"Stalin"

Werke

Band 12

POLITISCHER RECHENSCHAFTSBERICHT
DES ZENTRALKOMITEES
AN DEN XVI. PARTEITAG DER KPdSU(B)

II
DER WACHSENDE
AUFSCHWUNG DES SOZIALISTISCHEN AUFBAUS
UND DIE INNERE LAGE DER UdSSR

Gehen wir zur inneren Lage der UdSSR über.

Im Gegensatz zu den kapitalistischen Ländern, in denen jetzt die ökonomische Krise und wachsende Erwerbslosigkeit herrschen, bietet die innere Lage unseres Landes ein Bild des wachsenden Aufschwungs der Volkswirtschaft und des progressiven Rückgangs der Erwerbslosigkeit. Die Großindustrie ist gewachsen und hat ihr Entwicklungstempo beschleunigt. Die Schwerindustrie ist erstarkt. Der sozialistische Sektor der Industrie ist weit vorangekommen. In der Landwirtschaft ist eine neue Macht herangewachsen - die Sowjet- und Kollektivwirtschaften. Während wir vor zwei Jahren eine Krise der Getreideproduktion hatten und uns bei der Getreidebeschaffung hauptsächlich auf die Einzelwirtschaft stützten, ist der Schwerpunkt jetzt auf die Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften verlegt, und die Getreidekrise kann in der Hauptsache als überwunden betrachtet werden. Die Hauptmassen der Bauernschaft haben sich endgültig den Kollektivwirtschaften zugewandt. Der Widerstand des Kulakentums ist niedergeschlagen. Die innere Lage der UdSSR hat sich noch mehr gefestigt.

Das ist im Ganzen das Bild der inneren Lage der UdSSR zum gegenwärtigen Zeitpunkt.

Sehen wir uns das konkrete Material an.

1. Das Wachstum der Volkswirtschaft in ihrer Gesamtheit

a) Hatten wir im Jahre 1926/27, d. h. zur Zeit des XV. Parteitags, in der gesamten Landwirtschaft - Forstwirtschaft, Fischerei usw. einbegriffen - eine Bruttoproduktion von 12370 Millionen Vorkriegsrubel, d. h. 106,6 Prozent des Vorkriegsstands, so hatten wir im folgenden Jahr, d. h. 1927/28, 107,2 Prozent, im Jahre 1928/29 109,1 Prozent, während wir im laufenden Jahr, 1929/30, nach dem Gang der Entwicklung der Landwirtschaft zu urteilen, mindestens 113-114 Prozent des Vorkriegsstands erreichen werden.

Es ist also ein ununterbrochenes, wenn auch verhältnismäßig langsames Wachstum der landwirtschaftlichen Gesamtproduktion festzustellen.

Betrug die Bruttoproduktion der gesamten Industrie - sowohl der Klein- wie auch der Großindustrie, die Müh Lenin dustrie eingeschlossen - im Jahre 1926/27, d. h. zur Zeit des XV. Parteitags, 8641 Millionen Vorkriegsrubel, d. h. 102,5 Prozent des Vorkriegsstands, so hatten wir im folgenden Jahr, d. h. 1927/28, 122 Prozent, im Jahre 1928/29 142,5 Prozent, während wir im laufenden Jahr, 1929/30, nach dem Entwicklungstempo der Industrie zu urteilen, mindestens 180 Prozent des Vorkriegsstands erreichen werden.

Es ist also ein beispiellos rasches Wachstum der industriellen Gesamtproduktion festzustellen.

b) Betrug im Jahre 1926/27, d. h. zur Zeit des XV. Parteitags, der Güterumschlag in unserem gesamten Eisenbahnnetz 81,7 Milliarden Tonnenkilometer, d. h. 127 Prozent des Vorkriegsniveaus, so hatten wir im folgenden Jahr, d. h. 1927/28, 134,2 Prozent, im Jahre 1928/29 162,4 Prozent, während der Güterumschlag im laufenden Jahr, 1929/30, voraus-sichtlich mindestens 193 Prozent des Vorkriegsstands ausmachen wird. Was den Bau neuer Strecken anbelangt, so wächst in der Berichtsperiode, d. h. seit 1927/28, das Eisenbahnnetz von 76000 Kilometer auf 80000 Kilometer, was 136,7 Prozent des Vorkriegsumfangs ausmacht.

c) Setzt man den Stand des Handelsumsatzes im Lande im Jahre 1926/27 gleich 100 (31 Milliarden Rubel), so wuchs der Umsatz im Jahre 1927/28 auf 124,6 Prozent, im Jahre 1928/29 auf 160,4 Prozent, während der Umsatz im laufenden Jahr, 1929/30, voraussichtlich 202 Prozent betragen wird, d. h. sich im Vergleich zu 1926/27 verdoppeln wird.

d) Setzt man die Gesamtbilanz aller unserer Kreditanstalten vom 1. Oktober 1927 gleich 100 (9173 Millionen Rubel), dann ergibt sich für den 1.Oktober 1928 ein Anwachsen auf 141 Prozent und für den 1.Oktober 1929 auf 201,1 Prozent, d. h. eine Verdoppelung im Vergleich zu 1927.

e) Setzt man den Gesamtstaatshaushalt 1926/27 gleich 100 (6371 Millionen Rubel), so hatten wir für 1927/28 ein Anwachsen des Staatshaushalts auf 125,5 Prozent, für 1928/29 auf 146,7 Prozent und für 1929/30 auf 204,4 Prozent, d. h. im Vergleich mit dem Haushalt des Jahres 1926/27 eine Verdoppelung (12605 Millionen Rubel).

f) Machte unser Außenhandelsumsatz (Export und Import) im Jahre 1926/27 47,9 Prozent des Vorkriegsniveaus aus, so wuchs er im Jahre 1927/28 auf 56,8 Prozent, im Jahre 1928/29 auf 67,9 Prozent, während er im Jahre 1929/30 voraussichtlich nicht weniger als 80 Prozent des Vorkriegsumfangs betragen wird.

g) Zusammenfassend können wir feststellen, dass das Wachstum des gesamten Volkseinkommens in der Berichtsperiode (in unveränderten Preisen des Jahres 1926/27) folgendes Bild bietet: Im Jahre 1926/27 betrug das Volkseinkommen nach den Zahlen der Staatlichen Plankommission 23127 Millionen Rubel, im Jahre 1927/28 25396 Millionen Rubel - ein Wachstum um 9,8 Prozent -, im Jahre 1928/29 28596 Millionen Rubel - ein Wachstum um 12,6 Prozent; im Jahre 1929/30 wird das Volkseinkommen voraussichtlich nicht weniger als 34 Milliarden Rubel betragen, so dass der Zuwachs des letzten Jahres 20 Prozent ausmachen wird. Der durchschnittliche Jahreszuwachs in den drei Berichtsjahren beträgt also mehr als 15 Prozent.

Zieht man in Betracht, dass die durchschnittliche Jahreszunahme des Volkseinkommens in Ländern wie den USA, England, Deutschland nicht mehr als 3-8 Prozent beträgt, so muss man zugeben, dass das Wachstumstempo des Volkseinkommens in der UdSSR wirklich einen Rekord darstellt.

2. Die Erfolge der Industrialisierung

Das Wachstum der Volkswirtschaft geht bei uns nicht spontan vor sich, sondern in einer bestimmten Richtung, nämlich in Richtung auf die Industrialisierung, es steht im Zeichen der Industrialisierung, im Zeichen des Anwachsens des Anteils der Industrie am Gesamtsystem der Volkswirtschaft, im Zeichen der Verwandlung unseres Landes aus einem Agrarland in ein Industrieland.

a) Die Dynamik des Wechselverhältnisses zwischen der gesamten Industrie und der gesamten Landwirtschaft vom Standpunkt des Anteils der Industrie an der Bruttoproduktion der gesamten Volkswirtschaft zeichnet sich in der Berichtsperiode wie folgt ab: Von der Bruttoproduktion der Volkswirtschaft entfielen in der Vorkriegszeit auf die Industrie 42,1 Prozent und auf die Landwirtschaft 57,9 Prozent, im Jahre 1927/28 auf die Industrie 45,2 Prozent und auf die Landwirtschaft 54,8 Prozent, im Jahre 1928/29 auf die Industrie 48,7 Prozent, auf die Landwirtschaft 51,3 Prozent; im Jahre 1929/30 werden auf die Industrie voraussichtlich nicht weniger als 53 Prozent und auf die Landwirtschaft nicht mehr als 47 Prozent entfallen.

Dies bedeutet, dass der Anteil der Industrie am Gesamtsystem der Volkswirtschaft den Anteil der Landwirtschaft bereits zu überwiegen beginnt und dass wir am Vorabend der Umwandlung unseres Landes aus einem Agrarland in ein Industrieland stehen. (Beifall.)

b) Ein noch entschiedeneres Übergewicht zugunsten der Industrie erhalten wir, wenn wir den Anteil der Industrie an der Warenproduktion der Volkswirtschaft betrachten. Während 1926/27 der Anteil der industriellen Warenproduktion an der Gesamtbilanz der volkswirtschaftlichen Warenproduktion 68,8 Prozent betrug und der Anteil der landwirtschaftlichen Warenproduktion 31,2 Prozent, sind die entsprechenden Zahlen im Jahre 1927/28 für die Industrie 71,2 Prozent, für die Landwirtschaft 28,8 Prozent, im Jahre 1928/29 für die Industrie 72,4 Prozent, für die Landwirtschaft 27,6 Prozent; und für das Jahr 1929/30 werden wir voraussichtlich für die Industrie 76 Prozent, für die Landwirtschaft aber 24 Prozent haben.

In dieser besonders ungünstigen Lage der Landwirtschaft kommt unter anderem der kleinbäuerliche Charakter der Landwirtschaft, ihre schwach entwickelte Warenproduktion, zum Ausdruck. Dabei versteht sich, dass dieser Zustand sich in gewissem Maße ändern wird, je mehr die Vergrößerung des landwirtschaftlichen Betriebs - in Sowjetwirtschaften und Kollektivwirtschaften - voranschreitet, je mehr die landwirtschaftliche Produktion zur Warenproduktion wird.

c) Aber die Entwicklung der Industrie überhaupt gibt noch kein vollständiges Bild vom Tempo der Industrialisierung. Um ein vollständiges Bild zu gewinnen, muss man noch die Dynamik des Wechselverhältnisses zwischen Schwer- und Leichtindustrie feststellen. Daher muss als klarstes Zeichen des Wachstums der Industrialisierung das fortschreitende Anwachsen des Anteils der Produktion von Produktionsinstrumenten und -mitteln (Schwerindustrie) an der Gesamtproduktion der Industrie gelten. Während der Anteil der Produktion von Produktionsinstrumenten und -mitteln an der Gesamtproduktion der ganzen Industrie im Jahre 1927/28 27,2 Prozent betrug und der Anteil der Produktion von Massenbedarfsgütern 72,8 Prozent, betrug der Anteil der Produktion von Produktionsinstrumenten und -mitteln im Jahre 1928/29 28,7 Prozent gegenüber 71,3 Prozent, und im Jahre 1929/30 wird der Anteil der Produktion von Produktionsinstrumenten und -mitteln allem Anschein nach bereits 32,7 Prozent gegenüber 67,3 Prozent betragen.

Nimmt man jedoch nicht die ganze Industrie, sondern nur die vom Obersten Volkswirtschaftsrat durch Planung erfasste Industrie, die alle wichtigsten Industriezweige einbegreift, so ist hier das Verhältnis zwischen der Produktion von Produktionsinstrumenten und -mitteln und der Produktion von Massenbedarfsgütern ein noch günstigeres, und zwar betrug der Anteil der Produktion von Produktionsinstrumenten und -mitteln im Jahre 1927/28 42,7 Prozent gegenüber 57,3 Prozent, im Jahre 1928/29 44,6 Prozent gegenüber 55,4 Prozent; und im Jahre 1929/30 wird er voraussichtlich mindestens 48 Prozent betragen gegenüber den 52 Prozent, die auf die Produktion von Massenbedarfsgütern entfallen.

Die Entwicklung unserer Volkswirtschaft steht im Zeichen der Industrialisierung, im Zeichen der Festigung und Entfaltung unserer eigenen Schwerindustrie.

Dies bedeutet, dass wir die Grundlage unserer wirtschaftlichen Unabhängigkeit, unsere Schwerindustrie, bereits ausgebaut haben und sie weiter ausbauen.

3. Die Schlüsselstellung der sozialistischen Industrie
und ihr Wachstumstempo

Die Entwicklung unserer Volkswirtschaft steht im Zeichen der Industrialisierung. Aber wir können nicht jede beliebige Industrialisierung brauchen. Wir brauchen eine Industrialisierung, die den sozialistischen Formen der Industrie ein wachsendes Übergewicht über die Formen der kleinen Warenproduktion und erst recht über die Formen der kapitalistischen Produktion sichert. Der kennzeichnende Zug unserer Industrialisierung besteht darin, dass sie eine sozialistische Industrialisierung ist, eine Industrialisierung, die dem vergesellschafteten Sektor der Industrie den Sieg über den privatwirtschaftlichen Sektor, über den Sektor der kleinen Warenproduktion und den kapitalistischen Sektor, sichert.

Hier einige Angaben über das Wachstum der Kapitalinvestitionen und der Bruttoproduktion nach Sektoren.

a) Nimmt man das Anwachsen der Kapitalinvestitionen in der Industrie nach Sektoren, so erhält man folgendes Bild. Vergesellschafteter Sektor: im Jahre 1926/27 1270 Millionen Rubel, im Jahre 1927/28 1614 Millionen Rubel, im Jahre 1928/29 2046 Millionen Rubel, im Jahre 1929/30 4275 Millionen Rubel. Privatwirtschaftlicher und kapitalistischer Sektor: im Jahre 1926/27 63 Millionen Rubel, im Jahre 1927/28 64 Millionen Rubel, im Jahre 1928/29 56 Millionen Rubel, im Jahre 1929/30 51 Millionen Rubel.

Dies bedeutet erstens, dass die Kapitalinvestitionen im vergesellschafteten Sektor der Industrie in dieser Zeit auf mehr als das Dreifache gestiegen sind (335 Prozent).

Dies bedeutet zweitens, dass die Kapitalinvestitionen des privatwirtschaftlichen und kapitalistischen Sektors in dieser Zeit um ein Fünftel gesunken sind (81 Prozent).

Der privatwirtschaftliche und kapitalistische Sektor lebt auf Kosten des alten Kapitals und geht seinem Untergang entgegen.

b) Nimmt man das Anwachsen der Bruttoproduktion der Industrie nach Sektoren, so erhält man folgendes Bild. Vergesellschafteter Sektor: im Jahre 1926/27 11999 Millionen Rubel, im Jahre 1927/28 15389 Millionen Rubel, im Jahre 1928/29 18903 Millionen Rubel, im Jahre 1929/30 24740 Millionen Rubel. Privatwirtschaftlicher und kapitalistischer Sektor: im Jahre 1926/27 4043 Millionen Rubel, im Jahre 1927/28 3704 Millionen Rubel, im Jahre 1928129 3389 Millionen Rubel; im Jahre 1929/30 3310 Millionen Rubel.

Dies bedeutet erstens, dass die Bruttoproduktion des vergesellschafteten Sektors der Industrie in drei Jahren auf mehr als das Doppelte angewachsen ist (206,2 Prozent).

Dies bedeutet zweitens, dass die industrielle Bruttoproduktion des privatwirtschaftlichen und kapitalistischen Sektors im gleichen Zeitraum uni fast ein Fünftel gesunken ist (81,9 Prozent).

Nimmt man die Produktion nicht der gesamten Industrie, sondern nur der Großindustrie (Zensusindustrie), und betrachtet man sie nach Sektoren, so bietet das Verhältnis zwischen dem vergesellschafteten und dem privatwirtschaftlichen Sektor folgendes Bild. Der Anteil des vergesellschafteten Sektors an der Produktion der Großindustrie des Landes: 1926/27 97,7 Prozent, 1927/28 98,6 Prozent, 1928/29 99,1 Prozent, 1929/30 99,3 Prozent. Der Anteil des privatwirtschaftlichen Sektors an der Produktion der Großindustrie des Landes: 1926/27 2,3 Prozent, 1927/28 1,4 Prozent, 1928/29 0,9 Prozent, 1929/30 0,7 Prozent.

Wie Sie sehen, sind in der Großindustrie die kapitalistischen Elemente bereits untergegangen.

Es ist klar, dass die Frage „Wer - wen?“, die Frage, ob der Sozialismus die kapitalistischen Elemente in der Industrie besiegen wird oder ob diese den Sozialismus besiegen werden, schon zugunsten der sozialistischen Formen der Industrie entschieden ist. Sie ist endgültig und unwiderruflich entschieden. (Beifall.)

c) Besonders interessant sind die Angaben über das Entwicklungstempo der vom Obersten Volkswirtschaftsrat durch Planung erfassten staatlichen Industrie während der Berichtsperiode. Setzt man die Bruttoproduktion der vom Obersten Volkswirtschaftsrat geleiteten sozialistischen Industrie für das Jahr 1926/27 gleich 100, so ergibt sich, dass die Bruttoproduktion dieser Industrie im Jahre 1927/28 auf 127,4 Prozent und im Jahre 1928/29 auf 158,6 Prozent gewachsen ist, im Jahre 1929/30 aber auf 209,8 Prozent anwachsen wird.

Dies bedeutet, dass die vom Obersten Volkswirtschaftsrat geleitete sozialistische Industrie, die alle grundlegenden Industriezweige und die gesamte Schwerindustrie umfasst, sich in drei Jahren mehr als verdoppelt hat.

Es muss zugegeben werden, dass kein einziges Land der Welt ein derartig rasendes Entwicklungstempo seiner Großindustrie aufzuweisen hat.

Dieser Umstand gibt uns denn auch das Recht, von der Erfüllung des Fünfjahrplans in vier Jahren zu sprechen.

d) Manche Genossen blicken skeptisch auf die Losung „Fünfjahrplan in vier Jahren“. Noch vor ganz kurzer Zeit hielt ein Teil der Genossen unseren vom V. Sowjetkongress[44] bestätigten Fünfjahrplan für Phantasterei. Ich rede schon gar nicht von den bürgerlichen Schriftstellern, denen allein beim Wort „Fünfjahrplan“ die Augen aus den Höhlen treten. Was sehen wir aber in Wirklichkeit, wenn wir den Fünfjahrplan vom Gesichtspunkt seiner Durchführung in den ersten zwei Jahren betrachten? Was zeigt uns die Kontrolle der Erfüllung des Fünfjahrplans in seiner Optimalvariante? Sie zeigt uns nicht nur, dass wir den Fünfjahrplan in vier Jahren erfüllen können. Sie zeigt auch, dass wir ihn in einer ganzen Reihe von Industriezweigen in drei oder sogar zweieinhalb Jahren erfüllen können. Dies mag den Skeptikern aus dem opportunistischen Lager unwahrscheinlich vorkommen. Aber es ist eine Tatsache, die zu bestreiten albern und lächerlich wäre.

Man urteile selbst.

Laut Fünfjahrplan sollte die Erdölindustrie 1932/33 Erzeugnisse im Werte von 977 Millionen Rubel liefern. In Wirklichkeit aber liefert sie bereits 1929/30 Erzeugnisse im Werte von 809 Millionen Rubel, d. h. 83 Prozent der im Fünfjahrplan für das Jahr 1932/33 vorgesehenen Produktion. Wir erfüllen also den Fünfjahrplan in der Erdölindustrie in dem geringen Zeitraum von zweieinhalb Jahren.

In der Torfindustrie sollten wir laut Fünfjahrplan 1932/33 Erzeugnisse im Werte von 122 Millionen Rubel erhalten. In Wirklichkeit aber liefert sie bereits 1929/30 Erzeugnisse im Werte von mehr als 115 Millionen Rubel, d. h. 96 Prozent der im Fünfjahrplan für das Jahr 1932/33 vorgesehenen Produktion. Wir erfüllen also den Fünfjahrplan in der Torfindustrie in zweieinhalb Jahren, wenn nicht früher.

