"Stalin"

Werke

Band 13

VEREINIGTES PLENUM DES ZK UND DER ZKK
DER KPdSU(B)

ÜBER DIE ARBEIT AUF DEM LANDE

Rede am 11. Januar 1933

Genossen! Ich glaube, dass die Redner den Stand der Parteiarbeit auf dem Lande, ihre Mängel, ihre Vorzüge - besonders ihre Mängel - richtig umrissen haben. Und dennoch scheint mir, dass sie über die Mängel unserer Arbeit auf dem Lande das Wichtigste nicht gesagt, die Wurzeln dieser Mängel nicht aufgezeigt haben. Indes ist diese Seite für uns von größtem Interesse. Erlauben Sie mir daher, meine Meinung über die Mängel unserer Arbeit auf dem Lande auszusprechen, mit all der Offenheit auszusprechen, wie sie den Bolschewiki eigen ist.

Worin besteht der Hauptmangel unserer Arbeit auf dem Lande im letzten Jahr, im Jahre 1932?

Der Hauptmangel besteht darin, dass die Getreidebeschaffung in diesem Jahr unter größeren Schwierigkeiten verlaufen ist als im vorhergehenden Jahr, im Jahre 1931.

Das läßt sich durchaus nicht mit einer schlechten Ernte erklären, weil die Ernte in diesem Jahr bei uns nicht schlechter, sondern besser war als im vorhergehenden Jahr. Niemand kann bestreiten, dass der Gesamtertrag der Getreideernte 1932 größer war als im Jahre 1931, als die Dürre in fünf Hauptgebieten des Nordostens der UdSSR sich sehr nachteilig auf die Getreidebilanz des Landes auswirkte. Gewiss hatten wir auch 1932 einige Ernteausfälle infolge ungünstiger Witterungsverhältnisse am Kuban und am Terek und ebenso in einigen Gebieten der Ukraine. Aber es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass diese Verluste nicht einmal halb so groß sind wie die Verluste, die 1931 infolge der Dürre in den Nordostgebieten der UdSSR zu verzeichnen waren. Es gab also 1932 bei uns im Lande mehr Getreide als 1931. Und dennoch, trotz dieses Umstands, verlief die Getreidebeschaffung im Jahre 1932 bei uns unter größeren Schwierigkeiten als im vorhergehenden Jahr.

Woran liegt das? Was ist die Ursache dieser Unzulänglichkeiten in unserer Arbeit? Wodurch ist dieses Missverhältnis zu erklären?

1. Dies ist vor allem dadurch zu erklären, dass es unsere Genossen an Ort und Stelle, unsere Funktionäre auf dem Lande nicht verstanden haben, der neuen Lage auf dem Lande, die die Einführung des kollektivwirtschaftlichen Getreidehandels mit sich brachte, Rechnung zu tragen. Und gerade weil sie der neuen Lage nicht Rechnung trugen, gerade deshalb haben sie es nicht verstanden, sich entsprechend der neuen Lage umzustellen. Solange es keinen kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel gab, solange es nicht zweierlei Getreidepreise gab, den staatlichen und den Marktpreis, hatten wir auf dem Lande eine bestimmte Lage. Mit der Einführung des kollektivwirtschaftlichen Getreidehandels musste sich die Lage schroff ändern, weil die Einführung des kollektivwirtschaftlichen Handels die Legalisierung des Marktpreises für Getreide bedeutet, eines Preises, der höher ist als der festgesetzte staatliche Preis. Es braucht nicht erst bewiesen zu werden, dass dieser Umstand bei den Bauern eine gewisse Zurückhaltung in der Getreideablieferung an den Staat hervorrufen musste. Der Bauer rechnete so: „Der kollektivwirtschaftliche Getreidehandel ist eingeführt, der Marktpreis ist legalisiert, auf dem Markt kann ich für die gleiche Getreidemenge mehr bekommen als bei der Getreideablieferung an den Staat - folglich muss ich, wenn ich kein Dummkopf sein will, das Getreide eine Zeitlang zurückhalten, dem Staat weniger Getreide abliefern, für den kollektivwirtschaftlichen Handel mehr zurückbehalten und auf diese Weise erreichen, dass ich für die gleiche Menge verkauften Getreides mehr erziele.“

Die einfachste und natürlichste Logik!

Aber das Schlimme dabei ist, dass unsere Funktionäre auf dem Lande, jedenfalls viele von ihnen, diese einfache und natürliche Sache nicht begriffen haben. Um die Erfüllung der Aufgaben der Sowjetmacht nicht zu gefährden, hätten die Kommunisten angesichts dieser neuen Lage schon von den allerersten Erntetagen an, schon im Juli 1932, die Getreidebeschaffung in jeder Weise fördern und vorantreiben müssen. Das erforderte die Lage. Aber wie haben sie in Wirklichkeit gehandelt? Statt die Getreidebeschaffung voranzutreiben, begannen sie, die Bildung aller möglichen Fonds in den Kollektivwirtschaften zu forcieren, wodurch sie die Ablieferungspflichtigen darin bestärkten, bei der Erfüllung ihrer Verpflichtungen gegenüber dem Staat Zurückhaltung zu üben. Da sie die neue Lage nicht verstanden, befürchteten sie nicht etwa, dass die Zurückhaltung der Bauern bei der Getreideablieferung die Getreidebeschaffung hemmen könnte, sie befürchteten vielmehr, die Bauern würden nicht auf den Gedanken kommen, das Getreide eine Zeitlang zurückzuhalten, um es dann im kollektivwirtschaftlichen Handel auf den Markt zu bringen, und könnten es sich gar einfallen lassen, ihr ganzes Getreide sofort an die Elevatoren abzuliefern.

