GESCHICHTE DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DER SOWJETUNION (BOLSCHEWIKI)

KAPITEL VIII
Die Partei der Bolschewiki in der Periode der ausländischen militärischen Intervention und des Bürgerkrieges
(1918-1920)

4
Der Überfall der polnischen Barone auf das Sowjetland
Der Vorstoß des Generals Wrangel
Das Scheitern des polnischen Plans
Die Vernichtung Wrangels
Das Ende der Intervention

Obwohl Koltschak und Denikin vernichtend geschlagen waren, obwohl das Sowjetland sein Territorium immer weiter ausdehnte, da es das Nordgebiet, Turkestan, Sibirien, das Dongebiet, die Ukraine usw. von den Weißen und Interventen befreite, obwohl die Entente gezwungen war, die Blockade gegen Russland aufzuheben, wollten die Ententestaaten sich immer noch nicht mit dem Gedanken abfinden, dass die Sowjetmacht sich als unbezwinglich, dass sie sich als Siegerin erwiesen hatte. Daher entschlossen sie sich, noch einen Interventionsversuch gegen das Sowjetland zu unternehmen. Diesmal beschlossen die Interventen, einerseits den bürgerlichen konterrevolutionären Nationalisten Pilsudski, das faktische- Oberhaupt des polnischen Staates, und anderseits General Wrangel auszunutzen, der in der Krim die Überreste der Denikinarmee gesammelt hatte und von dorther das Donezbecken und die Ukraine bedrohte.

Nach einem Ausdruck Lenin s waren das von den Baronen beherrschte Polen und Wrangel die beiden Arme des internationalen Imperialismus, mit denen er das Sowjetland zu erdrosseln versuchte.

Der Plan der Polen war: die Sowjetukraine rechts vom Dnjepr und Sowjetbjelorussland zu annektieren, in diesen Gebieten die Macht der polnischen Barone wiederherzustellen, die Grenzen des polnischen Staats „von Meer zu Meer“, von Danzig bis nach Odessa, zu erweitern und für die ihnen von Wrangel erwiesene Hilfe ihrerseits Wrangel zu helfen, die Rote Armee zu schlagen und in Sowjetrußland die Macht der Gutsbesitzer und Kapitalisten wiederherzustellen.

Dieser Plan wurde von den Ententestaaten gebilligt.

Die Versuche der Sowjetregierung, mit Polen zur Erhaltung des Friedens und zur Verhinderung des Krieges Verhandlungen einzuleiten, blieben völlig ergebnislos. Pilsudski wollte von Frieden nichts hören. Pilsudski wollte Krieg führen. Er spekulierte darauf, dass die in den Kämpfen gegen Koltschak und Denikin ermüdeten roten Truppen dem Überfall der polnischen Truppen nicht standhalten würden.

Die kurze Atempause war zu Ende.

Im April 1920 brachen die polnischen Truppen in das Gebiet der Sowjetukraine ein und besetzten Kiew. Gleichzeitig ging Wrangel zur Offensive über und bedrohte das Donezbecken.

Als Antwort auf den Überfall der polnischen Truppen entfalteten die roten Truppen an der ganzen Front eine Gegenoffensive. Nach Befreiung Kiews und Vertreibung der polnischen Barone aus der Ukraine und Bjelorussland stürmten die roten Truppen der Südfront im Schwung ihrer Offensive bis vor die Tore von Lemberg in Galizien, während die Truppen der Westfront sich Warschau näherten. Eine völlige Niederlage der Truppen der polnischen Barone stand bevor.

Aber die verdächtigen Handlungen Trotzkis und seiner Anhänger im Generalstab der Roten Armee vereitelten die Erfolge der Roten Armee. Die Offensive der roten Truppen an der Westfront, auf Warschau, verlief durch Verschulden Trotzkis und Tuchatschewskis völlig unorganisiert: man ließ die Truppen nicht die eroberten Positionen befestigen, die vordersten Truppeneinheiten wurden zu weit vorgeschickt, Reserven und Munition wurden zu weit in der Etappe belassen, so dass die vordersten Truppenteile ohne Munition, ohne Reserven blieben, die Frontlinie wurde endlos verlängert und infolgedessen die Durchbrechung der Front erleichtert. Infolge aller dieser Umstände waren unsere Truppen, als ein kleiner Teil der polnischen Truppen unsere Westfront an einem Punkte durchbrach, von der Munitionszufuhr abgeschnitten, zum Rückzug gezwungen. Was die Truppen der Südfront betrifft, die vor den Toren von Lemberg standen und dort die Polen bedrängten, so verbot der „Chef“ des Revolutionären Kriegsrats, Trotzki, diesen Truppen, Lemberg einzunehmen, und erteilte ihnen den Befehl, die Reiterarmee, das heißt die Hauptkraft der Südfront, weit nach Nordosten zu werfen, angeblich zur Unterstützung der Westfront, obwohl es nicht schwer war zu begreifen, dass die Einnahme Lembergs die einzig mögliche und beste Hilfe für die Westfront gewesen wäre. Aber die Abkommandierung der Reiterarmee aus dem Heeresbestand der Südfront und ihr Abzug von Lemberg bedeuteten in Wirklichkeit einen Rückzug unserer Truppen auch an der Südfront. Auf diese Weise wurde durch den Schädlingsbefehl Trotzkis den Truppen unserer Südfront ein unverständlicher und durch gar nichts begründeter Rückzug aufgezwungen, zum Jubel der polnischen Barone.

