"Stalin"

Werke

Band 11

ÜBER DIE ARBEITEN DES VEREINIGTEN
APRILPLENUMS DES ZK UND DER ZKK

Referat in der Versammlung des Aktivs
der Moskauer Organisation der KPdSU(B)
13. April 19281

(Im Referat sind einige Absätze wiederhergestellt, die seinerzeit in der Presse nicht veröffentlicht worden waren. Die Red.)

Genossen! Die soeben beendete gemeinsame Plenartagung des ZK und der ZKK[8] weist eine Besonderheit auf, durch die sie sich von den Plenartagungen der letzten zwei Jahre unterscheidet. Diese Besonderheit besteht darin, dass sie eine rein sachliche Tagung war, eine Tagung ohne innerparteilichen Kampf, eine Tagung ohne innerparteiliche Zuspitzungen.

Auf der Tagesordnung standen Fragen von größter Aktualität: die Getreidebeschaffung, die Schachty-Affäre[9], schließlich der Arbeitsplan des Politbüros und des ZK-Plenums. Wie Sie sehen, recht ernste Fragen. Und dennoch, ungeachtet dessen, nahm die Diskussion auf dem Plenum einen rein sachlichen Verlauf, und die Resolutionen wurden einstimmig angenommen.

Das erklärt sich daraus, dass es auf dem Plenum keine Opposition gab.

Das erklärt sich daraus, dass man streng sachlich, ohne fraktionelle Ausfälle, ohne Fraktionsdemagogie an die Fragen heranging. Das erklärt sich daraus, dass die Partei erst nach dem XV. Parteitag, erst nach Liquidierung der Opposition die Möglichkeit erhielt, die praktischen Fragen ernst und energisch anzupacken.

Darin besteht die positive Seite und, wenn Sie wollen, ein unschätzbares Plus der Entwicklungsphase, in die wir nach dem XV. Parteitag unserer Partei, nach der Liquidierung der Opposition eingetreten sind.

I
ÜBER SELBSTKRITIK

Charakteristisch für die Arbeit des Plenums, für die Diskussionsreden und die Resolutionen des Plenums ist die Tatsache, dass die Arbeit des Plenums von Anfang bis Ende im Zeichen schärfster Selbstkritik stand. Mehr noch, die Erörterung keiner einzigen Frage auf dem Plenum, keine einzige Rede entbehrte der Kritik an den Mängeln unserer Arbeit, der Selbstkritik unserer Organisationen. Kritik an unseren Mängeln, ehrliche und bolschewistische Selbstkritik der Partei-, Sowjet- und Wirtschaftsorganisationen - das war der allgemeine Grundton der Arbeit des Plenums.

Ich weiß, es gibt in den Reihen der Partei Leute, die gegen Kritik im Allgemeinen und gegen Selbstkritik im Besonderen eine Abneigung haben. Diese Leute, die ich „lackierte“ Kommunisten nennen möchte (Heiterkeit), drücken sich in einem fort vor Selbstkritik und murren: Schon wieder diese verfluchte Selbstkritik, wieder dieses Hervorkehren unserer Mängel - kann man uns denn nicht in Ruhe lassen? Es ist klar, dass diese „lackierten“ Kommunisten mit dem Geist unserer Partei, mit dem Geist des Bolschewismus nichts gemein haben. In Anbetracht dieser Stimmungen bei Leuten, die weit davon entfernt sind, sich für Selbstkritik zu begeistern, sei nun die Frage gestattet: Brauchen wir Selbstkritik, woher kommt sie, und welchen Nutzen bringt sie?

Ich denke, Genossen, die Selbstkritik brauchen wir wie die Luft, wie das Wasser. Ich denke, unsere Partei könnte ohne sie, ohne die Selbstkritik, nicht vorwärts schreiten, sie könnte unsere Gebrechen nicht aufdecken, sie könnte unsere Mängel nicht beseitigen. Und Mängel gibt es hei uns viel. Das muss offen und ehrlich zugegeben werden.

Die Losung der Selbstkritik darf nicht als neue Losung betrachtet werden. Sie liegt im Wesen der bolschewistischen Partei selbst begründet. Sie liegt im Wesen des Regimes der Diktatur des Proletariats begründet.

Wenn unser Land das Land der Diktatur des Proletariats ist und die Diktatur von einer Partei, der Partei der Kommunisten, geleitet wird, die die Macht mit anderen Parteien nicht teilt noch teilen kann - ist es dann nicht klar, dass wir selber unsere Fehler aufdecken und korrigieren müssen, wenn wir vorwärts schreiten wollen, ist es dann nicht klar, dass es sonst niemand gibt, der sie aufdecken und korrigieren könnte? Ist es nicht klar, Genossen, dass die Selbstkritik eine der gewichtigsten Kräfte sein muss, die unsere Entwicklung vorantreiben?

Die Losung der Selbstkritik hat nach dem XV. Parteitag eine besonders starke Verbreitung erhalten. Warum? Weil nach dem XV. Parteitag, auf dem die Opposition liquidiert wurde, in der Partei eine neue Situation entstanden ist, die wir nicht unberücksichtigt lassen können.

Worin besteht das Neue der Situation? Darin, dass es bei uns keine oder fast keine Opposition mehr gibt, darin, dass angesichts des leichten Sieges über die Opposition, der an sich ein sehr großes Plus für die Partei bedeutet, in der Partei die Gefahr entstehen kann, dass man sich auf den Lorbeeren ausruht, sich der Sorglosigkeit hingibt und vor den Mängeln unserer Arbeit die Augen verschließt.

Der leichte Sieg über die Opposition ist ein gewaltiges Plus für unsere Partei. Aber er hat auch bestimmte negative Seiten, die darin bestehen, dass in der Partei das Gefühl der Selbstzufriedenheit, das Gefühl der Selbstgefälligkeit Platz greifen kann und dass sie beginnt, auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Was aber bedeutet auf den Lorbeeren ausruhen? Das bedeutet auf unsern Vormarsch ein für allemal verzichten. Damit es aber nicht dazu kommt, brauchen wir die Selbstkritik - nicht jene gehässige und im Grunde genommen konterrevolutionäre Kritik, die die Opposition übte, sondern eine ehrliche und offene Kritik, eine bolschewistische Selbstkritik.

Der XV. Parteitag hat diesem Umstand Rechnung getragen, als er die Losung der Selbstkritik ausgab. Seitdem ist die Welle der Selbstkritik im Ansteigen begriffen und hat auch der Arbeit des Aprilplenums des ZK und der ZKK ihren Stempel aufgedrückt.

Es wäre seltsam, wollten wir uns davor fürchten, dass unsere Feinde, die inneren sowohl wie die äußeren, die Kritik an unseren Mängeln benutzen könnten, um großes Geschrei zu erheben: Aha, bei ihnen, bei den Bolschewiki, ist nicht alles zum besten bestellt. Es wäre seltsam, wollten wir Bolschewiki uns vor all dem fürchten. Die Stärke des Bolschewismus besteht ja gerade darin, dass er sich nicht fürchtet, seine Fehler einzugestehen. Mag die Partei, mögen die Bolschewiki, mögen alle ehrlichen Arbeiter und werktätigen Elemente unseres Landes die Mängel unserer Arbeit, die Mängel unseres Aufbaus aufdecken, mögen sie die Wege zur Beseitigung unserer Mängel aufzeigen, damit es in unserer Arbeit und in unserem Aufbau keinen Stillstand, keinen Sumpf, keine Fäulnis gibt, damit unsere gesamte Arbeit, unser gesamter Aufbau sich von Tag zu Tag verbessert und von Erfolg zu Erfolg schreitet. Das ist jetzt das Wichtigste. Mögen unsere Feinde über unsere Mängel schwatzen - solche Lappalien können und dürfen Bolschewiki nicht beirren.

Schließlich gibt es noch einen Umstand, der uns zur Selbstkritik drängt. Ich denke an die Frage: Massen und Führer. In letzter Zeit begannen sich bei uns gewisse eigentümliche Beziehungen zwischen den Führern und den Massen herauszubilden. Einerseits hat sich bei uns geschichtlich eine Gruppe von Führern herausgebildet und entwickelt, deren Autorität immer höher steigt und die für die Massen fast unerreichbar werden. Anderseits erfolgt der Aufstieg der Massen der Arbeiterklasse im Besonderen und der Massen der Werktätigen im Allgemeinen außerordentlich langsam, sie beginnen, von unten zu den Führern aufzuschauen, sind vom Glanz wie geblendet und fürchten sich oftmals, ihre Führer zu kritisieren.

Die Tatsache, dass sich bei uns eine Gruppe von Führern herausgebildet hat, die sehr hoch gestiegen sind und große Autorität genießen - diese Tatsache ist natürlich an sich eine große Errungenschaft unserer Partei. Es ist klar, dass ohne das Vorhandensein einer solchen autoritativen Gruppe von Führern die Leitung des großen Landes undenkbar wäre. Aber die Tatsache, dass die Führer sich bei ihrem Aufstieg von den Massen entfernen und die Massen beginnen, von unten zu ihnen aufzuschauen, ohne dass sie es wagen, sie zu kritisieren - diese Tatsache muss eine gewisse Gefahr der Loslösung der Führer von den Massen und der Entfernung der Massen von den Führern heraufbeschwören.

Diese Gefahr kann dazu führen, dass die Führer überheblich werden und sich für unfehlbar halten. Aber was kann daran gut sein, wenn die führenden Spitzen überheblich werden und anfangen, von oben auf die Massen herabzuschauen? Es ist klar, dass das zu nichts anderem führen kann als zum Untergang der Partei. Wir wollen aber vorwärts schreiten und unsere Arbeit verbessern, nicht aber die Partei zugrunde richten. Und eben, um vorwärts zu schreiten und die Beziehungen zwischen den Massen und den Führern zu verbessern, muss man das Ventil der Selbstkritik ständig offen halten, muss man den Sowjetmenschen die Möglichkeit geben, ihren Führern „den Kopf zu waschen“, sie wegen ihrer Fehler zu kritisieren, damit die Führer nicht überheblich werden und die Massen sich nicht von den Führern entfernen.