Laut Fünfjahrplan soll der allgemeine Maschinenbau 1932/33 Erzeugnisse im Werte von 2058 Millionen Rubel liefern. In Wirklichkeit aber liefert er bereits 1929/30 Erzeugnisse im Werte von 1458 Millionen Rubel, d. h. 70 Prozent der im Fünfjahrplan für das Jahr 1932/33 vorgesehenen Produktion. Wir erfüllen also den Fünfjahrplan im allgemeinen Maschinenbau in zweieinhalb bis drei Jahren.

Laut Fünfjahrplan soll der landwirtschaftliche Maschinenbau 1932/33 Erzeugnisse im Werte von 610 Millionen Rubel liefern. In Wirklichkeit aber liefert er bereits 1929/30 Erzeugnisse im Werte von 400 Millionen Rubel, d. h. etwas über 60 Prozent der im Fünfjahrplan für das Jahr 1932/33 vorgesehenen Produktion. Wir erfüllen also den Fünfjahrplan im landwirtschaftlichen Maschinenbau in drei Jahren, wenn nicht früher.

Laut Fünfjahrplan soll die elektrotechnische Industrie 1932/33 Erzeugnisse im Werte von 896 Millionen Rubel liefern. In Wirklichkeit aber liefert sie bereits 1929/30 Erzeugnisse im Werte von 503 Millionen Rubel, d. h. etwas über 56 Prozent der im Fünfjahrplan für das Jahr 1932/33 vorgesehenen Produktion. Wir erfüllen also den Fünfjahrplan für die elektrotechnische Industrie in drei Jahren.

Derart ist das beispiellose Entwicklungstempo unserer sozialistischen Industrie.

Wir schreiten in beschleunigtem Tempo vorwärts und holen die fortgeschrittenen kapitalistischen Länder in technisch-ökonomischer Hinsicht ein.

e) Das bedeutet natürlich nicht, dass wir sie, was den Umfang der Produktion anbetrifft, schon eingeholt hätten, dass unsere Industrie das Entwicklungsniveau der Industrie der fortgeschrittenen kapitalistischen Länder bereits erreicht hätte. Nein, bei weitem noch nicht. Das Entwicklungstempo der Industrie und das Entwicklungsniveau der Industrie dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Bei uns werden sie von vielen durcheinander gebracht, in der Meinung, wenn wir ein noch nicht dagewesenes Entwicklungstempo der Industrie erzielt haben, hätten wir dadurch bereits das industrielle Entwicklungsniveau der fortgeschrittenen kapitalistischen Länder erreicht. Das ist aber grundfalsch.

Nehmen wir zum Beispiel die Erzeugung von Elektroenergie, in der wir ein sehr hohes Tempo aufzuweisen haben. In der Produktion elektrischer Energie haben wir von 1924 bis 1929 eine Erhöhung auf beinahe 600 Prozent erreicht, während die USA die Produktion elektrischer Energie in der gleichen Zeit nur auf 181 Prozent erhöht haben, Kanada auf 218 Prozent, Deutschland auf 241 Prozent, Italien auf 222 Prozent. Wie Sie sehen, haben wir hier ein geradezu beispielloses, das Tempo aller anderen Staaten übertreffendes Tempo. Nimmt man aber das Entwicklungsniveau der Produktion elektrischer Energie in diesen Ländern, beispielsweise im Jahre 1929, und vergleicht es mit dem Entwicklungsniveau in der UdSSR, so erhält man ein für die UdSSR bei weitem nicht erfreuliches Bild. Trotz des beispiellos hohen Entwicklungstempos in der Erzeugung elektrischer Energie betrug die Produktion elektrischer Energie in der UdSSR im Jahre 1929 nur 6465 Millionen Kilowattstunden, während die Vereinigten Staaten 126000 Millionen Kilowattstunden, Kanada 17628 Millionen, Deutschland 33000 Millionen und Italien 10850 Millionen Kilowattstunden hatten.

Der Unterschied ist, wie Sie sehen, kolossal.

Es ergibt sich, dass wir in Bezug auf das Entwicklungsniveau hinter allen diesen Staaten zurückstehen.

Oder nehmen wir zum Beispiel unsere Roheisenerzeugung. Setzt man die Produktion von Roheisen im Jahre 1926/27 gleich 100 (2,9 Millionen Tonnen), so erhöht sich bei uns in drei Jahren, d. h. von 1927/28 bis 1929/30, die Produktion von Roheisen fast auf das Doppelte und erreicht 190 Prozent (5,5 Millionen Tonnen). Wie Sie sehen, ein ziemlich hohes Entwicklungstempo. Betrachtet man aber die Sache vom Standpunkt des Entwicklungsniveaus der Roheisenproduktion bei uns und vergleicht man das Ausmaß der Roheisenproduktion der UdSSR mit dem Produktionsausmaß der fortgeschrittenen kapitalistischen Länder, so erhält man ein ziemlich unerfreuliches Bild. Zunächst einmal erreichen und überschreiten wir den Vorkriegsstand der Roheisenerzeugung erst im laufenden Jahre, 1929/30. Schon dies allein zwingt uns, die unerbittliche Schlussfolgerung zu ziehen, dass wir ohne eine weitere Beschleunigung des Entwicklungstempos im Hüttenwesen Gefahr laufen, das Geschick unserer gesamten Industrieproduktion in Frage zu stellen. Was das Entwicklungsniveau der Roheisenindustrie bei uns und im Westen betrifft, so haben wir folgendes Bild: Die Roheisenerzeugung betrug im Jahre 1929 in den USA 42,3 Millionen Tonnen, in Deutschland 13,4 Millionen Tonnen, in Frankreich 10,45 Millionen Tonnen, in England 7,7 Millionen Tonnen; in der UdSSR aber wird die Roheisenproduktion Ende 1929/30 insgesamt nur 5,5 Millionen Tonnen betragen.

Der Unterschied ist, wie Sie sehen, nicht gering.

Es ergibt sich also, dass wir in Bezug auf das Entwicklungsniveau der Roheisenerzeugung hinter allen diesen Staaten zurückstehen. Was besagt das alles?

Es besagt folgendes:

1. Das Entwicklungstempo der Industrie darf nicht verwechselt werden mit ihrem Entwicklungsniveau;

2. wir sind in Bezug auf das Entwicklungsniveau unserer Industrie hinter den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern verteufelt zurückgeblieben;

3. nur eine weitere Beschleunigung des Entwicklungstempos unserer Industrie wird uns die Möglichkeit verschaffen, die fortgeschrittenen kapitalistischen Länder in technisch-ökonomischer Beziehung einzuholen und zu überholen;

4. Leute, die von der Notwendigkeit einer Verlangsamung des Entwicklungstempos unserer Industrie schwatzen, sind Feinde des Sozialismus, Agenten unserer Klassenfeinde. (Beifall.)

4. Die Landwirtschaft und das Getreideproblem

Ich habe vorhin von der Lage der Landwirtschaft in ihrer Gesamtheit gesprochen, die Forstwirtschaft, Fischerei usw. einbegriffen, ohne auf die Hauptzweige der Landwirtschaft im Einzelnen einzugehen. Greift man aus der Landwirtschaft als Ganzem ihre wichtigsten Zweige wie zum Beispiel Getreidewirtschaft, Viehzucht, den Anbau gewerblicher Nutzpflanzen heraus, so zeigt sich laut Angaben der Staatlichen Plankommission und des Volkskommissariats für Landwirtschaft der UdSSR der Stand der Dinge wie folgt:

a) Setzt man die Anbaufläche für Getreidekulturen im Jahre 1913 gleich 100, so bietet die Entwicklung der Getreideanbauflächen in der Berichtsperiode folgendes Bild: 1926/27 96,9 Prozent, 1927/28 94,7 Prozent, 1928/29 98,2 Prozent; im laufenden Jahr, 1929/30, werden sie allem Anschein nach 105,1 Prozent der Vorkriegsfläche erreichen.

Auffallend ist hierbei die Tatsache des Rückgangs der Getreideanbauflächen im Jahre 1927/28. Dieser Rückgang erklärt sich nicht durch einen Verfall der Getreidewirtschaft, wie die Ignoranten im Lager der Rechtsopportunisten schwätzten, sondern durch das Eingehen der Wintersaaten auf einer Fläche von 7700000 Hektar (20 Prozent der gesamten Wintersaaten der UdSSR).

Setzt man weiter die Bruttoproduktion an Getreide im Jahre 1913 gleich 100, so erhält man folgendes Bild: 1927 91,9 Prozent, 1928 90,8 Prozent, 1929 94,4 Prozent; im Jahre 1930 aber haben wir allem Anschein nach an die 110 Prozent des Vorkriegsumfangs.

Hier fällt gleichfalls das Sinken der Getreidebruttoproduktion im Jahre 1928 auf, das sich durch das Eingehen der Wintersaaten in der Ukraine und im Nordkaukasus erklärt.

Was den auf den Markt gelangenden Teil des produzierten Gesamtgetreides (den Umsatz außerhalb des Dorfes) anbelangt, so ist das Bild noch lehrreicher. Setzt man den auf den Markt gelangten Teil des produzierten Getreides von 1913 gleich 100, so hatten wir 1927 37 Prozent, im Jahre 1928 36,8 Prozent, im Jahre 1929 58 Prozent; und im laufenden Jahr, 1930, werden wir allem Anschein nach mindestens 73 Prozent des Vorkriegsstands erreichen.

Daraus geht also hervor, dass wir in Bezug auf die Anbauflächen und die Bruttoproduktion an Getreide den Vorkriegsstand erst in diesem Jahr, 1930, erreichen und etwas überschreiten.

Weiter ergibt sich, dass wir, was die Produktion von Warengetreide anbelangt, den Vorkriegsstand noch bei weitem nicht erreicht haben und auch in diesem Jahr noch um etwa 25 Prozent unter diesem Stand bleiben werden.

Darin ist die Ursache unserer Getreideschwierigkeiten zu suchen, die sich im Jahre 1928 besonders verschärft hatten.

Darin liegt auch das Wesen des Getreideproblems.

b) Annähernd das gleiche Bild, aber mit noch beunruhigenderen Zahlen, beobachten wir auf dem Gebiet der Viehzucht.

Wenn wir den gesamten Viehbestand des Jahres 1916, alle Vieharten eingerechnet, gleich 100 setzen, so ergibt sich nach Jahren folgendes Bild: 1927 gab es, gemessen am Stand von 1916, 88,9 Prozent der Pferde, 114,3 Prozent der Rinder, 119,3 Prozent der Schafe und Ziegen, 111,3 Prozent der Schweine; im Jahre 1928 94,6 Prozent der Pferde, 118,5 Prozent der Rinder, 126 Prozent der Schafe und Ziegen, 126,1 Prozent der Schweine; im Jahre 1929 96,9 Prozent der Pferde, 115,6 Prozent der Rinder, 127,8 Prozent der Schafe und Ziegen, 103 Prozent der Schweine; im Jahre 1930 88,6 Prozent der Pferde, 89,1 Prozent der Rinder, 87,1 Prozent der Schafe und Ziegen, 60,1 Prozent der Schweine.

Wie Sie sehen, haben wir, wenn wir die Angaben für das letzte Jahr ins Auge fassen, deutliche Anzeichen eines beginnenden Rückgangs der Viehzucht.

Ein noch unerfreulicheres Bild erhalten wir vom Standpunkt der auf den Markt gelangenden Menge der Viehzuchtprodukte, besonders von Fleisch und Speck. Setzt man die Bruttoproduktion von Fleisch und Speck in jedem Jahr gleich 100, so sind davon auf den Markt gelangt im Jahre 1926 33,4 Prozent, im Jahre 1927 32,9 Prozent, im Jahre 1923 30,4 Prozent, im Jahre 1929 29,2 Prozent.

Wir haben demnach deutliche Anzeichen dafür, dass die kleine und wenig für den Markt produzierende Wirtschaft in der Viehzucht unbeständig und ökonomisch unverlässlich ist.

Es ergibt sich, dass wir, statt den Stand von 1916 in der Viehzucht überschritten zu haben, im letzten Jahr deutliche Anzeichen eines Absinkens unter diesen Stand feststellen müssen.

Somit tritt im Anschluss an das Getreideproblem, das wir im Wesentlichen schon erfolgreich lösen, das Fleischproblem an uns heran, das sich schon jetzt scharf geltend macht und Lösung heischt.

c) Ein anderes Bild bietet sich uns in der Entwicklung des Anbaus gewerblicher Nutzpflanzen, die Rohstoffe für unsere Leichtindustrie liefern. Setzt man die Anbaufläche für gewerbliche Nutzpflanzen von 1913 gleich 100, so haben wir für Baumwolle im Jahre 1927 107,1 Prozent, im Jahre 1928 131,4 Prozent, im Jahre 1929 151,4 Prozent, im Jahre 1930217 Prozent der Vorkriegsfläche; für 7lachs im Jahre 1927 86,6 Prozent, im Jahre 1928 95,7 Prozent, im Jahre 1929 112,9 Prozent, im Jahre 1930 125 Prozent der Vorkriegsfläche; für Zuckerrüben im Jahre 1927 106,6 Prozent, im Jahre 1928 124,2 Prozent, im Jahre 1929 125,8 Prozent, im Jahre 1930 169 Prozent der Vorkriegsfläche; für Ölpflanzen im Jahre 1927 179,4 Prozent, im Jahre 1928 230,9 Prozent, im Jahre 1929 219,7 Prozent, im Jahre 1930 mindestens 260 Prozent der Vorkriegsfläche.

Dasselbe in der Hauptsache günstige Bild zeigt die Bruttoproduktion von gewerblichen Nutzpflanzen. Setzt man die Bruttoproduktion des Jahres 1913 gleich 100, so betrug sie für Baumwolle im Jahre 1928 110,5 Prozent, im Jahre 1929 119 Prozent - im Jahre 1930 werden wir allem Anschein nach 182,8 Prozent der Vorkriegsmenge haben; für Flachs im Jahre 1928 71,6 Prozent, im Jahre 1929 81,5 Prozent - im Jahre 1930 wird sie allem Anschein nach 101,3 Prozent des Vorkriegsniveaus betragen; für Zuckerrüben im Jahre 1928 93 Prozent, im Jahre 1929 58 Prozent - im Jahre 1930 wird die Bruttoproduktion allem Anschein nach 139,4 Prozent des Vorkriegsumfangs erreichen; für Ölpflanzen im Jahre 1928 161,9 Prozent, im Jahre 1929 149,8 Prozent - im Jahre 1930 wird sie allem Anschein nach 220 Prozent des Vorkriegsniveaus ausmachen.

Die gewerblichen Nutzpflanzen bieten uns also ein günstigeres Bild, wenn wir die Zuckerrübenernte im Jahre 1929, die von Insekten verheert worden war, außer acht lassen.

Im übrigen sind auch hier, auf dem Gebiet der gewerblichen Nutzpflanzen, angesichts des Überwiegens der Kleinwirtschaft ernstliche Schwankungen und Anzeichen von Unbeständigkeit in Zukunft möglich und wahrscheinlich, ähnlich den sich in den angeführten Zahlen zeigenden Schwankungen und Anzeichen von Unbeständigkeit hinsichtlich Flachs und Ölpflanzen, die am wenigsten vom Einfluss der Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften erfasst werden.

Wir stehen demnach vor folgenden Problemen der Landwirtschaft: dem Problem der Stabilisierung des Anbaus gewerblicher Nutzpflanzen durch Versorgung der betreffenden Gebiete mit billigen Getreideprodukten in genügender Menge;

2. dem Problem der Hebung der Viehzucht und der Lösung der Fleischfrage durch Versorgung der entsprechenden Gebiete mit genügenden und billigen Getreideprodukten und Futtermitteln;

3. dem Problem der endgültigen Lösung der Frage der Getreidewirtschaft als der Hauptfrage der Landwirtschaft im gegenwärtigen Augenblick.

Daraus folgt, dass das Getreideproblem das wichtigste Kettenglied im System der Landwirtschaft und der Schlüssel zur Lösung aller anderen landwirtschaftlichen Probleme ist.

Daraus folgt, dass die Lösung des Getreideproblems die erste Aufgabe in der Reihe der Probleme der Landwirtschaft darstellt.

Aber das Getreideproblem lösen und dadurch die Landwirtschaft einem ernstlichen Aufstieg entgegenführen, das bedeutet, die Rückständigkeit der Landwirtschaft bis auf die Wurzel liquidieren, sie mit Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen ausrüsten, sie mit neuen Kadern wissenschaftlicher Fachkräfte versorgen, die Arbeitsproduktivität steigern, die Produktion für den Markt vergrößern. Ohne diese Voraussetzungen kann man von der Lösung des Getreideproblems nicht einmal träumen.

Können alle diese Voraussetzungen auf der Basis der individuellen Kleinbauernwirtschaft verwirklicht werden? Nein, das ist unmöglich. Es ist unmöglich, weil die kleine Bauernwirtschaft nicht imstande ist, der neuen Technik Einlas zu gewähren und sie zu meistern; sie ist nicht imstande, die Arbeitsproduktivität in genügendem Maße zu heben, sie ist nicht imstande, die landwirtschaftliche Warenproduktion im erforderlichen Maße zu steigern. Es bleibt nur ein Weg, der Weg der 'Vergrößerung der landwirtschaftlichen Betriebe, der Weg der Schaffung von Großwirtschaften, die mit modernen technischen Mitteln ausgerüstet sind.

Aber das Sowjetland kann nicht den Weg der Organisierung kapitalistischer Großwirtschaften einschlagen. Es kann allein und muss den Weg der Organisierung großer Betriebe von sozialistischem Typus gehen, die mit modernen technischen Mitteln ausgerüstet sind. Solche Betriebe nun sind bei uns eben die Sowjetwirtschaften und die Kollektivwirtschaften.

Daher die Aufgabe, Sowjetwirtschaften zu schaffen und die individuellen Kleinbauernwirtschaften in großen Kollektivwirtschaften zu vereinigen, als einziger Weg zur Lösung des Problems der Landwirtschaft überhaupt und des Getreideproblems im Besonderen.

Diesen Weg hat denn auch die Partei in ihrer tagtäglichen praktischen Arbeit nach dem XV. Parteitag beschritten, insbesondere, nachdem Anfang 1928 ernste Getreideschwierigkeiten zutage getreten waren.

Es muss bemerkt werden, dass dieses grundlegende Problem von unserer Partei schon auf dem XV. Parteitag als praktische Aufgabe auf die Tagesordnung gesetzt wurde, als es bei uns noch keine ernsten Getreideschwierigkeiten gab. In der bekannten Resolution des XV. Parteitags „Über die Arbeit auf dem Lande“ heißt es eindeutig:

„In der gegenwärtigen Periode muss die Aufgabe der Vereinigung und Umgestaltung der kleinen individuellen Bauernwirtschaften zu großen Kollektiven als die Hauptaufgabe der Partei auf dem Lande angesehen werden.“[45]

Es ist vielleicht nicht überflüssig, auch die betreffende Stelle aus dem Rechenschaftsbericht des ZK an den XV. Parteitag anzuführen, wo das Problem, die Rückständigkeit der Landwirtschaft auf Basis der Kollektivierung zu liquidieren, ebenso scharf und bestimmt umrissen wird. Es heißt da:

„Wo ist nun der Ausweg? Der Ausweg liegt im Übergang der kleinen, zersplitterten Bauernwirtschaften zu großen, zusammengeschlossenen Wirtschaften auf der Grundlage der gesellschaftlichen Bodenbestellung, im Übergang zur kollektiven Bodenbestellung auf der Grundlage der modernen, höheren Technik.

