"Stalin"

Werke

Band 14

REDE AUF DER ERSTEN UNIONSBERATUNG
DER STACHANOWLEUTE

am 17. November 1935

1. DIE BEDEUTUNG DER STACHANOWBEWEGUNG

Genossen! Über die Stachanowleute wurde hier, in dieser Beratung, so viel und so gut gesprochen, dass mir eigentlich wenig zu sagen übrig bleibt. Immerhin, da man mich nun einmal auf die Tribüne gerufen hat, muss ich wohl einige Worte sagen.

Man darf die Stachanowbewegung nicht als eine gewöhnliche Bewegung der Arbeiter und Arbeiterinnen betrachten. Die Stachanowbewegung ist eine Bewegung der Arbeiter und Arbeiterinnen, die in die Geschichte unseres sozialistischen Aufbaus als eines ihrer ruhmreichsten Blätter eingehen wird.

Worin besteht die Bedeutung der Stachanowbewegung?

Vor allem darin, dass sie einen neuen Aufschwung des sozialistischen Wettbewerbs, eine neue, eine höhere Etappe des sozialistischen Wettbewerbs zum Ausdruck bringt. Warum eine neue, warum eine höhere Etappe? Weil die Stachanowbewegung als Ausdruck des sozialistischen Wettbewerbs sich von der alten Etappe des sozialistischen Wettbewerbs vorteilhaft unterscheidet. Früher, vor etwa drei Jahren, während der ersten Etappe des sozialistischen Wettbewerbs, war der sozialistische Wettbewerb nicht unbedingt mit der neuen Technik verbunden. Ja, damals hatten wir auch eigentlich fast keine neue Technik. Die jetzige Etappe des sozialistischen Wettbewerbs aber, die Stachanowbewegung, ist im Gegenteil unbedingt mit der neuen Technik verbunden. Die Stachanowbewegung wäre ohne die neue, die höhere Technik undenkbar. Vor euch stehen Leute wie die Genossen Stachanow, Bussygin, Smetanin, Kriwonos, Pronin, die Winogradowas und viele andere, neue Menschen, Arbeiter und Arbeiterinnen, die die Technik ihres Faches in vollem Umfang gemeistert, bewältigt und vorwärtsgetrieben haben. Solche Menschen gab es bei uns vor drei Jahren nicht oder fast gar nicht. Das sind neue, besondere Menschen.

Weiter. Die Stachanowbewegung ist eine Bewegung der Arbeiter und Arbeiterinnen, die sich die Überwindung der jetzigen technischen Normen, die Überwindung der bestehenden projektierten Leistungsfähigkeiten, die Überwindung der bestehenden Produktionspläne und -bilanzen zum Ziel setzt. Ich sage Überwindung, denn diese Normen sind für unsere Tage, für unsere neuen Menschen bereits veraltet. Diese Bewegung wirft die alten Auffassungen von der Technik über den Haufen, bricht mit den alten technischen Normen, den alten projektierten Leistungsfähigkeiten, wirft die alten Produktionspläne über den Haufen und fordert die Aufstellung neuer, höherer technischer Normen, Leistungsfähigkeiten und Produktionspläne. Sie ist berufen, in unserer Industrie eine Revolution zu vollbringen. Gerade deshalb ist die Stachanowbewegung in ihrer Grundlage zutiefst revolutionär.

Es wurde hier schon gesagt, dass die Stachanowbewegung als Ausdruck neuer, höherer technischer Normen ein Muster jener hohen Arbeitsproduktivität darstellt, die nur der Sozialismus zu geben vermag und die der Kapitalismus nicht geben kann. Das ist völlig richtig. Warum hat der Kapitalismus den Feudalismus zerschlagen und überwunden? Weil er höhere Normen der Arbeitsproduktivität geschaffen hat, weil er der Gesellschaft die Möglichkeit gegeben hat, unvergleichlich mehr Produkte zu erhalten, als dies unter der feudalen Ordnung der Fall war. Weil er die Gesellschaft reicher gemacht hat. Warum kann, muss und wird der Sozialismus das kapitalistische Wirtschaftssystem unbedingt besiegen? Weil er höhere Leistungen in der Arbeit, eine höhere Arbeitsproduktivität schaffen kann als das kapitalistische Wirtschaftssystem. Weil er der Gesellschaft mehr Produkte liefern und die Gesellschaft reicher machen kann als das kapitalistische Wirtschaftssystem.

Manche glauben, man könne den Sozialismus festigen durch eine gewisse materielle Gleichstellung der Menschen auf der Basis eines ärmlichen Lebens. Das ist nicht richtig. Das ist eine kleinbürgerliche Vorstellung vom Sozialismus. In Wirklichkeit kann der Sozialismus nur auf der Basis einer hohen Arbeitsproduktivität siegen, einer höheren als unter dem Kapitalismus, auf der Basis des Überflusses an Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen jeder Art, auf der Basis eines wohlhabenden und kulturellen Lebens für alle Mitglieder der Gesellschaft. Damit aber der Sozialismus dieses Ziel erreichen und unsere Sowjetgesellschaft zur wohlhabendsten Gesellschaft machen könne, brauchen wir in unserem Lande eine Arbeitsproduktivität, die die Arbeitsproduktivität der fortgeschrittensten kapitalistischen Länder übertrifft. Andernfalls ist an einen Überfluss an Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen jeder Art nicht zu denken. Die Bedeutung der Stachanowbewegung besteht darin, dass sie eine Bewegung ist, die mit den alten technischen Normen bricht, weil sie unzulänglich sind, die die Arbeitsproduktivität der fortgeschrittenen kapitalistischen Länder in einer ganzen Reihe von Fällen übertrifft und somit die praktische Möglichkeit eröffnet, den Sozialismus in unserem Lande weiter zu festigen und unser Land zum wohlhabendsten Lande zu machen.

