GESCHICHTE DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DER SOWJETUNION (BOLSCHEWIKI)

Schlussfolgerungen

Welches sind die grundlegenden Ergebnisse des von der bolschewistischen Partei zurückgelegten historischen Weges?

Was lehrt uns die Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki)?

1. Die Geschichte der Partei lehrt vor allem, dass der Sieg der proletarischen Revolution, der Sieg der Diktatur des Proletariats unmöglich ist ohne eine revolutionäre Partei des Proletariats, eine Partei, die vom Opportunismus frei, gegen Paktierer und Kapitulanten unversöhnlich, gegenüber der Bourgeoisie und ihrer Staatsgewalt revolutionär ist.

Die Geschichte der Partei lehrt: das Proletariat ohne eine solche Partei lassen, bedeutet, es ohne revolutionäre Führung lassen, es aber ohne revolutionäre Führung lassen, bedeutet die Sache der proletarischen Revolution zum Scheitern bringen.

Die Geschichte der Partei lehrt, dass eine gewöhnliche sozialdemokratische Partei von westeuropäischem Typus, die in den Verhältnissen des Bürgerfriedens erzogen ist und hinter den Opportunisten einher trottet, von „sozialen Reformen“ schwärmt und die soziale Revolution fürchtet, eine solche Partei nicht sein kann.

Die Geschichte der Partei lehrt, dass nur eine Partei von neuem Typus, eine marxistisch- Lenin istische Partei, eine Partei der sozialen Revolution, die fähig ist, das Proletariat auf entscheidende Schlachten gegen die Bourgeoisie vorzubereiten und den Sieg der proletarischen Revolution zu organisieren, eine solche Partei sein kann.

Eine solche Partei in der Sowjetunion ist die bolschewistische Partei.

„In der vorrevolutionären Periode“, führt Genosse Stalin aus, „in der Periode der mehr oder weniger friedlichen Entwicklung, als die Parteien der II. Internationale in der Arbeiterbewegung die herrschende Kraft darstellten und die parlamentarischen Kampfformen als die Grundformen galten - unter diesen Bedingungen hatte die Partei nicht die ernste und entscheidende Bedeutung und konnte diese auch nicht haben, wie die Partei sie dann unter den Bedingungen der offenen revolutionären Schlachten gewann. Zur Verteidigung der 1I. Internationale gegen verschiedene Angriffe erklärte Kautsky, dass die Parteien der II. Internationale ein Friedensinstrument und kein Kriegsinstrument seien, dass sie gerade deshalb nicht imstande gewesen seien, während des Krieges, in der Periode der revolutionären Aktionen des Proletariats, irgend etwas Ernstes zu unternehmen. Das ist völlig richtig. Aber was bedeutet das? Das bedeutet, dass die Parteien der II. Internationale untauglich sind für den revolutionären Kampf des Proletariats, dass sie keine Kampfparteien des Proletariats sind, die die Arbeiter zur Macht führen, sondern ein Wahlapparat, der für Parlamentswahlen und den parlamentarischen Kampf eingerichtet ist. Daraus erklärt sich eigentlich auch die Tatsache, dass in der Periode der Herrschaft der Opportunisten der 11. Internationale nicht die Partei, sondern die Parlamentsfraktion die maßgebende politische Organisation des Proletariats war. Es ist bekannt, dass die Partei in dieser Periode in Wirklichkeit ein Anhängsel und dienstbares Element der Parlamentsfraktion war. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass unter solchen Bedingungen und mit einer solchen Partei an der Spitze von einer Vorbereitung des Proletariats auf die Revolution nicht einmal die Rede sein konnte.

Die Sache änderte sich jedoch von Grund aus mit dem Anbruch der neuen Periode. Die neue Periode ist die Periode offener Zusammenstöße der Klassen, die Periode revolutionärer Aktionen des Proletariats, die Periode der proletarischen Revolution, die Periode der direkten Vorbereitung der Kräfte zum Sturz des Imperialismus, zur Ergreifung der Macht durch das Proletariat. Diese Periode stellt dem Proletariat neue Aufgaben: die gesamte Parteiarbeit auf neue, auf revolutionäre Art umzubauen, die Arbeiter im Geiste des revolutionären Kampfes um die Macht zu erziehen, Reserven auszubilden und heranzuziehen, das Bündnis mit den Proletariern der benachbarten Länder herzustellen, feste Verbindungen mit der Befreiungsbewegung der Kolonien und der abhängigen Länder zu schaffen usw. usf. Zu glauben, dass diese neuen Aufgaben mit den Kräften der alten sozialdemokratischen Parteien, die in den friedlichen Verhältnissen des Parlamentarismus erzogen wurden, gelöst werden können - heißt sich zu hoffnungsloser Verzweiflung, zu einer unausbleiblichen Niederlage verurteilen. Die alten Parteien weiter an der Spitze zu belassen, wo man solche Aufgaben zu bewältigen hat, heißt völlig ungerüstet dastehen. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass das Proletariat sich mit einer solchen Sachlage nicht abfinden konnte.

Daraus folgt die Notwendigkeit einer neuen Partei, einer Kampfpartei, einer revolutionären Partei, die kühn genug ist, die Proletarier in den Kampf um die Macht zu führen, die genügend Erfahrung hat, um sich in den komplizierten Verhältnissen der revolutionären Situation zurechtzufinden, und genügend Elastizität besitzt, um Klippen jeder Art auf dem Wege zum Ziel zu umgehen.

Ohne eine solche Partei ist an einen Sturz des Imperialismus, an die Eroberung der Diktatur des Proletariats gar nicht zu denken.

Diese neue Partei ist die Partei des Lenin ismus.“ (Stalin, Fragen des Lenin ismus, S. 85-87.)

2. Die Geschichte der Partei lehrt weiter, dass die Partei der Arbeiterklasse die Rolle des Führers ihrer Klasse, dass sie die Rolle des Organisators und Führers der proletarischen Revolution nicht erfüllen kann, wenn sie nicht die fortgeschrittene Theorie der Arbeiterbewegung, die marxistisch- Lenin istische Theorie, gemeistert hat.

Die Kraft der marxistisch- Lenin istischen Theorie besteht darin, dass sie der Partei die Möglichkeit gibt, sich in der jeweiligen Situation zu orientieren, den inneren Zusammenhang der rings um sie vor sich gehenden Ereignisse zu verstehen, den Gang der Ereignisse vorauszusehen, und zu erkennen nicht nur, wie und wohin sich die Ereignisse gegenwärtig entwickeln, sondern auch wie und wohin sie sich künftig entwickeln müssen.

Nur eine Partei, die die marxistisch- Lenin istische Theorie gemeistert hat, kann mit Zuversicht vorwärts marschieren und die Arbeiterklasse vorwärts führen.

Und umgekehrt - eine Partei, die die marxistisch- Lenin istische Theorie nicht gemeistert hat, ist genötigt, tastend umherzuirren, verliert die Zuversicht in ihre Handlungen, ist nicht fähig, die Arbeiterklasse vorwärts zu führen.

Es könnte scheinen: die marxistisch- Lenin istische Theorie gemeistert haben bedeute, einzelne Schlussfolgerungen und Leitsätze aus den Werken von Marx-Engels- Lenin gewissenhaft auswendig lernen, um sie zur rechten Zeit zu zitieren, und sich damit zufrieden geben in der Hoffnung, dass die auswendig gelernten Schlussfolgerungen und Leitsätze für jede Situation, für alle Wechselfälle des Lebens tauglich seien. Aber ein solches Herangehen an die marxistisch- Lenin istische Theorie ist völlig unrichtig. Man darf die marxistisch- Lenin istische Theorie nicht als eine Dogmensammlung, als einen Katechismus, als eine Glaubensformel betrachten, noch die Marxisten selbst als Wortklauber und Schriftgelehrte. Die marxistisch- Lenin istische Theorie ist die Wissenschaft von der Entwicklung der Gesellschaft, die Wissenschaft von der Arbeiterbewegung, die Wissenschaft von der proletarischen Revolution, die Wissenschaft vom Aufbau der kommunistischen Gesellschaft. Als Wissenschaft bleibt sie nicht auf einer Stelle stehen und kann es auch nicht, sie entwickelt sich und vervollkommnet sich. Es ist verständlich, dass sie sich in ihrer Entwicklung durch neue Erfahrungen, durch neues Wissen bereichern muss, dass ihre einzelnen Leitsätze und Schlussfolgerungen sich im Laufe der Zeit ändern müssen, dass diese notwendig durch neue, den neuen historischen Verhältnissen entsprechende Schlussfolgerungen und Leitsätze ersetzt werden müssen.

