"Stalin"

Werke

Band 15

ANTWORTBOTSCHAFT AN DEN BRITISCHEN AUSSENMINISTER BEVIN
ZUM ENGLISCH-SOWJETISCHEN VERTRAG

22. Januar 1947

Ich erhielt Ihre Botschaft vom 18. Januar und muss zugeben, dass mich Ihre Erklärung, Großbritannien sei an niemanden gebunden, außer an die Verpflichtungen, die sich aus der Charte ergeben, verblüfft hat. Mir scheint, dass eine derartige Erklärung ohne eine entsprechende Erläuterung von den Feinden einer englisch-sowjetischen Freundschaft missbraucht werden kann. Mir ist klar, dass, ungeachtet dessen, was für Vorbehalte in dem englisch-sowjetischen Vertrage auch bestehen, und gleichgültig, wie diese Vorbehalte die Bedeutung des Vertrags in der Nachkriegszeit auch schwächen, die Existenz des englisch-sowjetischen Vertrages unseren Ländern Verpflichtungen auferlegt.

Gerade diese Umstände hatte ich vor Augen, als ich am 17. September 1946 in meinem Interview mit Alexander Werth (einem britischen Korrespondenten in Moskau) erklärte, dass „die Sowjetunion durch einen gegenseitigen Beistandsvertrag gegen eine deutsche Aggression mit Großbritannien verbunden ist“ und folglich Großbritannien gegenüber Verpflichtungen hat, außer den Verpflichtungen, die sich aus der Charte ergeben.

Ihre Botschaft jedoch und die Erklärung der britischen Regierung stellen die Angelegenheit völlig klar und lassen keinen Raum für Missverständnisse. Es ist nunmehr klar, dass Sie und ich die gleiche Ansicht über den englisch-sowjetischen Vertrag teilen.

Was eine Verlängerung des englisch-sowjetischen Vertrages anbelangt, worauf in der Erklärung der britischen Regierung besonders Bezug genommen wird, so muss ich erklären, dass es notwendig ist, vor Verlängerung dieses Vertrages ihn abzuändern, indem er von den ihn schwächenden Vorbehalten befreit wird, wenn man im Ernst von einer derartigen Verlängerung sprechen will. Nur nach einem solchen Verfahren wäre es möglich, ernstlich von einer Verlängerung des Vertrags zu reden.

J. Stalin

„Neue Welt“,
Heft 9 / Februar 1947,
Seite 7-8

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