"Stalin"

Werke

Band 12

ANTWORT
AN DIE GENOSSEN KOLLEKTIVBAUERN

Aus den Zeitungen ist bekannt, dass der Artikel Stalins „Vor Erfolgen von Schwindel befallen“ und der bekannte Beschluss des ZK „Über die Bekämpfung der Verzerrungen der Parteilinie in der Kollektivwirtschaftsbewegung“[34] in den Reihen der Praktiker der Kollektivwirtschaftsbewegung starken Widerhall hervorgerufen haben. Im Zusammenhang damit erhielt ich in letzter Zeit von den Genossen Kollektivbauern eine Anzahl Briefe mit der Forderung, die darin gestellten Fragen zu beantworten. Es war meine Pflicht, diese Briefe privat zu beantworten. Das erwies sich jedoch als unmöglich, da bei mehr als der Hälfte der Briefe die Adresse der Absender nicht angegeben war (man hatte vergessen, die Adressen mitzuteilen). Indes sind die in den Briefen berührten Fragen von gewaltigem politischem Interesse für alle unsere Genossen. Außerdem ist es begreiflich, dass ich auch diejenigen Genossen nicht ohne Antwort lassen konnte, die vergessen hatten, ihre Adressen anzugeben. Infolgedessen sah ich mich vor die Notwendigkeit gestellt, die Briefe der Genossen Kollektivbauern öffentlich, das heißt in der Presse, zu beantworten, wobei ich den Briefen alle sachlich notwendigen Fragen entnommen habe. Ich tat dies umso lieber, als darüber ein direkter Beschluss des ZK vorlag.

Erste Frage . Worin liegt die Wurzel der Fehler in der Bauernfrage?

Antwort. In der falschen Behandlung des Mittelbauern. Darin, dass Gewaltmaßnahmen auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Beziehungen zum Mittelbauern angewandt wurden; dass die Tatsache außer acht gelassen wurde, dass der wirtschaftliche Zusammenschluss mit den mittelbäuerlichen Massen nicht auf Gewaltmaßnahmen beruhen darf, sondern auf einer Verständigung mit dem Mittelbauern, auf dem Bündnis mit dem Mittelbauern beruhen muss; dass die Tatsache außer acht gelassen wurde, dass das Bündnis der Arbeiterklasse und der Dorfarmut mit dem Mittelbauern gegen den Kapitalismus im allgemeinen und gegen das Kulakentum im besonderen gegenwärtig die Grundlage der kollektiv-wirtschaftlichen Bewegung ist.

Solange die Offensive gegen das Kulakentum in der Einheitsfront mit dem Mittelbauern geführt wurde, ging alles gut. Als aber manche unserer Genossen, von den Erfolgen berauscht, unmerklich vom Wege der Offensive gegen den Kulaken auf den Weg des Kampfes gegen den Mittelbauern abzugleiten begannen, als sie, auf der Jagd nach einem hohen Prozentsatz der Kollektivierung, gegen den Mittelbauern Gewalt anzuwenden begannen, ihm das Wahlrecht entzogen und ihn „als Kulaken“ enteigneten - da wurde die Offensive verzerrt, die Einheitsfront mit dem Mittelbauern gefährdet, und selbstverständlich erhielt der Kulak die Möglichkeit, zu versuchen, wieder auf die Beine zu kommen.

Man vergaß, dass die im Kampf gegen unsere Klassenfeinde notwendige und nützliche Gewaltanwendung unzulässig und verderblich ist gegenüber dem Mittelbauern, der unser Verbündeter ist.

Man vergaß, dass die zur Lösung von Aufgaben militärischen Charakters notwendigen und nützlichen Reiterattacken bei der Lösung von Aufgaben des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus, der überdies im Bündnis mit dem Mittelbauern organisiert wird, untauglich und verderblich sind.

Darin liegt die Wurzel der Fehler in der Bauernfrage.

Lenin sagt über die wirtschaftlichen Beziehungen zum Mittelbauern:

„Vor allem müssen wir von der Wahrheit ausgehen, dass man hier der Natur der Sache nach mit Gewaltmethoden nichts erreichen kann. Hier ist die ökonomische Aufgabe ganz anders gestellt. Hier gibt es keine Spitze, die man abtragen kann, ohne das ganze Fundament, das ganze Gebäude in Mitleidenschaft zu ziehen. Die Spitze, die in der Stadt die Kapitalisten bildeten, gibt es hier nicht. Hier mit Gewalt vorgeben hieße die ganze Sache zugrunde richten... Es gibt nichts Dümmeres, als an Gewalt auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Beziehungen zum Mittelbauern auch nur zu denken.“ (4. Ausgabe, Bd. 29, S. 187/188 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. 11, S. 537/538].)

Weiter:

„Gewaltanwendung gegen die Mittelbauernschaft ist in höchstem Grade schädlich. Es ist dies eine zahlreiche, viele Millionen zählende Schicht. Selbst in Europa, wo sie nirgends eine solche Stärke erreicht, wo Technik und Kultur, Stadtleben und Eisenbahnen gigantisch entwickelt sind, wo es am leichtesten wäre, daran zu denken, hat niemand, hat kein einziger revolutionärer Sozialist Gewaltmaßnahmen gegen die Mittelbauernschaft vorgeschlagen.“ (Ebenda, S. 187, russ. [S. 537, deutsch].)

Das ist wohl klar.

 

Zweite Frage. Welches sind die Hauptfehler in der kollektivwirtschaftlichen Bewegung?

Antwort. Solcher Fehler gibt es mindestens drei.

1. Verletzt wurde das Lenin sche Prinzip der Freiwilligkeit bei der Errichtung von Kollektivwirtschaften. Verletzt wurden die grundlegenden Weisungen der Partei und das Musterstatut für das landwirtschaftliche Artel hinsichtlich der Freiwilligkeit des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus.

Der Lenin ismus lehrt, dass man die Bauern auf dem Wege der Freiwilligkeit in die Bahnen der kollektiven Wirtschaft überleiten muss, indem man sie von den Vorzügen überzeugt, die die gesellschaftliche, kollektive Wirtschaft vor der Einzelwirtschaft hat. Der Lenin ismus lehrt, dass man die Bauern nur dann von den Vorzügen der kollektiven Wirtschaft überzeugen kann, wenn ihnen in der Praxis, durch die Erfahrung gezeigt und bewiesen wird, dass die Kollektivwirtschaft besser ist als die Einzelwirtschaft, dass sie vorteilhafter ist als die Einzelwirtschaft, dass die Kollektivwirtschaft dem Bauern, dem armen und Mittelbauern, einen Ausweg aus Not und Elend bietet. Der Lenin ismus lehrt, dass die Kollektivwirtschaften ohne diese Bedingungen keinen Bestand haben können. Der Lenin ismus lehrt, dass jeder Versuch, den Bauern die Kollektivwirtschaft mit Gewalt aufzuzwingen, dass jeder Versuch, Kollektivwirtschaften durch Zwang zu errichten, nur negative Resultate zeitigen, nur die Bauern von der kollektivwirtschaftlichen Bewegung abstoßen kann.