Mit anderen Worten: Unsere Kommunisten auf dem Lande, mindestens aber die Mehrzahl von ihnen, nahmen den kollektivwirtschaftlichen Handel nur von seiner positiven Seite, sie verstanden und erfassten seine positive Seite, aber die negativen Seiten des kollektivwirtschaftlichen Handels verstanden und erfassten sie ganz und gar nicht, sie begriffen nicht, dass die negativen Seiten des kollektivwirtschaftlichen Handels dem Staat großen Schaden zufügen können, wenn sie, das heißt die Kommunisten, nicht gleich in den ersten Tagen der Getreideernte beginnen, die Getreidebeschaffungskampagne mit aller Kraft voranzutreiben.

Und dieser Fehler wurde nicht nur von Funktionären der Kollektivwirtschaften begangen. Er wurde auch von Direktoren der Sowjetwirtschaften begangen, die das Getreide, das an den Staat abgeliefert werden sollte, in verbrecherischer Weise zurückhielten und anderweitig zu höherem Preis zu verkaufen begannen.

Haben der Rat der Volkskommissare und das ZK dieser neuen Lage, die sich im Zusammenhang mit dem kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel ergeben hatte, in ihrem bekannten Beschluss über die Entfaltung des kollektivwirtschaftlichen Handels62] Rechnung getragen? Ja, sie haben es getan. In diesem Beschluss heißt es ausdrücklich, dass der kollektivwirtschaftliche Getreidehandel erst aufgenommen werden darf, wenn der Getreidebeschaffungsplan restlos erfüllt und das Saatgut bereitgestellt ist. Dort heißt es ausdrücklich, dass erst nach Abschluss der Getreidebeschaffung und der Bereitstellung des Saatguts, ungefähr um den 15. Januar 1933, dass erst nach Erfüllung dieser Bedingungen der kollektivwirtschaftliche Getreidehandel aufgenommen werden dürfe. Mit diesem ihrem Beschluss haben der Rat der Volkskommissare und das ZK unseren Funktionären auf dem Lande gleichsam erklärt: Lasst euch nicht durch die Sorge um Fonds und Reserven aller Art ablenken, lasst euch nicht von der Hauptaufgabe abbringen, entfaltet die Getreidebeschaffung schon von den ersten Erntetagen an und forciert sie, denn das erste Gebot ist die Erfüllung des Plans der Getreidebeschaffung, das zweite Gebot ist die Bereitstellung des Saatguts, und erst nach Erfüllung dieser Bedingungen könnt ihr den kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel beginnen und zur Entfaltung bringen.

Der Fehler des Politbüros des ZK und des Rates der Volkskommissare bestand vielleicht darin, dass sie diese Seite der Sache nicht genügend eindringlich betont und unsere Funktionäre auf dem Lande nicht laut genug vor den Gefahren gewarnt haben, die der kollektivwirtschaftliche Handel in sich birgt. Dass sie jedoch vor diesen Gefahren gewarnt, und zwar deutlich genug gewarnt haben - darüber kann keinerlei Zweifel bestehen. Man muss zugeben, dass das ZK und der Rat der Volkskommissare die Lenin sche Stählung und den Scharfblick unserer örtlichen Funktionäre, nicht nur der Bezirksfunktionäre, sondern auch einer Reihe von Gebietsfunktionären, etwas überschätzt haben.

Hätte man vielleicht den kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel nicht einführen sollen? War das vielleicht ein Fehler, besonders wenn man berücksichtigt, dass der kollektivwirtschaftliche Handel nicht nur positive, sondern auch gewisse negative Seiten hat?

Nein, das war kein Fehler. Keine einzige revolutionäre Maßnahme ist gegen gewisse negative Seiten gefeit, wenn sie falsch durchgeführt wird.

Das gleiche gilt für den kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel. Der kollektivwirtschaftliche Handel ist notwendig und vorteilhaft sowohl für das Dorf als auch für die Stadt, sowohl für die Arbeiterklasse als auch für die Bauernschaft. Und eben weil er vorteilhaft ist, musste man ihn einführen.

Wovon ließen sich der Rat der Volkskommissare und das ZK leiten, als sie den kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel einführten?