Der Ausweg liegt darin, die bäuerlichen Klein- und Zwergwirtschaften allmählich, aber unentwegt, nicht durch Zwang, sondern durch Beispiel und Überzeugung zu Großwirtschaften zusammenzuschließen auf der Grundlage der gesellschaftlichen, gemeinschaftlichen, kollektiven Bodenbestellung, unter Anwendung landwirtschaftlicher Maschinen und Traktoren, unter Anwendung wissenschaftlicher Methoden zur Intensivierung der Landwirtschaft.

Ändere Auswege gibt es nicht.“[46]

5. Die Wendung der Bauernschaft zum Sozialismus
und das Entwicklungstempo beim Aufbau
der Sowjet- und Kollektivwirtschaften

Die Wendung der Bauernschaft zur Kollektivierung trat nicht plötzlich ein. Sie, diese Wendung, konnte auch nicht plötzlich eintreten. Wohl wurde die Losung der Kollektivierung von der Partei schon auf dem XV. Parteitag proklamiert. Aber damit sich die Bauernmassen zum Sozialismus hinwenden, ist die Verkündung einer Losung noch nicht genügend. Für diese Wendung ist mindestens noch ein Umstand erforderlich, und zwar, dass die Bauernmassen selbst sich von der Richtigkeit der verkündeten Losung überzeugen und sie zu ihrer eigenen Losung machen. Deshalb ist diese Wendung von langer Hand vorbereitet worden.

Sie wurde vorbereitet durch den ganzen Gang unserer Entwicklung, durch den ganzen Entwicklungsgang unserer Industrie, vor allem aber durch die Entwicklung derjenigen Industrien, die Maschinen und Traktoren für die Landwirtschaft liefern. Sie wurde vorbereitet durch die Politik des entschlossenen Kampfes gegen das Kulakentum und durch die Abwicklung unserer Getreidebeschaffung in ihren neuen Formen während der Jahre 1928 und 1929, durch die die Kulakenwirtschaft unter die Kontrolle der Massen der armen und Mittelbauern gestellt wird. Sie wurde vorbereitet durch die Entwicklung der landwirtschaftlichen Genossenschaften, die den einzeln wirtschaftenden Bauern an den kollektiven Wirtschaftsbetrieb gewöhnen. Sie wurde vorbereitet durch das Netz der Kollektivwirtschaften, wo der Bauer die Überlegenheit der kollektiven Formen der Wirtschaft gegenüber der individuellen Wirtschaft erprobte. Sie wurde schließlich vorbereitet durch das Netz der Sowjetwirtschaften, die über die ganze UdSSR verstreut und mit modernen technischen Mitteln ausgerüstet sind und die dem Bauern die Möglichkeit boten, sich von der Kraft und den Vorzügen der neuen Technik zu überzeugen.

Es wäre falsch, in unseren Sowjetwirtschaften bloß eine Quelle von Getreidevorräten zu sehen. In Wirklichkeit waren die Sowjetwirtschaften mit ihrer neuen Technik, mit der Hilfe, die sie den umwohnenden Bauern leisten, mit ihrem beispiellosen wirtschaftlichen Schwung jene führende Macht, die den Bauernmassen die Wendung erleichtert und sie auf den Weg der Kollektivierung gebracht hat.

Das ist die Grundlage, der die kollektivwirtschaftliche Massenbewegung von Millionen armen und Mittelbauern entsprungen ist, die im zweiten Halbjahr 1929 begonnen und die Periode des großen Umschwungs im Leben unseres Landes eröffnet hat.

Welche Maßnahmen traf das ZK, um dieser Bewegung in voller Rüstung zu begegnen und sich an ihre Spitze zu stellen?

Die Maßnahmen des ZK bewegen sich auf drei Linien: auf der Linie der Organisierung von Sowjetwirtschaften und ihrer Finanzierung, auf der Linie der Organisierung von Kollektivwirtschaften und ihrer Finanzierung sowie schließlich auf der Linie der Organisierung der Produktion von Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen und der Versorgung des Dorfes mit diesen Maschinen durch die Maschinen- und Traktorenstationen, durch die Traktorenkolonnen usw.

a) Schon im April 1928 beschloss das Politbüro des ZK die Organisierung von neuen Sowjetwirtschaften in den nächsten 3 bis 4 Jahren mit der Maßgabe, dass diese Sowjetwirtschaften am Ende dieser Frist mindestens 100 Millionen Pud Warengetreide liefern können. Dieser Beschluss wurde später vom ZK-Plenum bestätigt. Es wurde ein Getreidetrust organisiert, der mit der Durchführung dieses Beschlusses beauftragt wurde. Gleichzeitig wurde beschlossen, die alten Sowjetwirtschaften zu festigen und ihre Anbaufläche zu erweitern. Es wurde eine Zentrale für Sowjetwirtschaften gegründet, die den Auftrag erhielt, diesen Beschluss zu verwirklichen.

Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass diese Beschlüsse den opportunistischen Teil unserer Partei in Harnisch brachten. Man hörte sagen, das in den Sowjetwirtschaften angelegte Geld sei „hinausgeworfenes“ Geld. Es gab auch eine Kritik seitens der Männer der „Wissenschaft“, unterstützt von den opportunistischen Elementen der Partei, wonach die Organisierung großer Sowjetwirtschaften unmöglich und sinnlos sei. Aber das ZK setzte seine Linie fort und führte sie trotz alledem mit aller Konsequenz durch.

Im Jahre 1927/28 wurden für die Finanzierung von Sowjetwirtschaften (kurzfristige Umsatzkredite nicht mitgerechnet) 65,7 Millionen Rubel bereitgestellt; im Jahre 1928/29 185,8 Millionen Rubel; schließlich im laufenden Jahr 856,2 Millionen Rubel. Den Sowjetwirtschaften wurden in der Berichtsperiode 18000 Traktoren mit insgesamt 350000 PS zur Verfügung gestellt.

Welche Ergebnisse zeitigten diese Maßnahmen?

Die Anbaufläche des Getreidetrusts betrug im Jahre 1928/29 150000 Hektar, im Jahre 1929/30 1060000 Hektar, im Jahre 1930/31 wird sie 4,5 Millionen Hektar, im Jahre 1931/32 9 Millionen Hektar und im Jahre 1932/33, das heißt zum Ende des Planjahrfünfts, 14 Millionen Hektar betragen. Die Anbaufläche der Zentrale für Sowjetwirtschaften betrug 1928/29 430000 Hektar, 1929/30 860000 Hektar, im Jahre 1930/31 wird sie 1800000 Hektar, im Jahre 1931/32 2 Millionen Hektar und 1932133 2,5 Millionen Hektar betragen. Die Anbaufläche der Ukrainischen Vereinigung der Sowjetwirtschaften betrug 1928/29 170000 Hektar, im Jahre 1929/30 280000 Hektar, im Jahre 1930/31 wird sie 500000 Hektar und im Jahre 1932/33 720000 Hektar betragen. Die Getreideanbaufläche des Zuckerverbands betrug 1928/29 780000 Hektar, 1929/30 820000 Hektar, 1930/31 wird sie 860 000 Hektar, 1931/32 980000 Hektar und 1932/33 990000 Hektar betragen.

Dies bedeutet erstens, dass allein der Getreidetrust bis zum Ende des Planjahrfünfts eine ebenso große Getreideanbaufläche haben wird, wie sie jetzt ganz Argentinien hat. (Beifall.)

Dies bedeutet zweitens, dass alle Sowjetwirtschaften zusammengenommen gegen Ende des Planjahrfünfts 1 Million Hektar Getreideanbauflächen mehr haben werden, als sie heute ganz Kanada hat. (Beifall.)

Was die auf die Sowjetwirtschaften entfallende Bruttogetreideproduktion und Warengetreideproduktion anbelangt, so haben wir im Laufe der Jahre folgende Entwicklung: Im Jahre 1927/28 betrug die Bruttoproduktion sämtlicher Sowjetwirtschaften 9,5 Millionen Doppelzentner, davon Warengetreide 6,4 Millionen Doppelzentner; im Jahre 1928129 12,8 Millionen Doppelzentner, davon Warengetreide 7,9 Millionen Doppelzentner; im Jahre 1929130 werden es voraussichtlich 28,2 Millionen Doppelzentner sein, davon Warengetreide 18 Millionen Doppelzentner (108 Millionen Pud); im Jahre 1930/31 werden wir 71,7 Millionen Doppelzentner haben, davon Warengetreide 61 Millionen Doppelzentner (370 Millionen Pud) usw. usf.

Das sind die vorhandenen und die zu erwartenden Ergebnisse der Politik unserer Partei auf dem Gebiet der Sowjetwirtschaften.

Laut Beschluss des Politbüros des ZK vom April 1928 über die Organisierung neuer Sowjetwirtschaften sollten wir von den neuen Sowjetwirtschaften im Jahre 1931/32 mindestens 100 Millionen Pud Warengetreide erhalten. In Wirklichkeit ist es so, dass wir schon im Jahre 1931/32 allein von den neuen Sowjetwirtschaften mehr als 200 Millionen Pud erhalten werden. Es ergibt sich eine Übererfüllung des Programms zu 200 Prozent.

Daraus folgt, dass diejenigen, die über den Beschluss des Politbüros des ZK spotteten, über sich selbst Hohn und Spott gebracht haben.

Laut denn vom Sowjetkongress bestätigten Fünfjahrplan sollten wir gegen Ende des Planjahrfünfts in allen Sowjetwirtschaften sämtlicher Systeme 5 Millionen Hektar Anbaufläche haben. In Wirklichkeit haben wir schon in diesem Jahr in den Sowjetwirtschaften eine Anbaufläche von 3,8 Millionen Hektar, und im nächsten Jahr, das heißt im dritten Jahr des Planjahrfünfts, werden wir 8 Millionen Hektar Anbaufläche haben.

Dies bedeutet, dass wir das Fünfjahrprogramm des Aufbaus der Sowjetwirtschaften in drei Jahren erfüllen und übererfüllen.

Laut Fünfjahrplan sollten wir gegen Ende des Planjahrfünfts eine Getreidebruttoproduktion der Sowjetwirtschaften in Höhe von 54,3 Millionen Doppelzentner haben. In Wirklichkeit haben wir von den Sowjetwirtschaften schon in diesem Jahr eine Getreidebruttoproduktion in Höhe von 28,2 Millionen Doppelzentner, und im nächsten Jahr werden wir 71,7 Millionen Doppelzentner haben.

Dies bedeutet, dass wir in der Getreidebruttoproduktion den Fünfjahrplan in drei Jahren erfüllen und übererfüllen. Der Fünfjahrplan in drei Jahren!

Mögen jetzt die bürgerlichen Schreiberseelen und ihre opportunistischen Nachbeter daherschwätzen, es sei nicht möglich, den Fünfjahrplan des Aufbaus von Sowjetwirtschaften in drei Jahren zu erfüllen und überzuerfüllen.

b) Was den Aufbau von Kollektivwirtschaften anbelangt, so ist das Bild hier noch günstiger.

Schon im Juli 1928 fasste das ZK-Plenum folgenden Beschluss über den kollektivwirtschaftlichen Aufbau:

„Unentwegt durchzuführen ist die vom XV. Parteitag gestellte Aufgabe der ‚Vereinigung und Umgestaltung der kleinen individuellen Bauernwirtschaften zu großen Kollektiven' als zu freiwilligen Vereinigungen, die auf der Basis der neuen Technik errichtet werden und eine höhere Form der Getreidewirtschaft darstellen, sowohl im Sinne der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft als auch im Sinne der Sicherung einer radikalen Steigerung ihrer Produktivität und Warenproduktion.“ (Siehe Resolution des Juliplenums des ZK „Über die Politik der Getreidebeschaffung im Zusammenhang mit der all-gemeinen Wirtschaftslage“, 1928.)[47]

Im Weiteren wurde dieser Beschluss durch die Resolutionen der XVI. Parteikonferenz und durch eine vom Novemberplenum des ZK im Jahre 1929 angenommene besondere Resolution über die Kollektivwirtschaftsbewegung[48] bestätigt. Im zweiten Halbjahr 1929, als sich die grundlegende Wendung der Bauernschaft zu den Kollektivwirtschaften anbahnte und als die Mittelbauernschaft in ihrer Masse in die Kollektivwirtschaften eintrat, fasste das Politbüro des ZK einen speziellen, vom 5. Januar 1930 datierten Beschluss „Über das Tempo der Kollektivierung und die Hilfsmaßnahmen des Staates für den kollektivwirtschaftlichen Aufbau“.

In dieser Resolution hat das ZK:

1. die Wendung der Bauernmassen zu den Kollektivwirtschaften festgestellt und die Möglichkeit nachgewiesen, den Fünfjahrplan des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus im Frühjahr 1930 überzuerfüllen;

2. das Vorhandensein der materiellen und sonstigen Voraussetzungen festgestellt, die notwendig sind zur Ersetzung der kulakischen Produktion durch die Produktion der Kollektivwirtschaften, und es im Zusammenhang damit für notwendig erklärt, von der Politik der Einschränkung zur Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse überzugehen;

3. die Perspektive gegeben, dass schon im Frühjahr 1930 die auf vergesellschafteter Grundlage bearbeitete Saatfläche 30 Millionen Hektar bedeutend übersteigen wird;

4. die UdSSR in drei Gruppen von Gebieten eingeteilt und für jede von ihnen Orientierungstermine festgelegt, bis zu denen die Kollektivierung im Großen und Ganzen vollendet sein soll;

5. die Methoden der Flurbereinigung zugunsten der Kollektivwirtschaften sowie die Formen der Finanzierung der Landwirtschaft revidiert und für die Kollektivwirtschaften im Jahre 1929/30 Kredite in Höhe von mindestens 500 Millionen Rubel vorgesehen;

6. die Artelform der Kollektivierungsbewegung als das Hauptglied des Kollektivwirtschaftssystems im gegenwärtigen Augenblick festgesetzt;

7. den opportunistischen Elementen in der Partei, die wegen des Mangels an Maschinen und Traktoren die Kollektivwirtschaftsbewegung zu hemmen suchen, eine Abfuhr erteilt;

8. schließlich die Parteifunktionäre gewarnt vor eventuellen Überspitzungen in der Kollektivwirtschaftsbewegung und vor der Gefahr einer Dekretierung des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus von oben, vor der Gefahr einer Ersetzung der wirklichen und von den Massen getragenen Kollektivierungsbewegung durch ein Spielen mit Kollektivierung.

Es muss bemerkt werden, dass dieser Beschluss des ZK von den opportunistischen Elementen unserer Partei mehr als unfreundlich aufgenommen wurde. Man hörte reden und tuscheln, das ZK versteige sich zu Phantastereien, es „vergeude“ Volksgelder für „nicht existierende“ Kollektivwirtschaften. Die rechten Elemente rieben sich die Hände und schwelgten im Vorgefühl des „garantierten“ Reinfalls. Aber das ZK verfolgte seine Linie mit aller Beharrlichkeit und führte sie trotz alledem mit aller Konsequenz durch, trotz des spießerischen Kicherns der Rechten, trotz der Überspitzungen und des Taumels der „Linken“.

Für die Finanzierung der Kollektivwirtschaften wurden im Jahre 1927/28 76 Millionen Rubel, im Jahre 1928/29 170 Millionen Rubel, schließlich im laufenden Jahr 473 Millionen Rubel bereitgestellt. Außerdem wurden 65 Millionen Rubel dem Kollektivierungsfonds überwiesen. Es wurden Vergünstigungen für die Kollektivwirtschaften festgesetzt und damit die finanziellen Hilfsmittel der Kollektivwirtschaften um 200 Millionen Rubel erhöht. Den Kollektivwirtschaften wurde das Wirtschaftsinventar der enteigneten Kulaken im Werte von mehr als 400 Millionen Rubel übereignet. Für die Bearbeitung der Kollektivwirtschaftsfelder wurden nicht weniger als 30000 Traktoren mit einer Gesamtkapazität von mehr als 400000 PS bereitgestellt, nicht mitgerechnet 7000 Traktoren der Traktorenzentrale, die für Kollektivwirtschaften arbeiten, und die Traktorenhilfe, die den Kollektivwirtschaften vom System der Sowjetwirtschaften geleistet wird. Die Kollektivwirtschaften erhielten in diesem Jahr Saatgutdarlehen und Hilfe mit Saatgut in Höhe von 10 Millionen Doppelzentner Getreide (61 Millionen Pud). Schließlich wurden die Kollektivwirtschaften unmittelbar organisatorisch unterstützt bei der Schaffung von Maschinen- und Pferdeausleihstellen, deren es über 7000 mit nicht weniger als 1,3 Millionen Pferden gibt.

Welche Ergebnisse zeitigten diese Maßnahmen?

Die Anbaufläche der Kollektivwirtschaften betrug 1927 0,8 Millionen Hektar, 1928 1,4 Millionen Hektar, 1929 4,3 Millionen Hektar, 1930 mindestens 36 Millionen Hektar, Sommer- und Wintersaat zusammengerechnet.

Dies bedeutet erstens, dass die Anbaufläche der Kollektivwirtschaften in drei Jahren auf mehr als das Vierzigfache angewachsen ist. (Beifall.)

Es bedeutet zweitens, dass unsere Kollektivwirtschaften jetzt eine ebenso große Anbaufläche besitzen wie Frankreich und Italien zusammen. (Beifall.)

Was die Bruttogetreideproduktion und die Warengetreideproduktion anbelangt, so erhalten wir folgendes Bild: Im Jahre 1927 bekamen wir von den Kollektivwirtschaften 4,9 Millionen Doppelzentner Getreide, davon 2 Millionen Doppelzentner Warengetreide; im Jahre 1928 8,4 Millionen Doppelzentner, davon 3,6 Millionen Doppelzentner Warengetreide; im Jahre 1929 29,1 Millionen Doppelzentner, davon 12,7 Millionen Doppelzentner Warengetreide; im Jahre 1930 werden wir voraussichtlich 256 Millionen Doppelzentner erhalten (1550 Millionen Pud), davon mindestens 82 Millionen Doppelzentner (über 500 Millionen Pud) Warengetreide.

Es muss zugegeben werden, dass noch kein einziger Zweig unserer Industrie, die sich im Allgemeinen mit hinreichender Beschleunigung entwickelt, ein so beispielloses Aufstiegstempo gezeigt hat wie der kollektivwirtschaftliche Aufbau.

Was besagen alle diese Zahlen?

Sie besagen vor allem, dass die Bruttogetreideproduktion der Kollektivwirtschaften in drei Jahren auf mehr als das Fünfzigfache gestiegen ist und die Produktion von Warengetreide auf mehr als das Vierzigfache.

Sie besagen zweitens, dass wir die Möglichkeit haben, in diesem Jahr von den Kollektivwirtschaften mehr als die Hälfte der gesamten Warengetreideproduktion des Landes zu erhalten.

Sie besagen drittens, dass das Schicksal der Landwirtschaft und ihrer Hauptprobleme von jetzt an nicht von den individuellen Bauernwirtschaften, sondern von den Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften entschieden wird.

Sie besagen viertens, dass der Prozess der Liquidierung des Kulakentums als Klasse bei uns mit Volldampf vorwärts schreitet.

Sie besagen schließlich, dass im Lande bereits ökonomische Wandlungen vor sich gegangen sind, die uns allen Grund geben zu der Behauptung, dass es uns gelungen ist, das Dorf auf einen neuen Weg, auf den Weg der Kollektivierung, zu führen und damit den erfolgreichen Aufbau des Sozialismus nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Lande zu sichern.

In seinem Beschluss vom 5. Januar 1930 hat das Politbüro des ZK für das Frühjahr 1930 ein Programm festgesetzt, wonach die auf vergesellschafteter Grundlage bearbeitete kollektivwirtschaftliche Anbaufläche 30 Millionen Hektar betragen soll. In Wirklichkeit aber haben wir 36 Millionen Hektar. Das Programm des ZK ist also übererfüllt worden.

Daraus folgt, dass diejenigen, die über den Beschluss des ZK spotteten, über sich selbst Hohn und Spott gebracht haben. Den opportunistischen Schwätzern in unserer Partei haben weder die kleinbürgerliche Anarchie noch die Überspitzungen in der Kollektivwirtschaftsbewegung geholfen.

