GESCHICHTE DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DER SOWJETUNION (BOLSCHEWIKI)

KAPITEL III
Menschewiki und Bolschewiki in der Periode des Russisch- Japanischen Krieges und der ersten russischen Revolution
(1904-1907)

Kurze Zusammenfassung

Die erste russische Revolution stellt eine ganze historische Phase in der Entwicklung unseres Landes dar. Diese historische Phase besteht aus zwei Perioden. Aus der ersten Periode, in der die Revolution im Aufschwung begriffen war, vom politischen Generalstreik im Oktober zum bewaffneten Aufstand im Dezember emporstieg, dabei die Schwäche des Zaren, der auf den mandschurischen Schlachtfeldern Niederlagen erlitt, ausnutzte, die Bulyginsche Duma hinwegfegte und dem Zaren Zugeständnis um Zugeständnis abtrotzte; und aus der zweiten Periode, in der der Zar, der sich nach dem Friedensschluss mit Japan wieder erholt hatte, die Angst der liberalen Bourgeoisie vor der Revolution ausnutzt, die Schwankungen der Bauernschaft ausnutzt, ihnen die Wittesche Duma als Almosen hinwirft und zur Offensive gegen die Arbeiterklasse, gegen die Revolution übergeht.

In knapp drei Jahren der Revolution (1905-1907) machte die Arbeiterklasse und die Bauernschaft eine so erfahrungsreiche Schule der politischen Erziehung durch, wie sie sie in dreißig Jahren gewöhnlicher friedlicher Entwicklung nicht hätte erhalten können. Einige Jahre Revolution machten das klar, was im Verlaufe von Jahrzehnten friedlicher Entwicklung nicht hätte klargemacht werden können.

Die Revolution enthüllte, dass der Zarismus der geschworene Feind des Volkes war, dass der Zarismus jenem Buckligen glich, den nur der Tod gradmachen kann.

Die Revolution zeigte, dass die liberale Bourgeoisie ein Bündnis nicht mit dem Volke, sondern mit dem Zaren suchte, dass sie eine konterrevolutionäre Kraft war, mit der eine Verständigung einzugehen dem Verrat am Volke gleichkam.

Die Revolution zeigte, dass nur die Arbeiterklasse der Führer der bürgerlich-demokratischen Revolution sein konnte, dass nur sie fähig war, die liberale kadettische Bourgeoisie zu verdrängen, die Bauernschaft von deren Einfluss zu befreien, die Gutsbesitzer zu zerschmettern, die Revolution zu Ende zu führen und den Weg zum Sozialismus frei zu machen.

Die Revolution zeigte schließlich, dass die werktätige Bauernschaft trotz ihrer Schwankungen dennoch die einzige ernsthafte Kraft darstellte, die fähig war, mit der Arbeiterklasse ein Bündnis einzugehen.

In der SDAPR ging während der Revolution der Kampf um zwei entgegengesetzte Linien: die Linie der Bolschewiki und die der Menschewiki. Die Bolschewiki hielten Kurs auf die Entfaltung der Revolution, auf den Sturz des Zarismus durch den bewaffneten Aufstand, auf die Hegemonie der Arbeiterklasse, auf die Isolierung der kadettischen Bourgeoisie, auf das Bündnis mit der Bauernschaft, auf die Schaffung einer provisorischen revolutionären Regierung aus Vertretern der Arbeiter und Bauern. Sie hielten Kurs darauf, die Revolution siegreich zu Ende zu führen. Die Menschewiki hielten umgekehrt Kurs auf die Eindämmung der Revolution. Statt des Sturzes des Zarismus durch den Aufstand schlugen sie seine Reformierung und „Verbesserung“ vor, statt der Hegemonie des Proletariats - die Hegemonie der liberalen Bourgeoisie, statt des Bündnisses mit der Bauernschaft - das Bündnis mit der kadettischen Bourgeoisie, statt der provisorischen revolutionären Regierung - die Reichsduma als Zentrum der „revolutionären Kräfte“ des Landes.

So sanken die Menschewiki in den Sumpf des Paktierertums hinab, wurden zu Schrittmachern des bürgerlichen Einflusses auf die Arbeiterklasse, wurden in der Tat Agenten der Bourgeoisie in der Arbeiterklasse.

Die Bolschewiki erwiesen sich als die einzige revolutionär-marxistische Kraft in der Partei und im Lande.

Es ist verständlich, dass nach so ernsten Meinungsverschiedenheiten die SDAPR sich in der Tat als in zwei Parteien gespalten erwies, in die Partei der Bolschewiki und die Partei der Menschewiki. Der IV. Parteitag änderte nichts an der tatsächlichen Lage der Dinge innerhalb der Partei. Er bewahrte nur und festigte ein wenig die formale Einheit der Partei. Der V. Parteitag machte in der Richtung der tatsächlichen Vereinigung der Partei einen Schritt vorwärts, wobei diese Vereinigung unter dem Banner des Bolschewismus vor sich ging.

Die Ergebnisse der revolutionären Bewegung zusammenfassend, verurteilte der V. Parteitag die Linie der Menschewiki als kompromisslerisch und billigte die bolschewistische Linie als revolutionär-marxistisch. Damit bestätigte er noch einmal, was der gesamte Verlauf der ersten russischen Revolution schon bestätigt hatte.

Die Revolution zeigte, dass die Bolschewiki anzugreifen verstehen, wenn die Situation es erfordert, dass sie gelernt hatten, in den ersten Reihen anzugreifen und das Volk zum Sturm mitzureißen. Die Revolution zeigte aber außerdem, dass die Bolschewiki auch verstehen, sich geordnet zurückzuziehen, wenn die Situation sich ungünstig gestaltet, wenn die Revolution im Abebben ist, dass die Bolschewiki gelernt hatten, den Rückzug richtig durchzuführen, ohne Panik und ohne Hast, um ihre Kader zu erhalten, Kräfte zu sammeln und nach einer der neuen Situation entsprechenden Umgruppierung von neuem gegen den Feind zum Angriff zu schreiten.

Man kann den Feind nicht besiegen, wenn man es nicht versteht, richtig anzugreifen.

Man kann bei einer Niederlage der Zertrümmerung nicht entgehen, wenn man nicht versteht, den Rückzug richtig durchzuführen, sich ohne Panik und ohne Verwirrung zurückzuziehen.

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