"Stalin"

Werke

Band 13

RECHENSCHAFTSBERICHT AN DEN XVII. PARTEITAG
ÜBER DIE ARBEIT DES ZK DER KPdSU(B)

III
DIE PARTEI

Ich gehe zur Frage der Partei über.

Der jetzige Parteitag steht im Zeichen des vollen Sieges des Lenin ismus, im Zeichen der Liquidierung der Überreste der anti Lenin istischen Gruppierungen.

Zerschlagen und zerstreut ist die anti Lenin istische Gruppe der Trotzkisten. Ihre Organisatoren treiben sich jetzt im Ausland in den Hinterhöfen der bürgerlichen Parteien herum.

Zerschlagen und zerstreut ist die anti Lenin istische Gruppe der rechten Abweichler. Ihre Organisatoren haben sich schon längst von ihren Anschauungen losgesagt und geben sich jetzt alle erdenkliche Mühe, ihre gegen die Partei begangenen Sünden wieder gut zu machen.

Zerschlagen und zerstreut sind die Gruppierungen nationalistischer Abweichungen. Ihre Organisatoren haben sich entweder endgültig mit der interventionslüsternen Emigration zusammengetan oder Reueerklärungen abgegeben.

Die meisten Anhänger dieser antirevolutionären Gruppen waren gezwungen, die Richtigkeit der Parteilinie anzuerkennen, und haben vor der Partei kapituliert.

Musste man auf dem XV. Parteitag[78] noch die Richtigkeit der Linie der Partei beweisen und einen Kampf gegen bestimmte anti Lenin istische Gruppierungen führen, auf dem XVI. Parteitag aber mit den letzten Anhängern dieser Gruppierungen aufräumen, so braucht man auf diesem Parteitag nichts zu beweisen, und es gibt wohl auch niemand, der geschlagen werden müsste. Alle sehen, dass die Parteilinie gesiegt hat. (Beifallssturm.)

Gesiegt hat die Politik der Industrialisierung des Landes. Ihre Ergebnisse sind heute für jedermann offenkundig. Was kann man gegen diese Tatsache einwenden?

Gesiegt hat die Politik der Liquidierung des Kulakentums und der durchgängigen Kollektivierung. Ihre Ergebnisse sind ebenfalls für jedermann offenkundig. Was kann man gegen diese Tatsache einwenden?

Auf Grund der Erfahrungen unseres Landes ist bewiesen worden, dass der Sieg des Sozialismus in einem einzelnen Lande durchaus möglich ist. Was kann man gegen diese Tatsache einwenden?

Es ist offenkundig, dass alle diese Erfolge und vor allem der Sieg des Fünfjahrplans alle und jegliche anti Lenin istischen Gruppierungen vollständig demoralisiert und aufs Haupt geschlagen haben.

Man muss feststellen, dass die Partei jetzt einheitlich und geschlossen dasteht wie nie zuvor. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall.)

1. Fragen der ideologisch-politischen Leitung

Bedeutet das jedoch, dass der Kampf zu Ende ist und dass die weitere Offensive des Sozialismus als etwas Überflüssiges wegfällt?

Nein, das bedeutet es nicht.

Bedeutet das, dass bei uns in der Partei alles zum Besten bestellt ist, dass es in ihr keinerlei Abweichungen mehr geben wird und dass man folglich jetzt auf den Lorbeeren ausruhen kann?

Nein, das bedeutet es nicht.

Die Feinde der Partei, die Opportunisten aller Schattierungen, die nationalistischen Abweichler aller Art sind geschlagen. Aber Überreste ihrer Ideologie leben noch in den Köpfen einzelner Parteimitglieder fort und machen sich nicht selten bemerkbar. Man darf die Partei nicht als etwas von den sie umgebenden Menschen Losgelöstes betrachten. Sie lebt und wirkt innerhalb des sie umgebenden Milieus. Kein Wunder, dass nicht selten von außen ungesunde Stimmungen in die Partei eindringen. Ein Boden für solche Stimmungen besteht aber zweifellos in unserem Lande, schon aus dem Grunde, weil bei uns immer noch gewisse Zwischenschichten der Bevölkerung sowohl in der Stadt als auch im Dorfe vorhanden sind, die einen Nährboden für solche Stimmungen bilden.

Die XVII. Konferenz unserer Partei[79] hat erklärt, dass eine der grundlegenden politischen Aufgaben bei der Verwirklichung des zweiten Fünfjahrplans in der „Überwindung der Überreste des Kapitalismus in der Wirtschaft und im Bewusstsein der Menschen“ besteht. Das ist ein völlig richtiger Gedanke. Kann man jedoch sagen, dass wir bereits alle Überreste des Kapitalismus in der Wirtschaft überwunden haben? Nein, das kann man nicht sagen. Umso weniger kann man sagen, dass wir die Überreste des Kapitalismus im Bewusstsein der Menschen überwunden haben. Das kann man nicht nur deshalb nicht sagen, weil das Bewusstsein der Menschen in seiner Entwicklung hinter ihrer ökonomischen Lage zurückbleibt, sondern auch deshalb, weil immer noch die kapitalistische Umwelt besteht, die bestrebt ist, die Überreste des Kapitalismus in der Wirtschaft und im Bewusstsein der Menschen in der UdSSR zu beleben und aufrechtzuerhalten, und gegen die wir Bolschewiki immer unser Pulver trocken halten müssen.

Man begreift, dass diese Überreste unvermeidlich einen günstigen Nährboden bilden, um die Ideologie der zerschlagenen anti Lenin istischen Gruppen in den Köpfen einzelner Mitglieder unserer Partei neu zu beleben. Nimmt man noch das nicht sehr hohe theoretische Niveau der Mehrzahl der Mitglieder unserer Partei hinzu, die schwache ideologische Arbeit der Parteiorgane, die Überlastung unserer Parteifunktionäre mit rein praktischer Arbeit, die sie der Möglichkeit beraubt, ihr theoretisches Wissen zu vervollständigen, dann wird man verstehen, woher der Wirrwarr in einer Reihe von Fragen des Lenin ismus in den Köpfen einzelner Parteimitglieder kommt, der nicht selten in unsere Presse eindringt und die Belebung der Überreste der Ideologie der zerschlagenen anti Lenin istischen Gruppen erleichtert.

Aus diesem Grunde kann man nicht sagen, dass der Kampf zu Ende sei und dass keine Notwendigkeit mehr bestehe, eine Politik der Offensive des Sozialismus zu betreiben.

Man könnte eine Reihe von Fragen des Lenin ismus nehmen und an ihnen demonstrieren, wie zählebig bei manchen Parteimitgliedern die Überreste der Ideologie der zerschlagenen anti Lenin istischen Gruppen noch sind.

Nehmen wir zum Beispiel die Frage der Errichtung der klassenlosen, sozialistischen Gesellschaft. Die XVII. Parteikonferenz hat erklärt, dass wir der Schaffung der klassenlosen, sozialistischen Gesellschaft entgegengehen. Es ist klar, dass die klassenlose Gesellschaft nicht sozusagen von selbst kommen kann. Man muss sie durch die Anstrengungen aller Werk-tätigen erkämpfen und errichten: durch Stärkung der Organe der Diktatur des Proletariats, durch Entfaltung des Klassenkampfes, durch Aufhebung der Klassen, durch Liquidierung der Überreste der kapitalistischen Klassen, im Kampf mit inneren wie mit äußeren Feinden.

Das ist wohl klar.

Wem wäre es indessen nicht bekannt, dass die Verkündung dieser klaren und elementaren These des Lenin ismus bei einem Teil der Parteimitglieder einen nicht geringen Wirrwarr in den Köpfen und ungesunde Stimmungen hervorgerufen hat? In der These von unserem Vormarsch zur klassenlosen Gesellschaft, die als Losung aufgestellt worden ist, haben sie unseren Vormarsch als spontanen Prozess aufgefasst. Und sie räsonierten: Wenn von klassenloser Gesellschaft die Rede ist, so heißt das, dass man den Klassenkampf abschwächen, die Diktatur des Proletariats abschwächen und überhaupt dem Staat ein Ende machen könne, der ja ohnehin in der nächsten Zeit absterben müsse. Und sie gerieten in höchste Verzückung in Erwartung dessen, dass es bald keine Klassen geben werde - also auch keinen Klassenkampf, also auch keine Sorgen und Aufregungen, dass man also die Waffen beiseite legen und sich getrost schlafen legen könne in Erwartung der klassenlosen Gesellschaft. (Allgemeine Heiterkeit im ganzen Saal.)

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass dieser Wirrwarr in den Köpfen und diese Stimmungen den bekannten Ansichten der rechten Abweichler wie ein Ei dem andern gleichen, denen zufolge das Alte von selbst in das Neue hineinwachsen müsse und wir eines schönen Tages, ohne es zu merken, in der sozialistischen Gesellschaft anlangen würden.

