GESCHICHTE DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DER SOWJETUNION (BOLSCHEWIKI)

KAPITEL III
Menschewiki und Bolschewiki in der Periode des Russisch- Japanischen Krieges und der ersten russischen Revolution
(1904-1907)

6
Die Auseinanderjagung der I. Reichsduma
Die Einberufung der II. Reichsduma
Der V. Parteitag
Die Auseinanderjagung
der II. Reichsduma
Die Ursachen der Niederlage
der ersten russischen Revolution

Da sich die I. Reichsduma als nicht genügend gefügig erwies, jagte die zaristische Regierung sie im Sommer 1906 auseinander. Die Regierung verstärkte die Gewaltmaßnahmen gegen das Volk noch mehr, dehnte die Pogromtätigkeit der Strafexpeditionen über das ganze Land aus und gab ihren Entschluss bekannt, in kurzer Zeit die II. Reichsduma einzuberufen. Die zaristische Regierung wurde ganz offenkundig immer dreister. Sie fürchtete die Revolution nicht mehr, da sie sah, dass die Revolution im Abflauen begriffen war.

Die Bolschewiki hatten die Frage der Teilnahme an der II. Duma oder ihres Boykotts zu entscheiden. Wenn die Bolschewiki vom Boykott sprachen, so meinten sie gewöhnlich den aktiven Boykott, nicht aber eine einfache und passive Wahlenthaltung. Die Bolschewiki betrachteten den aktiven Boykott als ein revolutionäres Mittel zur Warnung des Volkes vor den Versuchen des Zaren, das Volk vom revolutionären Wege auf den Weg der zaristischen „Konstitution“ hinüberzulenken, als Mittel, einen solchen Versuch zu vereiteln und einen neuen Ansturm des Volkes gegen den Zarismus zu organisieren.

Die Erfahrung des Boykotts der Bulyginschen Duma hatte gezeigt, dass der Boykott „die einzig richtige Taktik war, der die Ereignisse in vollem Umfang recht gegeben haben“ ( Lenin , Ausgew. Werke in zwei Bänden, Bd. I, S.553). Dieser Boykott war erfolgreich, da er nicht nur das Volk vor der Gefahr des zaristisch-konstitutionellen Weges gewarnt hatte, sondern auch die Duma sprengte, noch ehe sie dazu kam, das Licht der Welt zu erblicken. Er war erfolgreich, weil er während des wachsenden Aufschwungs der Revolution durchgeführt wurde und sich auf diesen Aufschwung stützte, nicht aber beim Abebben der Revolution, denn die Duma konnte nur unter den Bedingungen des Aufschwungs der Revolution gesprengt werden.

Der Boykott der Witteschen, das heißt der I. Duma wurde nach der Niederlage des Dezemberaufstands durchgeführt, als der Zar sich als Sieger erwies, das heißt zu einer Zeit, da man glauben konnte, dass die Revolution abzuflauen beginne.

„Aber“, schrieb Lenin , „selbstverständlich lag damals noch kein Grund vor, diesen Sieg (des Zaren. Die Red.) als entscheidend anzusehen. Der Dezemberaufstand von 1905 fand seine Fortsetzung in einer ganzen Reihe zersplitterter militärischer Teilaufstände und in den Streiks des Sommers 1906. Die Losung des Boykotts der Witteschen Duma war eine Losung des Kampfes für die Konzentrierung und Verallgemeinerung dieser Aufstände.“ ( Lenin , Sämtl. Werke, Bd. XII, S. 20 russ.)

Der Boykott der Witteschen Duma konnte die Duma nicht sprengen, obwohl er die Autorität dieser Duma beträchtlich untergrub und bei einem Teil der Bevölkerung den Glauben an die Duma schwächte; er konnte die Duma nicht sprengen, da er, wie jetzt klar wurde, unter den Bedingungen des Zurückflutens, des Abebbens der Revolution durchgeführt wurde. Deshalb erwies sich der Boykott der I. Duma im Jahre 1906 als nicht erfolgreich. Im Zusammenhang damit schrieb Lenin in seiner berühmten Broschüre „Der ‚linke Radikalismus’, die Kinderkrankheit im Kommunismus“:

