"Stalin"

Werke

Band 13

RECHENSCHAFTSBERICHT AN DEN XVII. PARTEITAG
ÜBER DIE ARBEIT DES ZK DER KPdSU(B)

II
DER FORTDAUERNDE AUFSCHWUNG
DER VOLKSWIRTSCHAFT UND DIE INNERE LAGE
DER UdSSR

Ich gehe zur Frage der inneren Lage der UdSSR über.

Vom Standpunkt der inneren Lage der UdSSR bietet die Berichtsperiode ein Bild des sich immer mehr entfaltenden Aufschwungs sowohl auf dem Gebiet der Volkswirtschaft als auch auf dem Gebiet der Kultur.

Dieser Aufschwung war nicht nur eine einfache quantitative Steigerung unserer Kräfte. Dieser Aufschwung ist deswegen so bedeutsam, weil er prinzipielle Änderungen in der Struktur der UdSSR zur Folge hatte und das Antlitz des Landes gründlich verändert hat.

Die Sowjetunion hat sich in dieser Periode von Grund aus umgestaltet und das Gepräge der Rückständigkeit und des Mittelalters abgestreift. Aus einem Agrarland ist sie zu einem Industrieland geworden. Aus einem Lande der kleinbäuerlichen Einzelwirtschaft ist sie zu einem Lande des kollektiven mechanisierten landwirtschaftlichen Großbetriebs geworden. Aus einem unwissenden, analphabetischen und kulturlosen Land wurde sie - genauer gesagt, wird sie - zu einem gebildeten, kulturell hoch stehenden Land, das von einem gewaltigen Netz von Hoch-, Mittel- und Elementarschulen bedeckt ist, die in den Sprachen der Nationen der Sowjetunion wirken.

Es wurden neue Industriezweige geschaffen: der Werkzeugmaschinenbau, die Automobilindustrie, die Traktorenindustrie, die chemische Industrie, der Motorenbau, der Flugzeugbau, die Produktion von Mähdreschern, von Hochleistungsturbinen und Generatoren, von Qualitätsstahlsorten, Eisenlegierungen, synthetischem Kautschuk, Stickstoff, Kunstfasern usw. usf. (Anhaltender Beifall.)

In dieser Periode wurden Tausende neuer, modernster Industriewerke errichtet und in Betrieb gesetzt. Es wurden Riesenwerke errichtet wie die Dnjepr-Kraftwerke, die Magnitogorsker Hüttenwerke, die Kusnezker Werke, die Tscheljahinsker 'Traktorenwerke, Bobriki, die Uraler Maschinenbauwerke, die Kramatorsker Maschinenbauwerke. Tausende von alten Betrieben wurden auf der Basis der modernen Technik rekonstruiert. Es wurden neue Betriebe errichtet und Industriezentren in den nationalen Republiken und in den Randgebieten der UdSSR geschaffen: in Bjelorußland, in der Ukraine, im Nordkaukasus, in Transkaukasien, in Mittelasien, in Kasachstan, in der Burjat-Mongolei, in Tatarien, in Baschkirien, im Ural, in Ost- und Westsibirien, im Fernen Osten usw.

Es wurden mehr als 200000 Kollektivwirtschaften und 5000 Sowjetwirtschaften geschaffen mit neuen Bezirkszentren und industriellen Stützpunkten für sie.

In fast menschenleeren Gebieten sind neue große Städte mit einer großen Bevölkerungszahl emporgewachsen. Die alten Städte und Industrieorte haben sich kolossal erweitert.

Es wurden die Grundlagen für das Kombinat Ural-Kusnezk, die Vereinigung der Kusnezker Kokskohle mit dem Eisenerz des Urals, geschaffen. Die neue Hüttenindustriebasis im Osten ist somit aus einem Traum zur Wirklichkeit geworden.

Es wurden die Grundlagen geschaffen für eine neue mächtige Erdölbasis in den Gebieten der westlichen und südlichen Abhänge des Uralgebirges - im Uralgebiet, in Baschkirien, in Kasachstan.

Es ist offenkundig, dass die gewaltigen Kapitalinvestitionen des Staates in allen Zweigen der Volkswirtschaft, die in der Berichtsperiode über 60 Milliarden Rubel betrugen, nicht umsonst verausgabt worden sind und bereits anfangen, Früchte zu tragen.

Infolge dieser Errungenschaften ist das Volkseinkommen der UdSSR von 29 Milliarden Rubel im Jahre 1929 auf 50 Milliarden Rubel im Jahre 1933 gestiegen, während das Volkseinkommen in derselben Periode in allen kapitalistischen Ländern ohne Ausnahme gewaltig zurückgegangen ist.

Es ist klar, dass alle diese Errungenschaften und dieser ganze Aufschwung zu einer weiteren Festigung der inneren Lage der UdSSR führen mussten und in der Tat geführt haben.

Wie konnten diese kolossalen Wandlungen in 3-4 Jahren auf dem Territorium unseres riesigen Staates mit seiner rückständigen Technik, mitseiner rückständigen Kultur vor sich gehen? Ist das nicht ein Wunder? Das wäre ein Wunder, wenn die Entwicklung auf dem Boden des Kapitalismus und des individuellen Kleinbetriebs vor sich gegangen wäre. Aber es kann kein Wunder genannt werden, wenn man in Betracht zieht, dass sich die Entwicklung bei uns auf der Grundlage der Entfaltung des sozialistischen Aufbaus vollzogen hat.

Es ist klar, dass dieser gigantische Aufschwung sich nur auf der Basis des erfolgreichen Aufbaus des Sozialismus, auf der Basis der gesellschaftlichen Arbeit von Dutzenden Millionen Menschen, auf der Basis der Vorzüge des sozialistischen Wirtschaftssystems gegenüber dem kapitalistischen System und dem System der Einzelbauernwirtschaft entfalten konnte.

Deshalb ist es kein Wunder, dass der kolossale Aufschwung der Wirtschaft und Kultur der UdSSR in der Berichtsperiode gleichzeitig die Liquidierung der kapitalistischen Elemente und die Zurückdrängung der bäuerlichen Einzelwirtschaft bedeutete. Es ist Tatsache, dass der Anteil des sozialistischen Wirtschaftssystems in der Industrie gegenwärtig 99 Prozent und in der Landwirtschaft, wenn man die Anbaufläche der Getreidekulturen in Betracht zieht, 84,5 Prozent beträgt, während auf die bäuerliche Einzelwirtschaft insgesamt 15,5 Prozent entfallen.

Die kapitalistische Wirtschaft in der UdSSR ist demnach bereits liquidiert, und der Sektor der bäuerlichen Einzelwirtschaft im Dorfe ist auf untergeordnete Positionen zurückgedrängt worden.

Lenin sprach bei der Einführung der Neuen Ökonomischen Politik davon, dass es in unserem Lande Elemente von fünf gesellschaftlich-ökonomischen Formen gab: 1. die patriarchalische Wirtschaft (die in hohem Grade Naturalwirtschaft ist); 2. die kleine Warenproduktion (die Mehrzahl der Bauern, die Getreide verkaufen); 3. der privatwirtschaftliche Kapitalismus; 4. der Staatskapitalismus; 5. der Sozialismus.[76] Lenin war der Auffassung, dass von allen diesen Formen schließlich die sozialistische Form die Oberhand gewinnen muss. Wir können jetzt sagen, dass die erste, die dritte und die vierte gesellschaftlich-ökonomische Form bereits nicht mehr bestehen, dass die zweite gesellschaftlich-ökonomische Form auf untergeordnete Positionen zurückgedrängt worden ist, während die fünfte gesellschaftlich-ökonomische Form, die sozialistische Form, die uneingeschränkt herrschende und einzige bestimmende Kraft in der gesamten Volkswirtschaft ist. (Stürmischer, anhaltender Beifall.)

Das ist das Ergebnis.

Dieses Ergebnis bildet die Grundlage für die Stabilität der inneren Lage der UdSSR, die Grundlage der Festigkeit ihrer Front- und Hinterlandspositionen unter den Bedingungen der kapitalistischen Umkreisung.

Gehen wir nun zur Prüfung des konkreten Materials über die einzelnen Fragen der wirtschaftlichen und politischen Lage der Sowjetunion über.

1. Der Aufschwung der Industrie

Von allen Zweigen der Volkswirtschaft ist bei uns am raschesten die Industrie gewachsen. In der Berichtsperiode, das heißt seit 1930, ist die Industrie bei uns auf mehr als das Doppelte, nämlich um 101,6 Prozent, im Vergleich mit dem Vorkriegsstand aber fast auf das Vierfache, nämlich um 291,9 Prozent, gewachsen.

Das bedeutet, dass die Industrialisierung bei uns mit Volldampf vor sich gegangen ist.

Das rasche Anwachsen der Industrialisierung führte dazu, dass die Industrieproduktion in der Gesamtproduktion der ganzen Volkswirtschaft die führende Stellung eingenommen hat.

Hier die entsprechende Tabelle:

Prozentualer Anteil der Industrie
an der Gesamtproduktion der Volkswirtschaft
(in Preisen von 1926/27)

 

1913

1929

1930

1931

1932

1933

1. Industrie (ohne Kleinindustrie)

41,1

54,5

61,6

66,7

70,7

70,4

2. Landwirtschaft

57,9

45,5

38,4

33,3

29,3

29,6

Insgesamt

100,0

100,0

100,0

100,0

100,0

100,0

Das bedeutet, dass unser Land unwiderruflich und endgültig zu einem Industrieland geworden ist.

Von entscheidender Bedeutung für die Industrialisierung ist das Anwachsen der Produktion von Produktionsinstrumenten und -mitteln im Gesamtumfang der Entwicklung der Industrie. Die Angaben über die Berichtsperiode zeigen, dass dieser Posten im Gesamtumfang der Industrie seiner relativen Bedeutung nach die vorherrschende Stellung eingenommen hat.