Doch ist die Bedeutung der Stachanowbewegung damit nicht erschöpft. Ihre Bedeutung besteht weiter darin, dass sie die Bedingungen für den Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus vorbereitet.

Das Prinzip des Sozialismus besteht darin, dass in der sozialistischen Gesellschaft jeder nach seinen Fähigkeiten arbeitet und Konsumtionsmittel nicht nach seinen Bedürfnissen, sondern nach der Arbeit erhält, die er für die Gesellschaft geleistet hat. Das bedeutet, dass das kulturelle und technische Niveau der Arbeiterklasse noch immer nicht sehr hoch ist, dass der Gegensatz zwischen geistiger und körperlicher Arbeit noch fortbesteht, dass die Arbeitsproduktivität noch nicht hoch genug ist, um einen Überfluss an Konsumtionsmitteln zu gewährleisten, wodurch die Gesellschaft genötigt ist, die Konsumtionsmittel nicht gemäß den Bedürfnissen der Mitglieder der Gesellschaft zu verteilen, sondern gemäß der Arbeit, die sie für die Gesellschaft geleistet haben.

Der Kommunismus stellt eine höhere Entwicklungsstufe dar. Das Prinzip des Kommunismus besteht darin, dass in der kommunistischen Gesellschaft jeder nach seinen Fähigkeiten arbeitet und Konsumtionsmittel nicht nach der von ihm geleisteten Arbeit, sondern nach den Bedürfnissen erhält, die er als kulturell entwickelter Mensch hat. Das bedeutet, dass das kulturelle und technische Niveau der Arbeiterklasse hoch genug gestiegen ist, um dem Gegensatz zwischen geistiger und körperlicher Arbeit den Boden zu entziehen, dass der Gegensatz zwischen geistiger und körperlicher Arbeit schon verschwunden ist und dass die Arbeitsproduktivität eine so hohe Stufe erreicht hat, dass sie Konsumtionsmittel in Hülle und Fülle sicherstellen kann, wodurch die Gesellschaft die Möglichkeit hat, diese Konsumtionsmittel gemäß den Bedürfnissen ihrer Mitglieder zu verteilen.

Manche glauben, die Aufhebung des Gegensatzes zwischen geistiger und körperlicher Arbeit könne erreicht werden durch eine gewisse kulturelle und technische Gleichstellung der Hand- und Kopfarbeiter auf der Grundlage einer Senkung des kulturellen und technischen Niveaus der Ingenieure und Techniker, der Kopfarbeiter, auf das Niveau der Arbeiter mittlerer Qualifikation. Das ist völlig unrichtig. Nur kleinbürgerliche Schwätzer können so über den Kommunismus denken. In Wirklichkeit kann die Aufhebung des Gegensatzes zwischen geistiger und körperlicher Arbeit nur dadurch erreicht werden, dass das kulturelle und technische Niveau der Arbeiterklasse auf das Niveau von Ingenieuren und Technikern gehoben wird. Es wäre lächerlich zu glauben, dies sei nicht zu verwirklichen. Dies ist durchaus zu verwirklichen in den Verhältnissen der Sowjetgesellschaft, wo die Produktivkräfte des Landes von den Fesseln des Kapitalismus befreit sind, wo die Arbeit vom Joche der Ausbeutung befreit ist, wo die Macht in den Händen der Arbeiterklasse liegt und die junge Generation der Arbeiterklasse alle Möglichkeiten hat, sich eine ausreichende technische Bildung anzueignen. Es liegt keinerlei Grund vor, daran zu zweifeln, dass nur ein solcher kultureller und technischer Aufschwung der Arbeiterklasse die Grundlagen des Gegensatzes zwischen geistiger und körperlicher Arbeit untergraben kann, dass nur er allein jene hohe Arbeitsproduktivität und jenen Überfluss an Konsumtionsmitteln sicherstellen kann, die notwendig sind, um mit dem Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus zu beginnen.

Die Stachanowbewegung ist in diesem Zusammenhang dadurch bedeutsam, dass sie die ersten, allerdings noch schwachen Ansätze, aber immerhin Ansätze eines solchen kulturellen und technischen Aufschwungs der Arbeiterklasse unseres Landes in sich birgt.