Vor allem von dem Bestreben, die Grundlagen des Warenumsatzes zwischen Stadt und Land zu erweitern und die Versorgung der Arbeiter mit landwirtschaftlichen Produkten und der Bauern mit städtischen Erzeugnissen zu verbessern. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass der staatliche und der genossenschaftliche Handel allein dazu nicht genügen. Diese Kanäle des Warenumsatzes mussten durch einen neuen Kanal, durch den kollektivwirtschaftlichen Handel, ergänzt werden. Und wir haben sie ergänzt, indem wir den kollektivwirtschaftlichen Handel einführten.

Sie ließen sich weiterhin von dem Bestreben leiten, dem Kollektivbauern mit Hilfe des kollektivwirtschaftlichen Getreidehandels eine zusätzliche Einnahmequelle zu verschaffen und seine ökonomische Lage zu festigen.

Sie ließen sich schließlich von dem Bestreben leiten, durch Einführung des kollektivwirtschaftlichen Handels dem Bauern einen neuen Ansporn zur Verbesserung der Arbeit der Kollektivwirtschaften sowohl bei der Aussaat als auch bei der Ernteeinbringung zu geben.

Sie wissen, dass die Richtigkeit all dieser Erwägungen des Rates der Volkskommissare und des ZK durch Tatsachen aus dem Leben der Kollektivwirtschaften in der letzten Zeit völlig bestätigt worden ist. Der fortschreitende Prozess der Festigung der Kollektivwirtschaften, das Aufhören der Austritte aus den Kollektivwirtschaften, der zunehmende Drang der Einzelbauern, in die Kollektivwirtschaften einzutreten, das Bestreben der Kollektivbauern, bei der Aufnahme neuer Mitglieder sehr wählerisch vorzugehen, all dies und viele ähnliche Erscheinungen sprechen unzweifelhaft davon, dass der kollektivwirtschaftliche Handel die Lage der Kollektivwirtschaften nicht nur nicht geschwächt, sondern im Gegenteil gestärkt und gefestigt hat.

Die Unzulänglichkeiten unserer Arbeit auf dem Lande sind also nicht aus dem kollektivwirtschaftlichen Handel zu erklären, sondern aus seiner nicht immer richtigen Durchführung, aus dem Unvermögen, der neuen Lage Rechnung zu tragen, aus dem Unvermögen, die eigenen Reihen entsprechend der neuen Lage umzustellen, die durch die Einführung des kollektivwirtschaftlichen Getreidehandels geschaffen worden ist.

2. Die zweite Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande besteht darin, dass unsere Genossen in den Ortsorganisationen - und nicht nur diese Genossen - die Veränderungen in den Bedingungen unserer Arbeit auf dem Lande nicht begriffen haben, die im Zusammenhang damit eingetreten sind, dass die Kollektivwirtschaften die herrschende Position in den Hauptgetreidegebieten eingenommen haben. Wir freuen uns alle, dass die kollektivwirtschaftliche Wirtschaftsform in unseren Getreidegebieten zu der herrschenden, Form geworden ist. Aber nicht alle begreifen, dass dieser Umstand unsere Sorge und unsere Verantwortung für die Entwicklung der Landwirtschaft nicht verringert, sondern steigert. Viele glauben: Sobald einmal eine Kollektivierung von, sagen wir, 70 oder 80 Prozent in diesem oder jenem Bezirk, in diesem oder jenem Gebiet erzielt worden ist, so sei damit schon alles erledigt, und wir könnten die Sache dem natürlichen Lauf der Dinge, dem Selbstlauf überlassen, denn sie meinen, die Kollektivierung würde selbst das ihrige tun, von selbst die Landwirtschaft heben. Das ist aber ein großer Irrtum, Genossen. In Wirklichkeit verringert der Übergang zur kollektiven Wirtschaft, als der vorherrschenden Wirtschaftsform, unsere Sorge um die Landwirtschaft nicht, sondern erhöht sie, er verringert nicht die führende Rolle der Kommunisten bei der Hebung der Landwirtschaft sondern vergrößert sie. Der Selbstlauf ist jetzt mehr denn je für die Entwicklung der Landwirtschaft gefährlich. Der Selbstlauf kann jetzt die ganze Sache zugrunde richten.

Solange auf dem Lande der Einzellandwirt das Übergewicht hatte, konnte die Partei ihr Eingreifen in die Entwicklung der Landwirtschaft auf einzelne Hilfs- und Vorbeugungsmaßnahmen beziehungsweise Ratschläge beschränken. Damals musste sich der Einzelbauer selbst um seine Wirtschaft kümmern, denn er hatte niemand, auf den er die Verantwortung für seine Wirtschaft abwälzen konnte, die nur seine persönliche Wirtschaft war, und er konnte auf niemand rechnen, außer auf sich selbst. Damals musste sich der Einzelbauer selbst um die Aussaat, um die Ernteeinbringung und überhaupt um alle landwirtschaftlichen Arbeitsprozesse kümmern, wenn er nicht ohne Brot bleiben und Opfer des Hungers werden wollte. Mit dem Übergang zum kollektiven Wirtschaften hat sich die Sache wesentlich geändert. Die Kollektivwirtschaft ist keine Einzelwirtschaft Die Kollektivbauern sagen ja jetzt: „Die Kollektivwirtschaft ist mein und nicht mein, sie ist mein, aber gleichzeitig gehört sie auch Iwan, Philipp, Michael und anderen Mitgliedern der Kollektivwirtschaft, die Kollektivwirtschaft ist Gemeingut.“ Jetzt kann der Kollektivbauer, der Einzelbauer von gestern und der Kollektivist von heute, die Verantwortung von sich abwälzen und auf, die anderen Mitglieder der Kollektiv wirtschaft bauen, da er weiß, dass die Kollektivwirtschaft ihn nicht ohne Brot lassen wird. Deshalb hat der Kollektivbauer jetzt weniger Sorgen als bei der individuellen Wirtschaft, denn Sorge und Verantwortung für die Wirtschaft sind heute auf alle Kollektivbauern verteilt.