Mitunter wird die Frage der Massen und der Führer mit der Frage des Aufrückens in führende Funktionen verwechselt. Das ist falsch, Genossen. Es handelt sich nicht um das Aufrücken neuer Führer, obgleich diese Frage die ernsteste Aufmerksamkeit der Partei verdient. Es handelt sich darum, die Führer, die bereits aufgerückt sind und große Autorität genießen, zu erhalten, indem ein ständiger und unlöslicher Kontakt zwischen ihnen und den Massen hergestellt wird. Es handelt sich darum, in Form von Selbstkritik und Kritik an unseren Mängeln die breite öffentliche Meinung der Partei, die breite öffentliche Meinung der Arbeiter-klasse als lebendige und wachsame moralische Kontrolle zu organisieren, für deren Stimme die Führer, die große Autorität genießen, ein aufmerksames Ohr haben müssen, wenn sie sich das Vertrauen der Partei, das Vertrauen der Arbeiterklasse erhalten wollen.

In diesem Sinne ist die Bedeutung der Presse, unserer Partei- und Sowjetpresse wahrhaft unschätzbar. In diesem Sinne ist unbedingt die Initiative der „Prawda“ bei der Organisierung des „Listok Rabotsche-Krestjanskoi Inspekzii“[10] zu begrüßen, eines Blattes, das die Mängel unserer Arbeit einer systematischen Kritik unterzieht. Man muss nur danach streben, dass die Kritik ernst ist, dass sie in die Tiefe dringt und nicht an der Oberfläche bleibt. In diesem Sinne ist auch die Initiative der „Komsomolskaja Prawda“[11] zu begrüßen, die die Mängel unserer Arbeit ungestüm und eifrig attackiert.

Mitunter wird auf die Kritiker geschimpft, weil ihre Kritik nicht vollkommen ist, weil ihre Kritik sich mitunter nicht als hundertprozentig richtig erweist. Nicht selten wird verlangt, dass die Kritik in allen Punkten richtig sei, und wenn sie nicht in jeder Hinsicht richtig ist, beginnt man, sie zu verunglimpfen und zu schmähen.

Das ist falsch, Genossen. Das ist ein gefährlicher Irrtum. Man versuche nur, eine solche Forderung aufzustellen, und man wird Hunderten, ja Tausenden von Arbeitern, Arbeiterkorrespondenten, Dorfkorrespondenten, die unsere Fehler berichtigen wollen, die aber manchmal nicht in der Lage sind, ihre Gedanken richtig zu formulieren, den Mund verschließen. Das gäbe einen Friedhof, aber keine Selbstkritik.

Sie müssen wissen, dass die Arbeiter sich manchmal scheuen, die Wahrheit über die Mängel unserer Arbeit auszusprechen. Sie scheuen sich nicht nur, weil sie deswegen etwas „abbekommen“ können, sondern auch, weil man sich wegen einer unvollkommenen Kritik über sie „lustig machen“ kann. Wie sollte auch der einfache Arbeiter oder der einfache Bauer, der die Mängel unserer Arbeit und unserer Planung am eigenen Leibe spürt, seine Kritik nach allen Regeln der Kunst begründen können? Wenn Sie von ihnen eine hundertprozentig richtige Kritik verlangen, dann machen Sie damit die Möglichkeit jeder Kritik von unten, die Möglichkeit jeder Selbstkritik zunichte. Darum denke ich, dass man auch eine Kritik, die nur 5-10 Prozent Wahrheit enthält, begrüßen, sie aufmerksam anhören und ihren gesunden Kern berücksichtigen muss. Sonst müssten Sie, wie gesagt, all den Hunderten und Tausenden dem Sowjetregime treu ergebenen Menschen den Mund verschließen, die in der Kritik noch nicht genügend erfahren sind, aus deren Mund aber die Wahrheit selbst spricht.

Und eben, um die Selbstkritik nicht zu ersticken, sondern um sie zu entwickeln, eben deshalb ist es notwendig, jede Kritik, die von sowjetischen Menschen ausgeht, aufmerksam anzuhören, selbst wenn sie manchmal nicht völlig und nicht in allen ihren Teilen richtig ist. Nur unter diesen Bedingungen können die Massen die Überzeugung gewinnen, dass sie nicht wegen einer unvollkommenen Kritik etwas „abbekommen“ und dass man sich nicht wegen einiger Fehler in ihrer Kritik über sie „lustig machen“ wird. Nur unter dieser Voraussetzung kann die Selbstkritik wirklich Massencharakter annehmen und wirklich Massenwiderhall finden.

Es versteht sich von selbst, dass es sich hierbei nicht um „jedwede“ Kritik handelt. Die Kritik eines Konterrevolutionärs ist ebenfalls Kritik. Aber sie bezweckt die Diffamierung der Sowjetmacht, die Untergrabung unserer Industrie und die Desorganisierung unserer Parteiarbeit. Selbstverständlich ist bei uns von einer solchen Kritik nicht die Rede. Ich spreche nicht von einer solchen Kritik, sondern von einer Kritik, die von Sowjetmenschen ausgeht, einer Kritik, die sich die Verbesserung der Organe der Sowjetmacht, die Verbesserung unserer Industrie und die Verbesserung unserer Partei- und Gewerkschaftsarbeit zum Ziel setzt. Wir brauchen die Kritik zur Festigung der Sowjetmacht, nicht aber zu ihrer Schwächung. Und eben, um unser Werk zu festigen und zu verbessern, eben deshalb gibt die Partei die Losung der Kritik und Selbstkritik aus.

Was erwarten wir vor allem von der Losung der Selbstkritik, welche Ergebnisse kann sie zeitigen, wenn sie richtig und ehrlich durchgeführt wird? Sie muss zumindest zwei Ergebnisse zeitigen. Erstens muss sie die Wachsamkeit der Arbeiterklasse heben, ihre Aufmerksamkeit in Bezug auf unsere Mängel verschärfen, die Abstellung dieser Mängel erleichtern und allerhand „Überraschungen“ in unserer Aufbauarbeit unmöglich machen. Zweitens muss sie das politische Kulturniveau der Arbeiterklasse heben, muss in ihr das Gefühl entwickeln, Herr im Lande zu sein, und es erleichtern, die Arbeiterklasse in der Verwaltung des Landes zu schulen.

Haben Sie beachtet, dass nicht nur die Schachty-Affäre, sondern auch die Beschaffungskrise im Januar 1928 für viele von uns eine „Überraschung“ war? Die Schachty-Affäre ist in dieser Hinsicht besonders charakteristisch. Fünf Jahre lang konnte eine konterrevolutionäre Gruppe bürgerlicher Spezialisten, die ihre Direktiven von antisowjetischen Organisationen des internationalen Kapitals empfingen, ihr Unwesen treiben. Fünf Jahre lang wurden von unseren Organisationen alle möglichen Resolutionen und Beschlüsse verfasst und verschickt. Mit unserer Koh Lenin dustrie ging es natürlich trotzdem bergauf, da das sowjetische Wirtschaftssystem von einer solchen Lebenskraft und Stärke ist, dass es trotzdem die Oberhand gewann, trotz unserer Schlamperei und unserer Fehler, trotz der Diversionstätigkeit der Spezialisten. Fünf Jahre lang betrieb diese konterrevolutionäre Spezialistengruppe Schädlingsarbeit in unserer Industrie, sprengte Kessel, zerstörte Turbinen usw. Wir aber saßen da, als ob alles in bester Ordnung wäre. Und „plötzlich“, wie der Blitz aus heiterem Himmel, die Schachty-Affäre.

Ist das normal, Genossen? Ich denke, das ist mehr als anomal. Am Steuer sitzen und um sich schauen, um doch nichts zu sehen, bis uns die Umstände mit der Nase auf irgendeinen Übelstand stoßen - das heißt noch nicht führen. Der Bolschewismus hat eine andere Auffassung von der Führung. Um zu führen, muss man voraussehen können. Aber voraussehen, Genossen, ist nicht immer leicht.

Eine Sache ist es, wenn ein, zwei Dutzend führender Genossen um sich schauen und die Mängel in unserer Arbeit bemerken, die Arbeitermassen aber weder um sich schauen noch die Mängel bemerken wollen oder können. Hier bestehen alle Aussichten, dass ganz bestimmt mancherlei übersehen, nicht alles bemerkt wird. Etwas anderes ist es, wenn zusammen mit ein, zwei Dutzend führenden Genossen Hunderttausende und Millionen Arbeiter um sich schauen und die Mängel in unserer Arbeit bemerken, unsere Fehler aufdecken, sich aktiv in das allgemeine Aufbauwerk einschalten und Wege zur Verbesserung dieses Werks aufzeigen. Dann ist eher die Gewähr gegeben, dass es keine Überraschungen geben wird, dass negative Erscheinungen rechtzeitig erkannt und rechtzeitig Maßnahmen zur Beseitigung dieser Erscheinungen ergriffen werden.

Wir müssen es dahin bringen, dass die Wachsamkeit der Arbeiterklasse sich entwickelt, nicht aber eingeschläfert wird, dass Hunderttausende und Millionen Arbeiter sich aktiv in das allgemeine Werk des sozialistischen Aufbaus einschalten, dass Hunderttausende und Millionen Arbeiter und Bauern, und nicht nur ein Dutzend führender Männer, wachsam den Verlauf unseres Aufbaus verfolgen, auf unsere Fehler hinweisen und sie ans Tageslicht bringen. Nur unter dieser Voraussetzung wird es bei uns keine „Überraschungen“ geben. Um dies aber zu erreichen, müssen wir die Kritik an unseren Mängeln von unten her entwickeln, müssen wir die Kritik zu einer Massenkritik machen, müssen wir uns die Losung der Selbstkritik aneignen und sie in die Tat umsetzen.