Und tatsächlich, solange diese Grundregel befolgt wurde, hatte die kollektivwirtschaftliche Bewegung Erfolg über Erfolg zu verzeichnen. Doch begannen manche unserer Genossen, von den Erfolgen berauscht, diese Regel zu missachten, sie begannen, eine übermäßige Eile an den Tag zu legen und, auf der Jagd nach einem hohen Prozentsatz der Kollektivierung, durch Zwang Kollektivwirtschaften zu schaffen. Es ist nicht verwunderlich, dass die negativen Ergebnisse einer solchen „Politik“ nicht lange auf sich warten ließen. Die in aller Eile gebildeten Kollektivwirtschaften begannen ebenso schnell dahinzuschwinden, wie sie entstanden waren, und ein Teil der Bauernschaft, der gestern noch den Kollektivwirtschaften größtes Vertrauen entgegenbrachte, begann sich von ihnen abzuwenden.

Darin besteht der erste und wichtigste Fehler in der kollektivwirtschaftlichen Bewegung.

Lenin sagt über die Freiwilligkeit des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus:

„Jetzt besteht unsere Aufgabe im Übergang zur gesellschaftlichen Bodenbestellung, im Übergang zum gemeinsamen Großbetrieb. Von Seiten der Sowjetmacht darf jedoch keinerlei Zwang ausgeübt werden; kein Gesetz zwingt dazu. Die landwirtschaftliche Kommune wird freiwillig gegründet. Der Übergang zur gesellschaftlichen Bodenbestellung kann nur ein freiwilliger sein, von Seiten der Arbeiter- und Bauernregierung darf es in dieser Hinsicht nicht den geringsten Zwang geben, und das Gesetz gestattet ihn nicht. Wenn irgend jemand von Ihnen solchen Zwang bemerken sollte, so müssen Sie wissen, dass das ein Missbrauch ist, dass das eine Verletzung des Gesetzes ist, die wir mit aller Kraft zu korrigieren suchen und korrigieren werden.“1 (4. Ausgabe, Bd. 29, S. 26/27, russ.)

Weiter:

„Nur in dem Falle, dass es gelingt, den Bauern die Vorzüge der gesellschaftlichen, kollektiven, gemeinschaftlichen, artelmäßigen Bodenbestellung in der Praxis vor Augen zu führen, nur wenn es gelingt, dem Bauern mittels der gemeinschaftlichen, der Artelwirtschaft zu helfen, nur dann wird die Arbeiterklasse, die die Staatsmacht in der Hand hat, den Bauern wirklich den Beweis erbringen, dass sie im Rechte ist, und die Millionenmassen der Bauern fest und wirklich auf ihre Seite ziehen. Die Bedeutung jeder Art von Betrieben, die die genossenschaftliche und artelmäßige Landwirtschaft fördern, kann daher schwerlich überschätzt werden. Wir haben Millionen zersplitterter, in den entlegensten Winkeln zerstreuter Dörfer, einzelner Wirtschaften... Nur wenn praktisch, durch die Erfahrung, die den Bauern zugänglich ist, erwiesen sein wird, dass der Übergang zur genossenschaftlichen, artelmäßigen Landwirtschaft notwendig und möglich ist, nur dann werden wir das Recht haben zu sagen, dass in einem so riesigen Bauernland wie Rußland ein ernster Schritt auf dem Wege zur sozialistischen Landwirtschaft getan worden ist.“ (4. Ausgabe, Bd. 30, S. 173/174 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 629/630].)

Schließlich noch eine Stelle aus Lenin s Werken:

„In dem Bestreben, jede Art von Genossenschaften wie auch die landwirtschaftlichen Kommunen der Mittelbauern zu fördern, dürfen die Vertreter der Sowjetmacht nicht den geringsten Zwang ausüben, um solche Vereinigungen zu bilden. Nur diejenigen Vereinigungen sind von Wert, die von den Bauern selbst aus eigener freier Initiative gebildet und deren Vorteile von ihnen in der Praxis erprobt worden sind. Übereilung auf diesem Gebiet ist schädlich, denn sie kann nur die Vorurteile der Mittelbauernschaft gegen Neuerungen verstärken. Vertreter der Sowjetmacht, die sich erlauben, indirekten oder gar direkten Zwang anzuwenden, um die Bauern zum Anschluss an Kommunen zu veranlassen, müssen aufs strengste zur Verantwortung gezogen und von der Arbeit auf dem Lande entfernt werden.“ (4. Ausgabe, Bd. 29, S. 194, russ.)

Das ist wohl klar.

Man braucht kaum darauf hinzuweisen, dass die Partei diese Weisungen Lenin s mit aller Strenge durchführen wird.

2. Verletzt wurde beim kollektivwirtschaftlichen Aufbau das Lenin sche Prinzip, dass die Mannigfaltigkeit der Bedingungen in den verschiedenen Gebieten der UdSSR zu berücksichtigen ist. Man vergaß, dass es in der UdSSR die mannigfaltigsten Gebiete mit verschiedenen Wirtschaftsformen und verschiedenen Kulturstufen gibt. Man vergaß, dass es unter diesen Gebieten fortgeschrittene, durchschnittlich entwickelte und zurückgebliebene Gebiete gibt. Man vergaß, dass das Tempo der kollektivwirtschaftlichen Bewegung und die Methoden des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus für alle diese, bei weitem nicht gleichen Gebiete nicht die gleichen sein können.

„Es wäre ein Fehler“, sagt Lenin , „wenn wir die Dekrete für alle Gegenden Rußlands einfach schablonenmäßig kopierten, wenn die Kommunisten, die Bolschewiki, die Sowjetfunktionäre in der Ukraine und am Don sind, sie wahllos, in Bausch und Bogen auf die anderen Gebiete ausdehnen wollten“ ..., denn „wir legen uns keineswegs auf eine einförmige Schablone fest, wir entscheiden nicht ein für allemal, dass unsere Erfahrung, die Erfahrung Zentralrußlands, sich restlos auf alle Randgebiete übertragen lässt.“ (4. Ausgabe, BJ. 29, S. 138, russ.)

Lenin sagt ferner:

„Zentralrußland, die Ukraine und Sibirien über einen Kamm zu scheren, sie in eine bestimmte Schablone zu zwängen, wäre die größte Torheit.“ (4.Ausgabe, Bd. 32, S. 198, russ.)

Schließlich macht es Lenin den Kommunisten des Kaukasus zur Pflicht,

„die Eigenart ihrer Lage, der Lage ihrer Republiken, zum Unterschied von der Lage und den Verhältnissen der RSTSR, zu begreifen, die Notwendigkeit einzusehen, unsere Taktik nicht zu kopieren, sondern sie entsprechend der Verschiedenartigkeit der konkreten Verhältnisse wohlüberlegt zu modifizieren“. (4. Ausgabe, Bd. 32, S.295 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. I1, S. 822].)

Das ist wohl klar.

Auf Grund dieser Weisungen Lenin s hat das ZK unserer Partei in seinem Beschluss „Über das Tempo der Kollektivierung“ (siehe „Prawda“ vorn 6. Januar 1930[35]) die Gebiete der UdSSR in Bezug auf das Kollektivierungstempo in drei Gruppen eingeteilt, von denen der Nordkaukasus, das Mittlere und Untere Wolgagebiet die Kollektivierung im wesentlichen im Frühjahr 1931 abschließen können, während andere Getreidegebiete (die Ukraine, das Zentrale Schwarzerdegebiet, Sibirien, der Ural, Kasachstan usw.) sie im wesentlichen im Frühjahr 1932 abschließen, die übrigen Gebiete aber die Kollektivierung bis zum Ende des Fünfjahrplans, das heißt bis 1933, ausdehnen können.

