"Stalin"

Werke

Band 13

NEUE VERHÄLTNISSE - NEUE AUFGABEN
DES WIRTSCHAFTLICHEN AUFBAUS

Rede auf der Beratung der Wirtschaftler[19]

23. Juni 1931

Genossen! Aus den Materialien der Beratung ist ersichtlich, dass unsere Industrie vom Standpunkt der Planerfüllung ein ziemlich buntes Bild darstellt. Es gibt Industriezweige, die in den verflossenen fünf Monaten einen Produktionszuwachs von 40-50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aufweisen. Es gibt Industriezweige, deren Zuwachs nicht mehr als 20 bis 30 Prozent beträgt. Es gibt schließlich einzelne Industriezweige, die einen ganz minimalen Zuwachs von nicht mehr als 6-10 Prozent, ja sogar noch weniger aufweisen. Zu diesen gehören die Kohlen- und die Eisenhüttenindustrie. Ein buntes Bild, wie Sie sehen.

Wodurch ist diese Buntheit zu erklären? Wo liegt die Ursache für das Zurückbleiben mancher Industriezweige? Wo liegt die Ursache dafür, dass der Zuwachs in manchen Industriezweigen nur 20-25 Prozent beträgt, während die Kohlen- und die Eisenhüttenindustrie einen noch geringeren Zuwachs aufzuweisen haben und hinter den anderen Industriezweigen einher hinken?

Die Ursache liegt darin, dass sich in letzter Zeit die Entwicklungsbedingungen der Industrie von Grund aus geändert haben, dass neue Verhältnisse entstanden sind, die neue Methoden der Leitung erheischen, manche unserer Wirtschaftler jedoch, anstatt die Arbeitsmethoden zu ändern, immer noch fortfahren, in alter Weise zu arbeiten. Es handelt sich also darum, dass die neuen Entwicklungsbedingungen der Industrie erheischen, auf neue Art und Weise zu arbeiten, manche unserer Wirtschaftler begreifen dies jedoch nicht und sehen nicht, dass man jetzt auf neue Art leiten muss.

Das ist die Ursache für das Zurückbleiben mancher Zweige unserer Industrie.

Was sind das für neue Entwicklungsbedingungen unserer Industrie? Woher stammen sie?

Dieser neuen Bedingungen gibt es zumindest sechs.

Betrachten wir diese Bedingungen.

I
DIE ARBEITSKRAFT

Vor allem handelt es sich darum, die Betriebe mit Arbeitskraft zu versorgen. Früher gingen die Arbeiter gewöhnlich von selbst in die Werke, in die Fabriken - die Sache ging also gewissermaßen im Selbstlauf vonstatten. Sie konnte aber im Selbstlauf vonstatten gehen, weil es Arbeitslosigkeit gab, weil es eine Differenzierung im Dorfe gab, weil es Elend und Furcht vor dem Hunger gab, die die Leute aus dem Dorf in die Stadt trieben. Erinnern Sie sich der Formel „Landflucht des Bauern“? Was zwang den Bauern, aus dem Dorf in die Stadt zu flüchten? Die Furcht vor dem Hunger, die Arbeitslosigkeit, der Umstand, dass das Dorf für ihn eine Stiefmutter war und dass er bereit war, das Dorf zu verlassen und selbst dem Teufel in die Fänge zu laufen, nur um irgendeine Arbeit zu bekommen.

So oder fast so lagen die Dinge bei uns noch vor kurzer Zeit.

Kann man sagen, dass wir jetzt genau dasselbe Bild vor uns haben? Nein, das kann man nicht sagen. Im Gegenteil, die Verhältnisse haben sich jetzt von Grund aus geändert. Und eben weil die Verhältnisse sich geändert haben, gibt es bei uns keinen Selbstlauf im Angebot von Arbeitskraft mehr.

Was hat sich eigentlich in dieser Zeit geändert? Erstens haben wir die Arbeitslosigkeit beseitigt, haben somit den Faktor vernichtet, der auf den „Arbeitsmarkt“ drückte. Zweitens haben wir die Differenzierung im Dorf an der Wurzel untergraben, haben somit das Massenelend überwunden, das den Bauern aus dem Dorf in die Stadt trieb. Schließlich haben wir das Dorf mit Zehntausenden von Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen versehen, haben den Kulaken geschlagen, Kollektivwirtschaften organisiert und den Bauern die Möglichkeit gegeben, menschenwürdig zu leben und zu arbeiten. Jetzt kann man das Dorf nicht mehr die Stiefmutter des Bauern nennen. Und gerade weil man es nicht mehr Stiefmutter nennen kann, hat der Bauer begonnen, sich im Dorfe sesshaft zu machen, und es gibt bei uns nunmehr weder eine „Landflucht des Bauern“ noch einen Selbstlauf in dem Angebot von Arbeitskraft.

Sie sehen, dass wir jetzt völlig neue Verhältnisse und neue Bedingungen in der Versorgung der Betriebe mit Arbeitskraft haben.

Was folgt nun daraus?

Daraus folgt erstens, dass man nicht mehr darauf rechnen darf, dass die Arbeitskraft von selbst kommen würde. Man muss also von der „Politik“ des Selbstlaufs zur Politik der organisierten Anwerbung von Arbeitern für die Industrie übergehen. Dazu gibt es aber nur einen Weg, den Weg von Verträgen der Wirtschaftsorganisationen mit den Kollektivwirtschaften und Kollektivbauern. Sie wissen, dass manche Wirtschaftsorganisationen und Kollektivwirtschaften diesen Weg schon beschritten haben, wobei die Erfahrung gezeigt hat, dass die Praxis der Verträge sowohl für die Kollektivwirtschaften als auch für die Industriebetriebe bedeutende Erfolge zeitigt.

Daraus folgt zweitens, dass man sofort zur Mechanisierung der schwersten Arbeitsprozesse übergehen und diese Mechanisierung in vollem Umfange entwickeln muss (Forstwirtschaft, Bauwesen, Kohlenbergbau, Verladearbeiten, Transport, Eisenhüttenindustrie usw.). Das bedeutet natürlich nicht, dass die manuelle Arbeit etwa vernachlässigt werden solle. Im Gegenteil, die manuelle Arbeit wird in der Produktion noch lange eine überaus bedeutsame Rolle spielen. Es bedeutet aber, dass die Mechanisierung der Arbeitsprozesse der für uns neue und entscheidende Faktor ist, ohne den wir weder unser Tempo aufrechterhalten noch den neuen Maßstäben der Produktion gerecht werden können.

Wir haben noch recht viele Wirtschaftler, die weder an die Mechanisierung noch an die Verträge mit den Kollektivwirtschaften „glauben“. Es sind dies dieselben Wirtschaftler, die die neuen Verhältnisse nicht verstehen, die nicht gewillt sind, auf neue Art zu arbeiten, und die „guten alten Zeiten“ herbeisehnen, als die Arbeitskräfte „von selbst“ in die Betriebe „strömten“. Es erübrigt sich zu sagen, dass solche Wirtschaftler himmelweit entfernt sind von der Lösung jener neuen Aufgaben des Wirtschaftsaufbaus, die uns durch die neuen Verhältnisse gestellt werden. Sie meinen offensichtlich, dass die Schwierigkeiten mit der Arbeitskraft eine zufällige Erscheinung seien, dass der Mangel an Arbeitskraft von selbst, sozusagen im Selbstlauf, verschwinden werde. Das ist ein Irrtum, Genossen. Die Schwierigkeiten mit der Arbeitskraft können nicht von selbst verschwinden. Sie können nur als Ergebnis unserer eigenen Anstrengungen verschwinden.