Schließlich über den Aufschwung der kulturellen Kräfte der Arbeiterklasse, über die Ausbildung der für die Verwaltung des Landes notwendigen Fertigkeiten in der Arbeiterklasse im Zusammenhang mit der Verwirklichung der Losung der Selbstkritik. Lenin sagte:

„Das Wichtigste, was uns fehlt, ist Kultiviertheit, ist die Kunst, zu verwalten... Ökonomisch und politisch sichert uns die NÖP vollauf die Möglichkeit, das Fundament der sozialistischen Ökonomik zu errichten. Es kommt ‚nur’ auf die kulturellen Kräfte des Proletariats und seiner Avantgarde an.“[12]

Was bedeutet das? Das bedeutet, dass es eine der grundlegenden Aufgaben unseres Aufbaus ist, die Arbeiterklasse mit den Fertigkeiten und dem Können auszurüsten, die notwendig sind, um das Land zu verwalten, die Wirtschaft zu verwalten, die Industrie zu verwalten.

Kann man in der Arbeiterklasse diese Fertigkeiten und dieses Können ausbilden, ohne die Kräfte und Fähigkeiten der Arbeiter freizusetzen, ohne in den besten Menschen der Arbeiterklasse die Kraft und die Fähigkeit zu entwickeln, unsere Fehler zu kritisieren, auf unsere Mängel hinzuweisen und unsere Arbeit voranzutreiben? Es ist klar, dass man das nicht kann.

Was ist aber erforderlich, um die Kräfte und Fähigkeiten der Arbeiterklasse und der Werktätigen überhaupt freizusetzen und ihnen die Möglichkeit zu geben, die zur Verwaltung des Landes notwendigen Fertigkeiten zu erwerben? Dazu ist vor allem eine ehrliche und bolschewistische Verwirklichung der Losung der Selbstkritik, eine ehrliche und bolschewistische Verwirklichung der Losung der Kritik von unten an den Mängeln und Fehlern unserer Arbeit erforderlich. Was bedeutet es, wenn die Arbeiter die Möglichkeit benutzen, offen und unumwunden die Mängel in der Arbeit zu kritisieren, unsere Arbeit zu verbessern und voranzutreiben? Das bedeutet, dass die Arbeiter aktiv an der Führung des Landes, der Wirtschaft, der Industrie teilnehmen. Das aber stärkt bei den Arbeitern das Gefühl, Herr im Lande zu sein, hebt ihre Aktivität, ihre Wachsamkeit und ihr kulturelles Niveau.

Die Frage der kulturellen Kräfte der Arbeiterklasse ist eine der entscheidenden Fragen. Warum? Weil von allen herrschenden Klassen, die es bisher gegeben hat, die Arbeiterklasse als herrschende Klasse in der Geschichte eine gewisse - und nicht ganz günstige - Sonderstellung einnimmt. Alle herrschenden Klassen, die es bisher gegeben hat - die Sklavenhalter, die Grundherren, die Kapitalisten -, waren gleichzeitig Klassen der Reichen. Sie hatten die Möglichkeit, ihren Kindern die für die Verwaltung notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln. Die Arbeiterklasse unterscheidet sich von ihnen unter anderem dadurch, dass sie keine reiche Klasse ist, dass sie früher nicht die Möglichkeit hatte, ihren Kindern die für die Verwaltung notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, sie hat diese Möglichkeit erst jetzt, nach ihrem Machtantritt erhalten.

Eben hieraus ergibt sich unter anderem die Dringlichkeit, die der Frage der Kulturrevolution bei uns zukommt. Zwar hat die Arbeiterklasse der UdSSR in den zehn Jahren ihrer Herrschaft in dieser Hinsicht weit mehr zu erreichen vermocht als die Gutsbesitzer und Kapitalisten in Jahrhunderten. Aber die internationale und die innere Situation sind derart, dass die erzielten Ergebnisse bei weitem noch nicht ausreichen. Deshalb muss jedes Mittel, das den Entwicklungsstand der kulturellen Kräfte der Arbeiterklasse heben kann, jedes Mittel, das in der Arbeiterklasse die Ausbildung der Fertigkeiten und des Könnens, die zur Verwaltung des Landes, der Industrie notwendig sind, erleichtern kann - muss ein jedes derartige Mittel von uns restlos ausgenutzt werden.

Aus dem Gesagten geht jedoch hervor, dass die Losung der Selbstkritik eins der wichtigsten Mittel ist, um die kulturellen Kräfte des Proletariats zu entfalten und in der Arbeiterklasse die zur Verwaltung notwendigen Fertigkeiten auszubilden. Hieraus ergibt sich ein weiterer Grund, der dafür spricht, dass die praktische Verwirklichung der Losung der Selbstkritik eine lebenswichtige Aufgabe für uns ist.

Das sind im Allgemeinen die Gründe, die uns die Losung der Selbstkritik, als die Losung des Tages, diktieren.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Arbeit des Aprilplenums des ZK und der ZKK im Zeichen der Selbstkritik stand.

Gehen wir jetzt zur Frage der Getreidebeschaffung über.

II
DIE FRAGE DER GETREIDEBESCHAFFUNG

Vor allem einige Worte über das Wesen der Getreidebeschaffungskrise, die Anfang Januar dieses Jahres zum Ausbruch kam. Das Wesen der Sache besteht darin, dass die Getreidebeschaffung bei uns seit Oktober vergangenen Jahres zurückzugehen begann, im Dezember erreichte sie den Tiefpunkt, und Anfang Januar dieses Jahres hatten wir bei der Getreidebeschaffung ein Defizit von 130 Millionen Pud. Die Ernte war bei uns in diesem Jahr kaum schlechter als im Vorjahr, möglich, dass sie hinter der vorjährigen Ernte ein wenig zurückblieb. Vorräte aus alten Ernten gab es in diesem Jahr mehr als im Vorjahr, und überhaupt war man der Meinung, dass unser Land in diesem Jahr nicht weniger, sondern mehr Warengetreide besitzt als im Vorjahr.

Dementsprechend war denn auch der Beschaffungsplan für dieses Jahr mit einer gewissen Erhöhung gegenüber dem Plan des Vorjahrs aufgestellt worden. Trotzdem ging die Getreidebeschaffung zurück, und wir hatten im Januar 1928 ein Defizit von 130 Millionen Pud. Es entstand eine „originelle“ Lage: Getreide gibt es viel im Lande, die Getreidebeschaffung aber geht zurück, wodurch die Gefahr des Hungers in den Städten und in der Roten Armee heraufbeschworen wird.

Woraus erklärt sich diese „Originalität“ der Lage? Waltet hier nicht irgendein Zufall? Viele neigen dazu, dies so zu erklären, dass etwas versäumt wurde, dass man mit der Opposition beschäftigt gewesen sei und dieses oder jenes übersehen habe. Dass tatsächlich etwas versäumt wurde, stimmt natürlich. Aber alles damit erklären wollen, dass hier etwas versäumt wurde, heißt in einen groben Fehler verfallen. Noch weniger darf man die Getreidebeschaffungskrise mit einem Zufall erklären. Derartige Dinge passieren nicht zufällig. Das wäre eine allzu billige Erklärung.

Welches waren dann die Bedingungen, die für die Beschaffungskrise bestimmend waren?

Ich glaube, dass es bei uns mindestens drei solcher Bedingungen gab.

Erstens. Die Schwierigkeiten unseres sozialistischen Aufbaus angesichts unserer internationalen und inneren Lage. Ich denke vor allem an die Entwicklungsschwierigkeiten der städtischen Industrie. Man müsste das Dorf mit Waren aller Art überhäufen, um vom Dorf ein Maximum an landwirtschaftlichen Produkten zu bekommen. Dazu ist eine schnellere Entwicklung unserer Industrie erforderlich, als dies gegenwärtig der Fall ist. Um die Industrie aber stärker entwickeln zu können, ist ein schnelleres Tempo der sozialistischen Akkumulation erforderlich. Ein solches Akkumulationstempo zu erzielen ist aber nicht so leicht, Genossen. Daher der Mangel an Waren für das Dorf.

Ich denke ferner an die Schwierigkeiten unseres Aufbaus auf dem Lande. Die Landwirtschaft entwickelt sich langsam, Genossen. Die Landwirtschaft müsste mit Siebenmeilenschritten voranschreiten, das Getreide müsste billiger, die Ernte müsste größer werden, Düngemittel müssten in Massen angewandt werden, die maschinelle Getreideproduktion müsste sich in beschleunigtem Tempo entfalten. Aber das ist bei uns nicht der Fall und wird nicht so bald der Fall sein, Genossen.

Warum?

Weil unsere Landwirtschaft eine kleinbäuerliche Wirtschaft ist, an der sich ernsthafte Verbesserungen nur schwer vornehmen lassen. Die Statistik besagt, dass es bei uns vor dem Kriege ungefähr 16 Millionen individueller Bauernwirtschaften im ganzen Lande gab. Jetzt haben wir ungefähr 25 Millionen individueller Bauernwirtschaften. Das bedeutet, dass wir ein Land mit ausgesprochen kleinbäuerlicher Wirtschaft sind. Was aber stellt die kleinbäuerliche Wirtschaft dar? Sie stellt eine äußerst ungesicherte, äußerst primitive und unentwickelte Wirtschaft mit einer äußerst geringen Warenproduktion dar. Das aber ist der springende Punkt, Genossen. Düngemittel, Maschinen, agronomische Kenntnisse und andere Vervollkommnungen - das sind Dinge, die in Großwirtschaften mit Erfolg angewandt werden können, die aber in der kleinbäuerlichen Wirtschaft keine oder fast keine Verwendung finden. Darin besteht die Schwäche der kleinen Wirtschaft, und deshalb ist sie der Konkurrenz mit den kulakischen Großwirtschaften nicht gewachsen.