Was geschah aber in Wirklichkeit? Es zeigte sich, dass manche unserer Genossen, von den ersten Erfolgen der kollektivwirtschaftlichen Bewegung berauscht, sowohl die Weisungen Lenin s als auch den Beschluss des ZK glücklich vergessen hatten. Das Moskauer Gebiet begann, in fieberhafter Jagd nach aufgebauschten Kollektivierungszahlen, seine Funktionäre auf die Beendigung der Kollektivierung im Frühjahr 1930 einzustellen, obwohl ihm nicht weniger als drei Jahre (Ende 1932) zur Verfügung standen. Das Zentrale Schwarzerdegebiet, das nicht „hinter den anderen zurückbleiben“ wollte, begann seine Funktionäre auf die Beendigung der Kollektivierung in der ersten Hälfte 1930 einzustellen, obwohl ihm nicht weniger als zwei Jahre zur Verfügung standen (Ende 1931). Die Transkaukasier aber und die Turkestaner begannen in ihrem Eifer, die fortgeschrittensten Gebiete „einzuholen und zu überholen“, sich auf die Beendigung der Kollektivierung „in kürzester Frist“ einzustellen, obwohl ihnen volle vier Jahre zur Verfügung standen (Ende 1933).

Bei einem so überstürzten „Tempo“ der Kollektivierung ist es begreiflich, dass die Bezirke, die für die kollektivwirtschaftliche Bewegung weniger vorbereitet waren, in ihrem Eifer, die besser vorbereiteten Bezirke zu „überholen“, sich gezwungen sahen, einen starken administrativen Druck auszuüben, wobei sie versuchten, die für ein schnelles Tempo der kollektivwirtschaftlichen Bewegung fehlenden Faktoren durch ihren eigenen administrativen Elan zu ersetzen. Die Ergebnisse sind bekannt. Alle kennen das Durcheinander, das in diesen Gebieten entstand und das dann durch das Eingreifen des ZK entwirrt werden musste.

Darin besteht der zweite Fehler in der kollektivwirtschaftlichen Bewegung.

3. Verletzt wurde beim kollektivwirtschaftlichen Aufbau das Lenin sche Prinzip, dass man eine noch nicht abgeschlossene Form der Bewegung nicht überspringen darf. Verletzt wurde das Lenin sche Prinzip, dass man der Entwicklung der Massen nicht vorauseilen, die Bewegung der Massen nicht dekretieren, sich von den Massen nicht loslösen darf, sondern gemeinsam mit den Massen marschieren und sie vorwärts bringen muss, indem man sie an unsere Losungen heranführt und es ihnen erleichtert, sich an Hand ihrer eigenen Erfahrung von der Richtigkeit unserer Losungen zu überzeugen.

„Als das Petrograder Proletariat und die Soldaten der Petrograder Garnison die Macht ergriffen“, sagt Lenin , „wussten sie ausgezeichnet, dass man beim Aufbau im Dorf auf große Schwierigkeiten stoßen wird, dass man hier allmählicher vorgehen muss, dass es größter Unsinn wäre, hier zu versuchen, die gesellschaftliche Bodenbestellung durch Dekrete, durch Gesetze einzuführen, dass nur eine verschwindend kleine Anzahl politisch bewusster Bauern darauf eingehen könnte, die überwältigende Mehrheit der Bauern aber sich diese Aufgabe nicht stelle. Und daher beschränkten wir uns auf das, was im Interesse der Entfaltung der Revolution absolut notwendig war: auf keinen Fall der Entwicklung der Massen vorauszueilen, sondern abzuwarten, bis aus der eigenen Erfahrung dieser Massen, aus ihrem eigenen Kampfe die Vorwärtsbewegung hervorwächst.“ (4. Ausgabe, Bd. 28, S. 121, russ.)

Von diesen Weisungen Lenin s ausgehend, hat das ZK in seinem bekannten Beschluss „Über das Tempo der Kollektivierung“ (siehe „Prawda“ vom 6. Januar 1930) erklärt:

a) dass im gegebenen Augenblick das landwirtschaftliche Artel die Hauptform der kollektivwirtschaftlichen Bewegung ist,

b) dass es infolgedessen notwendig ist, ein Musterstatut für das landwirtschaftliche Artel, als die Hauptform der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, auszuarbeiten,

c) dass man in unserer praktischen Arbeit keine von oben erfolgende „Dekretierung“ der kollektivwirtschaftlichen Bewegung und kein „Spiel mit der Kollektivierung“ zulassen darf.

Das bedeutet, dass wir jetzt nicht auf die Kommune Kurs nehmen sollen, sondern auf das landwirtschaftliche Artel, als die Hauptform des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus, dass man das Überspringen des landwirtschaftlichen Artels zur Kommune hin nicht zulassen darf, dass man die auf die Kollektivwirtschaften gerichtete Massenbewegung der Bauern nicht durch „Dekretierung“ von Kollektivwirtschaften, durch ein „Spiel mit der Kollektivierung“ ersetzen darf.

Das ist wohl klar.

Was geschah aber in Wirklichkeit? Es zeigte sich, dass manche unserer Genossen, von den ersten Erfolgen der kollektivwirtschaftlichen Bewegung berauscht, sowohl die Weisungen Lenin s als auch den Beschluss des ZK glücklich vergessen hatten. Statt eine Massenbewegung für das landwirtschaftliche Artel zu organisieren, begannen diese Genossen, die Einzelbauern unmittelbar zum Statut der Kommune „hinüberzuleiten“. Statt die Artelform der Bewegung zu festigen, begannen sie, zwangsweise das Kleinvieh, das Geflügel, das für den Eigenbedarf bestimmte Milchvieh, die Wohnhäuser zu „vergesellschaften“.

Die Resultate dieser für einen Lenin isten unzulässigen Übereilung sind jetzt jedermann bekannt. Stabile Kommunen haben diese Genossen natürlich in der Regel nicht geschaffen. Dafür aber haben sie eine Reihe landwirtschaftlicher Artels ihren Händen entgleiten lassen. Allerdings sind „gute“ Resolutionen übrig geblieben. Aber was nützen diese?

Darin besteht der dritte Fehler in der kollektivwirtschaftlichen Bewegung.

 

Dritte Frage. Wo liegt die Quelle dieser Fehler und wie muss die Partei sie korrigieren?