Was folgt nun daraus? Daraus folgt, dass jetzt das Schwergewicht der Verantwortung für die Führung der Wirtschaft von dem einzelnen Bauern auf die Leitung der Kollektivwirtschaft, auf den führenden Kern der Kollektivwirtschaft übergegangen ist. Jetzt fordern die Bauern Sorge um die Wirtschaft und vernünftige Führung der Geschäfte nicht von sich selbst, sondern von der Leitung der Kollektivwirtschaft oder, richtiger gesagt, nicht so sehr von sich selbst als vielmehr von der Leitung der Kollektivwirtschaft. Was aber bedeutet das? Das bedeutet, dass die Partei sich jetzt nicht mehr auf einzelne Akte des Eingreifens in den Prozess der landwirtschaftlichen Entwicklung beschränken kann. Sie muss jetzt die Leitung der Kollektivwirtschaften in ihre Hände nehmen, die Verantwortung für die Arbeit auf sich nehmen und den Kollektivbauern helfen, ihre Wirtschaft auf Grund der Ergebnisse der Wissenschaft und der Technik in die Höhe zu bringen.

Das ist aber noch nicht alles. Die Kollektivwirtschaft ist eine Großwirtschaft. Eine Großwirtschaft aber kann nicht ohne einen Plan betrieben werden. Ein landwirtschaftlicher Großbetrieb, der Hunderte und manchmal auch Tausende von Höfen umfasst, kann nur unter planmäßiger Leitung betrieben werden. Sonst muss er zugrunde gehen und zerfallen. Hier haben wir noch eine neue Bedingung unter dem kollektivwirtschaftlichen System, die sich von den Bedingungen, unter denen eine kleine Einzelbauernwirtschaft geführt wurde, von Grund aus unterscheidet. Kann man die Führung einer solchen Wirtschaft dem so genannten natürlichen Lauf der Dinge, dem Selbstlauf überlassen? Es ist klar, dass man das nicht kann. Um eine solche Wirtschaft zu führen, muss man die Kollektivwirtschaft mit einem gewissen Minimum von Leuten versorgen, die die elementaren Sachkenntnisse besitzen und imstande sind, die Wirtschaft planmäßig zu betreiben, sie in organisierter Weise zu führen. Es ist klar, dass eine solche Wirtschaft ohne systematisches Eingreifen der Sowjetmacht in den kollektivwirtschaftlichen Aufbau, ohne ihre systematische Hilfe nicht in Gang gebracht werden kann.

Was aber folgt daraus? Daraus folgt, dass das kollektivwirtschaftliche System die Sorge und die Verantwortung der Partei und der Regierung für die Entwicklung der Landwirtschaft nicht verringert sondern erhöht. Daraus folgt, dass die Partei, wenn sie die kollektivwirtschaftliche Bewegung leiten will, in alle Einzelheiten des kollektivwirtschaftlichen Lebens und der kollektivwirtschaftlichen Leitung eindringen muss. Daraus folgt, dass die Partei ihre Verbindung mit den Kollektivwirtschaften nicht verringern, sondern vervielfachen muss, dass sie alles wissen muss, was in den Kollektivwirtschaften vorgeht, um rechtzeitig zu Hilfe zu kommen und den Gefahren vorzubeugen, die den Kollektivwirtschaften drohen.

Was sehen wir aber in Wirklichkeit? In Wirklichkeit sehen wir, dass eine ganze Reihe von Bezirks- und Gebietsorganisationen dem Leben der Kollektivwirtschaften entfremdet ist und ihren Anforderungen fern steht. Die Leute sitzen in Kanzleien und kritzeln selbstzufrieden mit den Federn, ohne zu bemerken, dass die Entwicklung der Kollektivwirtschaften an den bürokratischen Kanzleien vorbeigeht. In einzelnen Fällen war man den Kollektivwirtschaften so sehr entfremdet, dass manche Mitglieder von Regionalorganisationen über das, was in den Kollektivwirtschaften ihrer Region vorgeht, nicht von den entsprechenden Bezirksorganisationen, sondern von Mitgliedern des ZK in Moskau erfuhren. Das ist traurig, Genossen, aber wahr. Der Übergang von der individuellen Wirtschaft zu Kollektivwirtschaften sollte zur Stärkung der führenden Rolle der Kommunisten auf dem Lande führen. In Wirklichkeit aber hat dieser Übergang in einer Reihe von Fällen dazu geführt, dass die Kommunisten auf ihren Lorbeeren ausruhten, sich mit dem hohen Prozentsatz der Kollektivierung brüsteten und die Sache dem Selbstlauf, dem natürlichen Lauf der Dinge überließen. Die planmäßige Leitung der Kollektivwirtschaften sollte zur Stärkung der führenden Rolle der Kommunisten in den Kollektivwirtschaften führen. In Wirklichkeit aber ist es in einer Reihe von Fällen so gekommen, dass die Kommunisten nicht auf dem Posten waren und in den Kollektivwirtschaften ehemalige weiße Offiziere, ehemalige Petljuraleute und überhaupt Feinde der Arbeiter und Bauern schalteten und walteten.

