"Stalin"

Werke

Band 12

BRIEF AN GENOSSEN BESYMENSKI

Genosse Besymenski!

Ich schreibe mit Verspätung.

Ich bin kein Literaturkenner und natürlich kein Kritiker. Trotzdem kann ich Ihnen angesichts Ihrer beharrlichen Bitten meine persönliche Meinung mitteilen.

Ich habe sowohl den „Schuss“ als auch „Ein Tag aus unserem Leben“ gelesen. In diesen Werken ist nichts „Kleinbürgerliches“, nichts „Parteifeindliches“ enthalten. Sowohl das eine als auch das andere, besonders der „Schuss“, können für die heutige Zeit als Vorbilder revolutionärer proletarischer Kunst gelten.

Allerdings stecken einige Reste des Komsomolzen-Avantgardismus darin. Bei der Lektüre dieser Werke kann es dem unerfahrenen Leser sogar scheinen, dass nicht die Partei die Fehler der Jugend korrigiert, sondern umgekehrt. Aber nicht dieser Mangel bildet den Grundzug, die Grundidee dieser Werke. Ihre Grundidee besteht in der Zuspitzung der Frage auf die Mängel unseres Apparats und in dem festen Glauben an die Möglichkeit, diese Mängel zu beseitigen. Das ist die Hauptsache sowohl im „Schuss“ als auch in „Ein Tag aus unserem Leben“. Darin besteht auch ihr grundlegender Vorzug. Und dieser Vorzug wiegt ihre kleinen Mängel, die, scheint mir, heute beinah überwunden sind, reichlich auf und stellt sie weit in den Schatten.

19. März 1930

Mit kommunistischem Gruß

J. Stalin

Zum ersten Mal veröffentlicht.

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