Laut Fünfjahrplan sollten wir gegen Ende des Planjahrfünfts in den Kollektivwirtschaften 20,6 Millionen Hektar Anbaufläche haben. In Wirklichkeit aber haben wir schon in diesem Jahr 36 Millionen Hektar Anbaufläche in den Kollektivwirtschaften.

Dies bedeutet, dass wir das Fünfjahrprogramm des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus in zwei Jahren zu mehr als 150 Prozent übererfüllt haben. (Beifall.)

Laut Fünfjahrplan sollten wir gegen Ende des Planjahrfünfts in den Kollektivwirtschaften eine Bruttogetreideproduktion von 190,5 Millionen Doppelzentner haben. In Wirklichkeit werden wir in den Kollektivwirtschaften schon in diesem Jahr eine Bruttogetreideproduktion von 256 Millionen Doppelzentner haben.

Dies bedeutet, dass wir das Fünfjahrprogramm der kollektivwirtschaftlichen Getreideproduktion in zwei Jahren um mehr als 30 Prozent übererfüllen.

Der Fünfjahrplan in zwei Jahren! (Beifall.)

Mögen jetzt die opportunistischen Klatschbasen behaupten, es sei nicht möglich, den Fünfjahrplan des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus in zwei Jahren zu erfüllen und überzuerfüllen.

6. Die Verbesserung der materiellen und kulturellen Lage
der Arbeiter und Bauern

Es ergibt sich demnach, dass das fortschreitende Wachstum des sozialistischen Sektors sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft eine Tatsache ist, die keinerlei Zweifel unterliegt.

Was kann dies vom Standpunkt der materiellen Lage der Werktätigen bedeuten?

Das bedeutet, dass damit bereits die Grundlagen für eine radikale Verbesserung der materiellen und kulturellen Lage der Arbeiter und Bauern geschaffen sind.

Warum, auf welche Weise?

Erstens darum, weil das Wachstum des sozialistischen Sektors vor allem eine Verminderung der Ausbeuterelemente in Stadt und Land, eine Abnahme ihres Gewichts in der Volkswirtschaft bedeutet. Dies aber bedeutet, dass der Anteil der Arbeiter und Bauern am Volkseinkommen des Landes unvermeidlich wachsen muss auf Kosten des Anteils der Ausbeuterklassen.

Zweitens darum, weil bei einem Wachstum des vergesellschafteten (sozialistischen) Sektors derjenige Teil des Volkseinkommens, der bisher die Pfründe der Ausbeuterklassen und ihres Gesindes bildete, von jetzt an in der Produktion selbst bleiben muss zur Erweiterung der Produktion, zum Bau neuer Industriebetriebe, zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Werktätigen. Dies aber bedeutet, dass die Arbeiterklasse an Zahl und Kraft wachsen, die Erwerbslosigkeit dagegen zurückgehen und versickern muss.

Schließlich darum, weil das Wachstum des vergesellschafteten Sektors, da es zur Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiterklasse führt, ein fortschreitendes Wachstum der Aufnahmefähigkeit des inneren Marktes bedeutet, vergrößerte Nachfrage der Arbeiter und Bauern nach Industrieprodukten. Dies aber bedeutet, dass das Wachstum des inneren Marktes dem Wachstum der Industrie vorauseilen und diese vorwärts treiben wird, zu unaufhörlicher Erweiterung.

Alle diese und ähnliche Umstände bewirken, dass sich die materielle und kulturelle Lage der Arbeiter und Bauern ununterbrochen verbessert.

a) Beginnen wir mit der Frage des zahlenmäßigen Wachstums der Arbeiterklasse und des Rückgangs der Erwerbslosigkeit.

Betrug die Zahl der Lohn- und Gehaltsempfänger (ohne Erwerbslose) im Jahre 1926/27 10990000, so hatten wir im Jahre 1927/28 11456000, im Jahre 1928/29 11997000, und im Jahre 1929/30 wird sie voraussichtlich mindestens 13129000 erreichen. Davon waren Arbeiter (Landarbeiter und Saisonarbeiter inbegriffen) im Jahre 1926/27 7069000, im Jahre 1927/28 7404000, im Jahre 1928/29 7758000, im Jahre 1929/30 8533000. Arbeiter der Großindustrie (ohne Angestellte) waren davon im Jahre 1926/27 2439000, im Jahre 1927/28 2632000, im Jahre 1928/29 2858000 und im Jahre 1929/30 3029000.

Dies bedeutet, dass wir das Bild eines stetigen Ansteigens der zahlenmäßigen Stärke der Arbeiterklasse haben, wobei, wenn die Zahl der Lohn- und Gehaltsempfänger in drei Jahren um 19,5 Prozent und die der Arbeiter um 20,7 Prozent gestiegen ist, die Zahl der Industriearbeiter sich um 24,2 Prozent erhöht hat.

Gehen wir zur Frage der Arbeitslosigkeit über. Auf diesem Gebiet herrscht, das muss man sagen, sowohl beim Volkskommissariat für Arbeit als auch beim Zentralrat der Gewerkschaften ein großes Durcheinander.

Einerseits geht aus den Angaben dieser Institutionen hervor, dass wir ungefähr 1 Million Arbeitslose haben, von denen die mit minimaler Qualifikation nur 14,3 Prozent ausmachen, während etwa 73 Prozent aus Leuten so genannter intellektueller Arbeit und aus Ungelernten bestehen, wobei die gewaltige Mehrheit der letzteren Frauen und Jugendliche sind, die noch nichts mit industrieller Produktion zu tun gehabt haben.

Anderseits leiden wir nach denselben Angaben einen schrecklichen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, die Arbeitsnachweise können die Nachfrage unserer Betriebe nach Arbeitskräften zu 80 Prozent nicht befriedigen, und wir sind daher gezwungen, schnellstens, buchstäblich von heut auf morgen ganz unqualifizierte Leute zu schulen und zu qualifizierten Facharbeitern zu machen, um die Bedürfnisse unserer Betriebe auch nur minimal befriedigen zu können.

Man versuche da, sich in diesem Durcheinander zurechtzufinden. Klar ist jedenfalls, dass diese Arbeitslosen keine Reservearmee unserer Industrie und noch weniger eine ständige Arbeitslosenarmee bilden. Und was ergibt sich? Selbst aus den Angaben des Volkskommissariats für Arbeit geht hervor, dass in der letzten Zeit die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 700000 zurückgegangen ist. Dies bedeutet einen Rückgang der Zahl der Arbeitslosen bis zum 1. Mai dieses Jahres um mehr als 42 Prozent.

Hier haben Sie ein weiteres Ergebnis des Wachstums des sozialistischen Sektors in unserer Volkswirtschaft.

b) Zu einem noch erstaunlicheren Ergebnis kommt man, wenn man die Sache vom Gesichtspunkt der Verteilung des Volkseinkommens auf die Klassen betrachtet. Die Frage der Verteilung des Volkseinkommens auf die Klassen ist die Schlüsselfrage vom Gesichtspunkt der materiellen und kulturellen Lage der Arbeiter und Bauern. Nicht umsonst bemühen sich die bürgerlichen Ökonomen in Deutschland, England, den USA, diese Frage zugunsten der Bourgeoisie zu verwirren, indem sie immer wieder ihre „völlig objektiven“ Untersuchungen darüber veröffentlichen.

Nach den Angaben des deutschen Statistischen Reichsamts betrug der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen Deutschlands im Jahre 1929 70 Prozent, der Anteil der Bourgeoisie aber 30 Prozent. Nach den Angaben der Federal Trade Commission [Föderale Handelskommission] und des National Bureau of Economic Research [Nationales Büro für ökonomische Untersuchungen] betrug der Anteil der Arbeiter am Volkseinkommen der USA im Jahre 1923 über 54 Prozent, der Anteil der Kapitalisten aber etwas über 45 Prozent. Schließlich betrug nach den Angaben der Ökonomen Bowley und Stamp der Anteil der Arbeiterklasse am Volkseinkommen Englands im Jahre 1924 etwas weniger als 50 Prozent, der Anteil der Kapitalisten aber etwas mehr als 50 Prozent des Volkseinkommens Englands.Es ist klar, dass man die Ergebnisse dieser Erhebungen nicht unbesehen hinnehmen darf. Man darf das nicht, da es bei diesen Untersuchungen außer Verfehlungen rein ökonomischer Art noch Verfehlungen einer anderen Art gibt, die zum Ziele haben, teilweise das Einkommen der Kapitalisten zu verschleiern und es geringer hinzustellen, als es ist, teilweise aber die Einkünfte der Arbeiterklasse aufzubauschen und größer hinzustellen, als sie sind, indem man zu den Arbeitern Beamte hinzuzählt, die kolossale Gehälter beziehen. Ich rede schon gar nicht davon, dass bei diesen Untersuchungen die Einkünfte der Farmer und überhaupt der ländlichen Kapitalisten häufig nicht berücksichtigt werden.

Genosse Varga hat diese Angaben einer kritischen Analyse unterzogen. Und er kam zu folgendem Ergebnis: Es zeigt sich, dass der Anteil der Arbeiter und der übrigen Werktätigen in Stadt und Land, die keine fremde Arbeit ausbeuten, in Deutschland 55 Prozent des Volkseinkommens betrug, in den USA 54 Prozent, in England 45 Prozent; der Anteil der Kapitalisten aber in Deutschland 45 Prozent, in den USA 46 Prozent, in England 55 Prozent.

So liegen die Dinge in den größten kapitalistischen Ländern. Wie aber liegen die Dinge in der UdSSR?

Hier sind die Angaben der Staatlichen Plankommission. Es zeigt sich folgendes:

a) Der Anteil der Arbeiter und der werktätigen Bauern, die keine fremde Arbeit ausbeuten, betrug bei uns im Jahre 1927/28 75,2 Prozent des gesamten Volkseinkommens (darunter der Anteil der städtischen und ländlichen Arbeiter 33,3 Prozent), im Jahre 1928/29 76,5 Prozent (darunter der Anteil der städtischen und ländlichen Arbeiter 33,2 Prozent), im Jahre 1929/30 77,1 Prozent (darunter der Anteil der städtischen und ländlichen Arbeiter 33,5 Prozent).

b) Der Anteil der Kulaken und der städtischen Kapitalisten betrug im Jahre 1927/28 8,1 Prozent, im Jahre 1928/29 6,5 Prozent, im Jahre 1929/30 1,8 Prozent.

c) Der Anteil der Kleingewerbetreibenden, deren Mehrheit ein werktätiges Element darstellt, betrug im Jahre 1927/28 6,5 Prozent, im Jahre 1928129 5,4 Prozent, im Jahre 1929/30 4,4 Prozent.

d) Der Anteil des staatlichen Sektors, dessen Einkünfte Einkünfte der Arbeiterklasse und überhaupt der werktätigen Massen sind, betrug im Jahre 1927/28 8,4 Prozent, im Jahre 1928/29 10 Prozent, im Jahre 1929/30 15,2 Prozent.

e) Schließlich betrug der Anteil der so genannten Sonstigen (gemeint sind Pensionsempfänger) im Jahre 1927/28 1,8 Prozent, im Jahre 1928/29 1,6 Prozent, im Jahre 1929/30 1,5 Prozent.

Es ergibt sich also, dass, während in den führenden kapitalistischen Ländern der Anteil der Ausbeuterklassen am Volkseinkommen ungefähr 50 Prozent, manchmal aber auch mehr beträgt, bei uns, in der UdSSR, der Anteil der Ausbeuterklassen nicht mehr als 2 Prozent des Volkseinkommens beträgt.

Hierdurch erklärt sich denn auch die frappierende Tatsache, dass in den USA im Jahre 1922, wie der amerikanische bürgerliche Schriftsteller Denny mitteilt, „ein Prozent der Eigentümer 59 Prozent des gesamten Nationalreichtums besaßen“, in England aber im Jahre 1920/21, wie der gleiche Denny angibt, „weniger als zwei Prozent der Eigentümer 64 Prozent des gesamten Nationalreichtums besaßen“. (Siehe das Büchlein Dennys „Amerika erobert Britannien“.)

Können derartige Tatsachen bei uns, in der UdSSR, im Lande der Sowjets, vorkommen? Natürlich nicht. In der UdSSR gibt es schon längst keine derartigen „Eigentümer“ mehr und kann es sie auch nicht geben.

Wenn aber in der UdSSR im Jahre 1929/30 insgesamt nur ungefähr 2 Prozent des Volkseinkommens für die Ausbeuterklassen abfallen, wohin gelangt dann die übrige Masse des Volkseinkommens?

Es ist klar, dass sie in den Händen der Arbeiter und der werktätigen Bauern verbleibt.

Hier ist die Quelle der Kraft und des Ansehens der Sowjetmacht bei den Millionenmassen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft.

Hier ist die Grundlage für das systematische Anwachsen des materiellen Wohlstands der Arbeiter und der Bauern in der UdSSR.

f) Im Lichte dieser entscheidenden Tatsachen begreift man vollauf das systematische Steigen des Reallohnes der Arbeiter, die Vergrößerung des Haushalts der Sozialversicherung für Arbeiter, die verstärkte Hilfeleistung an die Wirtschaften der armen und Mittelbauern, die vermehrten Bewilligungen für den Bau von Arbeiterwohnungen, für die Verbesserung der Lebenshaltung der Arbeiter, für Mutter- und Säuglingsschutz und im Zusammenhang damit die fortschreitende Bevölkerungszunahme in der UdSSR bei gleichzeitigem Rückgang der Sterblichkeit, besonders der Kindersterblichkeit.

Bekannt ist zum Beispiel, dass der Reallohn der Arbeiter, wenn man die Sozialversicherung und die Gewinnüberweisungen an den Fonds zur Verbesserung der Lebenshaltung der Arbeiter berücksichtigt, gegenüber dem Vorkriegsstand auf 167 Prozent gestiegen ist. Allein der Haushalt der Sozialversicherung für Arbeiter ist in den letzten drei Jahren von 980 Millionen Rubel im Jahre 1927/28 auf 1400 Millionen Rubel im Jahre 1929/30 angewachsen. Für Mutter- und Säuglingsschutz wurden in den letzten drei Jahren (1927/28-1929/30) 494 Millionen Rubel verausgabt. Für Vorschulerziehung (Kindergärten, Spielplätze usw.) wurden im gleichen Zeitraum 204 Millionen Rubel ausgegeben, für den Bau von Arbeiterwohnungen 1880 Millionen Rubel.

Dies bedeutet natürlich nicht, dass schon alles Notwendige für eine ernstliche Erhöhung des Reallohnes getan worden wäre, dass es unmöglich gewesen wäre, den Reallohn auf eine höhere Stufe zu bringen. Und wenn dies nicht getan wurde, so ist daran der Bürokratismus unseres Versorgungsapparates im Allgemeinen, der Bürokratismus der Konsumgenossenschaften vor allem und im Besonderen schuld. Nach den Angaben der Staatlichen Plankommission erfasst der vergesellschaftete Sektor im Binnenhandel 1929/30 beim Großhandel mehr als 99 Prozent und beim Einzelhandel mehr als 89 Prozent. Dies bedeutet, dass das Genossenschaftswesen den privaten Sektor systematisch verdrängt und auf dem Gebiet des Handels zum Monopolisten wird. Das ist natürlich gut. Schlecht aber ist, dass dieses Monopol in einer Reihe von Fällen den Verbrauchern Schaden bringt. Es zeigt sich, dass die Genossenschaften, trotz ihrer fast uneingeschränkten Monopolstellung im Handel, es vorziehen, die Arbeiter mit „einträglicheren“ Waren zu versorgen, die größere Gewinne abwerfen (Galanteriewaren usw.), und davon absehen, sie mit weniger „einträglichen“ Waren zu beliefern, auch wenn die Arbeiter diese notwendiger brauchen (landwirtschaftliche Produkte). Infolgedessen sind die Arbeiter genötigt, etwa 25 Prozent ihres Bedarfs an landwirtschaftlichen Produkten auf dem Privatmarkt zu decken, wo sie überhöhte Preise zahlen. Ich will schon gar nicht davon reden, dass der Genossenschaftsapparat sich in erster Linie um die Bilanz kümmert und infolgedessen allzu widerstrebend an die Herabsetzung der Einzelhandelspreise herangeht, ungeachtet der kategorischen Weisungen seitens der leitenden Zentralen. Es ergibt sich, dass das Genossenschaftswesen in diesem Falle nicht als sozialistischer Sektor handelt, sondern als ein eigenartiger Sektor, der von einer Art NÖPmanngeist angesteckt ist. Es fragt sich, wer ein derartiges Genossenschaftswesen braucht und welchen Nutzen die Arbeiter von seinem Monopol haben, wenn es die Aufgabe, den Reallohn der Arbeiter ernstlich zu verbessern, nicht erfüllt?

Und wenn trotzdem der Reallohn bei uns unausgesetzt von Jahr zu Jahr steigt, so bedeutet dies, dass unsere Gesellschaftsordnung, das System der Verteilung des Volkseinkommens und die gesamte Einstellung in Lohnfragen derart sind, dass sie die Möglichkeit haben, alle und jedwede Minusfaktoren, die von den Genossenschaften ausgehen, zu paralysieren und mehr als wettzumachen.

Fügt man diesem Umstand noch eine Reihe anderer Faktoren bei wie die zunehmende Bedeutung des Speisehallenwesens, die Verbilligung der Arbeiterwohnungen, die gewaltige Anzahl von Stipendien für Arbeiter und für Arbeiterkinder, die kulturelle Betreuung usw., so kann man ohne weiteres sagen, dass die Erhöhung der Arbeiterlöhne prozentual viel größer ist, als das in der Statistik mancher unserer Institutionen ausgewiesen wird.

All das zusammengenommen plus Überführung von mehr als 830000 Industriearbeitern (33,5 Prozent) auf den Siebenstundentag plus Überführung von mehr als 1,5 Millionen Industriearbeitern (63,4 Prozent) auf die Fünftagewoche plus Vorhandensein eines weit ausgedehnten Netzes von Erholungsheimen, Sanatorien und Kurorten für Arbeiter, in denen in den letzten drei Jahren mehr als 1,7 Millionen Arbeiter weilten - all das schafft der Arbeiterklasse Arbeits- und Lebensverhältnisse, die uns die Möglichkeit bieten, eine neue Generation von Arbeitern heranzubilden, die gesund und lebensfroh sind, die imstande sind, die Macht des Sowjetlandes auf die gebührende Höhe zu bringen und es unter Einsatz ihres Lebens gegen Anschläge der Feinde zu schützen. (Beifall.)

Was die Hilfeleistung an die Bauern, Einzelbauern wie Kollektivbauern, betrifft, so betrug sie in den letzten drei Jahren (1927/28-1929/30), die Unterstützung der Dorfarmut mitgerechnet, nicht weniger als 4 Milliarden Rubel, die ihnen als Kredite gewährt wurden oder im Rahmen des Staatshaushalts zugeflossen sind. Es ist bekannt, dass allein als Saatguthilfe den Bauern in diesen drei Jahren nicht weniger als 154 Millionen Pud Getreide geliefert worden sind.

Kein Wunder, dass die Arbeiter und Bauern bei uns im allgemeinen nicht schlecht leben, dass sich die Sterblichkeit der Bevölkerung im Vergleich zur Vorkriegszeit um 36 Prozent überhaupt und um 42,5 Prozent bei den Kindern vermindert hat, während der jährliche Zuwachs der Bevölkerung bei uns rund 3 Millionen ausmacht. (Beifall.)