Antwort. Ihre Quelle liegt in unseren schnellen Erfolgen in der kollektivwirtschaftlichen Bewegung. Erfolge steigen zuweilen zu Kopf. Sie erzeugen nicht selten übermäßigen Eigendünkel und Überheblichkeit. Das kann besonders leicht Vertretern einer Partei passieren, die an der Macht steht. Insbesondere einer solchen Partei wie der unseren, deren Stärke und Autorität schier unermesslich sind. Hier sind Fälle kommunistischer Hoffart, gegen die Lenin einen so heftigen Kampf geführt hat, durchaus möglich. Hier ist der Glaube an die Allmacht des Dekrets, der Resolution, der Verfügung durchaus möglich. Hier ist die Gefahr durchaus real, dass einzelne Vertreter der Partei in diesem oder jenem Winkel unseres unermesslichen Landes die revolutionären Maßnahmen der Partei in hohles, bürokratisches Dekretieren verwandeln. Ich meine hier nicht nur Funktionäre von Ortsorganisationen, sondern auch einzelne Gebietsfunktionäre und auch einzelne Mitglieder des ZK.

„Kommunistische Hoffart“, sagt Lenin , „heißt, dass ein Mensch, der der Kommunistischen Partei angehört und aus ihr noch nicht hinausgereinigt worden ist, sich einbildet, alle seine Aufgaben durch kommunistisches Dekretieren erledigen zu können.“ (4. Ausgabe, Bd. 33, S. 54, russ.)

Auf diesem Boden entstanden die Fehler in der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, die Verzerrungen der Parteilinie im kollektivwirtschaftlidhen Aufbau.

Worin besteht die Gefahr dieser Fehler und Verzerrungen, wenn sie auch weiter andauern sollten, wenn sie nicht schnell und restlos ausgemerzt werden?

Die Gefahr besteht hier darin, dass diese Fehler geradewegs zur Diskreditierung der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, zu einem Zerwürfnis mit dem Mittelbauern, zur Desorganisierung der Dorfarmut, zu einer Verwirrung in unseren Reihen, zur Schwächung unseres gesamten sozialistischen Aufbaus, zur Wiederherstellung des Kulakentums führen.

Kurz gesagt, in diesen Fehlern liegt die Tendenz, uns vom Wege der Festigung des Bündnisses mit den Hauptmassen der Bauernschaft, vom Wege der Festigung der proletarischen Diktatur abzudrängen auf den Weg des Bruches mit diesen Massen, auf den Weg der Untergrabung der proletarischen Diktatur.

Diese Gefahr zeigte sich schon in der zweiten Februarhälfte, in demselben Augenblick, als ein Teil unserer Genossen, durch die vorhergehenden Erfolge geblendet, den Lenin schen Weg im Galopp verließ. Das ZK der Partei hat dieser Gefahr Rechnung getragen und ohne Verzug eingegriffen, indem es Stalin beauftragte, den über die Stränge schlagenden Genossen in einem besonderen Artikel über die kollektivwirtschaftliche Bewegung eine Warnung zu erteilen. Manche sind der Meinung, dass der Artikel „Vor Erfolgen von Schwindel befallen“ das Ergebnis einer persönlichen Initiative Stalins sei. Das ist natürlich Unsinn. Unser ZK ist nicht dazu da, um in einer solchen Angelegenheit jemanden, wer es auch immer sei, auf Grund persönlicher Initiative handeln zu lassen. Das ZK hat hier gründliche Nachforschungen angestellt. Und als sich die Tiefe und das Ausmaß der Fehler herausstellten, zögerte das ZK nicht, mit der ganzen Kraft seiner Autorität gegen die Fehler einen Schlag zu führen, indem es seinen berühmten Beschluss vom 15. März 1930 veröffentlichte.

Es ist schwer, Leute, die dem Abgrund entgegen rennen, in ihrem rasenden Lauf aufzuhalten und auf den richtigen Weg zu bringen. Unser ZK heißt aber gerade deswegen Zentralkomitee der Lenin schen Partei, weil es noch ganz andere Schwierigkeiten zu überwinden vermag. Und es hat diese Schwierigkeiten im Wesentlichen bereits überwunden.

Es ist in solchen Fällen ganzen Abteilungen der Partei schwer, in ihrem Lauf innezuhalten, rechtzeitig. in die richtige Bahn einzulenken und während des Marsches ihre Reihen umzustellen. Unsere Partei heißt aber gerade deswegen die Partei Lenin s, weil sie genügend Elastizität besitzt, um solche Schwierigkeiten zu überwinden. Und sie hat diese Schwierigkeiten im Wesentlichen bereits überwunden.

Das Wichtigste besteht hier darin, den Mut aufzubringen, seine Fehler zuzugeben, und die Kraft in sich zu finden, sie in kürzester Frist zu beheben. Die Angst, seine Fehler zuzugeben, nachdem man sich erst kürzlich an den Erfolgen berauscht hatte, die Angst vor Selbstkritik und der mangelnde Wunsch, die Fehler schnell und entschlossen gutzumachen - darin besteht die größte Schwierigkeit. Man braucht nur diese Schwierigkeit zu überwinden, man braucht nur Schluss zu machen mit den übertriebenen zahlenmäßigen Zielsetzungen und dem kanzleibürokratischen Maximalismus, man braucht nur seine Aufmerksamkeit auf die Aufgaben des organisatorischen und wirtschaftlichen Aufbaus der Kollektivwirtschaften zu richten, damit von den Fehlern keine Spur übrig bleibe. Es ist keinerlei Grund vorhanden, daran zu zweifeln, dass die Partei diese gefährliche Schwierigkeit im Wesentlichen bereits überwunden hat.

„Alle revolutionären Parteien“, sagt Lenin , „die bisher zugrunde gegangen sind, gingen daran zugrunde, dass sie überheblich wurden und nicht zu sehen vermochten, worin ihre Kraft bestand, dass sie fürchteten, von ihren Schwächen zu sprechen. Wir aber werden nicht zugrunde gehen, weil wir nicht fürchten, von unseren Schwächen zu sprechen, und es lernen werden, die Schwächen zu überwinden.“ 1 (4. Ausgabe, Bd. 33, S. 278, russ.)

Diese Worte Lenin s darf man nicht vergessen.

 

Vierte Frage. Ist der Kampf gegen die Verzerrungen der Parteilinie nicht ein Schritt zurück, ein Rückzug?

Antwort. Natürlich nicht! Von einem Rückzug können hier nur Leute reden, die die Fortsetzung der Fehler und Verzerrungen als Offensive, den Kampf gegen die Fehler aber als Rückzug betrachten. Eine Offensive in der Form der Anhäufung von Fehlern und Verzerrungen - das wäre ja eine nette „Offensive“...

Wir haben das landwirtschaftliche Artel als die grundlegende Form der kollektivwirtschaftlichen Bewegung im gegebenen Augenblick in den Vordergrund gerückt und ein entsprechendes Musterstatut als Richtschnur für die Arbeit auf dem Gebiet des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus geschaffen. Treten wir in dieser Sache den Rückzug an? Natürlich nicht!

Wir haben die Festigung des Zusammenschlusses der Arbeiterklasse und der Dorfarmut mit dem Mittelbauern auf dem Gebiet der Produktion als Grundlage der kollektivwirtschaftlichen Bewegung im gegebenen Augenblick in den Vordergrund gerückt. Treten wir in dieser Sache den Rückzug an? Natürlich nicht!

Wir haben die Losung der Liquidierung des Kulakentums als Klasse als Hauptlosung unserer praktischen Arbeit auf dem Lande im gegebenen Augenblick aufgestellt. Treten wir in dieser Sache den Rückzug an? Natürlich nicht!