So steht es um die zweite Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande.

3. Die dritte Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande besteht darin, dass viele unserer Genossen die Kollektivwirtschaften als neue Wirtschaftsform überschätzten, sie überschätzten und aus ihnen ein Heiligenbild machten. Sie meinten, da einmal die Kollektivwirtschaften als sozialistische Wirtschaftsform vorhanden sind, so sei damit schon alles getan, so sei damit auch schon die richtige Führung der Kollektivwirtschaften, die richtige Planung der kollektiven Wirtschaft, die Umwandlung der Kollektivwirtschaften in sozialistische Musterwirtschaften gesichert. Sie haben nicht begriffen, dass die Kollektivwirtschaften in organisatorischer Hinsicht immer noch schwach sind und ernstlich der Hilfe der Partei bedürfen, sowohl in Bezug auf ihre Versorgung mit erprobten bolschewistischen Kadern als auch in Bezug auf die laufende Geschäftsführung der Kollektivwirtschaft. Aber das ist noch nicht alles und nicht einmal die Hauptsache. Der Hauptmangel besteht hier darin, dass viele unserer Genossen die Kräfte und Möglichkeiten der Kollektivwirtschaften als einer neuen Organisationsform der Landwirtschaft überschätzten. Sie haben nicht begriffen, dass die Kollektivwirtschaft an und für sich, obwohl sie eine sozialistische Wirtschaftsform ist, bei weitem nicht gefeit ist gegen allerlei Gefahren und gegen das Eindringen von konterrevolutionären Elementen aller Art in die Leitung der Kollektivwirtschaft, nicht dagegen gefeit ist, dass sie unter gewissen Umständen von sowjetfeindlichen Elementen zu deren Zwecken ausgenutzt werden kann.

Die Kollektivwirtschaft ist eine sozialistische Form der wirtschaftlichen Organisation, ebenso wie die Sowjets eine sozialistische Form der politischen Organisation sind. Die Kollektivwirtschaften sind ebenso wie die Sowjets eine gewaltige Errungenschaft unserer Revolution, eine gewaltige Errungenschaft der Arbeiterklasse. Die Kollektivwirtschaften und die Sowjets stellen jedoch nur Organisationsformen dar, zwar sozialistische, aber dennoch nur Organisationsformen. Alles hängt davon ab, welcher Inhalt in diese Form gegossen wird.

Wir kennen Fälle, wo die Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten eine gewisse Zeit lang die Konterrevolution gegen die Revolution unterstützten. So war es zum Beispiel bei uns in der UdSSR im Juli 1917, als die Sowjets von den Menschewiki und Sozialrevolutionären geleitet wurden und die Konterrevolution gegen die Revolution deckten. So war es in Deutschland Ende 1918, als die Sozialdemokraten die Räte leiteten und diese die Konterrevolution gegen die Revolution deckten. Es kommt also nicht nur auf die Sowjets als Organisationsform an, obwohl diese Form an sich eine gewaltige revolutionäre Errungenschaft darstellt. Es kommt vor allem auf den Inhalt der Arbeit der Sowjets, auf den Charakter der Arbeit der Sowjets an, es kommt darauf an, wer die Sowjets leitet - Revolutionäre oder Konterrevolutionäre. Dadurch ist ja im Grunde auch die Tatsache zu erklären, dass die Konterrevolutionäre nicht immer gegen die Sowjets Stellung nehmen. Es ist zum Beispiel bekannt, dass das Haupt der russischen Konterrevolution, Miljukow, während des Kronstädter Aufstands[63] für Sowjets Stellung nahm, aber für Sowjets ohne Kommunisten. „Sowjets ohne Kommunisten“ - das war damals die Losung Miljukows, des Hauptes der russischen Konterrevolution. Die Konterrevolutionäre hatten begriffen, dass es nicht auf die Sowjets selbst ankommt, sondern vor allem darauf, wer sie leiten wird.