Das war eine direkte Hilfe, aber nicht für unsere Westfront, sondern für die polnischen Barone und für die Entente.

Einige Tage später wurde die Offensive der polnischen Truppen zum Stehen gebracht, und unsere Truppen trafen ihre Vorbereitungen zu einem neuen Gegenschlag gegen die Polen. Polen jedoch, das nicht die Kraft hatte, den Krieg fortzusetzen und dem Gegenstoß der Roten voll Unruhe entgegensah, war gezwungen, seine Prätentionen auf Annexion der Ukraine rechts vorn Dnjepr und Bjelorusslands aufzugeben, und zog es vor, mit Russland Frieden zu schließen. Am 20. Oktober 1920 wurde in Riga der Friedensvertrag mit Polen unterzeichnet, demzufolge Polen Galizien und einen Teil Bjelorusslands behielt.

Nach dem Friedensschluss mit Polen beschloss die Sowjetrepublik, mit Wrangel Schluss zu machen. Wrangel hatte von den Engländern und Franzosen die modernsten Waffen, Panzerwaffen, Tanks, Flugzeuge, sowie Munition erhalten. Er verfügte über weißgardistische Stoßtruppen, hauptsächlich Offizierstrupps. Es gelang Wrangel jedoch nicht, auch nur einigermaßen nennenswerte Kräfte von Bauern und Kosaken um die Landungstruppen zu sammeln, die er am Kuban und am Don ausgesetzt hatte. Aber Wrangel rückte dennoch hart an das Donezbecken heran und bedrohte unser Steinkohlengebiet. Die Lage der Sowjetmacht wurde noch dadurch erschwert, dass die Rote Armee zu dieser Zeit recht ermüdet war. Die Rotarmisten mussten in beispiellos schwierigen Verhältnissen vormarschieren, als sie die Offensive gegen Wrangels Truppen durchführten und gleichzeitig die anarchistischen Machnobanden zersprengten, die Wrangel Hilfe leisteten, Aber obwohl das technische Übergewicht auf Wrangels Seite lag, obwohl die Rote Armee keine Tanks besaß, trieb die Rote Armee Wrangel auf die Krim-Halbinsel. Im November 1920 stürmten die roten Truppen die befestigten Stellungen von Perekop, drangen in die Krim ein, vernichteten Wrangels Truppen und befreiten die Krim von den Weißgardisten und Interventen. Die Krim wurde Sowjetland.

Mit dem Scheitern der polnischen Großmachtspläne und der Vernichtung Wrangels endete die Periode der Intervention.

Gegen Ende 1920 begann die Befreiung Transkaukasiens vom Joche der bürgerlichen nationalistischen Mussawatisten in Aserbaidshan, der National-Menschewiki in Georgien, der Daschnaken in Armenien. Die Sowjetmacht siegte in Aserbaidshan, Armenien und Georgien.

Dies bedeutete noch nicht die völlige Beendigung der Intervention. Die japanische Intervention im Fernen Osten währte bis in das Jahr 1922. Außerdem fanden neue Versuche statt, eine Intervention zu organisieren (Ataman Semjonow und Baron Ungern im Osten, Intervention der finnischen Weißgardisten in Karelien im Jahre 1921). Aber die Hauptfeinde des Sowjetlandes, die Hauptkräfte der Intervention waren Ende 1920 vernichtet.

Der Krieg der ausländischen Interventen und der russischen Weißgardisten gegen die Sowjets endete mit dem Sieg der Sowjets.

Die Sowjetrepublik behauptete ihre staatliche Unabhängigkeit, ihre freie Existenz.

Das war das Ende der ausländischen militärischen Intervention und des Bürgerkrieges.

Das war der historische Sieg der Sowjetmacht.

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