Hier die entsprechende Tabelle:

Anteil der Produktion
der beiden Hauptabteilungen der Zweige der Großindustrie
(in Preisen von 1926/27)

Gesamtproduktion (in Milliarden Rubel)

 

1929

1930

1931

1932

1933

Gesamte Großindustrie

21,0

27,5

33,9

38,5

41,9

Darunter:

 

 

 

 

 

Abteilung „A“. Produktionsinstru-
mente und –mittel

10,2

14,5

18,8

22,0

24,3

Abteilung „B“. Konsummittel

10,8

13,0

15,1

16,5

17,6

Anteil: (in Prozenten)

 

 

 

 

 

Abteilung „A“. Produktionsinstru-
mente und –mittel

48,5

52,6

55,4

57,0

58,0

Abteilung „B“. Konsummittel

51,5

47,4

44,6

43,0

42,0

Insgesamt

100,0

100,0

100,0

100,0

100,0

 

Wie Sie sehen, bedarf die Tabelle keiner Erklärung.

In unserem in technischer Hinsicht immer noch jungen Lande steht die Industrie vor einer besonderen Aufgabe. Sie soll nicht nur sich selbst, nicht nur alle Zweige der Industrie, darunter auch die Leichtindustrie, die Nahrungsmittelindustrie, die Holzindustrie, auf moderner technischer Basis rekonstruieren. Sie soll auch alle Arten des Verkehrswesens und alle Zweige der Landwirtschaft rekonstruieren. Aber sie kann diese Aufgabe nur dann erfüllen, wenn der Maschinenbau - der Haupthebel der Rekonstruktion der Volkswirtschaft - in ihr einen überragenden Platz eingenommen hat. Die Angaben der Berichtsperiode zeigen, dass der Maschinenbau bei uns im Gesamtumfang der Industrie die führende Rolle erlangt hat.

Hier die entsprechende Tabelle:

Prozentualer Anteil der einzelnen Industriezweige
im Verhältnis zum Ergebnis der Gesamtproduktion
(Gebiet der UdSSR)

 

1913

1929

1932

1933

Steinkohleindustrie

2,9

2,1

1,7

2,0

Koksindustrie

0,8

0,4

0,5

0,6

Erdölgewinnung

1,9

1,8

1,5

1,4

Erdölverarbeitung

2,3

2,5

2,9

2,6

Eisenhüttenindustrie

Keine Angaben

4,5

3,7

4,0

Buntmetallindustrie

Keine Angaben

1,5

1,3

1,2

Maschinenbau

11,0

14,8

25,0

26,1

Chemische Großindustrie

0,8

0,6

0,8

0,9

Baumwollindustrie

18,3

15,2

7,6

7,3

Wollindustrie

3,1

3,1

1,9

1,8

 

Das bedeutet, dass unsere Industrie sich auf einer gesunden Grundlage entwickelt und dass sich der Schlüssel zur Rekonstruktion - der Maschinenbau - ganz in unseren Händen befindet. Man muss ihn nur sachkundig und rationell ausnutzen.

Ein interessantes Bild bietet die Entwicklung der Industrie in der Berichtsperiode nach sozialen Sektoren.

Hier die entsprechende Tabelle:

Gesamtproduktion der Großindustrie nach sozialen Schichten
(in Preisen von 1926/27)

Gesamtproduktion in Millionen Rubel

 

1929

2930

1931

1932

1933

Gesamte Produktion

21025

27477

33903

38464

41968

Davon:
I. Vergesellschaftete
Industrie

20891

27402

Keine
Angaben

38436

41940

Davon:
a) Staatliche
Industrie

19143

24989

Keine
Angaben

35587

38932

b) Genossen-
schaftliche
Industrie

1748

2413

Keine
Angaben

2849

3008

II. Privatindustrie

134

75

Keine
Angaben

28

28

 

Gesamtproduktion in Prozenten

 

1929

2930

1931

1932

1933

Gesamte Produktion

100

100

100

100

100

Davon:
Vergesellschaftete
Industrie

99,4

99,7

Keine
Angaben

99,93

99,93

Davon:
a) Staatliche
Industrie

91,1

90,9

Keine
Angaben

92,52

92,76

b) Genossen-
schaftliche
Industrie

8,3

8,8

Keine
Angaben

7,41

7,17

 

II. Privatindustrie

0,6

0,3

Keine
Angaben

0,07

0,07

Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass es mit den kapitalistischen Elementen in der Industrie bereits zu Ende ist und dass das sozialistische Wirtschaftssystem in unserer Industrie jetzt das einzige, das allein herrschende System ist. (Beifall.)

Aber unter allen Errungenschaften der Industrie, die sie in der Berichtsperiode erzielt hat, muss als die wichtigste Errungenschaft die Tatsache angesehen werden, dass sie es in dieser Zeit vermocht hat, Tausende neuer Menschen und neuer Leiter der Industrie, ganze Schichten neuer Ingenieure und Techniker, Hunderttausende von jungen qualifizierten Arbeitern zu erziehen und auszubilden, die die moderne Technik gemeistert und unsere sozialistische Industrie vorwärts gebracht haben. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass die Industrie ohne diese Menschen nicht jene Erfolge hätte haben können, die sie jetzt hat und auf die sie mit Recht stolz sein kann. Die Angaben besagen, dass die Industrie in der Berichtsperiode aus den Betriebslehrlingsschulen ungefähr 800000 mehr oder weniger qualifizierte Arbeiter, aus den technischen Hochschulen, den Hochschulen und Techniken mehr als 180000 Ingenieure und Techniker für die Betriebe bekommen hat. Wenn es richtig ist, dass das Kaderproblem ein überaus ernstes Problem in unserer Entwicklung ist, so muss man anerkennen, dass unsere Industrie dieses Problem ernstlich zu meistern beginnt.

Das sind die Haupterrungenschaften unserer Industrie.

Es wäre jedoch falsch zu glauben, dass die Industrie nur Erfolge gehabt habe. Nein, sie hat auch ihre Mängel. Die Hauptmängel sind:

a) das fortdauernde Zurückbleiben der Eisenhüttenindustrie;

b) die fehlende Ordnung in der Buntmetallindustrie;

c) die Unterschätzung der überaus großen Bedeutung, die die Entwicklung der Ausbeute örtlicher Kohlenvorkommen für die gesamte Brennstoffwirtschaft des Landes hat (Moskauer Bezirk, Kaukasus, Ural, Karaganda, Mittelasien, Sibirien, Ferner Osten, Nordregion usw.);

d) das Fehlen der notwendigen Aufmerksamkeit für die Frage der Organisierung einer neuen Erdölbasis in den Bezirken des Urals, Baschkiriens, der Emba;

e) das Fehlen ernsthafter Sorge um den Ausbau der Produktion von Massenbedarfsartikeln in der Leicht- und in der Nahrungsmittelindustrie sowie in der Holzindustrie;

f) das Fehlen der notwendigen Aufmerksamkeit für die Frage der Entfaltung der örtlichen Industrie;

g) das ganz unzulässige Verhalten zur Frage der Verbesserung der Qualität der Produktion;

h) das fortdauernde Zurückbleiben in der Hebung der Arbeitsproduktivität, der Senkung der Selbstkosten, in der Einbürgerung der wirtschaftlichen Rechnungsführung;

i) die noch immer nicht liquidierte schlechte Organisation der Arbeit und des Arbeitslohns, das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit in der Arbeit, die Gleichmacherei im Lohnsystem;

j) die noch bei weitem nicht liquidierte kanzleimäßig-bürokratische Methode der Leitung in den Volkskommissariaten für Wirtschaft und ihren Organen, darunter auch in den Volkskommissariaten für Leichtindustrie und für Nahrungsmittelindustrie.

Man braucht wohl kaum noch zu erklären, warum es absolut notwendig ist, diese Mängel schleunigst zu beheben. Die Eisenhütten- und die Buntmetallindustrie haben bekanntlich im Laufe des ersten Planjahrfünfts ihren Plan nicht erfüllt. Sie haben ihn auch im ersten Jahr des zweiten Planjahrfünfts nicht erfüllt. Wenn sie auch künftig zurückbleiben werden, so können sie zum Hemmschuh für die Industrie und zur Ursache von Unterbrechungen in deren Arbeit werden. Was die Schaffung neuer Zentren der Kohlen- und Erdölindustrie betrifft, so dürfte es nicht schwer fallen, zu begreifen, dass ohne Erfüllung dieser unaufschiebbaren Aufgabe sich sowohl die Industrie als auch der Verkehr festfahren können. Die Frage der Massenbedarfsartikel und der Entwicklung der örtlichen Industrie wie auch die Fragen der Verbesserung der Qualität der Produkte, der Steigerung der Arbeitsproduktivität, der Senkung der Selbstkosten und der Einbürgerung der wirtschaftlichen Rechnungsführung bedürfen ebenfalls keiner Erklärung. Was die schlechte Organisation der Arbeit und des Arbeitslohns und die kanzleimäßig-bürokratische Leitungsmethode betrifft, so hat sich, wie das die Geschichte mit dem Donezbecken sowie mit den Betrieben der Leicht- und der Nahrungsmittelindustrie zeigte, diese gefährliche Krankheit in allen Industriezweigen eingenistet und hemmt ihre Entwicklung. Wird sie nicht ausgemerzt, so wird die Industrie auf beiden Beinen hinken.

Die nächsten Aufgaben sind die folgenden:

1. Die jetzige führende Rolle des Maschinenbaus im System der Industrie aufrechtzuerhalten.

2. Das Zurückbleiben der Eisenhüttenindustrie zu liquidieren.

3. In der Buntmetallindustrie Ordnung zu schaffen.

4. Die Ausbeute örtlicher Kohlenvorkommen in allen bereits bekannten Revieren voll zu entfalten, neue Kohlenreviere auszubauen (zum Beispiel im Bezirk Bureja im Fernen Osten), das Kusnezkbecken in ein zweites Donezbecken zu verwandeln. (Anhaltender Beifall.)