In der Tat, seht euch doch die Genossen Stachanowleute näher an. Was sind das für Menschen? Das sind hauptsächlich Arbeiter und Arbeiterinnen in jungen und mittleren Jahren, technisch beschlagene Kulturmenschen, die Muster an Genauigkeit und Pünktlichkeit in der Arbeit liefern, die den Zeitfaktor in der Arbeit zu schätzen wissen und gelernt haben, die Zeit nicht nur nach Minuten, sondern sogar nach Sekunden zu messen. Die meisten von ihnen haben die Prüfung im so genannten technischen Minimum abgelegt und fahren fort, ihre technische Bildung zu vervollkommnen. Sie sind frei von dem Konservatismus und der Unbeweglichkeit gewisser Ingenieure, Techniker und Wirtschaftler; sie schreiten kühn vorwärts, brechen mit den veralteten technischen Normen und schaffen neue, höhere Normen, sie korrigieren die von den Leitern unserer Industrie projektierten Leistungsfähigkeiten und aufgestellten Wirtschaftspläne, ergänzen und korrigieren immer wieder die Ingenieure und Techniker, belehren sie nicht selten und treiben sie vorwärts; denn sie sind Menschen, die die Technik ihres Faches völlig gemeistert haben und verstehen, aus der Technik das Höchstmaß dessen herauszuholen, was aus ihr herauszuholen ist. Heute gibt es noch wenig Stachanowleute, aber wer kann daran zweifeln, dass es morgen ihrer zehnmal soviel geben wird? Ist es etwa nicht klar, dass die Stachanowleute Neuerer in unserer Industrie sind, dass die Stachanowbewegung die Zukunft unserer Industrie darstellt, dass sie den Keim des künftigen kulturellen und technischen Aufschwungs der Arbeiterklasse in sich birgt, dass sie uns den Weg öffnet, auf dem allein jene Höchstleistungen der Arbeitsproduktivität erzielt werden können, die für den Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus und für die Aufhebung des Gegensatzes zwischen geistiger und körperlicher Arbeit notwendig sind?

Das, Genossen, ist die Bedeutung der Stachanowbewegung für unseren sozialistischen Aufbau.

Haben Stachanow und Bussygin, als sie darangingen, mit den alten technischen Normen zu brechen, an diese hohe Bedeutung der Stachanowbewegung gedacht? Natürlich nicht. Sie hatten ihre eigenen Sorgen - sie waren bestrebt, den Produktionsausfall ihres Betriebes wettzumachen und den Wirtschaftsplan über zu erfüllen. Um aber dieses Ziel zu erreichen, mussten sie mit den alten technischen Normen brechen und eine hohe Arbeitsproduktivität entwickeln, die die Arbeitsproduktivität der fortgeschrittenen kapitalistischen Länder übertrifft. Es wäre jedoch lächerlich zu glauben, dieser Umstand könne auch nur im Geringsten die gewaltige historische Bedeutung der Bewegung der Stachanowleute schmälern.

Das gleiche läßt sich von den Arbeitern sagen, die im Jahre 1905 zum ersten Mal in unserem Lande Sowjets der Arbeiterdeputierten organisierten. Sie dachten natürlich nicht daran, dass die Sowjets der Arbeiterdeputierten die Grundlage der sozialistischen Ordnung bilden würden. Sie verteidigten sich lediglich gegen den Zarismus, gegen die Bourgeoisie, indem sie Sowjets der Arbeiterdeputierten schufen. Doch widerspricht dieser Umstand nicht im geringsten der unbestreitbaren Tatsache, dass die im Jahre 1905 von den Lenin grader und Moskauer Arbeitern eingeleitete Bewegung für die Sowjets der Arbeiterdeputierten im Endergebnis zur Zertrümmerung des Kapitalismus und zum Siege des Sozialismus auf einem Sechstel der Erde geführt hat.

2. DIE WURZELN DER STACHANOWBEWEGUNG

Wir stehen jetzt an der Wiege der Stachanowbewegung, an ihren Quellen.

Es wäre angebracht, einige charakteristische Merkmale der Stachanowbewegung festzuhalten.

Vor allem springt die Tatsache ins Auge, dass diese Bewegung gewissermaßen aus sich selbst heraus, fast spontan, von unten her, ohne irgendwelchen Druck seitens der Leitungen unserer Betriebe begonnen hat. Mehr noch. Diese Bewegung ist in gewissem Maße gegen den Willen der Leitungen unserer Betriebe, ja selbst im Kampfe mit ihnen entstanden und zur Entfaltung gekommen. Genosse Molotow hat euch schon davon erzählt, welche Nöte Genosse Mussinski, ein Sägewerkarbeiter, in Archangelsk, auszustehen hatte, als er hinter dem Rücken der Wirtschaftsorganisation, hinter dem Rücken des Kontrollpersonals neue, höhere technische Normen leistete. Stachanow selbst erging es nicht besser, denn er musste sich bei seinem Vorstoß nicht nur gegen manche Verwaltungsfunktionäre, sondern auch gegen manche Arbeiter zur Wehr setzen, die ihn wegen seiner „Neuerungen“ auslachten und gegen ihn hetzten. Was Bussygin betrifft, so ist bekannt, dass er seine „Neuerungen“ beinahe mit dem Verlust der Arbeitsstelle gebüßt hätte und nur dank dem Eingreifen des Abteilungsleiters, Genossen Sokolinski, im Betrieb bleiben konnte.

Ihr seht also, wenn es irgendeine Einwirkung der Leitungen unserer Betriebe auf die Stachanowbewegung gegeben hat, so kam diese der Stachanowbewegung nicht entgegen, sondern richtete sich gegen sie. Folglich ist die Stachanowbewegung als eine von unten kommende Bewegung entstanden und zur Entfaltung gelangt. Und gerade weil sie aus sich selbst heraus entstanden ist, gerade weil sie von unten kommt, ist sie die lebenskräftigste und unüberwindlichste Bewegung der Gegenwart.

