"Stalin"

Werke

Band 13

VEREINIGTES PLENUM DES ZK UND DER ZKK
DER KPdSU(B)

DIE ERGEBNISSE DES ERSTEN FÜNFJAHRPLANS

Bericht am 7. Januar 1933

II
DIE GRUNDLEGENDE AUFGABE
DES FÜNFJAHRPLANS UND DER WEG
ZU IHRER VERWIRKLICHUNG

Gehen wir nun zur Frage des Fünfjahrplans selbst über.

Was ist der Fünfjahrplan?

Worin bestand die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans?

Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans bestand darin, unser Land mit seiner rückständigen, mitunter mittelalterlichen Technik auf die Bahnen der neuen, der modernen Technik überzuleiten.

Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans bestand darin, die UdSSR aus einem Agrarland, einem machtlosen, von den Launen der kapitalistischen Länder abhängigen Land in ein Industrieland, in ein mächtiges, völlig selbständiges und von den Launen des internationalen Kapitalismus unabhängiges Land zu verwandeln.

Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans bestand darin, durch Verwandlung der UdSSR in ein Industrieland die kapitalistischen Elemente restlos zu verdrängen, die Front der sozialistischen Wirtschaftsformen zu erweitern und die ökonomische Basis für die Aufhebung der Klassen in der UdSSR, für die Errichtung der sozialistischen Gesellschaft zu schaffen.

Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans bestand darin, in unserem Lande eine Industrie zu schaffen, die imstande sein würde, nicht allein die ganze Industrie, sondern auch das Verkehrswesen und die Landwirtschaft auf der Grundlage des Sozialismus neu auszurüsten und zu reorganisieren.

Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans bestand darin, die kleine und zersplitterte Landwirtschaft auf die Bahnen des kollektiven Großbetriebs überzuleiten, dadurch die ökonomische Basis des Sozialismus im Dorfe sicherzustellen und auf diese Weise die Möglichkeit der Wiederherstellung des Kapitalismus in der UdSSR zu beseitigen.

Schließlich bestand die Aufgabe des Fünfjahrplans darin, im Lande alle notwendigem technischen und ökonomischen Voraussetzungen zu schaffen, um die Verteidigungskraft des Landes maximal zu heben und so die Organisierung der entschiedenen Abwehr aller und jeglicher Versuche einer militärischen Intervention von außen, aller und jeglicher Versuche eines militärischen Überfalls von außen zu ermöglichen.

Wodurch wurde diese grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans geboten, wodurch war sie begründet?

Durch die Notwendigkeit, die technische und wirtschaftliche Rückständigkeit der Sowjetunion zu beseitigen, die sie zu einem nicht gerade beneidenswerten Dasein verurteilte; durch die Notwendigkeit, im Lande die Voraussetzungen zu schaffen, die es ihm ermöglichen würden, die fortgeschrittenen kapitalistischen Länder in technisch-ökonomischer Hinsicht nicht nur einzuholen, sondern mit der Zeit auch zu überholen.

Durch die Erwägung, dass die Sowjetmacht nicht lange auf einer rückständigen Industrie basieren kann, dass nur eine moderne Großindustrie, die der Industrie der kapitalistischen Länder nicht nur nicht nachsteht, sondern sie mit der Zeit zu überflügeln vermag, der Sowjetmacht als wirkliches und zuverlässiges Fundament dienen kann.

Durch die Erwägung, dass die Sowjetmacht nicht lange auf zwei entgegengesetzten Grundlagen basieren kann, auf der sozialistischen Großindustrie, die die kapitalistischen Elemente vernichtet, und auf der kleinen bäuerlichen Einzelwirtschaft, die die kapitalistischen Elemente erzeugt.

Durch die Erwägung, dass, solange die Landwirtschaft nicht auf die Basis der Großproduktion gestellt ist, solange die bäuerlichen Kleinwirtschaften nicht zu kollektiven Großwirtschaften vereinigt sind, die Gefahr der Wiederherstellung des Kapitalismus in der UdSSR die realste von allen Gefahren ist.

Lenin sagte:

„Die Revolution bewirkte, dass Rußland in einigen Monaten seinem politischen System nach die fortgeschrittenen Länder eingeholt hat.

Aber das ist zuwenig. Der Krieg ist unerbittlich, er stellt die Frage mit schonungsloser Schärfe: entweder untergehen oder die fortgeschrittenen Länder auch ökonomisch einholen und überholen... Untergehen oder mit Volldampf vorwärts stürmen. So wird die Frage von der Geschichte gestellt.“ (Siehe Bd. XXI, S. 191[50].)

