GESCHICHTE DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DER SOWJETUNION (BOLSCHEWIKI)

KAPITEL XI
Die Partei der Bolschewiki im Kampfe für die Kollektivierung der Landwirtschaft
(1930-1934)

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Die Entartung der Bucharinleute zu politischen Doppelzünglern
Die Entartung der trotzkistischen Doppelzüngler zu einer weißgardistischen Bande von Mördern und Spionen
Der ruchlose Mord an Genossen S. M. Kirow
Die Maßnahmen der Partei zur Verstärkung der Wachsamkeit der Bolschewiki

Die Erfolge des Sozialismus in unserem Lande erfüllten nicht bloß die Partei, nicht bloß die Arbeiter und Kollektivbauern mit Freude. Sie erfüllten auch unsere gesamte Sowjetintelligenz, alle ehrlichen Bürger der Sowjetunion mit Freude.

Sie erfreuten aber nicht, sondern erbitterten immer mehr die Überreste der zerschlagenen Ausbeuterklassen.

Sie versetzten die Nachläufer der zerschlagenen Klassen, die erbärmlichen Überreste der Bucharinleute und Trotzkisten, in helle Wut.

Diese Herrschaften beurteilten die Errungenschaften der Arbeiter und Kollektivbauern nicht vom Standpunkt der Interessen des Volkes, das jede dieser Errungenschaften begrüßte, sondern vom Standpunkt der Interessen ihrer jämmerlichen, vom Leben losgerissenen und bis ins Mark verfaulten Fraktionsgruppe. Da die Erfolge des Sozialismus in unserem Lande den Sieg der Politik der Partei und den endgültigen Zusammenbruch der Politik dieser Herren bedeuteten, so begannen sie, anstatt die offensichtlichen Tatsachen anzuerkennen und sich in das gemeinsame Werk einzureihen, sich für ihren Misserfolg, für ihren Bankrott, an der Partei und am Volke zu rächen; sie begannen die Sache der Arbeiter und Kollektivbauern verbrecherisch zu schädigen, Kohlengruben zu sprengen, Fabriken in Brand zu stecken, in den Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften Schaden zu stiften, um die Errungenschaften der Arbeiter und Kollektivbauern zu zerstören und im Volke Unzufriedenheit mit der Sowjetmacht hervorzurufen. Um aber dabei ihre erbärmliche Gruppe vor der Entlarvung und Zerschlagung zu bewahren, legten sie die Maske von parteitreuen Leuten an, begannen sie immer mehr vor der Partei zu scharwenzeln, der Partei zu lobhudeln, vor ihr zu kriechen, während sie in der Tat ihre Wühlarbeit gegen die Arbeiter und Bauern im verborgenen fortsetzten.

Auf dem XVII. Parteitag hielten Bucharin, Rykow und Tomski reuige Reden; sie sangen der Partei Loblieder und hoben die Errungenschaften der Partei in den Himmel. Der Parteitag fühlte jedoch, dass ihre Reden den Stempel der Unaufrichtigkeit und Doppelzünglerei trugen, denn die Partei fordert von ihren Mitgliedern keine Lobhudelei und Verherrlichung ihrer Errungenschaften, sondern ehrliche Arbeit an der Front des Sozialismus, von der jedoch bei den Bucharinleuten schon lange nichts zu merken war. Die Partei sah, dass diese Herrschaften in Wirklichkeit in ihren heuchlerischen Reden ihren Anhängern außerhalb des Parteitags Winke gaben, sie Doppelzünglerei lehrten und dazu aufriefen, nicht die Waffen zu strecken.

Auf dem XVII. Parteitag traten auch die Trotzkisten auf - Sinowjew und Kamenew -, die sich wegen ihrer Fehler über alle Maßen geißelten und die Errungenschaften der Partei - ebenso maßlos - lobpriesen. Der Parteitag konnte aber nicht übersehen, dass sowohl die Ekel erregende Selbstgeißelung wie die widerlich-süßliche Lobpreisung der Partei die Kehrseite des unruhigen und bösen Gewissens, dieser Herren darstellten. Die Partei wusste jedoch noch nicht, ahnte noch nicht, dass diese Herrschaften, die auf dem Parteitag mit süßlichen Reden auftraten, gleichzeitig den ruchlosen Mord an Genossen Kirow vorbereiteten.

Am 1. Dezember 1934 wurde im Smolny in Lenin grad Genosse Kirow durch einen Revolverschuss ruchlos ermordet.

Der am Tatort ergriffene Mörder erwies sich als Mitglied einer konterrevolutionären unterirdischen Gruppe, die aus Teilnehmern der sowjetfeindlichen Sinowjewgruppe in Lenin grad organisiert worden war.

Der Mord an Genossen Kirow, dem Liebling der Partei, dem Liebling der Arbeiterklasse, rief bei den Werktätigen unseres Landes gewaltigen Zorn und tiefste Trauer hervor.

Die Untersuchung ergab, dass sich in den Jahren 1933/34 in Lenin grad aus früheren Teilnehmern der Sinowjew-Opposition eine unterirdische konterrevolutionäre Terroristengruppe gebildet hatte, an deren Spitze das so genannte „ Lenin grader Zentrum“ stand. Diese Gruppe setzte sich das Ziel, die Führer der Kommunistischen Partei zu ermorden. Als erstes Opfer war Genosse Kirow ausersehen. Aus den Aussagen der Teilnehmer dieser konterrevolutionären Gruppe ergab sich, dass sie mit Vertretern ausländischer kapitalistischer Staaten in Verbindung standen und von ihnen Gelder erhielten.

Die entlarvten Teilnehmer dieser Organisation wurden vom Militärkollegium des Obersten Gerichtshofes der Sowjetunion zur höchsten Strafe, zur Erschießung, verurteilt.

Bald danach wurde festgestellt, dass ein unterirdisches konterrevolutionäres „Moskauer Zentrum“ existierte. Die Untersuchung und der Prozess deckten auf, welche schändliche Rolle Sinowjew, Kamenew, Jewdokimow und andere Führer dieser Organisation bei der Züchtung von terroristischen Stimmungen unter ihren Gesinnungsgenossen, bei den Vorbereitungen zur Ermordung von Mitgliedern des Zentralkomitees und der Sowjetregierung gespielt hatten.

Die Doppelzünglerei und die Niedertracht dieser Leute ging soweit, dass Sinowjew - einer der Organisatoren und Inspiratoren des Mordes an Genossen Kirow, der den Mörder gedrängt hatte, diese ruchlose Tat möglichst bald auszuführen - nach Kirows Tod einen lobpreisenden Nachruf auf Kirow schrieb und verlangte, dass dieser Nachruf veröffentlicht werde.

Die Sinowjewleute, die vor Gericht die Reuigen spielten, setzten in der Tat auch in diesem Moment ihre Doppelzünglerei fort. Sie verheimlichten ihre Verbindung mit Trotzki. Sie verheimlichten, dass sie sich zusammen mit den Trotzkisten an die faschistische Spionage verkauft hatten, sie verheimlichten ihre Spionage- und Schädlingsarbeit. Die Sinowjewleute verheimlichten vor Gericht ihre Verbindungen mit den Bucharinleuten, das Bestehen einer vereinigten trotzkistisch-bucharinschen Bande von Söldlingen des Faschismus.

Der Mord an Genossen Kirow war, wie sich später herausstellte, von dieser vereinigten trotzkistisch-bucharinschen Bande verübt worden.

Schon damals, im Jahre 1935, wurde es klar, dass die Sinowjewgruppe eine maskierte weißgardistische Organisation war, die es vollauf verdiente, dass man mit ihren Mitgliedern wie mit Weißgardisten verfuhr.

