"Stalin"

Werke

Band 13

VEREINIGTES PLENUM DES ZK UND DER ZKK
DER KPdSU(B)

DIE ERGEBNISSE DES ERSTEN FÜNFJAHRPLANS

Bericht am 7. Januar 1933

V
DIE ERGEBNISSE DES FÜNFJAHRPLANS
IN VIER JAHREN AUF DEM GEBIET DER VERBESSERUNG
DER MATERIELLEN LAGE DER ARBEITER UND BAUERN

Ich habe vorhin über die Erfolge in Industrie und Landwirtschaft, über den Aufschwung der Industrie und der Landwirtschaft in der UdSSR gesprochen. Welche Ergebnisse haben diese Erfolge vom Standpunkt der Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern gebracht? Worin bestehen die Hauptergebnisse unserer Erfolge in Industrie und Landwirtschaft vom Standpunkt der radikalen Verbesserung der materiellen Lage der Werktätigen?

Sie bestehen erstens darin, dass die Arbeitslosigkeit überwunden und die Ungewissheit der Arbeiter über den morgigen Tag beseitigt ist.

Sie bestehen zweitens darin, dass nahezu die gesamte arme Bauernschaft durch den kollektivwirtschaftlichen Aufbau erfasst ist, wodurch der Differenzierung der Bauernschaft in Kurlaken und arme Bauern Einhalt geboten und zugleich der Verelendung und dem Pauperismus im Dorfe ein Ende gemacht worden ist.

Das ist eine gewaltige Errungenschaft, Genossen, von der kein einziger bürgerlicher Staat, und sei es der „demokratischste“, auch nur zu träumen wagt.

Bei uns, in der UdSSR, haben die Arbeiter schon längst vergessen, was Arbeitslosigkeit ist. Vor etwa drei Jahren hatten wir an die anderthalb Millionen Arbeitslose. Jetzt sind es schon zwei Jahre, dass wir die Arbeitslosigkeit überwunden haben. Und die Arbeiter haben während dieser Zeit die Arbeitslosigkeit, ihren Druck, ihre Schrecken schon vergessen. Sehen Sie sich doch die kapitalistischen Länder an, was für fürchterliche Dinge dort infolge der Arbeitslosigkeit geschehen. In diesen Ländern gibt es jetzt nicht weniger als 30-40 Millionen Arbeitslose. Was sind das für Menschen? Man spricht von ihnen gewöhnlich als von „erledigten Menschen“.

Täglich bewerben sie sich um Arbeit, befinden sie sich auf der Suche nach Arbeit und sind bereit, unter fast beliebigen Bedingungen Arbeit anzunehmen, aber sie werden nicht eingestellt, denn sie sind „überflüssige“ Menschen. Und das geschieht zu einer Zeit, da gewaltige Massen von Waren und Produkten vergeudet werden, um den Launen der vom Schicksal Verwöhnten, der Kapitalisten- und Gutsbesitzersöhnchen, Genüge zu tun.

Man verweigert den Arbeitslosen die Nahrung, weil sie sie nicht bezahlen können, man verweigert ihnen ein Obdach, weil sie die Miete nicht bezahlen können. Wovon und wo leben sie? Sie leben von dürftigen Brosamen, die von der Herren Tische fallen, sie wühlen in den Müllkästen, wo sie verfaulte Nahrungsmittelreste finden, sie leben in den Elendsquartieren der Großstädte, zumeist aber in elenden Hütten außerhalb der Stadt, die von den Arbeitslosen aus Kistenbrettern und Baumrinde notdürftig zusammengezimmert werden. Aber das ist noch nicht alles. Unter der Arbeitslosigkeit leiden nicht nur die Arbeitslosen. Auch die beschäftigten Arbeiter leiden unter ihr. Sie leiden deshalb, weil das Vorhandensein einer großen Zahl von Arbeitslosen für sie eine unsichere Lage im Betrieb, eine Ungewissheit über den morgigen Tag schafft. Heute arbeiten sie im Betrieb, doch sind sie nicht sicher, ob sie morgen beim Erwachen nicht erfahren, dass sie bereits entlassen sind.

Eine der Haupterrungenschaften des Fünfjahrplans in vier Jahren besteht darin, dass wir die Arbeitslosigkeit beseitigt und die Arbeiter der UdSSR von ihren Schrecken erlöst haben.