Wie Sie sehen, sind die Überreste der Ideologie der zerschlagenen anti Lenin istischen Gruppen durchaus imstande, wieder aufzuleben, und haben ihre Zählebigkeit noch lange nicht eingebüßt.

Es ist klar: Wenn dieser Wirrwarr in den Ansichten und diese unbolschewistischen Stimmungen die Mehrheit unserer Partei erfasst hätten, so würde die Partei demobilisiert und entwaffnet dastehen.

Nehmen wir weiter die Frage des landwirtschaftlichen Artels und der landwirtschaftlichen Kommune. Jetzt geben alle zu, dass das Artel unter den heutigen Verhältnissen die einzig richtige Form der kollektivwirtschaftlichen Bewegung ist. Und das ist durchaus verständlich: a) das Artel verknüpft in richtiger Weise die persönlichen, die Tagesinteressen der Kollektivbauern mit ihren gesellschaftlichen Interessen; b) das Artel passt die persönlichen, die Tagesinteressen in glücklicher Weise den gesellschaftlichen Interessen an und erleichtert dadurch die Erziehung der Einzelbauern von gestern im Geiste des Kollektivismus.

Zum Unterschied vom Artel, wo nur die Produktionsmittel vergesellschaftet sind, waren in den Kommunen bis in die letzte Zeit hinein nicht nur die Produktionsmittel vergesellschaftet, sondern auch die Hauswirtschaft jedes Kommunemitglieds, das heißt, die Kommunemitglieder hatten zum Unterschied von den Artelmitgliedern kein Geflügel, kein Kleinvieh, keine Kuh, kein Getreide, kein Hofland in persönlichem Besitz. Das bedeutet, dass die persönlichen, die Tagesinteressen der Mitglieder in den Kommunen nicht so sehr berücksichtigt und mit den gesellschaftlichen Interessen verknüpft als vielmehr durch die letzteren um einer klein-bürgerlichen Gleichmacherei willen in den Hintergrund gedrängt wurden. Es ist klar, dass dieser Umstand die schwächste Seite der Kommune ist. Dadurch erklärt sich im Grunde auch, dass die Kommunen keine große Verbreitung gefunden haben, nur vereinzelt anzutreffen sind und höchstens nach Dutzenden zählen. Aus demselben Grunde haben sich die Kommunen, um ihre Existenz zu behaupten und nicht auseinander zu fallen, gezwungen gesehen, auf die Vergesellschaftung der Hauswirtschaft zu verzichten, sie fangen an, das System der Tagewerksnormen anzuwenden, ihren Mitgliedern Getreide auszufolgen, sie gestatten den persönlichen Besitz von Geflügel, Kleinvieh, einer Kuh usw., daraus folgt aber, dass die Kommunen faktisch zu Artels geworden sind. Und daran ist nichts Schlimmes, denn das erfordern die Interessen der gesunden Entwicklung der Kollektivierung als Massenbewegung.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Kommune überhaupt nicht notwendig sei, dass sie nicht mehr die höchste Form der kollektivwirtschaftlichen Bewegung sei. Nein, die Kommune ist notwendig, und sie ist natürlich die höchste Form der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, aber nicht die jetzige Kommune, die auf der Basis einer unentwickelten Technik und des Mangels an Produkten entstanden ist und die jetzt selber zum Artel wird, sondern die künftige Kommune, die auf der Basis einer höher entwickelten Technik und einer Fülle von Produkten entstehen wird. Die jetzige landwirtschaftliche Kommune ist auf der Grundlage einer wenig entwickelten Technik und des Mangels an Produkten entstanden. Dadurch erklärt sich im Grunde auch, dass sie Gleichmacherei betrieb und auf die persönlichen, die Tagesinteressen ihrer Mitglieder wenig Rücksicht nahm, weshalb sie jetzt gezwungen ist, zur Form des Artels überzugehen, in dem die persönlichen und die gesellschaftlichen Interessen der Kollektivbauern in vernünftiger Weise miteinander verknüpft werden. Die künftige Kommune wird aus dem entwickelten und wohlhabenden Artel emporwachsen. Die künftige landwirtschaftliche Kommune wird entstehen, wenn auf den Feldern und in den Farmen des Artels Getreide, Vieh, Geflügel, Gemüse und alle anderen Produkte im Überfluss vorhanden sein werden, wenn in den Artels mechanische Wäschereien, moderne Küchen und Speisehallen, Brotfabriken usw. errichtet sein werden, wenn der Kollektivbauer erkannt haben wird, dass es für ihn vorteilhafter ist, Fleisch und Milch von der Farm zu beziehen, als eine eigene Kuh und Kleinvieh zu halten, wenn die Kollektivbäuerin erkannt haben wird, dass es für sie vorteilhafter ist, in der Speisehalle zu Mittag zu essen, Brot von der Brotfabrik zu beziehen und die Wäsche in der gesellschaftlichen Wäscherei waschen zu lassen, als sich selbst damit abzugeben. Die künftige Kommune wird auf der Basis einer höher entwickelten Technik und eines höher entwickelten Artels, auf der Basis einer Fülle von Produkten entstehen. Wann wird das sein? Natürlich nicht so bald. Aber es wird kommen. Es wäre ein Verbrechen, den Prozess des Hinüberwachsens des Artels in die künftige Kommune künstlich beschleunigen zu wollen. Das würde alles durcheinander werfen und die Sache unserer Feinde fördern. Der Prozess des Hinüberwachsens des Artels in die künftige Kommune muss allmählich vor sich gehen, in dem Maße, wie alle Kollektivbauern sich von der Notwendigkeit dieses Hinüberwachsens überzeugen werden.

So steht es mit der Frage des Artels und der Kommune.

Man sollte meinen, das sei eine klare und geradezu elementare Sache.

Indes besteht bei einem Teil der Parteimitglieder ein gründlicher Wirrwarr in dieser Frage. Man meint, die Partei habe sich dadurch, dass sie das Artel zur Grundform der kollektivwirtschaftlichen Bewegung erklärte, vom Sozialismus entfernt, habe einen Rückzug von der Kommune, der höchsten Form der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, zu einer niederen Form angetreten. Es fragt sich warum? Weil es im Artel, so heißt es, keine Gleichheit gebe, da dort der Unterschied in den Bedürfnissen und in der persönlichen Lebensweise der Artelmitglieder bestehen bleibe, während in der Kommune Gleichheit herrsche, da dort die Mitglieder sowohl in ihren Bedürfnissen als auch in ihrer persönlichen Lebenslage gleichgestellt seien. Aber erstens gibt es bei uns keine Kommunen mehr, in denen auf dem Gebiet der Bedürfnisse und der persönlichen Lebensweise Gleichstellung, Gleichmacherei herrschten. Die Praxis hat gezeigt, dass die Kommunen bestimmt zugrunde gegangen wären, wenn sie nicht auf die Gleichmacherei verzichtet hätten und nicht faktisch zum Artel geworden wären. Folglich darf man sich nicht auf etwas berufen, was in der Wirklichkeit nicht mehr vorhanden ist. Zweitens ist es jedem Lenin isten bekannt, wenn er wirklich ein Lenin ist ist, dass die Gleichmacherei auf dem Gebiet der Bedürfnisse und der persönlichen Lebensweise ein reaktionärer, kleinbürgerlicher Unsinn ist, der irgendeiner primitiven Sekte von Asketen, aber keiner marxistisch organisierten sozialistischen Gesellschaft würdig ist, denn man kann nicht verlangen, dass alle Menschen die gleichen Bedürfnisse und den gleichen Geschmack haben, dass alle Menschen in ihrer persönlichen Lebensweise sich nach ein und demselben Muster richten. Und schließlich: Besteht denn unter den Arbeitern keine Unterschied sowohl in den Bedürfnissen als auch in der persönlichen Lebensweise? Bedeutet das etwa, dass die Arbeiter dem Sozialismus ferner stehen als die Mitglieder der landwirtschaftlichen Kommunen?