5. Die Organisierung einer Erdölbasis in den Gebieten der westlichen und südlichen Abhänge des Uralgebirges ernstlich in Angriff zu nehmen.

6. Die Produktion von Massenbedarfsartikeln in allen Volkskommissariaten für Wirtschaft zu entfalten.

7. Die Industrie der örtlichen Sowjets auszubauen, ihr die Möglichkeit zu geben, in der Herstellung von Massenbedarfsartikeln Initiative zu entwickeln, und sie nach Möglichkeit mit Rohstoffen und Geldmitteln zu unterstützen.

8. Die Qualität der gelieferten Waren zu verbessern, mit der Lieferung unkompletter Erzeugnisse Schluss zu machen und alle diejenigen Genossen ohne Ansehen der Person zu bestrafen, die die Gesetze der Sowjetmacht über Qualität und Vollständigkeit der Erzeugnisse verletzen oder umgehen.

9. Die systematische Hebung der Arbeitsproduktivität, die Senkung der Selbstkosten und die Einbürgerung der wirtschaftlichen Rechnungsführung zu erreichen.

10. Die Verantwortungslosigkeit in der Arbeit und die Gleichmacherei im Lohnsystem restlos auszumerzen.

11. Die kanzleimäßig-bürokratische Leitungsmethode in allen Gliedern der Volkskommissariate für Wirtschaft auszumerzen und systematisch zu prüfen, wie die untergeordneten Organe die Beschlüsse und Anweisungen der leitenden Instanzen durchführen.

2. Der Aufschwung der Landwirtschaft

Etwas anders ist die Entwicklung in der Landwirtschaft verlaufen. Zwar um ein Vielfaches langsamer als in der Industrie, aber immerhin schneller als in der Periode, da die Einzelwirtschaft überwog, hat sich in der Berichtsperiode der Aufschwung der Hauptzweige der Landwirtschaft entfaltet. In der Viehzucht aber hatten wir sogar den entgegen gesetzten Prozess - einen Rückgang des Viehbestands, und erst 1933 sind, und auch das nur auf dem Gebiet der Schweinezucht, Anzeichen einer Besserung sichtbar geworden.

Es ist offensichtlich, dass die gewaltigen Schwierigkeiten bei der Vereinigung der zersplitterten bäuerlichen Kleinwirtschaften zu Kollektivwirtschaften, das schwierige Werk der Schaffung zahlreicher Großwirtschaften für Getreidebau und Viehzucht auf fast menschenleeren Landstrichen und überhaupt die Reorganisationsperiode, die Periode der Umgestaltung der auf der Einzelwirtschaft beruhenden Landwirtschaft und ihrer Überleitung auf neue, kollektivwirtschaftliche Bahnen, die viel Zeit und große Unkosten erfordert - dass alle diese Faktoren zwangsläufig sowohl das langsame Tempo des Aufschwungs der Landwirtschaft als auch eine relativ lange Periode des Rückgangs in der Entwicklung des Viehbestands zur Folge hatten.

Dem Wesen der Sache nach war die Berichtsperiode für die Landwirtschaft nicht so sehr eine Periode des raschen Aufschwungs und mächtigen Anlaufs als vielmehr eine Periode, in der die Voraussetzungen für einen solchen Aufschwung und einen solchen Anlauf in der nächsten Zukunft geschaffen wurden.

Nimmt man die Zahlen über die Erweiterung der Anbauflächen aller Kulturen und dann gesondert der gewerblichen Nutzpflanzen, so erhält man folgendes Bild der Entwicklung der Landwirtschaft in der Berichtsperiode:

Anbaufläche aller Kulturen in der UdSSR
(in Millionen Hektar)

 

1913

1929

1930

1931

1932

1933

Gesamte
Anbaufläche

105,5

118,0

127,2

136,3

134,4

129,7

Davon:
a) Getreide

94,4

96,0

101,8

104,4

99,7

101,5

b) Gewerbliche
Nutzpflanzen

4,5

8,8

10,5

14,0

14,9

12,0

c) Garten- und Feld-
Gemüsekulturen

3,8

7,6

8,0

9,1

9,2

8,6

d) Futtermittel

2,1

5,0

6,5

8,8

10,6

7,3

Anbaufläche der gewerblichen Nutzpflanzen in der UdSSR
(in Millionen Hektar)

 

1913

1929

1930

1931

1932

1933

Baumwolle

0,69

1,06

1,58

2,14

2,17

2,05

Flachs (langfasriger)

1,02

1,63

1,75

2,39

2,51

2,40

Zuckerrüben

0,65

0,77

1,04

1,39

1,54

1,21

Ölfrüchte

2,00

5,20

5,22

7,55

7,98

5,79

Diese Tabellen bringen zwei Grundlinien in der Landwirtschaft zu Ausdruck:

1. Die Linie, die auf die größtmögliche Erweiterung der Anbauflächen gerichtet war, in der Periode, als die Reorganisation der Landwirtschaft in vollem Gange war, als Kollektivwirtschaften zu Zehntausenden geschaffen wurden, als sie die Kulaken vom Boden vertrieben, von den frei gewordenen Ländereien Besitz ergriffen und sie fest in die Hand nahmen.

2. Die Linie, bei der man von einer wahllosen Erweiterung der Anbauflächen Abstand nahm und von der wahllosen Erweiterung der Anbauflächen zur Verbesserung der Bodenbearbeitung überging, zur Einführung einer richtigen Fruchtfolge und einer richtigen Brache, zur Steigerung des Ernteertrags und, wenn die Praxis es erfordert, zu einer vorübergehenden Einschränkung der vorhandenen Anbauflächen.

Bekanntlich ist die zweite Linie - die einzig richtige Linie in der Landwirtschaft - 1932 verkündet worden, als die Reorganisationsperiode in der Landwirtschaft zu Ende ging und die Frage der Steigerung der Ernteerträge zu einer der Grundfragen des Aufschwungs der Landwirtschaft wurde.

Aber die Angaben über die Erweiterung der Anbauflächen können nicht als völlig ausreichende Merkmale für die Entwicklung der Landwirtschaft angesehen werden. Es kommt vor, dass die Anbauflächen wachsen, die Produktion aber nicht wächst, ja sogar sinkt, weil die Bodenbearbeitung sich verschlechtert hat und der Ernteertrag pro Einheit der Anbaufläche zurückgegangen ist. Infolgedessen muss man die Angaben über die Anbauflächen durch Angaben über die Gesamtproduktion ergänzen.

Hier die entsprechende Tabelle:

Gesamtproduktion von Getreide und gewerblichen Nutzpflanzen in der UdSSR
(In Millionen Doppelzentner)

 

1913

1929

1930

1931

1932

1933

Getreide

801,0

717,4

835,4

694,8

698,7

898,0

Rohbaumwolle

7,4

8,6

11,1

12,9

12,7

13,2

Flachsfasern

3,3

3,6

4,4

5,5

5,0

5,6

Zuckerrüben

109,0

62,5

140,2

120,5

65,6

90,0

Ölfrüchte

21,5

35,8

36,2

51,0

45,5

46,0

Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass die Jahre, in denen die Reorganisation der Landwirtschaft in vollem Gange war, 1931 und 1932, Jahre des stärksten Rückgangs der Produktion der Getreidekulturen waren.

Aus dieser Tabelle folgt weiter, dass Flachs und Baumwolle, in deren Anbaugebieten die Reorganisation der Landwirtschaft in weniger raschem Tempo vor sich ging, fast überhaupt nicht gelitten haben, sich mehr oder weniger gleichmäßig und ununterbrochen aufwärts entwickelten und das hohe Entwicklungsniveau bewahrten.

Aus dieser Tabelle folgt drittens, dass, während die Ölfrüchte lediglich ein gewisses Schwanken aufzuweisen hatten und ihr hohes Entwicklungsniveau im Vergleich mit dem Vorkriegsniveau bewahrten, die Zuckerrüben, in deren Anbaugebieten man das höchste Tempo der Reorganisation der Landwirtschaft beobachtete und die zuletzt in die Reorganisationsperiode eintraten, im letzten Jahr der Reorganisation, im Jahre 1932, den größten Rückgang hatten und dass ihre Produktion unter das Vorkriegsniveau sank.

Aus dieser Tabelle folgt schließlich, dass das Jahr 1933 - das erste Jahr nach der Beendigung der Reorganisationsperiode - in der Entwicklung der Getreidekulturen und gewerblichen Nutzpflanzen ein Jahr des Umschwungs ist.

Das bedeutet, dass vor allem die Getreidekulturen und nach ihnen die gewerblichen Nutzpflanzen von nun an fest und sicher einem mächtigen Aufschwung entgegengehen werden.

Am schwersten hat die Viehzucht die Reorganisationsperiode überstanden. Hier die entsprechende Tabelle:

Viehbestand in der UdSSR
(In Millionen Stück)

 

1916

1929

1930

1931

1932

1933

a) Pferde

35,1

34,4

30,2

26,2

19,6

16,6

b) Rinder

58,9

68,1

52,5

47,9

40,7

38,6

c) Schafe und Ziegen

115,2

147,2

108,8

77,7

52,1

50,6

d) Schweine

20,3

20,9

13,6

14,4

11,6

12,2

Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass wir in der Berichtsperiode keine Zunahme des Viehbestands haben, sondern einen noch immer andauernden Rückgang im Vergleich mit dem Vorkriegsniveau. Es ist offensichtlich, dass einerseits die Tatsache, dass die Viehzucht am stärksten von großkulakischen Elementen durchsetzt war, und anderseits die verstärkte Kulakenagitation für das Schlachten des Viehs, die in den Jahren der Reorganisation einen günstigen Boden fand, in dieser Tabelle zum Ausdruck kommen.