Dasselbe ist von den Kollektivwirtschaften zu sagen. Die Kollektivwirtschaften als sozialistische Form der Wirtschaftsorganisation können im wirtschaftlichen Aufbau Wunder wirken, wenn an ihrer Spitze wirkliche Revolutionäre, Bolschewiki, Kommunisten stehen. Und umgekehrt können die Kollektivwirtschaften eine gewisse Zeit lang zu einer Deckung für allerlei konterrevolutionäre Machenschaften werden, wenn in den Kollektivwirtschaften Sozialrevolutionäre und Menschewiki, Petljuraoffiziere und sonstige Weißgardisten, ehemalige Denikin- und Koltschakleute schalten und walten. Dabei muss man im Auge behalten, dass die Kollektivwirtschaften als Organisationsform nicht nur gegen das Eindringen sowjetfeindlicher Elemente nicht gefeit sind, sondern in der ersten Zeit sogar mancherlei Bequemlichkeiten für ihre zeitweilige Ausnutzung durch Konterrevolutionäre bieten. Solange die Bauern individuell wirtschafteten, waren sie zersplittert und voneinander getrennt, so dass die konterrevolutionären Umtriebe sowjetfeindlicher Elemente unter den Bauern von keiner großen Wirkung sein konnten. Ein ganz anderes Bild ergibt sich beim Übergang der Bauern zur kollektiven Wirtschaft. Hier haben die Bauern bereits die fertige Form einer Massenorganisation in Gestalt der Kollektivwirtschaften. Infolgedessen kann das Eindringen sowjetfeindlicher Elemente in die Kollektivwirtschaften und ihre sowjetfeindliche Tätigkeit von viel größerer Wirkung sein. Es ist anzunehmen, dass die sowjetfeindlichen Elemente allen diesen Umständen Rechnung tragen. Es ist bekannt, dass ein Teil der Konterrevolutionäre, zum Beispiel im Nordkaukasus, selbst bestrebt ist, etwas in der Art von Kollektivwirtschaften zu schaffen und sie als legale Deckung für ihre unterirdischen Organisationen auszunutzen. Es ist ebenfalls bekannt, dass die sowjetfeindlichen Elemente in einer Reihe von Bezirken, wo sie noch nicht entlarvt und zerschmettert sind, mit Vorliebe in die Kollektivwirtschaften eintreten und die Kollektivwirtschaften sogar loben, um innerhalb der Kollektivwirtschaften Nester konterrevolutionärer Umtriebe zu schaffen. Es ist fernerhin bekannt, dass sich jetzt ein Teil der sowjetfeindlichen Elemente selbst für die Kollektivwirtschaften ausspricht, aber unter der Bedingung, dass in den Kollektivwirtschaften keine Kommunisten seien. „Kollektivwirtschaften ohne Kommunisten“ - das ist die Losung, die jetzt von den sowjetfeindlichen Elementen ausgeheckt wird. Es kommt also nicht nur auf die Kollektivwirtschaften selbst als sozialistische Organisationsform an, sondern vor allem darauf, welcher Inhalt in diese Form gegossen wird, es kommt vor allem darauf an, wer an der Spitze der Kollektivwirtschaften steht und wer sie leitet.

Vorn Standpunkt des Lenin ismus sind die Kollektivwirtschaften wie auch die Sowjets, als Organisationsform genommen, eine Waffe und nur eine Waffe. Diese Waffe kann unter gewissen Bedingungen gegen die Revolution gerichtet werden. Sie kann gegen die Konterrevolution gerichtet werden. Sie kann der Arbeiterklasse und Bauernschaft dienen. Sie kann unter gewissen Bedingungen den Feinden der Arbeiterklasse und Bauernschaft dienen. Alles hängt davon ab, in wessen Händen sich diese Waffe befindet und gegen wen sie gerichtet wird.

Das beginnen die Feinde der Arbeiter und Bauern zu begreifen, die von ihrem Klasseninstinkt geleitet werden.

Das begreifen leider noch nicht manche unserer Kommunisten.

Und eben weil manche unserer Kommunisten diese einfache Sache noch nicht begriffen haben - eben deshalb sehen wir jetzt, dass in einer Reihe von Kollektivwirtschaften gut getarnte sowjetfeindliche Elemente schalten und walten und dort Schädlingsarbeit und Sabotage treiben.

4. Die vierte Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande besteht darin, dass eine ganze Reihe unserer Genossen in den Ortsorganisationen nicht versteht, die Art des Kampfes gegen das Kulakentum zu ändern, und nicht begreift, dass der Klassenfeind in letzter Zeit ein anderes Gesicht angenommen hat, dass sich die Taktik des Klassenfeindes auf dem Lande geändert hat und dass man dementsprechend die eigene Taktik ändern muss, um einen Erfolg zu erzielen. Der Feind hat die veränderte Lage begriffen, er hat die Kraft und die Macht des neuen Systems auf dem Lande erkannt und hat sich demgemäß umgestellt, hat seine Taktik geändert, ist von der direkten Attacke gegen die Kollektivwirtschaften zu versteckter Wühlarbeit übergegangen. Wir aber haben das nicht begriffen, haben die neue Lage nicht erfasst und fahren fort, den Klassenfeind dort zu suchen, wo er nicht mehr ist, fahren fort, die alte Taktik des weniger komplizierten Kampfes gegen das Kulakentum zu befolgen, zu einer Zeit, da diese Taktik selbst schon längst veraltet ist.