Ferner muss man noch auf ein charakteristisches Merkmal der Stachanowbewegung eingehen. Dieses charakteristische Merkmal besteht darin, dass sich die Stachanowbewegung nicht allmählich, sondern mit einer geradezu beispiellosen Schnelligkeit, wie ein Orkan, über unsere ganze Union ausgebreitet hat. Womit hat die Sache begonnen? Stachanow steigerte die technische Norm der Kohlenförderung auf das Fünf- bis Sechsfache, wenn nicht mehr. Bussygin und Smetanin taten das gleiche, der eine im Maschinenbau, der andere in der Schuhindustrie. Die Zeitungen haben über diese Tatsachen berichtet. Und plötzlich erfasste die Flamme der Stachanowbewegung das ganze Land. Was ging hier vor sich? Woher die Schnelligkeit, mit der sich die Stachanowbewegung ausbreitet? Vielleicht sind Stachanow und Bussygin große Organisatoren mit großen Verbindungen in den Gebieten und Rayons der Sowjetunion und haben diese Bewegung selbst organisiert? Nein, gewiss nicht! Vielleicht erheben Stachanow und Bussygin Anspruch darauf, große Männer unseres Landes zu sein, und haben selbst die Funken der Stachanowbewegung über das ganze Land verbreitet? Auch das ist unrichtig. Ihr habt hier Stachanow und Bussygin gesehen. Sie haben in der Beratung gesprochen. Das sind einfache und bescheidene Menschen, die keinen Anspruch erheben, Lorbeeren als große Männer der Sowjetunion zu ernten. Mir scheint sogar, dass sie durch den Umfang der Bewegung, die sich bei uns entgegen ihren Erwartungen entfaltet hat, etwas betroffen sind. Und wenn trotzdem der von Stachanow und Bussygin entzündete Funke dazu ausreichte, dass diese ganze Sache sich zur Flamme entfachte, so bedeutet das, dass die Voraussetzungen der Stachanowbewegung völlig herangereift waren. Nur eine Bewegung, die völlig herangereift ist und auf einen Anstoß wartet, um zum Durchbruch zu kommen, nur eine solche Bewegung konnte so schnell um sich greifen und wie eine Lawine anwachsen.

Womit ist es zu erklären, dass die Stachanowbewegung sich als völlig herangereift erwies? Wo liegen die Ursachen dafür, dass sie eine so schnelle Verbreitung erlangt hat? Welches sind die Wurzeln der Stachanowbewegung?

Dieser Ursachen gibt es mindestens vier:

1. Als Grundlage der Stachanowbewegung diente vor allem die radikale Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter. Es lebt sich jetzt besser, Genossen. Es lebt sich jetzt froher. Und wenn es sich froh lebt, dann geht die Arbeit gut vonstatten. Daher die hohen Leistungsnormen. Daher die Helden und Heldinnen der Arbeit. Darin vor allem liegt die Wurzel der Stachanowbewegung. Gäbe es bei uns eine Krise, gäbe es bei uns Arbeitslosigkeit - die Geißel der Arbeiterklasse -, lebte man bei uns schlecht, kümmerlich, freudlos, so gäbe es bei uns keine Stachanowbewegung. (Beifall). Unsere proletarische Revolution ist die einzige Revolution in der Welt, die dem Volke nicht nur ihre politischen Ergebnisse, sondern auch materielle Ergebnisse darbieten kann. Von allen Arbeiterrevolutionen kennen wir nur eine, die so oder so die Macht erlangte. Das war die Pariser Kommune. Aber sie bestand nicht lange. Sie versuchte zwar, die Fesseln des Kapitalismus zu sprengen, aber sie kam nicht dazu, sie zu sprengen, und noch weniger kam sie dazu, dem Volke die segensreichen materiellen Ergebnisse der Revolution darzubieten. Unsere Revolution ist die einzige, die nicht nur die Fesseln des Kapitalismus gesprengt und dem Volke die Freiheit gegeben hat, sondern dem Volke auch die materiellen Bedingungen für ein wohlhabendes Leben bieten konnte. Darin liegt die Kraft und Unbesiegbarkeit unserer Revolution. Es ist natürlich gut, die Kapitalisten zu verjagen, die Gutsbesitzer zu verjagen, die Zarenschergen zu verjagen, die Macht zu ergreifen und die Freiheit zu erlangen. Das ist sehr gut. Aber leider ist es mit der Freiheit allein bei weitem noch nicht getan. Wenn es an Brot mangelt, wenn es an Butter und Fett mangelt, wenn es an Kleidungsstoffen mangelt, wenn die Wohnverhältnisse schlecht sind, dann kann man mit der Freiheit allein nicht viel anfangen. Es ist sehr schwer, Genossen, von der Freiheit allein zu leben. (Zustimmende Zwischenrufe, Beifall). Um gut und froh leben zu können, ist es erforderlich, dass die Errungenschaften der politischen Freiheit durch materielle Güter ergänzt werden. Eine charakteristische Besonderheit unserer Revolution besteht darin, dass sie dem Volke nicht nur die Freiheit, sondern auch materielle Güter und die Möglichkeit gegeben hat, ein wohlhabendes und kulturvolles Leben zu führen. Deshalb lebt es sich jetzt bei uns froh, und eben auf diesem Boden ist die Stachanowbewegung erwachsen.