Ein Jahr später wurde bekannt, dass Trotzki, Sinowjew, Kamenew und ihre Komplicen die eigentlichen, direkten und wirklichen Organisatoren des Mordes an Kirow und die Organisatoren der vorbereitenden Schritte zur Ermordung anderer Mitglieder des Zentralkomitees waren. Es wurden vor Gericht gestellt: Sinowjew, Kamenew, Bakajew, Jewdokimow, Pikel, I. N. Smirnow, Mratschkowski, Ter-Waganjan, Reinhold und andere. Die überführten Verbrecher mussten öffentlich, vor Gericht, eingestehen, dass sie nicht nur den Mord an Kirow organisiert hatten, sondern auch die Ermordung aller anderen Führer der Partei und der Regierung vorbereiteten. Die weitere Untersuchung ergab, dass diese verruchten Verbrecher den Weg der Organisierung von Zerstörungsakten, den Weg der Spionage betreten hatten. Der ungeheuerliche moralische und politische Fall dieser Leute, die niederträchtige Gemeinheit und Verräterei, die sich hinter doppelzünglerischen Erklärungen über die Ergebenheit gegenüber der Partei verbargen, wurden in dem im Jahre 1936 in Moskau verhandelten Prozess aufgedeckt.

Hauptinspirator und Hauptorganisator dieser ganzen Bande von Mördern und Spionen war der Judas Trotzki. Die Helfershelfer Trotzkis, die seine konterrevolutionären Direktiven ausführten, waren Sinowjew, Kamenew und ihre trotzkistischen Nachläufer. Sie bereiteten die Niederlage der Sowjetunion für den Fall eines Angriffs der Imperialisten vor, sie waren gegenüber dem Arbeiter- und Bauernstaat zu Defätisten, zu verabscheuungswürdigen Lakaien und Agenten der deutschen und japanischen Faschisten geworden.

Die wichtigste Lehre, die die Parteiorganisationen aus diesen Prozessen über den ruchlosen Mord an Genossen Kirow zu ziehen hatten, bestand darin, ihre eigene politische Blindheit, ihre politische Sorglosigkeit zu beseitigen und ihre Wachsamkeit, die Wachsamkeit aller Parteimitglieder zu erhöhen.

In dem Rundschreiben an die Parteiorganisationen, das im Zusammenhang mit dem ruchlosen Mord an Genossen Kirow herausgegeben wurde, gab das Zentralkomitee der Partei die Weisungen:

a) „Es gilt, mit der opportunistischen Vertrauensseligkeit Schluss zu machen, die von der falschen Annahme ausgeht, als ob der Feind in dem Maße, wie unsere Kräfte wachsen, immer zahmer und harmloser werde. Eine solche Annahme ist grundfalsch. Das ist eine Nachwirkung der rechten Abweichung, deren Vertreter aller Welt weiszumachen suchten, dass die Feinde allmählich in den Sozialismus hineinkriechen, dass sie zu guter Letzt richtige Sozialisten werden würden. Es ist nicht Sache der Bolschewiki, auf ihren Lorbeeren auszuruhen und Maulaffen feilzuhalten. Nicht Vertrauensseligkeit brauchen wir, sondern Wachsamkeit, wirkliche bolschewistische revolutionäre Wachsamkeit. Man muss dessen eingedenk sein, dass die Feinde, je hoffnungsloser ihre Lage sein wird, um so eher zu dem ‚äußersten Mittel’ greifen werden, als dem einzigen Mittel der im Kampfe gegen die Sowjetmacht zum Untergang Verurteilten. Man muss dessen eingedenk und wachsam sein.“

b) „Es gilt, den Unterricht in der Parteigeschichte für die Parteimitglieder auf die gebührende Höhe zu bringen, das Studium aller und jeglicher parteifeindlichen Gruppierungen in der Geschichte unserer Partei, ihrer Methoden des Kampfes gegen die Linie der Partei, ihrer Taktik, und vor allem das Studium der Taktik und der Methoden des Kampfes unserer Partei gegen die parteifeindlichen Gruppierungen, der Taktik und der Methoden, die es unserer Partei ermöglichten, diese Gruppierungen zu überwinden und aufs Haupt zu schlagen. Es ist notwendig, dass die Parteimitglieder nicht nur wissen, wie die Partei gegen die Kadetten, die Sozialrevolutionäre, die Menschewiki, die Anarchisten kämpfte und sie überwand, sondern auch, wie die Partei die Trotzkisten. die ‚demokratischen Zentralisten’, die ‚Arbeiter-Opposition’, die Sinowjewleute, die rechten Abweichler, die ‚rechts-linken’ Missgestalten usw. bekämpfte und überwand. Man darf nicht vergessen, dass die Kenntnis und Beherrschung der Geschichte unserer Partei das wichtigste Mittel ist, um die revolutionäre Wachsamkeit der Parteimitglieder vollauf zu sichern.“

Gewaltige Bedeutung hatte in dieser Periode die im Jahre 1933 begonnene Reinigung der Parteireihen von den Elementen, die sich der Partei angebiedert hatten, sowie von den fremden Elementen, insbesondere aber die nach dem ruchlosen Mord an Genossen Kirow vorgenommene sorgfältige Überprüfung der Parteidokumente und der Umtausch der alten Parteidokumente gegen neue.