Also: Die Arbeitskraft in organisierter 'Weise, durch Verträge mit den Kollektivwirtschaften anwerben, die Arbeit mechanisieren - das ist die Aufgabe.

So steht es um die erste neue Entwicklungsbedingung unserer Industrie. Gehen wir zur zweiten Bedingung über.

II
DER ARBEITSLOHN

Ich habe eben über die organisierte Anwerbung von Arbeitern für unsere Betriebe gesprochen. Mit der Anwerbung von Arbeitern ist aber noch nicht alles getan. Um unsere Betriebe mit Arbeitskräften zu versorgen, muss erreicht werden, dass in den Betrieben ein fester Stamm von Arbeitern geschaffen wird und dass die Betriebe über eine mehr oder weniger stabile Belegschaft verfügen. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass man ohne eine stabile Belegschaft, die sich die Technik der Produktion mehr oder weniger zu eigen gemacht hat und mit den neuen mechanischen Einrichtungen vertraut geworden ist, nicht vorwärts schreiten und die Produktionspläne nicht erfüllen kann. Andernfalls müsste man die Arbeiter jedes Mal neu anlernen und die Hälfte der Zeit für ihre Anlernung verwenden, anstatt sie für die Produktion auszunutzen. Wie sieht es aber jetzt in Wirklichkeit bei uns aus? Kann man behaupten, dass die Belegschaften in unseren Betrieben mehr oder weniger stabil sind? Nein, leider kann man das nicht behaupten. Im Gegenteil, wir haben in den Betrieben noch immer die so genannte Fluktuation der Arbeitskraft. Mehr noch - nicht nur, dass die Fluktuation der Arbeitskraft in einer Reihe von Betrieben nicht verschwindet, sondern im Gegenteil, sie wächst und wird stärker. Jedenfalls werden Sie wenige Betriebe finden, wo die Belegschaft im Laufe eines halben Jahres oder sogar eines Vierteljahres nicht mindestens zu 30-40 Prozent wechselte.

Früher, in der Periode der Wiederherstellung der Industrie, als unsere technische Ausrüstung nicht kompliziert und der Maßstab der Produktion nicht groß war, konnte man die so genannte Fluktuation der Arbeitskraft noch irgendwie „dulden“. Jetzt ist das eine andere Sache. Jetzt haben sich die Verhältnisse von Grund aus geändert. Jetzt, in der Periode der voll entfalteten Rekonstruktion, da der Maßstab der Produktion riesig und die technische Ausrüstung äußerst kompliziert geworden ist, ist die Fluktuation der Arbeitskraft zu einer Geißel der Produktion geworden, die unsere Betriebe desorganisiert. Jetzt die Fluktuation der Arbeitskraft „dulden“ bedeutet unsere Industrie zersetzen, die Erfüllung der Produktionspläne und die Verbesserung der Qualität der Erzeugnisse unmöglich machen.

Wo liegt die Ursache für die Fluktuation der Arbeitskraft?

In der falschen Organisierung des Arbeitslohns, in dem falschen Tarifsystem, in der „linkslerischen“ Gleichmacherei auf dem Gebiet des Arbeitslohns. In einer Reihe unserer Betriebe sind die Tarifsätze so festgesetzt, dass der Unterschied zwischen qualifizierter und unqualifizierter Arbeit, zwischen schwerer und leichter Arbeit fast verschwindet. Die Gleichmacherei führt dazu, dass der unqualifizierte Arbeiter kein Interesse daran hat, sich zum qualifizierten Arbeiter fortzubilden, und somit keine Perspektive hat vorwärts zu kommen, sich daher im Betrieb als „Sommerfrischler“ fühlt, der nur zeitweilig arbeitet, um „etwas Geld zu verdienen“ und dann anderweitig „sein Glück zu versuchen“. Die Gleichmacherei führt dazu, dass der qualifizierte Arbeiter gezwungen ist, von Betrieb zu Betrieb zu wandern, bis er schließlich einen Betrieb findet, wo man die qualifizierte Arbeit gebührend zu schätzen weiß.

Daher die „allgemeine“ Wanderung aus einem Betrieb in den andern, die Fluktuation der Arbeitskraft.

Um dieses Übel abzustellen, muss man die Gleichmacherei abschaffen und das alte Tarifsystem zerschlagen. Um dieses Übel abzustellen, muss man ein Tarifsystem schaffen, das dem Unterschied zwischen qualifizierter und unqualifizierter Arbeit, zwischen schwerer und leichter Arbeit Rechnung trägt. Es darf nicht geduldet werden, dass ein Walzstraßenarbeiter in der Eisenhüttenindustrie denselben Lohn erhält wie ein Aufräumer. Es darf nicht geduldet werden, dass ein Lokomotivführer denselben Lohn erhält wie ein Schreiber. Marx und Lenin sagen, dass der Unterschied zwischen qualifizierter und unqualifizierter Arbeit sogar im Sozialismus bestehen wird, sogar nach Aufhebung der Klassen, dass dieser Unterschied erst im Kommunismus verschwinden muss, dass daher auch im Sozialismus der „Arbeitslohn“ nach der Leistung und nicht nach den Bedürfnissen bemessen werden muss. Unsere Gleichmacher unter den Wirtschaftlern und Gewerkschaftlern sind aber damit nicht einverstanden und glauben, dass dieser Unterschied in unserem Sowjetsystem bereits verschwunden sei. Wer hat Recht: Marx und Lenin oder die Gleichmacher? Es ist wohl anzunehmen, dass Marx und Lenin Recht haben. Daraus folgt aber, dass derjenige, der heute das Tarifsystem auf den „Prinzipien“ der Gleichmacherei aufbaut, ohne den Unterschied zwischen qualifizierter und unqualifizierter Arbeit zu berücksichtigen, mit dem Marxismus, mit dem Lenin ismus bricht.

In jedem Industriezweig, in jedem Betrieb, in jeder Abteilung gibt es führende Gruppen von mehr oder weniger qualifizierten Arbeitern, die man in erster Linie und hauptsächlich dem Betrieb dauernd erhalten muss, wenn wir wirklich einen festen Stamm von Arbeitern in den Betrieben haben wollen. Diese führenden Arbeitergruppen bilden den Grundstock der Produktion. Sie dem Betrieb, der Abteilung dauernd zu erhalten, bedeutet, dem Betrieb die gesamte Belegschaft zu erhalten und die Fluktuation der Arbeitskraft an der Wurzel zu untergraben. Wie können sie aber dem Betrieb erhalten bleiben? Sie können nur erhalten bleiben, wenn man sie aufrücken läßt, wenn man ihren Arbeitslohn erhöht, wenn man die Entlohnung so organisiert, dass sie der Qualifikation des Arbeiters gerecht wird.

Was heißt aber, sie aufrücken lassen und ihren Arbeitslohn erhöhen, wie wirkt sich das auf die unqualifizierten Arbeiter aus? Das heißt, von allem anderen abgesehen, den unqualifizierten Arbeitern eine Perspektive eröffnen und ihnen einen Ansporn zum Vorwärtskommen, zum Aufrücken in die Kategorie der qualifizierten Arbeiter geben. Sie wissen selbst, dass wir jetzt Hunderttausende und Millionen qualifizierter Arbeiter brauchen. Um aber Kader qualifizierter Arbeiter zu bekommen, muss man den unqualifizierten Arbeitern einen Ansporn und die Aussicht auf ein Vorwärtskommen, auf ein Aufrücken geben. Und je kühner wir diesen Weg beschreiten werden, desto besser, denn darin liegt das Hauptmittel zur Beseitigung der Fluktuation der Arbeitskraft. Hier sparen wollen heißt ein Verbrechen begehen, heißt gegen die Interessen unserer sozialistischen Industrie handeln.

