"Stalin"

Werke

Band 15

REDE AUF DEM DINER ZU EHREN DER FINNISCHEN REGIERUNGSDELIGATION

7. April 1948

Ich möchte einige Worte über die Bedeutung des gestern unterzeichneten Vertrages über Freundschaft und gegenseitige Hilfe zwischen der Sowjetunion und Finnland sagen.

Dieser Vertrag bedeutet eine Wendung in den Beziehungen zwischen unseren Ländern. Es ist bekannt, dass im Laufe von 150 Jahren in den Beziehungen zwischen Rußland und Finnland gegenseitiges Misstrauen bestand. Die Finnen waren den Russen gegenüber, die Russen den Finnen gegenüber misstrauisch. Von sowjetischer Seite erfolgte in der Vergangenheit ein Versuch, das Misstrauen zu brechen, das zwischen den Russen und den Finnen bestand. Das war damals, als Lenin 1917 die Unabhängigkeit Finnlands verkündete. Das war vom Gesichtspunkt der Geschichte ein hervorragender Akt. Leider aber war das Misstrauen damit nicht gebrochen - das Misstrauen blieb Misstrauen. Als Ergebnis erfolgten zwischen uns zwei Kriege.

Ich möchte, dass wir von der langen Periode des gegenseitigen Misstrauens, in deren Verlauf wir zweimal miteinander Krieg führten, zu einer neuen Periode in unseren Beziehungen übergehen: zur Periode des gegenseitigen Vertrauens. Es ist erforderlich, dass der von uns abgeschlossene Vertrag dieses Misstrauen bricht und eine neue Basis für die Beziehungen zwischen unseren Völkern schafft und dass er eine große Wendung in den Beziehungen zwischen beiden Ländern in der Richtung des Vertrauens und der Freundschaft bedeutet.

Wir wollen, dass dies nicht nur von denen gut erkannt wird, die in diesem Saal anwesend sind, sondern auch von denen, die sich außerhalb dieses Saales, sowohl in Finnland als in der Sowjetunion, befinden.

Man darf nicht glauben, dass Misstrauen zwischen Völkern gleich auf einmal beseitigt werden kann. Das läßt sich nicht schnell machen. Im Laufe einer längeren Zeit bleiben Überreste des Misstrauens, Rückstände bestehen, für deren Beseitigung man viel arbeiten und kämpfen muss, um die Traditionen gegenseitiger Freundschaft zwischen der UdSSR und Finnland zu schaffen und sie zu festigen.

Es gibt Verträge, die auf Gleichberechtigung, und solche, die auf Nichtgleichberechtigung beruhen. Der sowjetisch-finnische Vertrag ist ein auf Gleichberechtigung beruhender Vertrag, denn er ist auf der Grundlage der vollen Gleichberechtigung der Partner geschlossen.

Viele glauben nicht daran, dass zwischen einer großen und einer kleinen Nation auf Gleichberechtigung beruhende Beziehungen bestehen können. Wir Sowjetmenschen sind aber der Ansicht, dass solche Beziehungen bestehen können und bestehen sollen. Die Sowjetmenschen sind der Ansicht, dass jede Nation, ob groß oder klein, ihre qualitativen Besonderheiten besitzt, ihre Eigenart, die nur ihr gehört und die andere Nationen nicht besitzen. Diese Besonderheiten sind jener Beitrag, den jede Nation zum gemeinsamen Schatz der Weltkultur leistet und mit dem sie ihn ergänzt, ihn bereichert. In diesem Sinne sind alle Nationen, die kleinen und die großen, in der gleichen Lage, und jede Nation ist jeder beliebigen anderen Nation gleichbedeutend.

Darum sind die Sowjetmenschen der Ansicht, dass Finnland, obzwar es ein kleines Land ist, in diesem Vertrag als ein gleichberechtigter Partner der Sowjetunion dasteht.

Es werden sich nicht viele Politiker von Großmächten finden, die die kleinen Nationen als den großen Nationen gleichberechtigt betrachten würden. Die meisten von ihnen blicken die kleinen Nationen von oben herab über die Achsel an. Sie sind nicht abgeneigt, mitunter eine einseitige Garantie für kleine Nationen einzugehen. Doch gehen diese Politiker im Allgemeinen nicht auf den Abschluss von Verträgen, die auf Gleichberechtigung beruhen, mit kleinen Nationen ein, da sie die kleinen Nationen nicht als ihre Partner betrachten.

Ich bringe einen Toast auf den sowjetisch-finnischen Vertrag aus, auf die Wendung zum Besseren in den Beziehungen zwischen unseren Ländern, die dieser Vertrag bedeutet.

Neue Welt“,
Heft 8 / Apri1 1942,
Seite 3-4

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