"Stalin"

Werke

Band 14

REDE BEIM EMPFANG DER MITARBEITER
DER HOCHSCHULEN IM KREML

17. Mai 1938

Genossen!

Gestatten Sie, einen Toast auf die Wissenschaft auszubringen, auf ihr Gedeihen, auf das Wohl der Wissenschaftler.

Auf das Gedeihen der Wissenschaft, jener Wissenschaft, die sich vom Volk nicht abgrenzt, sich vom Volk nicht fernhält, sondern bereit ist, dem Volk zu dienen, bereit ist, dem Volk alle Errungenschaften der Wissenschaft zu übermitteln, die dem Volk nicht aus Zwang, sondern freiwillig, mit Freuden dient. (Beifall).

Auf das Gedeihen der Wissenschaft, jener Wissenschaft, die es nicht zulässt, dass ihre alten und anerkannten Führer sich selbstgefällig als Priester der Wissenschaft, als Monopolisten der Wissenschaft abkapseln, die den Sinn, die Bedeutung und die Allmacht des Bundes der alten Wissenschaftler mit den jungen Wissenschaftlern begreift, die freiwillig und mit Freuden alle Tore des Wissens den jungen Kräften unseres Landes öffnet und ihnen die Möglichkeit gibt, die Gipfel des Wissens zu bezwingen, die anerkennt, dass die Zukunft den jungen Wissenschaftlern gehört. (Beifall).

Auf das Gedeihen der Wissenschaft, jener Wissenschaft, deren Vertreter, obgleich sie die Kraft und Bedeutung der Traditionen, die sich in der Wissenschaft herausgebildet haben, begreifen und sie verständnisvoll im Interesse der Wissenschaft ausnutzen, dennoch nicht Sklaven dieser Traditionen sein wollen, der Wissenschaft, die die Kühnheit und Entschlossenheit besitzt, alte Traditionen, Normen, Einstellungen zu brechen, wenn sie veralten, wenn sie zu einem Hemmschuh für den Vormarsch werden, und die es versteht, neue Traditionen, neue Normen, neue Einstellungen zu schaffen. (Beifall).

Die Wissenschaft kennt in ihrer Entwicklung nicht wenige mutige Menschen, die es verstanden, das Alte zu zerstören und Neues zu schaffen, ungeachtet aller Hindernisse, allem zum Trotz. Solche Männer der Wissenschaft wie Galilei, Darwin und viele andere sind allgemein bekannt. Ich möchte bei einem dieser Koryphäen der Wissenschaft verweilen, der zugleich der größte Mensch unserer Zeit ist. Ich meine Lenin , unseren Lehrer, unseren Erzieher. (Beifall). Erinnern Sie sich des Jahres 1917. Aufgrund der wissenschaftlichen Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung Rußlands, aufgrund der wissenschaftlichen Analyse der internationalen Lage gelangte Lenin damals zu dem Schluss, dass der einzige Ausweg aus der Lage der Sieg des Sozialismus in Rußland ist. Das war ein mehr als unerwarteter Schluss für viele Wissenschaftler jener Zeit. Plechanow, einer der hervorragendsten Wissenschaftler, sprach damals voller Verachtung von Lenin und behauptete, dass Lenin sich „im Fieberwahn“ befinde. Andere, nicht weniger bekannte Wissenschaftler, behaupteten, „ Lenin sei verrückt geworden“, man müsse ihn irgendwohin, möglichst weit weg, verschwinden lassen. Gegen Lenin erhoben damals alle möglichen Wissenschaftler ein Geheul, als gegen einen Menschen, der die Wissenschaft zerstöre. Aber Lenin fürchtete sich nicht, gegen den Strom, gegen das Althergebrachte anzugehen. Und Lenin hat gesiegt. (Beifall).

Da haben Sie das Vorbild eines Mannes der Wissenschaft, der kühn den Kampf gegen die veraltete Wissenschaft führt und der neuen Wissenschaft den Weg bahnt.

Es kommt auch vor, dass manchmal nicht allgemein bekannte Wissenschaftler, sondern in der wissenschaftlichen Welt völlig unbekannte Personen der Wissenschaft und Technik neue Wege bahnen, einfache Menschen, Praktiker, Neuerer auf ihrem Gebiet. Hier sitzen an diesem Tisch die Genossen Stachanow [4] und Papanin [5], Männer, in der wissenschaftlichen Welt unbekannt, die keinerlei wissenschaftlichen Rang besitzen, Praktiker in ihrem Fach. Wer aber wüsste nicht, dass Stachanow und die Stachanowleute in ihrer praktischen Arbeit in der Industrie die bestehenden Normen, die von bekannten Vertretern der Wissenschaft und Technik aufgestellt worden waren, als veraltet über den Haufen geworfen und neue Normen eingeführt haben, die den Forderungen der wirklichen Wissenschaft und Technik entsprechen? Wer wüsste nicht, dass Papanin und die Papaninleute in ihrer praktischen Arbeit auf der driftenden Eisscholle so nebenbei, ohne besondere Mühe, die alte Vorstellung von der Arktis als veraltet über den Haufen geworfen und eine neue geschaffen haben, die den Forderungen der wirklichen Wissenschaft entspricht? Wer kann bestreiten, dass Stachanow und Papanin Neuerer in der Wissenschaft, Menschen unserer fortgeschrittenen Wissenschaft sind?

Solche „Wunder“ kommen noch in der Wissenschaft vor.

Ich sprach von der Wissenschaft. Aber es gibt Wissenschaften verschiedener Art. Die Wissenschaft, von der ich sprach, nennt sich die fortgeschrittene Wissenschaft.

Auf das Gedeihen unserer fortgeschrittenen Wissenschaft! Auf die Vertreter der fortgeschrittenen Wissenschaft!

Auf Lenin und den Lenin ismus!

Auf Stachanow und die Stachanowleute!

Auf Papanin und die Papaninleute!

(Beifall).

„Prawda“, Nr. 136,
19. Mai 1938.

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