"Stalin"

Werke

Band 15

INTERVIEW MIT DEM KORRESPONDENTEN
DER ASSOCIATED PRESS, GILMORE

22. März 1946

Frage: Welche Bedeutung messen Sie der Organisation der Vereinten Nationen als einem Mittel zur Erhaltung des internationalen Friedens bei?

Antwort: Ich messe der Organisation der Vereinten Nationen eine große Bedeutung bei, da sie ein ernst zu nehmendes Instrument für die Erhaltung des Friedens und der internationalen Sicherheit darstellt. Die Stärke dieser internationalen Organisation besteht darin, dass sie sich auf den Grundsatz der Gleichberechtigung der Staaten und nicht auf den Grundsatz der Herrschaft einiger über die anderen stützt. Wenn es der Organisation der Vereinten Nationen gelingt, auch weiterhin den Grundsatz der Gleichberechtigung zu wahren, wird sie unbedingt eine große positive Rolle bei der Sicherung des allgemeinen Friedens und der Sicherheit spielen.

Frage: Wodurch ist nach Ihrer Meinung die gegenwärtige Befürchtung eines Krieges, die von vielen Menschen und vielen Ländern empfunden wird, hervorgerufen?

Antwort: Ich bin überzeugt, dass weder die Nationen noch ihre Armeen einen neuen Krieg erstreben, sie wollen Frieden und trachten danach, den Frieden zu sichern. Also wird „die gegenwärtige Befürchtung eines Krieges“ nicht von dieser Seite hervorgerufen. Ich bin der Ansicht, dass „die gegenwärtige Befürchtung eines Krieges“ durch Aktionen einiger politischer Gruppen hervorgerufen wird, die sich mit der Propaganda eines neuen Krieges beschäftigen und auf diese Weise den Samen des Haders und der Unsicherheit säen.

Frage: Was müssen die Regierungen der freiheitsliebenden Länder gegenwärtig tun, um den Frieden und die Ruhe in der ganzen Welt zu erhalten?

Antwort: Es ist notwendig, dass die Öffentlichkeit und die Regierungskreise der Staaten eine Gegenpropaganda auf breiter Grundlage gegen die Propagandisten eines neuen Krieges und für die Sicherung des Friedens organisieren, damit keine Äußerung der Propagandisten eines neuen Krieges ohne einen gebührenden Widerstand seitens der Öffentlichkeit und der Presse bleibt, um auf diese Weise die Brandstifter des Krieges rechtzeitig zu entlarven und ihnen keine Möglichkeit zu geben, die Redefreiheit gegen die Interessen des Friedens zu missbrauchen.

„Tägliche Rundschau“ Nr. 70,
24. März 1946

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