„Der bolschewistische Boykott des ‚Parlaments’ im Jahre 1905 hat das revolutionäre Proletariat um eine außerordentlich wertvolle politische Erfahrung bereichert, indem er zeigte, dass es bei Kombinierung von legalen und illegalen, parlamentarischen und außerparlamentarischen Kampfformen bisweilen nützlich, ja sogar notwendig ist, zu verstehen, auf die parlamentarischen Kampfformen zu verzichten ... Der Boykott der ‚Duma’ durch die Bolschewiki im Jahre 1906 war bereits ein Fehler, wenn auch ein kleiner, leicht korrigierbarer Fehler … Für die Politik und die Parteien gilt - mit entsprechenden Änderungen - dasselbe, was für einzelne Personen gilt. Klug ist nicht, wer keine Fehler macht. Solche Menschen gibt es nicht und kann es nicht geben. Klug ist, wer keine allzu wesentlichen Fehler macht und es versteht, sie leicht und rasch zu korrigieren.“ ( Lenin , Ausgew. Werke in zwei Bänden, Bd. II, S. 683.)

Was die II. Reichsduma betrifft, so war Lenin der Auffassung, dass die Bolschewiki angesichts der veränderten Situation und des Abebbens der Revolution „die Frage des Boykotts der Reichsduma revidieren müssen“ ( Lenin , Ausgew. Werke in zwei Bänden, Bd. I, S. 552).

„Die Geschichte hat gezeigt“, schrieb Lenin , „dass der Zusammentritt der Duma die Möglichkeit bietet, eine nützliche Agitation innerhalb der Duma und um die Duma herum zu entfalten; dass eine Taktik der Annäherung an die revolutionäre Bauernschaft gegen die Kadetten innerhalb der Duma möglich ist.“ (Ebenda, S. 555/56.)

Aus alledem ging hervor, dass man verstehen muss, nicht nur entschieden anzugreifen, in den vordersten Reihen anzugreifen, wenn ein Aufschwung der Revolution vorhanden ist, sondern sich auch in richtiger Weise zurückzuziehen, sich als letzte zurückzuziehen, wenn der Aufschwung schon vorbei ist, wobei man entsprechend der veränderten Situation die Taktik ändert; dass man verstehen muss, sich nicht in Unordnung, sondern organisiert, ruhig, ohne Panik zurückzuziehen, dabei jede kleinste Möglichkeit ausnutzend, um die Kader dem Schlag des Feindes zu entziehen, um sich umzugruppieren, Kräfte zu sammeln und sich zum neuen Angriff auf den Feind vorzubereiten.

Die Bolschewiki beschlossen, an den Wahlen zur II. Duma teilzunehmen.

Aber die Bolschewiki gingen in die Duma nicht, um in ihr organische „gesetzgeberische“ Arbeit im Block mit den Kadetten zu leisten, wie das die Menschewiki taten, sondern um sie als Tribüne im Interesse der Revolution auszunutzen.

Das menschewistische Zentralkomitee rief, im Gegenteil, dazu auf, Wahlabkommen mit den Kadetten zu schließen, die Kadetten in der Duma zu unterstützen, denn es betrachtete die Duma als gesetzgebende Institution, fähig, den Zarismus zu zügeln.

Die Mehrzahl der Parteiorganisationen trat gegen die Politik des menschewistischen Zentralkomitees auf.

Die Bolschewiki forderten die Einberufung eines neuen Parteitags.

Im Mai 1907 trat in London der V. Parteitag zusammen. Zur Zeit dieses Parteitags zählte die SDAPR (zusammen mit den nationalen sozialdemokratischen Organisationen) etwa 150000 Mitglieder. Auf dem Parteitag waren insgesamt 336 Delegierte anwesend. Davon waren 105 Bolschewiki und 97 Menschewiki. Die übrigen Delegierten vertraten die nationalen sozialdemokratischen Organisationen - die polnischen und lettischen Sozialdemokraten und den „Bund“ -, die der vorhergehende Parteitag in die SDAPR aufgenommen hatte.

Trotzki versuchte, auf dem Parteitag ein eigenes zentristisches, das heißt halbmenschewistisches Sondergrüppchen zusammenzustoppeln; mit ihm ging jedoch niemand.

Da die Bolschewiki die Polen und Letten auf ihre Seite zogen, hatten sie auf dem Parteitag eine feste Mehrheit.