Das ist aber nicht alles.

Um die Arbeiter dem Betrieb dauernd zu erhalten, ist außerdem eine weitere Verbesserung der Versorgung und der Wohnverhältnisse der Arbeiter notwendig. Es kann nicht geleugnet werden, dass auf dem Gebiet des Wohnungsbaus und der Versorgung der Arbeiter in den letzten Jahren nicht wenig geleistet worden ist. Doch genügt das Geleistete durchaus nicht, um die rasch wachsenden Bedürfnisse der Arbeiter zu befriedigen. Man darf sich nicht darauf berufen, dass es früher weniger Wohnungen gab als jetzt und dass man sich infolgedessen mit den erzielten Ergebnissen zufrieden geben könne. Man darf sich auch nicht darauf berufen, dass die Versorgung der Arbeiter früher weit schlechter war als jetzt und dass man sich infolgedessen mit der bestehenden Lage abfinden könne. Nur verrottete und durch und durch muffige Leute können sich mit Hinweisen auf die Vergangenheit trösten. Man darf nicht von der Vergangenheit, sondern muss von den wachsenden Bedürfnissen der Arbeiter in der Gegenwart ausgehen. Man muss verstehen, dass die Lebensbedingungen der Arbeiter sich bei uns von Grund aus geändert haben. Der Arbeiter ist heute nicht mehr derselbe, der er früher war. Der heutige Arbeiter, unser Sowjetarbeiter, will alle seine materiellen und kulturellen Bedürfnisse befriedigt sehen, sowohl hinsichtlich der Ernährung als auch der Wohnverhältnisse, sowohl hinsichtlich der kulturellen als auch aller anderen Bedürfnisse. Er hat ein Recht darauf, und wir sind verpflichtet, ihm diese Lebensbedingungen zu gewährleisten. Gewiss, er leidet bei uns nicht unter Arbeitslosigkeit, er ist frei vom Joch des Kapitalismus, er ist nicht mehr Sklave, sondern Herr seines Werkes. Das genügt aber nicht. Er fordert die Befriedigung aller seiner materiellen und kulturellen Bedürfnisse, und wir sind verpflichtet, diese seine Forderung zu erfüllen. Vergessen Sie nicht, dass wir selber heute bestimmte Anforderungen an den Arbeiter stellen - wir fordern von ihm Arbeitsdisziplin, angespannte Arbeit, Wettbewerb, Stoßarbeit. Vergessen Sie nicht, dass die ungeheure Mehrheit der Arbeiter diese Forderungen der Sowjetmacht mit großer Begeisterung aufgenommen hat und sie heroisch erfüllt. Wundern Sie sich daher nicht, wenn die Arbeiter, die die Forderungen der Sowjetmacht erfüllen, ihrerseits von ihr die Erfüllung ihrer Verpflichtungen zur weiteren Verbesserung der materiellen und kulturellen Lage der Arbeiter fordern werden.

Also: Die Fluktuation der Arbeitskraft beseitigen, die Gleichmacherei ausmerzen, den Arbeitslohn richtig organisieren, die Lebensverhältnisse der Arbeiter verbessern - das ist die Aufgabe.

So steht es um die zweite neue Entwicklungsbedingung unserer Industrie.

Gehen wir zur dritten Bedingung über.

III
DIE ARBEITSORGANISATION

Vorhin sprach ich von der Notwendigkeit, die Fluktuation der Arbeitskraft zu beseitigen, den Betrieben die Belegschaft dauernd zu erhalten. Mit der Erhaltung der Belegschaft erschöpft sich jedoch die Sache noch nicht. Es genügt nicht, die Fluktuation zu beseitigen. Man muss außerdem für die Arbeiter Arbeitsbedingungen schaffen, die es ihnen ermöglichen, rationell zu arbeiten, die Produktivität zu steigern, die Qualität der Erzeugnisse zu verbessern. Man muss also die Arbeit in den Betrieben so organisieren, dass die Produktivität von Monat zu Monat, von Vierteljahr zu Vierteljahr steigt.

Kann man sagen, dass die bestehende Arbeitsorganisation, wie wir sie jetzt in unseren Betrieben haben, den heutigen Anforderungen der Produktion gerecht wird? Leider kann man das nicht sagen. Jedenfalls gibt es bei uns immer noch eine Reihe von Betrieben, in denen die Arbeitsorganisation außerordentlich schlecht ist, in denen es statt Ordnung und Koordination in der Arbeit Unordnung und Durcheinander gibt, in denen statt Verantwortung für die Arbeit völlige Verantwortungslosigkeit herrscht und die persönliche Verantwortlichkeit fehlt.

Was bedeutet das: Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit? Das bedeutet, dass jede Verantwortlichkeit für die aufgetragene Arbeit, für die Maschinen, für die Werkbänke, für die Werkzeuge fehlt. Es ist klar, dass bei dem Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit keine Rede sein kann von einer einigermaßen bedeutenden Steigerung der Arbeitsproduktivität, von einer Verbesserung der Qualität der Erzeugnisse, von einer sorgsamen Behandlung der Maschinen, der Werkbänke und Werkzeuge. Sie wissen, wohin das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit auf den Eisenbahnen geführt hat. Zu denselben Ergebnissen führt es auch in der Industrie. Wir haben mit dem Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit im Eisenbahnverkehr Schluss gemacht und dadurch seine Leistung verbessert. Wir müssen in der Industrie dasselbe tun, um ihre Leistung auf eine höhere Stufe zu heben.

Früher konnte man noch irgendwie mit jener unrichtigen Arbeitsorganisation „auskommen“, die sich mit dem Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit überhaupt und der fehlenden Verantwortung jedes einzelnen für die gegebene konkrete Arbeit sehr wohl verträgt. Heute ist das anders. Heute sind die Verhältnisse ganz anders geartet. Bei den heutigen Riesenausmaßen der Produktion und dem Bestehen von Riesenbetrieben ist das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit für die Industrie eine Geißel, die alle unsere Produktions- und Organisationserrungenschaften in den Betrieben gefährdet.