Wir haben bereits im Januar 1930 ein bestimmtes Tempo in der Kollektivierung der Landwirtschaft der UdSSR festgelegt, die Gebiete der UdSSR in bestimmte Gruppen gegliedert und für jede Gruppe ihr besonderes Tempo bestimmt. Treten wir in dieser Sache den Rückzug an? Natürlich nicht!

Wo ist hier ein „Rückzug“ der Partei?

Wir wollen, dass die Leute, die Fehler und Verzerrungen begangen haben, von ihren Fehlern ablassen. Wir wollen, dass diejenigen, die Torheiten begangen haben, von ihren Torheiten ablassen und auf die Positionen des Lenin ismus zurückkehren. Wir wollen das, da man nur unter dieser Bedingung die wirkliche Offensive gegen unsere Klassenfeinde wird fortsetzen können. Bedeutet das etwa, dass wir dadurch einen Schritt zurück machen? Natürlich nicht! Das bedeutet nur, dass wir eine richtige Offensive führen und kein törichtes Spiel mit der Offensive treiben wollen.

Ist es nicht klar, dass nur Sonderlinge und „linke“ Überspitzer eine solche Einstellung der Partei als Rückzug einschätzen können?

Leute, die von einem Rückzug schwatzen, begreifen zumindest zwei Dinge nicht.

a) Sie kennen nicht die Gesetze der Offensive. Sie verstehen nicht, dass eine Offensive ohne Befestigung der eroberten Positionen eine zum Scheitern verurteilte Offensive ist.

Wann kann eine Offensive, zum Beispiel auf militärischem Gebiet, erfolgreich sein? Wenn man sich nicht auf bloßen Vormarsch beschränkt, sondern gleichzeitig bestrebt ist, die eroberten Positionen zu befestigen, seine Kräfte der veränderten Lage entsprechend umzugruppieren, die rückwärtigen Dienste nachzuziehen, die Reserven heranzuführen. Wozu ist das alles nötig? Um sich gegen Überraschungen zu sichern, einzelne Breschen zu beseitigen, vor denen keine einzige Offensive sicher ist, und somit die völlige Vernichtung des Feindes vorzubereiten. Der Fehler der polnischen Truppen im Jahre 1920 bestand, wenn man nur die militärische Seite der Sache berücksichtigt, darin, dass sie diese Regel missachteten. Dadurch erklärt sich unter anderem auch, dass sie nach ihrem raschen Vormarsch auf Kiew gezwungen waren, ebenso rasch bis Warschau zurückzufluten. Der Fehler der Sowjettruppen im Jahre 1920 bestand, wenn man wiederum nur die militärische Seite der Sache berücksichtigt, darin, dass sie bei ihrer Offensive gegen Warschau den Fehler der Polen wiederholten.

Dasselbe ist auch von den Gesetzen der Offensive an der Front des Klassenkampfes zu sagen. Man kann keine erfolgreiche Offensive zur Liquidierung der Klassenfeinde führen, ohne die eroberten Positionen zu befestigen, ohne seine Kräfte umzugruppieren, ohne der Front Reserven zuzuführen, ohne die rückwärtigen Dienste nachzuziehen usw.

Die ganze Sache ist die, dass Toren die Gesetze der Offensive nicht verstehen. Die ganze Sache ist die, dass die Partei sie versteht und in die Tat umsetzt.

b) Sie verstehen nicht den Klassencharakter der Offensive. Sie reden viel von Offensive. Aber Offensive gegen welche Klasse, im Bündnis mit welcher Klasse? Wir führen die Offensive gegen die kapitalistischen Elemente des Dorfes im Bündnis mit dem Mittelbauern, denn nur eine solche Offensive kann uns den Sieg bringen. Was ist aber, wenn durch den Übereifer einzelner Abteilungen der Partei die Offensive von dem richtigen Wege abzugleiten beginnt und sich mit ihrer Spitze gegen unseren Verbündeten, den Mittelbauern, kehrt? Brauchen wir denn jedwede Offensive und nicht eine Offensive gegen eine bestimmte Klasse im Bündnis mit einer bestimmten Klasse? Don Quichotte bildete sich ja ebenfalls ein, dass er den Feind angreife, als er gegen die Windmühle anstürmte. Es ist jedoch bekannt, dass er sich bei dieser, mit Verlaub zu sagen, Offensive den Kopf eingerannt hat.

Anscheinend lassen die Lorbeeren des Don Quichottes unsere „linken“ Überspitzer nicht schlafen.

 

Fünfte Frage. Welche Gefahr ist bei uns die Hauptgefahr, die rechte oder die „linke“?

Antwort. Die Hauptgefahr ist bei uns jetzt die rechte. Die rechte Gefahr war und bleibt bei uns die Hauptgefahr.

Widerspricht dieser Satz nicht der bekannten These in dem Beschluss des ZK vom 15. März 1930, wonach die Fehler und Verzerrungen der „linken“ Überspitzer jetzt das Haupthemmnis in der kollektivwirtschaftlichen Bewegung sind? Nein, er widerspricht ihr nicht. Die Sache ist die, dass die Fehler der „linken“ Überspitzer auf dem Gebiet der kollektivwirtschaftlichen Bewegung Fehler sind, die günstige Verhältnisse für die Stärkung und Festigung der rechten Abweichung in der Partei schaffen. Warum? Weil diese Fehler die Linie der Partei in einem falschen Licht erscheinen lassen - folglich die Diskreditierung der Partei erleichtern - und so den Kampf der rechten Elemente gegen die Führung der Partei erleichtern. Die Diskreditierung der Parteiführung ist jener elementare Boden, auf dem sich allein der Kampf der rechten Abweichler gegen die Partei entfalten kann. Diesen Boden bieten den rechten Abweichlern die „linken“ Überspitzer, ihre Fehler und Verzerrungen. Um also den rechten Opportunismus mit Erfolg zu bekämpfen, muss man die Fehler der „linken“ Opportunisten überwinden. Die „linken“ Überspitzer sind objektiv die Verbündeten der rechten Abweichler.

Das ist der eigenartige Zusammenhang zwischen dem „linken“ Opportunismus und der rechten Abweichung.

Durch diesen Zusammenhang ist auch die Tatsache zu erklären, dass manche „Linke“ häufig von einem Block mit den Rechten reden. Dadurch ist auch die eigenartige Erscheinung zu erklären, dass ein Teil der „Linksler“, der gestern noch einen Hurra-Angriff „durchführte“ und die UdSSR in zwei bis drei Wochen zu kollektivieren versuchte, heute in Passivität verfällt, die Hände sinken lässt, den Kampfplatz seelenruhig den rechten Abweichlern überlässt und somit die Linie eines wirklichen Rückzugs (ohne Anführungszeichen!) vor dem Kulakentum einschlägt.

Die Besonderheit des gegenwärtigen Moments besteht darin, dass der Kampf gegen die Fehler der „linken“ Überspitzer bei uns eine Vorbedingung und eine eigenartige Form des erfolgreichen Kampfes gegen den rechten Opportunismus ist.

 

Sechste Frage. Wie ist das Abfluten eines Teils der Bauern aus den Kollektivwirtschaften einzuschätzen?

