"Stalin"

Werke

Band 12

 

ÜBER DIE
RECHTE ABWEICHUNG IN DER KPdSU(B)

Rede auf dem Plenum des ZK und der ZKK der KPdSU(B)
im April 1929[1]

(Stenographisches Protokoll)

(In der Rede sind mehr als dreißig Seiten Text wiederhergestellt, die seinerzeit in der Presse nicht veröffentlicht worden waren. Die Red.)

Genossen! Ich werde auf persönliche Momente nicht eingehen, obgleich in den Reden einiger Genossen aus der Bucharingruppe persönliche Momente eine recht beträchtliche Rolle spielten. Ich werde darauf nicht eingehen, weil persönliche Momente Bagatellen sind und es nicht lohnt, sich mit Bagatellen zu befassen. Bucharin hat über den persönlichen Briefwechsel mit mir gesprochen. Er hat einige Briefe verlesen, aus denen hervorgeht, dass wir, die gestern noch persönliche Freunde waren, heute in der Politik auseinander gehen. Die gleichen Töne klangen in den Reden Uglanows und Tomskis durch. Wie ist das möglich, wollen sie sagen: Wir sind alte Bolschewiki, und plötzlich haben wir Differenzen miteinander, können einander nicht mehr achten.

Ich glaube, dass all dies Jammern und Wehgeschrei keinen roten Heller wert ist. Wir sind kein Familienkreis, keine Innung persönlicher Freunde, sondern die politische Partei der Arbeiterklasse. Man darf nicht zulassen, dass die Interessen persönlicher Freundschaft über die Interessen der Sache gestellt werden.

Wenn wir uns nur deshalb alte Bolschewiki nennen, weil wir alt sind, dann ist es um unsere Sache schlecht bestellt, Genossen. Die alten Bolschewiki werden nicht deshalb geachtet, weil sie alt sind, sondern weil sie zugleich ewig junge, nie alt werdende Revolutionäre sind. Wenn ein alter Bolschewik vom Wege der Revolution abgeschwenkt oder politisch heruntergekommen ist und sein klares politisches Gesicht verloren hat, so hat er, wenn er gleich hundert Jahre alt wird, kein Recht, sich ein alter Bolschewik zu nennen, hat er kein Recht, von der Partei Achtung zu verlangen.

Ferner darf man Fragen der persönlichen Freundschaft nicht mit Fragen der Politik vermengen, denn, wie es heißt, Freundschaft ist Freundschaft und Dienst ist Dienst. Wir alle dienen der Arbeiterklasse, und wenn die Interessen der persönlichen Freundschaft den Interessen der Revolution zuwiderlaufen, dann muss die persönliche Freundschaft in den Hintergrund treten. Anders können wir als Bolschewiki die Frage nicht stellen.

Ich werde auch nicht auf die Anspielungen und versteckten Beschuldigungen persönlicher Art eingehen, mit denen die Reden der Genossen aus der Bucharinschen Opposition gespickt waren. Diese Genossen wollen offenbar die politische Grundlage unserer Meinungsverschiedenheiten mit Anspielungen und zweideutigen Bemerkungen vertuschen. Sie wollen die Politik durch Politikasterei ersetzen. Besonders charakteristisch ist in dieser Beziehung die Rede Tomskis. Seine Rede war die typische Rede eines tradeunionistischen Politikasters, der Fragen der Politik durch Politikasterei zu ersetzen versucht. Aber dieser Trick wird ihnen nicht gelingen.

Kommen wir zur Sache.

  1. Eine Linie oder zwei?
  2. Die klassenmäßigen Veränderungen und unsere Meinungsverschiedenheiten
  3. Die Meinungsverschiedenheiten in den Fragen der Komintern
  4. Die Meinungsverschiedenheiten in den Fragen der inneren Politik (Größe: 150 KB!)
  5. Fragen der Parteiführung
  6. Schlussfolgerungen

Zum ersten Mal vollständig veröffentlicht.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis