GESCHICHTE DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DER SOWJETUNION (BOLSCHEWIKI)

KAPITEL IX
Die Partei der Volkswirtschaft
(1921-1925)

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Die Sowjetunion gegen Ende der Wiederherstellungsperiode
Die Frage des sozialistischen Aufbaus und des Sieges des Sozialismus in unserem Lande
Die „Neue Opposition“ von Sinowjew-Kamenew
Der XIV. Parteitag
Der Kurs auf die sozialistische Industrialisierung des Landes

Mehr als vier Jahre beharrlicher Arbeit der bolschewistischen Partei und der Arbeiterklasse auf den Bahnen der Neuen ökonomischen Politik waren vergangen. Die heroische Arbeit zur Wiederherstellung der Volkswirtschaft näherte sich ihrem Abschluss. Immer mehr wuchs die wirtschaftliche und politische Macht der Sowjetunion.

Die internationale Lage hatte sich zu dieser Zeit verändert. Der Kapitalismus hatte dem ersten revolutionären Ansturm der Massen nach dem imperialistischen Krieg standgehalten. Die revolutionäre Bewegung in Deutschland, Italien, Bulgarien, Polen und einer Reihe anderer Länder war niedergeworfen. Hierbei hatten der Bourgeoisie die Führer der paktiererischen sozialdemokratischen Parteien geholfen. Eine zeitweilige Ebbe der Revolution war eingetreten. Eine zeitweilige, teilweise Stabilisierung des Kapitalismus in Westeuropa, eine teilweise Festigung seiner Positionen, war eingetreten. Aber die Stabilisierung des Kapitalismus beseitigte nicht die grundlegenden Widersprüche, die die kapitalistische Gesellschaft zerreißen. Im Gegenteil: die teilweise Stabilisierung des Kapitalismus verschärfte die Widersprüche zwischen Arbeitern und Kapitalisten, zwischen dem Imperialismus und den Kolonialvölkern, zwischen den imperialistischen Gruppen verschiedener Länder. Die Stabilisierung des Kapitalismus bereitete eine neue Explosion der Widersprüche, neue Krisen in den Ländern des Kapitalismus vor.

Zugleich mit der Stabilisierung des Kapitalismus erfolgte auch eine Stabilisierung der Sowjetunion. Aber diese beiden Stabilisierungen waren von Grund auf verschieden. Die kapitalistische Stabilisierung kündete eine neue Krise des Kapitalismus an. Die Stabilisierung der Sowjetunion dagegen bedeutete ein neues Wachstum der wirtschaftlichen und politischen Macht des Landes des Sozialismus.

Trotz der Niederlage der Revolution im Westen festigte sich die internationale Lage der Sowjetunion doch immer weiter, allerdings in langsamerem Tempo.

Die Sowjetunion wurde im Jahre 1922 zu der internationalen Wirtschaftskonferenz in der italienischen Stadt Genua eingeladen. Auf dieser Konferenz versuchten die infolge der Niederlage der Revolution in den Ländern des Kapitalismus ermunterten imperialistischen Regierungen, auf die Republik der Sowjets einen neuen Druck auszuüben, diesmal in diplomatischer Form. Die Imperialisten legten dem Sowjetlande freche Forderungen vor. Sie verlangten die Rückgabe der von der Oktoberrevolution nationalisierten Fabriken und Werke an die ausländischen Kapitalisten und die Bezahlung aller Schulden der zaristischen Regierung. Unter diesen Bedingungen versprachen die imperialistischen Staaten dem Sowjetstaat unbeträchtliche Anleihen.

Die Sowjetunion lehnte diese Forderungen ab.

Die Konferenz von Genua verlief ergebnislos.

Die Androhung einer neuen Intervention, die in dem Ultimatum des englischen Außenministers Curzon im Jahre 1925 enthalten war, wurde ebenfalls gebührend zurückgewiesen.

Die kapitalistischen Staaten, die die Stärke der Sowjetmacht sondiert und sich von ihrer Festigkeit überzeugt hatten, nahmen einer nach dem andern die diplomatischen Beziehungen mit unserem Lande wieder auf. Im Laufe des Jahres 1924 wurden die diplomatischen Beziehungen mit England, Frankreich, Japan und Italien wiederhergestellt.

Es war klar, dass das Sowjetland es verstanden hatte, sich eine friedliche Atempause für eine ganze Periode zu erkämpfen.

Auch innerhalb des Landes änderte sich die Situation. Die aufopferungsvolle Arbeit der von der Partei der Bolschewiki geführten Arbeiter und Bauern trug ihre Früchte. Ein rasches Wachstum der Volkswirtschaft war zu verzeichnen. Im Wirtschaftsjahr 1924/25 näherte sich die landwirtschaftliche Produktion bereits dem Vorkriegsstand, sie erreichte 87 Prozent des Vorkriegsniveaus. Die Großindustrie der Sowjetunion lieferte im Jahre 1925 bereits ungefähr drei Viertel der Industrieproduktion der Vorkriegszeit. Im Jahre 1924/25 konnte das Sowjetland schon 585 Millionen Rubel in Neubauten investieren. Die Durchführung des Elektrifizierungsplans des Landes ging erfolgreich vonstatten. Die Kommandopositionen des Sozialismus in der Volkswirtschaft festigten sich. Im Kampfe gegen das Privatkapital in Industrie und Handel wurden ernste Erfolge erzielt.

Der wirtschaftliche Aufschwung brachte eine weitere Verbesserung der Lage der Arbeiter und Bauern mit sich. Das Wachstum der Arbeiterklasse vollzog sich in raschem Tempo. Der Arbeitslohn stieg. Die Arbeitsproduktivität hob sich. Die materielle Lage der Bauern besserte sich bedeutend. Der Arbeiter- und Bauernstaat konnte im Jahre 1924/25 zur Unterstützung der wirtschaftlich schwachen Bauernschaft an die 290 Millionen Rubel aufwenden. Auf Grund der besseren Lage der Arbeiter und Bauern nahm die politische Aktivität der Massen stark zu. Die Diktatur des Proletariats festigte sich. Autorität und Einfluss der bolschewistischen Partei stiegen.

Die Wiederherstellung der Volkswirtschaft näherte sich ihrem Ende. Aber für das Land der Sowjets, das Land des Aufbaus des Sozialismus, war eine einfache Wiederherstellung der Wirtschaft, die einfache Erreichung des Vorkriegsniveaus ungenügend. Das Vorkriegsniveau war das Niveau eines rückständigen Landes. Man musste weiter schreiten. Die vom Sowjetstaat erkämpfte längere Atempause sicherte die Möglichkeit des weiteren Aufbaus.

Aber hier erhob sich gebieterisch die Frage der Perspektiven, des Charakters unserer Entwicklung, unseres Aufbaus, die Frage des Schicksals des Sozialismus in der Sowjetunion. In welcher Richtung soll der wirtschaftliche Aufbau in der Sowjetunion geführt werden, in der Richtung zum Sozialismus oder in irgendeiner anderen Richtung? Müssen und können wir die sozialistische Wirtschaft errichten, oder ist es uns beschieden, den Boden für eine andere, für die kapitalistische Wirtschaft zu düngen? Ist es überhaupt möglich, die sozialistische Wirtschaft in der Sowjetunion zu errichten, und, falls es möglich ist, ist dann ihre Errichtung möglich bei Verzögerung der Revolution in den kapitalistischen Ländern und bei Stabilisierung des Kapitalismus? Ist die Errichtung der sozialistischen Wirtschaft auf den Bahnen der Neuen Ökonomischen Politik möglich, die, während sie die Kräfte des Sozialismus im Lande in jeder Weise stärkt und erweitert, vorläufig zugleich auch ein gewisses Wachstum des Kapitalismus mit sich bringt? Wie ist die sozialistische Volkswirtschaft aufzubauen, von welcher Seite her ist dieser Aufbau in Angriff zu nehmen?

Alle diese Fragen erhoben sich gegen Ende der Wiederherstellungsperiode vor der Partei, nicht mehr als theoretische Fragen, sondern als Fragen der Praxis, als Fragen der tagtäglichen wirtschaftlichen Aufbauarbeit.

Alle diese Fragen mussten klipp und klar beantwortet werden, damit sowohl unsere Partei- und Wirtschaftsfunktionäre, die am Aufbau der Industrie und der Landwirtschaft arbeiteten, als auch das ganze Volk wisse, wohin man das Werk zu wenden habe, zum Sozialismus oder zum Kapitalismus.

Ohne klare Beantwortung dieser Fragen wäre unsere gesamte praktische Aufbauarbeit eine Arbeit ohne Perspektive, eine Arbeit ins Blinde hinein, eine Arbeit ins Leere gewesen.

Auf alle diese Fragen gab die Partei klare und bestimmte Antworten.

Jawohl, antwortete die Partei, die sozialistische Wirtschaft kann und muss in unserem Lande errichtet werden, denn wir haben alles, was notwendig ist, um die sozialistische Wirtschaft, die vollendete sozialistische Gesellschaft zu errichten. Im Oktober 1917 hat die Arbeiter-klasse den Kapitalismus politisch besiegt, ihre politische Diktatur aufgerichtet. Seitdem hat die Sowjetmacht alle Maßnahmen getroffen, um die wirtschaftliche Macht des Kapitalismus zu brechen und die Vorbedingungen für die Errichtung der sozialistischen Volkswirtschaft zu schaffen. Expropriation der Kapitalisten und Gutsbesitzer; Überführung des Bodens, der Fabriken, der Werke, der Verkehrsmittel, der Banken in das Gemeineigentum des Volkes; Durchführung der Neuen Ökonomischen Politik; Aufbau der sozialistischen Staatsindustrie; Verwirklichung des Lenin schen Genossenschaftsplans - das waren diese Maßnahmen. Jetzt besteht die Hauptaufgabe darin, im ganzen Lande den Aufbau einer neuen, der sozialistischen Wirtschaft zu entfalten und damit dem Kapitalismus auch ökonomisch den Todesstoß zu versetzen. Unsere gesamte praktische Arbeit, alle unsere Handlungen müssen den Bedürfnissen der Erfüllung dieser Hauptaufgabe untergeordnet werden. Die Arbeiterklasse kann dies tun und sie wird dies tun. Die Erfüllung dieser grandiosen Aufgaben muss man mit der Industrialisierung des Landes beginnen. Die sozialistische Industrialisierung des Landes - das ist das Hauptkettenglied, das angepackt werden muss, um den Aufbau der sozialistischen Volkswirtschaft voll in Gang zu bringen. Weder die Verzögerung der Revolution im Westen noch die teilweise Stabilisierung des Kapitalismus in den nichtsowjetischen Ländern können unseren Vormarsch zum Sozialismus aufhalten. Die Neue Ökonomische Politik kann dieses Werk nur erleichtern, denn sie war von der Partei eingeführt worden, eben um den Bau des sozialistischen Fundaments unserer Volkswirtschaft zu erleichtern.

So lautete die Antwort der Partei auf die Frage nach dem Sieg des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande.