Was die kulturelle Lage der Arbeiter und Bauern betrifft, so haben wir auch auf diesem Gebiet gewisse Errungenschaften, die uns jedoch angesichts ihrer Geringfügigkeit keinesfalls zufrieden stellen können. Sieht man ab von den Arbeiterklubs jeder Art, den Lesehallen, den Büchereien und den Stellen zur Liquidierung des Analphabetentums, die in diesem Jahr 10,5 Millionen Menschen erfassten, so stellt sich die Lage des Kultur- und Bildungswesens folgendermaßen dar: Die Grundschulen erfassen im laufenden Jahr 11638000 Schüler, die Schulen zweiter Stufe 1945000, die industriell-technischen, Transport- und Landwirtschaftsschulen sowie die Produktionskurse für Massenschulung 333100, die Techniken und ihnen gleichgestellte Berufsschulen 238700, die allgemeinen Hochschulen und technischen Hochschulen 190400. All das hat es ermöglicht, den Prozentsatz der des Lesens und Schreibens Kundigen in der UdSSR von 33 Prozent in der Vorkriegszeit auf 62,6 Prozent zu erhöhen.

Die Hauptsache ist jetzt, zur allgemeinen Grundschulpflicht überzugehen. Ich sage „die Hauptsache“, weil ein derartiger Übergang einen entscheidenden Schritt in der Kulturrevolution bedeuten würde. Dazu überzugehen, ist aber schon längst Zeit, denn wir haben jetzt alles, was notwendig ist für die Einführung der allgemeinen Grundschulpflicht in allen Gebieten der UdSSR.

Bisher waren wir gezwungen, „an allem zu sparen, sogar an den Schulen“, um „die Schwerindustrie zu retten, sie wiederherzustellen“ ( Lenin ). In letzter Zeit jedoch haben wir die Schwerindustrie bereits wiederhergestellt und bringen sie weiter vorwärts. Folglich ist die Zeit gekommen, in der wir die restlose Einführung der allgemeinen Grundschulpflicht in Angriff nehmen müssen.

Ich glaube, dass der Parteitag recht daran tun wird, wenn er in dieser Hinsicht einen bestimmten und absolut kategorischen Beschluss fasst. (Beifall.)

7. Die Schwierigkeiten des Wachstums,
der Kampf der Klassen und die Offensive des Sozialismus
an der ganzen Front

Ich sprach von unseren Errungenschaften bei der Entwicklung der Volkswirtschaft. Ich sprach von den Errungenschaften in der Industrie, in der Landwirtschaft, bei der Rekonstruktion der gesamten Volkswirtschaft nach den Grundsätzen des Sozialismus. Ich sprach schließlich von den Errungenschaften bei der Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern.

Es wäre jedoch falsch, wenn man annehmen wollte, wir hätten diese Errungenschaften „leicht und ruhig“, sozusagen im Selbstlauf, ohne besondere Anstrengungen und ohne Willensanspannung, ohne Kampf und Erschütterungen erzielt. Solche Errungenschaften sind im Selbstlauf nicht zu erreichen. In Wirklichkeit haben wir diese Errungenschaften in entschlossenem Kampf gegen die Schwierigkeiten, in einem ernsten und langwierigen Kampf für die Überwindung der Schwierigkeiten erzielt.

Von Schwierigkeiten sprechen bei uns alle. Aber nicht alle legen sich Rechenschaft ab über den Charakter dieser Schwierigkeiten. Indessen ist das Problem der Schwierigkeiten für uns von ernstester Bedeutung.

Worin bestehen die charakteristischen Wesenszüge unserer Schwierigkeiten, welche feindlichen Kräfte stecken hinter ihnen, und wie überwinden wir sie?

a) Bei Charakterisierung unserer Schwierigkeiten müssen zumindest die folgenden Umstände ins Auge gefasst werden.

Vor allem muss der Umstand berücksichtigt werden, dass unsere gegenwärtigen Schwierigkeiten Schwierigkeiten der Rekonstruktionsperiode sind. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass sie sich von den Schwierigkeiten der Wiederherstellungsperiode unserer Wirtschaft grundlegend unterscheiden. Handelte es sich in der Wiederherstellungsperiode um die Ausnutzung der alten Betriebe und um die Unterstützung der Landwirtschaft auf ihrer alten Grundlage, so handelt es sich jetzt darum, sowohl die Industrie als auch die Landwirtschaft von Grund aus umzubauen, sie durch Veränderung ihrer technischen Basis, durch ihre Ausrüstung mit modernen technischen Mitteln zu rekonstruieren. Das bedeutet, dass wir vor der Aufgabe stehen, die gesamte technische Basis der Volkswirtschaft umzubauen. Das aber erfordert neue, solidere Investierungen in der Volkswirtschaft, neue, erfahrenere Kader, die fähig sind, die neue Technik zu meistern und sie weiterzuentwickeln.

Zweitens muss man den Umstand im Auge haben, dass die Rekonstruktion der Volkswirtschaft bei uns nicht auf den Umbau ihrer technischen Basis beschränkt bleibt, im Gegenteil, sie erfordert gleichzeitig einen Umbau der sozialen und ökonomischen Verhältnisse. Ich denke dabei hauptsächlich an die Landwirtschaft. In der Industrie, die bereits zusammengefasst und sozialisiert ist, besteht für die technische Rekonstruktion schon eine im Großen und Ganzen fertige soziale und ökonomische Basis. Die Aufgabe der Rekonstruktion besteht hier darin, den Prozess der Verdrängung der kapitalistischen Elemente in der Industrie zu verstärken. Nicht so einfach liegen die Dinge in der Landwirtschaft. Die Rekonstruktion der technischen Basis der Landwirtschaft verfolgt selbstverständlich die gleichen Ziele. Aber die Besonderheit der Landwirtschaft besteht bei uns darin, dass in ihr noch immer der bäuerliche Kleinbetrieb überwiegt, dass dem Kleinbetrieb die Möglichkeit fehlt, sich die neue Technik anzueignen, dass infolgedessen der Umbau der technischen Basis der Landwirtschaft unmöglich ist ohne gleichzeitigen Umbau der alten sozialen und ökonomischen Struktur, ohne Vereinigung der individuellen Kleinbetriebe zu kollektiven Großbetrieben, ohne Ausrodung der Wurzeln des Kapitalismus in der Landwirtschaft.

Es ist begreiflich, dass diese Umstände unsere Schwierigkeiten zwangsläufig komplizieren müssen, dass sie uns die Überwindung dieser Schwierigkeiten zwangsläufig erschweren müssen.

Drittens muss man den Umstand im Auge haben, dass unsere Arbeit an der sozialistischen Rekonstruktion der Volkswirtschaft, die die ökonomischen Beziehungen des Kapitalismus zerreißt und alle Kräfte der alten Welt über den Haufen wirft, den verzweifelten Widerstand dieser Kräfte hervorrufen muss. Bekanntlich ist dem auch so. Die böswillige Schädlingsarbeit einer Oberschicht der bürgerlichen Intelligenz in allen Zweigen unserer Industrie, der bestialische Kampf des Kulakentums gegen die kollektiven Wirtschaftsformen im Dorf, die Sabotage der von der Sowjetmacht getroffenen Maßnahmen durch die bürokratischen Elemente des Apparats, die eine Agentur des Klassenfeindes darstellen - das sind vor-läufig die Hauptformen des Widerstands der untergehenden Klassen unseres Landes. Es ist klar, dass diese Umstände nicht dazu angetan sind, unsere Arbeit an der Rekonstruktion der Volkswirtschaft zu erleichtern.

Viertens muss man den Umstand im Auge haben, dass die untergehenden Klassen unseres Landes bei ihrem Widerstand nicht von der Außenwelt isoliert sind, sondern dass ihr Widerstand von der kapitalistischen Umwelt unterstützt wird. Die kapitalistische Umwelt ist nicht als ein einfacher geographischer Begriff zu betrachten. Kapitalistische Umwelt heißt, dass die UdSSR von feindlichen Klassenkräften umgeben ist, die bereit sind, unsere Klassenfeinde im Innern der UdSSR sowohl moralisch und materiell als auch durch eine Finanzblockade und bei Gelegenheit auch durch eine militärische Intervention zu unterstützen. Es ist bewiesen, dass die Schädlingsarbeit unserer Spezialisten, die sowjetfeindlichen Aktionen des Kulakentums, die Brandstiftungen und Sprengstoffanschläge auf unsere Betriebe und Bauten von außen subsidiert und inspiriert wurden. Die imperialistische Welt hat kein Interesse daran, dass die UdSSR fest auf die Beine kommt und die Möglichkeit erhält, die führenden kapitalistischen Länder einzuholen und zu überholen. Deshalb unterstützt sie die Kräfte der alten Welt in der UdSSR. Es ist verständlich, dass dieser Umstand gleichfalls nicht dazu angetan ist, unsere Rekonstruktionsarbeit zu erleichtern.

Die Charakteristik unserer Schwierigkeiten wäre aber nicht vollständig, wenn man nicht noch einen Umstand berücksichtigte. Es handelt sich um den besonderen Charakter unserer Schwierigkeiten. Es handelt sich darum, dass unsere Schwierigkeiten nicht Schwierigkeiten des Niedergangs oder Schwierigkeiten der Stagnation sind, sondern Schwierigkeiten des Wachstums, Schwierigkeiten des Aufstiegs, Schwierigkeiten des Vormarsches. Dies bedeutet, dass sich unsere Schwierigkeiten von denen der kapitalistischen Länder grundlegend unterscheiden. Wenn man in den USA von Schwierigkeiten spricht, so meint man Schwierigkeiten des Niedergangs, denn Amerika macht gegenwärtig eine Krise durch, das heißt einen Niedergang der Wirtschaft. Wenn man in England von Schwierigkeiten spricht, so meint man Schwierigkeiten der Stagnation, denn England macht jetzt schon seit mehreren Jahren eine Stagnation durch, das heißt, die Vorwärtsbewegung hat aufgehört. Wenn wir dagegen von unseren Schwierigkeiten sprechen, so meinen wir nicht einen Niedergang und nicht eine Stagnation in der Entwicklung, sondern das Wachstum unserer Kräfte, den Aufschwung unserer Kräfte, die Vorwärtsbewegung unserer Wirtschaft. Um wie viel Punkte wir uns bis zu einer bestimmten Frist vorwärts bewegen, um wie viel Prozent Produkte wir mehr erzeugen, um wie viel Millionen Hektar wir mehr bestellen, um wie viel Monate früher wir einen Industriebetrieb, eine Eisenbahn erbauen - das sind Fragen, die man bei uns meint, wenn man von Schwierigkeiten spricht. Folglich sind unsere Schwierigkeiten zum Unterschied von den Schwierigkeiten, sagen wir, Amerikas oder Englands Wachstumsschwierigkeiten, Schwierigkeiten der Vorwärtsbewegung.

Was aber bedeutet das? Das bedeutet, dass es sich bei unseren Schwierigkeiten um Schwierigkeiten handelt, die in sich selbst die Möglichkeit ihrer Überwindung enthalten. Das bedeutet, dass das unterscheidende Merkmal unserer Schwierigkeiten darin besteht, dass sie uns selbst die Basis für ihre Überwindung geben.

Was folgt nun aus alledem?

Daraus folgt vor allem, dass unsere Schwierigkeiten nicht Schwierigkeiten infolge kleiner und zufälliger „Unzulänglichkeiten“, sondern Schwierigkeiten des Klassenkampfes sind.

Daraus folgt zweitens, dass hinter unseren Schwierigkeiten unsere Klassenfeinde stecken, dass diese Schwierigkeiten kompliziert werden durch den verzweifelten Widerstand der untergehenden Klassen unseres Landes, durch die Unterstützung dieser Klassen von außen, durch das Vorhandensein bürokratischer Elemente in unseren eigenen Institutionen, durch das Vorhandensein von Unsicherheit und Engstirnigkeit in einigen Schichten unserer Partei.

Daraus folgt drittens, dass es zur Überwindung der Schwierigkeiten vor allem notwendig ist, die Angriffe der kapitalistischen Elemente zurückzuschlagen, ihren Widerstand zu unterdrücken und so die Bahn für einen raschen Vormarsch freizulegen.

Daraus folgt schließlich, dass unsere Schwierigkeiten, die ihrem ganzen Charakter nach Schwierigkeiten des Wachstums sind, uns die zur Unterdrückung der Klassenfeinde erforderlichen Möglichkeiten geben.

Um aber diese Möglichkeiten auszunutzen und sie Wirklichkeit werden zu lassen, um den Widerstand der Klassenfeinde zu unterdrücken und die Überwindung der Schwierigkeiten durchzusetzen, gibt es nur ein Mittel: Organisierung der Offensive gegen die kapitalistischen Elemente an der ganzen Front und Isolierung der opportunistischen Elemente in unseren eigenen Reihen, die die Offensive hindern, die in ihrer Panik von einem Extrem ins andere stürzen und in der Partei den Glauben an den Sieg zu erschüttern suchen. (Beifall.)

Andere Mittel gibt es nicht.

Nur Leute, die den Kopf verloren haben, können einen Ausweg suchen in der kindischen Formel Bucharins vom friedlichen Hineinwachsen der kapitalistischen Elemente in den Sozialismus. Die Entwicklung verlief und verläuft bei uns nach wie vor nicht nach der Formel Bucharins. Die Entwicklung verlief und verläuft nach wie vor nach Lenin s Formel „Wer - wen?“. Werden wir sie, die Ausbeuter, unterkriegen und niederhalten, oder werden sie uns, die Arbeiter und Bauern der UdSSR, unterkriegen und niederhalten - so ist die Frage gestellt, Genossen.

Mithin Organisierung der Offensive des Sozialismus an der ganzen Front - das ist die Aufgabe, die uns erstand, als wir die Rekonstruktion der gesamten Volkswirtschaft entfalteten.

Gerade so fasste die Partei ihre Mission auf, als sie die Offensive gegen die kapitalistischen Elemente unseres Landes organisierte.

b) Ist aber überhaupt eine Offensive, und zwar eine Offensive an der ganzen Front unter den Bedingungen der NÖP zulässig?

Manche glauben, die Offensive sei unvereinbar mit der NÖP, die NÖP sei im Wesen der Sache ein Rückzug, und da der Rückzug beendet sei, müsse mit der NÖP Schluss gemacht werden. Das ist natürlich Unsinn. Ein Unsinn, ausgehend entweder von den Trotzkisten, die vom Lenin ismus nichts begriffen haben und die NÖP „im Handumdrehen“ „abschaffen“ möchten, oder von den Rechtsopportunisten, die ebenfalls vom Lenin ismus nichts begriffen haben und glauben, durch ihr Geschwätz von der „Gefahr der Abschaffung der NÖP“ sich den Verzicht auf die Offensive erhandeln zu können. Wenn es bei der NÖP mit dem Rückzug sein Bewenden hätte, dann hätte Lenin auf dem XI. Parteitag, als die NÖP bei uns mit aller Konsequenz durchgeführt wurde, nicht gesagt, dass der „Rückzug beendet ist“. Hat Lenin , als er von der Beendigung des Rückzuges sprach, denn nicht gleichzeitig erklärt, dass wir die NÖP „ernstlich und auf lange“ durchführen wollen? Man braucht nur diese Frage zu stellen, um die ganze Ungereimtheit des Geschwätzes von der Unvereinbarkeit der NÖP mit einer Offensive zu begreifen. In Wirklichkeit sieht die NÖP nicht nur einen Rückzug und die Zulassung einer Belebung des Privathandels vor, die Zulassung einer Belebung des Kapitalismus bei Sicherung einer regulierenden Rolle des Staates (Anfangsstadium der NÖP). In Wirklichkeit sieht die NÖP gleichzeitig in einem bestimmten Entwicklungsstadium die Offensive des Sozialismus gegen die kapitalistischen Elemente vor, die Einengung des Betätigungsfeldes des Privathandels, die relative und absolute Einschränkung des Kapitalismus, das wachsende Übergewicht des vergesellschafteten Sektors über den nicht vergesellschafteten Sektor, den Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus (gegenwärtiges Stadium der NÖP). Die NÖP wurde eingeführt im Interesse des Sieges des Sozialismus über die kapitalistischen Elemente. Mit dem Übergang zur Offensive an der ganzen Front schaffen wir die NÖP noch nicht ab, denn der Privathandel und die kapitalistischen Elemente bleiben noch bestehen, der „freie“ Warenumsatz bleibt noch bestehen - wir machen aber eindeutig Schluss mit dem Anfangsstadium der NÖP, indem wir ihr nächstes Stadium entwickeln, das gegenwärtige Stadium der NÖP, das das letzte Stadium der NÖP ist.

Lenin sagte 1922, ein Jahr nach der Einführung der NÖP:

„Wir gehen jetzt zurück, treten gleichsam den Rückzug an, wir tun dies jedoch, um zuerst zurückzugehen, dann aber einen Anlauf zu nehmen und einen um so größeren Sprung vorwärts zu machen. Nur unter dieser einen Bedingung sind wir bei der Durchführung unserer Neuen Ökonomischen Politik zurückgegangen. Wo und wie wir unsere Reihen jetzt umgruppieren, uns anpassen, uns reorganisieren müssen, um nach dem Rückzug den hartnäckigsten Vormarsch anzutreten, das wissen wir noch nicht. Um alle diese Aktionen in normaler Weise durchführen zu können, muss man, wie das Sprichwort sagt, nicht zehnmal, sondern hundertmal abwägen, bevor man sich einmal entschließt.“ (4. Ausgabe, Bd. 33, S. 399, russ.)

Das dürfte klar sein.

Es fragt sich nun: Ist die Zeit bereits gekommen, um zur Offensive überzugehen, ist der richtige Augenblick für die Offensive bereits da?

Lenin sprach an einer anderen Stelle im selben Jahre 1922 davon, dass es notwendig ist:

„sich eng mit der Bauernmasse, mit der einfachen, werktätigen Bauernschaft zusammenzuschließen und zu beginnen, sich vorwärts zu bewegen, zwar unvergleichlich, unendlich langsamer, als wir es geträumt haben, dafür aber so, dass die ganze Masse wirklich mit uns vorwärts schreitet... Dann wird auch zur gegebenen Zeit eine solche Beschleunigung dieser Bewegung einsetzen, von der wir augenblicklich nicht einmal träumen können.“ (4. Ausgabe, Bd. 33, S. 243 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 920].)

Und wiederum die gleiche Frage: Ist die Zeit bereits gekommen für eine solche Beschleunigung der Bewegung, für eine Beschleunigung des Tempos unserer Entwicklung, hatten wir den Augenblick richtig gewählt, als wir im zweiten Halbjahr 1929 an der ganzen Front zur entschlossenen Offensive übergingen?

Auf diese Frage hat die Partei bereits eine klare und bestimmte Antwort gegeben.

Ja, dieser Augenblick ist bereits eingetreten.

Ja, die Partei hatte den Augenblick richtig gewählt, als sie an der ganzen Front zur Offensive überging.

Davon zeugen die wachsende Aktivität der Arbeiterklasse und das beispiellose Anwachsen der Autorität der Partei unter den Millionenmassen der Werktätigen.

Davon zeugt die wachsende Aktivität der Massen der armen und Mittelbauern und die radikale Wendung dieser Massen zum kollektivwirtschaftlichen Aufbau.

Davon zeugen unsere Errungenschaften sowohl auf dem Gebiet der industriellen Entwicklung als auch beim Aufbau der Sowjet- und Kollektivwirtschaften.

Davon zeugt die Tatsache, dass wir jetzt die Möglichkeit haben, die kulakische Produktion durch die Produktion der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften nicht nur zu ersetzen, sondern sie auch um ein Vielfaches zu überbieten.

Davon zeugt die Tatsache, dass wir das Getreideproblem in der Hauptsache bereits gelöst und bestimmte Getreidereserven angesammelt haben, da wir den Schwerpunkt der Warengetreideproduktion aus der Sphäre der individuellen Produktion in die der kollektiv- und sowjetwirtschaftlichen Produktion verlegt haben.

Das sind die Beweise dafür, dass die Partei den Augenblick richtig gewählt hatte, als sie zur Offensive an der ganzen Front überging 'und die Losung der Liquidierung des Kulakentums als Klasse proklamierte.