Dasselbe ist über die Bauern zu sagen. Sie ihrerseits haben die Differenzierung der Bauern in Kulaken und arme Bauern, die Ausbeutung der armen Bauern durch die Kulaken, den Ruin vergessen, der jährlich Hunderttausende und Millionen von armen Bauern an den Bettelstab brachte. Vor 3-4 Jahren gab es bei uns an armen Bauern nicht weniger als 30 Prozent der gesamten bäuerlichen Bevölkerung. Das waren ungefähr zwanzig Millionen Menschen. Noch früher, vor der Oktoberrevolution, machten die armen Bauern nicht weniger als 60 Prozent der bäuerlichen Bevölkerung aus. Was stellen die armen Bauern dar? Das sind Menschen, denen in der Wirtschaft gewöhnlich entweder das Saatgut fehlte oder die kein Pferd, keine Arbeitsgeräte hatten, oder denen alle diese Dinge zusammen fehlten. Die armen Bauern sind Menschen, die ein Hungerdasein fristeten und in der Regel das Joch der Kulaken trugen, in der alten Zeit aber sowohl das der Kulaken als auch das der Gutsbesitzer. Noch vor ganz kurzer Zeit zogen jährlich mehr als zwei Millionen arme Bauern auf Arbeitsuche nach dem Süden, nach dem Nordkaukasus und in die Ukraine, um dort als Tagelöhner bei Kulaken, und noch früher bei Kulaken und Gutsbesitzern, Verdienst zu suchen. In noch größerer Zahl kamen sie jährlich vor die Fabriktore und füllten die Reihen der Arbeitslosen. Und nicht nur die armen Bauern befanden sich in einer solchen elenden Lage. Gut die Hälfte der Mittelbauern litt unter dem gleichen Elend und den gleichen Entbehrungen wie die armen Bauern. Alles das haben die Bauern schon vergessen.

Was hat der Fünfjahrplan in vier Jahren den armen Bauern und den unteren Schichten der Mittelbauern gegeben? Er hat dem Kulakentum als Klasse den Boden entzogen und es zerschlagen und damit die armen Bauern und gut die Hälfte der Mittelbauern vom Kulakenjoch befreit. Er hat sie in die Kollektivwirtschaften einbezogen und eine gesicherte Existenz für sie geschaffen. Er hat damit die Differenzierung der Bauernschaft in Ausbeuter - Kulaken - und in Ausgebeutete - arme Bauern - unmöglich gemacht und das Elend im Dorf beseitigt. Er hat die armen Bauern und die unteren Schichten der Mittelbauern in den Kollektivwirtschaften zu Menschen mit gesicherter Existenz gemacht und damit dem Prozess des Ruins und der Verelendung der Bauernschaft ein Ende gesetzt. Es kommt jetzt bei uns nicht mehr vor, dass sich Millionen von Bauern jährlich von der heimatlichen Scholle losreißen und auf der Suche nach Verdienst in ferne Gebiete ziehen. Will man jetzt den Bauern für eine Arbeit irgendwo außerhalb seiner eigenen Kollektivwirtschaft gewinnen, so muss man einen Vertrag mit der Kollektivwirtschaft unterschreiben und darüber hinaus dem Kollektivbauern noch unentgeltliche Eisenbahnfahrt gewähren. Es kommt jetzt bei uns nicht mehr vor, dass Hunderttausende und Millionen Bauern ruiniert werden und die Tore der Fabriken und Werke umlagern. So etwas hat es gegeben, aber das ist schon längst vorbei. Jetzt ist der Bauer ein Landwirt mit gesicherter Existenz, Mitglied der Kollektivwirtschaft, ihm stehen Traktoren, landwirtschaftliche Maschinen, Saatgutfonds, Reservefonds usw. usf. zur Verfügung.

Das ist es, was der Fünfjahrplan den armen Bauern und den unteren Schichten der Mittelbauern gegeben hat.

Das ist das Wesen der Haupterrungenschaften des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern.