2. Die zweite Quelle der Stachanowbewegung ist die Tatsache, dass es bei uns keine Ausbeutung gibt. Die Menschen arbeiten bei uns nicht für Ausbeuter, nicht für die Bereicherung von Müßiggängern, sondern für sich, für ihre Klasse, für ihre Gesellschaft, die Sowjetgesellschaft, in der die besten Leute der Arbeiterklasse an der Macht stehen. Eben deswegen hat die Arbeit bei uns gesellschaftliche Geltung, ist sie eine Sache der Ehre und des Ruhmes. Unter dem Kapitalismus trägt die Arbeit einen privaten, persönlichen Charakter. Hast du mehr geschafft, so stecke mehr ein und lebe wie du willst. Niemand kennt dich, und niemand will dich kennen. Du arbeitest für die Kapitalisten, du bereicherst sie? Wie denn anders? Man hat dich ja gedungen, damit du die Ausbeuter bereicherst. Bist du damit nicht einverstanden, so geh in die Reihen der Arbeitslosen und friste dein Dasein, wie du kannst, wir werden andere, willigere Leute finden. Deswegen wird die Arbeit der Menschen unter dem Kapitalismus nicht gerade hoch eingeschätzt. Es ist klar, dass unter solchen Verhältnissen für eine Stachanowbewegung kein Platz sein kann. Anders steht es damit unter den Verhältnissen des Sowjetsystems. Hier wird der arbeitende Mensch geschätzt. Hier arbeitet er nicht für die Ausbeuter, sondern für sich, für seine Klasse, für die Gesellschaft. Hier kann sich der arbeitende Mensch nicht verlassen und vereinsamt fühlen. Im Gegenteil, der arbeitende Mensch fühlt sich bei uns als freier Bürger seines Landes, gewissermaßen als Mann der Öffentlichkeit. Und wenn er gut arbeitet und der Gesellschaft gibt, was er geben kann, dann ist er ein Held der Arbeit, dann ist er ruhmgekrönt. Es ist begreiflich, dass nur unter solchen Verhältnissen die Stachanowbewegung aufkommen konnte.

3. Als dritte Quelle der Stachanowbewegung ist die Tatsache zu betrachten, dass wir eine neue Technik haben. Die Stachanowbewegung ist mit der neuen Technik organisch verbunden. Ohne neue Technik, ohne neue Werke und Fabriken, ohne neue Betriebseinrichtungen hätte die Stachanowbewegung bei uns nicht aufkommen können. Ohne neue Technik kann man die technischen Normen auf das Doppelte oder Dreifache steigern, nicht höher. Wenn die Stachanowleute die technischen Normen auf das Fünf- und Sechsfache gesteigert haben, so bedeutet dies, dass sie sich voll und ganz auf die neue Technik stützen. Somit ergibt sich, dass die Industrialisierung unseres Landes, die Rekonstruktion unserer Werke und Fabriken, das Vorhandensein der neuen Technik und der neuen Betriebseinrichtungen eine der Ursachen gewesen sind, die die Stachanowbewegung hervorgebracht haben.

4. Aber mit der neuen Technik allein kommt man nicht weit. Man kann eine erstklassige Technik, erstklassige Werke und Fabriken haben, wenn aber keine Menschen da sind, die diese Technik zu meistern verstehen, so wird die Technik bloße Technik bleiben. Damit die neue Technik Ergebnisse zeitigen könne, müssen noch Menschen, Kader von Arbeitern und Arbeiterinnen vorhanden sein, die fähig sind, der Technik leitend voranzugehen und sie vorwärts zu bringen. Die Entstehung und das Anwachsen der Stachanowbewegung bedeuten, dass diese Kader bei uns unter den Arbeitern und Arbeiterinnen bereits entstanden sind. Vor etwa zwei Jahren sagte die Partei, dass wir mit dem Bau der neuen Werke und Fabriken und mit der Neuausrüstung unserer Betriebe erst die Hälfte der Arbeit getan haben. Die Partei sagte damals, dass man den Enthusiasmus des Aufbaus neuer Betriebe durch den Enthusiasmus ihrer Meisterung ergänzen muss, dass man nur auf diesem Wege das Werk zu Ende führen kann. Es ist offensichtlich, dass in diesen zwei Jahren die Meisterung dieser neuen Technik und die Heranbildung neuer Kader vor sich gegangen sind. Jetzt ist es klar, dass wir diese Kader bereits besitzen. Man begreift, dass wir ohne diese Kader, ohne diese neuen Menschen keinerlei Stachanowbewegung hätten. Somit bildeten die neuen Menschen aus der Mitte der Arbeiter und Arbeiterinnen, die die neue Technik gemeistert haben, jene Kraft, die der Stachanowbewegung Gestalt gegeben und sie vorwärts gebracht hat.

Das sind die Bedingungen, die die Stachanowbewegung hervorgebracht und gefördert haben.

3. NEUE MENSCHEN - NEUE TECHNISCHE NORMEN

Ich sagte, dass die Stachanowbewegung sich nicht allmählich entwickelte, sondern einer Explosion glich, die einen Damm gesprengt hat. Offensichtlich hatte sie gewisse Hindernisse zu überwinden. Mancher hemmte sie, mancher hielt sie auf, und nun hat die Stachanowbewegung, nachdem sie Kräfte gesammelt hatte,. diese Hindernisse durchbrochen und das Land überflutet.

Was ging da vor, wer hat sie eigentlich gehemmt?