Lenin sagte:

„Solange wir in einem kleinbäuerlichen Lande leben, besteht für den Kapitalismus in Rußland eine festere ökonomische Basis als für den Kommunismus. Das darf man nicht vergessen. Jeder, der das Leben auf dem Lande aufmerksam beobachtet und es mit dem Leben in der Stadt verglichen hat, weiß, dass wir den Kapitalismus nicht mit den Wurzeln ausgerottet und dem inneren Feind das Fundament, den Boden nicht entzogen haben. Dieser Feind behauptet sich dank dem Kleinbetrieb, und um ihm den Boden zu entziehen, gibt es nur ein Mittel: die Wirtschaft des Landes, auch die Landwirtschaft, auf eine neue technische Grundlage, auf die technische Grundlage der modernen Großproduktion, zu stellen... Erst dann, wenn das Land elektrifiziert ist, wenn die Industrie, die Landwirtschaft und das Verkehrswesen eine moderne groß-industrielle technische Grundlage erhalten, erst dann werden wir endgültig gesiegt haben.“ (Siehe Bd. XXVI, S. 46/47[51].)

Diese Leitsätze wurden denn auch den Erwägungen der Partei zugrunde gelegt, die zur Ausarbeitung des Fünfjahrplans, zur Festlegung der grundlegenden Aufgabe des Fünfjahrplans geführt haben.

So steht es mit der grundlegenden Aufgabe des Fünfjahrplans.

Die Verwirklichung eines solchen grandiosen Plans kann jedoch nicht aufs Geratewohl in Angriff genommen werden. Um einen solchen Plan zu verwirklichen, musste man vor allem das Hauptkettenglied des Plans finden, denn erst als das Hauptkettenglied gefunden und erfasst worden war, konnten auch alle übrigen Kettenglieder des Plans nachgezogen werden.

Worin bestand das Hauptkettenglied des Fünfjahrplans?

Das Hauptkettenglied des Fünfjahrplans bestand in der Schwerindustrie mit ihrem Herzstück, dem Maschinenbau. Denn nur die Schwerindustrie ist imstande, sowohl die gesamte Industrie als auch das Verkehrswesen und die Landwirtschaft zu rekonstruieren und auf die Beine zu stellen. Die Verwirklichung des Fünfjahrplans musste denn auch mit der Schwerindustrie begonnen werden. Folglich musste die Wiederherstellung der Schwerindustrie der Verwirklichung des Fünfjahrplans zugrunde gelegt werden.

Auch in dieser Hinsicht haben wir Hinweise von Lenin :

„Die Rettung für Rußland ist nicht nur eine gute Ernte in der Bauernwirtschaft - das ist zuwenig - und nicht nur ein guter Zustand der Leichtindustrie, die der Bauernschaft Gebrauchsgegenstände liefert - das ist ebenfalls zuwenig -, wir brauchen auch eine Schwerindustrie... Ohne Rettung der Schwerindustrie, ohne ihre Wiederherstellung können wir keinerlei Industrie aufbauen, ohne diese aber werden wir überhaupt als selbständiges Land zugrunde gehen... Die Schwerindustrie braucht Staatssubsidien. Wenn wir sie nicht finden, so gehen wir als zivilisierter Staat - ich sage schon gar nicht als sozialistischer - zugrunde.“ (Siehe Bd. XXVII, S. 349[52].)

Die Wiederherstellung und Entwicklung der Schwerindustrie ist aber, besonders in einem so rückständigen und armen Lande, wie es unser Land zu Beginn des Fünfjahrplans war, die schwierigste Sache, denn die Schwerindustrie erfordert bekanntlich gewaltige finanzielle Aufwendungen und das Vorhandensein eines gewissen Minimums an erfahrenen technischen Kräften, ohne die, allgemein gesprochen, die Wiederherstellung der Schwerindustrie unmöglich ist. Wusste dies die Partei und hat sie sich darüber Rechenschaft gegeben? Ja, sie wusste es. Und sie wusste es nicht nur, sondern sie verkündete es auch laut und vernehmlich. Die Partei wusste, auf welchem Wege die Schwerindustrie in England, Deutschland und Amerika aufgebaut worden war. Sie wusste, dass die Schwerindustrie in diesen Ländern entweder mit Hilfe von großen Anleihen oder durch Ausplünderung anderer Länder, oder auf beiden Wegen gleichzeitig aufgebaut worden war. Die Partei wusste, dass diese Wege unserem Lande verschlossen sind. Worauf rechnete sie nun? Sie rechnete auf die eigenen Kräfte unseres Landes. Sie rechnete darauf, dass wir, die wir die Sowjetmacht haben und uns auf die Nationalisierung des Grund und Bodens, der Industrie, des Verkehrswesens, der Banken und des Handels stützen, das strengste Sparsamkeitsregime durchführen können, um genügend Mittel zu akkumulieren, die für die Wiederherstellung und Entwicklung der Schwerindustrie notwendig sind. Die Partei erklärte offen, dass dieses Werk große Opfer erfordern wird und dass wir, ohne etwas zu verhehlen, bewusst zu diesen Opfern bereit sein müssen, wenn wir unser Ziel erreichen wollen. Die Partei rechnete darauf, dieses Werk mit den inneren Kräften unseres Landes, ohne knechtende Auslandskredite und -anleihen, zu vollbringen.