Gibt es bei uns überhaupt Großwirtschaften im Dorf, die Maschinen, Düngemittel, agronomische Kenntnisse usw. anwenden? Ja, die gibt es. Das sind erstens die Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften. Aber wir haben davon nur wenig, Genossen. Das sind zweitens die kulakischen (kapitalistischen) Großwirtschaften. Von diesen Wirtschaften gibt es in unserem Land gar nicht so wenig, und sie spielen immer noch eine beträchtliche Rolle in der Landwirtschaft.

Können wir den Weg der Förderung privater kapitalistischer Großwirtschaften im Dorfe betreten? Es ist klar, dass wir das nicht können. Daraus ergibt sich die Schlussfolgerung: alles daransetzen, um im Dorf Großwirtschaften vom Typ der Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften zu entwickeln, und dabei bemüht sein, sie zu Getreidefabriken für das ganze Land zu machen, die auf der Grundlage der modernen Wissenschaft organisiert sind. Daraus erklärt sich denn auch, dass der XV. Parteitag unserer Partei die Losung der allseitigen Entfaltung des Aufbaus von Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften ausgegeben hat.

Es wäre ein Fehler, zu glauben, dass die Kollektivwirtschaften nur aus den Schichten der Dorfarmut gebildet werden sollen. Das wäre falsch, Genossen. Unsere Kollektivwirtschaften (müssen aus armen Bauern und Mittelbauern bestehen, sie müssen nicht nur einzelne Gruppen und Grüppchen erfassen, sondern ganze Dörfer. Man muss dem Mittelbauern eine Perspektive geben und ihm zeigen, dass er die Wirtschaft am besten und am schnellsten durch die Kollektivwirtschaften entwickeln kann. Wenn der Mittelbauer nicht nach oben, in die Kulakengruppe, aufsteigen kann, ein Hinabsinken aber unvernünftig wäre, so muss man ihm die Perspektive geben, dass er die Wirtschaft durch den kollektivwirtschaftlichen Aufbau verbessern kann.

Aber Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften gibt es bei uns vorläufig nur wenig, unerhört wenig. Daher die Schwierigkeiten unseres Aufbaus auf dem Lande. Daher der unbefriedigende Stand der Getreideproduktion.

Zweitens. Daraus folgt, dass die Schwierigkeiten unseres Aufbaus in der Stadt und auf dem Lande die Grundlage bilden, auf der es zu einer Beschaffungskrise kommen kann. Das heißt aber noch nicht, dass es gerade in diesem Jahr zu einer Beschaffungskrise kommen musste. Bekanntlich bestanden diese Schwierigkeiten nicht nur in diesem Jahr, sondern auch im vergangenen Jahr - warum ist es denn gerade in diesem Jahr zu einer Beschaffungskrise gekommen? Worin liegt hier das Geheimnis?

Das Geheimnis liegt darin, dass der Kulak in diesem Jahr die Möglichkeit erhielt, diese Schwierigkeiten auszunutzen, um die Getreidepreise in die Höhe zu schrauben, eine Attacke gegen die sowjetische Preispolitik zu unternehmen und somit unsere Beschaffungsarbeit zu hemmen. Diese Schwierigkeiten auszunutzen gelang ihm aber zumindest aus zwei Gründen:

erstens, weil drei Jahre guter Ernte nicht spurlos vorübergegangen sind, der Kulak ist in dieser Zeit gewachsen, im Dorfe überhaupt, beim Kulaken im besonderen, haben sich Getreidevorräte angesammelt, und so konnte der Kulak versuchen, die Preise zu diktieren;

zweitens, weil der Kulak die Unterstützung der städtischen Spekulanten hatte, die durch ihre Spekulantenmachenschaften die Getreidepreise in die Höhe schrauben.

Das bedeutet natürlich nicht, dass der Kulak über das meiste Getreide verfügt. Die Hauptmasse, die über den größten Teil des Getreides verfügt, besteht im Wesentlichen aus Mittelbauern. Aber der Kulak hat eine gewisse wirtschaftliche Autorität im Dorfe, und in der Frage der Preise kann er den Mittelbauern bisweilen unter seinen Einfluss bringen. Daher die Möglichkeit für die Kulakenelemente des Dorfes, die Schwierigkeiten unseres Aufbaus auszunutzen, um die Getreidepreise zu Spekulationszwecken in die Höhe zu schrauben.

Was aber bedeutet es, die Getreidepreise, sagen wir, um 40-50 Prozent hinaufzuschrauben, wie es zum Beispiel die Kulaken- und Spekulantenelemente getan haben? Das bedeutet vor allem, den Reallohn der Arbeiter zu untergraben. Angenommen, wir hätten darauf den Arbeitern den Lohn erhöht. Dann hätten aber die Preise für Industriewaren erhöht werden müssen, wodurch die materielle Lage sowohl der Arbeiterklasse als auch der Dorfarmut und des Mittelbauern beeinträchtigt worden wäre. Was aber hätte das bedeutet? Das hätte die direkte und unzweifelhafte Untergrabung unserer gesamten Wirtschaftspolitik bedeutet.

Damit hätte die Sache aber noch nicht ihr Bewenden gehabt. Angenommen, wir hätten die Getreidepreise im Januar oder im Frühjahr dieses Jahres, vor der Vorbereitung zur Aussaat, etwa um 40-50 Prozent erhöht. Wozu hätte das geführt? Wir hätten dann die Rohstoffbasis unserer Industrie desorganisiert. Die Baumwollpflanzer hätten die Baumwolle liegenlassen und wären zum Getreideanbau als zu einer einträglicheren Beschäftigung übergegangen. Die Flachsbauer hätten den Flachs liegenlassen und wären gleichfalls zum Getreideanbau übergegangen. Die Rübenbauer hätten das gleiche getan. Und so weiter und so fort. Kurzum: Wir hätten die Rohstoffbasis unserer Industrie wegen der Spekulantengelüste der kapitalistischen Elemente des Dorfes untergraben.

Aber auch das wäre noch nicht alles. Hätten wir die Getreidepreise, sagen wir, im Frühjahr dieses Jahres, hinaufgeschraubt, so hätten wir die Dorfarmut, die im Frühjahr sowohl zu Ernährungszwecken als auch zur Aussaat Getreide kauft, unfehlbar ruiniert. Mit vollem Recht hätten uns die Dorfarmut und die unteren Schichten der Mittelbauern sagen können: Ihr habt uns betrogen, denn wir haben euch unser Getreide im Herbst vorigen Jahres zu niedrigen Preisen verkauft, ihr aber zwingt uns jetzt, das Getreide zu hohen Preisen zu kaufen - wen schützt ihr denn, ihr Herren Sowjetleute, die Besitzlosen oder die Kulaken?

Darum musste die Partei den auf der Linie des spekulantenmäßigen Hinaufschraubens der Getreidepreise geführten Schlag des Kulakentums mit einem Gegenschlag beantworten, der den Kulaken und Spekulanten die Lust vertreibt, die Arbeiterklasse und unsere Rote Armee mit Hunger zu bedrohen.

Drittens. Ohne Zweifel hätten die kapitalistischen Elemente des Dorfes die Schwierigkeiten unseres Aufbaus nicht in dem Maße ausnützen können, wie sie es in der Tat getan haben, und die Beschaffungskrise hätte keinen so bedrohlichen Charakter angenommen, wenn ihnen dabei nicht noch ein Umstand zu Hilfe gekommen wäre. Was ist das für ein Umstand?

Es handelt sich um die Zerfahrenheit in unseren Beschaffungsorganen, darum, dass sie nicht in einheitlicher Front vorgehen, dass sie miteinander konkurrieren, dass sie nicht gewillt sind, einen entschiedenen Kampf gegen das künstliche Hinaufschrauben der Getreidepreise zu führen.

Es handelt sich schließlich um die Trägheit unserer Parteiorganisationen in den Beschaffungsbezirken, darum, dass sie nicht gewillt sind, in die Kampagne für die Getreidebeschaffung entsprechend einzugreifen, dass sie nicht gewillt sind, einzugreifen und der Zerfahrenheit an der Beschaffungsfront ein Ende zu machen.

Berauscht von den Erfolgen der vorjährigen Beschaffungskampagne und in der Annahme, in diesem Jahr werde die Getreidebeschaffung im Selbstlauf erfolgen, überließen unsere Beschaffungs- und Parteiorganisationen alles der „Fügung Gottes“ und räumten den Kulaken- und Spekulantenelementen das Feld. Darauf hatten die Kulaken aber gerade gewartet. Es unterliegt wohl kaum einem Zweifel, dass die Beschaffungskrise ohne diesen Umstand keinen so bedrohlichen Charakter hätte annehmen können.

Man darf nicht vergessen, dass wir, das heißt unsere Organisationen, die Beschaffungsorganisationen sowohl wie auch die anderen, die Versorgung des Dorfes mit Industriewaren fast zu 80 Prozent und die Getreidebeschaffung im Dorfe fast zu 90 Prozent in der Hand haben. Es braucht nicht betont zu werden, dass uns dieser Umstand die Möglichkeit gibt, dem Kulaken im Dorfe die Bedingungen zu diktieren, vorausgesetzt, dass unsere Organisationen es verstehen, diese günstige Lage auszunutzen. Wir aber haben, statt diese günstige Lage auszunutzen, alles dem Selbstlauf überlassen und dadurch - natürlich, ohne es zu wollen - den kapitalistischen Elementen des Dorfes ihren Kampf gegen die Sowjetmacht erleichtert.

Das, Genossen, sind die Bedingungen, die für die Beschaffungskrise vom Ende vorigen Jahres bestimmend waren.

Sie sehen also, dass man die Beschaffungskrise nicht für einen Zufall halten kann.