Gehemmt haben sie die alten technischen Normen und die Leute, die hinter diesen Normen standen. Vor einigen Jahren haben unsere Ingenieure, Techniker und Wirtschaftler bestimmte technische Normen aufgestellt, die der technischen Rückständigkeit unserer Arbeiter und Arbeiterinnen angepasst waren. Seitdem sind einige Jahre vergangen. Die Menschen sind in dieser Zeit gewachsen und haben sich technisch geschult. Die technischen Normen aber blieben unverändert. Es ist klar, dass sich diese Normen jetzt für unsere neuen Menschen als veraltet erwiesen haben. Jetzt schimpfen alle auf die geltenden technischen Normen. Aber sie sind doch nicht vom Himmel gefallen. Und es handelt sich hier durchaus nicht darum, dass diese technischen Normen seinerzeit zu niedrig angesetzt worden waren. Es handelt sich vor allem darum, dass man jetzt, wo diese Normen schon veraltet sind, versucht, sie als zeitgemäße Normen zu verteidigen. Man klammen sich an die technische Rückständigkeit unserer Arbeiter und Arbeiterinnen, stellt sich auf diese Rückständigkeit ein, geht von der Rückständigkeit aus, und das geht schließlich so weit, dass man mit der Rückständigkeit aufzutrumpfen beginnt. Was aber, wenn diese Rückständigkeit der Vergangenheit angehört? Werden wir etwa vor unserer Rückständigkeit in die Knie sinken, aus ihr ein Heiligenbild, einen Fetisch machen? Was aber, wenn die Arbeiter und Arbeiterinnen bereits herangewachsen sind und technische Schulung haben? Was aber, wenn die alten technischen Normen aufgehört haben, der Wirklichkeit zu entsprechen, wenn es unsere Arbeiter und Arbeiterinnen bereits fertig gebracht haben, sie in der Praxis um das Fünf- und Zehnfache zu übertreffen? Haben wir denn jemals unserer Rückständigkeit Treue geschworen? Das gab es doch wohl bei uns nicht, Genossen? (Allgemeine Heiterkeit). Sind wir etwa davon ausgegangen, dass unsere Arbeiter und Arbeiterinnen ewig rückständig bleiben werden? Davon sind wir doch wohl nicht ausgegangen? (Allgemeine Heiterkeit). Worum handelt es sich also? Fehlt es uns etwa an Mut, den Konservatismus mancher unserer Ingenieure und Techniker zu brechen, mit den alten Traditionen und Normen zu brechen und den neuen Kräften der Arbeiterklasse Raum zu geben?

Man redet von der Wissenschaft. Man sagt, dass die Angaben der Wissenschaft, die Angaben der technischen Handbücher und Instruktionen den Forderungen der Stachanowleute nach neuen, höheren technischen Normen widersprechen. Aber von welcher Wissenschaft ist hier die Rede? Die Angaben der Wissenschaft wurden stets durch die Praxis, durch die Erfahrung geprüft. Eine Wissenschaft, die die Verbindung mit der Praxis, mit der Erfahrung verloren hat - was ist das für eine Wissenschaft? Wäre die Wissenschaft so, wie sie von manchen unserer konservativen Genossen dargestellt wird, so wäre sie für die Menschheit schon längst verloren. Die Wissenschaft heißt gerade deshalb Wissenschaft, weil sie keine Fetische anerkennt, sich nicht fürchtet, gegen das Überlebte, das Alte die Hand zu erheben, und ein feines Gehör für die Stimme der Erfahrung, der Praxis hat. Wäre es anders, dann gäbe es bei uns überhaupt keine Wissenschaft, dann gäbe es zum Beispiel keine Astronomie, und wir würden uns immer noch mit dem vermoderten System des Ptolemäus abgeben, dann gäbe es bei uns keine Biologie, und wir würden noch immer mit der Legende von der Erschaffung des Menschen fürliebnehmen müssen, dann gäbe es keine Chemie, und wir würden uns immer noch mit den Weissagungen der Alchimisten abgeben.

Deshalb glaube ich, dass unsere Ingenieure, Techniker und Wirtschaftler, die schon recht weit hinter der Stachanowbewegung zurückgeblieben sind, gut daran täten, wenn sie aufhörten, sich an die alten technischen Normen zu klammern, und sich auf richtige, wissenschaftliche, auf neue, auf Stachanowsche Art umstellten.

Gut, wird man uns sagen. Aber was soll mit den technischen Normen überhaupt geschehen? Braucht sie die Industrie, oder kann man ganz ohne Normen auskommen?

Die einen sagen, dass wir keinerlei technische Normen mehr brauchen. Das ist unrichtig, Genossen. Mehr als das, es ist dumm. Ohne technische Normen ist eine Planwirtschaft unmöglich. Außerdem sind technische Normen erforderlich, um den zurückbleibenden Massen zu helfen, sich auf das Niveau der fortgeschrittenen zu erheben. Die technischen Normen sind eine große regulierende Kraft, die die breiten Arbeitermassen in der Produktion um die fortgeschrittenen Elemente der Arbeiter-klasse organisiert. Folglich brauchen wir technische Normen, aber nicht solche, wie sie jetzt bestehen, sondern höhere.