Lenin sagte darüber folgendes:

„Wir müssen danach streben, einen Staat aufzubauen, in dem die Arbeiter die Führung über die Bauern behaupten, sich das Vertrauen der Bauern bewahren und durch größte Sparsamkeit jede Spur jedweden überflüssigen Aufwandes aus ihrer Gesellschaftsordnung ausmerzen.

Wir müssen unseren Staatsapparat auf die größte Sparsamkeit einstellen. Wir müssen jede Spur überflüssigen Aufwandes aus ihm ausmerzen, der sich in ihm vom zaristischen Rußland, von seinem bürokratischen kapitalistischen Apparat in so großem Maße noch erhalten hat.

Wird das nicht ein Reich bäuerlicher Beschränktheit sein?

Nein. Wenn wir der Arbeiterklasse die Führung über die Bauernschaft erhalten, dann wird es uns um den Preis der größten, der allergrößten Sparsamkeit in der Wirtschaft unseres Staates möglich sein, zu erreichen, dass jede noch so kleine Ersparnis für die Entwicklung unserer maschinellen Großindustrie, für die Entwicklung der Elektrifizierung, der Torfgewinnung im Pumpverfahren, für die Fertigstellung des Baus der Wolchowkraftwerke usw. erhalten bleibt.

Darin, und nur darin, wird unsere Hoffnung liegen. Nur dann werden wir imstande sein, um es bildlich auszudrücken, uns von dem einen Pferd auf das andere zu setzen, nämlich von dem Bauernklepper, von dem heruntergekommenen Gaul des Mushik, dem Pferd der Sparmaßnahmen, die auf ein verarmtes Bauernland berechnet sind - auf ein Pferd, wie es das Proletariat für sich sucht und suchen muss, auf das Pferd der maschinellen Großindustrie, der Elektrifizierung, der Wolchowkraftwerke usw.“ (Siehe Bd. XXVII, S. 417[53].)

Sich von dem heruntergekommenen Bauernklepper auf das Pferd der maschinellen Großindustrie zu setzen - das war das Ziel, das die Partei bei der Ausarbeitung des Fünfjahrplans und beim Kampf für dessen Verwirklichung verfolgte.

Einführung des strengsten Sparsamkeitsregimes und Akkumulation der für die Finanzierung der Industrialisierung unseres Landes notwendigen Mittel - das war der Weg, der beschritten werden musste, um die Schaffung der Schwerindustrie und die Verwirklichung des Fünfjahrplans zu erreichen.

Eine kühne Aufgabe? Ein schwieriger Weg? Aber unsere Partei heißt eben deshalb die Partei Lenin s, weil sie nicht das Recht hat, Schwierigkeiten zu fürchten.

Mehr noch. Die Partei war davon, dass der Fünfjahrplan verwirklicht werden kann, so fest überzeugt, und ihr Glaube an die Kraft der Arbeiterklasse war so stark, dass sie es für möglich hielt, sich die Aufgabe zu stellen, dieses schwierige Werk nicht in fünf Jahren zu verwirklichen, wie dies der Fünfjahrplan verlangte, sondern in vier Jahren, eigentlich in vier Jahren und drei Monaten, wenn wir das Sonderquartal mitrechnen.

Auf dieser Grundlage entstand denn auch die berühmte Losung „Fünfjahrplan in vier Jahren“.

Und was geschah?

Die Tatsachen haben in der Folge gezeigt, dass die Partei Recht hatte.

Die Tatsachen haben gezeigt, dass ohne diese Kühnheit und ohne diesen Glauben an die Kräfte der Arbeiterklasse die Partei jenen Sieg nicht hätte erringen können, auf den wir jetzt mit Recht stolz sind.

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