Diese Leute glauben offenbar, dass der Sozialismus die Gleichmacherei, die Gleichstellung, die Nivellierung der Bedürfnisse und der persönlichen Lebensweise der Mitglieder der Gesellschaft fordere. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass eine solche Annahme mit dem Marxismus, mit dem Lenin ismus nichts gemein hat. Unter Gleichheit versteht der Marxismus nicht Gleichmacherei auf dem Gebiet der persönlichen Bedürfnisse und der Lebensweise, sondern die Aufhebung der Klassen, das heißt a) die gleiche Befreiung aller Werktätigen von der Ausbeutung, nachdem die Kapitalisten gestürzt und expropriiert sind; b) die gleiche Abschaffung des Privateigentums an den Produktionsmitteln für alle, nachdem die Produktionsmittel zum Eigentum der gesamten Gesellschaft geworden sind; c) die gleiche Pflicht aller, nach ihren Fähigkeiten zu arbeiten, und das gleiche Recht aller Werktätigen, hierfür nach ihrer Leistung vergütet zu werden (sozialistische Gesellschaft); d) die gleiche Pflicht aller, nach ihren Fähigkeiten zu arbeiten, und das gleiche Recht aller Werktätigen, hierfür nach ihren Bedürfnissen versorgt zu werden (kommunistische Gesellschaft). Dabei geht der Marxismus davon aus, dass der Geschmack und die Bedürfnisse der Menschen der Qualität oder Quantität nach weder in der Periode des Sozialismus noch in der Periode des Kommunismus gleich sind oder gleich sein können.

Das ist die marxistische Auffassung von der Gleichheit.

Eine andere Gleichheit erkannte und erkennt der Marxismus nicht an.

Daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass der Sozialismus die Gleichmacherei, die Gleichstellung, die Nivellierung der Bedürfnisse der Mitglieder der Gesellschaft, die Nivellierung ihres Geschmacks und ihrer persönlichen Lebensweise fordere, dass nach dem Plan der Marxisten alle die gleichen Kleider tragen und die gleichen Speisen in der gleichen Menge essen müssen, heißt Plattheiten reden und den Marxismus verleumden.

Es ist Zeit, sich darüber klar zu werden, dass der Marxismus ein Feind der Gleichmacherei ist. Schon im „Manifest der Kommunistischen Partei“ geißelten Marx und Engels den primitiven utopischen Sozialismus und nannten ihn reaktionär, weil er einen „allgemeinen Asketismus und eine rohe Gleichmacherei“[80] propagierte. Engels unterzog in einem ganzen Kapitel seines „Anti-Dühring“ den „radikal gleichmacherischen Sozialismus“, der von Dühring im Gegensatz zum marxistischen Sozialismus vertreten wurde, einer geißelnden Kritik.

„Der wirkliche Inhalt der proletarischen Gleichheitsforderung“, sagte Engels, „ist die Forderung der Abschaffung der Klassen. Jede Gleichheitsforderung, die darüber hinausgeht, verläuft notwendig ins Absurde.“[81]

Dasselbe sagt Lenin :

„Engels hatte tausendmal recht, als er schrieb: der Begriff der Gleichheit, der nicht die Abschaffung der Klassen bedeutet, ist ein äußerst dummes und unsinniges Vorurteil. Die bürgerlichen Professoren versuchten uns wegen des Gleichheitsbegriffs der Absicht zu überführen, die Menschen einander gleichmachen zu wollen. Diesen Unsinn, den sie selbst ausgeheckt haben, versuchten sie, den Sozialisten vorzuwerfen. In ihrer Unwissenheit wussten sie jedoch nicht, dass die Sozialisten - und gerade die Begründer des modernen wissenschaftlichen Sozialismus, Marx und Engels - erklärt haben: Die Gleichheit ist eine leere Phrase, wenn man unter Gleichheit nicht die Abschaffung der Klassen versteht. Wir wollen die Klassen abschaffen, in diesem Sinne sind wir für die Gleichheit. Aber den Anspruch erheben, dass wir alle Menschen einander gleichmachen werden, ist eine hohle Phrase und die dumme Erfindung eines Intellektuellen.“ (Rede Lenin s, „Wie das Volk mit den Losungen der Freiheit und Gleichheit betrogen wird“, Bd. XXIV, S. 293/294[82])

Das ist wohl klar.

Die bürgerlichen Schriftsteller stellen mit Vorliebe den marxistischen Sozialismus als eine alte zaristische Kaserne dar, wo alles dem „Prinzip“ der Gleichmacherei unterworfen ist. Aber die Marxisten können nicht für die Unwissenheit und für den Stumpfsinn der bürgerlichen Schriftsteller verantwortlich gemacht werden.

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass bei einzelnen Parteimitgliedern dieser Wirrwarr in den Anschauungen über den marxistischen Sozialismus und die Begeisterung für die gleichmacherischen Tendenzen der landwirtschaftlichen Kommunen wie ein Ei dem andern den klein-bürgerlichen Anschauungen unserer ultralinken Toren gleichen, bei denen die Idealisierung der landwirtschaftlichen Kommunen eine Zeitlang so weit ging, dass sie sogar in den Industriewerken und Fabriken Kommunen zu schaffen versuchten, wo die qualifizierten und unqualifizierten Arbeiter, jeder in seinem Beruf arbeitend, den Arbeitslohn zusammenlegen und dann untereinander gleichmäßig aufteilen sollten. Es ist bekannt, welchen Schaden diese kindischen gleichmacherischen Übungen der „linken“ Toren unserer Industrie zugefügt haben.

Wie Sie sehen, haben die Überreste der Ideologie der zerschlagenen parteifeindlichen Gruppen eine ziemlich große Zählebigkeit.

Es ist klar: Wenn diese ultralinken Anschauungen in der Partei die Oberhand gewonnen hätten, dann hätte die Partei aufgehört, eine marxistische Partei zu sein, und die kollektivwirtschaftliche Bewegung wäre vollständig desorganisiert worden.

Oder nehmen wir zum Beispiel die Losung „Alle Kollektivbauern wohlhabend machen“. Diese Losung gilt nicht nur für die Kollektivbauern. Sie gilt noch mehr für die Arbeiter, denn wir wollen alle Arbeiter wohlhabend machen, wollen sie zu Menschen machen, die ein Leben in Wohlstand, ein wirklich kulturvolles Leben führen.

Man sollte meinen, die Sache sei klar. Was hätte es für einen Sinn gehabt, den Kapitalismus im Oktober 1917 zu stürzen und im Laufe einer Reihe von Jahren den Sozialismus aufzubauen, wenn wir nicht erreichen, dass die Menschen bei uns in Wohlstand leben? Sozialismus bedeutet nicht Elend und Entbehrungen, sondern die Beseitigung von Elend und Entbehrungen, die Organisierung eines wohlhabenden und kulturvollen Lebens für alle Mitglieder der Gesellschaft.

Indes hat diese klare und im Grunde genommen elementare Losung eine ganze Reihe von Zweifeln, Wirrwarr und Unklarheit bei einem Teil der Parteimitglieder hervorgerufen. Ist diese Losung, sagen sie, nicht die Rückkehr zu der alten, von der Partei verworfenen Losung „Bereichert euch“? Wenn alle wohlhabend werden, fahren sie fort, und es keine Armen mehr gibt, auf wen werden wir Bolschewiki uns in unserer Arbeit stützen, wie werden wir ohne die armen Volksschichten arbeiten?

Vielleicht ist das lächerlich, aber das Bestehen solcher naiven und anti Lenin istischen Anschauungen bei einem Teil der Parteimitglieder ist eine unzweifelhafte Tatsache, mit der man rechnen muss.

Diese Leute verstehen offenbar nicht, dass zwischen der Losung „Bereichert euch“ und der Losung „Alle Kollektivbauern wohlhabend machen“ ein ganzer Abgrund klafft. Erstens können sich nur einzelne Personen oder Gruppen bereichern, während die Losung vom Leben in Wohlstand nicht für einzelne Personen oder Gruppen, sondern für alle Kollektivbauern gilt. Zweitens bereichern sich einzelne Personen oder Gruppen, um sich die übrigen Menschen zu unterwerfen und sie auszubeuten, während die Losung vom Leben aller Kollektivbauern in Wohlstand bei vergesellschafteten Produktionsmitteln in den Kollektivwirtschaften jede Möglichkeit der Ausbeutung der einen durch die anderen ausschließt. Drittens wurde die Losung „Bereichert euch“ im Anfangsstadium der NÖP ausgegeben, als der Kapitalismus teilweise wieder auflebte, als die Kulaken stark waren, als im Lande die bäuerliche Einzelwirtschaft vorherrschte, die kollektive Wirtschaft aber sich im Keimzustand befand, während die Losung „Alle Kollektivbauern wohlhabend machen“ im letzten Stadium der NÖP ausgegeben wird, in dem die kapitalistischen Elemente in der Industrie beseitigt, die Kulaken auf dem Lande zerschmettert sind, die individuelle Bauernwirtschaft in den Hintergrund gedrängt worden ist und die Kollektivwirtschaften zur herrschenden Form der Landwirtschaft geworden sind. Ich spreche schon gar nicht davon, dass die Losung „Alle Kollektivbauern wohlhabend machen“ nicht isoliert ausgegeben worden ist, sondern in untrennbarem Zusammenhang mit der Losung „Die Kollektivwirtschaften bolschewistisch machen“.