Man sucht den Klassenfeind außerhalb der Kollektivwirtschaften, man sucht ihn in der Gestalt von Leuten mit tierischer Physiognomie, mit riesigen Zähnen, mit feistem Nacken und mit einem Stutzen in der Hand. Man sucht den Kulaken, wie wir ihn von Plakaten her kennen. Aber solche Kulaken sind schon längst von der Bildfläche verschwunden. Die Kulaken von heute und ihre Tellerlecker, die heutigen sowjetfeindlichen Elemente auf dem Lande - das sind größtenteils „stille“, „honigtriefende“ Leute, beinahe „Heilige“. Man braucht sie nicht weit von der Kollektivwirtschaft zu suchen, sie sitzen in der Kollektivwirtschaft selbst und bekleiden dort die Posten von Lagerverwaltern, Wirtschaftsleitern, Rechnungsführern, Sekretären usw. Sie werden niemals sagen: „Nieder mit den Kollektivwirtschaften“. Sie sind „für“ die Kollektivwirtschaften. Aber sie betreiben in den Kollektivwirtschaften eine Sabotage- und Schädlingsarbeit, die für die Kollektivwirtschaften üble Folgen hat. Sie werden niemals sagen: „Nieder mit der Getreidebeschaffung“. Sie sind „für“ die Getreidebeschaffung. Sie treiben „nur“ Demagogie und fordern, dass die Kollektivwirtschaft einen dreimal so großen Getreidevorrat für die Viehzucht anlege als notwendig, sie verlangen, dass die Kollektivwirtschaft dreimal so große Reservefonds anlege als notwendig, dass die Kollektivwirtschaft für Gemeinschaftsverpflegung 6-10 Pfund Getreide täglich pro Arbeitskraft verabfolge usw. Es ist klar, dass nach solchen „Reserven“ und Ausgaben für die Gemeinschaftsverpflegung, nach einer solchen Gaunerdemagogie die wirtschaftliche Stärke der Kollektivwirtschaft untergraben sein muss und für die Getreidebeschaffung kein Raum mehr bleibt.

Um einen so geriebenen Feind zu durchschauen und auf die Demagogie nicht hereinzufallen, muss man revolutionäre Wachsamkeit üben, muss man die Fähigkeit besitzen, dem Feinde die Maske herunterzureißen und den Kollektivbauern sein wirkliches, konterrevolutionäres Gesicht zu zeigen. Gibt es aber bei uns auf dem Lande viele Kommunisten, die über diese Eigenschaften verfügen? Nicht nur, dass die Kommunisten oft solche Klassenfeinde nicht entlarven, sondern sie fallen im Gegenteil selbst auf deren Gaunerdemagogie herein und lassen sich von ihnen am Gängelband führen.

Manche unserer Genossen, die den Klassenfeind in seiner neuen Maske nicht erkennen und nicht imstande sind, seine gaunerischen Machenschaften zu entlarven, beruhigen sich oft damit, dass es keine Kulaken mehr gebe, dass die sowjetfeindlichen Elemente auf dem Lande dank der Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse schon vernichtet seien und dass man sich infolgedessen mit der Existenz „neutraler“ Kollektivwirtschaften abfinden könne, die weder bolschewistisch noch sowjetfeindlich seien, die aber von selbst, sozusagen automatisch auf die Seite der Sowjetmacht werden übergehen müssen. Das ist aber ein großer Irrtum, Genossen. Die Kulaken sind geschlagen, aber noch lange nicht vernichtet. Mehr noch - sie werden auch nicht so bald vernichtet sein, wenn die Kommunisten Maulaffen feilhalten und Gleichgültigkeit an den Tag legen, in der Meinung, die Kulaken würden von selbst in die Grube fahren, sozusagen kraft ihrer automatischen Entwicklung. Was die „neutralen“ Kollektivwirtschaften betrifft, so gibt es solche überhaupt nicht und kann es sie auch nicht geben. „Neutrale“ Kollektivwirtschaften - das ist ein Phantasiegebilde von Leuten, die ihre Augen dazu haben, um nichts zu sehen. Bei einem so scharfen Klassenkampf, wie er gegenwärtig bei uns im Sowjetland vor sich geht, bleibt kein Raum für „neutrale“ Kollektivwirtschaften, unter solchen Verhältnissen können die Kollektivwirtschaften nur entweder bolschewistisch oder sowjetfeindlich sein. Und wenn in diesen oder jenen Kollektivwirtschaften nicht wir die Führung haben, dann bedeutet das, dass sie von sowjetfeindlichen Elementen geführt werden. Darüber kann gar kein Zweifel bestehen.

5. Schließlich noch eine Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande. Diese Ursache besteht in der Unterschätzung der Rolle und Verantwortung der Kommunisten heim Aufbau der Kollektivwirtschaften, in der Unterschätzung der Rolle und Verantwortung der Kommunisten bei der Getreidebeschaffung. Spricht man von den Schwierigkeiten bei der Getreidebeschaffung, dann wälzen die Kommunisten gewöhnlich die Verantwortung auf die Bauern ab und behaupten, die Bauern seien an allem schuld. Das ist aber ganz falsch und völlig ungerecht. Die Bauern haben damit nichts zu tun. Handelt es sich um Schuld und Verantwortung, so fällt die Verantwortung voll und ganz auf die Kommunisten, und schuld sind hier an allem nur wir, die Kommunisten.

