"Stalin"

Werke

Band 12

EINE UNERLÄSSLICHE RICHTIGSTELLUNG

Die „Prawda“ vom 16. Dezember (Nr. 296) veröffentlichte einen nicht gezeichneten Artikel „Geht es nicht ohne Durcheinander?“ (Rubrik „Parteiaufbau“), in dem eine These des in der „Komsomolskaja Prawda“[15] erschienenen Artikels „Abriss zur Einführung in den Lenin ismus“ kritisiert wird, die These, die die Frage der günstigsten Bedingungen für die revolutionäre Durchbrechung der imperialistischen Weltfront behandelt.

Der Verfasser führt folgendes Zitat aus dem von ihm kritisierten Artikel an: „Der Lenin ismus lehrt, dass die Revolution an der Stelle beginnt, wo die imperialistische Kette ihr schwächstes Glied aufweist.“ Der Verfasser setzt weiter ein Gleichheitszeichen zwischen diesem Zitat und dem folgenden Zitat aus Bucharins „Ökonomik der Transformationsperiode“: „Der Zusammenbruch des kapitalistischen Weltsystems begann bei den schwächsten volkswirtschaftlichen Systemen.“ Der Verfasser führt dann die kritischen Bemerkungen Lenin s gegen die erwähnte Stelle in Bucharins Buch an und schlussfolgert, dass in dem Artikel „Abriss zur Einführung in den Lenin ismus“ in der „Komsomolskaja Prawda“ ein Fehler begangen worden sei, der dem Fehler Bucharins analog sei.

Mir scheint, dass der Verfasser des Artikels „Geht es nicht ohne Durcheinander?“ einen Fehler begangen hat. Auf keinen Fall darf man zwischen der These „Die imperialistische Kette wird dort reißen, wo sie am schwächsten ist“ und Bucharins These „Die imperialistische Kette wird dort reißen, wo das Volkswirtschaftssystem am schwächsten ist“ ein Gleichheitszeichen setzen. Warum? Weil im ersten Fall von der Schwäche der imperialistischen Kette gesprochen wird, die man zerreißen muss, das heißt von der Schwäche der imperialistischen Kräfte, während hier, bei Bucharin, von der Schwäche des Volkswirtschaftssystems eines Landes die Rede ist, welches (d. h. das Land) die Kette des Imperialismus zerreißen soll, das heißt von der Schwäche der antiimperialistischen Kräfte. Das ist durchaus nicht ein und dasselbe. Mehr noch, das sind zwei entgegengesetzte Thesen.

Nach Bucharin wäre es so, dass die imperialistische Front dort reißt, wo das Volkswirtschaftssystem am schwächsten ist. Das stimmt natürlich nicht. Wenn das richtig wäre, hätte die proletarische Revolution irgendwo in Zentralafrika begonnen und nicht in Rußland. In dem Artikel „Abriss zur Einführung in den Lenin ismus“ wird aber etwas der These Bucharins direkt Entgegengesetztes gesagt, nämlich, dass die imperialistische Kette dort reißt, wo sie (die Kette) am schwächsten ist. Und das ist völlig richtig. Die Kette des Weltimperialismus reißt ja gerade deshalb in dem gegebenen Lande, weil sie (die Kette) im gegebenen Augenblick gerade in diesem Lande am schwächsten ist. Sonst würde sie ja nicht reißen. Sonst hätten die Menschewiki Recht in ihrem Kampf gegen den Lenin ismus.

Wodurch aber wird die Schwäche der imperialistischen Kette in dem gegebenen Lande bestimmt? Dadurch, dass die industrielle Entwicklung und die Kultiviertheit dieses Landes ein gewisses Minimum erreicht hat. Dadurch, dass es hier ein gewisses Minimum an Industrieproletariat gibt. Durch den revolutionären Geist des Proletariats und der proletarischen Avantgarde in diesem Lande. Dadurch, dass das Proletariat hier einen ernst zu nehmenden Verbündeten (zum Beispiel die Bauernschaft) hat, der fähig ist, im entschiedenen Kampf gegen den Imperialismus dem Proletariat zu folgen. Folglich durch das Zusammentreffen der Bedingungen, die die Isolierung und den Sturz des Imperialismus in diesem Lande unvermeidlich machen.

Der Verfasser des Artikels „Geht es nicht ohne Durcheinander?“ hat offensichtlich zwei völlig verschiedene Dinge durcheinander gebracht.

In der Tat: Geht es nicht ohne Durcheinander?

 „Prawda“ Nr. 298,
18. Dezember 1929.
Unterschrift: J. St.

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