"Stalin"

Werke

Band 13

VEREINIGTES PLENUM DES ZK UND DER ZKK
DER KPdSU(B)

DIE ERGEBNISSE DES ERSTEN FÜNFJAHRPLANS

Bericht am 7. Januar 1933

IV
DIE ERGEBNISSE DES FÜNFJAHRPLANS
IN VIER JAHREN
AUF DEM GEBIET DER LANDWIRTSCHAFT

Gehen wir nun zur Frage der Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Landwirtschaft über.

Der Fünfjahrplan auf dem Gebiet der Landwirtschaft ist ein Fünfjahrplan der Kollektivierung. Wovon ging die Partei bei der Durchführung der Kollektivierung aus?

Die Partei ging davon aus, dass zur Festigung der Diktatur des Proletariats und zur Errichtung der sozialistischen Gesellschaft außer der Industrialisierung noch der Übergang von der kleinen individuellen Bauernwirtschaft zu dem mit Traktoren und modernen landwirtschaftlichen Maschinen ausgerüsteten kollektiven landwirtschaftlichen Großbetrieb notwendig ist, als der einzig festen Grundlage der Sowjetmacht im Dorfe.

Die Partei ging davon aus, dass es ohne die Kollektivierung unmöglich ist, unser Land auf die breite Heerstraße der Errichtung des ökonomischen Fundaments des Sozialismus zu führen, dass es ohne die Kollektivierung unmöglich ist, die vielen Millionen der werktätigen Bauernschaft von Elend und Unwissenheit zu erlösen.

Lenin sagte:

„Mit der Kleinwirtschaft kann man aus der Not nicht herauskommen.“ (Siehe Bd. XXIV, S. 540[55].)

Lenin sagte:

„Wenn wir in althergebrachter Weise in kleinen Wirtschaften hocken bleiben, und sei es auch als freie Bürger auf freier Scholle, so droht uns dennoch der unvermeidliche Untergang.“ (Siehe Bd. XX, S.417[56].)

Lenin sagte:

„Nur durch gemeinsame, artelmäßige, genossenschaftliche Arbeit kann man aus der Sackgasse, in die uns der imperialistische Krieg getrieben hat, einen Ausweg finden.“ (Siehe Bd. XXIV, S. 537[57].)

Lenin sagte:

„Es ist notwendig, zur gemeinsamen Bodenbestellung in großen Musterwirtschaften überzugehen“, denn „sonst kann man aus der Zerrüttung, aus der geradezu verzweifelten Lage nicht herauskommen, in der sich Rußland befindet.“ (Siehe Bd. XX, S. 418[58].)

Davon ausgehend, gelangte Lenin zu der folgenden grundlegenden Schlussfolgerung:

„Nur in dem Falle, dass es gelingt, den Bauern die Vorzüge der gesellschaftlichen, kollektiven, gemeinschaftlichen, artelmäßigen Bodenbestellung in der Praxis vor Augen zu führen, nur wenn es gelingt, dem Bauern mittels der gemeinschaftlichen, der Artelwirtschaft zu helfen, nur dann wird die Arbeiterklasse, die die Staatsmacht in der Hand hat, den Bauern wirklich den Beweis erbringen, dass sie im Rechte ist, und die Millionenmassen der Bauern fest und wirklich auf ihre Seite ziehen.“ (Siehe Bd. XXIV, S. 579[59].)

Von diesen Thesen Lenin s ist die Partei bei der Durchführung des Programms der Kollektivierung der Landwirtschaft, des Programms des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der Landwirtschaft ausgegangen.

In Verbindung damit bestand die Aufgabe des Fünfjahrplans in der Landwirtschaft darin, die zersplitterten und kleinen individuellen Bauernwirtschaften, die nicht die Möglichkeit hatten, Traktoren und moderne landwirtschaftliche Maschinen anzuwenden, zu kollektiven, mit allen modernen Geräten einer hoch entwickelten Landwirtschaft ausgestatteten Großwirtschaften zu vereinigen und auf den restlichen freien Bodenflächen mustergültige Staatswirtschaften, Sowjetwirtschaften, zu errichten.