In der Welt gab es und gibt es keine so starke und autoritative Macht wie unsere, die Sowjetmacht. In der Welt gab es und gibt es keine so mächtige und autoritative Partei wie unsere, die Kommunistische Partei. Niemand hindert uns daran, und niemand kann uns daran hindern, die Sache der Kollektivwirtschaften so zu führen, wie es die Interessen der Kollektivwirtschaften, die Interessen des Staates erfordern. Und wenn es uns nicht immer gelingt, die Sache der Kollektivwirtschaften so zu führen, wie es der Lenin ismus fordert, wenn wir nicht selten eine Reihe grober, unverzeihlicher Fehler begehen, sagen wir, bei der Getreidebeschaffung, so sind wir daran schuld, und nur wir allein.

Wir sind schuld daran, dass wir die negativen Seiten des kollektivwirtschaftlichen Getreidehandels nicht erkannt und eine Reihe gröbster Fehler begangen haben.

Wir sind schuld daran, dass sich eine ganze Reihe unserer Parteiorganisationen den Kollektivwirtschaften entfremdete, auf ihren Lorbeeren ausruhte und sich von dem Lauf der Dinge treiben ließ.

Wir sind schuld daran, dass eine ganze Reihe unserer Genossen immer noch die Kollektivwirtschaften als Form der Massenorganisation überschätzt, ohne zu begreifen, dass es nicht so sehr auf die Form selbst ankommt als vielmehr darauf, dass man die Leitung der Kollektivwirtschaften in die eigenen Hände nimmt und die sowjetfeindlichen Elemente aus der Leitung der Kollektivwirtschaften verjagt.

Wir sind schuld daran, dass wir die neue Lage nicht erkannt haben und dass wir uns über die neue Taktik des Klassenfeindes, der versteckte Wühlarbeit betreibt, nicht klar wurden.

Es fragt sich, was haben die Bauern damit zu tun?

Ich kenne ganze Gruppen von Kollektivwirtschaften, die sich entwickeln und in Blüte stehen, die vom Staate gestellten Aufgaben pünktlich erfüllen und von Tag zu Tag wirtschaftlich erstarken. Anderseits kenne ich auch Kollektivwirtschaften, die in der Nachbarschaft der vorher erwähnten Kollektivwirtschaften liegen, aber trotz gleichen Ernteertrags und trotz gleicher objektiver Bedingungen dahinsiechen und verfallen. Worin liegt die Ursache? Die Ursache liegt darin, dass die erste Gruppe von Kollektivwirtschaften von wirklichen Kommunisten geleitet wird, die zweite Gruppe aber von Schlafmützen, die allerdings das Parteibuch in der Tasche haben, aber dennoch Schlafmützen sind.

Es fragt sich, was haben die Bauern damit zu tun?

Das Ergebnis der Unterschätzung der Rolle und Verantwortung der Kommunisten ist, dass nicht selten die Ursache der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande nicht dort gesucht wird, wo sie gesucht werden muss, und dass die Mängel infolgedessen nicht behoben werden.

Nicht bei den Bauern muss die Ursache der Schwierigkeiten in der Getreidebeschaffung gesucht werden, sondern bei uns selbst, in unseren eigenen Reihen. Denn wir stehen an der Macht, wir verfügen über die Mittel des Staates, wir sind dazu berufen, die Kollektivwirtschaften zu leiten, und wir müssen die volle Verantwortung für die Arbeit auf dem Lande tragen.

Das sind die Hauptursachen, die die Mängel unserer Arbeit auf dem Lande hervorgerufen hatten.

Man könnte glauben, dass ich ein allzu düsteres Bild entworfen habe, dass bei uns die ganze Arbeit auf dem Lande ausschließlich aus Mängeln bestehe. Aber das ist selbstverständlich falsch. In Wirklichkeit hat unsere Arbeit auf dem Lande neben diesen Mängeln eine ganze Reihe von überaus ernsten und entscheidenden Errungenschaften aufzuweisen. Aber ich habe schon zu Beginn meiner Rede gesagt, dass es nicht zu meinen Aufgaben gehört, eine Charakteristik unserer Errungenschaften zu geben, dass ich nur über die Mängel unserer Arbeit auf dem Lande sprechen möchte.

Können diese Mängel behoben werden? Ja, sie können zweifellos behoben werden. Werden wir sie in der nächsten Zeit beheben? Ja, das werden wir unbedingt tun. Darüber kann kein Zweifel bestehen. Ich glaube, dass die Politischen Abteilungen der Maschinen- und Traktorenstationen und der Sowjetwirtschaften eins jener entscheidenden Mittel sind, mit deren Hilfe diese Mängel in kürzester Frist beseitigt werden können. (Stürmischer, nicht enden wollender Beifall.)

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