"Stalin"

Werke

Band 15

ANTWORT AUF DEN OFFENEN BRIEF VON HENRY WALLACE

17. Mai 1948

Ich glaube, dass unter den politischen Dokumenten der letzten Zeit, die die Festigung des Friedens, die Förderung internationaler Zusammenarbeit und die Sicherung der Demokratie zum Ziel haben, der Offene Brief von Wallace, dem Präsidentschaftskandidaten der Dritten Partei in den USA, das bedeutendste ist.

Der Offene Brief von Wallace kann nicht betrachtet werden als eine bloße Darlegung des Wunsches zur Verbesserung der internationalen Situation, als eine Darlegung des Wunsches nach friedlicher Beilegung der Meinungsverschiedenheiten zwischen der Sowjetunion und den USA und des Wunsches, Wege zu einer solchen Beilegung zu finden. Die Erklärung der USA-Regierung vom 4. Mai und die Antwort der Sowjetregierung vom 9. Mai sind deshalb unzureichend, weil sie nicht weitergehen, als zu erklären, dass die Beilegung der sowjetisch-amerikanischen Meinungsverschiedenheiten wünschenswert sei.

Die große Bedeutung des Offenen Briefes liegt in der Tatsache, dass er sich nicht darauf beschränkt, Erklärungen abzugeben, sondern darüber hinausgeht, einen wichtigen Schritt vorangeht und ein konkretes Programm für die friedliche Beilegung der Meinungsverschiedenheiten zwischen der Sowjetunion und den USA vorschlägt.

Man kann nicht sagen, dass der Offene Brief von Wallace ausnahmslos alle Differenzen behandelt. Man kann auch nicht sagen, dass keine der Formulierungen und Stellungnahmen in dem Offenen Brief einer Verbesserung bedürften. Aber das ist jetzt nicht das Wichtigste. Das Wichtigste ist, dass Wallace in seinem Brief den offenen und ehrlichen Versuch macht, ein konkretes Programm für eine friedliche Regelung aufzustellen und konkrete Vorschläge zu allen wichtigen Differenzpunkten zwischen der Sowjetunion und den USA zu geben.

Diese Vorschläge sind allgemein bekannt:

Allgemeine Einschränkung der Rüstung und Verbot der Atomwaffen. Abschluss von Friedensverträgen mit Deutschland und Japan und Zurückziehung der Truppen aus diesen Ländern.

Zurückziehung der Truppen aus China und Korea.

Achtung vor dem Selbstbestimmungsrecht der Nationen und Nichteinmischung in ihre inneren Angelegenheiten.

Verbot der Schaffung von militärischen Stützpunkten in Ländern, die den Vereinten Nationen angehören.

Entwicklung des internationalen Handels auf jedem Gebiet unter Ausschaltung jeglicher Diskriminierung.

Hilfe und Wiederaufbau im Rahmen der Vereinten Nationen für Länder, die unter dem Krieg gelitten haben.

Verteidigung der Demokratie und Sicherung der Bürgerrechte in allen Ländern usw.

Man kann für oder man kann gegen diese Vorschläge sein, aber eines ist dessen ungeachtet nicht zu bezweifeln. Kein einziger Staatsmann, dem es um die Sache des Friedens und der Zusammenarbeit unter den Nationen zu tun ist, kann dieses Programm ignorieren. da es die Hoffnungen und Sehnsüchte der Völker nach Festigung des Friedens widerspiegelt und zweifellos die Unterstützung von Seiten vieler Millionen einfacher Leute finden wird.

Es ist mir nicht bekannt, ob die USA-Regierung das Programm von Herrn Wallace als eine Basis zur Verständigung zwischen der UdSSR und den USA anerkennt. Was die Regierung der UdSSR anbetrifft, so glaubt sie, dass das Programm von Wallace eine gute und fruchtbare Grundlage für eine solche Verständigung und für die Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit abgeben könnte, weil die Regierung der UdSSR der Ansicht ist, dass trotz der Unterschiede in den Wirtschaftssystemen und den Ideologien das Nebeneinanderbestehen dieser Systeme und die friedliche Beilegung der Differenzen zwischen der UdSSR und den USA nicht nur möglich, sondern im Interesse des allgemeinen Friedens auch unbedingt notwendig ist.

J. Stalin

„Neues Deutschland“,
Berliner Ausgabe, Nr. 113.
19. Mai 1948

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