Aus dieser Tabelle folgt weiter, dass der Rückgang des Viehbestands gleich im ersten Jahr der Reorganisation (1930) einsetzte und bis 1933 fortdauert, und zwar war der Rückgang am stärksten in den ersten drei Jahren, während im Jahre 1933, im ersten Jahr nach Beendigung der Reorganisationsperiode, als die Getreidekulturen einen Aufschwung nahmen, der Rückgang des Viehbestands minimal war.

Aus dieser Tabelle folgt schließlich, dass in der Schweinezucht bereits ein umgekehrter Prozess eingesetzt hat und im Jahre 1933 schon Anzeichen eines direkten Aufstiegs sichtbar geworden sind.

Das bedeutet, dass das Jahr 1934 ein Jahr des Umschwungs zum Aufstieg der gesamten Viehzucht werden muss und kann.

Wie hat sich bei uns die Kollektivierung der bäuerlichen Wirtschaften in der Berichtsperiode entwickelt?

Hier die entsprechende Tabelle:

Kollektivierung

 

1929

1930

1931

1932

1933

Zahl der Kollektivwirtschaf-
ten

57,0

85,9

211,1

211,05

224,5

Zahl der in den Kollektivwirt-
schaften angeschlossenen
Bauernhöfe (in Milionen)

1,0

6,0

13,0

14,9

15,2

Prozentsatz der Kollektivie-
rung der Bauernhöfe

3,9

23,6

52,7

61,5

65,0

Welche Wandlungen haben aber die Getreideanbauflächen nach Sektoren durchgemacht?

Hier die entsprechende Tabelle:

Anbauflächen der Getreidekulturen nach Sektoren
(in Millionen Hektar)

 

 

 

 

 

 

In Prozenten
Zur Anbau-
Fläche von

Sektoren

1929

1930

1931

1932

1933

1933

1. Sowjetwirtschaften

1,5

2,9

8,1

9,3

10,8

10,6

2. Kollektivwirtschaften

3,4

29,7

61,0

69,1

75,0

73,9

3. Einzelwirtschaften

91,1

69,2

35,3

21,3

15,7

15,5

Gesamte Getreide-
Anbaufläche in der UdSSR

96,0

101,8

104,4

99,7

101,5

100

Was besagen diese Tabellen?

Sie besagen, dass die Reorganisationsperiode der Landwirtschaft, in der die Zahl der Kollektivwirtschaften und ihre Mitgliederzahl in stürmischem Tempo anwuchsen, nunmehr zu Ende ist, schon 1932 zu Ende war.

Folglich ist der weitere Prozess der Kollektivierung ein Prozess, bei dem die Überreste der individuellen Bauernwirtschaften allmählich durch die Kollektivwirtschaften aufgesaugt und umgeformt werden.

Das bedeutet, dass die Kollektivwirtschaften endgültig und unwiderruflich gesiegt haben. (Stürmischer, anhaltender Beifall.)

Sie besagen ferner, dass die Sowjet- und Kollektivwirtschaften zusammen 84,5 Prozent der gesamten Getreideanbaufläche der UdSSR besitzen.

Das bedeutet, dass die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften zusammen zu dem Machtfaktor geworden sind, der über das Schicksal der gesamten Landwirtschaft und aller ihrer Zweige entscheidet.

Sie besagen ferner, dass die 65 Prozent der in den Kollektivwirtschaften zusammengeschlossenen Bauernwirtschaften 73,9 Prozent der gesamten Getreideanbaufläche besitzen, während die ganze Masse der verbleibenden individuellen Bauernwirtschaften, die 35 Prozent der gesamten bäuerlichen Bevölkerung umfassen, insgesamt nur 15,5 Prozent der gesamten Getreideanbaufläche besitzt.

Fügt man noch die Tatsache hinzu, dass die Kollektivwirtschaften 1933 dem Staat, alle Arten von Eingängen gerechnet, über 1 Milliarde Pud Getreide abgeliefert haben, die Einzelbauern aber, die den Plan zu 100 Prozent erfüllten, insgesamt ungefähr 130 Millionen Pud, während 1929/30 die Einzelbauern dem Staat ungefähr 780 Millionen Pud, die Kollektivwirtschaften aber nicht mehr als 120 Millionen Pud abgeliefert haben, so wird es sonnenklar, dass die Kollektivwirtschaften und die Einzelbauern in der Berichtsperiode die Rollen vollständig vertauscht haben, und zwar sind die Kollektivwirtschaften in dieser Zeit zu dem herrschenden Faktor in der Landwirtschaft geworden, die Einzelbauern aber zu einem Faktor zweiten Ranges, der gezwungen ist, sich dem kollektivwirtschaftlichen System unterzuordnen und anzupassen.

Es steht fest, dass die werktätige Bauernschaft, unsere Sowjetbauernschaft, sich endgültig und unwiderruflich unter das rote Banner des Sozialismus gestellt hat. (Anhaltender Beifall.)

Mögen die sozialrevolutionär-menschewistischen und bürgerlich-trotzkistischen Klatschbasen davon schwatzen, dass die Bauernschaft ihrer Natur nach konterrevolutionär sei, dass sie berufen sei, in der UdSSR den Kapitalismus wiederherzustellen, dass sie kein Bundesgenosse der Arbeiterklasse bei der Errichtung des Sozialismus sein könne, dass es in der UdSSR unmöglich sei, den Sozialismus zu errichten. Die Tatsachen besagen, dass diese Herrschaften sowohl die UdSSR als auch die Sowjetbauernschaft verleumden. Die Tatsachen besagen, dass unsere Sowjetbauernschaft endgültig die Ufer des Kapitalismus verlassen hat und im Bunde mit der Arbeiterklasse dem Sozialismus zusteuert. Die Tatsachen besagen, dass wir das Fundament der sozialistischen Gesellschaft in der UdSSR bereits errichtet haben und dass wir es nur noch durch die Überbauten krönen müssen, was zweifellos leichter ist als die Errichtung des Fundaments der sozialistischen Gesellschaft.

Die Stärke der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften erschöpft sich jedoch nicht in der Erweiterung ihrer Anbaufläche und Produktion. Sie findet ihren Ausdruck auch in der Vergrößerung ihres Traktorenparks, in ihrer zunehmenden Mechanisierung. Es besteht kein Zweifel, dass unsere Kollektiv- und Sowjetwirtschaften in dieser Hinsicht einen gewaltigen Schritt vorwärts getan haben.

Hier die entsprechende Tabelle:

Traktorenpark in der Landwirtschaft der UdSSR
(unter Berücksichtigung der Amortisation)

In Tausend

 

1929

1930

1931

1932

1933

Insgesamt Traktoren

34,9

72,1

125,3

148,5

204,1

Davon:
a) Traktoren in den MTS

2,4

31,1

63,3

74,8

122,3

b) Traktoren in den Sowjetwirt-
schaften der verschied.
Volkskommissariate

9,7

27,7

51,5

64,0

81,8

Leistungsfähigkeit in PS

 

1929

1930

1931

1932

1933

Insgesamt Traktoren

391,4

1003,5

1850,0

2225,0

3100,0

Davon:
a) Traktoren in den MTS

23,9

372,5

848,0

1077,0

1782,0

b) Traktoren in den Sowjetwirt-
schaften der verschied.
Volkskommissariate

123,4

483,1

892,0

1043,0

1318,0

Wir haben also 204000 Traktoren mit 3100000 PS für die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften. Das ist, wie man sieht, eine nicht geringe Kraft, eine Kraft, die imstande ist, alle und jegliche Wurzeln des Kapitalismus im Dorfe auszurotten. Das. ist eine Kraft, die doppelt so groß ist wie jene Traktorenzahl, von der Lenin seinerzeit als von einer fernen Perspektive sprach[77].

Was den Park an landwirtschaftlichen Maschinen in den Maschinen und Traktorenstationen und in den Sowjetwirtschaften des Volkskommissariats für Sowjetwirtschaften betrifft, so geben hierüber folgende Tabellen Aufschluss:

In den Maschinen- und Traktorstationen

 

1930

1931

1932

1933

Mähdrescher (in Tausend)

7 Stück

0,1

2,2

11,5

Motoren und Lokomobilen (in Tausend)

0,1

4,9

6,2

17,6

Dreschmaschinen mit mehrfacher und mit
einfacher Reinigung (in Tausend)

2,9

27,8

37,0

50,0

Kraftanlagen für Drusch

168

268

551

1283

Kraftanlagen der Reparaturwerkstätten
in den MTS

104

770

1220

1933

Lastautos (in Tausend)

0,2

1,0

6,0

13,5

Personenautos (in Stück)

17

191

245

2800

In den Sowjetwirtschaften des Volkskommissariats für Sowjetwirtschaften

 

1930

1931

1932

1933

Mähdrescher (in Tausend)

1,7

6,3

11,9

13,5

Motoren und Lokomobilen (in Tausend)

0,3

0,7

1,2

2,5

Dreschmaschinen mit mehrfacher und mit
einfacher Reinigung (in Tausend)

1,4

4,2

7,1

8,0

Kraftanlagen

42

112

164

222

Reparaturwerkstätten
a) für Generalreparaturen

72

133

208

302

b) für mittlere Reparaturen

75

160

215

476

c) für laufende Reparaturen

205

310

578

1166

Lastautos (in Tausend)

2,1

3,7

6,2

10,9

Personenautos (in Stück)

118

385

625

1890

Ich glaube, dass diese Angaben keiner Erläuterung bedürfen.