Was wäre geschehen, wenn wir auf die Rechtsopportunisten aus der Gruppe Bucharins gehört hätten, wenn wir auf die Offensive verzichtet, das Entwicklungstempo der Industrie gedrosselt, die Entwicklung der Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften gehemmt und uns auf die individuelle Bauernwirtschaft gestützt hätten?

Wir wären unweigerlich mit unserer Industrie gescheitert, hätten die Sache der sozialistischen Rekonstruktion der Landwirtschaft zugrunde gerichtet, wären ohne Getreide geblieben und hätten der Vorherrschaft des Kulakentums den Weg geebnet. Wir säßen jetzt vor einem Scherbenhaufen.

Was wäre geschehen, wenn wir auf die „linken“ Opportunisten aus der Gruppe Trotzki-Sinowjew gehört und die Offensive 1926/27 eröffnet hätten, als wir keine Möglichkeit besaßen, die kulakische Produktion durch die Produktion der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften zu ersetzen?

Wir hätten dabei unweigerlich Fiasko erlitten, hätten unsere Schwäche demonstriert, die Positionen des Kulakentums und der kapitalistischen Elemente überhaupt gestärkt, den Mittelbauern dem Kulaken in die Arme getrieben, wir hätten unseren sozialistischen Aufbau vereitelt und wären ohne Getreide geblieben. Wir säßen jetzt vor einem Scherbenhaufen.

Die Resultate wären die gleichen.

Nicht umsonst sagen unsere Arbeiter: „Gehst du nach ‚links', kommst du nach rechts.“ (Beifall.)

Manche Genossen glauben, die Hauptsache bei der Offensive des Sozialismus seien die Repressalien, und wenn die Repressalien nicht zunehmen, so gebe es auch keine Offensive.

Ist das richtig? Das ist selbstverständlich falsch.

Repressalien sind beim sozialistischen Aufbau ein notwendiges Element der Offensive, aber ein nebengeordnetes Element, nicht das Hauptelement. Die Hauptsache bei der Offensive des Sozialismus ist unter unseren jetzigen Verhältnissen das gesteigerte Entwicklungstempo unserer Industrie, das gesteigerte Entwicklungstempo der Sowjet- und Kollektivwirtschaften, die beschleunigte wirtschaftliche Verdrängung der kapitalistischen Elemente in Stadt und Land, die Mobilisierung der Massen für den sozialistischen Aufbau, die Mobilisierung der Massen gegen den Kapitalismus. Sie können Zehntausende und Hunderttausende Kulaken verhaften und verschicken, wenn Sie aber nicht gleichzeitig damit alles Notwendige unternehmen, um den Aufbau der neuen Formen der Wirtschaft zu beschleunigen, die alten, kapitalistischen Formen durch neue Wirtschaftsformen zu ersetzen, die Betriebsquellen für die ökonomische Existenz und Entwicklung der kapitalistischen Elemente auf dem Lande zu verschütten und zu liquidieren - so wird das Kulakentum sowieso wiedererstehen und wachsen.

Andere wieder glauben, die Offensive des Sozialismus sei einzig und allein Vormarsch, ohne entsprechende Vorbereitung, ohne Umgruppierung der Kräfte während der Offensive, ohne Befestigung der eroberten Stellungen, ohne Einsetzung der Reserven zu dem Zweck, die erzielten Erfolge weiterzuentwickeln, und wenn, sagen wir, Anzeichen des Abflutens eines Teiles der Bauern aus den Kollektivwirtschaften sich bemerkbar machen, so bedeute dies, dass wir schon ein „Abebben der Revolution“, einen Niedergang der Bewegung, ein Stocken der Offensive hätten.

Ist das richtig? Das ist selbstverständlich falsch.

Erstens verläuft keine Offensive, und sei es auch die erfolgreichste, ohne dass an einzelnen Abschnitten der Front der Feind einbricht, ohne dass man hie und da zu weit vorprellt. Deswegen von einem Stocken oder einem Misserfolg der Offensive reden heißt das Wesen der Offensive nicht begreifen.

Zweitens gab es nie eine erfolgreiche Offensive und kann es keine geben ohne Umgruppierung der Kräfte während der Offensive selbst, ohne Befestigung der eroberten Stellungen, ohne Einsetzung der Reserven zu dem Zweck, die erzielten Erfolge weiterzuentwickeln und die Offensive zu vollenden. Wenn man immer nur vorrücken will, das heißt, wenn man diese Bedingungen nicht beachtet, muss die Offensive unvermeidlich zum Erliegen kommen und scheitern. Bloßes Vorrücken ist der Tod der Offensive. Davon zeugen die reichen Erfahrungen Unseres Bürgerkriegs.

Drittens, wie kann man eine Analogie sehen zwischen dem „Abebben der Revolution“, das gewöhnlich durch einen Niedergang der Bewegung verursacht wird, und dem Abfluten eines Teils der Bauern aus den Kollektivwirtschaften, das verursacht wurde durch den fortdauernden Aufschwung der Bewegung, durch den fortdauernden Aufschwung unseres ganzen sozialistischen Aufbaus, sowohl des industriellen als auch des kollektivwirtschaftlichen, durch den fortdauernden Aufschwung unserer Revolution? Was können diese beiden absolut verschiedenartigen Erscheinungen miteinander gemein haben?

c) Worin besteht das Wesen der bolschewistischen Offensive unter unseren gegenwärtigen Verhältnissen?

Das Wesen der bolschewistischen Offensive besteht vor allem darin, dass man die Klassenwachsamkeit und die revolutionäre Aktivität der Massen gegen die kapitalistischen Elemente unseres Landes mobilisiert; dass man die schöpferische Initiative und Selbsttätigkeit der Massen gegen den Bürokratismus in unseren Institutionen und Organisationen mobilisiert, der die ungeheuren, im Schoße unserer Gesellschaftsordnung enthaltenen Reserven ungenutzt lässt und ihre Verwertung verhindert; dass man den Wettbewerb und den Arbeitsaufschwung der Massen im Interesse gesteigerter Arbeitsproduktivität, im Interesse des entfalteten sozialistischen Aufbaus organisiert.

Das Wesen der bolschewistischen Offensive besteht zweitens darin, dass man die Umstellung der gesamten praktischen Arbeit der Gewerkschaften, Genossenschaften, Sowjets und aller sonstigen Massenorganisationen in Anpassung an die Bedürfnisse der Rekonstruktionsperiode organisiert; dass man in diesen aus den aktivsten und revolutionärsten Funktionären einen Kern bildet und die opportunistischen, tradeunionistischen, bürokratischen Elemente beiseite drängt und isoliert; dass man die fremden und entarteten Elemente aus den genannten Organisationen verjagt und neue, von unten kommende Kräfte an ihre Stelle befördert.

Das Wesen der bolschewistischen Offensive besteht ferner darin, dass man das Maximum an Mitteln für die Finanzierung unserer Industrie, für die Finanzierung unserer Sowjetwirtschaften und Kollektivwirtschaften mobilisiert und die fähigsten Leute unserer Partei mit diesem Werke betraut.

Das Wesen der bolschewistischen Offensive besteht schließlich darin, dass man die Partei selbst zur Organisierung der Offensive in ihrer Gesamtheit mobilisiert; dass man die Parteiorganisationen festigt und ihnen die nötige Schärfe verleiht, indem man die Elemente des Bürokratismus und der Entartung aus ihnen vertreibt; dass man die Träger der rechten und der „linken“ Abweichung, der Abweichung von der Lenin schen Linie, isoliert und beiseite drängt und wirkliche, standhafte Lenin isten aufrücken lässt.

Das sind die Grundlagen der bolschewistischen Offensive im gegenwärtigen Augenblick.

Wie verwirklichte die Partei diesen Offensivplan?

Sie wissen, dass die Partei diesen Plan mit aller Konsequenz verwirklichte.

Die Sache begann damit, dass die Partei eine breite Selbstkritik entfaltete, indem sie die Aufmerksamkeit der Massen auf die Mängel unseres Aufbaus, auf die Mängel unserer Organisationen und Institutionen konzentrierte. Bereits auf dem XV. Parteitag wurde die Notwendigkeit einer verstärkten Selbstkritik proklamiert. Die Schachty-Affäre und das Schädlingswesen in verschiedenen Industriezweigen, die die Tatsache enthüllten, dass es in der Partei stellenweise an revolutionärem Spürsinn fehlte, auf der einen Seite, der Kampf gegen das Kulakentum und die zutage getretenen Mängel unserer Dorforganisationen auf der anderen Seite gaben der Selbstkritik einen weiteren Anstoß. In seinem Aufruf vom 2. Juni 1928[49] gab das ZK der Selbstkritikkampagne endgültig Gestalt, indem es alle Kräfte der Partei und der Arbeiterklasse aufforderte zur Entfaltung der Selbstkritik „von oben bis unten und von unten bis oben“, „ohne Ansehen der Person“. Sich abgrenzend von der trotzkistischen „Kritik“, die von der anderen Seite der Barrikade kommt und auf die Diskreditierung und Schwächung der Sowjetmacht abzielt, erklärte die Partei es als Aufgabe der Selbstkritik, die Mängel unserer Arbeit rücksichtslos aufzudecken, damit unsere Aufbauarbeit verbessert, damit die Sowjetmacht gefestigt werde. Es ist bekannt, dass der Appell der Partei in den Massen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft lebhaftesten Widerhall fand.

Die Partei organisierte weiter eine groß angelegte Kampagne gegen den Bürokratismus. Sie stellte die Losung der Säuberung der Partei-, Gewerkschafts-, Genossenschafts- und Sowjetorganisationen von fremden und verbürokratisierten Elementen auf. Die Fortsetzung dieser Kampagne ist der bekannte Beschluss des ZK und der ZKK vom 16. März 1930 über das Aufrücken von Arbeitern in den Staatsapparat und die Massenkontrolle der Arbeiter über den Sowjetapparat (Patenschaft der Betriebe)[50]. Es ist bekannt, dass diese Kampagne unter den Arbeitermassen größte Begeisterung und Aktivität auslöste. Das Resultat dieser Kampagne ist das gewaltige Anwachsen der Autorität der Partei unter den werktätigen Massen, das wachsende Vertrauen der Arbeiterklasse zu ihr, der Eintritt von Hunderttausenden neuer Arbeiter in die Partei, Resolutionen der Arbeiter, die geschlossen in ganzen Abteilungen und Betrieben ihre Aufnahme in die Partei beantragen. Schließlich ist es ein Resultat dieser Kampagne, dass unsere Organisationen eine Reihe engstirniger und bürokratischer Elemente losgeworden sind, dass der Zentralrat der Gewerkschaften die alte, opportunistische Leitung losgeworden ist.

Die Partei organisierte ferner einen umfassenden sozialistischen Wettbewerb und den Arbeitsaufschwung der Massen in den Industriebetrieben. Der Wettbewerbsappell der XVI. Parteikonferenz brachte die Sache ins Rollen. Die Stoßbrigaden bringen sie weiter vorwärts. Der Lenin sche Kommunistische Jugendverband und die vom ihm geleitete Arbeiterjugend krönen das Werk des Wettbewerbs und der Stoßarbeiterbewegung mit entscheidenden Erfolgen. Es muss anerkannt werden, dass unsere revolutionäre Jugend hierbei eine außerordentliche Rolle gespielt hat. Jetzt kann es keinem Zweifel mehr unterliegen: eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Tatsache unseres Aufbaus im gegenwärtigen Augenblick sind der sozialistische Wettbewerb der Industriebetriebe, sind die gegenseitigen Berichte Hunderttausender Arbeiter über ihre Wettbewerbsergebnisse, die breite Entfaltung der Stoßarbeiterbewegung.

Nur Blinde bemerken nicht, dass in der Denkart der Massen und in ihrer Einstellung zur Arbeit ein gewaltiger Umschwung eingetreten ist, der das Antlitz. unserer Industriebetriebe von Grund aus geändert hat. Es ist noch nicht lange her, dass bei uns Stimmen laut wurden, die den Wettbewerb und die Stoßarbeiterbewegung als etwas „Ausgeklügeltes“ und „Unhaltbares“ bezeichneten. Heute werden diese „Schlauköpfe“ nicht einmal mehr des Spottes gewürdigt, sie gelten einfach als abgelebte „Schlauberger“. Heute kann das Werk des Wettbewerbs und der Stoßarbeiterbewegung als errungen und gefestigt gelten. Ist es doch Tatsache, dass der sozialistische Wettbewerb bei uns über 2 Millionen Arbeiter erfasst hat und dass in die Stoßbrigaden nicht weniger als 1 Million Arbeiter hineingezogen wurden.

Das Bemerkenswerteste am Wettbewerb ist, dass er in den Ansichten der Menschen über die Arbeit eine radikale Umwälzung hervorruft, denn er macht die Arbeit aus einer schimpflichen und schweren Last, als die sie früher galt, zu einer Sache der Ehre, zu einer Sache des Ruhmes, zu einer Sache der Tapferkeit und des Heroismus. In den kapitalistischen Ländern gibt es nichts Derartiges und kann es nichts Derartiges geben. Dort bei ihnen, bei den Kapitalisten, ist das Erstrebenswerteste, was den öffentlichen Beifall findet, im Besitz einer Rente zu sein, von Zinsen zu leben, frei zu sein von Arbeit, die als eine schimpfliche Beschäftigung gilt. Bei uns, in der UdSSR, wird umgekehrt zum Erstrebenswertesten, zu dem, was den öffentlichen Beifall findet, die Möglichkeit, ein Held der Arbeit zu sein, die Möglichkeit, ein Held der Stoßarbeiterbewegung zu sein, der unter Millionen Werktätigen mit der Aureole des Ruhmes umgeben ist.

Als nicht minder bemerkenswert am Wettbewerb ist die Tatsache zu betrachten, dass er sich auch auf dem Lande auszudehnen beginnt und bereits unsere Sowjetwirtschaften und Kollektivwirtschaften erfasst hat. Allgemein bekannt sind die zahlreichen Tatsachen eines wirklichen Arbeitsenthusiasmus unter den Millionenmassen der Werktätigen der Sowjetwirtschaften und Kollektivwirtschaften.

Wer hätte vor zwei Jahren von solchen Erfolgen des Wettbewerbs und der Stoßarbeiterbewegung auch nur träumen können?

Die Partei mobilisierte ferner die finanziellen Hilfsquellen des Landes für die weitere Entwicklung der Sowjet- und Kollektivwirtschaften, sie führte den Sowjetwirtschaften die fähigsten Organisatoren zu, sie sandte den Kollektivwirtschaften 25000 fortgeschrittene Arbeiter zu Hilfe, sie zog die fähigsten Kollektivbauern zur Leitung der Kollektivwirtschaften heran, sie organisierte ein Netz von Kursen für Kollektivbauern und legte damit den Grund für die Ausbildung standhafter und erprobter Kader der Kollektivwirtschaftsbewegung.

Schließlich brachte die Partei ihre eigenen Reihen in Kampfzustand, gab der Presse eine neue kämpferische Einstellung, organisierte den Kampf an zwei Fronten, zerschlug die Überreste des Trotzkismus, schlug die rechten Abweichler aufs Haupt, isolierte die Versöhnler und sicherte damit die für eine erfolgreiche Offensive notwendige Einheit ihrer Reihen auf der Basis der Lenin schen Linie; sie verwirklichte die richtige Führung der Offensive, indem sie sowohl die Immer-langsam-voran-Männer aus dem Lager der Rechten als auch die „linken“ Überspitzer auf dem Gebiet der Kollektivwirtschaftsbewegung zur Ordnung rief und in die Schranken wies.

Das waren die wichtigsten Maßnahmen der Partei, die sie im Zuge der Offensive an der ganzen Front durchführte.

Es ist allgemein bekannt, dass diese Offensive auf sämtlichen Gebieten unserer Arbeit von Erfolg gekrönt war.

Hier liegt die Ursache dafür, dass es uns gelungen ist, eine ganze Reihe von Schwierigkeiten der Periode der Rekonstruktion unserer Volkswirtschaft zu überwinden.

Hier liegt die Ursache dafür, dass es uns gelingt, die größte Schwierigkeit unseres Aufbaus mit Erfolg zu überwinden, die Schwierigkeit nämlich, zu erreichen, dass sich die Hauptmassen der Bauernschaft dem Sozialismus zuwenden.

Ausländer erkundigen sich mitunter nach der inneren Lage der UdSSR. Kann es aber einen Zweifel darüber geben, dass die innere Lage der UdSSR fest und unerschütterlich ist? Schauen Sie sich die kapitalistischen Länder an, die Ausweitung der Krise und der Arbeitslosigkeit in diesen Ländern, die Streiks und Aussperrungen, die regierungsfeindlichen Demonstrationen - was kann es da für einen Vergleich zwischen der inneren Lage in diesen Ländern und der inneren Lage in der UdSSR geben?

Es muss anerkannt werden, dass die Sowjetmacht heute die stabilste Staatsmacht der Welt ist. (Beifall.)

8. Kapitalistisches oder sozialistisches Wirtschaftssystem

Wir haben somit ein Bild von der inneren Lage der UdSSR.

Wir haben gleichzeitig damit ein Bild von der inneren Lage in den wichtigsten kapitalistischen Ländern.

Unwillkürlich ersteht die Frage: Welcher Art sind die Ergebnisse, wenn man die beiden Bilder gegeneinander hält, sie miteinander vergleicht?

Diese Frage ist um so interessanter, als die bürgerlichen Politiker aller Länder, die bürgerliche Presse aller Stufen und Ränge, von den ausgesprochen kapitalistischen bis zu den menschewistisch-trotzkistischen, wie aus einem Munde schreien und von „Prosperität“ der kapitalistischen Länder, von „Untergang“ der UdSSR, von „finanziellem und wirtschaftlichem Zusammenbruch“ der UdSSR usw. reden.

Welches sind also die Ergebnisse einer Analyse der Lage bei uns, in der UdSSR, und bei ihnen, in den kapitalistischen Ländern?

Vermerken wir die wichtigsten, allgemein bekannten Tatsachen.

Bei ihnen, den Kapitalisten, herrschen Wirtschaftskrise und Niedergang der Produktion sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft.

Bei uns, in der UdSSR, wirtschaftlicher Aufstieg und Wachstum der Produktion in allen Zweigen der Volkswirtschaft.

Bei ihnen, den Kapitalisten, Verschlechterung der materiellen Lage der Werktätigen, Abbau der Arbeiterlöhne und Wachstum der Arbeitslosigkeit.

Bei uns, in der UdSSR, Hebung der materiellen Lage der Werktätigen, Erhöhung der Arbeiterlöhne und Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Bei ihnen, den Kapitalisten, Zunahme der Streiks und Demonstrationen, die den Verlust von Millionen Arbeitstagen zur Folge hat.

Bei uns, in der UdSSR, keinerlei Streiks und ein zunehmender Arbeitsenthusiasmus der Arbeiter und Bauern, der unserer Gesellschaftsordnung Millionen zusätzlicher Arbeitstage gibt.

Bei ihnen, den Kapitalisten, Verschärfung der inneren Lage und Anwachsen der revolutionären Bewegung der Arbeiterklasse gegen das kapitalistische Regime.

Bei uns, in der UdSSR, Festigung der inneren Lage und Zusammenschluss der Millionenmassen der Arbeiterklasse um die Sowjetmacht.

Bei ihnen, den Kapitalisten, Zuspitzung der nationalen Frage und ein Anwachsen der nationalen Befreiungsbewegung in Indien, Indochina, Indonesien, auf den Philippinen usw., das in den nationalen Krieg übergeht.

Bei uns, in der UdSSR, Festigung der Grundlagen der nationalen Brüderlichkeit, gesicherter nationaler Frieden und Zusammenschluss der Millionenmassen der Völker der UdSSR um die Sowjetmacht.

Bei ihnen, den Kapitalisten, Verwirrung und die Perspektive einer weiteren Verschlechterung der Lage.

