"Stalin"

Werke

Band 13

VEREINIGTES PLENUM DES ZK UND DER ZKK
DER KPdSU(B)

DIE ERGEBNISSE DES ERSTEN FÜNFJAHRPLANS

Bericht am 7. Januar 1933

VI
DIE ERGEBNISSE DES FÜNFJAHRPLANS
IN VIER JAHREN AUF DEM GEBIET DES
WARENUMSATZES ZWISCHEN STADT UND LAND

Gehen wir nun zur Frage der Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet des Wachstums des Warenumsatzes zwischen Stadt und Land über.

Das gewaltige Wachstum der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion, das Wachstum der Warenüberschüsse sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft und schließlich das Anwachsen der Bedürfnisse der Arbeiter und Bauern - all das musste zur Belebung und Erweiterung des Warenumsatzes zwischen Stadt und Land führen und hat auch in der Tat dazu geführt.

Der Zusammenschluss von Stadt und Land auf dem Gebiet der Produktion ist die grundlegende Form des Zusammenschlusses. Aber der Zusammenschluss allein auf dem Gebiet der Produktion genügt nicht. Er muss durch einen regen Warenumsatz ergänzt werden, damit die Verbindung zwischen Stadt und Land fest und unzertrennbar wird. Das kann nur durch die Entfaltung des Sowjethandels erreicht werden. Es wäre falsch zu glauben, dass zur Entfaltung des Sowjethandels ein Kanal allein, zum Beispiel die Genossenschaften, genüge. Zur Entfaltung des Sowjethandels müssen alle Kanäle benutzt werden: das Genossenschaftsnetz, das Netz des staatlichen Handels und der kollektivwirtschaftliche Handel.

Manche Genossen glauben, dass die Entfaltung des Sowjethandels, besonders aber die Entfaltung des kollektivwirtschaftlichen Handels, eine Rückkehr zum ersten Stadium der NÖP darstelle. Das ist absolut falsch.

Zwischen dem Sowjethandel, darunter auch dem kollektivwirtschaftlichen Handel, und dem Handel des ersten Stadiums der NÖP besteht ein grundlegender Unterschied.

Im ersten Stadium der NÖP haben wir eine Belebung des Kapitalismus, haben wir den privaten Warenumsatz, die „Tätigkeit“ von Privathändlern, Kapitalisten und Spekulanten zugelassen.

Das war ein mehr oder weniger freier, nur durch die regulierende Rolle des Staates beschränkter Handel. Damals nahm der privatkapitalistische Sektor im Warenumsatz des Landes einen ziemlich großen Platz ein. Ich spreche schon gar nicht davon, dass wir damals weder eine so entwickelte Industrie hatten wie heute noch Kollektiv- und Sowjetwirtschaften, die nach einem Plan arbeiten und dem Staat gewaltige Reserven an landwirtschaftlichen Produkten und städtischen Erzeugnissen zur Verfügung stellen.

Kann man nun sagen, dass wir gegenwärtig in der gleichen Lage sind? Natürlich nicht.

Erstens darf der Sowjethandel keineswegs mit dein Handel im ersten Stadium der NÖP auf eine Stufe gestellt werden, obwohl auch dieser vom Staat reguliert wurde. Während der Handel im ersten Stadium der NOP eine Belebung des Kapitalismus und das Wirken eines privatkapitalistischen Sektors im Warenumsatz zuließ, hat der Sowjethandel die Ablehnung, das Fehlen des einen wie des anderen zur Voraussetzung. Was ist Sowjethandel? Sowjethandel ist Handel ohne Kapitalisten, ohne kleine und große Kapitalisten, Handel ohne Spekulanten, ohne kleine und große Spekulanten. Das ist eine besondere Art Handel, wie ihn die Geschichte bis jetzt noch nicht gekannt hat und den nur wir Bolschewiki unter sowjetischen Entwicklungsbedingungen betreiben.

Zweitens haben wir jetzt eine genügend entwickelte staatliche Industrie und ein ganzes System von Kollektiv- und Sowjetwirtschaften, die dem Staat gewaltige Reserven an landwirtschaftlichen und Industriewaren zur Entfaltung des Sowjethandels sichern. Das gab es nicht und konnte es auch nicht geben unter den Bedingungen des ersten Stadiums der NÖP.

