GESCHICHTE DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DER SOWJETUNION (BOLSCHEWIKI)

KAPITEL X
Die Partei der Bolschewiki im Kampfe für die sozialistische Industrialisierung des Landes
(1926-1929)

3
Die Offensive gegen das Kulakentum
Die parteifeindliche Bucharin-Rykow-Gruppe
Die Annahme des ersten Fünfjahrplans
Der sozialistische Wettbewerb
Der Beginn der kollektivwirtschaftlichen Massenbewegung

Die Agitation des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks gegen die Politik der Partei, gegen den Aufbau des Sozialismus, gegen die Kollektivierung, ebenso wie die Agitation der Bucharinleute, dass aus den Kollektivwirtschaften nichts werden könne, dass man die Kulaken nicht antasten solle, da sie von selbst in den Sozialismus „hineinwachsen“ würden, dass die Bereicherung der Bourgeoisie keine Gefahr für den Sozialismus darstelle - diese ganze Agitation fand großen Widerhall unter den kapitalistischen Elementen des Landes und vor allem unter dem Kulakentum. Die Kulaken wussten jetzt aus den Pressestimmen, dass sie nicht allein dastanden, dass sie in Trotzki, Sinowjew, Kamenew, Bucharin, Rykow u. a. Verteidiger und Fürsprecher hatten. Selbstverständlich musste dieser Umstand den Widerstandsgeist des Kulakentums gegen die Politik der Sowjetregierung stärken. Und in der Tat begannen die Kulaken, mehr und mehr Widerstand zu leisten. Die Kulaken weigerten sich in Massen, dem Sowjetstaat die Getreideüberschüsse zu verkaufen, die sich bei ihnen in beträchtlichen Mengen angehäuft hatten. Sie begannen gegen Kollektivbauern, gegen Partei- und Sowjetarbeiter im Dorfe Terror auszuüben und Kollektivwirtschaften sowie staatliche Getreidespeicher in Brand zu stecken.

Die Partei wusste wohl: solange nicht der Widerstand des Kulakentums gebrochen, solange nicht das Kulakentum in offenem Kampfe vor den Augen der Bauernschaft geschlagen sein wird, werden die Arbeiterklasse und die Rote Armee Brotmangel leiden und wird die Kollektivierungsbewegung der Bauern keinen Massencharakter annehmen können.

Entsprechend den Direktiven des XV. Parteitags ging die Partei zur entschiedenen Offensive gegen das Kulakentum über. In ihrer Offensive verwirklichte die Partei die Losung: fest gestützt auf die arme Bauernschaft und das Bündnis mit den Mittelbauern stärkend, einen entschiedenen Kampf gegen das Kulakentum einzuleiten. Als Antwort auf die Weigerung des Kulakentums, dem Staat die Getreideüberschüsse zu festen Preisen zu verkaufen, führten die Partei und die Regierung eine Reihe außerordentlicher Maßnahmen gegen das Kulakentum durch, brachten den Artikel 107 des Strafgesetzbuchs zur Anwendung, wonach die Getreideüberschüsse der Kulaken und Spekulanten gerichtlich beschlagnahmt werden, falls sie sich weigern, diese Überschüsse dem Staat zu festen Preisen zu verkaufen, und gewährten der Dorfarmut eine Reihe von Vergünstigungen, durch welche der armen Bauernschaft 25 Prozent des beschlagnahmten Getreides der Kulaken übergeben wurden.

Die außerordentlichen Maßnahmen verfehlten nicht ihre Wirkung: die armen Bauern und die Mittelbauern schlossen sich dem entschiedenen Kampf gegen das Kulakentum an, das Kulakentum wurde isoliert, der Widerstand des Kulakentums und der Spekulanten wurde gebrochen. Ende 1928 standen dem Sowjetstaat bereits genügende Getreidevorräte zur Verfügung, und die Kollektivierungsbewegung ging festeren Schrittes voran.

In demselben Jahre wurde eine große Schädlingsorganisation bürgerlicher Spezialisten im Schachty-Rayon im Donezbecken aufgedeckt. Die Schachty-Schädlinge standen in enger Verbindung mit den ehemaligen Besitzern der Betriebe, russischen und ausländischen Kapitalisten, sowie mit der ausländischen Militärspionage. Sie setzten sich das Ziel, die Entwicklung der sozialistischen Industrie zu hintertreiben und die Wiederherstellung des Kapitalismus in der Sowjetunion zu erleichtern. Die Schädlinge führten den Abbau der Kohlenlager unrichtig durch, um die Kohlenförderung zu senken. Sie beschädigten die Maschinen, die Lüftungsanlagen, führten Einstürze, Explosionen und Brände in den Gruben, Fabriken und Kraftwerken herbei. Die Schädlinge hemmten bewusst die Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und verletzten die Sowjetgesetze über den Arbeitsschutz.

Die Schädlinge wurden zur Verantwortung gezogen. Das Gericht ließ ihnen die verdiente Strafe zuteil werden.

Das Zentralkomitee der Partei forderte alle Parteiorganisationen auf, aus dem Schachty-Prozess die Lehren zu ziehen. Genosse Stalin wies darauf hin, dass die bolschewistischen Wirtschaftler selbst Kenner der Produktionstechnik werden müssen, damit sie in Zukunft von den Schädlingen aus den Kreisen der alten bürgerlichen Spezialisten nicht betrogen werden können, dass die Ausbildung neuer technischer Kader aus den Reihen der Arbeiterklasse beschleunigt werden müsse.

Auf Beschluss des Zentralkomitees wurde die Arbeit zur Ausbildung junger Spezialisten in höheren technischen Lehranstalten verbessert. Tausende von Parteimitgliedern, Komsomolzen und der Sache der Arbeiterklasse ergebenen Parteilosen wurden zum Studium herangezogen.

Vor dem Übergang der Partei zur Offensive gegen das Kulakentum, solange die Partei mit der Liquidierung des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks beschäftigt war, verhielt sich die Bucharin-Rykow-Gruppe mehr oder weniger ruhig, blieb sie in der Reserve der parteifeindlichen Kräfte, entschloss sie sich nicht, die Trotzkisten offen zu unterstützen, und trat sogar zuweilen zusammen mit der Partei gegen die Trotzkisten auf. Als jedoch die Partei zur Offensive gegen das Kulakentum überging und außerordentliche Maßnahmen gegen das Kulakentum anwendete, warf die Bucharin-Rykow-Gruppe die Maske ab und wandte sich offen gegen die Politik der Partei. Die Kulakenseele der Bucharin-Rykow-Gruppe bäumte sich auf, und die Anhänger dieser Gruppe gingen nunmehr zur offenen Verteidigung des Kulakentums über. Sie forderten die Aufhebung der außerordentlichen Maßnahmen, schreckten die Einfältigen, dass andernfalls eine „Degradation“ (Abwärtsbewegung, Niedergang, Zerfall) der Landwirtschaft einsetzen könne, und behaupteten, dass die Degradation bereits begonnen habe. Da sie das Wachstum der Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften, dieser höheren Formen der Landwirtschaft, nicht sahen, wohl aber den Niedergang der Kulakenwirtschaft, stellten sie die Degradation der Kulakenwirtschaft als Degradation der Landwirtschaft hin. Um sich eine theoretische Stütze zuzulegen, heckten sie die lächerliche „Theorie vom Erlöschen des Klassenkampfes“ aus und behaupteten auf Grund dieser Theorie, je mehr Erfolge der Sozialismus in seinem Kampfe gegen die kapitalistischen Elemente aufzuweisen haben werde, desto mehr werde sich der Klassenkampf mildern, der Klassenkampf werde bald vollständig erlöschen, und der Klassenfeind werde alle seine Positionen ohne Widerstand aufgeben, weshalb man keine Offensive gegen das Kulakentum zu unternehmen brauche. Dadurch stellten sie ihre fadenscheinige bürgerliche Theorie vom friedlichen Hineinwachsen des Kulakentums in den Sozialismus wieder her und traten den bekannten Leitsatz des Lenin ismus mit Füßen, dass der Widerstand des Klassenfeindes um so schärfere Formen annehmen wird, je mehr er den Boden unter den Füßen verliert, je mehr Erfolge der Sozialismus haben wird, und dass der Klassenkampf erst nach der Vernichtung des Klassenfeindes „erlöschen“ kann.

Es war nicht schwer zu verstehen, dass die Partei in der Bucharin-Rykow-Gruppe eine rechtsopportunistische Gruppe vor sich hatte, die sich vom trotzkistisch-sinowjewistischen Block nur der Form nach unterschied, nur dadurch, dass die Trotzkisten und Sinowjewleute gewisse Möglichkeiten hatten, ihre Kapitulantennatur durch linke, marktschreierisch-revolutionäre Phrasen über die „permanente Revolution“ zu maskieren, während die Bucharin-Rykow-Gruppe, die im Zusammenhang mit dem Übergang der Partei zur Offensive gegen das Kulakentum gegen die Partei Stellung nahm, nicht mehr die Möglichkeit hatte, ihr Kapitulantengesicht zu maskieren, und gezwungen war, die reaktionären Kräfte unseres Landes, vor allem das Kulakentum, offen, unverblümt, ohne Maske zu verteidigen.

Die Partei begriff, dass die Bucharin-Rykow-Gruppe früher oder später dazu kommen musste, den Überresten des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks zum gemeinsamen Kampf gegen die Partei die Hand zu reichen.

Gleichzeitig mit ihren politischen Vorstößen betrieb die Bucharin-Rykow-Gruppe eine organisatorische „Arbeit“ zur Sammlung ihrer Anhänger. Durch Bucharin zog sie die bürgerliche Jugend vom Schlage der Slepkow, Marezki, Eichenwald, Goldenberg und anderer heran, durch Tomski die bürokratisierten Spitzen der Gewerkschaften (Melnitschanski, Dogadow u. a.), durch Rykow die demoralisierten Spitzenfunktionäre des Sowjetapparats (A. Smirnow, Eismont, W. Schmidt u. a.). Der Gruppe schlossen sich bereitwillig Leute an. die politisch demoralisiert waren und ihre Kapitulantenstimmungen nicht verheimlichten.

Um diese Zeit fand die Bucharin-Rykow-Gruppe Unterstützung bei der damaligen Spitze der Moskauer Parteiorganisation (Uglanow, Kotow, Uchanow, Rjutin, Jagoda, Polonski u. a.). Dabei blieb ein Teil der Rechten auch weiterhin getarnt und trat nicht offen gegen die Parteilinie auf. In den Spalten der Moskauer Parteipresse und in Parteiversammlungen wurde darüber gepredigt, dass es notwendig sei, dem Kulakentum Zugeständnisse zu machen, dass die Belastung der Kulaken mit Steuern unzweckmäßig sei, dass die Industrialisierung für das Volk beschwerlich und der Aufbau der Schwerindustrie verfrüht sei. Uglanow wandte sich gegen den Bau der Dnjepr-Kraftwerke und forderte die Umleitung der Geldmittel aus der Schwerindustrie in die Leichtindustrie. Uglanow und andere rechte Kapitulanten versicherten, dass Moskau eine Stadt des Kattuns war und bleiben werde, und dass es nicht nötig sei, in Moskau Maschinenfabriken zu bauen.

Die Moskauer Parteiorganisation entlarvte Uglanow und seine Anhänger, erteilte ihnen eine letzte Warnung und schloss sich noch enger um das Zentralkomitee der Partei zusammen. Genosse Stalin wies auf dem Plenum des Moskauer Komitees der KPdSU(B) im Jahre 1928 auf die Notwendigkeit hin, den Kampf an zwei Fronten zu führen, aber das Feuer gegen die rechte Abweichung zu konzentrieren. Die Rechten, sagte Genosse Stalin, stellen eine Agentur der Kulaken in der Partei dar.

„Ein Sieg der rechten Abweichung in unserer Partei würde die Kräfte des Kapitalismus entfesseln, die revolutionären Positionen des Proletariats untergraben und die Chancen für die Wiederherstellung des Kapitalismus in unserem Lande erhöhen“, sagte Genosse Stalin. (Stalin. Fragen des Lenin ismus, S. 255.)