Die marxistisch- Lenin istische Theorie meistern bedeutet durchaus nicht, alle ihre Formeln und Schlussfolgerungen auswendig zu lernen und sich an jeden Buchstaben dieser Formeln und Schlussfolgerungen zu klammern. Um die marxistisch- Lenin istische Theorie zu meistern, muss man vor allem lernen, zwischen ihrem Buchstaben und ihrem Wesen zu unterscheiden.

Die marxistisch- Lenin istische Theorie meistern bedeutet, sich das Wesen dieser Theorie anzueignen und zu lernen, diese Theorie bei der Entscheidung der praktischen Fragen der revolutionären Bewegung unter den verschiedenen Bedingungen des Klassenkampfs des Proletariats anzuwenden.

Die marxistisch- Lenin istische Theorie meistern heißt verstehen, diese Theorie durch die neuen Erfahrungen der revolutionären Bewegung zu bereichern; sie durch neue Leitsätze und Schlussfolgerungen zu bereichern heißt verstehen, sie zu entwickeln und weiterzuführen, und nicht davor zurückzuschrecken, ausgehend vom Wesen der Theorie, einzelne ihrer Leitsätze und Schlussfolgerungen, die bereits veraltet sind, durch neue, der neuen historischen Situation entsprechende Leitsätze und Schlussfolgerungen zu ersetzen.

Die marxistisch- Lenin istische Theorie ist kein Dogma, sondern eine Anleitung zum Handeln.

Bis zur zweiten russischen Revolution (Februar 1917) gingen die Marxisten aller Länder davon aus, dass die parlamentarische demokratische Republik die zweckmäßigste Form der politischen Organisation der Gesellschaft in der Periode des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus sei. Zwar hatte Marx schon in den siebziger Jahren darauf hingewiesen, dass nicht die parlamentarische Republik, sondern eine politische Organisation vom Typus der Pariser Kommune die zweckmäßigste Form der Diktatur des Proletariats ist. Leider aber wurde dieser Marxsche Hinweis in den Werken von Marx nicht weiterentwickelt und ward der Vergessenheit überliefert. Außerdem ließ die autoritative Erklärung von Engels in seiner Kritik des Erfurter Programmentwurfs von 1891, die demokratische Republik sei „die spezifische Form für die Diktatur des Proletariats“, keinen Zweifel darüber, dass die Marxisten weiterhin die demokratische Republik für die politische Form der Diktatur des Proletariats hielten. Diese These von Engels wurde später zum richtunggebenden Leitsatz für alle Marxisten, darunter auch für Lenin . Die russische Revolution von 1905 und besonders die Revolution vom Februar 1917 brachten jedoch eine neue Form der politischen Organisation der Gesellschaft hervor - die Sowjets der Arbeiter- und Bauerndeputierten. Auf Grund der Untersuchung der Erfahrungen der beiden Revolutionen in Russland kam Lenin , ausgehend von der Theorie des Marxismus, zu dem Schluss, dass die beste politische Form für die Diktatur des Proletariats nicht die parlamentarische demokratische Republik, sondern die Republik der Sowjets ist. Auf dieser Grundlage stellte Lenin im April 1917, in der Periode des Übergangs von der bürgerlichen zur sozialistischen Revolution, die Losung der Organisierung der Sowjetrepublik auf als der besten politischen Form der Diktatur des Proletariats. Die Opportunisten aller Länder, die sich an die parlamentarische Republik klammerten, beschuldigten Lenin der Abkehr vom Marxismus, der Zerstörung der Demokratie. Aber der wahre Marxist, der die Theorie des Marxismus meisterte, war natürlich Lenin und nicht die Opportunisten, denn Lenin führte die marxistische Theorie weiter, bereicherte sie durch neue Erfahrungen, während die Opportunisten sie zurück zerrten, einen ihrer Lehrsätze in ein Dogma verwandelten.

Was wäre aus der Partei, aus unserer Revolution, aus dem Marxismus geworden, wenn Lenin sich gescheut hätte, den Buchstaben des Marxismus anzutasten, und sich nicht entschlossen hätte, einen der alten, von Engels formulierten Leitsätze des Marxismus zu ersetzen durch den neuen, der neuen historischen Situation entsprechenden Leitsatz von der Republik der Sowjets? Die Partei hätte im Dunkeln getappt, die Sowjets wären desorganisiert worden, wir hätten keine Sowjetmacht, die marxistische Theorie hätte ernstlich Schaden erlitten. Das Proletariat hätte verloren, die Feinde des Proletariats hätten gewonnen.