Ist es nicht klar, dass die Losung „Bereichert euch“ im Grunde genommen die Aufforderung bedeutete, den Kapitalismus wiederherzustellen, während die Losung „Alle Kollektivbauern wohlhabend machen“ die Aufforderung bedeutet, durch Stärkung der wirtschaftlichen Macht der Kollektivwirtschaften und durch Verwandlung aller Kollektivbauern in wohlhabende Werktätige die letzten Überreste des Kapitalismus vollständig zu vernichten? (Zurufe: „Sehr richtig!“)

Ist es nicht klar, dass diese Losungen miteinander nichts gemein haben und nichts gemein haben können? (Zurufe: „Sehr richtig!“)

Was die Behauptung betrifft, dass ohne die Existenz von armen Volksschichten weder bolschewistische Arbeit noch der Sozialismus denkbar seien, so ist das eine solche Dummheit, dass man gar nicht davon sprechen möchte. Die Lenin isten stützen sich auf die Armen, solange es kapitalistische Elemente gibt und Arme, die von Kapitalisten ausgebeutet werden. Sind aber die kapitalistischen Elemente zerschmettert und die Armen von der Ausbeutung befreit, dann besteht die Aufgabe der Lenin isten nicht darin, die Armut und die Armen, für deren Existenz die Voraussetzungen bereits vernichtet sind, zu verewigen, zu erhalten, sondern darin, die Armut aus der Welt zu schaffen und den Armen ein Leben in Wohlstand zu sichern. Es wäre eine Dummheit anzunehmen, dass der Sozialismus auf der Basis des Elends und der Entbehrungen, auf der Basis der Einschränkung der persönlichen Bedürfnisse und der Senkung der Lebenshaltung der Menschen auf die Lebenshaltung von Armen errichtet werden könnte, die übrigens selbst nicht arm bleiben wollen und nach einem Leben in Wohlstand streben. Wer braucht einen solchen, mit Verlaub zu sagen, Sozialismus? Das wäre kein Sozialismus, sondern eine Karikatur auf den Sozialismus. Der Sozialismus kann nur auf der Basis eines stürmischen Wachstums der Produktivkräfte der Gesellschaft, auf der Basis einer Fülle von Produkten und Waren, auf der Basis eines Lebens der Werktätigen in Wohlstand, auf der Basis eines stürmischen Wachstums der Kultur errichtet werden. Denn der Sozialismus, der marxistische Sozialismus, bedeutet nicht Einschränkung der persönlichen Bedürfnisse, sondern ihre allseitige Erweiterung und Entfaltung, nicht Beschränkung oder Verzicht auf die Befriedigung dieser Bedürfnisse, sondern allseitige und vollständige Befriedigung aller Bedürfnisse kulturell hoch stehender werktätiger Menschen.

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass dieser Wirrwarr in den Ansichten einzelner Parteimitglieder in Bezug auf Armut und Wohlstand eine Widerspiegelung der Ansichten unserer ultralinken Toren ist, die die Armut als ewige Stütze des Bolschewismus unter allen und jeglichen Umständen idealisieren und in den Kollektivwirtschaften die Arena eines erbitterten Klassenkampfes sehen.

Wie Sie sehen, verlieren auch hier, in dieser Frage, die Überreste der Ideologie der zerschlagenen parteifeindlichen Gruppen noch immer nicht ihre Zählebigkeit.

Es ist klar: Wenn solche törichten Ansichten in unserer Partei den Sieg davongetragen hätten, dann hätten die Kollektivwirtschaften nicht die Erfolge aufzuweisen, die sie in den letzten zwei Jahren erzielt haben, und sie wären in kürzester Frist auseinander gefallen.

Oder nehmen wir zum Beispiel die nationale Frage. Auch hier, in der nationalen Frage, besteht, ebenso wie in anderen Fragen, bei einem Teil der Partei ein Wirrwarr in den Ansichten, der eine gewisse Gefahr mit sich bringt. Ich habe von der Zählebigkeit der Überreste des Kapitalismus gesprochen. Zu bemerken ist, dass die Überreste des Kapitalismus im Bewusstsein der Menschen auf dem Gebiet der nationalen Frage viel zählebiger sind als auf irgendeinem anderen Gebiet. Sie sind zählebiger, weil sie die Möglichkeit haben, sich im nationalen Gewand gut zu maskieren. Viele glauben, dass der Sündenfall Skrypniks ein Einzelfall, eine Ausnahme von der Regel sei. Das stimmt nicht. Der Sündenfall Skrypniks und seiner Gruppe in der Ukraine ist keine Ausnahme. Genau solche Gehirnverrenkungen kann man bei einzelnen Genossen auch in anderen nationalen Republiken beobachten.

Was bedeutet die Abweichung zum Nationalismus - gleichviel, ob es sich um eine Abweichung zum großrussischen Nationalismus oder um eine Abweichung zum lokalen Nationalismus handelt? Die Abweichung zum Nationalismus ist eine Anpassung der internationalistischen Politik der Arbeiterklasse an die nationalistische Politik der Bourgeoisie. Die Abweichung zum Nationalismus spiegelt die Versuche der „eigenen“, „nationalen“ Bourgeoisie wider, das Sowjetsystem zu untergraben und den Kapitalismus wiederherzustellen. Die Wurzel beider Abweichungen ist, wie Sie sehen, die gleiche. Es ist die Abkehr vom Lenin schen Internationalismus. Wenn man beide Abweichungen unter Feuer halten will, so muss man vor allem gegen diese Wurzel den Schlag führen, gegen diejenigen, die den Internationalismus aufgeben, gleichviel, ob es sich um eine Abweichung zum lokalen Nationalismus oder um eine Abweichung zum großrussischen Nationalismus handelt. (Stürmischer Beifall.)

Man streitet darüber, welche Abweichung die Hauptgefahr darstelle, die Abweichung zum großrussischen Nationalismus oder die Abweichung zum lokalen Nationalismus. Unter den jetzigen Verhältnissen ist das ein formaler und deshalb müßiger Streit. Es wäre eine Dummheit, ein für alle Zeiten und Verhältnisse brauchbares fertiges Rezept dafür geben zu wollen, welches die Hauptgefahr und welches nicht die Hauptgefahr sei. Solche Rezepte gibt es nun einmal in der Welt nicht. Die Hauptgefahr stellt diejenige Abweichung dar, gegen die man zu kämpfen aufgehört und die man dadurch zu einer staatsgefährlichen Erscheinung hat anwachsen lassen. (Anhaltender Beifall.)

In der Ukraine war noch vor ganz kurzem die Abweichung zum ukrainischen Nationalismus nicht die Hauptgefahr; als man aber aufhörte, gegen sie zu kämpfen, und sie so weit anwachsen ließ, dass sie mit den Interventionisten gemeinsame Sache machte, da wurde diese Abweichung zur Hauptgefahr. Die Frage nach der Hauptgefahr in der nationalen Frage wird nicht durch leere formale Diskussionen entschieden, sondern durch die marxistische Analyse der Lage der Dinge im gegebenen Augenblick und durch das Studium der Fehler, die auf diesem Gebiet begangen worden sind.

Dasselbe ist von der rechten und der „linken“ Abweichung auf dem Gebiet der allgemeinen Politik zu sagen. Auch hier besteht ebenso wie auf anderen Gebieten ein nicht geringer Wirrwarr in den Anschauungen einzelner Mitglieder unserer Partei. Manchmal läßt man im Kampf gegen die rechte Abweichung die „linke“ Abweichung gewähren und schwächt den Kampf gegen sie ab, weil man glaubt, dass sie nicht gefährlich oder nur wenig gefährlich sei. Das ist ein ernster und gefährlicher Fehler. Das ist ein Zugeständnis an die „linke“ Abweichung, das für Parteimitglieder unzulässig ist. Es ist umso unzulässiger, als in der letzten Zeit die „Linken“ endgültig zu den Positionen der Rechten hinab geglitten sind und sich im Grunde genommen von ihnen durch nichts mehr unterscheiden.

Wir haben stets erklärt, dass die „Linken“ dasselbe sind wie die Rechten, nur dass sie ihre rechte Politik mit linken Phrasen maskieren. Jetzt bestätigen die „Linken“ selbst diese unsere Behauptung. Nehmen Sie die Nummern des trotzkistischen „Bulletins“ vom vorigen Jahr. Was fordern und worüber schreiben dort die Herren Trotzkisten, worin besteht ihr „linkes“ Programm? Sie fordern: die Auflösung der Sowjetwirtschaften, weil sie nicht rentabel seien, die Auflösung des größeren Teils der Kollektivwirtschaften, weil sie künstliche Gebilde seien, den Verzicht auf die Politik der Liquidierung des Kulakentums, die Rückkehr zur Konzessionspolitik und die Übergabe einer ganzen Reihe unserer Industriebetriebe, weil sie nicht rentabel seien, an Konzessionäre.

