „Notizen“ in diesem Sinne an die Presse gegeben habe.

Die Herren vom „New York American“, von den Wide World News und dem Anglo-American Newspaper Service betrügen die Leser mit der Behauptung, dass die gefälschten „Artikel Stalins“ seinerzeit von Moskau aus nicht dementiert worden seien. Die gefälschten „Artikel“ über die „Luftstreitkräfte“ der UdSSR und über die „Aussöhnung“ mit der „rechtgläubigen Kirche“ wurden in Moskau Ende November 1927 bekannt. Sie wurden gleich damals vom Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten als Fälschung entlarvt, worüber dem Vertreter der Associated Press in Moskau, Herrn Reswick, Mitteilung gemacht wurde. Auf Grund dessen sandte Herr Reswick gleich damals das folgende Telegramm am 1. Dezember an die Agentur Associated Press:

„Heute wurde mir im Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten erklärt, dass hier ernstlich die Frage erwogen werde, in New York gegen die Zeitung ,New York American’ und gegen die Hearst-Zeitungen überhaupt ein Gerichtsverfahren anzustrengen mit dem Ziel, der Verbreitung von Artikeln mit der Unterschrift Stalins ein Ende zu machen. Die Behörden erheben besonders heftig Einspruch gegen die Notiz im ‚New York American’ vom 6. November mit der Überschrift: ,Ausnutzung der Kirche zur Unterstützung der Sowjets’, worüber angeblich Stalin ein vertrauliches Referat in der Sitzung des Moskauer Präsidiums gehalten haben soll. Nach Mitteilung des Volkskommissariats für Auswärtige Angelegenheiten stellen diese Artikel eine reine Erfindung dar. Reswick, 1. Dezember 1927.“

Wurde dieses Telegramm in den USA abgedruckt? Und wenn nicht, warum nicht? Nicht vielleicht deshalb, weil die Veröffentlichung des Telegramms des Herrn Reswick die Einnahmequellen des amerikanischen Ungarn oder des ungarischen Amerikaners, Herrn Korda, zum Versiegen gebracht hätte?

Der „New York American“ versucht nicht zum erstenmal, aus Fälschungen mit nicht existierenden „Interviews“ und „Artikeln“ Stalins Kapital zu schlagen. Mir ist zum Beispiel bekannt, dass der „New York American“ im Juni 1927 ein gefälschtes „Interview Stalins“ mit irgendeinem Cecil Winchester anlässlich des „Bruches mit England“, über einen Verzicht auf die „Weltrevolution“, über eine Haussuchung in der Arcos usw. veröffentlicht hat. Das Ausschnittbüro Argus richtete damals in Verbindung damit die Bitte an mich, die Echtheit des „Interviews“ zu bestätigen und sein Kunde zu werden. Da ich nicht daran zweifelte, dass ich es mit einer Gaunerei zu tun hatte, sandte ich gleich damals folgendes Dementi an die New-Yorker Zeitung „Daily Worker“[89]:

„Werte Genossen! Das Ausschnittbüro Argus schickte mir einen Ausschnitt der Zeitung ‚New York American’ (vom 12. Juni 1927) mit einem Interview, das ich angeblich einem gewissen Cecil Winchester gegeben haben soll. Hiermit erkläre ich, dass mir niemals irgendein Cecil Winchester vor Augen gekommen ist, dass ich weder ihm noch irgendjemand anderem irgendein Interview gegeben habe und absolut keine Beziehungen zum ‚New York American’ habe. Wenn das Ausschnittbüro Argus kein Büro von Gaunern ist, so ist anzunehmen, dass es von Gaunern und Erpressern irregeführt worden ist, die Beziehungen zum ‚New York American’ haben. J. Stalin, 11. Juli 1927.“

Nichtsdestoweniger setzen die Fälscher aus der Organisation des Herrn Korda ihr gaunerisches Treiben fort...

Was ist der Sinn dieses Treibens? Was wollten Korda und Konsorten mit ihren Fälschungen erreichen? Vielleicht eine Sensation? Nein, nicht nur eine Sensation. Ihr Ziel ist, die Wirkung zu erschüttern, die die Delegation der UdSSR in Genf mit ihrer Deklaration über die völlige Abrüstung erzielt hat.

Werden sie ihr Ziel erreichen? Natürlich nicht! Die Fälschung wird entlarvt werden (sie ist bereits entlarvt), die Tatsachen dagegen bleiben bestehen. Die Tatsachen aber sind die, dass die UdSSR das einzige Land der Welt ist, das eine aufrichtige Friedenspolitik durchführt, dass die UdSSR das einzige Land der Welt ist, das ehrlich die Frage einer wirklichen Abrüstung gestellt hat.

Die Tatsache, dass die Agenten des Kapitals gezwungen sind, im Kampf gegen die Friedenspolitik der UdSSR alle möglichen verdächtigen Individuen und allerlei Banditen der Feder um Hilfe anzugehen - diese Tatsache demonstriert besser als alles andere die moralische Kraft und die prinzipielle Stärke der Position, die die Delegation der UdSSR in Genf in der Frage der Abrüstung bezogen hat.

J. Stalin

16. Dezember 1927.

„Prawda“ Nr. 290,
18. Dezember 1927.

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