Bei der Untersuchung des vorimperialistischen Kapitalismus gelangten Engels und Marx zu der Schlussfolgerung, dass die sozialistische Revolution in einem einzeln genommenen Lande nicht siegen kann, dass sie nur bei einem in allen oder den meisten zivilisierten Ländern gleichzeitig erfolgenden Schlag siegen kann. Das war um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Diese Schlussfolgerung wurde später zum Leitsatz für alle Marxisten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts jedoch schlug der vorimperialistische Kapitalismus in den imperialistischen um, der aufsteigende Kapitalismus verwandelte sich in den sterbenden Kapitalismus. Auf Grund der Untersuchung des imperialistischen Kapitalismus gelangte Lenin , ausgehend von der marxistischen Theorie, zu der Schlussfolgerung, dass die alte Formel von Engels und Marx der neuen historischen Situation nicht mehr entspricht, dass die sozialistische Revolution sehr wohl in einem einzeln genommenen Lande siegen kann. Die Opportunisten aller Länder, die sich an die alte Formel von Engels und Marx klammerten, beschuldigten Lenin der Abkehr vom Marxismus. Aber der wahre Marxist, der die Theorie des Marxismus meisterte, war natürlich Lenin und nicht die Opportunisten, denn Lenin führte die marxistische Theorie weiter, bereicherte sie durch neue Erfahrungen, während die Opportunisten sie zurückzerrten, in eine Mumie verwandelten.

Was wäre aus der Partei, aus unserer Revolution, aus dem Marxismus geworden, wenn Lenin sich gescheut hätte, den Buchstaben des Marxismus anzutasten, wenn es ihm an dem theoretischen Mut gefehlt hätte, eine der alten Schlussfolgerungen des Marxismus fallenzulassen und sie zu ersetzen durch die neue, der neuen historischen Situation entsprechende Schlussfolgerung von der Möglichkeit des Si-ges des Sozialismus in einem einzeln genommenen Lande? Die Partei hätte im Dunkeln getappt, die proletarische Revolution wäre der Führung beraubt worden, die marxistische Theorie hätte dahinzusiechen begonnen. Das Proletariat hätte verloren, die Feinde des Proletariats hätten gewonnen.

Opportunismus bedeutet nicht immer die direkte Verneinung der marxistischen Theorie oder ihrer einzelnen Leitsätze und Schlussfolgerungen. Der Opportunismus äußert sich mitunter auch in Versuchen, sich an einzelne, bereits überholte Leitsätze des Marxismus zu klammern, sie in Dogmen zu verwandeln, um dadurch die Weiterentwicklung des Marxismus aufzuhalten, folglich auch die Entwicklung der revolutionären Bewegung des Proletariats aufzuhalten.

Man kann ohne Übertreibung sagen, dass nach Engels’ Tod Lenin als der gewaltigste Theoretiker und nach Lenin Stalin sowie andere Schüler Lenin s die einzigen Marxisten waren, die die marxistische Theorie weiterführten und sie unter den neuen Bedingungen des Klassenkampfs des Proletariats durch neue Erfahrungen bereicherten.

Und eben darum, weil Lenin und die Lenin isten die marxistische Theorie weiterführten, ist der Lenin ismus die Weiterentwicklung des Marxismus, ist er der Marxismus unter den neuen Bedingungen des Klassenkampfs des Proletariats, der Marxismus der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolutionen, der Marxismus der Epoche des Sieges des Sozialismus auf einem Sechstel der Erde.

Die Partei der Bolschewiki hätte im Oktober 1917 nicht zu siegen vermocht, wenn ihre führenden Kader nicht die Theorie des Marxismus gemeistert, wenn sie nicht gelernt hätten, diese Theorie als eine Anleitung zum Handeln zu betrachten, wenn sie nicht gelernt hätten, die marxistische Theorie weiterzuführen und sie durch die neuen Erfahrungen des Klassenkampfes des Proletariats zu bereichern.