Da haben Sie ein Programm verächtlicher Feiglinge und Kapitulanten, ein konterrevolutionäres Programm zur Wiederherstellung des Kapitalismus in der UdSSR!

Wodurch unterscheidet sich dieses Programm von dem Programm der äußersten Rechten? Es ist klar, dass es sich durch nichts davon unterscheidet. Die „Linken“ haben sich also offen dem konterrevolutionären Programm der Rechten angeschlossen, um mit ihnen einen Block zu bilden und einen gemeinsamen Kampf gegen die Partei zu führen.

Wie kann man nach alledem sagen, dass die „Linken“ nicht gefährlich oder wenig gefährlich seien? Ist es nicht klar, dass Leute, die solchen Unsinn reden, den geschworenen Feinden des Lenin ismus Wasser auf die Mühle leiten?

Wie Sie sehen, haben auch hier, bei den Abweichungen von der Parteilinie - gleichviel, ob es sich um Abweichungen in der allgemeinen Politik oder um Abweichungen in der. nationalen Frage handelt -, die Überreste des Kapitalismus im Bewusstsein der Menschen, auch im Bewusstsein einzelner Mitglieder unserer Partei, eine ziemliche Zählebigkeit.

Das sind einige ernste und aktuelle Fragen unserer ideologisch-politischen Arbeit, über die in einzelnen Teilen der Partei unklare Anschauungen, ein Wirrwarr und zuweilen auch direktes Abweichen vom Lenin ismus bestehen. Das aber sind nicht die einzigen Fragen, an Hand deren man den Wirrwarr in den Anschauungen einzelner Parteimitglieder demonstrieren könnte.

Kann man nach alledem behaupten, dass bei uns in der Partei alles zum Besten bestellt sei?

Es ist klar, dass man das nicht behaupten kann.

Unsere Aufgaben auf dem Gebiet der ideologisch-politischen Arbeit bestehen darin:

1. das theoretische Niveau der Partei auf die gebührende Höhe zu heben;

2. die ideologische Arbeit in allen Gliedern der Partei zu verstärken;

3. unermüdlich den Lenin ismus in den Reihen der Partei zu propagieren;

4. die Parteiorganisationen und das sie umgebende parteilose Aktiv im Geiste des Lenin schen Internationalismus zu erziehen;

5. die Abweichungen mancher Genossen vom Marxismus- Lenin ismus nicht zu vertuschen, sondern mutig zu kritisieren;

6. die Ideologie und die Überreste der Ideologie der dem Lenin ismus feindlichen Strömungen systematisch zu entlarven.

2. Fragen der organisatorischen Leitung

Ich habe von unseren Erfolgen gesprochen. Ich habe von dem Sieg der Parteilinie sowohl auf dem Gebiet der Volkswirtschaft und der Kultur als auch auf dem Gebiet der Überwindung der anti Lenin istischen Gruppierungen in der Partei gesprochen. Ich habe von der welthistorischen Bedeutung unseres Sieges gesprochen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir überall und in allem gesiegt haben und dass bereits alle Fragen gelöst seien. Solche Erfolge und Siege gibt es überhaupt nicht. Ungelöste Fragen und Mängel aller Art bleiben bei uns noch in nicht geringer Zahl übrig. Vor uns haben wir eine Menge von Aufgaben, die ihre Lösung erheischen. Aber das bedeutet zweifellos, dass bereits der größere Teil der unaufschiebbaren aktuellen Aufgaben erfolgreich gelöst ist, und in diesem Sinne kann der gewaltige Sieg unserer Partei nicht angezweifelt werden.

Es entsteht aber die Frage: Wie ist dieser Sieg herbeigeführt, wie ist er praktisch errungen worden, durch welchen Kampf, durch welche Anstrengungen?

Manche glauben, es genüge, die richtige Parteilinie auszuarbeiten, sie vor aller Welt zu verkünden, sie in der Form von allgemeinen Thesen und Resolutionen darzulegen und einstimmig anzunehmen, damit der Sieg von selbst komme, sozusagen im Selbstlauf. Das ist natürlich nicht richtig. Das ist ein großer Irrtum. So können nur unverbesserliche Bürokraten und Kanzleimenschen denken. In Wirklichkeit sind diese Erfolge und Siege nicht von selbst gekommen, sondern wurden im erbitterten Kampf für die Durchführung der Parteilinie errungen. Der Sieg kommt nie von selbst, er wird gewöhnlich mühselig erkämpft. Gute Resolutionen und Deklarationen für die Generallinie der Partei sind nur der Anfang der Sache, denn sie bedeuten lediglich den Wunsch, zu siegen, nicht aber den Sieg selbst. Nachdem eine richtige Linie gegeben worden ist, nachdem man die richtige Lösung einer Frage gefunden hat, hängt der Erfolg der Sache von der Organisationsarbeit ab, von der Organisierung des Kampfes für die Durchführung der Parteilinie, von der richtigen Auswahl der Menschen von der Kontrolle über die Durchführung der Beschlüsse der leitenden Organe. Fehlt dies, so läuft man Gefahr, dass die richtige Parteilinie und die richtigen Beschlüsse ernsten Schaden nehmen. Mehr noch: Ist eine richtige politische Linie gegeben worden, so entscheidet die Organisationsarbeit alles, auch das Schicksal der politischen Linie selbst - ihre Durchführung oder ihr Scheitern.

In Wirklichkeit wurde der Sieg erreicht und errungen durch systematischen und harten Kampf gegen Schwierigkeiten aller Art, die der Durchführung der Parteilinie im Wege standen, durch Überwindung dieser Schwierigkeiten, durch Mobilisierung der Partei und der Arbeiterklasse zur Überwindung der Schwierigkeiten, durch Organisierung des Kampfes für die Überwindung der Schwierigkeiten, durch Absetzung untauglicher Funktionäre und durch Auswahl der Besten, die fähig sind, den Kampf gegen die Schwierigkeiten zu führen.

Was sind das für Schwierigkeiten und wo stecken sie?

Diese Schwierigkeiten sind Schwierigkeiten unserer Organisationsarbeit, Schwierigkeiten unserer organisatorischen Leitung. Sie stecken in uns selbst, in unseren leitenden Funktionären, in unseren Organisationen, in dem Apparat unserer Partei-, Sowjet-, Wirtschafts-, Gewerkschafts-, Komsomol- und verschiedener anderer Organisationen.

Man muss verstehen, dass die Stärke und die Autorität unserer Partei-, Sowjet-, Wirtschafts- und verschiedener anderer Organisationen sowie ihrer Leiter ganz außergewöhnlich gewachsen sind. Und gerade weil ihre Stärke und Autorität ganz außergewöhnlich gewachsen sind, hängt jetzt von ihrer Arbeit alles oder nahezu alles ab. Die Berufung auf die so genannten objektiven Bedingungen ist nicht begründet. Nachdem die Richtigkeit der politischen Linie der Partei durch die Erfahrung einer Reihe von Jahren bestätigt worden ist und an der Bereitschaft der Arbeiter und Bauern, diese Linie zu unterstützen, kein Zweifel mehr besteht, ist die Rolle der so genannten objektiven Bedingungen auf ein Minimum zurück gegangen, während die Rolle unserer Organisationen und ihrer Leiter entscheidend, überragend geworden ist. Was aber bedeutet das? Das bedeutet, dass die Verantwortung für die Misserfolge und Mängel in der Arbeit von nun an zu neun Zehnteln nicht auf die „objektiven“ Bedingungen, sondern auf uns selbst und nur auf uns fällt.

Wir haben in der Partei mehr als zwei Millionen Mitglieder und Kandidaten. Wir haben im Kommunistischen Jugendverband mehr als vier Millionen Mitglieder und Kandidaten. Wir haben über drei Millionen Arbeiter- und Bauernkorrespondenten. Im „Ossoaviachim“ haben wir mehr als 12 Millionen Mitglieder. In den Gewerkschaften haben wir über 17 Millionen Mitglieder. Diesen Organisationen verdanken wir unsere Erfolge. Und wenn wir trotz des Vorhandenseins solcher Organisationen und solcher Möglichkeiten, die die Erzielung von Erfolgen erleichtern, nicht wenig Mängel in der Arbeit und eine nicht geringe Anzahl von Misserfolgen zu verzeichnen haben, so sind nur wir, unsere Organisationsarbeit, unsere schlechte organisatorische Leitung schuld daran.