Sie sehen, dass die Beschaffungskrise den ersten ernsthaften Vorstoß der kapitalistischen Elemente des Dorfes gegen die Sowjetmacht zum Ausdruck bringt, den sie unter den Verhältnissen der NÖP in einer der wichtigsten Fragen unseres Aufbaus, in der Frage der Getreidebeschaffung, unternehmen.

Das, Genossen, sind die klassenmäßigen Hintergründe der Getreidebeschaffungskrise.

Sie wissen, dass die Partei und die Sowjetmacht gezwungen waren, zur Liquidierung der Beschaffungskrise und zur Zügelung der Spekulantengelüste des Kulakentums eine Reihe praktischer Maßnahmen zu ergreifen. Über diese Maßnahmen wurde in unserer Presse ausführlich genug geschrieben. Darüber wird in der Resolution des vereinigten Plenums des ZK und der ZKK ziemlich eingehend gesprochen. Ich bin deshalb der Meinung, dass keine Notwendigkeit besteht, dies hier zu wiederholen.

Ich möchte nur über einige außerordentliche Maßnahmen sprechen, die in Anbetracht der außerordentlichen Verhältnisse ergriffen wurden und die natürlich wegfallen, sobald es diese außerordentlichen Verhältnisse nicht mehr gibt. Ich denke an die Anwendung des Artikels 107 des Gesetzes gegen die Spekulation. Dieser Artikel wurde vom Zentralexekutivkomitee im Jahre 1926 angenommen. Wir haben diesen Artikel im vergangenen Jahr nicht in Anwendung gebracht. Warum? Weil die Getreidebeschaffung, wie man sagt, normal verlief und zur Anwendung dieses Artikels kein Grund vorlag. Auf diesen Artikel besann man sich erst in diesem Jahr, Anfang 1928. Und man besann sich deshalb darauf, weil wir uns vor eine Reihe außerordentlicher Umstände gestellt sahen, die durch die Spekulantenmachenschaften des Kulakentums herbeigeführt worden waren und die die Gefahr einer Hungersnot heraufbeschworen. Wenn es im nächsten Beschaffungsjahr keine außerordentlichen Umstände gibt und die Beschaffung normal verläuft, dann wird der Artikel 107 selbstverständlich keine Anwendung finden. Und umgekehrt, wenn außerordentliche Umstände eintreten und die kapitalistischen Elemente wieder anfangen, „Finten“ zu machen, wird der Artikel 107 von neuem zur Anwendung gelangen.

Es wäre töricht, aus diesem Grunde von einer „Aufhebung“ der NÖP, von einer „Rückkehr“ zur Ablieferungspflicht usw. zu sprechen. An eine Aufhebung der NÖP können heute nur Feinde der Sowjetmacht denken. Für niemand ist heute die Neue Ökonomische Politik so vorteilhaft wie für die Sowjetmacht. Es gibt aber Leute, die da meinen, die NÖP bedeute nicht eine Verstärkung des Kampfes gegen die kapitalistischen Elemente, darunter auch gegen das Kulakentum, zum Zwecke ihrer Überwindung, sondern die Einstellung des Kampfes gegen das Kulakentum und die anderen kapitalistischen Elemente. Es braucht nicht betont zu werden, dass solche Leute mit dem Lenin ismus nichts gemein haben, denn für solche Leute ist in unserer Partei kein Platz und kann kein Platz sein.

Die Ergebnisse der Maßnahmen, die von der Partei und der Sowjetmacht zur Liquidierung der Lebensmittelkrise ergriffen wurden, sind Ihnen ebenfalls bekannt. Sie bestehen kurz in folgendem:

Erstens haben wir das Versäumte nachgeholt und Getreide beschafft, wobei das vorjährige Tempo der Beschaffung erreicht und stellenweise sogar überschritten wurde. Bekanntlich haben wir es fertig gebracht, in drei Monaten, von Januar bis März, mehr als 270 Millionen Pud Getreide zu beschaffen. Das ist natürlich nicht alles, was wir brauchen. Wir müssen noch mehr als 100 Millionen Pud beschaffen. Aber immerhin ist das eine Errungenschaft, die uns ermöglichte, die Beschaffungskrise zu liquidieren. Wir können jetzt mit vollem Recht sagen, dass die Partei und die Sowjetmacht an dieser Front gewaltige Erfolge erzielt haben.

Zweitens haben wir eine Gesundung, mehr oder weniger eine Gesundung unserer örtlichen Beschaffungs- und Parteiorganisationen erreicht, indem wir ihre Kampfbereitschaft in der Praxis überprüft und sie von offenkundig demoralisierten Elementen gesäubert haben, die keine Klassen im Dorfe anerkennen und es mit dem Kulaken nicht „verderben“ wollen.

Drittens haben wir die Arbeit im Dorfe verbessert, die Dorfarmut näher an uns herangezogen und die überwältigende Mehrheit der Mittelbauern fest für uns gewonnen, indem wir das Kulakentum isoliert und die wohlhabende Oberschicht der Mittelbauern ein wenig benachteiligt haben. Damit haben wir unsere alte bolschewistische Losung verwirklicht, die Lenin bereits auf dem VIII. Parteitag[13] ausgegeben hat: Stütze dich auf die Dorfarmut, verstehe es, ein festes Bündnis mit dem Mittelbauern zu schließen, stelle keine Minute lang den Kampf gegen das Kulakentum ein.

Ich weiß, dass manche Genossen diese Losung nicht besonders gern anerkennen. Es wäre merkwürdig, wollte man annehmen, das Bündnis der Arbeiter und Bauern bedeute unter den Verhältnissen der gefestigten Diktatur des Proletariats ein Bündnis der Arbeiter mit der gesamten Bauernschaft, darunter auch mit dem Kulakentum. Nein, Genossen, ein solches Bündnis propagieren wir nicht und können wir nicht propagieren. Unter den Verhältnissen der Diktatur des Proletariats, unter den Bedingungen der Festigung der Macht der Arbeiterklasse bedeutet das Bündnis der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft: sich auf die Dorfarmut stützen, Bündnis mit dem Mittelbauern, Kampf gegen das Kulakentum. Wer glaubt, das Bündnis mit der Bauernschaft bedeute unter unseren Verhältnissen ein Bündnis mit dem Kulaken, der hat mit dem Lenin ismus nichts gemein. Wer glaubt, im Dorf müsse eine Politik betrieben werden, die allen gefällt, den Reichen sowohl wie den Armen, der ist kein Marxist, sondern ein Narr, denn eine solche Politik gibt es überhaupt nicht, Genossen. (Heiterkeit, Beifall.) Unsere Politik ist eine Klassenpolitik.

Das sind im Großen und Ganzen die Ergebnisse der Maßnahmen, die wir zur Verstärkung der Getreidebeschaffung ergriffen haben.

Zweifellos gab es bei der Durchführung dieser Maßnahmen in der Praxis eine ganze Reihe von Überspitzungen und Entstellungen der Parteilinie. Eine ganze Reihe von Fällen der Entstellung unserer Politik, die infolge unserer Tölpelhaftigkeit vor allem die Dorfarmut und die Mittelbauern trafen, die unrichtige Anwendung des Artikels 107 usw. - diese Fälle sind allgemein bekannt. Wir bestrafen die Schuldigen an diesen Entstellungen mit aller Strenge und werden das auch in Zukunft tun. Es wäre aber sonderbar, wollte man wegen dieser Entstellungen die günstigen und wirklich bedeutsamen Ergebnisse der von der Partei getroffenen Maßnahmen übersehen, ohne die wir die Beschaffungskrise nicht hätten überwinden können. Wer das tut, der verschließt die Augen vor der Hauptsache und rückt Nebensächliches und Zufälliges in den Vordergrund. Wer das tut, der will die bedeutsamen Erfolge der Beschaffungskampagne gleichsam in einem Löffel Wasser ertränken, der sieht nur die Einzelfälle von Entstellungen unserer Linie, die sich keineswegs aus den von der Partei getroffenen Maßnahmen ergeben.

Gab es bei uns Umstände, die unsere Erfolge bei der Beschaffung und unseren Kampf gegen den Angriff der kapitalistischen Elemente des Dorfes erleichterten?

Ja, die gab es. Man könnte zumindest zwei solcher Umstände hervorheben.

Da ist erstens die Tatsache, dass das Eingreifen der Partei in die Beschaffungskampagne und der Schlag gegen die Kulaken- und Spekulantenelemente nach dem XV. Parteitag, nach der Liquidierung der Opposition erfolgte, nachdem die Partei durch die Zerschlagung der Parteifeinde die größte Einheit erzielt hatte. Der Kampf gegen das Kulakentum darf nicht als eine Kleinigkeit betrachtet werden. Um die Machenschaften der Kulaken und Spekulanten zu zerschlagen, ohne dass daraus irgendwelche Komplikationen im Lande entstehen, muss man eine absolut geschlossene Partei, ein absolut festes Hinterland und eine völlig feste Staatsmacht haben. Es lässt sich wohl kaum bezweifeln, dass das Vorhandensein dieser Bedingungen bedeutend dazu beitrug, dass das Kulakentum gezwungen war, auf den ersten Hieb den Rückzug anzutreten.

Da ist zweitens die Tatsache, dass es uns gelungen ist, unsere praktischen Maßnahmen zur Zügelung der Kulaken- und Spekulantenelemente mit den ureigensten Interessen der Arbeiterklasse, der Roten Armee und der Mehrheit der vermögenslosen Schichten des Dorfes zu verknüpfen. Der Umstand, dass die Kulaken- und Spekulantenelemente das Gespenst des Hungers über die werktätigen Massen in Stadt und Land heraufbeschworen und obendrein die Gesetze der Sowjetmacht verletzten (Artikel 107), dieser Umstand musste dazu führen, dass wir im Kampf gegen die kapitalistischen Elemente des Dorfes die Mehrheit des Dorfes hinter uns hatten. Der Kulak hat mit dem Getreide eine unverschämte Spekulation getrieben, er verursachte dadurch die größten Schwierigkeiten sowohl in der Stadt als auch auf dem Lande, er verletzte obendrein die Gesetze der Sowjetmacht, das heißt den Willen des Zentralexekutivkomitees der Sowjets der Arbeiter-, Bauern- und Rotarmistendeputierten - ist es da nicht klar, dass dieser Umstand die Isolierung des Kulakentums erleichtern musste?