Andere sagen, dass technische Normen wohl nötig seien, dass man sie aber jetzt schon auf die Höhe der Errungenschaften bringen müsse, die die Stachanows, Bussygins, Winogradowas und andere erzielt haben. Das ist ebenfalls unrichtig. Solche Normen wären für die heutige Zeit nicht real, denn die Arbeiter und Arbeiterinnen, die technisch weniger beschlagen sind als die Stachanows und Bussygins, könnten solche Normen nicht erfüllen. Wir brauchen technische Normen, die etwa in der Mitte liegen zwischen den jetzigen technischen Normen und jenen Normen, die die Stachanows und Bussygins erreicht haben. Nehmen wir z. B. Maria Demtschenko, die allen bekannte Fünfhunderterin im Zuckerrübenbau. Sie hat eine Rübenernte von 500 Doppelzentner und mehr vom Hektar erreicht. Kann man diese Errungenschaft zur Norm des Ernteertrags für den gesamten Rübenbau, zum Beispiel in der Ukraine machen? Nein, das geht nicht. Noch ist es zu früh, davon zu sprechen. Maria Demtschenko hat 500 Doppelzentner und mehr vom Hektar erzielt, während der Durchschnittsertrag im Rübenbau z. B. in der Ukraine in diesem Jahre 130-132 Doppelzentner pro Hektar betrug. Der Unterschied ist, wie ihr seht, nicht gering. Kann man für den Ernteertrag im Rübenbau eine Norm von 400 oder auch nur 300 Doppelzentner aufstellen? Alle Fachleute sagen, dass man dies einstweilen nicht kann. Offenbar wird man für den Ernteertrag in der Ukraine für 1936 eine Norm von 200 bis 250 Doppelzentner pro Hektar festlegen müssen. Und das ist keine geringe Norm, da sie uns, wenn sie erfüllt würde, doppelt soviel Zucker liefern könnte, als wir im Jahre 1935 erhalten haben. Das gleiche gilt von der Industrie. Stachanow hat die bestehende technische Norm, wie es scheint, um das Zehnfache oder sogar noch mehr übertroffen. Es wäre unvernünftig, wollte man diese Errungenschaft zur neuen technischen Norm für alle erklären, die mit dem Presslufthammer arbeiten. Offenbar wird man eine Norm festlegen müssen, die etwa in der Mitte liegt zwischen der bestehenden technischen Norm und der von Genossen Stachanow geleisteten Norm.

Eins ist jedenfalls klar: Die jetzigen technischen Normen entsprechen bereits nicht mehr der Wirklichkeit, sie sind zurückgeblieben und zu einem Hemmschuh für unsere Industrie geworden. Damit sie aber unsere Industrie nicht hemmen, müssen sie durch neue, durch höhere technische Normen ersetzt werden. Neue Menschen, neue Zeiten - neue technische Normen.

4. DIE NÄCHSTEN AUFGABEN

Worin bestehen unsere nächsten Aufgaben vom Standpunkte der Interessen der Stachanowbewegung?

Um uns nicht in Kleinigkeiten zu verlieren, wollen wir uns auf die beiden nächsten Aufgaben beschränken.

Erstens. Die Aufgabe besteht darin, den Stachanowleuten zu helfen, die Stachanowbewegung weiter zu entfalten und sie in der Breite und in der Tiefe auf alle Gebiete und Rayons der Sowjetunion auszudehnen. Dies einerseits. Und andererseits - allen denjenigen Elementen unter den Wirtschaftlern, Ingenieuren und Technikern Zügel anzulegen, die sich hartnäckig an das Alte klammern, nicht vorwärts schreiten wollen und die Entfaltung der Stachanowbewegung systematisch hemmen. Um die Stachanowbewegung mit voller Kraft auf unser ganzes Land auszudehnen, dazu reichen natürlich die Stachanowleute allein nicht aus. Es ist notwendig, dass sich unsere Parteiorganisationen in diese Sache einschalten und den Stachanowleuten helfen, die Bewegung zur Vollendung zu bringen. In dieser Beziehung hat die Donez-Gebietsorganisation unstreitbar große Initiative an den Tag gelegt. Gut arbeiten in diesem Sinne die Moskauer und die Lenin grader Gebietsorganisation. Wie steht es aber mit den anderen Gebieten? Offenbar sind sie immer noch dabei, „in Schwung zu kommen“. So ist z. B. vom Ural nichts oder doch nur sehr wenig zu hören, obwohl der Ural bekanntlich ein gewaltiges Industriezentrum ist. Das gleiche gilt von Westsibirien und vom Kusnezkbecken, wo man allem Anschein nach immer noch nicht „in Schwung gekommen“ ist. Übrigens braucht man nicht daran zu zweifeln, dass unsere Parteiorganisationen diese Sache in die Hand nehmen und den Stachanowleuten helfen werden, die Schwierigkeiten zu überwinden. Was die andere Seite der Sache betrifft - die Zügelung der sich hartnäckig sträubenden Konservativen unter den Wirtschaftlern, Ingenieuren und Technikern -, so wird hier die Sache etwas komplizierter sein. Diese konservativen Elemente der Industrie gilt es zunächst zu überzeugen, geduldig und kameradschaftlich davon zu überzeugen, dass die Stachanowbewegung fortschrittlich ist und dass es notwendig ist, sich auf Stachanowart umzustellen. Wenn aber das Überzeugen nicht hilft, dann wird man entschiedenere Maßnahmen ergreifen müssen. Nehmen wir z. B. das Volkskommissariat für Verkehrswesen. Im zentralen Apparat dieses Volkskommissariats gab es vor kurzem eine Gruppe von Professoren, Ingenieuren und anderen Fachleuten - unter ihnen befanden sich auch Kommunisten -, die jedermann versicherten, dass eine Reisegeschwindigkeit von 13-14 km pro Stunde die Höchstgrenze sei, die unmöglich überschritten werden könne, will man nicht mit der „Eisenbahnbetriebswissenschaft“ in Widerspruch kommen. Das war eine ziemlich autoritative Gruppe, die ihre Anschauungen mündlich und schriftlich propagierte, den entsprechenden Organen des Volkskommissariats für Verkehrswesen Instruktionen erteilte und überhaupt unter den Leuten vom Betriebsdienst „tonangebend“ war. Wir, die wir keine Fachleute sind, versicherten unsererseits diesen autorativen Professoren anhand der Vorschläge einer ganzen Reihe von Praktikern des Eisenbahnwesens, dass 13-14 km nicht die Höchstgrenze sein können, dass man bei einer bestimmten Arbeitsorganisation diese Grenze erweitern könne. Als Antwort darauf stürzte sich diese Gruppe, anstatt auf die Stimme der Erfahrung und der Praxis zu hören und ihre Einstellung zu revidieren, in den Kampf gegen die fortschrittlichen Elemente im Eisenbahnwesen und verstärkte die Propaganda ihrer konservativen Anschauungen noch mehr. Es ist klar, dass wir diesen verehrten Leuten einen leichten Rippenstoß versetzen und sie schön höflich aus dem zentralen Apparat des Volkskommissariats für Verkehrswesen hinausgeleiten mussten. (Beifall). Und was nun? Wir haben jetzt eine Reisegeschwindigkeit von 18-19 km pro Stunde. (Beifall). (Bei dieser Angabe handelt es sich vermutlich um einen Übersetzungsfehler) Ich glaube, Genossen, dass man im äußersten Falle auch auf anderen Gebieten unserer Volkswirtschaft zu dieser Methode wird greifen müssen, wenn nämlich die sich hartnäckig sträubenden Konservativen nicht aufhören werden, die Stachanowbewegung zu hemmen und ihr Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

