"Stalin"

Werke

Band 12

DER WETTBEWERB
UND DER ARBEITSAUFSCHWUNG DER MASSEN

Vorwort zu J. Mikulinas Buch „Der Wettbewerb der Massen“

Es steht wohl außer Zweifel, dass gegenwärtig eine der wichtigsten Tatsachen unseres Aufbaus, wenn nicht die wichtigste, der sich breit entfaltende Wettbewerb der Millionenmassen der Arbeiter ist. Der Wettbewerb ganzer Fabriken und Werke in den verschiedensten Teilen unseres unermesslichen Landes; der Wettbewerb zwischen Arbeitern und Bauern; der Wettbewerb zwischen Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften; die Fixierung dieses Massenappells von Betrieb zu Betrieb in besonderen Verträgen der Werktätigen - all das sind Tatsachen, die keinen Zweifel darüber lassen, dass der sozialistische Wettbewerb der Massen bereits zur Entfaltung gekommen ist.

Ein machtvoller Produktionsaufschwung der werktätigen Massen hat begonnen.

Das müssen jetzt selbst die hoffnungslosesten Skeptiker zugeben.

„Der Sozialismus“, sagt Lenin , „erstickt keineswegs den Wettbewerb, im Gegenteil, er schafft erstmalig die Möglichkeit, ihn wirklich auf breiter Grundlage, wirklich im Massenumfange anzuwenden, die Mehrheit der Werktätigen wirklich auf ein Tätigkeitsfeld zu führen, auf dem sie sich hervortun, ihre Fähigkeiten entfalten, jene Talente offenbaren können, die das Volk, einem unversiegbaren Quell gleich, hervorbringt und die der Kapitalismus zu Tausenden und Millionen zertreten, niedergehalten und erdrückt hat“...

„Erst jetzt wird im wahrhaft breiten Massenausmaß die Möglichkeit geschaffen, Unternehmungsgeist, Wettbewerb und kühne Initiative zu entfalten“ ... denn „zum ersten Mal nach Jahrhunderten der Arbeit für andere, der unfreien Arbeit für die Ausbeuter, bietet sich ihm jetzt die Möglichkeit, für sich selbst zu arbeiten“...

...“Jetzt, da eine sozialistische Regierung an der Macht ist, besteht unsere Aufgabe darin, den Wettbewerb zu organisieren.“[13]

Von diesen Leitsätzen Lenin s ging die XVI. Konferenz der KPdSU(B) aus, als sie sich mit einem besonderen Aufruf über den Wettbewerb an die Arbeiter und Werktätigen wandte.

Manche „Genossen“ Bürokraten glauben, der Wettbewerb sei wieder einmal eine neue Mode der Bolschewiki und werde als solche mit der Beendigung der „Saison“ einschlafen. Die „Genossen“ Bürokraten irren sich natürlich. In Wirklichkeit ist der Wettbewerb die kommunistische Methode des Aufbaus des Sozialismus auf der Grundlage maximaler Aktivität der Millionenmassen der Werktätigen. In Wirklichkeit ist der Wettbewerb der Hebel, mit dessen Hilfe die Arbeiterklasse das gesamte wirtschaftliche und kulturelle Leben des Landes auf der Basis des Sozialismus umzugestalten berufen ist.

Andere „Genossen“ Bürokraten versuchen, erschreckt von der machtvollen Welle des Wettbewerbs, diesen in einen künstlichen Rahmen zu zwängen, ihn einzudämmen, die Sache des Wettbewerbs zu „zentralisieren“, seinen Schwung einzuengen und ihn somit des Wichtigsten - der Initiative der Massen - zu berauben. Es erübrigt sich zu sagen, dass die Pläne der Bürokraten nicht in Erfüllung gehen werden. Auf jeden Fall wird die Partei alle Maßnahmen ergreifen, um diese Pläne zunichte zu machen.