Von nicht geringer Bedeutung für den Aufschwung der Landwirtschaft waren auch die Bildung von Politischen Abteilungen in den Maschinen- und Traktorenstationen und den Sowjetwirtschaften sowie die Entsendung von qualifizierten Arbeitskräften in die Landwirtschaft. Jetzt erkennen alle an, dass die Funktionäre der Politischen Abteilungen eine gewaltige Rolle bei der Verbesserung der Arbeit der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften gespielt haben. Es ist bekannt, dass das Zentralkomitee der Partei in der Berichtsperiode mehr als 23000 Kommunisten zur Stärkung der Kader der Landwirtschaft ins Dorf geschickt hat, davon mehr als 3000 landwirtschaftliche Funktionäre, mehr als 2000 in die Sowjetwirtschaften, mehr als 13000 in die Politischen Abteilungen der Maschinen- und Traktorenstationen und mehr als 5000 in die Politischen Abteilungen der Sowjetwirtschaften.

Dasselbe ist von der Entsendung netter Ingenieure, Techniker und Agronomen in die Kollektiv- und Sowjetwirtschaften zu sagen. Es ist bekannt, dass in der Berichtsperiode mehr als 111000 Arbeitskräfte dieser Kategorie in die Landwirtschaft geschickt worden sind.

In der Berichtsperiode wurden mehr als 1900000 Traktoristen, Kombineführer, Gehilfen von Kombineführern, Chauffeure ausgebildet und allein im System des Volkskommissariats für Landwirtschaft zur Arbeit geschickt.

Mehr als 1600000 Personen wurden in dieser Periode zu Vorsitzenden und Mitgliedern der Verwaltungen der Kollektivwirtschaften, zu Brigadieren für den Feldbau, Brigadieren für die Viehzucht und zu Rechnungsführern ausgebildet oder umgeschult.

Das ist natürlich wenig für unsere Landwirtschaft. Aber es ist immerhin etwas.

Wie Sie sehen, hat der Staat alles getan, was möglich war, um die Arbeit der Organe des Volkskommissariats für Landwirtschaft und des Volkskommissariats für Sowjetwirtschaften zur Leitung des kollektiv- und sowjetwirtschaftlichen Aufbaus zu erleichtern.

Kann man sagen, dass diese Möglichkeiten so ausgenutzt worden sind, wie es sein sollte?

Leider kann man das nicht sagen.

Vor allem müssen wir feststellen, dass diese Volkskommissariate mehr als die anderen Volkskommissariate von der Krankheit des bürokratisch-kanzleimäßigen Verhaltens zur Arbeit angesteckt sind. Man entscheidet Fragen, denkt aber nicht daran, die Durchführung zu kontrollieren, diejenigen zur Ordnung zu rufen, die die Anweisungen und Verfügungen der leitenden Organe verletzen, diejenigen zu befördern, die ihre Pflichten ehrlich und gewissenhaft erfüllen.

Man sollte meinen, dass das Vorhandensein eines gewaltigen Traktoren- und Maschinenparks die landwirtschaftlichen Verwaltungsstellen dazu verpflichten müsste, diese wertvollen Maschinen in Ordnung zu halten, sie rechtzeitig zu reparieren, sie bei der Arbeit so gut wie möglich auszunutzen. Was tun sie auf diesem Gebiet? Leider sehr wenig. Die Unterbringung der Traktoren und Maschinen ist unbefriedigend. Die Reparatur ist ebenfalls unbefriedigend, denn bis auf den heutigen Tag will man nicht begreifen, dass die Grundlage der Reparatur die laufende und mittlere Reparatur, nicht aber die Generalreparatur ist. Was die Ausnutzung der Traktoren und Maschinen betrifft, so ist der unbefriedigende Stand dieser Sache so klar und so allgemein bekannt, dass er keiner Beweise bedarf.

Eine der aktuellen Aufgaben der Landwirtschaft ist die Einführung der richtigen Fruchtfolge, die Erweiterung der Schwarzbrache, die Verbesserung der Saatgutwirtschaft in allen Zweigen des Ackerbaus. Was wird auf diesem Gebiet getan? Einstweilen leider sehr wenig. In der Saatgutwirtschaft für Getreide und Baumwolle herrscht ein solches Durcheinander, dass man noch viel Zeit brauchen wird, um sie in Ordnung zu bringen.

Eins der wirksamsten Mittel zur Hebung des Ernteertrags bei den gewerblichen Nutzpflanzen ist die Anwendung von Düngemitteln. Was wird auf diesem Gebiet getan? Einstweilen sehr wenig. Düngemittel sind vorhanden, aber die Organe des Volkskommissariats für Landwirtschaft verstehen es nicht, sie zu übernehmen, und wenn sie sie übernommen haben, dann sorgen sie nicht dafür, dass sie rechtzeitig an Ort und Stelle geschafft und rationell ausgenutzt werden.

Was die Sowjetwirtschaften betrifft, so muss man sagen, dass sie ihren Aufgaben immer noch nicht gerecht werden. Ich bin weit davon entfernt, die große revolutionierende Bedeutung unserer Sowjetwirtschaften zu unterschätzen. Aber wenn man die gewaltigen Investitionen des Staates in die Sowjetwirtschaften mit den heutigen faktischen Ergebnissen der Arbeit der Sowjetwirtschaften vergleicht, so ergibt sich ein gewaltiges Missverhältnis zuungunsten der Sowjetwirtschaften. Die Hauptursache dieses Missverhältnisses ist der Umstand, dass unsere Getreide-Sowjetwirtschaften allzu groß sind, die Direktoren mit den riesigen Sowjetwirtschaften nicht fertig werden, die Sowjetwirtschaften selbst übermäßig spezialisiert sind, keine Fruchtfolge und keine Brache kennen, dass in ihrer Wirtschaft keine Viehzucht betrieben wird. Offenbar muss man die Sowjetwirtschaften zerteilen und ihre übermäßige Spezialisierung beseitigen. Man sollte meinen, dass das Volkskommissariat für Sowjetwirtschaften diese Frage rechtzeitig aufgeworfen und ihre Lösung durchgesetzt habe. Das ist aber nicht der Fall. Die Frage wurde auf Initiative von Leuten gestellt und entschieden, die mit dem Volkskommissariat für Sowjetwirtschaften nichts zu tun haben.

Schließlich die Frage der Viehzucht. Ich habe bereits über die schwere Lage der Viehzucht berichtet. Man sollte meinen, dass unsere landwirtschaftlichen Verwaltungsstellen eine fieberhafte Tätigkeit zur Liquidierung der Krise in der Viehzucht entfalten, dass sie Alarm schlagen, ihre Mitarbeiter mobilisieren und dem Viehzuchtproblem durch kühnes Eingreifen beizukommen suchen. Leider geschah und geschieht nichts Derartiges. Sie schlagen nicht nur keinen Alarm wegen der schweren Lage der Viehzucht, sondern bemühen sich im Gegenteil, die Frage zu vertuschen, mitunter aber versuchen sie sogar in ihren Berichten, vor der öffentlichen Meinung des Landes den wirklichen Stand der Viehzucht zu verheimlichen, was für Bolschewiki völlig unzulässig ist. Nach alledem darauf hoffen, dass die landwirtschaftlichen Verwaltungsstellen imstande sein würden, die Viehzucht aus ihren Schwierigkeiten herauszuführen und sie auf die erforderliche Höhe zu bringen, hieße auf Sand bauen. Die gesamte Partei, alle unsere Funktionäre, Parteimitglieder und Parteilose, müssen die Sache der Viehzucht in die Hand nehmen, wobei in Betracht gezogen werden muss, dass das Problem der Viehzucht jetzt ein ebenso erstrangiges Problem ist, wie es gestern das bereits erfolgreich gelöste Getreideproblem war. Es braucht nicht erst bewiesen zu werden, dass die Sowjetmenschen, die wiederholt große Hindernisse auf dem Wege zum Ziel genommen haben, es verstehen werden, auch dieses Hindernis zu nehmen. (Beifallssturm.)

Das ist die kurze und bei weitem nicht vollständige Aufzählung der zu behebenden Mängel und der in der nächsten Zeit zu lösenden Aufgaben.

Bei diesen Aufgaben darf es jedoch nicht sein Bewenden haben. Es bestehen noch andere Aufgaben in der Landwirtschaft, über die einige Worte zu sagen wären.

Vor allem muss man im Auge behalten, dass die alte Teilung unserer Gebiete in Industrie- und Agrargebiete bereits überholt ist. Es gibt bei uns keine ausschließlichen Agrargebiete mehr, die die Industriegebiete mit Getreide, Fleisch, Gemüse versorgen, ebenso wie es bei uns keine ausschließlichen Industriegebiete mehr gibt, die darauf rechnen könnten, dass sie alle notwendigen Lebensmittel von auswärts, aus anderen Gebieten bekommen würden. Die Entwicklung führt dazu, dass alle Gebiete bei uns mehr oder weniger zu Industriegebieten werden, und je weiter, desto mehr werden sie zu Industriegebieten werden. Das bedeutet, dass die Ukraine, der Nordkaukasus, das Zentrale Schwarzerdegebiet und andere ehemalige Agrargebiete nicht mehr soviel Lebensmittel an die Industriezentren abgeben können wie früher, denn sie müssen ihre eigenen Städte und ihre eigenen Arbeiter ernähren, deren Zahl zunehmen wird. Daraus folgt aber, dass jedes Gebiet sich eine eigene landwirtschaftliche Basis schaffen muss, um eigenes Gemüse, eigene Kartoffeln, eigene Butter, eigene Milch und in diesem oder jenem Grade eigenes Getreide, eigenes Fleisch zu haben, wenn es nicht in eine schwierige Lage geraten will. Sie wissen, dass diese Sache durchaus realisierbar ist und dass jetzt bereits daran gearbeitet wird.

Die Aufgabe besteht darin, diese Sache um jeden Preis zu Ende zu führen.