Es entstand bis zu einem gewissen Grade die gleiche Sachlage (natürlich mit entsprechenden Vorbehalten), wie wir sie im Jahre 1921 hatten, als die Partei mit Lenin an der Spitze angesichts der Hungersnot im Lande die Frage der Konfiszierung der Kirchenschätze aufrollte, um für die hungernden Gebiete Brot zu beschaffen, und auf Grund dieser Maßnahmen eine breite antireligiöse Kampagne entfaltete, und als die Pfaffen, die sich an die Kirchenschätze klammerten, praktisch gegen die hungernden Massen auftraten und dadurch die Erbitterung der Massen gegen die Kirche im allgemeinen, gegen die religiösen Vorurteile im besonderen, gegen die Pfaffen und ihre Führer im einzelnen hervorriefen. Es gab damals solche komischen Käuze in unserer Partei, die glaubten, Lenin habe die Notwendigkeit des Kampfes gegen die Kirche erst im Jahre 1921 erkannt (Heiterkeit) und bis dahin habe er sie angeblich nicht erkannt. Das ist natürlich Unsinn, Genossen. Lenin war sich über die Notwendigkeit des Kampfes gegen die Kirche natürlich auch vor 1921 im Klaren. Aber darum ging es gar nicht. Es kam darauf an, die breite antireligiöse Massenkampagne mit dem Kampf für die ureigensten Interessen der Volksmassen zu verknüpfen und die Kampagne so zu führen, dass sie für die Massen verständlich war, dass sie von den Massen unterstützt wurde.

Dasselbe gilt für die Maßnahmen, die die Partei zu Beginn dieses Jahres im Zusammenhang mit der Getreidebeschaffungskampagne durchgeführt hat. Es gibt Leute, die glauben, die Partei habe erst jetzt die Notwendigkeit des Kampfes gegen die Kulakengefahr erkannt. Das ist natürlich Unsinn, Genossen. Die Partei war sich über die Notwendigkeit eines solchen Kampfes stets im Klaren und führte ihn nicht in Worten, sondern durch Taten. Die Besonderheit der von der Partei Anfang dieses Jahres durchgeführten Maßnahmen besteht darin, dass die Partei in diesem Jahre die Möglichkeit erhielt, den entschiedenen Kampf gegen die Kulaken- und Spekulantenelemente des Dorfes mit dem Kampf für die ureigensten Interessen der breiten Massen der Werktätigen zu verknüpfen, und es dadurch vermochte, den Kulaken zu isolieren und die Mehrheit der werktätigen Massen des Dorfes fest auf ihre Seite zu ziehen.

Die Kunst der bolschewistischen Politik besteht keineswegs darin, wahllos aus allen Geschützen an allen Fronten zu schießen, ohne die Bedingungen der Zeit und des Ortes zu berücksichtigen, ohne die Bereitschaft der Massen zur Unterstützung dieses oder jenes Schrittes der Führung zu berücksichtigen. Die Kunst der bolschewistischen Politik besteht darin, Zeit und Ort geschickt auszuwählen und alle Umstände in Betracht zu ziehen, um das Feuer an der Front zu konzentrieren, an der am raschesten die größten Ergebnisse erzielt werden können.

In der Tat, was wären heute die Ergebnisse, wenn wir den wuchtigen Schlag gegen das Kulakentum vor etwa drei Jahren geführt hätten, als wir die Mittelbauern noch nicht fest für uns gewonnen hatten, als der Mittelbauer verbittert war und unsere Vorsitzenden der Exekutivkomitees der Amtsbezirke überfiel, als die Dorfarmut über die Ergebnisse der NÖP bestürzt war, als insgesamt nur 75 Prozent der Vorkriegsfläche bebaut waren, als die Erweiterung der Produktion von Lebensmitteln und Rohstoffen auf dem Lande die grundlegende Frage für uns war, als wir noch keine ernsthafte Lebensmittel- und Rohstoffbasis für die Industrie hatten?

Ich zweifle nicht daran, dass wir dann den Kampf verloren hätten, dass es uns nicht gelungen wäre, die Anbaufläche in dem Maße zu erweitern, wie wir sie jetzt erweitert haben, dass wir die Möglichkeit der Schaffung einer Lebensmittel- und Rohstoffbasis für die Industrie untergraben, das Erstarken des Kulakentums gefördert, den Mittelbauern von uns abgestoßen hätten und dass es möglicherweise jetzt ernsteste politische Komplikationen im Lande gäbe.

Wie sah es zu Beginn dieses Jahres im Dorf aus? Wir hatten eine bis auf den Vorkriegsstand erweiterte Anbaufläche, eine erstarkte Rohstoff- und Lebensmittelbasis für die Industrie, die Mehrheit der Mittelbauern stand fest hinter der Sowjetmacht, die Dorfarmut war mehr oder minder organisiert, die Partei- und Sowjetorganisationen im Dorfe hatten ihre Arbeit verbessert und waren erstarkt. Ist es etwa nicht klar, dass nur unter diesen Bedingungen auf einen ernsten Erfolg bei der Organisierung des Schlages gegen die Kulaken- und Spekulantenelemente zu rechnen war? Ist es etwa nicht klar, dass nur Narren nicht begreifen können, welch ein Unterschied zwischen diesen zwei Situationen bei der Organisierung eines breiten Massenkampfes gegen die kapitalistischen Elemente des Dorfes besteht?

Hier haben Sie ein Beispiel dafür, wie unvernünftig es ist, wahllos aus allen Geschützen an allen Fronten zu schießen, ohne die Bedingungen der Zeit und des Ortes, ohne das Kräfteverhältnis zwischen den kämpfenden Kräften zu berücksichtigen.

So, Genossen, ist es um die Frage der Getreidebeschaffung bestellt. Gehen wir jetzt zur Frage der Schachty-Affäre über.

III
DIE SCHACHTY-AFFÄRE

Welches sind die klassenmäßigen Hintergründe der Schachty-Affäre, worin liegen die Wurzeln der Schachty-Affäre, und auf welcher klassenmäßigen Grundlage konnte diese ökonomische Konterrevolution entstehen?

Es gibt Genossen, die die Schachty-Affäre für einen Zufall halten. Sie sagen gewöhnlich: Wir haben hier tüchtig geschlafen, wir haben nicht aufgepasst, aber wenn wir nicht geschlafen hätten, so hätte es bei uns überhaupt keine Schachty-Affäre gegeben. Dass hier geschlafen wurde und tüchtig geschlafen wurde - darüber kann es keinen Zweifel geben. Aber alles damit erklären wollen bedeutet das Wesen der Sache nicht verstehen.

Was besagen die Tatsachen, die Materialien über die Schachty-Affäre?

Die Tatsachen besagen, dass die Schachty-Affäre eine ökonomische Konterrevolution ist, angezettelt von einem Teil der bürgerlichen Spezialisten, die die Koh Lenin dustrie früher beherrschten.

Die Tatsachen besagen ferner, dass diese in einer geheimen Gruppe organisierten Spezialisten von den früheren Besitzern, die sich heute in der Emigration befinden, sowie von konterrevolutionären sowjetfeindlichen kapitalistischen Organisationen des Westens Gelder für ihre Schädlingsarbeit erhielten.

Die Tatsachen besagen schließlich, dass diese Gruppe bürgerlicher Spezialisten auf Anweisungen kapitalistischer Organisationen des Westens handelte und unsere Industrie zu zerstören suchte.

Wovon zeugt nun das alles?

Das zeugt davon, dass wir es hier mit einer ökonomischen Intervention westeuropäischer sowjetfeindlicher kapitalistischer Organisationen in die Angelegenheiten unserer Industrie zu tun haben. Es gab seinerzeit eine militärisch-politische Intervention, die wir durch unseren Sieg im Bürgerkrieg zu liquidieren vermochten. Jetzt stehen wir dem Versuch einer ökonomischen Intervention gegenüber, zu deren Liquidierung wir keines Bürgerkriegs bedürfen, die wir aber trotzdem liquidieren müssen und die wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln liquidieren werden.

Es wäre töricht, anzunehmen, das internationale Kapital werde uns in Ruhe lassen. Nein, Genossen, so ist es nicht. Es existieren Klassen, es existiert das internationale Kapital, und dieses kann der Entwicklung des Landes, das den Sozialismus aufbaut, nicht ruhig zusehen. Früher glaubte das internationale Kapital, die Sowjetmacht durch eine direkte militärische Intervention stürzen zu können. Der Versuch ist misslungen. Heute ist es bestrebt und wird auch in Zukunft bestrebt sein, unsere wirtschaftliche Macht durch eine nicht sichtbare, nicht immer zu bemerkende, aber ziemlich nachhaltige ökonomische Intervention zu schwächen, indem es Schädlingsarbeit organisiert, allerlei „Krisen“ in diesem oder jenem Industriezweig vorbereitet und dadurch die Möglichkeit einer künftigen militärischen Intervention erleichtert. Hier ist alles zu einem Knoten geschürzt, zum Knoten des Klassenkampfes des internationalen Kapitals gegen die Sowjetmacht, und von irgendwelchen Zufällen kann gar keine Rede sein.

Eins von beiden:

Entweder wir werden auch in Zukunft eine revolutionäre Politik betreiben und die Proletarier und Unterdrückten aller Länder um die Arbeiterklasse der Sowjetunion scharen - und dann wird uns das internationale Kapital mit allen Mitteln in unserem Vormarsch zu stören suchen;

oder wir verzichten auf unsere revolutionäre Politik, machen dem internationalen Kapital eine Reihe prinzipieller Zugeständnisse - und dann dürfte das internationale Kapital wohl nicht abgeneigt sein, uns bei der Umwandlung unseres sozialistischen Landes in eine „gute“ bürgerliche Republik zu „helfen“.