Die Aufgabe des Fünfjahrplans in der Landwirtschaft bestand darin, die UdSSR aus einem kleinbäuerlichen und rückständigen Land in ein Land landwirtschaftlicher Großbetriebe zu verwandeln, die auf der Grundlage der kollektiven Arbeit organisiert sind und den größten Prozentsatz an Warenproduktion ergeben.

Was hat die Partei bei der Durchführung des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Landwirtschaft erreicht? Hat sie dieses Programm erfüllt, oder hat sie eine Niederlage erlitten?

Die Partei hat erreicht, dass sie in nicht mehr als drei Jahren über 200000 Kollektivwirtschaften und an die 5000 Sowjetwirtschaften für Getreidebau und für Viehzucht zu organisieren vermochte und dass gleichzeitig in vier Jahren die Anbaufläche um 21 Millionen Hektar erweitert wurde.

Die Partei hat erreicht, dass die Kollektivwirtschaften jetzt mehr als 60 Prozent der Bauernwirtschaften vereinigen und mehr als 70 Prozent des gesamten bäuerlichen Bodens erfassen, was eine Erfüllung des Fünfjahrplans zu 300 Prozent bedeutet.

Die Partei hat erreicht, dass sie jetzt die Möglichkeit besitzt, statt der 500-600 Millionen Pud Warengetreide, die in der Periode der Vorherrschaft der individuellen Bauernwirtschaft aufgebracht wurden, 1200 bis 1400 Millionen Pud Warengetreide jährlich aufzubringen.

Die Partei hat erreicht, dass das Kulakentum als Klasse zerschmettert, wenn auch noch nicht restlos vernichtet ist, dass die werktätige Bauernschaft von der Knechtung und Ausbeutung durch die Kulaken befreit ist und dass für die Sowjetmacht im Dorfe eine feste ökonomische Basis geschaffen wurde, die Basis der kollektiven Wirtschaft.

Die Partei hat erreicht, dass die UdSSR aus einem Lande der kleinbäuerlichen Wirtschaft bereits zum Lande der größten landwirtschaftlichen Betriebe der Welt geworden ist.

Das sind im Großen und Ganzen die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Landwirtschaft.

Urteilen Sie jetzt selbst, was nach alledem von dem Geschwätz der bürgerlichen Presse vom „Zusammenbruch“ der Kollektivierung, vom „Scheitern“ des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der Landwirtschaft zu halten ist.

Und wie ist es um die Landwirtschaft in den kapitalistischen Ländern bestellt, die jetzt eine schwere Agrarkrise durchmachen?

Hier offizielle Angaben, die allen bekannt sind:

In den wichtigsten Getreide produzierenden Ländern beträgt der Rückgang der Anbaufläche 8-10 Prozent. Die Anbaufläche der Baumwolle ist in den Vereinigten Staaten um 15 Prozent, die Anbaufläche der Zuckerrüben in Deutschland und in der Tschechoslowakei um 22-30 Prozent, die Anbaufläche des Flachses in Litauen und Lettland um 25-30 Prozent zurückgegangen.

Nach den Angaben des amerikanischen Departements für Landwirtschaft ist der Wert der landwirtschaftlichen Gesamtproduktion in den Vereinigten Staaten von 11 Milliarden Dollar im Jahre 1929 auf 5 Milliarden Dollar im Jahre 1932 gesunken. Beim Getreide ist in dem gleichen Lande der Wert der Gesamtproduktion von 1288 Millionen Dollar im Jahre 1929 auf 391 Millionen Dollar im Jahre 1932 gesunken. Bei der Baumwolle ist dort ein Rückgang von 1389 Millionen Dollar im Jahre 1929 auf 397 Millionen Dollar im Jahre 1932 zu verzeichnen.

Sprechen nicht alle diese Tatsachen von der Überlegenheit des Sowjetsystems der Landwirtschaft über das kapitalistische System? Sprechen diese Tatsachen nicht davon, dass die Kollektivwirtschaften eine lebensfähigere Wirtschaftsform darstellen als die einzelbäuerlichen und kapitalistischen Wirtschaften?