Ferner muss man das Augenmerk darauf richten, dass die bekannte Teilung unserer Gebiete in Lebensmittel-Zuschuss- und Überschussgebiete ebenfalls anfängt, ihren ausschließlichen Charakter zu verlieren. Solche „Zuschuss“gebiete wie das Moskauer und das Gorkigebiet haben in diesem Jahr dem Staat ungefähr 80 Millionen Pud Getreide geliefert. Das ist natürlich keine Kleinigkeit. In der so genannten Zuschusszone gibt es ungefähr 5 Millionen Hektar Neuland, das mit Gesträuch bedeckt ist. Es ist bekannt, dass das Klima in dieser Zone nicht schlecht ist, dass es an Niederschlägen nicht mangelt und dass es hier keine Dürre gibt. Wenn man dieses Land vom Gesträuch säubert und eine Reihe organisatorischer Maßnahmen durchführt, so kann man ein gewaltiges Getreidegebiet bekommen, das bei den gewöhnlich hohen Erträgen in diesen Gegenden nicht weniger Warengetreide liefern würde als jetzt die Untere oder die Mittlere Wolga. Das wäre eine große Hilfe für die Industriezentren im Norden.

Die Aufgabe besteht offenbar darin, in den Gebieten der Zuschusszone ein großes kompaktes Areal von Getreidekulturen zu schaffen.

Und schließlich die Frage der Bekämpfung der Dürre im Transwolgagebiet. Die Aufforstung und die Schaffung von Schutzwaldstreifen in den östlichen Bezirken des Transwolgagebiets ist von gewaltiger Bedeutung. Bekanntlich wird daran bereits gearbeitet, obwohl man nicht sagen kann, dass diese Arbeit intensiv genug betrieben wird. Was die Bewässerung des Transwolgagebiets betrifft - und das ist das Wichtigste vom Standpunkt der Bekämpfung der Dürre -, so darf man nicht zulassen, dass diese Sache auf die lange Bank geschoben wird. Allerdings ist sie etwas gehemmt worden durch einige äußere Umstände, die viele Kräfte und Mittel in Anspruch genommen hatten. Aber jetzt besteht kein Grund mehr, sie weiter aufzuschieben. Wir können nicht ohne eine ernste und durchaus stabile, von den Zufälligkeiten der Witterung unabhängige Basis der Getreideproduktion an der Wolga auskommen, die jährlich gegen 200 Millionen Pud Warengetreide liefern würde. Das ist unbedingt notwendig, wenn man das Anwachsen der Städte an der Wolga einerseits und alle möglichen Verwicklungen in den internationalen Beziehungen anderseits in Betracht zieht.

Die Aufgabe besteht darin, ernstlich an die Arbeit zur Organisierung der Bewässerung des Transwolgagebiets heranzugehen. (Beifall.)

3. Der Aufschwung der materiellen Lage und der Kultur
der Werktätigen

Wir haben somit die Lage unserer Industrie und Landwirtschaft, ihre Entwicklung in der Berichtsperiode und ihren Stand im gegenwärtigen Augenblick geschildert.

Das Ergebnis ist:

a) die Produktion hat sowohl in der Industrie als auch in den wichtigsten Zweigen der Landwirtschaft einen mächtigen Aufschwung genommen;

b) das sozialistische Wirtschaftssystem hat auf der Grundlage dieses Aufschwungs endgültig über das kapitalistische Wirtschaftssystem gesiegt, und zwar sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft, das sozialistische System ist zum einzigen System in der gesamten Volkswirtschaft geworden, die kapitalistischen Elemente sind aus allen Sphären der Volkswirtschaft verdrängt;

c) die gewaltige Mehrheit der Einzelbauern hat endgültig der kleinen individuellen Warenwirtschaft den Rücken gekehrt, hat sich auf der Grundlage der kollektiven Arbeit und des kollektiven Eigentums an den Produktionsmitteln in Kollektivwirtschaften zusammengeschlossen, die Kollektivwirtschaft hat über die kleine individuelle Warenwirtschaft den völligen Sieg davongetragen;

d) der Prozess der weiteren Ausbreitung der Kollektivwirtschaften auf Kosten der einzelbäuerlichen Wirtschaften schreitet fort, die Zahl der einzelbäuerlichen Wirtschaften geht somit von Monat zu Monat zurück, und sie verwandeln sich im Grunde genommen in eine Hilfskraft der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften.

Es ist klar, dass dieser historische Sieg über die Ausbeuter zu radikalen Verbesserungen in der materiellen Lage und in den gesamten Lebensverhältnissen der Werktätigen führen musste.

Die Liquidierung der parasitären Klassen hat zum Verschwinden der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen geführt. Die Arbeit des Arbeiters und Bauern ist von der Ausbeutung befreit. Die Einkünfte, die die Ausbeuter aus der Arbeit des Volkes herauspressten, bleiben jetzt in den Händen der Werktätigen und werden teils zur Erweiterung der Produktion und zur Einbeziehung neuer Gruppen von Werktätigen in den Produktionsprozess, teils zur direkten Erhöhung des Einkommens der Arbeiter und Bauern verwendet.

Verschwunden ist die Arbeitslosigkeit, diese Geisel der Arbeiterklasse. Während in den bürgerlichen Ländern Millionen Arbeitslose wegen Arbeitsmangel Elend und Not leiden, gibt es bei uns keine Arbeiter mehr, die nicht Arbeit und Verdienst hätten.

Mit dem Verschwinden des Kulakenjochs ist das Elend im Dorfe verschwunden. Jeder Bauer, ob Kollektiv- oder Einzelhauer, hat jetzt die Möglichkeit, menschlich zu leben, wenn er nur gewillt ist, ehrlich zu arbeiten, nicht zu faulenzen, nicht zu bummeln und sich nicht am Eigentum der Kollektivwirtschaft zu vergreifen.

Die Beseitigung der Ausbeutung, die Beseitigung der Arbeitslosigkeit in der Stadt, die Beseitigung des Elends im Dorfe - das sind historische Errungenschaften in der materiellen Lage der Werktätigen, die sich die Arbeiter und Bauern auch der „allerdemokratischsten“ bürgerlichen Länder nicht einmal träumen lassen können.

Geändert hat sich das Aussehen unserer Großstädte und Industriezentren. Ein unvermeidliches Kennzeichen der Großstädte der bürgerlichen Länder sind die Elendsquartiere, die so genannten Arbeiterviertel am Rande der Stadt, die einen Haufen von dunklen, feuchten Räumen, meist halbverfallenen Kellerräumen darstellen, in denen gewöhnlich die armen Leute hausen, im Schmutz verkommen und ihr Schicksal verfluchen. Die Revolution in der UdSSR hat dazu geführt, dass diese Elendsquartiere bei uns verschwunden sind. Sie sind durch neu erbaute gute und helle Arbeiterviertel ersetzt worden, und in vielen Fällen sehen die Arbeiterviertel bei uns besser aus als das Stadtzentrum.

Noch mehr hat sich das Aussehen des Dorfes verändert. Das alte Dorf, in dem die Kirche an dem sichtbarsten Platz stand, in dem der Landpolizist, der Pope und die Kulaken die schönsten Häuser im Vordergrund bewohnten und die halbverfallenen Hütten der Bauern im Hintergrund standen, beginnt zu verschwinden. An seine Stelle tritt das neue Dorf mit seinen gesellschaftlichen Wirtschaftsgebäuden, mit seinen Klubs, mit Radio, Kino, Schulen, Bibliotheken und Kinderkrippen, mit seinen Traktoren, Mähdreschern, Dreschmaschinen und Automobilen. Verschwunden sind der Kulak und Ausbeuter, der Wucherer und Blutsauger, der Händler und Spekulant, der Landpolizist, Figuren, die früher den Ton angaben. Jetzt sind die Funktionäre der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften, der Schulen und Klubs, die Obertraktoristen und Kombineführer, die Brigadiere für Feldbau und Viehzucht, die besten Stoßbrigadier und Stossbrigadierinnen der Kollektivfelder die angesehenen Leute.

Es verschwindet der Gegensatz zwischen Stadt und Land. Die Stadt hört auf, in den Augen der Bauern das Zentrum ihrer Ausbeutung zu sein. Immer stärker werden die Fäden des wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenschlusses zwischen Stadt und Land. Von der Stadt und ihrer Industrie erhält das Land jetzt Unterstützung in Gestalt von Traktoren, landwirtschaftlichen Maschinen, Automobilen, Arbeitskräften, Geldmitteln. Ja, das Dorf selbst hat jetzt seine eigene Industrie in Gestalt von Maschinen- und Traktorenstationen, Reparaturwerkstätten, allen möglichen Gewerbebetrieben der Kollektivwirtschaften, kleinen Kraftwerken usw. Die Kluft im Kulturniveau zwischen Stadt und Land wird ausgefüllt.

Das sind die wichtigsten Errungenschaften der Werktätigen auf dem Gebiet der Hebung ihrer materiellen Lage, ihrer Lebensverhältnisse, ihrer Kultur.