Aber die Partei wusste, dass das Problem des Sieges des Sozialismus in einem Lande damit nicht erschöpft ist. Die Errichtung des Sozialismus in der Sowjetunion stellt die gewaltigste Wendung in der Geschichte der Menschheit und einen welthistorischen Sieg der Arbeiterklasse und der Bauernschaft der Sowjetunion dar. Aber sie ist dennoch eine innere Angelegenheit der Sowjetunion und bildet lediglich einen Teil des Problems des Sieges des Sozialismus. Den anderen Teil des Problems bildet die internationale Seite der Frage. Bei Begründung des Leitsatzes vom Siege des Sozialismus in einem Lande wies Genosse Stalin wiederholt darauf hin, dass man die beiden Seiten dieser Frage, die innere und die internationale, voneinander unterscheiden muss. Was die innere Seite der Frage, das heißt die Wechselbeziehungen der Klassen innerhalb des Landes betrifft, so können die Arbeiterklasse und die Bauernschaft der Sowjetunion ihre eigene Bourgeoisie ökonomisch völlig überwinden und die vollendete sozialistische Gesellschaft errichten. Die Frage hat aber noch ihre internationale Seite, das heißt das Gebiet der auswärtigen Beziehungen, das Gebiet der Beziehungen zwischen dem Sowjetland und den kapitalistischen Ländern, zwischen dem Sowjetvolk und der internationalen Bourgeoisie, die die Sowjetordnung hasst und nach einer Gelegenheit sucht, eine neue bewaffnete Intervention gegen das Sowjetland ins Werk zu setzen, neue Versuche zur Wiederherstellung des Kapitalismus in der Sowjetunion zu unternehmen. Und da die Sowjetunion vorläufig das einzige Land des Sozialismus ist, die übrigen Länder aber noch kapitalistisch geblieben sind, so besteht die kapitalistische Umkreisung der Sowjetunion weiter, was die Gefahr einer kapitalistischen Intervention heraufbeschwört. Es ist klar, dass, solange die kapitalistische Umkreisung der Sowjetunion besteht, die Gefahr einer kapitalistischen Intervention bestehen bleibt. Kann das Sowjetvolk allein, aus eigener Kraft, diese äußere Gefahr, die Gefahr der kapitalistischen Intervention gegen die Sowjetunion beseitigen? Nein, das kann es nicht. Das kann es nicht, da es zur Beseitigung der Gefahr einer kapitalistischen Intervention notwendig ist, die kapitalistische Umkreisung zu beseitigen, die kapitalistische Umkreisung zu beseitigen ist aber nur möglich im Ergebnis einer siegreichen proletarischen Revolution mindestens in einigen Ländern. Daraus folgt aber, dass der Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion, der seinen Ausdruck findet in der Beseitigung des kapitalistischen Wirtschaftssystems und in der Errichtung des sozialistischen Wirtschaftssystems, dennoch nicht als endgültiger Sieg betrachtet werden kann, insofern die Gefahr einer bewaffneten ausländischen Intervention, die Gefahr von Versuchen zu r Restauration des Kapitalismus, noch nicht beseitigt ist, insofern das Land des Sozialismus gegen eine solche Gefahr auch weiterhin noch nicht gesichert ist. Um die Gefahr einer ausländischen kapitalistischen Intervention zu beseitigen, muss die kapitalistische Umkreisung beseitigt werden.

Natürlich werden das Sowjetvolk und seine Rote Armee bei richtiger Politik der Sowjetmacht eine neue ausländische kapitalistische Intervention ebenso nach Gebühr zurückzuschlagen wissen, wie sie die erste kapitalistische Intervention in den Jahren 1918 bis 1920 zurückgeschlagen haben. Aber das heißt noch nicht, dass dadurch die Gefahr neuer kapitalistischer Interventionen beseitigt sein wird. Die Niederlage der ersten Intervention hat die Gefahr einer neuen Intervention nicht beseitigt, da die Quelle der Interventionsgefahr - die kapitalistische Umkreisung - weiter existiert. Auch die Niederlage einer neuen Intervention wird die Interventionsgefahr nicht beseitigen, wenn die kapitalistische Umkreisung noch weiter existieren wird.

Hieraus folgt, dass der Sieg der proletarischen Revolution in den kapitalistischen Ländern ein Lebensinteresse der Werktätigen der Sowjetunion ist.

Das war die Stellungnahme der Partei in der Frage des Sieges des Sozialismus in unserem Lande.

Das Zentralkomitee verlangte, dass diese Stellungnahme auf der bevorstehenden XIV. Parteikonferenz erörtert werde, dass sie gebilligt und angenommen werde als Stellungnahme der Partei, als ein für alle Parteimitglieder bindendes Gesetz der Partei.

Diese Stellungnahme der Partei wirkte auf die Oppositionellen wie ein betäubender Schlag, vor allem dadurch, dass die Partei ihrer Stellungnahme konkret-praktischen Charakter verlieh, sie mit dem praktischen Plan der sozialistischen Industrialisierung des Landes verband und verlangte, dass sie in die Form eines Parteigesetzes, in die Form einer für alle Parteimitglieder bindenden Resolution der XIV. Parteikonferenz gekleidet werde.