Wie konnte sich eine solche Erscheinung wie das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit bei uns in einer Reihe von Betrieben einnisten? Sie kam in den Betrieben auf als eine unbegründete Begleiterscheinung der ununterbrochenen Arbeitswoche. (Ununterbrochene Arbeitswoche - Organisation der Arbeitszeit, bei der in den Betrieben und Institutionen jeden Tag gearbeitet wird und die Arbeiter und Angestellten abwechselnd auf je 5 Arbeitstage einen Ruhetag erhalten. Der Übers.) Es wäre falsch zu sagen, die ununterbrochene Arbeitswoche ziehe unbedingt das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit in der Produktion nach sich. Bei richtiger Arbeitsorganisation, wenn die Verantwortung jedes einzelnen für eine bestimmte Arbeit festgelegt ist, wenn bestimmte Gruppen von Arbeitern den Maschinen und Werkbänken zugeteilt sind, wenn der Schichtwechsel richtig organisiert ist und Qualität und Qualifikation der Schichten die gleichen sind - unter solchen Bedingungen führt die ununterbrochene Arbeitswoche zu einer gewaltigen Steigerung der Arbeitsproduktivität, zur Verbesserung der Qualität der Arbeit, zur Ausmerzung der Verantwortungslosigkeit. So steht es zum Beispiel auf den Eisenbahnen, wo jetzt die ununterbrochene Arbeitswoche, aber auch die persönliche Verantwortlichkeit besteht. Kann man sagen, dass wir in den Industriebetrieben in Bezug auf die ununterbrochene Arbeitswoche ein ebenso günstiges Bild haben? Leider kann man das nicht sagen. Die Sache ist die, dass man in einer Reihe unserer Betriebe übereilt zur ununterbrochenen Arbeitswoche übergegangen ist, ohne die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen, ohne den Schichtwechsel so organisiert zu haben, dass Qualität und Qualifikation der Schichten mehr oder weniger gleichwertig sind, ohne die Verantwortlichkeit jedes einzelnen für eine bestimmte konkrete Arbeit festgelegt zu haben. Das aber hat dazu geführt, dass die dem Selbstlauf überlassene ununterbrochene Arbeitswoche die persönliche Verantwortlichkeit ausschaltete. Als Resultat haben wir in einer Reihe von Betrieben die ununterbrochene Arbeitswoche auf dein Papier, in Worten, und ein nicht papiernes, sondern reales Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit. Das Ergebnis war, dass es an Verantwortungsgefühl für die Arbeit mangelte, sdas die Maschinen nachlässig behandelt, die Werkbänke massenhaft beschädigt wurden und dass der Ansporn zur Hebung der Arbeitsproduktivität fehlte. Nicht umsonst sagen die Arbeiter: „Wir würden die Arbeitsproduktivität heben und die Arbeit verbessern, aber wer wird unsere Arbeit bewerten, wenn niemand für irgend etwas die Verantwortung trägt?“

Daraus folgt, dass so manche unserer Genossen sich hier und da mit der Einführung der ununterbrochenen Arbeitswoche übereilt und in ihrer Übereilung die ununterbrochene Arbeitswoche entstellt haben, was zum Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit führte.

Um diesem Zustand ein Ende zu machen und die Verantwortungslosigkeit auszumerzen, gibt es zwei Auswege. Entweder muss man, wie das auf den Eisenbahnen geschehen ist, die ununterbrochene Arbeitswoche unter solchen Bedingungen durchführen, dass sie kein Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit zur Folge hat, oder man muss dort, wo jetzt für einen solchen Versuch keine günstigen Bedingungen bestehen, die bloß auf dem Papier stehende ununterbrochene Arbeitswoche aufgeben, vorübergehend zur Sechstagewoche übergehen mit einem Tage Betriebsunterbrechung, wie man das unlängst in den Stalingrader Traktorenwerken getan hat, und die Voraussetzungen schaffen, um vielleicht später, falls notwendig, zu einer wirklichen, nicht nur auf dem Papier stehenden ununterbrochenen Arbeitswoche, zu einer mit persönlicher Verantwortlichkeit verbundenen ununterbrochenen Arbeitswoche zurückzukehren.

Andere Auswege gibt es nicht.

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass unsere Wirtschaftler dies alles ziemlich gut begreifen. Sie schweigen aber. Warum? Offenbar, weil sie die Wahrheit fürchten. Seit wann aber fürchten Bolschewiki die Wahrheit? Stimmt es etwa nicht, dass in einer Reihe von Betrieben die ununterbrochene Arbeitswoche das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit mit sich gebracht hat, dass die ununterbrochene Arbeitswoche auf diese Weise bis zum äußersten entstellt worden ist? Es fragt sich, wem nützt eine solche ununterbrochene Arbeitswoche? Wer wird behaupten wollen, dass die Interessen der Beibehaltung dieser papiernen und entstellten ununterbrochenen Arbeitswoche über den Interessen der richtigen Arbeitsorganisation stehen, über den Interessen der Förderung der Arbeitsproduktivität, über den Interessen der wirklichen ununterbrochenen Arbeitswoche, über den Interessen unserer sozialistischen Industrie? Ist es nicht klar, dass wir, je früher wir die papierne ununterbrochene Arbeitswoche begraben, desto schneller eine richtige Arbeitsorganisation erreichen werden?

Manche Genossen sind der Ansicht, man könne der Verantwortungslosigkeit durch Beschwörungen, durch großspurige Reden ein Ende bereiten. Ich kenne jedenfalls eine Reihe von Wirtschaftlern, die sich in ihrem Kampf gegen die fehlende persönliche Verantwortlichkeit darauf beschränken, diesen Zustand in Versammlungen immer wieder zu verdammen, offenbar in der Meinung, dass er nach solchen Reden von selbst, sozusagen im Selbstlauf, verschwinden müsse. Sie irren sich sehr, wenn sie glauben, man könne die Verantwortungslosigkeit durch Reden und Beschwörungen aus der Praxis verbannen. Nein, Genossen, von selbst wird dieser Zustand nie verschwinden. Nur wir allein können und müssen mit ihm Schluss machen, denn wir allesamt stehen an der Macht, und wir allesamt sind verantwortlich für alles, auch für das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit. Ich meine, es wäre weit besser, wenn unsere Wirtschaftsleiter, statt sich in Reden und Beschwörungen zu ergehen, ein, zwei Monate, sagen wir, in einem Bergwerk oder in einer Fabrik zubrächten, alle Einzelheiten und „Kleinigkeiten“ der Arbeitsorganisation studierten, der Verantwortungslosigkeit dort wirklich ein Ende bereiteten und dann die Erfahrungen des betreffenden Betriebs auf die übrigen übertrügen. Das wäre weit besser. Das wäre ein wirklicher Kampf gegen das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit, ein Kampf für die richtige, bolschewistische Arbeitsorganisation, ein Kampf für richtige Kräfteverteilung im Betrieb.

Also: Beseitigung des Zustands fehlender persönlicher Verantwortlichkeit, Verbesserung der Arbeitsorganisation, richtige Kräfteverteilung im Betrieb - das ist die Aufgabe.

So steht es um die dritte neue Entwicklungsbedingung unserer Industrie.

Gehen wir zur vierten Bedingung über.

IV
DIE FRAGE DER TECHNISCHEN INTELLIGENZ
DER ARBEITERKLASSE

Auch was die führenden Kader der Industrie im Allgemeinen und die Ingenieure und Techniker im Besonderen betrifft, haben sich die Verhältnisse gewandelt.

Früher lagen die Dinge bei uns so, dass die ukrainische Kohlen- und Hüttenbasis die Hauptquelle unserer gesamten Industrie war. Die Ukraine versorgte alle unsere Industriebezirke mit Metall, sowohl den Süden als auch Moskau und Lenin grad. Sie versorgte unsere wichtigsten Betriebe in der UdSSR mit Kohle. Ich sehe hier vom Ural ab, da der Ural in dieser Hinsicht im Vergleich zum Donezbecken sehr wenig ins Gewicht fiel. Dementsprechend hatten wir drei Hauptzentren für die Heranbildung führender Kader der Industrie: den Süden, den Moskauer und den Lenin -grader Bezirk. Es ist klar, dass wir bei dieser Lage der Dinge mit jener Mindestzahl an Ingenieuren und Technikern, über die unser Land damals verfügen konnte, schlecht und recht auskommen konnten.

So war es noch vor kurzem.