Eine der wichtigsten Kampffragen auf dem Parteitag war die Frage des Verhältnisses zu den bürgerlichen Parteien. Um diese Frage war schon auf dem II. Parteitag der Kampf zwischen den Bolschewiki und den Menschewiki geführt worden. Der Parteitag gab eine bolschewistische Einschätzung aller nichtproletarischen Parteien- der Schwarz-hunderter, der Oktobristen, der Kadetten, der Sozialrevolutionäre - und formulierte die bolschewistische Taktik gegenüber diesen Parteien.

Der Parteitag billigte die Politik der Bolschewiki und fasste den Beschluss, sowohl gegen die Schwarzhunderter-Parteien - den „Bund des russischen Volkes“, die Monarchisten, den Rat des vereinigten Adels - wie auch gegen den „Verband vom 17. Oktober“ (Oktobristen), die Handels- und Industriepartei und die Partei „Friedliche Erneuerung“ einen schonungslosen Kampf zu führen. Alle diese Parteien waren offen konterrevolutionär.

Was die liberale Bourgeoisie, die Partei der Kadetten, betrifft, so forderte der Parteitag auf, gegen sie einen unversöhnlichen Entlarvungskampf zu führen. Der Parteitag gab die Weisung, den heuchlerischen, verlogenen „Demokratismus“ der Kadettenpartei zu entlarven und gegen die von der liberalen Bourgeoisie unternommenen Versuche, sich an die Spitze der Bauernbewegung zu stellen, den Kampf zu führen.

Hinsichtlich der so genannten Volkstümler- oder Werktätigenparteien (Volkssozialisten, Gruppe der Trudowiki [Trudowiki - eine kleinbürgerliche Gruppierung, die in der I. Reichsduma von einem Teil der Bauerndeputierten gebildet wurde, der unter Führung der sozialrevolutionären Intelligenz stand. DerÜbers.], Sozialrevolutionäre) empfahl der Parteitag die Entlarvung ihrer Versuche, sich als Sozialisten zu maskieren. Gleichzeitig erklärte der Parteitag es für zulässig, vereinzelte Abkommen mit diesen Parteien für einen gemeinsamen und gleichzeitigen Vorstoß gegen den Zarismus und gegen die kadettische Bourgeoisie abzuschließen, insoweit diese Parteien damals demokratische Parteien waren und die Interessen des Kleinbürgertums in Stadt und Land zum Ausdruck brachten.

Noch vor dem Parteitag kamen die Menschewiki mit dem Antrag, einen so genannten „Arbeiter-Kongress“ einzuberufen. Der Plan der Menschewiki ging dahin, einen Kongress einzuberufen, an dem sowohl Sozialdemokraten wie Sozialrevolutionäre und Anarchisten teilnehmen sollten. Dieser „Arbeiter“-Kongress sollte so etwas wie eine „parteilose Partei“ oder so etwas wie eine „breite“ kleinbürgerliche, programmlose Arbeiterpartei schaffen. Lenin entlarvte diesen überaus schädlichen Versuch der Menschewiki, die Sozialdemokratische Arbeiterpartei zu liquidieren und den Vortrupp der Arbeiterklasse in der kleinbürgerlichen Masse aufgehen zu lassen. Die menschewistische Losung des „Arbeiter-Kongresses“ wurde vom Parteitag scharf verurteilt.

In der Arbeit des Parteitags nahm die Frage der Gewerkschaften einen besonderen Platz ein. Die Menschewiki verteidigten die „Neutralität“ der Gewerkschaften, das heißt, sie traten gegen die führende Rolle der Partei in den Gewerkschaften auf. Der Parteitag lehnte den Antrag der Menschewiki ab und nahm die bolschewistische Resolution über die Gewerkschaften an. In dieser Resolution wurde betont, dass die Partei die ideologische und politische Führung der Gewerkschaften erlangen muss.

Der V. Parteitag bedeutete einen großen Sieg der Bolschewiki in der Arbeiterbewegung. Aber die Bolschewiki wurden nicht überheblich, ruhten nicht auf den Lorbeeren aus. Nicht das hatte Lenin sie gelehrt. Die Bolschewiki wussten, dass der Kampf mit den Menschewiki noch bevorstand.