Der Bürokratismus und das Kanzleiunwesen im Verwaltungsapparat; das Geschwätz von der „Leitung im allgemeinen“ an Stelle einer lebendigen und konkreten Leitung; der Aufbau der Organisationen nach dem „Funktionärsystem“ (System der Verwaltung eines Betriebes bzw. einer Institution, das auf einer übermäßigen Zersplitterung der Funktionsbereiche, auf einer Zersplitterung der Leitung in eine Vielzahl künstlich geschaffener und organisatorisch gesonderter Abteilungen und Sektoren beruht. Der Übers.) und das Fehlen persönlicher Verantwortlichkeit; die Verantwortungslosigkeit in der Arbeit selbst und die Gleichmacherei im Lohnsystem; das Fehlen einer systematischen Kontrolle der Durchführung; die Angst vor Selbstkritik - das sind die Quellen unserer Schwierigkeiten, hier stecken jetzt unsere Schwierigkeiten.

Es wäre naiv zu glauben, dass man diese Schwierigkeiten mit Hilfe von Resolutionen und Beschlüssen überwinden könne. Bürokraten und Kanzleimenschen haben schon längst die Fertigkeit erlangt, mit Worten ihre Treue für die Beschlüsse der Partei und der Regierung zu demonstrieren, sie aber in der Praxis zu den Akten zu legen. Um diese Schwierigkeiten zu überwinden, musste man das Zurückbleiben unserer Organisationsarbeit hinter den Forderungen der politischen Linie der Partei beseitigen, musste man das Niveau der organisatorischen Leitung in allen Sphären der Volkswirtschaft auf das Niveau der politischen Leitung heben, musste man erreichen, dass unsere Organisationsarbeit die praktische Durchführung der politischen Losungen und Beschlüsse der Partei gewährleiste.

Um dieser Schwierigkeiten Herr zu werden und Erfolge zu erzielen, musste man den Kampf für die Überwindung dieser Schwierigkeiten organisieren, musste man die Arbeiter- und Bauernmassen in diesen Kampf einbeziehen, musste man die Partei selbst mobilisieren, musste man die Partei und die Wirtschaftsorganisationen von unzuverlässigen, schwankenden, entarteten Elementen säubern.

Was war hierzu nötig?

Wir mussten organisieren:

1. die Entfaltung der Selbstkritik und die Aufdeckung der Mängel in unserer Arbeit;

2. die Mobilisierung der Partei-, Sowjet-, Wirtschafts-, Gewerkschafts- und Komsomolorganisationen zum Kampf mit den Schwierigkeiten;

3. die Mobilisierung der Arbeiter- und Bauernmassen zum Kampf für die Durchführung der Losungen und Beschlüsse der Partei und der Regierung;

4. die Entfaltung des Wettbewerbs und der Stoßbrigadenbewegung unter den Werktätigen;

5. ein großes Netz von Politischen Abteilungen der Maschinen- und Traktorenstationen und der Sowjetwirtschaften und die engere Verbindung der Partei- und Sowjetorgane mit dem Dorf;

6. die Zerlegung übergroßer Volkskommissariate, Hauptverwaltungen und Truste und die engere Verbindung der wirtschaftlichen Leitung mit dem Betrieb;

7. die Abschaffung der Verantwortungslosigkeit in der Arbeit und die Beseitigung der Gleichmacherei im Lohnsystem;

8. die Abschaffung des „Funktionalsystems“, die Stärkung der persönlichen Verantwortlichkeit und den Kurs auf Liquidierung der Kollegien;

9. die Verstärkung der Kontrolle über die Durchführung der Beschlüsse und den Kurs auf Reorganisierung der Zentralen Kontrollkommission und der Arbeiter- und Bauerninspektion im Sinne der weiteren Verstärkung der Kontrolle über die Durchführung der Beschlüsse;

10. die Überführung qualifizierter Arbeitskräfte aus den Kanzleien näher an die Produktion;

11. die Entlarvung und Verjagung unverbesserlicher Bürokraten und Kanzleimenschen aus den Verwaltungsapparaten;

12. die Entfernung aller, die die Beschlüsse der Partei und der Regierung verletzen, sowie der Schönfärber und Schwätzer von ihren Posten und ihre Ersetzung durch neue Menschen, durch Menschen der Tat, die fähig sind, die konkrete Leitung der ihnen übertragenen Arbeit und die Stärkung der Partei- und Sowjetdisziplin zu gewährleisten;

13. die Reinigung der Sowjet- und Wirtschaftsorganisationen und die Einschränkung ihres Personalbestandes;

14. schließlich die Reinigung der Partei von unzuverlässigen und entarteten Leuten.

Das sind im Wesentlichen die Mittel, die die Partei einsetzen musste, um die Schwierigkeiten zu überwinden, das Niveau unserer Organisationsarbeit auf das Niveau der politischen Leitung zu heben und auf diese Weise die Durchführung der Parteilinie zu gewährleisten.

Sie wissen, dass das ZK unserer Partei seine Organisationsarbeit in der Berichtsperiode gerade in diesen Sinne geleistet hat.

Das ZK ließ sich dabei von dem genialen Gedanken Lenin s leiten, dass die Hauptsache in der Organisationsarbeit die Auswahl der Menschen und die Kontrolle der Durchführung der Beschlüsse ist.

Über die Auswahl der Menschen und die Absetzung derjenigen, die sich nicht bewährt haben, möchte ich einige Worte sagen.

Neben unverbesserlichen Bürokraten und Kanzleimenschen, über deren Beseitigung bei uns keine Meinungsverschiedenheiten bestehen, gibt es bei uns noch zwei Typen von Funktionären, die unsere Arbeit hemmen, unsere Arbeit behindern und uns nicht vorwärts kommen lassen.

Der eine Typ von Funktionären, das sind Leute mit gewissen Verdiensten in der Vergangenheit, Leute, die Würdenträger geworden sind, die glauben, dass die Partei- und Sowjetgesetze nicht für sie, sondern für Dummköpfe geschrieben seien. Das sind dieselben Leute, die es nicht für ihre Pflicht halten, die Beschlüsse der Partei und der Regierung durchzuführen, und die auf diese Weise die Grundlagen der Partei- und Staatsdisziplin zerstören. Worauf rechnen sie, wenn sie die Partei- und Sowjetgesetze verletzen? Sie hoffen, dass die Sowjetmacht sich nicht entschließen wird, sie anzutasten, und zwar wegen ihrer alten Verdienste. Diese überheblichen Würdenträger glauben, dass sie unersetzbar seien und ungestraft die Beschlüsse der leitenden Organe verletzen können. Was soll mit solchen Funktionären geschehen? Man muss sie ohne Schwanken von den leitenden Posten absetzen, ohne Rücksicht auf ihre Verdienste in der Vergangenheit. (Zurufe: „Sehr richtig!“) Man muss sie absetzen, sie auf niedrigere Posten stellen und das in der Presse bekanntmachen. (Zurufe: „Sehr richtig!“) Das ist notwendig, um diesen überheblichen Bürokraten und Würdenträgern den Hochmut auszutreiben und sie in die Schranken zu weisen. Das ist notwendig, um die Partei- und Sowjetdisziplin in unserer ganzen Arbeit zu stärken. (Zurufe: „Sehr richtig!“ Beifall.)

Jetzt komme ich zu dem zweiten Typ von Funktionären. Ich meine den Typ von Schwätzern, ich möchte sagen, von ehrlichen Schwätzern (Heiterkeit), von ehrlichen Leuten, die der Sowjetmacht ergeben, aber nicht fähig sind, zu leiten, nicht fähig sind, irgend etwas zu organisieren. Ich hatte im vorigen Jahr ein Gespräch mit einem solchen Genossen, einem sehr geachteten Genossen, aber unverbesserlichen Schwätzer, der imstande ist, jedes beliebige lebendige Unternehmen in Geschwätz zu ersäufen. Hier dieses Gespräch.

Ich: Wie steht es bei Ihnen mit der Aussaat?

Er: Mit der Aussaat, Genosse Stalin? Wir haben mobilisiert. (Heiterkeit.)

Ich: Nun, und?

Er: Wir haben die Frage scharf gestellt. (Heiterkeit.)

Ich: Und was weiter?

Er: Wir haben einen Umschwung erzielt, Genosse Stalin, bald wird ein Umschwung eintreten. (Heiterkeit,)

Ich: Aber trotzdem?

Er: Es machen sich bei uns Fortschritte bemerkbar. (Heiterkeit.)

Ich: Aber immerhin, wie steht es bei Ihnen mit der Aussaat?

Er: Mit der Aussaat kommen wir vorläufig nicht vorwärts, Genosse Stalin. (Allgemeines Gelächter.)

Da haben Sie das Bild eines Schwätzers. Sie haben mobilisiert, haben die Frage scharf gestellt, haben einen Umschwung und Fortschritte erzielt, aber die Sache kommt nicht vom Fleck.

