"Stalin"

Werke

Band 15

ANTWORTEN AUF FRAGEN EINES KORRESPONDENTEN DER „PRAWDA“ ÜBER DIE ATOMWAFFE

„Prawda“, vom 6. Oktober 1951

Frage: Was halten Sie von dem Lärm, der dieser Tage in der ausländischen Presse im Zusammenhang mit einem Atombombenversuch in der Sowjetunion erhoben wurde?

Antwort: Tatsächlich wurde bei uns kürzlich ein Versuch mit einer der Arten von Atombomben durchgeführt. Versuche mit Atombomben verschiedener Kaliber werden auch weiterhin gemäß dem Plan zur Verteidigung unseres Landes gegen einen Überfall des angloamerikanischen aggressiven Blockes durchgeführt werden.

Frage: Im Zusammenhang mit dem Atombombenversuch schlagen verschiedene maßgebliche Persönlichkeiten der USA Alarm und zetern, die Sicherheit der USA sei bedroht. Gibt es irgendeinen Grund für eine solche Aufregung?

Antwort: Für eine solche Aufregung gibt es keinerlei Grund.

Den maßgeblichen Persönlichkeiten der USA kann es nicht unbekannt sein, dass die Sowjetunion nicht nur gegen die Anwendung der Atomwaffe ist, sondern auch für ihr Verbot, für die Einstellung ihrer Produktion. Wie bekannt ist, hat die Sowjetunion wiederholt das Verbot der Atomwaffe gefordert, doch jedes Mal erhielt sie von den Mächten des Atlantikblocks eine Ablehnung. Das bedeutet, dass im Falle eines Überfalles der USA auf unser Land die herrschenden Kreise der USA die Atombombe anwenden werden. Eben dieser Umstand hat die Sowjetunion auch gezwungen, die Atomwaffe zu besitzen, um den Aggressoren wohl gerüstet zu begegnen.

Natürlich möchten die Aggressoren, dass die Sowjetunion ungerüstet wäre, falls sie ihren Überfall auf sie unternehmen. Aber damit ist die Sowjetunion nicht einverstanden und meint, dass man dem Aggressor wohl gerüstet begegnen muss.

Folglich muss man, wenn die USA nicht die Absicht haben, die Sowjetunion zu überfallen, die Aufregung maßgeblicher Persönlichkeiten der USA für gegenstandslos und geheuchelt halten, denn die Sowjetunion denkt nicht daran, die USA oder irgendein anderes Land jemals zu überfallen.

Maßgebliche Persönlichkeiten der USA sind unzufrieden damit, dass nicht nur die USA, sondern auch andere Länder, und vor allem die Sowjetunion, das Geheimnis der Atomwaffe besitzen. Sie möchten gern, dass die USA die Monopolisten der Atombombenproduktion wären, dass die USA die uneingeschränkte Möglichkeit hätten, andere Länder zu schrecken und zu erpressen. Doch aus welchem Grunde denken sie eigentlich so, mit welchem Recht? Erfordern etwa die Interessen der Erhaltung des Friedens ein solches Monopol? Wird es nicht richtiger sein, zu sagen, dass die Sache sich gerade umgekehrt verhält, dass eben die Interessen der Erhaltung des Friedens vor allem die Liquidierung eines solchen Monopols und sodann das unbedingte Verbot der Atomwaffe erfordern. Ich denke, dass die Anhänger der Atombombe dem Verbot der Atomwaffe nur in dem Falle zustimmen werden, wenn sie sehen, dass sie bereits nicht mehr die Monopolisten sind.

Frage: Was halten Sie von einer internationalen Kontrolle in Bezug auf die Atomwaffe?

Antwort: Die Sowjetunion ist für das Verbot der Atomwaffe und für die Einstellung der Atomwaffenproduktion. Die Sowjetunion ist für die Errichtung einer internationalen Kontrolle darüber, dass ein Beschluss über das Verbot der Atomwaffe, über die Einstellung der Atomwaffenproduktion und über die Verwendung der bereits hergestellten Atombomben ausschließlich für zivile Zwecke mit aller Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit durchgeführt wird. Die Sowjetunion ist eben für eine solche internationale Kontrolle.

Amerikanische maßgebliche Persönlichkeiten reden ebenfalls von „Kontrolle“, aber ihre „Kontrolle“ geht nicht von der Einstellung der Atomwaffenproduktion, sondern von der Fortsetzung einer solchen Produktion aus, und zwar in einem Ausmaße, das den Rohstoffmengen entspricht, über die dieses oder jenes Land verfügt. Folglich geht die amerikanische „Kontrolle“ nicht vom Verbot der Atomwaffe aus, sondern von ihrer Legalisierung und Sanktionierung. Damit sanktioniert man das Recht der Kriegsbrandstifter, mit Hilfe der Atomwaffe Zehntausende, ja Hunderttausende friedlicher Menschen zu vernichten. Es ist nicht schwer, zu verstehen, dass dies keine Kontrolle ist, sondern ein Hohn auf eine Kontrolle, ein Betrug an dem Friedenssehnen der Völker. Selbstverständlich kann eine solche „Kontrolle“ die friedliebenden Völker nicht befriedigen, die das Verbot der Atomwaffe und die Einstellung ihrer Produktion fordern.

„Einheit“,
Heft 18 / Oktober 1951,

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