Genosse Stalin gab in seinem im Jahre 1907 erschienenen Artikel „Aufzeichnungen eines Delegierten“ den Ergebnissen des Parteitags folgende Einschätzung:

„Die faktische Vereinigung der fortgeschrittenen Arbeiter ganz Russlands zu einer einheitlichen gesamtrussischen Partei unter dem Banner der revolutionären Sozialdemokratie - das ist der Sinn des Londoner Parteitags, das ist sein allgemeiner Charakter.“ (Stalin, Werke, Bd. 2, Dietz Verlag, Berlin 1950, S. 43.)

In diesem Artikel führte Genosse Stalin Angaben über die Zusammensetzung des Parteitags an. Es stellte sich heraus, dass die bolschewistischen Delegierten hauptsächlich von den großen Industriegebieten (Petersburg, Moskau, Ural, Iwanowo-Wosnessensk und anderen) zum Parteitag entsandt worden waren. Die Menschewiki aber kamen auf den Parteitag aus Gebieten der Kleinproduktion, wo handwerkliche Arbeiter, Halbproletarier überwogen, und ebenso aus manchen rein bäuerlichen Gebieten.

„Offensichtlich“, sagte Genosse Stalin, die Ergebnisse des Parteitags zusammenfassend, „ist die Taktik der Bolschewiki die Taktik der Proletarier der Großindustrie, die Taktik derjenigen Gebiete, wo die Klassengegensätze besonders klar sind und der Klassenkampf besonders scharf ist. Der Bolschewismus - das ist die Taktik der echten Proletarier. Anderseits ist es nicht weniger offensichtlich, dass die Taktik der Menschewiki vorwiegend eine Taktik der im Handwerk beschäftigten Arbeiter und der bäuerlichen Halbproletarier ist, eine Taktik derjenigen Gebiete, wo die Klassengegensätze nicht ganz klar sind und der Klassenkampf verschleiert ist. Der Menschewismus - das ist die Taktik der halb-bürgerlichen Elemente des Proletariats. Das besagen die Ziffern.“ (Ebenda, S. 45.)

Als der Zar die 1. Duma auseinanderjagte, glaubte er, eine gefügigere II. Duma zu erhalten. Aber diese Erwartungen wurden auch von der II. Duma nicht gerechtfertigt. Der Zar entschloss sich daher, auch diese Duma auseinanderzujagen und die III. Duma auf Grund eines verschlechterten Wahlgesetzes einzuberufen, in der Hoffnung, dass sie sich als fügsamer erweisen werde.

Bald nach dem V. Parteitag vollführte die zaristische Regierung den so genannten Staatsstreich vom 3. (16.) Juni. Am 3. Juni 1907 jagte der Zar die II. Reichsduma auseinander. Die sozialdemokratische Dumafraktion, die 65 Deputierte zählte, wurde verhaftet und nach Sibirien verschickt. Ein neues Wahlgesetz wurde erlassen. Die Rechte der Arbeiter und Bauern wurden noch mehr beschnitten. Die zaristische Regierung setzte ihre Offensive fort.

Der zaristische Minister Stolypin entfaltete sein blutiges Henkerwerk gegen die Arbeiter und Bauern. Tausende revolutionärer Arbeiter und Bauern wurden von den Strafexpeditionen erschossen bzw. gehängt. In den zaristischen Kerkern wurden die Revolutionäre misshandelt und gefoltert. Besonders grausamen Verfolgungen waren die Arbeiterorganisationen, in erster Linie die Bolschewiki, ausgesetzt. Die zaristischen Spürhunde suchten Lenin , der in Finnland illegal lebte. Sie wollten den Führer der Revolution aus dem Weg räumen. Unter großen Gefahren gelang es Lenin im Dezember 1907, von neuem ins Ausland zu entkommen, wieder in die Emigration zu gehen.