Die Trotzkisten wandten sich gegen die Stellungnahme der Partei und stellten ihr die menschewistische „Theorie der permanenten Revolution“ entgegen, die nur zum Hohn auf den Marxismus eine marxistische Theorie genannt werden konnte, und die die Möglichkeit des Sieges des sozialistischen Aufbaus in der Sowjetunion verneinte.

Die Bucharinleute wagten es nicht, direkt gegen die Stellungnahme der Partei aufzutreten. Aber trotzdem begannen sie ihr unter der Hand ihre „Theorie“ des friedlichen Hineinwachsens der Bourgeoisie in den Sozialismus entgegenzustellen, die sie durch die „neue“ Losung „Bereichert euch!“ ergänzten. Die Behauptungen der Bucharinleute liefen darauf hinaus, dass der Sieg des Sozialismus nicht die Liquidierung der Bourgeoisie, sondern ihre Großzüchtung und Bereicherung bedeute.

Sinowjew und Kamenew wagten sich zwar einmal mit der Erklärung hervor, dass der Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion infolge ihrer technisch-ökonomischen Rückständigkeit unmöglich sei, sahen sich aber dann gezwungen, sich seitwärts in die Büsche zu schlagen.

Die XIV. Parteikonferenz (April 1925) verurteilte alle diese Kapitulations„theorien“ der offenen und verkappten Oppositionellen, bestätigte die Stellungnahme der Partei für den Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion und nahm eine entsprechende Resolution an.

An die Wand gedrückt, zogen Sinowjew und Kamenew es vor, für diese Resolution zu stimmen. Die Partei aber wusste, dass sie den Kampf gegen die Partei nur aufgeschoben, dass sie beschlossen hatten, auf dem XIV. Parteitag „der Partei eine Schlacht zu liefern“. Sie sammelten ihre Anhänger in Lenin grad und bildeten die so genannte „neue Opposition“.

Im Dezember 1925 wurde der XIV. Parteitag eröffnet.

Der Parteitag fand in einer gespannten innerparteilichen Situation statt. Seitdem die Partei bestand, war es noch nicht vorgekommen, dass die ganze Delegation eines der größten Parteizentren, wie die Lenin grader, sich anschickte, gegen ihr Zentralkomitee aufzutreten.

Auf dem Parteitag waren 665 Delegierte mit beschließender Stimme und 641 mit beratender Stimme anwesend, die 643000 Parteimitglieder und 445000 Kandidaten vertraten, das heißt etwas weniger als auf dem vorhergehenden Parteitag. Hier wirkten sich die Ergebnisse einer teilweisen Reinigung der Parteizellen in den Hochschulen und Bürobetrieben aus, in denen sich Unrat, parteifeindliche Elemente angesammelt hatten.

Den politischen Bericht des Zentralkomitees erstattete Genosse Stalin. Er entwarf ein klares Bild vom Wachstum der politischen und wirtschaftlichen Macht der Sowjetunion. Sowohl die Industrie als auch die Landwirtschaft waren dank den Vorzügen des Sowjetwirtschaftssystems in verhältnismäßig kurzer Zeit wiederhergestellt worden und näherten sich dem Vorkriegsniveau. Ungeachtet dieser Erfolge forderte Genosse Stalin auf, sich damit nicht zufrieden zu geben, da diese Erfolge nicht die Tatsache aus der Welt schaffen konnten, dass unser Land immer noch ein rückständiges Land, ein Agrarland blieb. Zwei Drittel der Gesamtproduktion lieferte die Landwirtschaft, nur ein Drittel die Industrie. Vor der Partei, sagte Genosse Stalin, steht in vollem Umfang die Frage der Verwandlung unseres Landes in ein von den kapitalistischen Ländern ökonomisch unabhängiges Industrieland. Das kann getan werden und das muss getan werden. Zur zentralen Aufgabe der Partei wird der Kampf für die sozialistische Industrialisierung des Landes, der Kampf für den Sieg des Sozialismus.