Der sozialistische Wettbewerb darf nicht als eine Kanzleiangelegenheit betrachtet werden. Der sozialistische Wettbewerb ist der Ausdruck der sachlichen revolutionären Selbstkritik der Massen, die sich auf die schöpferische Initiative der Millionen Werktätigen stützt. Jeder, der, bewusst oder unbewusst, diese Selbstkritik und diese schöpferische Initiative der Massen behindert, muss als Hemmschuh unserer großen Sache beiseite geschleudert werden.

Die Gefährlichkeit des Bürokratismus kommt konkret vor allem darin zum Ausdruck, dass er die Energie, die Initiative und Selbsttätigkeit der Massen fesselt, dass er die kolossalen Reserven, die im Schoße unserer Gesellschaftsordnung, im Schoße der Arbeiterklasse und der Bauernschaft schlummern, ungenutzt lässt, dass er die Ausnutzung dieser Reserven im Kampf gegen unsere Klassenfeinde verhindert. Die Aufgabe des sozialistischen Wettbewerbs ist es, diese bürokratischen Fesseln zu sprengen, für die Entfaltung der Energie und schöpferischen Initiative der Massen ein breites Betätigungsfeld zu schaffen, die kolossalen Reserven, die im Schoße unserer Gesellschaftsordnung schlummern, zutage zu fördern und sie im Kampf gegen unsere Klassenfeinde sowohl innerhalb als auch außerhalb unseres Landes in die Waagschale zu werfen.

Mitunter wird der sozialistische Wettbewerb mit der Konkurrenz verwechselt. Das ist ein grober Fehler. Der sozialistische Wettbewerb und die Konkurrenz verkörpern zwei völlig verschiedene Prinzipien.

Das Prinzip der Konkurrenz: Niederlage und Tod der einen, Sieg und Herrschaft der anderen.

Das Prinzip des sozialistischen Wettbewerbs: kameradschaftliche Hilfe der Fortgeschrittenen für die Zurückgebliebenen, um einen allgemeinen Aufschwung zu erzielen.

Die Konkurrenz besagt: Schlage die Zurückgebliebenen nieder, um deine Herrschaft zu festigen.

Der sozialistische Wettbewerb besagt: Die einen arbeiten schlecht, die anderen gut, die dritten besser - hole die Besten ein und erziele einen allgemeinen Aufschwung.

Daraus ist im Grunde auch der beispiellose Produktionsenthusiasmus zu erklären, der die Millionenmassen der Werktätigen dank dem sozialistischen Wettbewerb erfasst hat. Es erübrigt sich zu sagen, dass die Konkurrenz niemals etwas hervorbringen kann, was einem derartigen Enthusiasmus der Massen ähnlich wäre.

In letzter Zeit häufen sich in unserer Presse Artikel und Notizen über den Wettbewerb. Man schreibt über die Philosophie des Wettbewerbs, über die Wurzeln des Wettbewerbs, über die möglichen Ergebnisse des Wettbewerbs usw. Aber selten findet man Artikel, die ein auch nur einigermaßen zusammenhängendes Bild davon geben, wie der Wettbewerb von den Massen selbst durchgeführt wird, ein Bild davon, was die Millionenmassen der Arbeiter bei der Durchführung des Wettbewerbs und beim Unterschreiben der Verträge bewegt, ein Bild davon, dass die Arbeitermassen die Sache des Wettbewerbs als ihre ureigenste Sache ansehen. Und dabei bildet diese Seite der Angelegenheit für uns eine in höchstem Grade wichtige Seite des Wettbewerbs.

Ich denke, die Broschüre der Genossin J. Mikulina stellt den ersten Versuch einer zusammenhängenden Wiedergabe der Materialien aus der Praxis des Wettbewerbs dar, in der der Wettbewerb als eine Angelegenheit der werktätigen Massen selbst gezeigt wird. Der Vorzug dieser Broschüre besteht darin, dass sie eine einfache und wahrheitsgetreue Schilderung der tiefgehenden Prozesse des gewaltigen Arbeitsaufschwungs darstellt, die die innere Triebfeder des sozialistischen Wettbewerbs bilden.

11. Mai 1929.

„Prawda“ Nr. 114,
22. Mai 1929.
Unterschrift: J. Stalin.

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