Jetzt aber haben wir ganz andere Verhältnisse. Jetzt ist es, denke ich, klar, dass wir, wenn das gegenwärtige Entwicklungstempo und die gewaltigen Produktionsausmaße beibehalten werden, nicht mehr mit der ukrainischen Kohlen- und Hüttenbasis allein auskommen können. Sie wissen, dass uns die ukrainische Kohle und das ukrainische Metall nicht mehr genügen, obwohl ihre Produktion im Steigen begriffen ist. Sie wissen, dass wir darum gezwungen sind, eine neue Kohlen- und Hüttenbasis im Osten zu schaffen, das Ural-Kusnezker Industriegebiet. Sie wissen, dass wir an der Schaffung dieser Basis nicht ohne Erfolg arbeiten. Das ist aber zuwenig. Wir müssen darüber hinaus eine Hüttenindustrie in Sibirien selbst schaffen, um dessen wachsende Bedürfnisse zu befriedigen. Und wir sind bereits dabei, sie zu schaffen. Wir müssen außerdem eine neue Basis der Buntmetallindustrie in Kasachstan und in Turkestan schaffen. Wir müssen schließlich einen großzügigen Eisenbahnbau entwickeln. Das gebieten die Interessen der UdSSR als Ganzes - die Interessen der Randrepubliken ebenso wie die Interessen des Zentrums.

Daraus folgt aber, dass wir nicht mehr mit jener Mindestzahl an Ingenieuren, Technikern und Leitern der Industrie auskommen können, mit der wir früher auskamen. Daraus folgt, dass die alten Zentren für die Heranbildung von Ingenieuren und Technikern nicht mehr genügen, dass ein ganzes Netz von neuen Zentren geschaffen werden muss: im Ural, in Sibirien, in Mittelasien. Wir müssen jetzt drei- bis fünfmal mehr Ingenieure, Techniker und Leiter der Industrie heranbilden, wenn wir wirklich das Programm der sozialistischen Industrialisierung der UdSSR verwirklichen wollen.

Doch brauchen wir nicht beliebige Leiter, Ingenieure und Techniker. Wir brauchen solche Leiter, Ingenieure und Techniker, die fähig sind, die Politik der Arbeiterklasse unseres Landes zu begreifen, die fähig sind, sich diese Politik zu eigen zu machen, und die bereit sind, sie gewissenhaft zu verwirklichen. Was bedeutet das aber? Das bedeutet, dass unser Land in eine Entwicklungsphase eingetreten ist, in der sich die Arbeiter-klasse ihre eigene technische Intelligenz schaffen muss, die fähig ist, die Interessen der Arbeiterklasse in der Produktion als die Interessen der herrschenden Klasse zu vertreten.

Keine herrschende Klasse ist je ohne ihre eigene Intelligenz ausgekommen. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass die Arbeiterklasse der UdSSR ebenfalls nicht ohne ihre eigene technische Intelligenz auskommen kann.

Die Sowjetmacht hat diesem Umstand Rechnung getragen und hat die Tore der Hochschulen aller Zweige der Volkswirtschaft für die Angehörigen der Arbeiterklasse und der werktätigen Bauernschaft geöffnet. Sie wissen, dass Zehntausende junger Arbeiter und Bauern jetzt an den Hochschulen lernen. Waren früher, unter dem Kapitalismus, die Hochschulen das Monopol der Herrensöhnchen, so bildet dort heute, unter der Sowjetordnung, die Arbeiter- und Bauernjugend den ausschlaggebenden Faktor. Es steht außer Zweifel, dass wir aus unseren Lehranstalten bald Tausende neuer Techniker und Ingenieure, neuer Leiter unserer Industrie erhalten werden.

Das ist aber nur die eine Seite der Sache. Die andere Seite der Sache besteht darin, dass die technische Intelligenz der Arbeiterklasse sich nicht nur aus Absolventen der Hochschulen zusammensetzen, sondern sich auch aus Praktikern unserer Betriebe rekrutieren wird, aus qualifizierten Arbeitern, aus den kulturellen Kräften der Arbeiterklasse in den Werken, Fabriken, Bergwerken. Die Initiatoren des Wettbewerbs, die Führer der Stoßbrigaden, die praktischen Inspiratoren des Arbeitsaufschwungs, die Organisatoren der Arbeit an diesem oder jenem Abschnitt des Aufbaus - das ist die neue Schicht der Arbeiterklasse, die zusammen mit den Genossen, die die Hochschule absolviert haben, den Kern der Intelligenz der Arbeiterklasse, den Kern der leitenden Kader unserer Industrie bilden soll. Die Aufgabe besteht darin, diese Genossen, die von „unten“ kommen und Initiative besitzen, nicht an die Wand zu drücken, sondern sie kühner auf leitende Posten zu stellen, ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre organisatorischen Fähigkeiten zu entfalten, ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Kenntnisse zu vervollständigen, und für sie die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen, ohne die Ausgaben für diesen Zweck zu scheuen.

Unter diesen Genossen gibt es nicht wenig Parteilose. Das kann aber kein Hindernis dafür sein, sie entschlossener auf leitende Posten zu stellen. Im Gegenteil, gerade diese parteilosen Genossen müssen mit besonderer Aufmerksamkeit umgeben, müssen auf leitende Posten gestellt werden, damit sie sich in der Praxis davon überzeugen, dass die Partei fähige und begabte Menschen zu schätzen weiß.

Manche Genossen sind der Meinung, man dürfe auf leitende Posten in den Fabriken und Werken nur Parteigenossen stellen. Aus diesem Grunde schieben sie oft fähige parteilose Genossen, die Initiative besitzen, beiseite und lassen an die erste Stelle Parteimitglieder aufrücken, selbst wenn diese weniger fähig sind und keine Initiative besitzen. Es ist überflüssig zu sagen, dass es nichts Dümmeres und Reaktionäreres gibt als eine solche, mit Verlaub zu sagen, „Politik“. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass man mit einer solchen „Politik“ nur die Partei diskreditieren und die parteilosen Arbeiter von der Partei abstoßen kann. Unsere Politik besteht keineswegs darin, die Partei in eine abgesonderte Kaste zu verwandeln. Unsere Politik besteht darin, zwischen den der Partei angehörenden und den parteilosen Arbeitern eine Atmosphäre „gegenseitigen Vertrauens“, eine Atmosphäre „gegenseitiger Kontrolle“ ( Lenin ) zu schaffen. Unsere Partei ist in der Arbeiterklasse unter anderem eben deshalb so stark, weil sie diese Politik durchführt.

Also: Erreichen, dass die Arbeiterklasse der 'UdSSR ihre eigene technische Intelligenz habe - das ist die Aufgabe.

So steht es um die vierte neue Entwicklungsbedingung unserer Industrie.

Gehen wir zur fünften Bedingung über.

V
ANZEICHEN EINES UMSCHWUNGS UNTER DER ALTEN
TECHNISCHEN INTELLIGENZ

Auch um die Frage des Verhältnisses zu der alten, der bürgerlichen technischen Intelligenz ist es jetzt anders bestellt.

Vor etwa zwei Jahren lagen die Dinge bei uns so, dass der qualifizierteste Teil der alten technischen Intelligenz von der Schädlingskrankheit angesteckt war. Mehr noch, das Schädlingswesen war damals eine Art Mode. Die einen betätigten sich als Schädlinge, die anderen deckten die Schädlinge, die dritten wuschen ihre Hände in Unschuld und wahrten Neutralität, die vierten schwankten zwischen der Sowjetmacht und den Schädlingen. Allerdings arbeitete die Mehrheit der alten technischen Intelligenz mehr oder weniger loyal weiter. Hier aber handelt es sich nicht um die Mehrheit, sondern um den qualifiziertesten Teil der technischen Intelligenz.