Ganz genauso, wie unlängst ein ukrainischer Arbeiter den Zustand einer Organisation charakterisierte, als man ihn fragte, ob diese Organisation eine Linie habe: „Nun ja, eine Linie... eine Linie ist natürlich da, nur sieht man keine Arbeit.“ (Allgemeine Heiterkeit.) Es ist offenkundig, dass diese Organisation ebenfalls ihre ehrlichen Schwätzer hat.

Und wenn man solche Schwätzer von ihren Posten absetzt, sie von der operativen Arbeit möglichst weit entfernt, dann machen sie große Augen und fragen bestürzt: „Weshalb setzt man uns ab? Haben wir denn nicht alles getan, was für die Sache notwendig ist, haben wir nicht ein Treffen der Stoßarbeiter veranstaltet, haben wir nicht auf der Konferenz der Stoßarbeiter die Losungen der Partei und der Regierung verkündet, haben wir nicht das ganze Politbüro des ZK ins Ehrenpräsidium gewählt (allgemeine Heiterkeit), haben wir nicht eine Begrüßung an Genossen Stalin geschickt - was wollt ihr noch von uns?“ (Allgemeines Gelächter.)

Was soll man mit diesen unverbesserlichen Schwätzern tun? Belässt man sie bei der operativen Arbeit, so sind sie imstande, jedes beliebige lebendige Unternehmen in einer Flut von wässrigen und endlosen Reden zu ersäufen. Es ist offensichtlich, dass man sie von den leitenden Posten absetzen und ihnen eine andere, nicht operative Arbeit geben muss. Für Schwätzer ist kein Platz in der operativen Arbeit. (Zurufe: „Sehr richtig!“ Beifall.)

Wie das ZK die Auswahl der Leute in den Sowjet- und Wirtschaftsorganisationen geleitet und wie es eine festere Kontrolle der Durchführung durchgesetzt hat, darüber habe ich bereits kurz berichtet. Ausführlicher wird Ihnen Genosse Kaganowitsch zum dritten Punkt der Tagesordnung des Parteitags darüber berichten.

Was die weitere Arbeit zur Verstärkung der Kontrolle der Durchführung betrifft, so möchte ich einige Worte darüber sagen.

Die richtige Organisierung der Kontrolle der Durchführung ist von entscheidender Bedeutung für den Kampf gegen Bürokratismus und Kanzleiunwesen. Werden die Beschlüsse der leitenden Organisationen durchgeführt oder von den Bürokraten und Kanzleimenschen zu den Akten gelegt? Werden sie richtig durchgeführt oder entstellt? Arbeitet der Apparat ehrlich und auf bolschewistische Art, oder hat er Leerlauf? All das kann man nur dann rechtzeitig erfahren, wenn die Kontrolle der Durchführung gut organisiert ist. Eine gut organisierte Kontrolle der Durchführung ist jener Scheinwerfer, der uns hilft, den Stand der Arbeit eines Apparats zu jeder beliebigen Zeit zu beleuchten und die Bürokraten und Kanzleimenschen ans Licht zu ziehen. Man kann mit Bestimmtheit sagen, dass neun Zehntel unserer Mängel und Misserfolge sich aus dem Fehlen einer richtig organisierten Kontrolle der Durchführung erklären.

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass bei einer solchen Kontrolle der Durchführung den Mängeln und Misserfolgen bestimmt vorgebeugt worden wäre.

Damit aber die Kontrolle der Durchführung ihr Ziel erreiche, sind mindestens zwei Bedingungen notwendig: erstens, dass die Kontrolle der Durchführung systematisch und nicht sporadisch geschehe, zweitens, dass an der Spitze der Kontrolle der Durchführung in allen Gliedern der Partei-, Sowjet- und Wirtschaftsorganisationen nicht untergeordnete Personen, sondern genügend autoritative Personen, die Leiter der Organisation selbst, stehen.

Von größter Bedeutung ist die richtige Organisierung der Kontrolle der Durchführung für die leitenden Zentralinstitutionen. Die Arbeiter- und Bauerninspektion kann ihrer Organisation nach den Anforderungen einer gut organisierten Kontrolle der Durchführung nicht genügen. Vor einigen Jahren, als unsere Arbeit auf wirtschaftlichem Gebiet einfacher und minder befriedigend war und als man eine Inspizierung der Arbeit aller Volkskommissariate und aller Wirtschaftsorganisationen für möglich halten konnte, war die Arbeiter- und Bauerninspektion am Platze. Jetzt aber, da unsere Arbeit auf wirtschaftlichem Gebiet gewachsen und komplizierter geworden ist und da weder die Notwendigkeit noch die Möglichkeit mehr besteht, sie von einem Zentralpunkt aus zu inspizieren, muss sich die Arbeiter- und Bauerninspektion umstellen. Wir brauchen jetzt keine Inspektion, sondern eine Prüfung der Durchführung der Beschlüsse der zentralen Instanzen - wir brauchen jetzt eine Kontrolle über die Durchführung der Beschlüsse der zentralen Instanzen. Wir brauchen jetzt eine Organisation, die, ohne sich das universale Ziel zu stellen, alles und jedes zu inspizieren, imstande wäre, ihre ganze Aufmerksamkeit der Kontrolle und Prüfung zu widmen, wie die Beschlüsse der Zentralinstitutionen der Sowjetmacht durchgeführt werden. Eine solche Organisation kann nur eine Kommission für Sowjetkontrolle beim Rat der Volkskommissare der UdSSR sein, die auf Grund von Aufträgen des Rates der Volkskommissare arbeitet und an den einzelnen Orten Vertreter hat, die von den örtlichen Organen unabhängig sind. Damit sie aber genügende Autorität besitze und imstande sei, nötigenfalls jeden beliebigen verantwortlichen Funktionär zur Verantwortung zu ziehen, ist es notwendig, dass die Kandidaten für die Kommission für Sowjetkontrolle vom Parteitag aufgestellt und vom Rat der Volkskommissare und vom Zentralexekutivkomitee der UdSSR bestätigt werden. Ich glaube, dass nur eine solche Organisation imstande wäre, die Sowjetkontrolle und die Sowjetdisziplin zu festigen.

Was die Zentrale Kontrollkommission betrifft, so wurde sie bekanntlich vor allem und hauptsächlich zu dem Zweck geschaffen, eine Spaltung der Partei zu verhüten. Sie wissen, dass die Gefahr einer Spaltung eine Zeitlang bei uns wirklich bestand. Sie wissen, dass es der Zentralen Kontrollkommission und ihren Organisationen gelungen ist, die Gefahr der Spaltung abzuwenden. Jetzt aber besteht die Gefahr einer Spaltung bei uns nicht mehr. Dafür brauchen wir jetzt sehr dringend eine Organisation, die imstande wäre, ihre Hauptaufmerksamkeit darauf zu konzentrieren, die Durchführung der Beschlüsse der Partei und ihres Zentralkomitees zu prüfen. Eine solche Organisation kann nur eine Kommission für Parteikontrolle beim ZK der KPdSU(B) sein, die auf Grund von Aufträgen der Partei und ihres ZK arbeitet und an den einzelnen Orten Vertreter hat, die von den Ortsorganisationen unabhängig sind. Es ist klar, dass eine solche verantwortliche Organisation große Autorität haben muss. Damit sie aber genügend Autorität besitze und imstande sei, jeden beliebigen verantwortlichen Funktionär, der sich etwas zuschulden kommen läßt, auch Mitglieder des ZK, zur Verantwortung zu ziehen, ist es notwendig, dass die Mitglieder dieser Kommission nur vom obersten Organ der Partei, vom Parteitag, gewählt und abgesetzt werden können. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass eine solche Organisation wirklich fähig sein wird, die Kontrolle der Durchführung der Beschlüsse der zentralen Parteiorgane zu gewährleisten und die Parteidisziplin zu festigen.

So steht es um die Fragen der organisatorischen Leitung.

Unsere Aufgaben auf dem Gebiet der Organisationsarbeit sind:

1. unsere Organisationsarbeit auch in Zukunft mit den Anforderungen der politischen Linie der Partei in Einklang zu bringen;

2. die organisatorische Leitung auf das Niveau der politischen Leitung zu heben;

3. durchzusetzen, dass die organisatorische Leitung die Durchführung der politischen Losungen und der Beschlüsse der Partei vollständig sichert.

*

Genossen, ich schließe meinen Rechenschaftsbericht.

Welche Schlussfolgerungen ergeben sich aus ihm?

Jetzt erkennen bereits alle an, dass unsere Erfolge groß und außergewöhnlich sind. Das Land ist in verhältnismäßig kurzer Frist auf die Bahnen der Industrialisierung und Kollektivierung hinübergeleitet worden. Der erste Fünfjahrplan ist erfolgreich verwirklicht worden. Das erzeugt ein Gefühl des Stolzes und stärkt den Glauben an die eigenen Kräfte bei unseren Funktionären.