Zweitens. Die Aufgabe besteht darin, denjenigen Wirtschaftlern, Ingenieuren und Technikern zu helfen, sich umzustellen und an die Spitze der Stachanowbewegung zu treten, die die Stachanowbewegung nicht hemmen wollen, die mit dieser Bewegung sympathisieren, es aber noch nicht verstanden haben, sich umzustellen und an die Spitze der Stachanowbewegung zu treten. Ich muss sagen, Genossen, dass wir nicht wenige solcher Wirtschaftler, Ingenieure und Techniker haben. Und wenn wir diesen Genossen helfen, wird es ihrer bei uns zweifellos noch mehr geben.

Ich glaube, wenn wir diese Aufgaben erfüllen, wird sich die Stachanowbewegung mit voller Kraft entfalten, alle Gebiete und Rayons unseres Landes erfassen und Wunder an neuen Errungenschaften vollbringen.

5. EIN PAAR WORTE

Einige Worte über die jetzige Beratung, über ihre Bedeutung. Lenin lehrte, dass nur solche Führer wirkliche bolschewistische Führer sein können, die es nicht nur verstehen, die Arbeiter und Bauern zu lehren, sondern auch von ihnen zu lernen. Manchem Bolschewik haben diese Worte Lenin s nicht gefallen. Doch zeigt die Geschichte, dass Lenin auch in dieser Hinsicht hundertprozentig Recht behalten hat. In der Tat, Millionen Werktätige, Arbeiter und Bauern arbeiten, leben und kämpfen. Wer kann bezweifeln, dass diese Menschen nicht einfach so dahinleben, dass diese Menschen in ihrem Leben und in ihren Kämpfen gewaltige praktische Erfahrungen sammeln? Kann man etwa bezweifeln, dass Führer, die diese Erfahrungen missachten, nicht als wirkliche Führer gelten können? Wir, die Führer der Partei und der Regierung, müssen also nicht nur die Arbeiter lehren, sondern auch von ihnen lernen. Dass ihr, die Teilnehmer dieser Beratung, hier in der Beratung einiges von den Führern unserer Regierung gelernt habt, das will ich nicht bestreiten. Aber man kann ebenso wenig bestreiten, dass auch wir, die Führer der Regierung, von euch Stachanowleuten, von den Teilnehmern dieser Beratung, viel gelernt haben. Also habt Dank, Genossen, für die Lehre, vielen Dank! (Stürmischer Beifall).

Schließlich ein paar Worte darüber, auf welche Weise man diese Beratung besonders würdigen sollte. Wir haben hier im Präsidium beraten und den Beschluss gefasst, dass diese Beratung der Führer der Staatsmacht mit den Führern der Stachanowbewegung irgendwie hervorgehoben werden muss. Und wir sind zu der Entscheidung gekommen, dass 100 bis 120 Genossen aus eurer Mitte zur höchsten Auszeichnung vorgeschlagen werden sollen.

(Rufe: Richtig! Stürmischer Beifall).

Wenn ihr das gutheißt, Genossen, so werden wir das durchführen.

(Die Teilnehmer der Beratung der Stachanowleute bereiten Genossen Stalin eine stürmische, begeisterte Ovation. Der ganze Saal erdröhnt von Beifall, donnernde Hurrarufe durchbrausen den Saal. Unzählige Begrüßungsrufe, die dem Führer der Partei, Genossen Stalin, gelten, ertönen von allen Seiten. Die Ovation endet mit dem machtvollen Gesang der „Internationale“ - 3.000 Teilnehmer der Beratung singen die proletarische Hymne).

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