„Unser Land aus einem Agrarland in ein Industrieland zu verwandeln, das imstande ist, aus eigener Kraft die notwendige Produktionsausrüstung zu erzeugen, darin besteht das Wesen, die Grundlage unserer Generallinie“, erklärte Genosse Stalin.

Die Industrialisierung des Landes war geeignet, die wirtschaftliche Selbständigkeit des Landes zu sichern, seine Wehrkraft zu stärken und die für den Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion notwendigen Vorbedingungen zu schaffen.

Gegen die Generallinie der Partei traten die Sinowjewleute auf. Dem Stalinschen Plan der sozialistischen Industrialisierung stellte der Sinowjewmann Sokolnikow einen bürgerlichen Plan entgegen, der unter den Haifischen des Imperialismus im Schwange war. Gemäß diesem Plan sollte die Sowjetunion ein Agrarland bleiben, das hauptsächlich Rohstoffe und Lebensmittel erzeugt, diese ins Ausland ausführt und von dort Maschinen einführt, die es selber nicht erzeugt und nicht erzeugen soll. Wie die Dinge im Jahre 1925 lagen, nahm sich dieser Plan aus wie ein Plan der ökonomischen Versklavung der Sowjetunion durch das industriell entwickelte Ausland, wie ein Plan der Verewigung der industriellen Rückständigkeit der Sowjetunion zu Nutz und Frommen der imperialistischen Haifische der kapitalistischen Länder.

Diesen Plan annehmen hätte geheißen, unser Land in ein hilfloses agrarisches Anhängsel der kapitalistischen Welt zu verwandeln, es gegenüber der kapitalistischen Umwelt zu Wehrlosigkeit und Ohnmacht zu verurteilen und, am Ende, die Sache des Sozialismus in der Sowjetunion zu begraben.

Der Parteitag brandmarkte den wirtschaftlichen „Plan“ der Sinowjewleute als einen Plan der Versklavung der Sowjetunion.

Der „neuen Opposition“ halfen auch solche Vorstöße nicht wie die Behauptung (entgegen Lenin !), dass unsere staatliche Industrie angeblich keine sozialistische Industrie sei, oder die Erklärung (ebenfalls entgegen Lenin !), dass der Mittelbauer angeblich kein Bundesgenosse der Arbeiterkasse in der sozialistischen Aufbauarbeit sein könne.

Der Parteitag brandmarkte diese Vorstöße der „neuen Opposition“ als anti Lenin istisch.

Genosse Stalin entlarvte das trotzkistisch-menschewistische Wesen der „neuen Opposition“. Er zeigte, dass Sinowjew und Kamenew nur die Sprüchlein der Feinde der Partei nachbeteten, gegen die Lenin seinerzeit einen schonungslosen Kampf geführt hatte.

Es war klar, dass die Sinowjewleute nur schlecht maskierte Trotzkisten waren.

Genosse Stalin hob hervor, dass die wichtigste Aufgabe der Partei das feste Bündnis der Arbeiterklasse mit dem Mittelbauern beim Aufbau des Sozialismus ist. Er verwies auf zwei Abweichungen in der Bauernfrage, die damals in der Partei vorhanden waren und für dieses Bündnis eine Gefahr darstellten. Die erste Abweichung war die Unterschätzung und Bagatellisierung der Kulakengefahr, die zweite war die Panik, das Erschrecken vor dem Kulaken und die Unterschätzung der Rolle des Mittelbauern. Auf die Frage, welche Abweichung schlimmer sei, antwortete Genosse Stalin: „Beide sind ‚schlimmer’, sowohl die erste als auch die zweite Abweichung, und falls diese Abweichungen um sich greifen, so sind sie imstande, die Partei zu zersetzen und zugrunde zu richten. Zum Glück gibt es in unserer Partei Kräfte, die sowohl die erste als auch die zweite Abweichung ausmerzen können.“

Die Partei hat in der Tat sowohl die „linke“ als auch die rechte Abweichung zerschlagen und ausgemerzt.