Man sagt, die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften seien nicht ganz rentabel, sie verschlängen ungeheure Mittel, es hätte gar keinen Sinn, solche Betriebe aufrechtzuerhalten, es wäre zweckmäßiger, sie aufzulösen und nur diejenigen Betriebe aufrechtzuerhalten, die rentabel sind. So können aber nur Leute sprechen, die von den Fragen der Volkswirtschaft, von den Fragen der Ökonomik nichts verstehen. Mehr als die Hälfte der Textilbetriebe war vor einigen Jahren unrentabel. Ein Teil unserer Genossen schlug uns damals vor, diese Betriebe stillzulegen. Wo wären wir hingekommen, wenn wir ihnen gefolgt wären? Wir hätten das größte Verbrechen an dem Lande, an der Arbeiterklasse begangen, denn wir hätten damit unsere aufstrebende Industrie zugrunde gerichtet. Wie haben wir damals gehandelt? Wir haben etwas mehr als ein Jahr gewartet und erreicht, dass die ganze Textilindustrie rentabel wurde. Und unsere Autowerke in der Stadt Gorki? Auch sie sind doch einstweilen unrentabel. Wollen Sie, dass wir sie stilllegen? Oder unsere Eisenhüttenindustrie, die ebenfalls einstweilen unrentabel ist? Sollen wir sie etwa stilllegen, Genossen? Wenn man die Rentabilität so auffasst, dann dürften wir nur einige wenige Zweige der Industrie mit voller Kraft entwickeln, und zwar diejenigen, die den größten Gewinn abwerfen, zum Beispiel die Konditoreiwaren-, Mühlen-, Parfümerie-, Wirkwaren-, Spielwarenindustrie usw. Ich bin natürlich nicht gegen die Entwicklung dieser Industriezweige. Im Gegenteil, sie müssen entwickelt werden, da sie für die Bevölkerung gleichfalls notwendig sind. Aber erstens können sie nicht entwickelt werden ohne Maschinen und Brennstoffe, die ihnen die Schwerindustrie liefert. Zweitens kann die Leichtindustrie nicht die Basis der Industrialisierung sein. Darum handelt es sich, Genossen.

Die Rentabilität darf man nicht auf Krämerart, vom Standpunkt des Augenblicks betrachten. Die Rentabilität muss man vom Standpunkt der gesamten Volkswirtschaft in der Perspektive einiger Jahre betrachten. Nur ein solcher Standpunkt kann als wirklich Lenin istischer, wirklich marxistischer Standpunkt gelten. Und dieser Standpunkt ist obligatorisch nicht nur hinsichtlich der Industrie, sondern in noch höherem Grade hinsichtlich der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften. Bedenken Sie doch nur: In nicht mehr als drei Jahren haben wir über 200000 Kollektivwirtschaften und an die 5000 Sowjetwirtschaften geschaffen, das heißt, wir haben völlig neue Großbetriebe geschaffen, die für die Landwirtschaft von ebensolcher Bedeutung sind wie die großen Werke und Fabriken für die Industrie. Nennen Sie ein Land, das es vermocht hätte, im Verlauf von drei Jahren nicht etwa 205000 neue Großbetriebe, sondern auch nur 25000 solche Betriebe zu schaffen. Sie werden es nicht nennen können, denn ein solches Land gibt es nicht und hat es niemals gegeben. Wir aber haben 205000 neue Betriebe in der Landwirtschaft geschaffen. Und da zeigt sich nun, dass es in der Welt Leute gibt, die verlangen, dass diese Betriebe sofort rentabel werden, und wenn sie nicht sofort rentabel würden, so müsse man sie zerstören und auflösen. Ist es nicht klar, dass die Lorbeeren des Herostrat diese mehr als sonderbaren Leute nicht schlafen lassen?