Auf Grund dieser Errungenschaften haben wir in der Berichtsperiode:

a) das Anwachsen des Volkseinkommens von 35 Milliarden im Jahre 1930 auf 50 Milliarden im Jahre 1933; dabei wird fast das gesamte Volkseinkommen - da der Anteil der kapitalistischen Elemente, darunter auch der Konzessionäre, am Volkseinkommen gegenwärtig weniger als ein halbes Prozent ausmacht - unter die Arbeiter und Angestellten, die werk-tätigen Bauern, die Genossenschaften und den Staat aufgeteilt;

b) das Anwachsen der Bevölkerung der Sowjetunion von 160,5 Millionen Ende 1930 auf 168 Millionen Ende 1933;

c) das Anwachsen der Zahl der Arbeiter und Angestellten von 14530000 im Jahre 1930 auf 21883 000 im Jahre 1933, wobei die Zahl der Arbeiter in dieser Periode von 9489000 auf 13797000, die Zahl der Arbeiter in der Großindustrie, einschließlich der Arbeiter des Verkehrswesens, von 5079000 auf 6882000, die Zahl der Landarbeiter von 1426000 auf 2519000, die Zahl der Arbeiter und Angestellten im Handel von 814000 auf 1497000 gestiegen ist;

d) das Anwachsen der Lohnsumme der Arbeiter und Angestellten von 13597 Millionen Rubel im Jahre 1930 auf 31280 Millionen Rubel im Jahre 1933;

e) das Anwachsen des jährlichen Durchschnittslohns der Industriearbeiter von 991 Rubel im Jahre 1930 auf 1519 Rubel im Jahre 1933;

f) das Anwachsen des Sozialversicherungsfonds der Arbeiter und Angestellten von 1810 Millionen Rubel im Jahre 1930 auf 4610 Millionen Rubel im Jahre 1933;

g) die Überführung der gesamten Industrie, mit Ausnahme der Untertagearbeiten, auf den siebenstündigen Arbeitstag;

h) die Unterstützung der Bauern durch den Staat in Form der Organisierung von 2860 Maschinen- und Traktorenstationen mit einem Kapitalaufwand von 2 Milliarden Rubel;

i) die Unterstützung der Bauern durch den Staat in Form von Krediten an die Kollektivwirtschaften in Höhe von 1,6 Milliarden Rubel;

j) die Unterstützung der Bauern durch den Staat in Form von Saatgut- und Lebensmitteldarlehen im Laufe der Berichtsperiode in Höhe von 262 Millionen Pud Getreide;

k) die Unterstützung der wirtschaftlich schwachen Bauern durch den Staat in Form von Vergünstigungen bei der Besteuerung und Versicherung in Höhe von 370 Millionen Rubel.

Was die kulturelle Entwicklung des Landes betrifft, so haben wir in der Berichtsperiode:

a) die Einführung der allgemeinen Schulpflicht in der ganzen UdSSR und die Erhöhung des Prozentsatzes der Lese- und Schreibkundigen von 67 Prozent Ende 1930 auf 90 Prozent Ende 1933;

b) das Anwachsen der Schülerzahl in den Schulen aller Stufen von 14358 000 im Jahre 1929 auf 26419000 im Jahre 1933, darunter in den Elementarschulen von 11697000 auf 19163000, in den Mittelschulen von 2453000 auf 6674000, in den Hochschulen von 207000 auf 491000;

c) das Anwachsen der Zahl der von der Vorschulerziehung erfassten Kinder von 838000 im Jahre 1929 auf 5917000 im Jahre 1933;

cl) das Anwachsen der Zahl der höheren Lehranstalten, der allgemeinen und der speziellen, von 91 im Jahre 1914 auf 600 im Jahre 1933;

e) das Anwachsen der Zahl der wissenschaftlichen Forschungsinstitute von 400 im Jahre 1929 auf 840 im Jahre 1933;

f) das Anwachsen der Zahl der Klubs und ähnlicher Einrichtungen von 32000 im Jahre 1929 auf 54000 im Jahre 1933;

g) das Anwachsen der Zahl der Lichtspieltheater, der Lichtspielapparate in den Klubs und der Wanderkinos von 9800 im Jahre 1929 auf 29200 im Jahre 1933;

h) das Anwachsen der Auflagen der Zeitungen von 12500000 im Jahre 1929 auf 36500000 im Jahre 1933.

Es dürfte wohl nicht schaden festzustellen, dass unter den Studierenden der höheren Lehranstalten die Arbeiter 51,4 Prozent, die werktätigen Bauern 16,5 Prozent ausmachen, während in Deutschland zum Beispiel unter den Studierenden der höheren Lehranstalten im Unterrichtsjahr 1932133 die Arbeiter im Ganzen nur 3,2 Prozent, die Kleinbauern im Ganzen nur 2,4 Prozent ausmachten.

Als erfreuliche Tatsache und als Zeichen des ansteigenden Kulturniveaus im Dorfe muss das Anwachsen der Aktivität der Kollektivbäuerinnen auf dem Gebiet der gesellschaftlichen organisatorischen Arbeit festgestellt werden. Es ist zum Beispiel bekannt, dass gegenwärtig ungefähr 6000 Kollektivbäuerinnen Vorsitzende von Kollektivwirtschaften, mehr als 60000 Mitglieder der Verwaltungen von Kollektivwirtschaften, 28000 Brigadierinnen, 100000 Gruppenorganisatorinnen, 9000 Leiterinnen von kollektivwirtschaftlichen Warenfarmen und 7000 Traktoristinnen sind.

Es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass diese Angaben nicht vollständig sind. Aber auch das wenige, was in diesen Angaben enthalten ist, spricht eindringlich genug von dem gewaltigen Ansteigen des Kulturniveaus im Dorfe. Dieser Umstand, Genossen, ist von gewaltiger Bedeutung. Er ist von gewaltiger Bedeutung, weil die Frauen die Hälfte der Bevölkerung unseres Landes ausmachen, weil sie eine riesige Arbeitsarmee bilden, weil sie berufen sind, unsere Kinder, unsere künftige Generation, das heißt unsere Zukunft, zu erziehen. Deshalb können wir nicht zulassen, dass diese gewaltige Armee von Werktätigen in Finsternis und Unwissenheit dahinvegetiert! Deshalb müssen wir die zunehmende gesellschaftliche Aktivität der werktätigen Frauen und ihr Aufrücken in leitende Stellungen als unzweifelhaftes Zeichen des Steigens unseres Kulturniveaus begrüßen. (Anhaltender Beifall.)

Schließlich muss man noch eine Tatsache hervorheben, allerdings negativer Natur. Ich meine die unzulässige Erscheinung, dass die pädagogischen und medizinischen Fakultäten bei uns immer noch stiefmütterlich behandelt werden. Das ist ein großer Mangel, der an Verletzung der Staatsinteressen grenzt. Dieser Mangel muss unbedingt behoben werden, und je schneller das geschieht, desto besser.

4. Der Aufschwung des ‘Warenumsatzes
und das Verkehrswesen

Wir haben also:

a) das Anwachsen der Industrieproduktion, darunter der Produktion von Massenbedarfsartikeln;

b) das Anwachsen der landwirtschaftlichen Produktion;

c) das Anwachsen des Bedarfs und der Nachfrage nach Produkten und Erzeugnissen bei den werktätigen Massen in Stadt und Land.

Was ist noch notwendig, um diese Faktoren miteinander zu verknüpfen und der gesamten Masse der Verbraucher die notwendigen Waren und Produkte zu sichern?

Manche Genossen glauben, dass diese Faktoren genügen, damit sich das Wirtschaftsleben des Landes voll entfalte. Das ist ein schwerer Irrtum. Man kann sich vorstellen, dass alle diese Faktoren vorhanden sind, wenn aber die Ware nicht zum Verbraucher gelangt, so kann sich das Wirtschaftsleben nicht nur nicht voll entfalten, sondern wird im Gegenteil völlig zerrüttet und desorganisiert werden. Man muss endlich begreifen, dass die Waren schließlich und endlich nicht für die Produktion, sondern für den Verbrauch produziert werden. Es hat bei uns Fälle gegeben, dass nicht wenig Waren und Produkte vorhanden waren, dass sie aber nicht nur nicht zum Verbraucher gelangten, sondern jahrelang in den bürokratischen Kanälen des so genannten warenzuführenden Netzes wanderten, abseits vorn Verbraucher. Es ist klar, dass Industrie und Landwirtschaft unter diesen Umständen jeden Ansporn zur Erweiterung der Produktion verloren, dass sich die Waren im warenzuführenden Netz anstauten, die Arbeiter und die Bauern aber ohne Waren und Produkte blieben. Das Ergebnis war, dass das Wirtschaftsleben des Landes gestört wurde, obwohl es Waren und Produkte gab. Damit sich das Wirtschaftsleben des Landes voll entfalten könne, Industrie und Landwirtschaft aber einen Ansporn zur weiteren Steigerung ihrer Produktion erhalten, bedarf es noch einer Bedingung, nämlich eines entfalteten Warenumsatzes zwischen Stadt und Land, zwischen den einzelnen Bezirken und Gebieten des Landes, zwischen den verschiedenen Zweigen der Volkswirtschaft. Das Land muss mit einem dichten Netz von Warenlagern, Läden, Verkaufsstellen überzogen werden. Es ist notwendig, dass die Waren durch die Kanäle dieser Warenlager, Läden und Verkaufsstellen unaufhörlich von den Produktionsstätten zum Verbraucher zirkulieren. Es ist notwendig, dass sowohl das staatliche Handelsnetz als auch das Handelsnetz der Genossenschaften, die örtliche Industrie, die Kollektivwirtschaften und die Einzelbauern in diese Arbeit einbezogen werden.

Das eben nennen wir voll entfalteten Sowjethandel, Handel ohne Kapitalisten, Handel ohne Spekulanten.

Wie Sie sehen, ist die Entfaltung des Sowjethandels jene überaus aktuelle Aufgabe, ohne deren Lösung es unmöglich ist, weiter vorwärts zu schreiten.

Und obwohl diese Wahrheit völlig offensichtlich ist, musste die Partei in der Berichtsperiode eine ganze Reihe von Hindernissen auf dem Wege zur Entfaltung des Sowjethandels überwinden, die man der Kürze halber als Ergebnis einer Gehirnverrenkung bei einem Teil der Kommunisten in den Fragen der Notwendigkeit und Bedeutung des Sowjethandels bezeichnen könnte.