Bei uns, in der UdSSR, glauben an die eigenen Kräfte und die Perspektive einer weiteren Verbesserung der Lage.

Man schwätzt von „Untergang“ der UdSSR, von „Prosperität“ der kapitalistischen Länder und dergleichen mehr. Wäre es nicht richtiger, von dem unvermeidlichen Untergang derjenigen zu sprechen, die so „unerwartet“ in den Strudel der Wirtschaftskrise geraten sind und sich noch immer nicht aus dem Morast des Niedergangs herausarbeiten können?

Wo liegen die Ursachen eines so ernsten Fiaskos bei ihnen, den Kapitalisten, und so ernster Erfolge bei uns, in der UdSSR?

Man sagt, der Zustand der Volkswirtschaft hänge in vielem vom Überfluss oder Mangel an Kapital ab. Das stimmt natürlich! Erklären sich nun vielleicht die Krise in den kapitalistischen Ländern und der Aufstieg in der UdSSR aus unserem Überfluss und ihrem Mangel an Kapital? Nein, natürlich nicht! Jedermann weiß, dass die UdSSR viel weniger Kapital besitzt als die kapitalistischen Länder. Wäre im gegebenen Fall der Stand der Akkumulation entscheidend, so hätten wir eine Krise und die kapitalistischen Länder einen Aufstieg.

Man sagt, der Zustand der Wirtschaft hänge in vielem von der technischen und organisatorischen Geschultheit der wirtschaftlichen Kader ab. Das ist natürlich richtig. Erklärt sich nun vielleicht die Krise in den kapitalistischen Ländern und der Aufstieg in der UdSSR aus ihrem Mangel und unserem Überfluss an technischen Kadern? Nein, natürlich nicht! Jedermann weiß, dass die kapitalistischen Länder weitaus mehr technisch erprobte Kader besitzen als wir in der UdSSR. Wir haben nie verheimlicht und tragen uns auch nicht mit der Absicht, es zu verheimlichen, dass wir auf dem Gebiet der Technik Schüler der Deutschen, Engländer, Franzosen, Italiener und vor allem und hauptsächlich der Amerikaner sind. Nein, entscheidend ist hier nicht der Überfluss oder Mangel an technischen Kadern, wenn auch das Problem der Kader für die Entwicklung der Volkswirtschaft von ernster Bedeutung ist.

Vielleicht findet man des Rätsels Lösung darin, dass das Kulturniveau bei uns höher ist als in den kapitalistischen Ländern? Wiederum nein. Jedermann weiß, dass das allgemeine Kulturniveau der Massen bei uns niedriger ist als in den USA, in England, in Deutschland. Nein, es handelt sich hier nicht um die Kultiviertheit der Massen, obgleich auch sie für die Entwicklung der Volkswirtschaft von gewaltiger Bedeutung ist.

Vielleicht liegt die Ursache hier in den persönlichen Eigenschaften der führenden Männer in den kapitalistischen Ländern? Wiederum nein. Die Krisen wurden gleichzeitig mit dem Anbruch der Herrschaft des Kapitalismus geboren. Schon seit mehr als hundert Jahren kommt es zu periodischen Wirtschaftskrisen des Kapitalismus, die sich alle zwölf, zehn, acht oder weniger Jahre wiederholen. Alle Parteien des Kapitalismus, alle einigermaßen namhaften Vertreter des Kapitalismus, von den „genialsten“ bis zu den mittelmäßigsten, haben ihre Kräfte an der „Verhütung“ oder „Beseitigung“ der Krisen erprobt. Sie haben aber alle eine Niederlage erlitten. Was ist also Erstaunliches daran, dass Hoover samt seiner Gruppe ebenfalls eine Niederlage erlitten hat? Nein, hier handelt es sich nicht um die Führer oder die Parteien des Kapitalismus, obgleich auch die Führer und die Parteien des Kapitalismus dabei von nicht geringer Bedeutung sind.

Worum handelt es sich also?

Was ist die Ursache dafür, dass die UdSSR trotz ihrer kulturellen Rückständigkeit, trotz des Mangels an Kapital, trotz des Mangels an technisch erfahrenen Wirtschaftskadern sich in einem wachsenden wirtschaftlichen Aufstieg befindet und an der Front des Wirtschaftsaufbaus entscheidende Erfolge aufzuweisen hat, während die führenden kapitalistischen Länder trotz des Überflusses an Kapitalien, trotz des Überflusses an technischen Kadern und trotz eines höheren Kulturniveaus sich im Zustand einer wachsenden Wirtschaftskrise befinden und auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Entwicklung Niederlage auf Niederlage erleiden?

Die Ursache liegt im Unterschied der Wirtschaftssysteme bei uns und bei den Kapitalisten.

Die Ursache liegt in der Unhaltbarkeit des kapitalistischen Wirtschaftssystems.

Die Ursache liegt in den Vorzügen des sowjetischen Wirtschaftssystems gegenüber dem kapitalistischen System.

Was ist das sowjetische Wirtschaftssystem?

Sowjetisches Wirtschaftssystem bedeutet:

1. Die Klassenmacht der Kapitalisten und der Gutsherren ist gestürzt und durch die Macht der Arbeiterklasse und der werktätigen Bauernschaft ersetzt;

2. die Produktionsinstrumente und -mittel, der Boden, die Industriebetriebe usw. sind den Kapitalisten genommen und der Arbeiterklasse und den werktätigen Bauernmassen übereignet;

3. die Entwicklung der Produktion ist nicht dem Prinzip der Konkurrenz und der Sicherung kapitalistischen Profits untergeordnet, sondern dem Prinzip planmäßiger Leitung und systematischer Hebung des materiellen und kulturellen Niveaus der Werktätigen;

4. das Volkseinkommen wird nicht im Interesse der Bereicherung der Ausbeuterklassen und ihres zahlreichen parasitären Anhangs verteilt, sondern im Interesse systematischer Hebung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern und der Erweiterung der sozialistischen Produktion in Stadt und Land;

5. die systematische Verbesserung der materiellen Lage der Werktätigen und die ununterbrochene Steigerung ihrer Bedürfnisse (der Kaufkraft), die die ständig wachsende Quelle der Produktionserweiterung sind, sind für die Werktätigen eine Garantie gegen Überproduktionskrisen, gegen eine Zunahme der Arbeitslosigkeit und des Elends;

6. die Arbeiterklasse und die werktätige Bauernschaft sind Herren des Landes, sie arbeiten nicht für die Kapitalisten, sondern für ihr eigenes werktätiges Volk.

Was ist kapitalistisches Wirtschaftssystem?

Kapitalistisches Wirtschaftssystem bedeutet:

1. Die Macht im Lande gehört den Kapitalisten;

2. die Produktionsinstrumente und -mittel sind in den Händen der Ausbeuter konzentriert;

3. die Produktion ist nicht dein Prinzip der Verbesserung der materiellen Lage der werktätigen Massen, sondern dem Prinzip der Sicherung eines hohen kapitalistischen Profits untergeordnet;

4. das Volkseinkommen wird nicht im Interesse einer Verbesserung der materiellen Lage der Werktätigen verteilt, sondern im Interesse der Sicherung maximaler Profite der Ausbeuter;

5. die kapitalistische Rationalisierung und das rasche Wachstum der Produktion, die das Ziel verfolgen, den Kapitalisten hohe Profite zu sichern, stoßen auf die Schranke der Verelendung und der materiellen Schlechterstellung der werktätigen Millionenmassen, die nicht immer die Möglichkeit haben, ihre Bedürfnisse auch nur im Rahmen des äußersten Minimums zu befriedigen, was unvermeidlich den Boden vorbereitet für Überproduktionskrisen, für das Wachstum der Arbeitslosigkeit und des Massenelends;

6. die Arbeiterklasse und die werktätigen Bauern sind Ausgebeutete, die nicht für sich selbst, sondern für eine fremde Klasse, für die Klasse der Ausbeuter arbeiten.

Das sind die Vorzüge des sowjetischen Wirtschaftssystems gegenüber dem kapitalistischen Wirtschaftssystem.

Das sind die Vorzüge der sozialistischen Wirtschaftsorganisation gegenüber der kapitalistischen Organisation.

Das ist die Ursache dafür, dass es bei uns, in der UdSSR, einen wachsenden Wirtschaftsaufstieg und bei ihnen, den Kapitalisten, eine wachsende Wirtschaftskrise gibt.

Das ist die Ursache dafür, dass bei uns, in der UdSSR, das Wachstum des Verbrauchs (der Kaufkraft) der Massen dauernd das Wachstum der Produktion überholt und damit die Produktion vorwärts treibt, während umgekehrt bei ihnen, den Kapitalisten, das Wachstum des Verbrauchs der Massen (der Kaufkraft) nie Schritt hält mit dem Wachstum der Produktion, sondern ständig hinter ihm zurückbleibt und die Produktion immer wieder zu Krisen verdammt.

Das ist die Ursache dafür, dass es bei ihnen, den Kapitalisten, als durchaus normal gilt, wenn während der Krisen der „Überfluss“ an Industriewaren vernichtet und der „Überschuss“ an landwirtschaftlichen Produkten verbrannt wird, damit die hohen Preise gehalten und hohe Profite gesichert werden können, während man bei uns, in der UdSSR, die solcher Verbrechen Schuldigen ins Irrenhaus stecken würde. (Beifall.)

Das ist die Ursache dafür, dass dort, bei den Kapitalisten, die Arbeiter streiken und demonstrieren und den revolutionären Kampf gegen die bestehende kapitalistische Macht organisieren, während wir bei uns, in der UdSSR, ein Bild des großen Arbeitswettbewerbs von Millionen Arbeitern und Bauern vor uns haben, die bereit sind, für den Schutz der Sowjetmacht ihr Leben einzusetzen.

Das ist die Ursache für die Stabilität und Festigkeit der inneren Lage der UdSSR, für die Labilität und die Brüchigkeit der inneren Situation in den kapitalistischen Ländern.

Man muss schon sagen, dass ein Wirtschaftssystem, das nicht weiß, was es mit dem „Überschuss“ seiner Produktion anfangen soll, und gezwungen ist, ihn zu verbrennen, während unter den Massen Not und Arbeitslosigkeit, Hunger und Ruin herrschen - dass ein solches Wirtschaftssystem über sich selbst das Todesurteil fällt.

Die letzten Jahre waren eine Periode der praktischen Prüfung, eine Periode des Examens der beiden einander entgegen gesetzten Wirtschaftssysteme, des sowjetischen und des kapitalistischen Systems. In diesen Jahren wurden immer wieder der „Untergang“ und der „Zusammenbruch“ des Sowjetsystems prophezeit. Noch mehr redete und sang man Lobeshymnen von der „Prosperität“ des Kapitalismus. Und die Wirklichkeit? Diese Jahre haben noch einmal gezeigt, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem ein unhaltbares System ist, dass das sowjetische Wirtschaftssystem über Vorzüge verfügt, von denen kein einziger bürgerlicher Staat, und sei er auch der „demokratischste“, der „volksumfassendste“ usw., auch nur zu träumen wagt.

In seiner Rede auf der Konferenz der KPR(B) im Mai 1921 sagte Lenin :

„Jetzt wirken wir auf die internationale Revolution hauptsächlich durch unsere Wirtschaftspolitik ein. Auf die Russische Sowjetrepublik sind die Augen aller gerichtet, aller Werktätigen in allen Ländern der Welt ohne jede Ausnahme und ohne jede Übertreibung. Das ist erreicht. Die Kapitalisten können jetzt nichts mehr verschweigen, nichts mehr verbergen, sie suchen daher vor allem nach unseren wirtschaftlichen Fehlern und unseren Schwächen. Der Kampf ist im Weltmaßstab auf dieses Gebiet übertragen. Lösen wir diese Aufgabe, dann haben wir im internationalen Maßstab bestimmt und endgültig gewonnen.“ (4. Ausgabe, Bd. 32, S. 413, russ.)

Es muss festgestellt werden, dass unsere Partei die ihr von Lenin gestellte Aufgabe erfolgreich erfüllt.

9. Die nächsten Aufgaben  

a) Allgemein

1. Vor allem das Problem der richtigen Standortverteilung der Industrie in der UdSSR. Wie wir die Volkswirtschaft auch entwickeln, wir kommen nicht um die Frage herum, wie die Standorte der Industrie als des führenden Zweigs der Volkswirtschaft am richtigsten zu verteilen sind. Gegenwärtig liegen die Dinge so, dass unsere Industrie wie unsere Volkswirtschaft überhaupt sich im Wesentlichen auf die Kohlen- und Hüttenbasis der Ukraine stützt. Es leuchtet ein, dass ohne eine solche Basis die Industrialisierung des Landes undenkbar ist. Eine solche Basis nun ist bei uns die ukrainische Brennstoff- und Hüttenbasis.

Kann aber im weiteren Verlauf diese eine Basis allein sowohl dem Süden als auch dem zentralen Teil der UdSSR und dazu noch dem Norden und Nordosten, dem Fernen Osten und Turkestan genügen? Alle Tatsachen sprechen dagegen. Das Neue in der Entwicklung unserer Volkswirtschaft besteht unter anderem darin, dass diese Basis uns nicht mehr genügt. Das Neue besteht darin, dass, während diese Basis intensiv weiterentwickelt wird, zugleich auch unverzüglich mit der Errichtung einer zweiten Kohlen- und Hüttenbasis begonnen werden muss. Eine solche Basis muss das Ural-Kusnezk-Kombinat sein, die Verbindung der Kusnezker Kokskohle mit dem Uraler Erz. (Beifall.) Der Bau eines Automobilwerks in Nishni Nowgorod, eines Traktorenwerks in Tscheljabinsk, einer Maschinenfabrik in Swerdlowsk, von Mähdrescherwerken in Saratow und Nowosibirsk, das Vorhandensein einer wachsenden Nichteisenmetallurgie in Sibirien und Kasachstan, die die Schaffung eines Netzes von Reparaturwerkstätten und einer Reihe von grundlegenden Hüttenwerken im Osten erfordert, schließlich der Beschluss über den Bau von Textilfabriken in Nowosibirsk und in Turkestan - all das erfordert gebieterisch, dass die Schaffung einer zweiten Kohlen- und Hüttenbasis im Ural sofort in Angriff genommen wird.

Sie wissen, dass das ZK unserer Partei sich eben in diesem Sinne ausgesprochen hat in seiner Resolution über den Metalltrust „Uralmetall“[51].

2. Ferner das Problem der richtigen Standortverteilung für die grundlegenden Zweige der Landwirtschaft in der UdSSR, das Problem der Spezialisierung unserer Gebiete nach landwirtschaftlichen Kulturen und Betriebszweigen. Selbstverständlich ist bei bäuerlicher Kleinwirtschaft eine ernstliche Spezialisierung unmöglich. Sie ist unmöglich, weil der Kleinbetrieb, der eine unstabile Wirtschaft ist und nicht über die notwendigen Reserven verfügt, zum Anbau aller und jeglicher Kulturen genötigt ist, damit ihm, wenn die einen Kulturen eine Missernte ergeben, andere Kulturen aus der Patsche helfen. Verständlich ist auch, dass Spezialisierung unmöglich ist ohne Sicherung bestimmter Getreidereserven in staatlichem Besitz. Jetzt, da wir zur Großwirtschaft übergegangen sind und dafür gesorgt haben, dass der Staat Getreidereserven hat, können und müssen wir uns die Aufgabe stellen, die Spezialisierung nach Kulturen und Betriebszweigen richtig zu organisieren. Ausgangspunkt hierbei muss die endgültige Lösung des Getreideproblems sein. Ich sage „Ausgangspunkt“, da es ohne Lösung des Getreideproblems, ohne Organisierung eines umfassenden Netzes von Getreidespeichern in den Viehzucht-, Baumwoll-, Rüben-, Flachs- und Tabakgebieten unmöglich ist, die Viehzucht und den Anbau gewerblicher Nutzpflanzen vorwärts zu bringen, da es ohne diese Voraussetzungen unmöglich ist, die Spezialisierung unserer Gebiete nach Kulturen und Zweigen zu organisieren.

Die Aufgabe besteht darin, die erschlossenen Möglichkeiten auszunutzen und die Sache vorwärts zu bringen.

3. Weiter folgt das Problem der Kader sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft. Jedermann weiß, dass unsere wirtschaftlichen Kader, unsere Spezialisten, Techniker und Wirtschaftler technisch noch wenig erfahren sind. Die Sache wird dadurch noch kompliziert, dass, wie sich herausgestellt hat, ein Teil der Spezialisten, der mit den früheren Unternehmern verbunden ist und vom Ausland aufgewiegelt wird, an der Spitze der Schädlingstätigkeit steht. Noch komplizierter wird die Sache durch den Umstand, dass eine ganze Reihe unserer als Wirtschaftler tätigen Kommunisten hierbei keine revolutionäre Wachsamkeit gezeigt hat und sich häufig im geistigen Bann von Schädlingselementen befand. Indessen stehen wir vor den durch die Rekonstruktion der gesamten Volkswirtschaft bedingten ungeheuren Aufgaben, die eine große Anzahl neuer, zur Meisterung der neuen Technik fähiger Kräfte erfordern. In Verbindung damit ist das Problem der Kader bei uns wirklich zum vordringlichsten Problem geworden.

Die Lösung dieses Problems erfolgt bei uns im Zuge folgender Maßnahmen:

1. entschlossener Kampf gegen die Schädlinge;

2. ein Maximum an Fürsorge und Entgegenkommen gegenüber der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Spezialisten und Techniker, die sich von den Schädlingen abgegrenzt haben (ich denke dabei nicht an Phrasendrescher und Wichtigtuer vom Schlage Ustrjalows, sondern an wirkliche Wissenschaftler, die schlicht und redlich mit der Arbeiterklasse zusammenarbeiten);

3. Organisierung technischer Hilfe aus dem Ausland;

4. Entsendung unserer Wirtschaftler ins Ausland zum Studium und überhaupt zur Erwerbung technischer Erfahrungen;

5. Unterstellung der technischen Lehranstalten unter die entsprechenden wirtschaftlichen Organisationen, damit in möglichst kurzer Frist Techniker und Spezialisten aus den Reihen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft in genügender Anzahl herangebildet werden.

Die Aufgabe besteht darin, die Durchführung dieser Maßnahmen in Angriff zu nehmen.

4. Das Problem des Kampfes gegen den Bürokratismus. Der Bürokratismus ist vor allem dadurch gefährlich, dass er die kolossalen Reserven, die im Schoß unserer Gesellschaftsordnung enthalten sind, ungenutzt lässt, ihre Verwertung verhindert, die schöpferische Initiative der Massen lahmzulegen sucht, sie in einem Papierwust erstickt und darauf aus ist, jedes neue Beginnen der Partei in eine flache und unnütze Kleinigkeitskrämerei zu verwandeln. Zweitens ist der Bürokratismus dadurch gefährlich, dass er keine Kontrolle der Durchführung duldet und versucht, die grundlegenden Weisungen der leitenden Organisationen zu einem leeren Wisch zu machen, der mit dem pulsierenden Leben nichts gemein hat. Gefährlich sind nicht nur und nicht so sehr die alten Bürokraten, die in unseren Institutionen stecken geblieben sind, sondern auch - und besonders - die neuen Bürokraten, sowjetische Bürokraten, unter denen die „kommunistischen“ Bürokraten bei weitem nicht die letzte Rolle spielen. Ich denke dabei an diejenigen „Kommunisten“, die versuchen, durch Kanzleibefehle und „Dekrete“, an die sie wie an einen Fetisch glauben, die schöpferische Initiative und Selbsttätigkeit der Millionenmassen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft zu ersetzen.

Die Aufgabe ist nun, den Bürokratismus in unseren Institutionen und Organisationen zu zerschlagen, die bürokratischen „Sitten“ und „Bräuche“ zu liquidieren und den Weg freizulegen für die Ausnutzung der Reserven unserer Gesellschaftsordnung, für die Entfaltung der schöpferischen Initiative und Selbsttätigkeit der Massen.