Das ist natürlich gut. Aber Erfolge haben manchmal auch ihre Schattenseite. Sie erzeugen mitunter gewisse Gefahren, die, wenn man sie sich entwickeln läßt, dazu führen können, dass die ganze Sache aus den Fugen geht. Es besteht zum Beispiel die Gefahr, dass diese Erfolge manchen unserer Genossen zu Kopfe steigen. Solche Fälle hat es bekanntlich bei uns gegeben. Es besteht die Gefahr, dass mancher unserer Genossen, von Erfolgen berauscht, ganz und gar hochmütig wird und anfängt, sich mit Prahlereien einzulullen: „Für uns ist jetzt alles ein Kinderspiel“, „Wir werden mit jedermann leicht fertig“ usw. Das ist keineswegs ausgeschlossen, Genossen. Es gibt nichts Gefährlicheres als solche Stimmungen, denn sie entwaffnen die Partei und demobilisieren ihre Reihen. Wenn solche Stimmungen in unserer Partei überhand nehmen, so können wir der Gefahr gegenüberstehen, dass alle unsere Erfolge zunichte gemacht werden.

Gewiss, den ersten Fünfjahrplan haben wir mit Erfolg durchgeführt. Das ist richtig. Aber damit, Genossen, ist die Sache nicht zu Ende und kann nicht zu Ende sein. Wir stehen vor dem zweiten Fünfjahrplan, den man ebenfalls durchführen, und zwar gleichfalls mit Erfolg durchführen muss. Sie wissen, dass Pläne im Kampf mit Schwierigkeiten, im Verlauf der Überwindung von Schwierigkeiten durchgeführt werden. Das bedeutet, dass es Schwierigkeiten geben wird, dass es auch einen Kampf mit ihnen geben wird. Die Genossen Molotow und Kujbyschew werden Ihnen über den zweiten Fünfjahrplan berichten. Aus ihren Berichten werden Sie ersehen, welche großen Schwierigkeiten wir zur Verwirklichung dieses grandiosen Plans zu überwinden haben werden. Man darf also die Partei nicht einlullen, sondern muss in ihr die Wachsamkeit entwickeln, darf sie nicht einschläfern, sondern muss sie im Zustand der Kampfbereitschaft halten, darf sie nicht entwaffnen, sondern muss sie bewaffnen, darf sie nicht demobilisieren, sondern muss sie im Zustand der Mobilisierung zur Verwirklichung des zweiten Fünfjahrplans halten.

Daraus ergibt sich die erste Schlussfolgerung: Sich nicht von den erzielten Erfolgen hinreißen lassen und nicht überheblich werden.

Wir haben Erfolge errungen, weil wir eine richtige leitende Parteilinie hatten und es verstanden, die Massen zu organisieren, um diese Linie in die Tat umzusetzen. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass wir ohne diese Bedingungen nicht jene Erfolge erzielt hätten, die wir jetzt haben und auf die wir mit Recht stolz sind. Aber eine richtige Linie haben und sie durchzuführen verstehen - das ist eine große Seltenheit im Leben regierender Parteien.

Sehen Sie sich die uns umgebenden Länder an: Werden Sie viele regierende Parteien finden, die eine richtige Linie haben und sie durchführen? Eigentlich gibt es solche Parteien jetzt nirgends in der Welt, denn sie alle leben ohne Perspektive, irren umher im Chaos der Krise und sehen keinen Weg, sich aus dem Sumpf herauszuarbeiten. Nur unsere Partei weiß, welchem Ziel sie zusteuert, und führt ihre Sache erfolgreich vorwärts. Welchem Umstand verdankt unsere Partei diesen ihren Vorzug? Dem Umstand, dass sie eine marxistische Partei, eine Lenin istische Partei ist. Sie verdankt ihn dem Umstand, dass sie sich in ihrer Arbeit von der Lehre von Marx, Engels, Lenin leiten läßt. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass wir, solange wir dieser Lehre treu bleiben, solange wir diesen Kompass besitzen, Erfolge in unserer Arbeit haben werden.

Man behauptet, dass im Westen in gewissen Staaten der Marxismus bereits vernichtet sei. Man behauptet, dass ihn die bürgerlich-nationalistische Richtung, die man Faschismus nennt, vernichtet hätte. Das ist natürlich Unsinn. So können nur Leute reden, die die Geschichte nicht kennen. Der Marxismus ist der wissenschaftliche Ausdruck der Lebensinteressen der Arbeiterklasse. Um den Marxismus zu vernichten, müsste man die Arbeiterklasse vernichten. Die Arbeiterklasse aber kann man nicht vernichten. Mehr als 80 Jahre sind vergangen, seitdem der Marxismus auf den Plan getreten ist. In dieser Zeit haben Dutzende und Hunderte von bürgerlichen Regierungen versucht, den Marxismus zu vernichten. Und das Ergebnis? Die bürgerlichen Regierungen kamen und gingen, der Marxismus aber ist geblieben. (Stürmischer Beifall.) Mehr noch: Der Marxismus hat es erreicht, dass er auf einem Sechstel der Erde den vollen Sieg davontrug, und zwar hat er den Sieg in dem Lande errungen, in dem man den Marxismus für endgültig vernichtet hielt. (Stürmischer Beifall.) Man kann es nicht für einen Zufall halten, dass das Land, in dem der Marxismus den vollen Sieg davontrug, jetzt das einzige Land in der Welt ist, das keine Krisen und keine Arbeitslosigkeit kennt, während in allen übrigen Ländern, auch in den Ländern des Faschismus, bereits vier Jahre lang Krise und Arbeitslosigkeit herrschen. Nein, Genossen, das ist kein Zufall. (Anhaltender Beifall.)

Ja, Genossen, wir verdanken unsere Erfolge der Tatsache, dass wir unter dem Banner von Marx, Engels, Lenin gearbeitet und gekämpft haben.

Daraus ergibt sich die zweite Schlussfolgerung: Bis zum letzten treu bleiben dem großen Banner von Marx, Engels, Lenin . (Beifall.)

Die Stärke der Arbeiterklasse der UdSSR besteht nicht nur darin, dass sie eine in Kämpfen erprobte Lenin sche Partei besitzt. Ihre Stärke besteht ferner nicht nur darin, dass sie von den Millionenmassen der werktätigen Bauern unterstützt wird. Ihre Stärke besteht auch noch darin, dass das Weltproletariat sie unterstützt und ihr hilft. Die Arbeiterklasse der UdSSR ist ein Teil des Weltproletariats, seine Vorhut, und unsere Republik ist eine Schöpfung des Weltproletariats. Es kann kein Zweifel darüber bestehen: Wenn sie nicht die Unterstützung der Arbeiterklasse der kapitalistischen Länder gehabt hätte, dann hätte sie nicht die Macht behauptet, dann hätte sie nicht die Bedingungen für den sozialistischen Aufbau schaffen können - sie hätte also nicht die Erfolge aufzuweisen, die sie jetzt aufzuweisen hat. Die internationalen Verbindungen der Arbeiterklasse der UdSSR mit den Arbeitern der kapitalistischen Länder, das brüderliche Bündnis der Arbeiter der UdSSR mit den Arbeitern aller Länder - das ist einer der Grundpfeiler der Stärke und Macht der Republik der Sowjets. Die Arbeiter im Westen sagen, dass die Arbeiterklasse der UdSSR die Stoßbrigade des Weltproletariats ist. Das ist sehr gut. Das bedeutet, dass das Weltproletariat auch in Zukunft bereit ist, die Arbeiterklasse der UdSSR nach Kräften und Möglichkeiten zu unterstützen. Aber das erlegt uns große Pflichten auf. Das bedeutet, dass wir durch unsere Arbeit den Ehrennamen der Stoßbrigade der Proletarier aller Länder rechtfertigen müssen. Das verpflichtet uns, besser zu arbeiten und besser zu kämpfen für den endgültigen Sieg des Sozialismus in unserem Lande, für den Sieg des Sozialismus in allen Ländern.

Daraus ergibt sich die dritte Schlussfolgerung: Bis zum letzten treu bleiben der Sache des proletarischen Internationalismus, der Sache des brüderlichen Bundes der Proletarier aller Länder. (Beifall.)

Das sind die Schlussfolgerungen.

Es lebe das große und unbesiegbare Banner von Marx, Engels, Lenin ! (Stürmischer, anhaltender Beifall im ganzen Saal. Der Parteitag bereitet dem Genossen Stalin eine Ovation. Die Anwesenden singen die „Internationale“. Nach dem Gesang der „Internationale“ setzt die Ovation mit erneuter Kraft ein. Rufe: „Hurra Stalin!“, „Es lebe Stalin!“, „Es lebe das ZK der Partei!“)

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