Antwort. Das Abfluten eines Teils der Bauern bedeutet, dass bei uns in letzter Zeit eine gewisse Anzahl nicht stabiler Kollektivwirtschaften entstanden ist, die sich jetzt von unbeständigen Elementen säubern. Das bedeutet, dass die Scheinkollektivwirtschaften verschwinden, die festen bestehen bleiben und immer mehr erstarken werden. Ich glaube, dass das eine durchaus normale Erscheinung ist. Manche Genossen geraten darüber in Verzweiflung, verfallen in Panik und klammern sich krampfhaft an die aufgebauschten Prozentsätze der Kollektivierung. Andere sind schadenfroh und prophezeien das „Fiasko“ der kollektivwirtschaftlichen Bewegung. Diese wie jene befinden sich in einem schweren Irrtum. Diese wie jene sind weit entfernt von einer marxistischen Auffassung vom Wesen der kollektivwirtschaftlichen Bewegung.

Es verlassen die Kollektivwirtschaften vor allem die so genannten toten Seelen. Das ist nicht einmal ein Verlassen, sondern die Feststellung, dass gar nichts da ist. Brauchen wir tote Seelen? Natürlich brauchen wir sie nicht. Ich glaube, dass die Nordkaukasier und die Ukrainer vollkommen richtig handeln, wenn sie die Kollektivwirtschaften mit toten Seelen auflösen und wirklich lebendige und wirklich stabile Kollektivwirtschaften organisieren. Dabei kann die kollektivwirtschaftliche Bewegung nur gewinnen.

Es verlassen die Kollektivwirtschaften zweitens die fremden Elemente, die unserer Sache direkt feindlich gegenüberstehen. Es ist klar: Je eher solche Elemente hinausgeworfen werden, desto besser für die kollektivwirtschaftliche Bewegung.

Es verlassen die Kollektivwirtschaften schließlich die schwankenden Elemente, die man weder fremde Elemente noch tote Seelen nennen kann. Das sind diejenigen Bauern, die wir heute noch nicht von der Richtigkeit unserer Sache zu überzeugen vermochten, die wir aber morgen unbedingt davon überzeugen werden. Der Austritt solcher Bauern ist ein ernsthafter, wenn auch nur vorübergehender Verlust für die kollektivwirtschaftliche Bewegung. Deshalb ist der Kampf um die schwankenden Elemente der Kollektivwirtschaften gegenwärtig eine der dringendsten Aufgaben der kollektivwirtschaftlichen Bewegung.

Es ist demnach so, dass das Abfluten eines Teils der Bauern aus den Kollektivwirtschaften nicht bloß eine negative Erscheinung ist. Es ist vielmehr so, dass dieses Abfluten, soweit es die Kollektivwirtschaften von toten Seelen und ausgesprochen fremden Elementen befreit, einen wohltuenden Prozess der Gesundung und Festigung der Kollektivwirtschaften bedeutet.

Vor einem Monat hatte man berechnet, dass in den Getreidegebieten über 60 Prozent der Wirtschaften kollektiviert sind. Heute ist klar, dass diese Zahl, wenn man die wirklichen und einigermaßen stabilen Kollektivwirtschaften in Betracht zieht, offensichtlich übertrieben war. Wenn sich die kollektivwirtschaftliche Bewegung nach dem Abfluten eines Teils der Bauern in den Getreidegebieten mit 40 Prozent Kollektivierung stabilisiert - das aber kann unbedingt erzielt werden -, so wird das im gegenwärtigen Augenblick eine gewaltige Errungenschaft der kollektivwirtschaftlichen Bewegung sein. Ich nehme eine Durchschnittszahl für die Getreidegebiete, wobei ich wohl weiß, dass wir einzelne Bezirke mit durchgängiger Kollektivierung haben, die einen Prozentsatz von 80 bis 90 aufweisen. 40 Prozent Kollektivierung in den Getreidegebieten - das bedeutet, dass wir den ursprünglichen Fünfjahrplan der Kollektivierung bis zum Frühjahr 1930 zu 200 Prozent zu erfüllen vermochten.

Wer wird es wagen, den entscheidenden Charakter dieser historischen Errungenschaft in der sozialistischen Entwicklung der UdSSR in Abrede zu stellen?

 

Siebente Frage. Tun die schwankenden Bauern gut daran, die Kollektivwirtschaften zu verlassen?

Antwort. Nein, sie tun nicht gut daran. Wenn sie die Kollektivwirtschaften verlassen, handeln sie ihren eigenen Interessen zuwider, denn nur die Kollektivwirtschaften bieten den Bauern einen Ausweg aus Not und Unwissenheit. Wenn sie die Kollektivwirtschaften verlassen, versetzen sie sich in eine schlechtere Lage, denn sie gehen derjenigen Vergünstigungen und Vorteile verlustig, die die Sowjetmacht den Kollektivwirtschaften gewährt. Die Fehler und Verzerrungen in den Kollektivwirtschaften sind kein Argument für den Austritt. Man muss die Fehler mit gemeinsamen Kräften beheben und in der Kollektivwirtschaft bleiben. Sie sind umso leichter zu beheben, als die Sowjetmacht sie mit allen Kräften bekämpfen wird.

Lenin sagt:

„Das System der Kleinwirtschaft beim Bestehen der Warenproduktion ist nicht imstande, die Menschheit von Massenelend und Massenunterdrückung zu erlösen.“ (4. Ausgabe, Bd. 24, S. 51 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 30].)

Lenin sagt:

„Mit der Kleinwirtschaft kann man aus der Not nicht herauskommen.“ (4. Ausgabe, Bd. 30, S. 127, russ.)

Lenin sagt:

„Wenn wir in althergebrachter Weise in kleinen Wirtschaften hocken bleiben, und sei es auch als freie Bürger auf freier Scholle, so droht uns dennoch der unvermeidliche Untergang.“ (4. Ausgabe, Bd. 24, S. 465, russ.)

Lenin sagt:

„Nur durch gemeinsame, artelmäßige, genossenschaftliche Arbeit kann man aus der Sackgasse, in die uns der imperialistische Krieg getrieben hat, einen Ausweg finden.“ (4. Ausgabe, Bd. 30, S. 123, russ.)

Lenin sagt:

„Es ist notwendig, zur gemeinsamen Bodenbestellung in großen Musterwirtschaften überzugehen“, denn „sonst kann man aus der Zerrüttung, aus der geradezu verzweifelten Lage nicht herauskommen, in der sich Rußland befindet.“ (4. Ausgabe, Bd. 24, S. 466, russ.)

Was bedeutet das alles?

Das bedeutet, dass die Kollektivwirtschaften das einzige Mittel sind, das den Bauern einen Ausweg aus Not und Unwissenheit bietet.

Es ist klar, dass die Bauern nicht richtig handeln, wenn sie aus den Kollektivwirtschaften austreten.

Lenin sagt:

„Ihnen allen ist natürlich aus der gesamten Tätigkeit der Sowjetmacht bekannt, welch gewaltige Bedeutung wir den Kommunen, den Artels und überhaupt allen Organisationen beimessen, die darauf gerichtet sind, die kleine bäuerliche Einzelwirtschaft in eine gesellschaftliche, gemeinschaftliche oder in eine Artelwirtschaft umzuwandeln und diese Umwandlung allmählich zu fördern.“ (4. Ausgabe, Bd. 30, S. 173 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. 11, S. 629].)

