GESCHICHTE DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DER SOWJETUNION (BOLSCHEWIKI)

KAPITEL I
Der Kampf für die Schaffung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Russland
(1883-1901)

Kurze Zusammenfassung

Die marxistische sozialdemokratische Arbeiterpartei in Russland wurde im Kampfe geschaffen, der sich in erster Linie gegen die Volkstümlerrichtung, gegen deren irrige, der Sache der Revolution schädliche Auffassungen richtete.

Nur durch die ideologische Zerschlagung der Auffassungen der Volkstümler konnte der Boden für die Schaffung der marxistischen Arbeiterpartei in Russland frei gemacht werden. Der entscheidende Schlag wurde gegen die Volkstümlerrichtung in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von Plechanow und seiner Gruppe „Befreiung der Arbeit“ geführt.

Lenin vollendete in den neunziger Jahren die ideologische Zerschmetterung der Volkstümlerrichtung, versetzte ihr den Todesstoß.

Die im Jahre 1883 gebildete Gruppe „Befreiung der Arbeit“ leistete eine große Arbeit zur Verbreitung des Marxismus in Russland, begründete theoretisch die Sozialdemokratie und machte den ersten Schritt zur Arbeiterbewegung hin.

Mit der Entwicklung des Kapitalismus in Russland nahm die Zahl des Industrieproletariats rasch zu. Mitte der achtziger Jahre beschritt die Arbeiterklasse den Weg des organisierten Kampfes, den Weg der Massenaktionen in Form von organisierten Streiks. Die marxistischen Zirkel und Gruppen beschäftigten sich jedoch nur mit Propaganda, verstanden nicht die Zweckmäßigkeit des Überganges zur Massenagitation in den Reihen der Arbeiterklasse und waren deshalb mit der Arbeiterbewegung praktisch noch nicht verbunden, leiteten sie nicht.

Die von Lenin vollzogene Gründung des Petersburger „Kampfbundes zur Befreiung der Arbeiterklasse“ (1895), der unter den Arbeitern Massenagitation betrieb und Massenstreiks leitete, bedeutete eine neue Etappe, den Übergang zur Massenagitation unter den Arbeitern und die Vereinigung des Marxismus mit der Arbeiterbewegung. Der Petersburger „Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse“ war der erste Keim der revolutionären proletarischen Partei in Russland. Bald nach dem Petersburger „Kampfbund“ wurden Organisationen der Marxisten in allen großen Industriezentren sowie in den Randgebieten geschaffen.

Im Jahre 1898 wurde der erste, wenn auch nicht geglückte Versuch unternommen, die marxistischen sozialdemokratischen Organisationen zu einer Partei zu vereinigen: der I. Parteitag der SDAPR fand statt. Dieser Parteitag hat jedoch die Partei noch nicht geschaffen: es gab weder ein Programm noch ein Statut der Partei, noch eine Leitung von einem Zentrum aus, es gab fast keine Verbindung zwischen den einzelnen marxistischen Zirkeln und Gruppen.

Um die zersplitterten marxistischen Organisationen miteinander zu verbinden und zu einer Partei zu vereinigen, entwarf und verwirklichte Lenin den Plan der Schaffung der ersten gesamtrussischen Zeitung der revolutionären Marxisten - der „Iskra“.

Die Hauptgegner der Schaffung der einheitlichen politischen Arbeiterpartei waren in dieser Periode die „Ökonomisten“. Sie verneinten die Notwendigkeit einer solchen Partei. Sie förderten die Zersplitterung und Handwerklerei der einzelnen Gruppen. Und gegen sie gerade richtete Lenin und die von ihm organisierte „Iskra“ ihre Schläge.

Die Herausgabe der ersten Nummern der „Iskra“ (1900 bis 1901) bedeutete den Übergang zu einer neuen Periode, der Periode der tatsächlichen Bildung der einheitlichen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands aus den zersplitterten Gruppen und Zirkeln.

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