Dies ist keine leichte Aufgabe. Man kann sie nicht „im Handumdrehen“ lösen. Man muss sie aber um jeden Preis lösen, wenn wir wirklich unser Land nach den Grundsätzen des Sozialismus umgestalten wollen.

Den Kampf gegen den Bürokratismus führt die Partei auf vier Linien: auf der Linie der Entfaltung der Selbstkritik, auf der Linie der Organisierung der Kontrolle der Durchführung, auf der Linie der Säuberung des Apparats und schließlich auf der Linie der Beförderung treuer Kräfte von unten, aus der Mitte der Arbeiterklasse, in den Apparat.

Die Aufgabe besteht darin, alle Kräfte für die Erfüllung aller dieser Maßnahmen aufzubieten.

5. Das Problem der Steigerung der Arbeitsproduktivität. Ohne systematische Steigerung der Arbeitsproduktivität sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft können wir die Aufgaben der Rekonstruktion nicht lösen, können wir die führenden kapitalistischen Länder nicht einholen und überholen, ja nicht einmal unsere selbständige Existenz behaupten. Daher ist das Problem der Steigerung der Arbeitsproduktivität für uns ein Problem ersten Ranges.

Dieses Problem löst die Partei durch Maßnahmen auf drei Linien: auf der Linie einer systematischen Verbesserung der materiellen Frage der Werktätigen, auf der Linie der Einbürgerung einer kameradschaftlichen Arbeitsdisziplin in den Industrie- und Landwirtschaftsbetrieben und schließlich auf der Linie der Organisierung des sozialistischen Wettbewerbs und der Stoßarbeiterbewegung. Und dies alles auf der Basis einer verbesserten Technik und rationeller Arbeitsorganisation.

Die Aufgabe besteht darin, die Massenkampagne zur Durchführung dieser Maßnahmen weiter zu entfalten.

6. Das Problem der Versorgung. Hierher gehören die Frage einer ausreichenden Versorgung der Werktätigen in Stadt und Land mit den notwendigen Erzeugnissen, die Frage der Anpassung des Genossenschaftsapparats an die Bedürfnisse der Arbeiter und Bauern, die Frage der systematischen Erhöhung des Reallohns der Arbeiter, die Frage der Senkung der Preise für Industriewaren und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Über die Mängel der Konsumgenossenschaften habe ich bereits gesprochen. Es gilt, diese Mängel zu liquidieren und die Durchführung einer Politik der Preissenkung zu erreichen. Was den Mangel an Waren („Warenhunger“) betrifft, so haben wir jetzt die Möglichkeit, die Rohstoffbasis der Leichtindustrie zu erweitern und die Erzeugung städtischer Massenbedarfsgüter zu steigern. Die Brotversorgung kann bereits als gesichert betrachtet werden. Schwieriger ist es mit der Fleisch-, Molkereiwaren- und Gemüseversorgung. Diese Schwierigkeit kann leider nicht im Laufe weniger Monate behoben werden. Zu ihrer Überwindung bedarf es zumindest eines Jahres. In einem Jahr werden wir, vor allem durch die zu diesem Zweck organisierten Sowjet- und Kollektivwirtschaften, die Möglichkeit haben, die Belieferung mit Fleisch, Molkereiprodukten und Gemüse in vollem Umfang zu garantieren. Was aber bedeutet es, die Versorgung mit diesen Lebensmitteln zu sichern, wenn wir bereits über Getreidereserven und Textilien verfügen, der Bau von Arbeiterwohnungen verstärkt betrieben wird und unsere Kommunalleistungen billig sind? Es bedeutet, sich aller jener entscheidenden Faktoren zu bemächtigen, die den Haushalt des Arbeiters und seinen Reallohn bestimmen. Es bedeutet die sichere und endgültige Garantie einer raschen Steigerung des Reallohnes der Arbeiter.

Die Aufgabe besteht darin, die Arbeit aller unserer Organisationen in dieser Richtung zur Entfaltung zu bringen.

7. Das Problem des Kreditwesens und des Geldumlaufs. Die rationelle Organisierung des Kreditwesens und das richtige Manövrieren mit den Geldreserven sind für die Entwicklung der Volkswirtschaft von ernster Bedeutung. Dieses Problem löst die Partei durch Maßnahmen auf zwei Linien: Konzentrierung aller kurzfristigen Kreditgewährungen in der Staatsbank und Organisierung des bargeldlosen Verkehrs im vergesellschafteten Sektor. Dadurch wird erstens die Staatsbank zu einem gesamtstaatlichen Apparat, der über die Produktion und Verteilung der Produkte Buch führt, zweitens wird in der Zirkulation eine große Menge Geld frei. Es kann kein Zweifel bestehen, dass diese Maßnahmen zur Regelung unseres gesamten Kreditwesens und zur Konsolidierung unseres Tscherwonez führen werden (sie führen schon jetzt dazu).

8. Das Problem der Reserven. Es ist schon mehrmals gesagt worden und braucht nicht wiederholt zu werden, dass der Staat überhaupt und unser Staat im besonderen ohne Reserven nicht auskommen kann. Wir haben gewisse Reserven an Getreide, Waren, Valuta. Unsere Genossen haben bereits Gelegenheit gehabt, in dieser Zeit die wohltuende Wirkung dieser Reserven zu spüren. Aber „gewisse“ Reserven genügen nicht. Wir brauchen solidere Reserven auf allen Linien.

Daher die Aufgabe, Reserven anzusammeln.

b) In der Industrie

1. Das Hauptproblem ist die forcierte Entwicklung des Eisenhüttenwesens. Beachten Sie, dass wir die Vorkriegsnorm der Roheisengewinnung erst im laufenden Jahr, 1929/30, erreicht haben und überholen. Das ist eine große Gefahr für unsere gesamte Volkswirtschaft. Um diese Gefahr bannen zu können, müssen wir die forcierte Entwicklung des Eisenhüttenwesens in die Wege leiten. Wir benötigen am Ende des Planjahrfünfts nicht, wie der Fünfjahrplan fordert, 10 Millionen Tonnen Roheisen, sondern 15-17 Millionen Tonnen. Diese Aufgabe müssen wir um jeden Preis bewältigen, wenn wir die Industrialisierung unseres Landes richtig entfalten wollen.

Die Bolschewiki müssen zeigen, dass sie imstande sind, mit dieser Aufgabe fertig zu werden.

Dies bedeutet natürlich nicht, dass wir die Leichtindustrie vernachlässigen sollten. Keineswegs. Bisher haben wir an allem gespart, darunter auch an der Leichtindustrie, um die Schwerindustrie wiederaufzubauen. Die Schwerindustrie aber haben wir schon wiederaufgebaut. Es bedarf nur noch ihrer weiteren Entfaltung. Jetzt können wir uns der Leichtindustrie zuwenden und sie in beschleunigtem Tempo vorwärts bringen. Das Neue in der Entwicklung unserer Industrie besteht unter anderem darin, dass wir jetzt die Möglichkeit haben, sowohl die Schwerindustrie als auch die Leichtindustrie in beschleunigtem Tempo zu entwickeln. Die Übererfüllung der Pläne im diesjährigen Baumwoll-, Flachs- und Rübenbau, die Lösung des Kendyr- und Kunstseideproblems - dies alles zeugt davon, dass wir tatsächlich die Möglichkeit haben, die Leichtindustrie vorwärts zu bringen.

2. Das Problem der Rationalisierung, der Senkung der Selbstkosten und der Verbesserung der Qualität der Erzeugnisse. Die Versäumnisse auf dem Gebiet der Rationalisierung, die Nichterfüllung des Plans zur Senkung der Selbstkosten und die skandalöse Qualität der Erzeugnisse einer Reihe unserer Betriebe dürfen nicht länger geduldet werden. Diese Versäumnisse und Mängel lasten auf unserer gesamten Volkswirtschaft und hindern sie am Vorwärtskommen. Es ist an der Zeit, schon lange an der Zeit, mit dieser Schande Schluss zu machen.

Die Bolschewiki müssen zeigen, dass sie imstande sind, mit dieser Aufgabe fertig zu werden.

3. Das Problem der individuellen Leitung. Unerträglich werden auch die Verstöße gegen das Prinzip der individuellen Leitung in den Betrieben. Die Arbeiter klagen immer wieder: „Es gibt keinen Verantwortlichen im Betrieb“, „Es herrscht keine Ordnung in der Arbeit“. Es darf nicht länger geduldet werden, dass unsere Betriebe sich aus Produktionsorganismen in Parlamente verwandeln. Unsere Partei- und Gewerkschaftsorganisationen müssen endlich begreifen, dass wir ohne Sicherung der individuellen Leitung und ohne Einführung einer strengen Verantwortlichkeit für den Gang der Arbeit die mit der Rekonstruktion der Industrie verbundenen Aufgaben nicht lösen können.

c) In der Landwirtschaft

1. Das Problem der Viehzucht und der gewerblichen Nutzpflanzen. Jetzt, da wir das Getreideproblem im Wesentlichen bereits gelöst haben, können wir darangehen, das gegenwärtig vordringliche Problem der Viehzucht und das Problem der gewerblichen Nutzpflanzen gleichzeitig zu lösen. Bei der Lösung dieser Probleme müssen wir denselben Weg gehen, den wir bei der Lösung des Getreideproblems gegangen sind, das heißt, wir müssen durch Organisierung von Sowjet- und Kollektivwirtschaften, die die Stützpunkte unserer Politik sind, allmählich die technische und ökonomische Grundlage der gegenwärtigen kleinbäuerlichen Viehzucht und des Anbaus von gewerblichen Nutzpflanzen umgestalten. „Viehzuchttrust“, „Schafzuchttrust“, „Schweinezuchttrust“, „Meiereitrust“ plus Kollektivwirtschaften auf dem Gebiet der Viehzucht; die bestehenden Sowjet- und Kollektivwirtschaften auf dem Gebiet der gewerblichen Nutzpflanzen - das sind die Ausgangspunkte bei der Lösung der vor uns stehenden Probleme.

2. Das Problem der weiteren Entfaltung des Aufbaus von Sowjet- und Kollektivwirtschaften. Es braucht wohl kaum ausführlich dargelegt zu werden, dass dieses Problem für unseren gesamten Aufbau im Dorf das dringendste Problem ist. Jetzt sehen sogar Blinde, dass eine gewaltige, radikale Wendung der Bauernschaft vom Alten zum Neuen, von der Kulakenknechtschaft zum freien kollektivwirtschaftlichen Leben eingetreten ist. Es gibt keine Rückkehr zum Alten mehr. Das Kulakentum ist dem Untergang geweiht und wird liquidiert werden. Es bleibt nur ein Weg, der Weg der Kollektivwirtschaften. Der Weg der Kollektivwirtschaften aber ist für uns kein unbekannter und unerforschter Weg mehr. Er ist von den Bauernmassen selbst tausendfach erforscht und erprobt, erforscht und als das Neue befunden worden, das den Bauern die Befreiung von der Kulakenknechtschaft, von Not und Unwissenheit bringt. Das ist die Grundlage unserer Errungenschaften.

Wie wird sich die neue Bewegung im Dorf weiterentwickeln? An der Spitze werden die Sowjetwirtschaften marschieren, die beim Umbau der alten Lebensstruktur des Dorfes das Rückgrat bilden. Ihnen werden die zahlreichen Kollektivwirtschaften als Stützpunkte der neuen Bewegung im Dorf folgen. Das Zusammenwirken dieser beiden Systeme schafft die Voraussetzungen für die vollständige Kollektivierung aller Gebiete der UdSSR.

Eine der bemerkenswertesten Errungenschaften der Kollektivwirtschaftsbewegung besteht darin, dass dank ihr bereits Tausende Organisatoren und Zehntausende Agitatoren für die Sache der Kollektivwirtschaften aus den Reihen der Bauern selbst hervorgegangen sind. Jetzt sind es nicht mehr wir, die qualifizierten Bolschewiki, allein, sondern Bauern aus den Kollektivwirtschaften selbst, Zehntausende Bauern, die als Organisatoren und Agitatoren für die Sache der Kollektivwirtschaften das Banner der Kollektivierung vorwärts tragen werden. Die bäuerlichen Agitatoren aber sind glänzende Agitatoren für die Kollektivwirtschaftsbewegung, denn sie werden Argumente zugunsten der Kollektivwirtschaften finden, die für die übrige Masse der Bauern verständlich und annehmbar sind, Argumente, von denen wir, qualifizierte Bolschewiki, nicht einmal träumen können.

Hier und da hört man sagen, es sei notwendig, auf die Politik der durchgängigen Kollektivierung zu verzichten. Wie man erfährt, gibt es sogar in unserer Partei Anhänger dieser „Idee“. So können aber nur Leute reden, die sich gewollt oder ungewollt mit den Feinden des Kommunismus zusammengetan haben. Die Methode der durchgängigen Kollektivierung ist jene unerlässliche Methode, ohne die eine Durchführung des Fünfjahrplans der Kollektivierung aller Gebiete der UdSSR unmöglich ist. Wie kann man auf sie verzichten, ohne den Kommunismus zu verraten, ohne an den Interessen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft Verrat zu üben?

Dies bedeutet natürlich nicht, dass auf dem Gebiet der kollektivwirtschaftlichen Bewegung bei uns alles „glatt“ und „normal“ verlaufen werde. Schwankungen innerhalb der Kollektivwirtschaften wird es noch geben. Es wird noch Flut und Ebbe geben. Dies kann und darf aber die Baumeister der Kollektivwirtschaftsbewegung nicht aus der Fassung bringen. Umso weniger kann es ein ernstes Hindernis sein für die machtvolle Entwicklung der Kollektivwirtschaftsbewegung. Eine so gesunde Bewegung, wie es die kollektivwirtschaftliche ohne Zweifel ist, wird allen Hemmnissen zum Trotz, ungeachtet einzelner Hindernisse und Schwierigkeiten, ihr Ziel erreichen.

Die Aufgabe ist nun, die Kräfte vorzubereiten und alles in die Wege zu leiten, was geeignet ist, die kollektivwirtschaftliche Bewegung weiter zur Entfaltung zu bringen.

3. Das Problem der maximalen Annäherung des Apparats an die Rayons und Dörfer. Es unterliegt keinem Zweifel, dass wir die gewaltige Arbeit, die der Umbau der Landwirtschaft und die Entwicklung der kollektivwirtschaftlichen Bewegung erfordern, nicht hätten leisten können, wenn wir nicht die Rayonierung durchgeführt hätten. Die Vergrößerung der Amtsbezirke und ihre Umwandlung in Rayons, die Abschaffung der Gouvernements und ihre Umwandlung in kleinere Einheiten (Kreise) und schließlich die Schaffung von Gebieten als der direkten Stützpunkte des ZK - das ist das allgemeine Bild der Rayonierung. Das Ziel der Rayonierung ist es, die Partei- und Sowjetorganisationen sowie den wirtschaftlichen und genossenschaftlichen Apparat dem Rayon und dem Dorf näher zu bringen, damit wir die Möglichkeit erhalten, die dringlichen Fragen der Landwirtschaft rechtzeitig zu lösen, die Landwirtschaft zu heben, zu rekonstruieren. Ich wiederhole, in diesem Sinne hat die Rayonierung unseren ganzen Aufbau gewaltig gefördert.

Ist jedoch alles geschehen, um den Apparat tatsächlich dem Rayon und dem Dorf näher zu bringen, und zwar gehörig näher zu bringen? Nein, das ist nicht der Fall. Gegenwärtig ist der Schwerpunkt des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus in die Rayonorganisationen verlegt. Hier laufen die Fäden des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus und jeder sonstigen wirtschaftlichen Tätigkeit im Dorf auf der Linie des Genossenschaftswesens, auf der Linie der Sowjets, auf der Linie des Kreditwesens, auf der Linie des Beschaffungswesens zusammen. Haben die Rayonorganisationen in hinreichendem Maße die erforderlichen und geeigneten Mitarbeiter erhalten, damit sie diese mannigfaltige Arbeit bewältigen können? Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass sie äußerst ungenügend mit Mitarbeitern versorgt sind. Wo ist also der Ausweg? Was muss man tun, um diesem Mangel abzuhelfen und die Rayonorganisationen auf allen Gebieten unserer Tätigkeit mit der notwendigen Zahl brauchbarer Mitarbeiter zu versorgen? Dazu sind zumindest zwei Dinge erforderlich:

1. Abschaffung der Kreise (Beifall), die zu einer unnützen trennenden Scheidewand zwischen Gebiet und Rayons werden, und Verstärkung der Rayonorganisationen durch die in den Kreisen frei gewordenen Mitarbeiter;

2. Verbindung der Rayonorganisationen unmittelbar mit dem Gebiet (dem Regionalkomitee, dem Zentralkomitee in der nationalen Republik).

Dies wird die Vollendung der Rayonierung, die Vollendung der Annäherung des Apparats an die Rayons und Dörfer sein.

Hier wurde Beifall geklatscht, als von der bevorstehenden Abschaffung der Kreise die Rede war. Gewiss, die Kreise müssen liquidiert werden. Es wäre aber ein Fehler, wollte man glauben, dass dieser Umstand uns berechtigt, die Kreise zu verunglimpfen, wie es einige Genossen in den Spalten der „Prawda“ tun. Es darf nicht vergessen werden, dass die Kreise eine gewaltige Arbeit getan und seinerzeit eine große historische Rolle gespielt haben. (Beifall.)

Ich glaube ferner, dass es ein Fehler wäre, bei der Abschaffung der Kreise übermäßige Eile an den Tag zu legen. Das ZK hat die Abschaffung der Kreise zum Beschluss erhoben.[52] Es ist aber durchaus nicht der Meinung, dass diese Maßnahme sofort durchgeführt werden muss. Offenbar werden vor Abschaffung der Kreise noch die notwendigen Vorarbeiten zu leisten sein.

d) Im Verkehrswesen

Schließlich das Problem des Verkehrswesens. Man braucht nicht viele Worte zu verlieren über die ungeheure Bedeutung des Verkehrswesens für die gesamte Volkswirtschaft. Und nicht nur für die Volkswirtschaft. Bekanntlich ist das Verkehrswesen von ernstester Bedeutung auch für die Landesverteidigung. Nun bleibt aber ungeachtet der gewaltigen Bedeutung des Verkehrswesens die Verkehrswirtschaft, die Rekonstruktion dieser Wirtschaft noch immer hinter dem allgemeinen Entwicklungstempo zurück. Bedarf es da noch eines Beweises, dass wir bei einer solchen Sachlage Gefahr laufen, das Verkehrswesen zu einem „Engpass“ der Volkswirtschaft werden zu lassen, der unseren Vormarsch hemmen kann? Ist es nicht an der Zeit, einem solchen Zustand ein Ende zu bereiten?

Besonders schlimm ist es um die Flussschifffahrt bestellt. Ist es doch Tatsache, dass die Wolgaschifffahrt kaum 60 Prozent und die Dnjeprschifffahrt erst 40 Prozent des Vorkriegsstandes erreicht hat. 60 und 40 Prozent des Vorkriegsstandes - das ist alles, was die Flussschifffahrt als „Errungenschaft“ buchen kann. Eine schöne „Errungenschaft“! Ist es nicht an der Zeit, dieser Schmach ein Ende zu bereiten? (Zwischenrufe: „Ja, es ist Zeit!“)

Die Aufgabe ist nun, endlich das Verkehrswesen auf bolschewistische Art anzupacken und es vorwärts zu bringen.

*

Das sind die nächsten Aufgaben der Partei.

Was ist erforderlich, um diese Aufgaben zu verwirklichen?

Dazu ist es vor allem und hauptsächlich erforderlich, dass die entfaltete Offensive gegen die kapitalistischen Elemente an der ganzen Front fortgesetzt und zu Ende geführt wird.

Das sind der Angelpunkt und die Grundlage unserer Politik im gegenwärtigen Augenblick. (Beifall.)

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