Bis zur Überprüfung der Parteidokumente herrschten in vielen Parteiorganisationen Willkür und Nachlässigkeit in der Handhabung der Parteimitgliedsbücher. In einer Reihe von örtlichen Parteiorganisationen wurde ein völlig unzulässiges Chaos in der Registrierung der Kommunisten aufgedeckt, das sich die Feinde für ihre niederträchtigen Zwecke dadurch zunutze machten, dass sie das Parteimitgliedsbuch als Deckung für Spionage, Schädlingsarbeit usw. missbrauchten. Die Aufnahme in die Partei und die Ausgabe von Parteimitgliedsbüchern wurden von vielen Leitern der Parteiorganisationen untergeordneten Funktionären anvertraut, häufig sogar ganz unerprobten Parteimitgliedern.

In einem speziellen Schreiben vom 13. Mai 1935 an alle Organisationen über die Registrierung, die Ausgabe und die Aufbewahrung der Parteimitgliedsbücher gab das Zentralkomitee der Partei die Anweisung, in allen Organisationen eine sorgfältige Überprüfung der Parteidokumente vorzunehmen, „in unserem eigenen Parteihause bolschewistische Ordnung zu schaffen“.

Die Überprüfung der Parteidokumente war von großer politischer Bedeutung. In der Resolution des Plenums des Zentralkomitees der Partei vom 25. Dezember 1935 über die Ergebnisse der Überprüfung der Parteidokumente hieß es, dass diese Überprüfung eine organisatorisch-politische Maßnahme von größter Wichtigkeit für die Festigung der Reihen der KPdSU(B) darstelle.

Nach Abschluss der Überprüfung und des Umtausches der Parteidokumente wurde die Aufnahme neuer Mitglieder in die Partei erneut zugelassen. Dabei forderte das Zentralkomitee der KPdSU(B), dass die Verstärkung der Parteireihen nicht gruppenweise erfolge, sondern streng individuell, durch Aufnahme „der wirklich fortgeschrittenen, der Sache der Arbeiterklasse wirklich ergebenen besten Menschen unseres Landes, vor allem aus der Arbeiterschaft, aber auch aus den Reihen der Bauern und der werktätigen Intelligenz, die an den verschiedenen Abschnitten des Kampfes für den Sozialismus erprobt sind“.

Im Zusammenhang mit der Wiederzulassung der Aufnahme neuer Mitglieder in die Partei verpflichtete das Zentralkomitee die Parteiorganisationen, dessen eingedenk zu sein, dass die feindlichen Elemente auch in Zukunft versuchen werden, in die Reihen der KPdSU(B) einzudringen. In Anbetracht dessen

„besteht die Aufgabe aller Parteiorganisationen darin, die bolschewistische Wachsamkeit in jeder Weise zu erhöhen, das Banner der Lenin schen Partei hochzuhalten und die Partei gegen das Eindringen fremder, feindlicher und zufälliger Elemente in ihre Reihen zu sichern“. (Beschluss des ZK der KPdSU[B] vom 29. September 1936, „Prawda“ Nr. 270, 1936.)

Indem die bolschewistische Partei ihre Reihen reinigte und festigte, einen Vernichtungsfeldzug gegen die Feinde der Partei führte und die Verzerrung der Parteilinie schonungslos bekämpfte, schloss sie sich noch enger um ihr Zentralkomitee zusammen, unter dessen Führung die Partei und das Sowjetland zu einer neuen Etappe übergingen, zur Vollendung des Aufbaus der klassenlosen, sozialistischen Gesellschaft.

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