Wie entstand die Schädlingsbewegung, wieso entwickelte sie sich? Infolge der Verschärfung des Klassenkampfes innerhalb der UdSSR, infolge der Offensivpolitik der Sowjetmacht gegen die kapitalistischen Elemente in Stadt und Land, infolge des Widerstands dieser Elemente gegen die Politik der Sowjetmacht, infolge der Kompliziertheit der internationalen Lage, infolge der Schwierigkeiten im Aufbau der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften. Wurde die Tätigkeit der aktiven Gruppen der Schädlinge durch die Interventionspläne der Imperialisten der kapitalistischen Länder und durch die Schwierigkeiten bei der Getreidebeschaffung innerhalb des Landes gefördert, so wurde das Schwanken des anderen Teils der alten technischen Intelligenz nach der Seite der aktiven Schädlinge verstärkt durch das zur Mode gewordene Gerede der trotzkistisch-menschewistischen Schwätzer, dass „aus den Kollektiv- und Sowjetwirtschaften sowieso nichts werden wird“, dass „die Sowjetmacht sowieso entartet und in Kürze fallen muss“, dass „die Bolschewiki mit ihrer Politik selbst die Intervention begünstigen“ usw. usf. Wenn außerdem sogar manche zur rechten Abweichung gehörenden alten Bolschewiki der „Ansteckung“ nicht widerstanden und in dieser Periode Schwankungen durchmachten, die von der Partei hinwegführten, so braucht man sich nicht zu wundern, dass ein gewisser Teil der alten technischen Intelligenz, der niemals etwas mit dem Bolschewismus zu tun hatte, ebenfalls mit Gottes Hilfe ins Schwanken geriet.

Selbstverständlich konnte die Sowjetmacht bei einer solchen Sachlage nur eine einzige Politik gegenüber der alten technischen Intelligenz verfolgen, die Politik der Zerschmetterung der aktiven Schädlinge, der Differenzierung der Neutralen und der Heranziehung der Loyalen.

So war es vor ein, zwei Jahren.

Kann man sagen, dass die Verhältnisse jetzt genau dieselben sind? Nein, das kann man nicht sagen. Im Gegenteil, jetzt haben sich bei uns ganz andere Verhältnisse herausgebildet. Zunächst sei festgestellt, dass wir die kapitalistischen Elemente in Stadt und Land geschlagen haben und jetzt erfolgreich mit ihnen aufräumen. Selbstverständlich kann das der alten Intelligenz keine Freude bereiten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie immer noch Mitleid für ihre geschlagenen Freunde bekundet. Doch pflegen Anteilnehmende und erst recht Neutrale und Schwankende nicht freiwillig das Los ihrer aktiven Freunde zu teilen, nachdem diese eine schwere und nicht wieder gut zu machende Niederlage erlitten haben.

Ferner haben wir die Schwierigkeiten bei der Getreidebeschaffung überwunden und nicht nur überwunden, sondern führen eine solche Menge Getreide ins Ausland aus wie noch nie, seitdem die Sowjetmacht besteht. Also fällt auch dieses „Argument“ der Schwankenden weg.

Ferner sehen heute selbst Blinde, dass wir an der Front des Aufbaus von Kollektiv- und Sowjetwirtschaften entschieden gesiegt und gewaltige Erfolge errungen haben.

Was also in dem „Arsenal“ der alten Intelligenz das Wichtigste war, das ist zunichte geworden. Was nun die Interventionshoffnungen der bürgerlichen Intelligenz betrifft, so muss festgestellt werden, dass sie sich - wenigstens einstweilen - als auf Sand gebaut erwiesen haben. In der Tat, sechs Jahre hindurch verhieß man ihr die Intervention, und nicht ein einziges Mal versuchte man zu intervenieren. Es ist an der Zeit festzustellen, dass man unsere scharfsichtige bürgerliche Intelligenz einfach an der Nase herumgeführt hat. Ich spreche gar nicht erst davon, dass allein schon das Verhalten der aktiven Schädlinge in dem bekannten Moskauer Prozess die Schädlingsidee diskreditieren musste und auch tatsächlich diskreditiert hat.

Es versteht sich, dass diese neuen Umstände nicht ohne Einfluss auf unsere alte technische Intelligenz bleiben konnten. Die neuen Verhältnisse mussten unter der alten technischen Intelligenz andere Stimmungen hervorrufen und haben sie auch tatsächlich hervorgerufen. Dadurch erklärt sich auch eigentlich die Tatsache, dass wir bei einem gewissen Teil dieser Intelligenz, der früher mit den Schädlingen sympathisierte, bestimmte Anzeichen einer Hinwendung zur Sowjetmacht wahrnehmen. Die Tatsache, dass nicht nur diese Schicht der alten Intelligenz, sondern sogar entschiedene Schädlinge von gestern, ein bedeutender Teil der Schädlinge von gestern in einer Reihe von Werken und Fabriken gemeinsam mit der Arbeiterklasse zu arbeiten beginnt - diese Tatsache zeugt zweifellos davon, dass der Umschwung unter der alten technischen Intelligenz schon begonnen hat. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass es bei uns keine Schädlinge mehr gibt. Nein, das bedeutet es nicht. Schädlinge gibt es und wird es geben, solange wir Klassen haben, solange eine kapitalistische Umwelt besteht. Das bedeutet aber: Wenn einmal ein bedeutender Teil der alten technischen Intelligenz, der früher in dieser oder jener Weise mit den Schädlingen sympathisierte, sich jetzt der Sowjetmacht zugewandt hat, so sind aktive Schädlinge nur in geringer Zahl geblieben, sie sind isoliert und werden sich eine gewisse Zeit lang in tiefe Illegalität zurückziehen müssen.

Daraus folgt aber, dass sich dementsprechend auch unsere Politik gegenüber der alten technischen Intelligenz ändern muss. Drückte sich in der Periode, als das Schädlingswesen auf dem Höhepunkt war, unser Verhalten zu der alten technischen Intelligenz hauptsächlich in der Politik des Zerschlagens aus, so muss heute, in der Periode der Wendung dieser Intelligenz zur Sowjetmacht, unser Verhalten ihr gegenüber hauptsächlich in der Politik ihrer Heranziehung und der Sorge um sie bestehen. Es wäre falsch und undialektisch, wollte man unter den neuen, veränderten Verhältnissen die alte Politik fortsetzen. Es wäre dumm und unvernünftig, heute beinahe in jedem Spezialisten und Ingenieur der alten Schule einen noch nicht ertappten Verbrecher und Schädling zu sehen. „Spezialistenfresserei“ hat bei uns immer als schädliche und schmähliche Erscheinung gegolten und wird auch weiter als solche gelten.

Also: Das Verhalten zu den Ingenieuren und Technikern der alten Schule ändern, sie mit mehr Aufmerksamkeit und Türsorge umgeben, sie kühner zur Arbeit heranziehen - das ist die Aufgabe.

So steht es um die fünfte neue Entwicklungsbedingung unserer Industrie.

Gehen wir zur letzten Bedingung über.