Es gibt Leute, die glauben, wir könnten auf auswärtigem Gebiet eine Befreiungspolitik betreiben und zugleich erreichen, dass die Kapitalisten Europas und Amerikas uns dafür loben. Ich brauche nicht den Beweis zu erbringen, dass solche naiven Leute mit unserer Partei nichts gemein haben noch haben können.

England zum Beispiel verlangt von uns, dass wir zusammen mit ihm zu Raubzwecken Einflusssphären irgendwo, sagen wir in Persien, in Afghanistan oder in der Türkei, festlegen, wobei es seine Bereitschaft beteuert, mit uns „Freundschaft“ zu schließen, wenn wir auf dies Zugeständnis eingehen. Nun, vielleicht sollten wir auf dieses Zugeständnis eingehen, Genossen?

Allgemeiner Zuruf. Nein !

Stalin. Amerika verlangt, dass wir grundsätzlich auf die Politik der Unterstützung der Befreiungsbewegung der Arbeiterklasse anderer Länder verzichten, und versichert, dass alles gut sein würde, wenn wir auf ein solches Zugeständnis eingingen. Nun, Genossen, vielleicht sollten wir auf ein solches Zugeständnis eingehen?

Allgemeiner Zuruf. Nein!

Stalin. Wir könnten „freundschaftliche“ Beziehungen zu Japan herstellen, wenn wir einverstanden wären, zusammen mit ihm die Mandschurei aufzuteilen. Können wir auf dieses Zugeständnis eingehen?

Allgemeiner Zuruf. Nein!

Stalin. Oder man verlangt zum Beispiel von uns, dass wir das Außenhandelsmonopol „lockern“ und uns einverstanden erklären, alle Kriegs- und Vorkriegsschulden zu bezahlen. Vielleicht sollten wir darauf eingehen, Genossen?

Allgemeiner Zuruf. Nein!

Stalin. Aber gerade weil wir nicht auf diese und ähnliche Zugeständnisse eingehen können, ohne uns selbst aufzugeben - gerade darum müssen wir darauf gefasst sein, dass das internationale Kapital gegen uns auch in Zukunft allerlei Gemeinheiten begehen wird, ganz gleich, ob in der Art der Schachty-Affäre oder in einer anderen, ähnlichen Art.

Darin liegen die Klassenwurzeln der Schachty-Affäre.

Weshalb konnte bei uns eine militärische Intervention des internationalen Kapitals gelingen? Weil es in unserem Lande ganze Gruppen militärischer Spezialisten gab, Generale und Offiziere, Söhne von Bourgeois und Gutsbesitzern, die stets bereit waren, die Grundlagen der Sowjetmacht zu untergraben. Hätten diese Offiziere und Generale einen ernsthaften Krieg gegen die Sowjetmacht organisieren können ohne finanzielle, militärische und jegliche andere Unterstützung durch das internationale Kapital? Natürlich nicht. Hätte das internationale Kapital ohne die Hilfe dieser Gruppe weißgardistischer Offiziere und Generale eine ernsthafte Intervention organisieren können? Ich glaube nicht.

Es gab bei uns damals Genossen, die glaubten, dass die militärische Intervention ein Zufall gewesen sei, dass es, wenn wir Krasnow, Mamontow usw. nicht aus dem Gefängnis gelassen hätten, auch keine Intervention gegeben hätte. Das stimmt natürlich nicht. Dass die Freilassung Mamontows, Krasnows und anderer weißgardistischer Generale bei der Entwicklung des Bürgerkriegs eine Rolle gespielt hat - darüber kann es keinen Zweifel geben. Dass aber die Wurzeln der militärischen Intervention nicht darin, sondern in den Klassengegensätzen zwischen der Sowjetmacht einerseits und dem internationalen Kapital nebst seinen Spießgesellen, den Generalen in Rußland, anderseits liegen - darüber kann es ebenfalls keinen Zweifel geben.

Hätten einige bürgerliche Spezialisten, hätten die ehemaligen Grubenbesitzer bei uns die Schachty-Affäre organisieren können ohne finanzielle und moralische Unterstützung durch das internationale Kapital, ohne die Perspektive, dass das internationale Kapital ihnen beim Sturz der Sowjetmacht helfen würde? Natürlich nicht. Hätte das internationale Kapital bei uns eine ökonomische Intervention in der Art der Schachty-Affäre organisieren können, wenn es bei uns im Lande nicht eine Bourgeoisie und darunter eine bestimmte Gruppe bürgerlicher Spezialisten gäbe, die bereit sind, die Sowjetmacht auf jede nur erdenkliche Art zugrunde zu richten? Es ist klar, dass sie das nicht gekonnt hätten. Gibt es bei uns überhaupt Gruppen bürgerlicher Spezialisten, die sich zu einer ökonomischen Intervention, zur Untergrabung der Sowjetmacht bereit finden? Ich glaube, es gibt sie. Ich glaube nicht, dass es viele sein können. Dass es aber bei uns einige unbedeutende Gruppen konterrevolutionärer bürgerlicher Spezialisten gibt, deren Zahl viel geringer ist als während der militärischen Intervention - darüber kann es keinen Zweifel geben.

Die Vereinigung dieser beiden Kräfte gibt gerade den Boden ab für die ökonomische Intervention in der UdSSR.

Das eben sind die klassenmäßigen Hintergründe der Schachty-Affäre. Nun über die praktischen Schlussfolgerungen, die sich aus der Schachty-Affäre ergeben.

Ich möchte auf vier praktische Schlussfolgerungen eingehen, die uns die Schachty-Affäre signalisiert.

Lenin sagte, dass die Frage der Auswahl der Menschen eine der Grundfragen des Aufbaus des Sozialismus ist. Die Schachty-Affäre zeigt, dass wir unsere Wirtschaftskader schlecht ausgewählt haben und nicht nur schlecht ausgewählt, sondern diese selben Kader noch dazu in eine Lage versetzt haben, die ihr Wachstum erschwert. Man spricht von der Verordnung Nr. 33 und besonders von den sie ergänzenden „Musterrichtlinien“[14]. Die charakteristische Besonderheit dieser Musterrichtlinien besteht darin, dass sie den technischen Direktor mit fast allen Rechten ausstatten, während sie dem Betriebsleiter nur das Recht einräumen, Konflikte zu schlichten, „zu repräsentieren“ und Balalaika zu spielen. Es ist klar, dass sich unsere Wirtschaftskader unter solchen Verhältnissen nicht in genügendem Maße entwickeln konnten.

Seinerzeit war diese Verordnung absolut notwendig, denn sie wurde zu einem Zeitpunkt erlassen, als wir überhaupt keine eigenen Wirtschaftskader hatten, als wir die Industrie noch nicht zu leiten verstanden und notgedrungen die wichtigsten Rechte dem technischen Direktor einräumen mussten. Jetzt aber ist diese Verordnung zu einer Fessel geworden. Jetzt haben wir unsere eigenen Wirtschaftskader, die über Erfahrungen verfügen und sich zu wirklichen Leitern unserer Industrie entwickeln können. Und eben deshalb ist es an der Zeit, die veralteten Musterrichtlinien aufzuheben und sie durch neue zu ersetzen.

Man sagt, es sei den Kommunisten, besonders aber den kommunistischen Wirtschaftlern, die aus den Reihen der Arbeiter kommen, unmöglich, chemische Formeln zu bewältigen und überhaupt sich technische Kenntnisse anzueignen. Das ist nicht richtig, Genossen. Es gibt keine Festung auf der Welt, die die Werktätigen, die Bolschewiki nicht nehmen könnten. (Beifall.) Wir haben in unserm Kampf gegen die Bourgeoisie schon ganz andere Festungen genommen. Alles kommt darauf an, dass man den Wunsch hat, sich technische Kenntnisse anzueignen, und dass man sich mit Beharrlichkeit und bolschewistischer Geduld wappnet. Um aber die Arbeitsbedingungen unserer Wirtschaftskader zu ändern und ihnen zu helfen, wirkliche und vollberechtigte Meister ihres Fachs zu werden, ist es notwendig, die alten Musterrichtlinien aufzuheben und sie durch neue zu ersetzen. Andernfalls laufen wir Gefahr, dass unsere Kader verkümmern.

Waren etwa manche unserer Wirtschaftler, die jetzt heruntergekommen sind, früher schlechter als irgendjemand von uns? Wodurch ist es zu erklären, dass solche und ähnliche Genossen auf die schiefe Ebene kamen und sich zu zersetzen begannen, dass sie die Lebensweise der bürgerlichen Spezialisten annahmen? Das erklärt sich aus unserer falschen Wirtschaftspraxis, das erklärt sich aus der Art der Auswahl unserer Wirtschaftsfunktionäre und aus den Bedingungen ihrer Arbeit, die ihre Entwicklung erschweren, die sie in ein Anhängsel der bürgerlichen Spezialisten verwandeln. Mit einer solchen Praxis muss Schluss gemacht werden, Genossen.

Die zweite Schlussfolgerung, die uns die Schachty-Affäre signalisiert, besteht darin, dass wir die Kader in unseren technischen Hochschulen schlecht unterrichten, dass wir unsere roten Spezialisten schlecht ausbilden. Das ist eine Schlussfolgerung, um die wir auf keinen Fall herumkommen. Warum sind zum Beispiel viele unserer jungen Spezialisten ihren Aufgaben nicht gewachsen, warum taugen sie nicht für die Industrie? Weil sie nur aus Büchern gelernt haben, weil sie Spezialisten nur mit Bücherweisheiten sind, weil sie keine praktischen Erfahrungen haben, weil sie von der Produktion losgelöst sind und daher natürlich Schiffbruch erleiden. Brauchen wir aber etwa solche Spezialisten? Nein, nicht solche Spezialisten brauchen wir, mögen sie zehnmal junge Spezialisten sein. Wir brauchen Spezialisten - ganz gleich, ob Kommunisten oder nicht Kommunisten -, die nicht nur in der Theorie stark sind, sondern auch praktische Erfahrung haben und mit der Produktion verbunden sind.

