"Stalin"

Werke

Band 15

ANTWORTEN AUF DIE FRAGEN EINES KORRESPONDENTEN DER "PRAWDA" ÜBER BERLIN UND DIE WELTLAGE

29. Oktober 1948

Frage: Wie bewerten Sie die Ergebnisse der Besprechung im Sicherheitsrat über die Lage in Berlin und das Verhalten der englisch-amerikanischen und französischen Vertreter in dieser Angelegenheit?

Antwort: Ich bewerte sie als einen Ausdruck der Aggressivität der Politik der englisch-amerikanischen und französischen regierenden Kreise.

Frage: Stimmt es, dass im August dieses Jahres schon einmal ein Viermächte-Übereinkommen in der Frage Berlin erzielt wurde?

Antwort: Ja, es stimmt. Bekanntlich wurde am 30. August d. J. in Moskau zwischen den Vertretern der UdSSR, der USA, Englands und Frankreichs ein Übereinkommen erzielt, das vorsah, dass gleichzeitig Maßnahmen zur Aufhebung der Verkehrsbeschränkungen einerseits und zur Einführung der Deutschen Mark der sowjetischen Besatzungszone in Berlin als einziger Währung andererseits getroffen werden. Dieses Übereinkommen verletzt nicht das Ansehen irgendjemandes, es berücksichtigt die Interessen der Partner und garantiert die Möglichkeit einer weiteren Zusammenarbeit. Die Regierungen der USA und Englands desavouierten aber ihre Vertreter in Moskau und erklärten dieses Übereinkommen als nicht bestehend, das heißt, sie verletzten es, indem sie den Beschluss fassten, die Frage dem Sicherheitsrat zu übermitteln, wo die Anglo-Amerikaner über eine gesicherte Mehrheit verfügen.

Frage: Stimmt es, dass neulich in Paris bei der Besprechung der Frage im Sicherheitsrat in nichtoffiziellen Unterredungen wieder ein Übereinkommen über die Lage in Berlin erzielt wurde, noch bevor im Sicherheitsrat über diese Frage abgestimmt wurde?

Antwort: Ja, es stimmt. Der Vertreter Argentiniens, Herr Bramuglia, der auch als Vorsitzender im Sicherheitsrat fungiert und der im Namen anderer interessierter Mächte nichtoffizielle Verhandlungen mit Wyschinskij führte, hatte in seinen Händen tatsächlich einen vereinbarten Entwurf zur Lösung des Problems über die Lage in Berlin. Die Vertreter der USA und Englands erklärten jedoch dieses Übereinkommen wiederum als nicht bestehend.

Frage: Worum handelt es sich hier? Können Sie es nicht erklären?

Antwort: Es handelt sich darum, dass die Inspiratoren der aggressiven Politik in den USA und England sich an einem Übereinkommen und an der Zusammenarbeit mit der UdSSR für nicht interessiert halten. Sie brauchen kein Übereinkommen und keine Zusammenarbeit, sondern Gespräche über das Übereinkommen und die Zusammenarbeit, um, nachdem sie das Übereinkommen gesprengt haben, die Schuld auf die UdSSR abzuwälzen und dadurch zu „beweisen“, dass die Zusammenarbeit mit der UdSSR unmöglich sei. Die Kriegshetzer, die einen neuen Krieg zu entfesseln bestrebt sind, fürchten mehr als alles andere ein Übereinkommen und die Zusammenarbeit mit der UdSSR, da die Politik der Vereinbarungen mit der UdSSR die Positionen der Kriegshetzer untergräbt und die aggressive Politik dieser Herrschaften gegenstandslos macht.

Eben deshalb sprengen sie die schon zustande gekommenen Obereinkommen, desavouieren ihre Vertreter, die gemeinsam mit der UdSSR diese übereinkommen ausgearbeitet haben, und übermitteln die Frage unter Verletzung des Statuts der Organisationen der Vereinten Nationen an den Sicherheitsrat, wo sie über eine gesicherte Mehrheit verfügen und wo sie alles „beweisen“ können, was ihnen genehm ist. Das alles wird getan, um zu „zeigen“, dass die Zusammenarbeit mit der UdSSR unmöglich sei um zu „zeigen“, dass ein neuer Krieg notwendig sei, und um dadurch die Voraussetzung für die Entfesselung eines Krieges zu schaffen. Die Politik der heutigen Führer der USA und Englands ist eine Politik der Aggression, eine Politik der Entfesselung eines neuen Krieges.

Frage: Und wie ist das Verhalten der Vertreter der sechs Staaten im Sicherheitsrat: Chinas, Kanadas, Belgiens, Argentiniens, Kolumbiens und Syriens zu bewerten?

Antwort: Es ist klar, dass diese Herrschaften die Politik der Aggression, die Politik der Entfesselung eines neuen Krieges unterstützen.

Frage: Womit kann dies alles enden?

Antwort: Das kann nur mit einem schmählichen Fiasko der Hetzer zu einem neuen Kriege enden. Churchill, der Hauptbrandstifter eines neuen Krieges, hat es schon erreicht, dass er das Vertrauen seiner Nation und der demokratischen Kräfte der ganzen Welt eingebüßt hat. Das gleiche Schicksal erwartet alle anderen Kriegshetzer. Die Schrecken des jüngsten Krieges sind im Gedächtnis der Völker zu lebendig, und die gesellschaftlichen Kräfte, die für den Frieden eintreten, sind zu groß, als dass die Aggressionsschüler Churchills sie überwinden und in die Richtung eines neuen Krieges lenken könnten.

„Neue Welt“,
Heft 20 / 1948,
Seite 3-4

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