VI
ÜBER DIE WIRTSCHAFTLICHE RECHNUNGSFÜHRUNG

Das Bild wäre unvollständig, würde ich nicht noch eine neue Bedingung berühren. Es handelt sich um die Akkumulationsquellen für die Industrie, für die Volkswirtschaft, um die Beschleunigung des Tempos dieser Akkumulation.

Worin besteht vom Standpunkt der Akkumulation das Neue und Besondere in der Entwicklung unserer Industrie? Darin, dass die alten Akkumulationsquellen für die weitere Entfaltung der Industrie bereits unzulänglich werden. Darin, dass also neue Akkumulationsquellen ausfindig gemacht und die alten verstärkt werden müssen, wenn wir das bolschewistische Tempo der Industrialisierung wirklich beibehalten und entwickeln wollen.

Aus der Geschichte der kapitalistischen Länder ist bekannt, dass kein einziger junger Staat, der seine Industrie auf eine höhere Stufe heben wollte, ohne Hilfe von außen, ohne langfristige Kredite oder Anleihen, ausgekommen ist. Davon ausgehend, verweigerten die Kapitalisten der westlichen Länder unserem Lande rundweg Kredite und Anleihen, in der Annahme, dass das Ausbleiben von Krediten und Anleihen die Industrialisierung unseres Landes unfehlbar vereiteln würde. Aber die Kapitalisten haben sich geirrt. Sie haben nicht in Betracht gezogen, dass unser Land, zum Unterschied von den kapitalistischen Ländern, über gewisse besondere Akkumulationsquellen verfügt, die genügen, um die Industrie wiederherzustellen und weiterzuentwickeln. Und in der Tat, wir haben die Industrie, die Landwirtschaft und das Verkehrswesen nicht nur wiederhergestellt, sondern es auch bereits vermocht, das gewaltige Werk der Rekonstruktion der Schwerindustrie, der Landwirtschaft und des Verkehrswesens in die Wege zu leiten. Man begreift, dass wir für diesen Zweck Dutzende Milliarden Rubel aufgewandt haben. Woher wurden diese Milliarden Rubel geschöpft? Aus der Leichtindustrie, aus der Landwirtschaft, aus den Überschüssen des Staatsbudgets. So lagen die Dinge bei uns bis in die letzte Zeit hinein.

Ganz anders liegen die Dinge jetzt. Reichten früher die alten Akkumulationsquellen für die Rekonstruktion der Industrie und des Verkehrswesens aus, so beginnen sie heute bereits offenkundig unzulänglich zu werden. Es handelt sich jetzt nicht darum, die alte Industrie zu rekonstruieren. Es handelt sich um die Schaffung einer neuen, technisch gut ausgerüsteten Industrie im Ural, in Sibirien, in Kasachstan. Es handelt sich um die Schaffung von neuen landwirtschaftlichen Großbetrieben in den Getreide-, Viehzucht- und Rohstoffgebieten der UdSSR. Es handelt sich um die Schaffung eines neuen Eisenbahnnetzes zwischen dem Osten und dem Westen der UdSSR. Es ist klar, dass die alten Akkumulationsquellen für dieses grandiose Werk nicht ausreichen können.

Aber das ist noch nicht alles. Dazu kommt noch der Umstand, dass die Prinzipien der wirtschaftlichen Rechnungsführung infolge von Misswirtschaft in einer ganzen Reihe unserer Betriebe und Wirtschaftsorganisationen völlig untergraben worden sind. Es ist Tatsache, dass man in einer Reihe von Betrieben und Wirtschaftsorganisationen schon längst aufgehört hat, zu berechnen, zu kalkulieren, fundierte Bilanzen der Einnahmen und Ausgaben aufzustellen. Es ist Tatsache, dass in einer Reihe von Betrieben und Wirtschaftsorganisationen die Begriffe „Sparsamkeitsregime“, „Herabsetzung der unproduktiven Ausgaben“, „Rationalisierung der Produktion“ schon längst aus der Mode gekommen sind. Offenbar rechnen sie darauf, dass die Staatsbank „uns sowieso die nötigen Summen geben wird“. Es ist Tatsache, dass in letzter Zeit die Selbstkosten in einer ganzen Reihe von Betrieben zu steigen begonnen haben. Man hat es ihnen zur Aufgabe gemacht, die Selbstkosten um zehn und mehr Prozent zu senken, sie aber erhöhen sie. Was aber heißt das, die Selbstkosten senken? Sie wissen, dass jedes Prozent Senkung der Selbstkosten eine Akkumulation von 150 bis 200 Millionen Rubel innerhalb der Industrie bedeutet. Es ist klar, dass eine Erhöhung der Selbstkosten unter diesen Bedingungen gleichbedeutend ist mit dem Verlust von Hunderten Millionen Rubel für die Industrie und die gesamte Volkswirtschaft.

Aus alledem folgt, dass es nicht mehr möglich ist, sich bloß auf die Leichtindustrie, bloß auf die Akkumulation aus Budgetüberschüssen, bloß auf die Einnahmen aus der Landwirtschaft zu stützen. Die Leichtindustrie ist eine sehr ergiebige Akkumulationsquelle, und sie hat jetzt alle Aussichten auf weitere Entwicklung, doch ist diese Quelle nicht unerschöpflich. Die Landwirtschaft ist eine nicht weniger ergiebige Akkumulationsquelle, doch ist sie jetzt; in der Zeit ihrer Rekonstruktion, selbst auf finanzielle Unterstützung durch den Staat angewiesen. Was die Budgetüberschüsse betrifft, so wissen Sie selbst, dass sie nicht unbegrenzt sein können noch sein dürfen. Was bleibt also übrig? Es bleibt die Schwerindustrie. Man muss also erreichen, dass die Schwerindustrie und vor allem der Maschinenbau ebenfalls Überschüsse erzielen. Man muss also, bei Stärkung und Erweiterung der alten Akkumulationsquellen, erreichen, dass die Schwerindustrie und vor allem der Maschinenbau ebenfalls Überschüsse erzielen.

Darin liegt der Ausweg.

Was aber ist dazu notwendig? Beseitigung der Misswirtschaft, Mobilisierung der inneren Hilfsquellen der Industrie, Einbürgerung und Festigung des Prinzips der wirtschaftlichen Rechnungsführung in allen unseren Betrieben, systematische Senkung der Selbstkosten, Steigerung der Akkumulation innerhalb der Industrie, in allen Industriezweigen ohne Ausnahme.

Das ist der Ausweg.

Also: Das Prinzip der wirtschaftlichen Rechnungsführung einbürgern und festigen, die Akkumulation innerhalb der Industrie verstärken - das ist die Aufgabe.

VII
AUF NEUE ART ARBEITEN, AUF NEUE ART LEITEN

Das, Genossen, sind die neuen Entwicklungsbedingungen unserer Industrie.

Die Bedeutung dieser neuen Bedingungen besteht darin, dass sie für die Industrie neue Verhältnisse schaffen, die neue Methoden der Arbeit, neue Methoden der Leitung erfordern.