Wenn ich von der Unrentabilität der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften spreche, so will ich damit durchaus nicht sagen, dass sie alle unrentabel sind. Keine Spur! Jedermann weiß, dass es schon jetzt eine ganze Reihe von hochrentablen Kollektiv- und Sowjetwirtschaften gibt. Wir haben Tausende von Kollektivwirtschaften und Dutzende von Sowjetwirtschaften, die schon jetzt völlig rentabel sind. Diese Kollektiv- und Sowjetwirtschaften sind der Stolz unserer Partei, der Stolz der Sowjetmacht. Die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften sind natürlich nicht überall gleichartig. Unter den Kollektiv- und Sowjetwirtschaften gibt es alte, neue und ganz junge. Das sind noch schwache, noch nicht voll entwickelte Wirtschaftsorganismen. Sie machen in ihrem organisatorischen Aufbau annähernd die gleiche Periode durch, die unsere Industriebetriebe in den Jahren 1920 und 1921 durchgemacht haben. Es ist klar, dass sie in ihrer Mehrzahl noch nicht rentabel sein können. Dass sie aber im Verlauf von 2 bis 3 Jahren rentabel sein werden, genauso wie unsere Industriebetriebe nach dem Jahre 1921 rentabel geworden sind - darüber kann kein Zweifel bestehen. Wollte man ihnen aus dem Grunde, weil sie im Augenblick nicht alle rentabel sind, Hilfe und Unterstützung verweigern, so würde man das größte Verbrechen an der Arbeiterklasse und an der Bauernschaft begehen. Nur Volksfeinde und Konterrevolutionäre können die Behauptung aufstellen, dass die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften unnötig seien.

Bei der Verwirklichung des Fünfjahrplans in der Landwirtschaft hat die Partei die Kollektivierung in beschleunigtem Tempo durchgeführt. Hat die Partei richtig gehandelt, als sie die Politik des beschleunigten Kollektivierungstempos betrieb? Ja, sie hat unbedingt richtig gehandelt, obwohl es hier nicht ohne einen gewissen Übereifer abgegangen ist. Bei der Durchführung der Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse und bei der Vernichtung der Kulakennester konnte die Partei nicht auf halbem Wege stehen bleiben - sie musste dieses Werk zu Ende führen. Das als erstes.

Zweitens hatte die Partei, da sie einerseits über Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen verfügte und sich anderseits das Fehlen von Privateigentum an Grund und Boden (Nationalisierung des Bodens!) zunutze machte, alle Möglichkeiten, um die Kollektivierung der Landwirtschaft zu forcieren. Und sie hat auf diesem Gebiet in der Tat einen gewaltigen Erfolg errungen, denn sie hat das Programm des Fünfjahrplans der Kollektivierung zu 300 Prozent verwirklicht.

Bedeutet das, dass wir auch in der Periode des zweiten Fünfjahrplans eine Politik des forcierten Tempos der Kollektivierung betreiben sollen? Nein, das bedeutet es nicht. Die Sache ist die, dass wir in den wichtigsten Gebieten der UdSSR die Kollektivierung im Wesentlichen bereits abgeschlossen haben. Wir haben also auf diesem Gebiet mehr geleistet, als man erwarten konnte. Und wir haben nicht nur die Kollektivierung im Wesentlichen abgeschlossen, wir haben auch erreicht, dass die gewaltige Mehrheit der Bauernschaft die Kollektivwirtschaften als die geeignetste Wirtschaftsform erkannt hat. Das ist eine gewaltige Errungenschaft, Genossen. Lohnt es sich hiernach, sich für ein schnelles Tempo der Kollektivierung zu ereifern? Es ist klar, dass es sich nicht lohnt.

Jetzt handelt es sich nicht mehr um ein beschleunigtes Tempo der Kollektivierung und noch weniger um Sein oder Nichtsein der Kollektivwirtschaften - diese Frage ist bereits positiv entschieden. Die Kollektivwirtschaften haben festen Fuß gefasst, und der Weg zu der alten, der Einzelwirtschaft ist endgültig versperrt. Jetzt besteht die Aufgabe darin, die Kollektivwirtschaften organisatorisch zu festigen, die Schädlingselemente aus ihnen zu vertreiben, echte, bewährte bolschewistische Kader für die Kollektivwirtschaften auszuwählen und die Kollektivwirtschaften wirklich bolschewistisch zu machen.

Das ist jetzt die Hauptsache.

So steht es um den Fünfjahrplan in vier Jahren auf dem Gebiet der Landwirtschaft.

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