Anfang 1929 stellte sich heraus, dass Bucharin als Bevollmächtigter der Gruppe der rechten Kapitulanten durch Kamenew mit den Trotzkisten in Verbindung getreten war und mit ihnen ein Übereinkommen zum gemeinsamen Kampf gegen die Partei ausarbeitete. Das Zentralkomitee entlarvte diese verbrecherische Tätigkeit der rechten Kapitulanten und erklärte warnend, dass die Sache für Bucharin, Rykow, Tomski und die anderen ein klägliches Ende nehmen könne. Aber die rechten Kapitulanten gaben ihr Treiben nicht auf. Sie traten im Zentralkomitee mit einer neuen parteifeindlichen Plattform, mit einer Deklaration auf, die vom Zentralkomitee verurteilt wurde. Das Zentralkomitee warnte sie neuerlich, brachte ihnen das Schicksal des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks in Erinnerung. Trotzdem setzte die Gruppe Bucharin-Rykow ihre parteifeindliche Tätigkeit fort. Rykow, Tomski und Bucharin übermittelten dem Zentralkomitee eine Erklärung über ihre Demission und glaubten damit die Partei zu schrecken. Das Zentralkomitee verurteilte diese Sabotagepolitik der Demissionen. Schließlich erklärte das Novemberplenum des Zentralkomitees im Jahre 1929 die Propagierung der Anschauungen der rechten Opportunisten für unvereinbar mit dem Verbleiben in der Partei, verfügte den Ausschluss Bucharins als des Anführers und Leiters der rechten Kapitulanten aus dem Politbüro des Zentralkomitees und erteilte Rykow, Tomski und anderen Teilnehmern der rechten Opposition eine ernste Verwarnung.

Als die Anführer der rechten Kapitulanten sahen, dass die Sache für sie eine klägliche Wendung nahm, gaben sie Erklärungen ab, in denen sie ihre Fehler sowie die Richtigkeit der politischen Linie der Partei anerkannten.

Die rechten Kapitulanten beschlossen, sich zeitweilig zurückzuziehen, um ihre Kader vor der Zerschlagung zu bewahren.

Damit endete die erste Etappe des Kampfes der Partei gegen die rechten Kapitulanten.

Die neuen Meinungsverschiedenheiten in der Partei entgingen nicht der Aufmerksamkeit der äußeren Feinde der Sowjetunion. In der Annahme, dass die „neuen Zwistigkeiten“ in der Partei ein Zeichen der Schwächung der Partei seien, unternahmen sie einen neuen Versuch, die Sowjetunion in einen Krieg hineinzuziehen und die noch nicht gefestigte Industrialisierung des Landes zum Scheitern zu bringen. Im Sommer 1929 organisierten die Imperialisten einen Konflikt Chinas mit der Sowjetunion, die Besetzung der Ostchinabahn (die der Sowjetunion gehörte) durch chinesische Militaristen und einen überfall chinesischer weißer Truppen auf die fernöstlichen Grenzen unserer Heimat. Aber dem Einfall der chinesischen Militaristen wurde in kurzer Zeit ein Ende bereitet; die von der Roten Armee geschlagenen Militaristen zogen sich zurück, und der Konflikt endete mit einem friedlichen Abkommen mit den mandschurischen Behörden.

Die Friedenspolitik der Sowjetunion blieb abermals siegreich trotz allem, trotz der Ränke der äußeren Feinde und der „Zwistigkeiten“ innerhalb der Partei.

Bald darauf wurden die seinerzeit von den englischen Konservativen abgebrochenen diplomatischen und Handelsbeziehungen der Sowjetunion mit England wiederhergestellt.

Während die Partei die Attacken der äußeren und inneren Feinde erfolgreich zurückschlug, leistete sie gleichzeitig Großes in der Entfaltung des Aufbaus der Schwerindustrie, in der Organisierung des sozialistischen Wettbewerbs, im Aufbau von Sowjetwirtschaften und Kollektivwirtschaften und schließlich in der Schaffung der Vorbedingungen, die notwendig waren, um den ersten Fünfjahrplan der Volkswirtschaft anzunehmen und durchzuführen.