Lenin sagt:

„dass die Sowjetmacht... die Kommunen und Genossenschaften direkt bevorzugt und sie an die erste Stelle setzt“1. (4. Ausgabe, Bd. 28, S. 286 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 487].)

Was bedeutet das?

Das bedeutet, dass die Sowjetmacht den Kollektivwirtschaften Vergünstigungen und Vorrechte gegenüber den Einzelwirtschaften gewähren wird. Das bedeutet, dass sie den Kollektivwirtschaften sowohl durch Überlassung von Boden und Belieferung mit Maschinen, Traktoren, Saatgut usw. als auch durch Steuererleichterungen und Einräumung von Krediten Vergünstigungen gewähren wird.

Weshalb gewährt die Sowjetmacht den Kollektivwirtschaften Vergünstigungen und Vorrechte?

Weil die Kollektivwirtschaften das einzige Mittel zur Befreiung der Bauern aus dem Elend sind.

Weil die den Kollektivwirtschaften erwiesene Vorzugsunterstützung die wirksamste Form der Hilfe für die Dorfarmut und die Mittelbauern ist.

Dieser Tage hat die Sowjetmacht beschlossen, das gesamte vergesellschaftete Zugvieh in den Kollektivwirtschaften (Pferde, Ochsen usw.), alle Kühe, Schweine, Schafe und alles Geflügel, sowohl die im Kollektivbesitz der Kollektivwirtschaften als auch die im Einzelbesitz der Kollektivbauern befindlichen, auf zwei Jahre von der Besteuerung zu befreien.

Die Sowjetmacht hat außerdem beschlossen, den Kollektivbauern die Bezahlung ihrer Schulden für aufgenommene Darlehen bis zum Jahresende zu stunden sowie alle Geldstrafen und gerichtlichen Eintreibungen zu erlassen, die den Bauern, die Kollektivwirtschaften beigetreten sind, bis zum 1. April auferlegt worden sind.

Sie hat schließlich beschlossen, in diesem Jahr unbedingt die Kreditgewährung für Kollektivwirtschaften in Höhe von 500 Millionen Rubel durchzuführen.

Diese Vergünstigungen werden den Kollektivbauern zugute kommen. Diese Vergünstigungen werden denjenigen Kollektivbauern zugute kommen, die dem Abfluten zu widerstehen vermochten, die sich im Kampf gegen die Feinde der Kollektivwirtschaften gestählt, die die Kollektivwirtschaften erfolgreich verteidigt und das große Banner der kollektivwirtschaftlichen Bewegung hochgehalten haben. Diese Vergünstigungen werden den armen und Mittelbauern unter den Kollektivbauern zugute kommen, die gegenwärtig den Grundstock unserer Kollektivwirtschaften bilden, die unsere Kollektivwirtschaften verankern und ihnen feste Form verleihen werden und die Millionen und aber Millionen der Bauernschaft für den Sozialismus fest gewinnen werden. Diese Vergünstigungen werden denjenigen Kollektivbauern zugute kommen, die gegenwärtig die Grundkader der Kollektivwirtschaften bilden und die es durchaus verdienen, dass man sie Helden der kollektivwirtschaftlichen Bewegung nennt.

Diese Vergünstigungen werden denjenigen Bauern nicht zuteil werden, die die Kollektivwirtschaften verlassen haben.

Ist es nicht klar, dass die Bauern einen Fehler begehen, wenn sie die Kollektivwirtschaften verlassen?

Ist es nicht klar, dass sie sich diese Vergünstigungen nur durch die Rückkehr in die Kollektivwirtschaften sichern können?

 

Achte Frage. Was soll mit den Kommunen geschehen, soll man sie nicht auflösen?

Antwort. Nein, man soll sie nicht auflösen, und es liegt kein Grund dazu vor. Ich spreche von den wirklichen Kommunen und nicht von solchen, die bloß auf dem Papier stehen. In den Getreidegebieten der UdSSR gibt es eine Reihe ausgezeichneter Kommunen, die es verdienen, gefördert und unterstützt zu werden. Ich meine die alten Kommunen, die die Jahre der Prüfungen überstanden, sich im Kampfe gestählt und ihr Bestehen durchaus gerechtfertigt haben. Man soll sie nicht auflösen, sondern soll sie in Artels umwandeln.

Die Bildung und Leitung von Kommunen ist eine komplizierte und schwierige Angelegenheit. Große und stabile Kommunen können nur dann existieren und sich entwickeln, wenn erfahrene Kader und erprobte Leiter vorhanden sind. Ein überstürztes Überleiten von der Artelverfassung zur Kommuneverfassung ist nur geeignet, die Bauern von der kollektivwirtschaftlichen Bewegung abzustoßen. Deshalb muss man diese Frage mit besonderem Ernst und ohne jede Übereilung behandeln. Das Artel ist eine weniger komplizierte Sache und für das Verständnis der breiten Bauernmassen zugänglicher. Deshalb ist das Artel gegenwärtig die meist verbreitete Form der kollektivwirtschaftlichen Bewegung. Nur in dem Maße, wie sich die landwirtschaftlichen Artels stärken und festigen, kann die Grundlage für eine Massenbewegung der Bauern zugunsten der Kommune entstehen. Das wird aber nicht so bald geschehen. Deshalb kann die Kommune, die die höchste Form darstellt, erst in der Zukunft zur Hauptform der kollektivwirtschaftlichen Bewegung werden.

 

Neunte Frage. Was soll mit dem Kulakentum geschehen?

Antwort. Bisher sprachen wir von dem Mittelbauern. Der Mittelbauer ist der Verbündete der Arbeiterklasse, und dem Mittelbauern gegenüber muss unsere Politik eine freundschaftliche sein. Anders steht es mit dem Kulaken. Der Kulak ist ein Feind der Sowjetmacht. Mit ihm leben wir nicht in Frieden und können wir nicht in Frieden leben. Unsere Politik gegenüber dem Kulakentum ist eine Politik seiner Liquidierung als Klasse. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir das Kulakentum mit einem Schlage liquidieren können. Das bedeutet aber, dass wir dahin streben werden, es zu umzingeln und zu liquidieren.

Lenin sagt über den Kulaken:

„Die Kulaken sind die vertiertesten, rohesten, brutalsten Ausbeuter, die in der Geschichte anderer Länder mehr als einmal die Macht der Gutsbesitzer, der Könige, Pfaffen und Kapitalisten wiederhergestellt haben. Kulaken gibt es mehr als Gutsbesitzer und Kapitalisten. Aber dennoch sind die Kulaken nur eine Minderheit im Volk... Diese Blutsauger haben sich während des Krieges an der Not des Volkes bereichert, sie haben Tausende und Hunderttausende Rubel zusammengerafft, indem sie die Preise für Getreide und andere Produkte hinaufschraubten. Diese Spinnen mästeten sich auf Kosten der durch den Krieg ruinierten Bauern, auf Kosten der hungernden Arbeiter. Diese Blutegel saugten das Blut der Werktätigen und wurden umso reicher, je mehr der Arbeiter in den Städten und Fabriken hungerte. Diese Vampire brachten und bringen den Boden der Gutsbesitzer an sich, sie zwingen die armen Bauern immer und immer wieder in Schuldknechtschaft.“ (4. Ausgabe, Bd. 28, S. 39 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 407/408].)