Als Ergebnis dieser Haupterrungenschaften auf dem Gebiet der Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern haben wir im ersten Planjahrfünft:

a) die Verdoppelung der Zahl der Arbeiter und Angestellten in der Großindustrie im Vergleich mit dem Jahre 1928, was eine Übererfüllung des Fünfjahrplans um 57 Prozent ergibt;

b) das Anwachsen des Volkseinkommens - folglich ein Anwachsen des Einkommens der Arbeiter und Bauern -, das im Jahre 1932 45,1 Milliarden Rubel erreicht hat, was eine Steigerung um 85 Prozent im Vergleich mit dem Jahre 1928 ergibt;

c) das Anwachsen des durchschnittlichen Jahreslohns der Arbeiter und Angestellten der Großindustrie um 67 Prozent im Vergleich mit dem Jahre 1928, was eine Übererfüllung des Fünfjahrplans um 18 Prozent ergibt;

d) das Anwachsen des Sozialversicherungsfonds uni 292 Prozent im Vergleich mit dem Jahre 1928 (4120 Millionen Rubel im Jahre 1932 gegenüber 1050 Millionen Rubel im Jahre 1928), was eine Übererfüllung des Fünfjahrplans um 111 Prozent ergibt;

e) die Erweiterung der Werkküchenverpflegung, von der mehr als 70 Prozent der Arbeiter der ausschlaggebenden Industriezweige erfasst sind, was eine Übererfüllung des Plans um 500 Prozent ergibt.

Wir haben natürlich noch nicht die restlose Befriedigung der materiellen Bedürfnisse der Arbeiter und Bauern erreicht. Und wir werden sie in den nächsten Jahren kaum erreichen. Aber wir haben zweifellos erreicht, dass sich die materielle Lage der Arbeiter und Bauern bei uns von Jahr zu Jahr verbessert. Bezweifeln können das höchstens geschworene Feinde der Sowjetmacht oder vielleicht manche Vertreter der bürgerlichen Presse, darunter auch ein Teil der Korrespondenten dieser Presse in Moskau, die von der Ökonomik der Völker und von der Lage der Werktätigen kaum mehr verstehen als, sagen wir, der abessinische Kaiser von höherer Mathematik.

Und wie steht es um die materielle Lage der Arbeiter und Bauern in den kapitalistischen Ländern?

Hier die offiziellen Angaben.

Die Zahl der Arbeitslosen in den kapitalistischen Ländern ist katastrophal gestiegen. In den Vereinigten Staaten ist nach offiziellen Angaben die Zahl der beschäftigten Arbeiter allein in der verarbeitenden Industrie von 8,5 Millionen im Jahre 1928 auf 5,5 Millionen im Jahre 1932 zurückgegangen, und nach den Angaben der Amerikanischen Arbeitsföderation erreichte die Zahl der Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten in der gesamten Industrie Ende 1932 an die 11 Millionen. In England ist die Zahl der Arbeitslosen nach den Angaben der offiziellen Statistik von 1290000 im Jahre 1928 auf 2,8 Millionen im Jahre 1932 gestiegen. In Deutschland ist die Zahl der Arbeitslosen nach offiziellen Angaben von 1376000 im Jahre 1928 auf 5,5 Millionen im Jahre 1932 gestiegen. Dasselbe Bild ist in allen kapitalistischen Ländern zu beobachten, wobei die offizielle Statistik die Angaben über die Arbeitslosen, deren Zahl in den kapitalistischen Ländern zwischen 35 und 40 Millionen schwankt, in der Regel zu gering ansetzt.

Der Lohn der Arbeiter wird systematisch abgebaut. Nach offiziellen Angaben hat der Abbau des durchschnittlichen Monatslohns im Vergleich mit dem Jahre 1928 in den Vereinigten Staaten 35 Prozent erreicht, in England in derselben Zeit 15 Prozent, in Deutschland sogar 50 Prozent. Nach den Berechnungen der Amerikanischen Arbeitsföderation betrug der Verlust der amerikanischen Arbeiterschaft infolge des Lohnabbaus im Jahre 1930131 mehr als 35 Milliarden Dollar.

Die ohnehin unbedeutenden Sozialleistungen zugunsten der Arbeiter sind in England und Deutschland bedeutend gekürzt worden. In den Vereinigten Staaten und in Frankreich gibt es überhaupt keine oder fast keine Formen der Arbeitslosenversicherung, was zur Folge hat, dass die Zahl der obdachlosen Arbeiter und der verwahrlosten Kinder, insbesondere in den Vereinigten Staaten, kolossal anwächst.

Nicht besser ist die Lage der Bauernmassen in den kapitalistischen Ländern, wo die Agrarkrise die Bauernwirtschaft von Grund aus unterhöhlt und Millionen ruinierter Bauern und Farmer an den Bettelstab bringt.

Das sind die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Verbesserung der materiellen Lage der Werktätigen der UdSSR.

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