Also:

a) Es ergibt sich somit, dass man nicht mehr wie früher auf den Selbstlauf in der Frage der Arbeitskraft rechnen darf. Um der Industrie Arbeitskräfte zu sichern, muss man sie auf organisierte Weise anwerben und die Arbeit mechanisieren. Wer der Meinung ist, man könne bei unserem Arbeitstempo und bei unseren Produktionsausmaßen ohne Mechanisierung auskommen, der glaubt, das Meer mit einem Löffel ausschöpfen zu können.

b) Es ergibt sich weiter, dass man die Fluktuation der Arbeitskraft in der Industrie nicht länger dulden kann. Um dieses Übel loszuwerden, muss man das Lohnsystem auf neue Art organisieren und die Belegschaft in den Betrieben zu einer mehr oder weniger beständigen machen.

c) Es ergibt sich weiter, dass man das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit in der Produktion nicht mehr dulden kann. Um dieses Übel loszuwerden, muss man die Arbeit auf neue Art organisieren, muss man die Kräfte so verteilen, dass jede Arbeitergruppe für ihre Arbeit, für die Maschinen, für die Werkbänke, für die Qualität der Arbeit verantwortlich ist.

d) Es ergibt sich weiter, dass es nicht mehr möglich ist, wie früher, mit jener Mindestzahl von alten Ingenieuren und Technikern auszukommen, die wir vom bürgerlichen Rußland als Erbe übernommen haben. Um das heutige Tempo zu steigern und die heutigen Ausmaße der Produktion zu vergrößern, muss man erreichen, dass die Arbeiterklasse über eine eigene technische Intelligenz verfügt.

e) Es ergibt sich weiter, dass man nicht mehr, wie früher, alle Spezialisten, Ingenieure und Techniker der alten Schule in einen Topf werfen darf. Um der veränderten Lage Rechnung zu tragen, müssen wir unsere Politik ändern und gegenüber den Spezialisten, Ingenieuren und Technikern der alten Schule, die sich entschieden der Arbeiterklasse zuwenden, ein Höchstmaß von Fürsorge an den Tag legen.

f) Es ergibt sich schließlich, dass man nicht mehr, wie früher, mit den alten Akkumulationsquellen auskommen kann. Um die weitere Entfaltung der Industrie und der Landwirtschaft sicherzustellen, muss man erreichen, dass neue Akkumulationsquellen erschlossen werden, dass jegliche Misswirtschaft beseitigt, das Prinzip der wirtschaftlichen Rechnungsführung eingebürgert wird, die Selbstkosten gesenkt werden und die Akkumulation innerhalb der Industrie verstärkt wird.

Das sind die neuen Entwicklungsbedingungen der Industrie, die neue Methoden der Arbeit, neue Methoden 'der Leitung des Wirtschaftsaufbaus erfordern.

Was ist notwendig, um die Leitung auf neue Art zu organisieren?

Dazu ist vor allem notwendig, dass unsere Wirtschaftsleiter die neuen Verhältnisse begreifen, die neuen Entwicklungsbedingungen der Industrie konkret studieren und ihre Arbeit gemäß den Erfordernissen der neuen Verhältnisse umstellen.

Dazu ist weiter notwendig, dass unsere Wirtschaftsleiter die Betriebe nicht „im allgemeinen“, nicht „aus luftiger Höhe“, sondern konkret, sachlich leiten, dass sie an jede Frage nicht vom Standpunkt eines allgemeinen Geredes, sondern streng sachlich herantreten, dass sie sich nicht auf papierne Erledigung oder allgemeine Phrasen und Losungen beschränken, sondern in die Technik der Sache eindringen, die Einzelheiten der Sache erfassen, in „Kleinigkeiten“ eindringen, denn aus „Kleinigkeiten“ wird jetzt Großes geschaffen.

Dazu ist weiter notwendig, dass unsere heutigen schwerfälligen, manchmal 100-200 Betriebe umfassenden Vereinigungen sofort verkleinert und in mehrere Vereinigungen zerlegt werden. Es ist klar, dass der Vorsitzende einer Vereinigung, der mit 100 und mehr Betrieben zu tun hat, diese Betriebe, ihre Produktionsmöglichkeiten, ihre Arbeit nicht richtig kennen kann. Es ist klar, dass er, wenn er die Betriebe nicht kennt, nicht imstande ist, sie zu leiten. Damit also den Vorsitzenden der Vereinigungen die Möglichkeit gegeben wird, die Betriebe richtig kennen zu lernen und zu leiten, muss man sie von der übergroßen Zahl von Betrieben entlasten, muss man die Vereinigungen in mehrere Vereinigungen zerlegen und sie näher an die Betriebe heranbringen.

Dazu ist weiter notwendig, dass unsere Vereinigungen von der Kollegialverwaltung zur persönlichen Verwaltung übergehen. Jetzt liegen die Dinge so, dass in den Kollegien der Vereinigungen 10-15 Personen sitzen, Akten schreiben und diskutieren. So darf nicht weiter verwaltet werden, Genossen. Mit der papiernen „Leitung“ muss Schluss gemacht werden, es gilt, sich auf wirkliche, sachliche, bolschewistische Arbeit umzustellen. An der Spitze der Vereinigung sollen der Vorsitzende der Vereinigung und einige Stellvertreter bleiben. Das wird zur Verwaltung der Vereinigung vollständig genügen. Die übrigen Mitglieder des Kollegiums sollte man lieber nach unten, in die Werke und Fabriken, schicken. Das wäre viel nützlicher sowohl für sie als auch für die Sache.

Dazu ist weiter notwendig, dass die Vorsitzenden der Vereinigungen und ihre Stellvertreter öfter die Betriebe besuchen, länger dort bleiben und arbeiten, besser die Leute in den Betrieben kennen lernen und die an Ort und Stelle Arbeitenden nicht nur belehren, sondern auch von ihnen lernen. Wer glaubt, man könne jetzt vom Büro, vom Kontor aus leiten, fern von den Betrieben, der ist im Irrtum. Um die Werke zu leiten, muss man öfter mit den Leuten in den Betrieben in Fühlung kommen, muss man mit ihnen in lebendigem Kontakt stehen.

Schließlich ein paar Worte über unseren Produktionsplan für 1931. Es gibt im Umkreis der Partei gewisse Spießer, die versichern, dass unser Produktionsprogramm irreal, undurchführbar sei. Es sind dies Leute von der Art der Schtschedrinschen „neunmalweisen Gründlinge“, die stets bereit sind, um sich herum eine „Leere der Denkschwäche“ zu verbreiten. Ist unser Produktionsprogramm real? Ohne Zweifel, ja! Es ist schon deswegen real, weil wir über alle zu seiner Verwirklichung notwendigen Bedingungen verfügen. Es ist schon deswegen real, weil seine Durchführung jetzt ausschließlich von uns selbst abhängt, von unserer Fähigkeit und unserem Willen, unsere überaus reichen Möglichkeiten auszunutzen. Wie wäre sonst die Tatsache zu erklären, dass eine ganze Reihe von Betrieben und Industriezweigen den Plan bereits übererfüllt hat? Folglich können auch die anderen Betriebe und Industriezweige den Plan erfüllen und übererfüllen.

Es wäre töricht zu glauben, der Produktionsplan bestehe in einer Aufzählung von Zahlen und Aufgaben. In Wirklichkeit ist der Produktionsplan die lebendige und praktische Tätigkeit von Millionen Menschen. Die Realität unseres Produktionsplans, das sind die Millionen Werktätigen, die ein neues Leben schaffen. Die Realität unseres Programms, das sind lebendige Menschen, das sind wir alle miteinander, das ist unser Arbeitswille, unsere Bereitschaft, auf neue Art zu arbeiten, unsere Entschlossenheit, den Plan zu erfüllen. Haben wir diese Entschlossenheit? Ja, wir haben sie. Also kann und muss unser Produktionsprogramm verwirklicht werden. (Lang anhaltender Beifall.)

„Prawda“ Nr. 183,
5. Juli 1931

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