Im April 1929 trat die XVI. Parteikonferenz zusammen. Die Hauptfrage der Konferenz war der erste Fünfjahrplan. Die Konferenz lehnte die von den rechten Kapitulanten verteidigte „minimale“ Variante des Fünfjahrplans ab und nahm die „optimale“ Variante des Fünfjahrplans als unter allen Umständen verbindlich an.

Die Partei nahm damit den berühmten ersten Fünfjahrplan des Aufbaus des Sozialismus an.

Im Fünfjahrplan wurde der Umfang der Kapitalinvestitionen in der Volkswirtschaft in den Jahren 1928-1933 mit 64,6 Milliarden Rubel festgelegt. Davon sollten in der Industrie, die Elektrifizierung mit eingeschlossen, 19,5 Milliarden Rubel, im Verkehrswesen 10 Milliarden Rubel, in der Landwirtschaft 23,2 Milliarden Rubel investiert werden.

Das war ein grandioser Plan zur Ausrüstung der Industrie und der Landwirtschaft der Sowjetunion mit modernen technischen Mitteln.

„Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans“, sagte Genosse Stalin, „bestand darin, in unserem Lande eine Industrie zu schaffen, die imstande sein würde, nicht allein die ganze Industrie, sondern auch das Verkehrswesen und die Landwirtschaft auf der Grundlage des Sozialismus neu auszurüsten und zu reorganisieren.“ (Stalin, Fragen des Lenin ismus, S. 447.)

Dieser Plan war für die Bolschewiki trotz seiner gewaltigen Ausmaße nichts Überraschendes und Schwindelerregendes. Er war durch den gesamten Entwicklungsgang der Industrialisierung und Kollektivierung vorbereitet. Er war durch den Arbeitsaufschwung vorbereitet, der schon vorher die Arbeiter und Bauern erfasst und im sozialistischenWettbewerb seinen Ausdruck gefunden hatte.

Die XVI. Parteikonferenz beschloss einen Aufruf an alle Werktätigen zur Entfaltung des sozialistischen Wettbewerbs.

Der sozialistische Wettbewerb ergab bewunderungswürdige Vorbilder der Arbeitsleistung und des neuen Verhaltens zur Arbeit. Die Arbeiter und Kollektivbauern stellten in vielen Betrieben, in Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften höhere Gegenpläne auf. Sie lieferten Beispiele heroischer Arbeit. Sie erfüllten nicht nur die von der Partei und der Regierung festgelegten Pläne des sozialistischen Aufbaus, sondern überboten sie auch. Die Einstellung der Menschen zur Arbeit änderte sich. Die Arbeit verwandelte sich aus Zwang und Fron, die sie unter dem Kapitalismus war, „in eine Sache der Ehre und Würde, des Ruhmes und Heldentums“. (Stalin.)

Im ganzen Lande vollzog sich ein neuer gigantischer Aufbau der Industrie. Der Bau der Dnjepr-Wasserkraftwerke war in voller Entfaltung. Im Donezbecken begann der Bau der Werke von Kramatorsk und Gorlowka, der Umbau der Lugansker Lokomotivfabrik. Es entstanden neue Gruben und Hochöfen. Im Ural wurden die Uraler Maschinenbauwerke, in Beresniki und Solikamsk chemische Kombinate gebaut. Der Bau der Magnitogorsker Hüttenwerke wurde begonnen. Der Bau großer Automobilwerke in Moskau und in Gorki kam zu voller Entfaltung. Gigantische Traktorenwerke, Combinewerke, die Riesenwerke für den Bau landwirtschaftlicher Maschinen in Rostow am Don wurden gebaut. Die zweite Kohlenbasis der Sowjetunion, das Kusnezbecken, erweiterte sich immer mehr. Ein gewaltiges Traktorenwerk wuchs in elf Monaten in der Steppe, in Stalingrad, empor. Beim Bau der Dnjepr-Wasserkraftwerke und der Stalingrader Traktorenwerke schlugen die Arbeiter die Weltrekorde der Arbeitsproduktivität.

Die Geschichte hatte einen solchen Riesenumfang der industriellen Bautätigkeit, ein solches Pathos des Neuaufbaus, einen solchen Arbeitsheroismus der Millionenmassen der Arbeiterklasse noch niemals gesehen.