Die schweren Jahre der Stolypinschen Reaktion brachen an. Die erste russische Revolution endete so mit einer Niederlage. Dazu haben folgende Ursachen beigetragen:

1. Es gab in der Revolution noch kein festes Bündnis der Arbeiter und Bauern gegen den Zarismus. Die Bauern erhoben sich zum Kampf gegen die Gutsbesitzer und gingen auf ein Bündnis mit der Arbeiterklasse gegen die Gutsbesitzer ein. Sie verstanden jedoch noch nicht, dass es ohne den Sturz des Zaren unmöglich ist, die Gutsbesitzer niederzuwerfen, sie verstanden nicht, dass der Zar mit den Gutsbesitzern gemeinsame Sache macht; ein bedeutender Teil der Bauern glaubte noch an den Zaren und setzte auf die zaristische Reichsduma Hoffnungen. Deshalb wollten viele Bauern mit den Arbeitern kein Bündnis zum Sturz des Zarismus eingehen. Die Bauern glaubten der Paktiererpartei der Sozialrevolutionäre mehr als den wirklichen Revolutionären - den Bolschewiki. Infolgedessen war der Kampf der Bauern gegen die Gutsbesitzer unzureichend organisiert. Lenin betonte:

„... die Bauern gingen zu zersplittert, zu unorganisiert, zu wenig offensiv vor, und darin besteht eine der Grundursachen der Niederlage der Revolution.“ ( Lenin , Ausgew. Werke, Bd. 3, S. 16.)

2. Der bei einem bedeutenden Teile der Bauern mangelnde Wille, gemeinsam mit den Arbeitern an die Niederwerfung des Zarismus zu gehen, zeigte sich auch in der Haltung der Armee, deren Mehrheit aus in Soldatenröcke gesteckten Bauernsöhnen bestand. In einzelnen Truppenteilen der zaristischen Armee kam es zu Unruhen und Aufständen, die Mehrheit der Soldaten aber half dem Zaren noch, die Streiks und Aufstände der Arbeiter niederzuwerfen.

3. Auch die Arbeiter handelten nicht einmütig genug. Die fortgeschrittenen Kolonnen der Arbeiterklasse entfalteten im Jahre 1905 einen heroischen revolutionären Kampf. Die rückständigeren Schichten - die Arbeiter der am wenigsten industriellen Gouvernements und diejenigen, die auf dem flachen Lande lebten - kamen langsamer in Schwung. Ihre Teilnahme am revolutionären Kampf verstärkte sich besonders im Jahre 1906; zu dieser Zeit war jedoch die Avantgarde der Arbeiterklasse schon in bedeutendem Maße geschwächt.

4. Die Arbeiterklasse war die führende Kraft, die Hauptkraft der Revolution, aber in den Reihen der Partei der Arbeiterklasse fehlte die notwendige Einheit und Geschlossenheit. Die SDAPR - die Partei der Arbeiterklasse - war in zwei Gruppen gespalten: Bolschewiki und Menschewiki. Die Bolschewiki führten eine konsequente revolutionäre Linie durch und riefen die Arbeiter zum Sturz des Zarismus auf. Die Menschewiki hemmten durch ihre Paktierertaktik die Revolution, verwirrten einen bedeutenden Teil der Arbeiter, spalteten die Arbeiter-klasse. Deshalb traten die Arbeiter in der Revolution nicht immer einmütig auf, und die Arbeiterklasse, der die Einheit in ihren eigenen Reihen noch fehlte, konnte nicht zum wahren Führer der Revolution werden.

5. Bei der Niederwerfung der Revolution des Jahres 1905 halfen der zaristischen Selbstherrschaft die westeuropäischen Imperialisten. Die ausländischen Kapitalisten zitterten um ihre in Russland angelegten Kapitalien und um ihre riesigen Einkünfte. Außerdem befürchteten sie, dass im Falle eines Sieges der russischen Revolution auch die Arbeiter anderer Länder zur Revolution schreiten würden. Deshalb halfen die westeuropäischen Imperialisten dem Henker-Zaren. Die französischen Bankiers gewährten dem Zaren für die Niederwerfung der Revolution eine große Anleihe. Der deutsche Kaiser hielt eine vieltausendköpfige Armee bereit, um dem russischen Zaren durch eine Intervention zu helfen.

6. Eine bedeutsame Hilfe für den Zaren war der Friedensschluss mit Japan im September 1905. Die Niederlage im Kriege und das bedrohliche Anwachsen der Revolution zwangen den Zaren, sich mit der Unterzeichnung des Friedens zu beeilen. Die Niederlage im Kriege hatte den Zarismus geschwächt. Der Friedensschluss festigte die Lage des Zaren.

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