Drittens haben wir es erreicht, dass wir in der letzten Zeit die Privathändler, Kaufleute und Zwischenhändler aller Art aus dem Warenumsatz völlig verdrängt haben. Natürlich schließt das nicht aus, dass im Warenumsatz nach dem Gesetz des Atavismus neuerlich Privathändler und Spekulanten auftauchen können, die das für sie geeignetste Feld, nämlich den kollektivwirtschaftlichen Handel, für ihre Zwecke ausnutzen. Mehr noch, die Kollektivbauern selbst sind zuweilen nicht abgeneigt, sich auf Spekulation einzulassen, was ihnen natürlich nicht zur Ehre gereicht. Aber gegen diese ungesunden Erscheinungen existiert bei uns das unlängst erlassene Gesetz der Sowjetmacht über die Maßnahmen zur Verhinderung der Spekulation und zur Bestrafung der Spekulanten.[60] Sie wissen natürlich, dass diesem Gesetz nicht besondere Milde vorgeworfen werden kann. Sie werden natürlich begreifen, dass es ein solches Gesetz unter den Bedingungen des ersten Stadiums der NÖP weder gab noch geben konnte.

Sie sehen also: Wer nach alledem von einer Rückkehr zum Handel des ersten Stadiums der NÖP redet, der versteht nichts, rein gar nichts von unserer Sowjetökonomik.

Man sagt uns, dass es unmöglich sei, den Handel zu entfalten, selbst wenn es der Sowjethandel ist, ohne eine gesunde Geldwirtschaft und eine gesunde Valuta zu haben, dass vor allem die Geldwirtschaft und unsere Sowjetvaluta, die angeblich gar keinen Wert darstelle, kuriert werden müssten. Das sagen uns die Ökonomen der kapitalistischen Länder. Ich glaube, dass diese verehrten Ökonomen von politischer Ökonomie nicht mehr verstehen als, sagen wir, der Erzbischof von Canterbury von antireligiöser Propaganda. Wie kann man behaupten, dass unsere Sowjetvaluta keinen Wert habe? Ist es etwa nicht Tatsache, dass wir mit dieser Valuta die Magnitogorsker Werke, die Dnjepr-Kraftwerke, die Kusnezker Werke, die Traktorenwerke in Stalingrad und Charkow, die Automobilwerke in Gorki und Moskau gebaut, Hunderttausende Kollektivwirtschaften und Tausende Sowjetwirtschaften errichtet haben? Glauben diese Herren etwa, dass alle diese Betriebe aus Stroh oder aus Lehm und nicht aus wirklichen, bestimmten Wert besitzenden Materialien erbaut worden sind? Wodurch wird die Stabilität der Sowjetvaluta gesichert, allerdings wenn wir den organisierten Markt im Auge haben, dem im Warenumsatz des Landes entscheidende Bedeutung zukommt, und nicht den unorganisierten Markt, der nur untergeordnete Bedeutung hat? Natürlich nicht allein durch Goldreserven. Die Stabilität der Sowjetvaluta wird vor allem durch die gewaltige Menge von Waren in den Händen des Staates, die zu festen Preisen umgesetzt werden, gesichert. Wer von den Ökonomen kann bestreiten, dass eine solche Sicherung, die nur in der UdSSR vorhanden ist, eine realere Sicherung der Stabilität der Valuta darstellt als jede beliebige Goldreserve? Werden die Ökonomen der kapitalistischen Länder jemals begreifen, dass sie mit der Theorie der Goldreserve als der „einzigen“ Sicherung der Stabilität der Valuta endgültig in eine Sackgasse geraten sind?

So steht es um die Fragen, die mit der Entfaltung des Sowjethandels zusammenhängen.

Was haben wir dank der Durchführung des Fünfjahrplans in der Entfaltung des Sowjethandels erreicht?

Wir haben im Ergebnis des Fünfjahrplans:

a) die Vergrößerung der Produktion der Leichtindustrie, die im Vergleich mit dem Jahre 1928 auf 187 Prozent gestiegen ist;

b) das Anwachsen des genossenschaftlichen und staatlichen Einzelhandelsumsatzes, der gegenwärtig in Preisen von 1932 39,6 Milliarden Rubel beträgt, das ist eine Steigerung der Warenmasse im Einzelhandel im Vergleich mit dem Jahre 1928 auf 175 Prozent;

c) die Erweiterung des staatlichen und genossenschaftlichen Handelsnetzes um 158000 Läden und Verkaufsstellen im Vergleich mit dem Jahre 1929;

d) die immer größere Entfaltung des kollektivwirtschaftlichen Handels und die immer umfangreichere Beschaffung landwirtschaftlicher Produkte durch die einzelnen staatlichen und genossenschaftlichen Organisationen.

Das sind die Tatsachen.

Ein völlig anderes Bild zeigt die Lage des Warenumsatzes in den kapitalistischen Ländern, wo die Krise zu einer katastrophalen Schrumpfung des Handels, zur massenhaften Stilllegung von Betrieben und zum Ruin der kleinen und mittleren Kaufleute, zum Bankrott großer Handelsfirmen und zu übermäßigen Warenvorräten im Handel bei andauerndem Sinken der Kaufkraft der werktätigen Massen geführt hat.

Das sind die Ergebnisse des Fünfjahrplans in vier Jahren auf dem Gebiet der Entwicklung des Warenumsatzes.

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