Vor allem muss man feststellen, dass unter einem Teil der Kommunisten immer noch ein hochmütiges, geringschätziges Verhalten zum Handel überhaupt und zum Sowjethandel im Besonderen herrscht. Diese, mit Verlaub zu sagen, Kommunisten halten den Sowjethandel für eine untergeordnete, unwesentliche Angelegenheit, die im Handel Tätigen aber für verlorene Menschen. Diese Leute verstehen offenbar nicht, dass sie mit ihrem hochmütigen Verhalten zum Sowjethandel keine bolschewistischen Ansichten, sondern die Ansichten von heruntergekommenen Adligen zum Ausdruck bringen, die große Ambition, aber keinerlei Munition haben. (Beifall.) Diese Leute verstehen nicht, dass der Sowjethandel unsere ureigene, bolschewistische Sache ist und dass die im Handel Tätigen, auch die Ladenangestellten, wenn sie nur ehrlich arbeiten, für unsere revolutionäre, bolschewistische Sache wirken. (Beifall.) Es ist klar, dass die Partei diese, mit Verlaub zu sagen, Kommunisten etwas unsanft anfassen und ihre Adelsvorurteile auf den Kehrichthaufen werfen musste. (Anhaltender Bei f all.)

Man musste ferner Vorurteile anderer Art überwinden. Ich meine das ultralinke Geschwätz, das unter einem Teil unserer Funktionäre in Umlauf ist, dass nämlich der Sowjethandel ein überholtes Stadium sei, dass wir den direkten Produktenaustausch organisieren müssten, dass das Geld bald abgeschafft werden würde, weil es zu einem bloßen Rechenschein geworden sei, dass man den Handel nicht zu entwickeln brauche, da doch der direkte Produktenaustausch bereits vor der Tür stehe. Es muss betont werden, dass dieses kleinbürgerliche ultralinke Geschwätz, das den kapitalistischen Elementen, die bestrebt sind, die Entfaltung des Sowjethandels zu vereiteln, in die Hände arbeitet, nicht nur bei einem Teil der „roten Professoren“, sondern auch bei manchen Funktionären des Handels in Umlauf ist. Es ist natürlich lächerlich und drollig, dass diese Leute, die nicht fähig sind, die überaus einfache Sache des Sowjethandels zu organisieren, von ihrer Bereitschaft schwatzen, die kompliziertere und schwierigere Sache des direkten Produktenaustausches zu organisieren. Aber die Don Quichottes heißen gerade deswegen Don Quichottes, weil ihnen der elementare Sinn für die Wirklichkeit abgeht. Diese Leute, die vom Marxismus ebenso weit entfernt sind wie der Himmel von der Erde, verstehen offenbar nicht, dass das Geld bei uns noch lange bestehen wird, bis zum Abschluss des ersten Stadiums des Kommunismus, des sozialistischen Entwicklungsstadiums. Sie verstehen nicht, dass das Geld ein Instrument der bürgerlichen Ökonomik ist, das die Sowjetmacht in ihre Hände genommen und den Interessen des Sozialismus angepasst hat, um den Sowjethandel voll zu entfalten und dadurch die Bedingungen für den direkten Produktenaustausch vorzubereiten. Sie verstehen nicht, dass der Produktenaustausch nur als Ablösung und Ergebnis eines ideal organisierten Sowjethandels kommen kann, von dem bei uns noch nicht die leiseste Spur vorhanden ist und den wir nicht so bald haben werden. Es ist klar, dass die Partei, die bestrebt ist, den voll entfalteten Sowjethandel zu organisieren, es für notwendig gehalten hat, auch diese „linken“ Missgestalten hart anzupacken, ihrem kleinbürgerlichen Geschwätz aber ein Ende zu machen.

Man musste ferner die ungesunden Gewohnheiten der Handelsfunktionäre, die Waren mechanisch zu verteilen, überwinden, die Geringschätzung der Erfordernisse des Sortiments und der Anforderungen des Verbrauchers ausmerzen, dem mechanischen Versand der Waren, dem Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit im Handel ein Ende machen. Zu diesem Zweck wurden Warenlager, die je ein Gebiet beziehungsweise mehrere Bezirke beliefern, ferner Zehntausende von neuen Läden und Verkaufsstellen eröffnet.

Man musste ferner die Monopolstellung der Genossenschaften auf dem Markt beseitigen; im Zusammenhang damit verpflichteten wir alle Volkskommissariate, den Handel mit eigenen Waren zu eröffnen, und das Volkskommissariat für Versorgungswesen, den freien Handel mit landwirtschaftlichen Produkten zu entfalten, was einerseits durch den Wettbewerb zur Verbesserung des Handels in den Genossenschaften, anderseits aber zur Senkung der Preise auf dem Markt, zur Gesundung des Marktes geführt hat.

Es wurde ein weit verzweigtes Netz von Speisehallen geschaffen, in denen Mahlzeiten zu herabgesetzten Preisen verabfolgt werden („gesellschaftliche Speisung“), in den Betrieben wurden Abteilungen für die Versorgung der Arbeiter organisiert, wobei Personen, die mit dem Betrieb nichts zu tun haben, von der Versorgung durch den Betrieb ausgeschlossen wurden, was allein im System des Volkskommissariats für Schwerindustrie zum Ausschluss von nicht weniger als 500000 betriebsfremden Personen führte.

In die Wege geleitet wurde das richtige Funktionieren der einheitlichen zentralisierten Bank für kurzfristige Kredite, der Staatsbank mit ihren 2200 Bezirksfilialen, die imstande sind, die Handelsoperationen zu finanzieren.

Als Ergebnis dieser Maßnahmen haben wir in der Berichtsperiode:

a) die Erweiterung des Netzes der Läden und Verkaufsstellen von 184662 im Jahre 1930 auf 277974 im Jahre 1933;

b) das neu geschaffene Netz von 1011 Gebietswarenlagern und von 864 Warenlagern, die mehrere Bezirke erfassen;

c) das neu geschaffene Netz von 1600 Abteilungen für Arbeiterversorgung;

d) die Erweiterung des Netzes der Läden für den freien Verkauf von Brot, das gegenwärtig 330 Städte umfasst;

e) die Erweiterung des Netzes der öffentlichen Speisebetriebe, das jetzt 19,8 Millionen Konsumenten erfasst;

f) das Anwachsen des Warenumsatzes im staatlichen und genossenschaftlichen Handelsnetz einschließlich der gesellschaftlichen Speisehallen von 18,9 Milliarden Rubel im Jahre 1930 auf 49 Milliarden Rubel im Jahre 1933.

Es wäre falsch anzunehmen, dass diese ganze Entfaltung des Sowjethandels genüge, um die Bedürfnisse unserer Wirtschaft zu befriedigen. Im Gegenteil, jetzt wird es mehr denn je klar, dass der gegenwärtige Stand des Warenumsatzes unsere Bedürfnisse nicht befriedigen kann. Deshalb besteht die Aufgabe darin, den Sowjethandel weiter auszubauen, die örtliche Industrie dazu heranzuziehen, den Handel der Kollektivwirtschaften und der Bauern zu steigern und neue entscheidende Erfolge auf dem Gebiet der Hebung des Sowjethandels zu erzielen.

Man muss jedoch darauf hinweisen, dass man sich nicht auf die Entfaltung des Sowjethandels allein beschränken darf. Hängt die Entwicklung unserer Wirtschaft von der Entwicklung des Warenumsatzes, von der Entwicklung des Sowjethandels ab, so hängt die Entwicklung des Sowjethandels wiederum von der Entwicklung unseres Verkehrswesens ab, sowohl der Eisenbahnen und der Schifffahrt als auch des Automobilverkehrs. Es kann vorkommen, dass Waren vorhanden sind, dass die volle Möglichkeit besteht, den Warenumsatz zu entfalten, das Verkehrswesen aber nicht mit der Entwicklung des Warenumsatzes Schritt hält und nicht imstande ist, die Güter zu befördern. Bekanntlich kommt das bei uns sehr häufig vor. Deshalb ist das Verkehrswesen jene schwache Stelle, an der unsere gesamte Wirtschaft, und vor allem unser Warenumsatz, straucheln kann und wohl schon zu straucheln beginnt.

Allerdings haben die Eisenbahnen ihren Güterumschlag von 133,9 Milliarden Tonnenkilometer im Jahre 1930 auf 172 Milliarden Tonnenkilometer im Jahre 1933 erhöht. Aber das ist wenig, viel zuwenig für uns, für unsere Wirtschaft.

Die Schifffahrt hat ihren Güterumschlag von 45,6 Milliarden Tonnenkilometer 1930 auf 59,9Milliarden Tonnenkilometer 1933 erhöht. Aber das ist wenig, viel zuwenig für unsere Wirtschaft.

Ich spreche schon gar nicht vom Automobilverkehr, dessen Park von 8800 Automobilen (Last- und Personenwagen) 1913 auf 117800 Automobile Ende 1933 gestiegen ist. Das ist für unsere Volkswirtschaft so wenig, dass man sich schämt, davon auch nur zu sprechen.

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass alle diese Verkehrsmittel viel besser arbeiten könnten, wenn die Organe des Verkehrswesens nicht an jener bekannten Krankheit litten, die man kanzleimäßig-bürokratische Leitungsmethode nennt. Die Aufgabe besteht also nicht nur darin, dem Verkehrswesen mit Menschen und Mitteln zu helfen, sondern auch darin, in den Organen des Verkehrswesens das bürokratisch-kanzleimäßige Verhalten zur Arbeit auszurotten und sie zu operativeren Organen zu machen.

Genossen! Wir haben erreicht, dass die Grundfragen der Industrie richtig gelöst worden sind, und die Industrie steht jetzt auf festen Füßen. Wir haben erreicht, dass die Grundfragen der Landwirtschaft ebenfalls richtig gelöst worden sind, und die Landwirtschaft - das können wir ohne weiteres sagen - steht jetzt ebenfalls auf festen Füßen. Aber wir können dieser Errungenschaften verlustig gehen, wenn unser Warenumsatz zu hinken anfängt und das Verkehrswesen wie ein Bleigewicht an unseren Füßen hängt. Deshalb ist die Entfaltung des Warenumsatzes und die entschiedene Verbesserung des Verkehrswesens jene nächste und höchst aktuelle Aufgabe, ohne deren Lösung wir nicht vorwärts kommen können.

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