Wir duldeten diese Blutsauger, Spinnen und Vampire und trieben eine Politik der Einschränkung ihrer Ausbeutertendenzen. Wir duldeten sie, da wir nichts hatten, wodurch wir die Kulakenwirtschaft, die Kulakenproduktion hätten ersetzen können. Jetzt haben wir die Möglichkeit, ihre Wirtschaft durch die Wirtschaft unserer Kollektiv- und Sowjetwirtschaften mehr als zu ersetzen. Diese Spinnen und Blutsauger dürfen nicht weiter geduldet werden. Diese Spinnen und Blutsauger - die Kollektivwirtschaften in Brand stecken, Vorkämpfer der Kollektivwirtschaften morden und versuchen, die Aussaat zu vereiteln - weiter zu dulden, hieße den Interessen der Arbeiter und Bauern zuwiderhandeln.

Deshalb muss die Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse mit der ganzen Beharrlichkeit und Folgerichtigkeit durchgeführt werden, zu der Bolschewiki nur fähig sind.

 

Zehnte Frage. Worin besteht die nächste praktische Aufgabe der Kollektivwirtschaften?

Antwort. Die nächste praktische Aufgabe der Kollektivwirtschaften besteht im Kampf für die Aussaat, im Kampf für die maximale Erweiterung der Anbaufläche, im Kampf für die richtige Organisierung der Aussaat.

Der Aufgabe der Aussaat müssen gegenwärtig alle anderen Aufgaben der Kollektivwirtschaften angepasst werden.

Der Arbeit zur Organisierung der Aussaat müssen gegenwärtig alle anderen Arbeiten in den Kollektivwirtschaften untergeordnet werden.

Das bedeutet, dass man die Festigkeit der Kollektivwirtschaften und ihres parteilosen Aktivs, die Fähigkeiten der Leiter der Kollektivwirtschaften und ihres bolschewistischen Kerns nicht nach phrasenreichen Resolutionen und hochtrabenden Begrüßungsansprachen beurteilen wird, sondern nach der praktischen Arbeit an der richtigen Organisierung der Aussaat.

Um aber diese praktische Aufgabe in Ehren erfüllen zu können, muss man die Aufmerksamkeit der Funktionäre der Kollektivwirtschaften auf die wirtschaftlichen Fragen des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus, auf die Fragen des inneren kollektivwirtschaftlichen Aufbaus lenken.

Bis zur letzten Zeit stand im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Funktionäre der Kollektivwirtschaften die Jagd nach hohen Kollektivierungszahlen, wobei man den Unterschied zwischen der wirklichen Kollektivierung und der auf dem Papier stehenden Kollektivierung nicht sehen wollte. Jetzt muss diese Jagd nach Zahlen aufhören. Jetzt muss die Aufmerksamkeit der Funktionäre auf die Festigung der Kollektivwirtschaften, auf den organisatorischen Aufbau der Kollektivwirtschaften, auf die Organisierung der sachlichen Arbeit in den Kollektivwirtschaften konzentriert werden.

Bis zur letzten Zeit war die Aufmerksamkeit der Funktionäre der Kollektivwirtschaften auf die Organisierung großer kollektivwirtschaftlicher Einheiten, auf die Organisierung so genannter „Giganten“ konzentriert, wobei die „Giganten“ nicht selten in schwerfällige, bürokratische Kommandostellen ausarteten, die in den Dörfern und Ortschaften keine wirtschaftlichen Wurzeln hatten. Die Scheinarbeit hat demnach die sachliche Arbeit aufgesogen. Jetzt muss diese Jagd nach äußerlich Eindrucksvollem aufhören. Jetzt muss die Aufmerksamkeit der Funktionäre auf die organisatorische und wirtschaftliche Arbeit der Kollektivwirtschaften in den Dörfern und Ortschaften konzentriert werden. Wenn diese Arbeit die entsprechenden Erfolge zeitigt, dann werden „Giganten“ von selbst entstehen.

Bis zur letzten Zeit wurde der Heranziehung der Mittelbauern zu leitender Arbeit in den Kollektivwirtschaften wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Indes gibt es unter den Mittelbauern treffliche Landwirte, die ausgezeichnete Wirtschaftsleiter für den kollektivwirtschaftlichen Aufbau werden könnten. Jetzt muss dieser Mangel in unserer Arbeit behoben werden. Jetzt besteht die Aufgabe darin, die Besten aus den Reihen der Mittelbauern zu leitender Arbeit in den Kollektivwirtschaften heranzuziehen und ihnen die Möglichkeit zu geben, in dieser Arbeit ihre Fähigkeiten zu entfalten.

Bis zur letzten Zeit wurde der Arbeit unter den Bäuerinnen nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt. Die verflossene Periode hat gezeigt, dass die Arbeit unter den Bäuerinnen die schwächste Stelle unserer Arbeit ist. Jetzt muss dieser Mangel entschieden und ein für allemal behoben werden.

Bis zur letzten Zeit gingen die Kommunisten einer Reihe von Bezirken davon aus, dass sie alle Aufgaben des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus mit ihren eigenen Kräften bewältigen können. Davon ausgehend, schenkten sie der Heranziehung von Parteilosen zu verantwortlicher Arbeit in den Kollektivwirtschaften, der Beförderung von Parteilosen zu leitender Arbeit in den Kollektivwirtschaften, der Organisierung eines breiten parteilosen Aktivs in den Kollektivwirtschaften nicht genügend Aufmerksamkeit. Die Geschichte unserer Partei hat bewiesen, und die verflossene Periode des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus hat abermals gezeigt, dass eine solche Einstellung grundfalsch ist. Würden die Kommunisten sich abkapseln, sich durch eine Mauer von den Parteilosen absperren, so würden sie die ganze Sache zugrunde richten. Wenn es den Kommunisten gelang, sich in den Kämpfen für den Sozialismus mit Ruhm zu bedecken, die Feinde des Kommunismus aber geschlagen wurden, so kam das unter anderem daher, dass die Kommunisten es verstanden haben, aus den Reihen der Parteilosen die Besten zur Arbeit heranzuziehen, dass sie es verstanden haben, Kräfte aus den breiten Schichten der Parteilosen zu schöpfen, dass sie es verstanden haben, ihre Partei mit einem breiten parteilosen Aktiv zu umgeben. Jetzt muss dieser Mangel in unserer Arbeit mit den Parteilosen entschieden und ein für allemal behoben werden.

Diese Mängel in unserer Arbeit beseitigen, sie restlos ausmerzen - das bedeutet eben, die wirtschaftliche Arbeit der Kollektivwirtschaften ins richtige Gleis zu bringen.

Also :

1. Richtige Organisierung der Aussaat - das ist die Aufgabe.

2. Konzentrierung der Aufmerksamkeit auf die wirtschaftlichen Fragen der kollektivwirtschaftlichen Bewegung - das ist das Mittel, das zur Lösung dieser Aufgabe erforderlich ist.

„Prawda“ Nr.92,
3. April 1930.
Unterschrift: J. Stalin.

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