Ein wahrer Arbeitsschwung erfasste die Arbeiterklasse auf der Grundlage des sozialistischen Wettbewerbs.

Die Bauern blieben diesmal nicht hinter den Arbeitern zurück. Auch im Dorfe erfasste der Arbeitsschwung die Bauernmassen, die ihre Kollektivwirtschaften aufbauten. Die Bauernmassen wandten sich entschieden den Kollektivwirtschaften zu. Eine große Rolle spielten dabei die mit Traktoren und anderen Maschinen ausgerüsteten Sowjetwirtschaften und die Maschinen- und Traktorenstationen. Die Bauern kamen in Massen in die Sowjetwirtschaften, in die Maschinen- und Traktorenstationen, beobachteten die Arbeit der Traktoren, der landwirtschaftlichen Maschinen, bekundeten ihre Begeisterung und fassten sogleich den Beschluss, „in die Kollektivwirtschaft zu gehen“. In einzelbäuerliche Klein- und Zwergwirtschaften zersplittert, ohne auch nur einigermaßen taugliche Arbeitsinstrumente und ohne Zugkraft, ohne die Möglichkeit, große Neulandflächen zu bestellen, ohne die Aussicht, ihre Wirtschaft zu verbessern, durch die Not abgestumpft und vereinsamt, sich selbst überlassen, fanden die Bauern endlich einen Ausweg, den Weg zu einem besseren Leben; sie fanden ihn in der Vereinigung der Kleinwirtschaften zu Kollektiven, zu Kollektivwirtschaften; sie fanden ihn in den Traktoren, die jeden „harten Boden“, jedes Neuland pflügen können; sie fanden ihn in der Hilfe des Staates durch Maschinen, Geldmittel, Leute, Ratschläge; sie fanden ihn in der Möglichkeit, sich vom Joche der Kulaken zu befreien, die von der Sowjetregierung zur Freude der Millionenmassen der Bauernschaft erst vor kurzem aufs Haupt geschlagen und zu Boden geworfen worden waren.

Auf dieser Grundlage begann und entfaltete sich sodann die Massenbewegung zur Kollektivwirtschaft, die sich besonders Ende 1929 verstärkte und ein so ungeahntes Wachstumstempo der Kollektivwirtschaften zeitigte, wie es selbst unsere sozialistische Industrie noch nicht kannte.

Im Jahre 1928 betrug die Saatfläche der Kollektivwirtschaften 1390000 Hektar, im Jahre 1929 4262000 Hektar, im Jahre 1930 aber konnten die Kollektivwirtschaften bereits den Plan aufstellen, 15 Millionen Hektar unter den Pflug zu nehmen.

„Man muss anerkennen“, sagte Genosse Stalin in seinem Aufsatz „Das Jahr des großen Umschwungs“ (1929) über das Tempo des Wachstums der Kollektivwirtschaften, „dass ein so stürmisches Entwicklungstempo selbst unsere sozialisierte Großindustrie nicht kennt, deren Entwicklungstempo sich im allgemeinen durch besonders große Schwungkraft auszeichnet.“

Das war der Umschwung in der Entwicklung der Kollektivwirtschaftsbewegung.

Das war der Beginn der Massenbewegung für die Kollektivwirtschaften.

„Worin besteht das Neue in der jetzigen Kollektivwirtschaftsbewegung?“, fragte Genosse Stalin in seinem Aufsatz „Das Jahr des großen Umschwungs“. Und er antwortete:

„Das Neue und Entscheidende in der jetzigen Kollektivwirtschaftsbewegung besteht darin, dass die Bauern nicht wie früher in einzelnen Gruppen, sondern dass ganze Dörfer, Landbezirke und Rayons, ja sogar Kreise in die Kollektivwirtschaften eintreten. Was aber bedeutet das? Das bedeutet, dass der Mittelbauer in die Kollektivwirtschaften gegangen ist. Das ist die Grundlage jenes radikalen Umschwungs in der Entwicklung der Landwirtschaft, der die wichtigste Errungenschaft der Sowjetmacht darstellt.“

Das bedeutete, dass die Aufgabe der Liquidierung des Kulakentums als Klasse auf der Grundlage der durchgängigen Kollektivierung heranreifte oder bereits herangereift war.

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