Die Ergebnisse der Diskussion über den wirtschaftlichen Aufbau zusammenfassend, lehnte der XIV. Parteitag die Kapitulationspläne der Oppositionellen einmütig ab und legte in seinem berühmten Beschluss folgendes fest:

„Auf dem Gebiet des ökonomischen Aufbaus geht der Parteitag davon aus, dass unser Land, das Land der Diktatur des Proletariats, ‚alles für die Errichtung der vollendeten sozialistischen Gesellschaft Notwendige’ besitzt ( Lenin ). Der Parteitag ist der Auffassung, dass der Kampf für den Sieg des sozialistischen Aufbaus in der Sowjetunion die grundlegende Aufgabe unserer Partei ist.“

Der XIV. Parteitag bestätigte das neue Parteistatut.

Seit dem XIV. Parteitag nennt unsere Partei sich Kommunistische Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) - KPdSU(B).

Die auf dem Parteitag geschlagenen Sinowjewleute fügten sich der Partei nicht. Sie begannen einen Kampf gegen die Beschlüsse des XIV. Parteitags. Sofort nach dem XIV. Parteitag veranstaltete Sinowjew eine Versammlung des Lenin grader Gouvernementskomitees des Kommunistischen Jugendverbandes, dessen Spitzengruppe von Sinowjew, Saluzki, Bakajew, Jewdokimow, Kuklin, Safarow und anderen Doppelzünglern im Geiste des Hasses gegen das Lenin sche Zentralkomitee der Partei erzogen worden war. In dieser Versammlung fasste das Lenin grader Gouvernementskomitee des Kommunistischen Jugendverbandes den in der Geschichte des Lenin schen Kommunistischen Jugendverbandes der Sowjetunion (WLKSM) unerhörten Beschluss, sich zu weigern, den Beschlüssen des XIV. Parteitags Folge zu leisten.

Aber die aus Sinowjewschen Elementen bestehende Spitzengruppe des Lenin grader Kommunistischen Jugendverbands widerspiegelte durchaus nicht die Stimmung der Massen des Lenin grader Kommunistischen Jugendverbands. Daher wurde sie ohne große Mühe zerschlagen, und bald nahm die Lenin grader kommunistische Jugendorganisation von neuem den ihr gebührenden Platz im Kommunistischen Jugendverband ein.

Als der XIV. Parteitag zu Ende ging, wurde eine Gruppe von Parteitagsdelegierten - die Genossen Molotow, Kirow, Woroschilow, Kalinin, Andrejew und andere - nach Lenin grad entsandt. Es galt, den Mitgliedern der Lenin grader Parteiorganisation den verbrecherischen, antibolschewistischen Charakter des Standpunkts klarzumachen, den die Lenin grader Delegation, die ihre Mandate mit betrügerischen Methoden erlangt hatte, auf dem Parteitag vertrat. Die Versammlungen zur Entgegennahme der Berichte über den Parteitag verliefen stürmisch. Es wurde eine neue außerordentliche Lenin grader Parteikonferenz einberufen. Die übergroße Masse der Mitglieder der Lenin grader Parteiorganisation (mehr als 97 Prozent) billigte voll und ganz die Beschlüsse des XIV. Parteitags und verurteilte die parteifeindliche Sinowjewsche „neue Opposition“. Diese stellte schon damals Generale ohne Armee dar.

Die Lenin grader Bolschewiki verblieben in den vordersten Reihen der Partei Lenin s-Stalins.

Bei Zusammenfassung der Ergebnisse der Arbeiten des XIV. Parteitags schrieb Genosse Stalin:

„Die historische Bedeutung des XIV. Parteitags der Kommunistischen Partei der Sowjetunion besteht darin, dass er es verstand, die Fehler der neuen Opposition bis auf die Wurzeln aufzudecken, dass er ihren Unglauben und ihr Flennen völlig unbeachtet ließ, klar und deutlich den Weg des weiteren Kampfes für den Sozialismus vorzeichnete, der Partei die Perspektive des Sieges gab und damit das Proletariat mit dem unerschütterlichen Glauben an den Sieg des sozialistischen Aufbaus ausgerüstet hat.“ (Stalin, Fragen des Lenin ismus, Dietz Verlag, Berlin 1950, S. 192.)

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