Der junge Spezialist, der noch keine Grube gesehen hat und in keine Grube hinuntersteigen will, der junge Spezialist, der noch keine Fabrik gesehen hat und sich in keiner Fabrik schmutzig machen will, ein solcher Spezialist wird nie mit den alten, in der praktischen Erfahrung gestählten, aber unserer Sache feindlich gegenüberstehenden Spezialisten fertig werden. Es ist darum leicht zu erklären, dass nicht nur die alten Spezialisten und nicht nur unsere Wirtschaftler, sondern auch die Arbeiter solchen jungen Spezialisten nicht selten feindlich begegnen. Damit es aber solche Überraschungen mit den jungen Spezialisten nicht mehr gibt, muss ihre Ausbildung geändert werden, und zwar so geändert werden, dass die jungen Spezialisten gleich von ihren ersten Studienjahren in den technischen Hochschulen an mit der Produktion, mit der Fabrik, mit der Grube usw. unlöslich verbunden sind.

Die dritte Schlussfolgerung betrifft die Frage der Heranziehung der breiten Arbeitermassen zur Leitung der Industrie. Wie steht es hiermit, wenn man sich die Schachty-Materialien betrachtet? Sehr schlecht. Unerhört schlecht, Genossen. Es ist erwiesen, dass der Kodex für Arbeitsrecht verletzt, der Sechsstundentag bei Arbeiten unter Tage nicht immer eingehalten wird, dass die Arbeitsschutzbestimmungen missachtet werden. Und die Arbeiter dulden das. Die Gewerkschaften schweigen. Und die Parteiorganisationen ergreifen keine Maßnahmen, um mit diesem unerhörten Zustand Schluss zu machen.

Ein Genosse, der unlängst das Donezbecken besuchte, kroch dort in den Gruben herum und fragte die Bergarbeiter nach ihren Arbeitsbedingungen. Es ist bezeichnend, dass nicht einer der Bergarbeiter es für notwendig hielt, sich über die Bedingungen zu beklagen. „Wie geht es Ihnen, Genossen?“ fragt sie dieser Genosse. „Ganz gut, Genosse, es geht uns nicht schlecht“, antworten ihm die Bergarbeiter. „Ich fahre nach Moskau, sagen Sie mir, was soll ich dem Zentrum ausrichten?“ fragt er. „Sagen Sie dort, dass es uns nicht schlecht geht“, antworten ihm die Bergarbeiter. „Hören Sie, Genossen, ich bin doch kein Ausländer, ich bin Russe und bin hierher gekommen, um von Ihnen die Wahrheit zu erfahren“, sagt ihnen der Genosse. „Das ist uns ganz gleich, Genosse, wir sagen nur die Wahrheit sowohl den Ausländern als auch den Unsrigen“, antworten ihm die Bergarbeiter.

Da haben Sie die Physiognomie unserer Bergleute. Das sind nicht einfach Arbeiter, sondern Helden. Darin eben besteht auch der Reichtum des moralischen Kapitals, das wir in den Herzen der Arbeiter zu erwerben vermochten. Und man stelle sich nur vor, dass wir dieses unschätzbare moralische Kapital so gewissenlos und verbrecherisch vergeuden wie schlechte und untaugliche Sachwalter des großen Erbes der Oktoberrevolution! Aber, Genossen, von altem moralischem Kapital lange zehren und es so unbesonnen vergeuden - das geht nicht. Es ist Zeit, damit Schluss zu machen. Höchste Zeit!

Schließlich die vierte Schlussfolgerung, die die Kontrolle der Durchführung betrifft. Die Schachty-Affäre hat gezeigt, dass es um die Kontrolle der Durchführung bei uns auf allen Gebieten der Verwaltung unter aller Kritik schlecht bestellt ist, sowohl in der Partei als auch in der Industrie und in den Gewerkschaften. Es werden Resolutionen geschrieben, Direktiven versandt, aber niemand fühlt sich bemüßigt, zu fragen: Wie ist es aber um die Durchführung dieser Resolutionen und Direktiven bestellt, werden sie tatsächlich durchgeführt, oder werden sie zu den Akten gelegt?

Iljitsch sagte, dass eine der ernstesten Fragen bei der Verwaltung des Landes die Frage der Kontrolle der Durchführung ist. Aber gerade um diese Frage ist es bei uns unter aller Kritik schlecht bestellt. Resolutionen schreiben und Direktiven verschicken heißt noch nicht führen. Führen heißt die Durchführung der Direktiven kontrollieren und nicht nur ihre Durchführung, sondern auch die Direktiven selbst, heißt kontrollieren, ob sie vom Standpunkt der lebendigen praktischen Arbeit richtig oder falsch sind. Es wäre lächerlich, zu glauben, dass alle unsere Direktiven hundertprozentig richtig seien. So etwas gibt es nicht und kann es nicht geben, Genossen. Die Kontrolle der Durchführung besteht ja gerade darin, dass unsere Funktionäre im Feuer der praktischen Erfahrung nicht nur die Durchführung unserer Direktiven, sondern auch die Richtigkeit der Direktiven selbst überprüfen müssen. Deshalb bedeuten Mängel auf diesem Gebiet Mängel in unserer gesamten Führung.

Nehmen wir zum Beispiel die Kontrolle der Durchführung auf der reinen Parteilinie. Wir lassen gewöhnlich die Sekretäre der Bezirks- und Gouvernementskomitees zur Berichterstattung in das ZK kommen und kontrollieren die Durchführung der Direktiven des ZK. Die Sekretäre erstatten Bericht, stellen die Mängel in ihrer Arbeit fest. Das ZK kritisiert sie und fasst schablonenhafte Resolutionen mit den Weisungen, die Arbeit zu vertiefen und zu verbreitern, das und das in den Vordergrund zu rücken, dem und dem ernste Aufmerksamkeit zu schenken usw. Die Sekretäre fahren mit diesen Resolutionen zurück. Dann lassen wir sie wieder kommen, und es wiederholt sich dasselbe: Vertiefung, Verbreiterung usw., usw. Ich sage nicht, dass diese ganze Arbeit nutzlos ist. Nein, Genossen, diese Sache hat ihre guten Seiten im Sinne der Erziehung und Straffung der Organisationen. Man muss aber gestehen, dass diese Methode der Kontrolle der Durchführung bereits unzureichend ist. Man muss anerkennen, dass diese Methode durch eine andere Methode ergänzt werden muss, und zwar durch die Methode der Entsendung von führenden Partei- und Sowjetfunktionären zur Arbeit draußen im Lande. (Zuruf: „Das ist eine gute Sache!“) Ich spreche von einer Entsendung unserer führenden Genossen zu zeitweiliger Arbeit draußen im Lande, von ihrer Entsendung nicht als Kommandierende, sondern als gewöhnliche Funktionäre, die den Ortsorganisationen zur Verfügung gestellt werden. Ich denke, dass diese Sache eine große Zukunft hat und die Kontrolle der Durchführung verbessern kann, wenn sie ehrlich und gewissenhaft durchgeführt wird.

Wenn die Mitglieder des ZK, die Mitglieder des Präsidiums der ZKK, die Volkskommissare und ihre Stellvertreter, die Mitglieder des Präsidiums des Zentralrats der Gewerkschaften, die Mitglieder der Präsidien der Zentralkomitees der Gewerkschaften, wenn sie systematisch ins Land hinausfahren und an Ort und Stelle arbeiten, um einen Einblick in die Arbeit zu gewinnen, um alle Schwierigkeiten, alle negativen und positiven Seiten kennen zu lernen - dann wird dies, das versichere ich Ihnen, die wirksamste und effektivste Kontrolle der Durchführung sein. Das wird das beste Mittel sein, die Erfahrungen unserer geschätzten Führer zu bereichern. Und wenn das zum System geworden ist - und es muss unbedingt zum System werden -, dann werden, das versichere ich Ihnen, die Gesetze, die wir hier schreiben, und die Direktiven, die wir ausarbeiten, bei weitem lebensnäher und richtiger sein, als es gegenwärtig der Fall ist.

So, Genossen, ist es um die Schachty-Affäre bestellt.

IV
ALLGEMEINE SCHLUSSFOLGERUNG

Wir haben innere Feinde. Wir haben äußere Feinde. Das darf man nicht vergessen, Genossen, nicht für eine Minute.

Wir hatten eine Beschaffungskrise, die bereits liquidiert ist. Die Beschaffungskrise bedeutete den ersten ernsthaften Vorstoß der kapitalistischen Elemente des Dorfes gegen die Sowjetmacht, den sie unter den Verhältnissen der NÖP unternahmen.

Wir haben die Schachty-Affäre, die wir bereits liquidieren und die zweifellos liquidiert werden wird. Die Schachty-Affäre bedeutet einen neuen ernsten Vorstoß des internationalen Kapitals und seiner Agenten in unserem Lande gegen die Sowjetmacht. Das ist eine ökonomische Intervention in unsere inneren Angelegenheiten.

Es braucht nicht betont zu werden, dass diese und ähnliche Vorstöße sowohl von innen als auch von außen sich wiederholen können und wahrscheinlich wiederholen werden. Unsere Aufgabe ist es, maximale Wachsamkeit an den Tag zu legen und auf der Hut zu sein. Und wenn wir wachsam sind, Genossen, werden wir unfehlbar unsere Feinde in Zukunft ebenso schlagen, wie wir sie gegenwärtig schlagen und wie wir sie in der Vergangenheit geschlagen haben. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall.)

„Prawda“ Nr. 90,
18. April 1928.

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