In einer Kritik an deutschen Marxisten in Amerika, die die Führung der amerikanischen Arbeiterbewegung übernommen hatten, schrieb Engels:

„Die Deutschen haben nun einmal nicht verstanden, von ihrer Theorie aus den Hebel anzusetzen, der die amerikanischen Massen in Bewegung setzen konnte; sie verstehen die Theorie großenteils selbst nicht und behandeln sie doktrinär und dogmatisch als etwas, das auswendig gelernt werden muss, dann aber auch allen Bedürfnissen ohne weiteres genügt. Es ist ihnen ein Credo, keine Anleitung zum Handeln.“ (Engels an Sorge, Marx/Engels, Ausgew. Briefe, Moskau 1934, S. 357.)

In einer Kritik an Kamenew und einigen alten Bolschewiki, die sich im April 1917 an die alte Formel der revolutionär-demokratischen Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft klammerten, während die revolutionäre Bewegung weitergegangen war und den Übergang zur sozialistischen Revolution erheischte, schrieb Lenin :

„Unsere Lehre ist kein Dogma, sondern eine Anleitung zum Handeln - das betonten Marx und Engels ständig, wobei sie sich mit vollem Recht über das Einochsen und einfache Wiederholen von ‚Formeln’ lustig machten, die bestenfalls nur geeignet waren, die allgemeinen Aufgaben vorzuzeichnen, die durch die konkrete ökonomische und politische Situation in jedem besonderen Zeitabschnitt des geschichtlichen Prozesses notwendig modifiziert werden... Es gilt, sich die unbestreitbare Wahrheit zu Eigen zu machen, dass der Marxist mit dem lebendigen Leben, mit den exakten Tatsachen der Wirklichkeit rechnen muss, statt sich an die Theorie von gestern zu klammern...“ ( Lenin /Stalin, Das Jahr 1917, S. 31 und 33.)

3. Die Geschichte der Partei lehrt weiter, dass ohne Zerschlagung der in den Reihen der Arbeiterklasse tätigen kleinbürgerlichen Parteien, die die rückständigen Schichten der Arbeiterklasse der Bourgeoisie in die Arme treiben und so die Einheit der Arbeiterklasse zerstören, der Sieg der proletarischen Revolution unmöglich ist.

Die Geschichte unserer Partei ist die Geschichte der Bekämpfung und Zerschlagung der kleinbürgerlichen Parteien - Sozialrevolutionäre, Menschewiki, Anarchisten, Nationalisten. Ohne Überwindung dieser Parteien und ihre Vertreibung aus den Reihen der Arbeiterklasse wäre es unmöglich gewesen, die Einheit der Arbeiterklasse zu erreichen, ohne die Einheit der Arbeiterklasse aber wäre es unmöglich gewesen, den Sieg der proletarischen Revolution zu verwirklichen.

Ohne Zerschlagung dieser Parteien, die anfangs für die Erhaltung des Kapitalismus, später aber, nach der Oktoberrevolution, für die Wiederherstellung des Kapitalismus eintraten, wäre es unmöglich gewesen, die Diktatur des Proletariats zu behaupten, die auswärtige militärische Intervention zu besiegen, den Sozialismus zu errichten.

Man kann es nicht als Zufall ansehen, dass alle kleinbürgerlichen Parteien, die sich zur Täuschung des Volkes „revolutionäre“ und „sozialistische“ Parteien nannten - Sozialrevolutionäre, Menschewiki, Anarchisten, Nationalisten -, schon vor der Sozialistischen Oktoberrevolution zu konterrevolutionären Parteien geworden waren und sich in der Folge in Agenten ausländischer bürgerlicher Spionagedienste, in eine Bande von Spionen, Schädlingen, Zerstörungsagenten, Mördern und Landesverrätern verwandelten.

„Die Einheit des Proletariats“, sagt Lenin , „kann in der Epoche der sozialen Revolution nur durch die äußerste revolutionäre Partei des Marxismus, nur durch schonungslosen Kampf gegen alle übrigen Parteien verwirklicht werden.“ ( Lenin , Sämtl. Werke, Bd. XXVI, S. 62.)

4. Die Geschichte der Partei lehrt weiter, dass die Partei der Arbeiterklasse ohne unversöhnlichen Kampf gegen die Opportunisten in ihren eigenen Reihen, ohne Vernichtung der Kapitulanten in ihrer eigenen Mitte die Einheit und Disziplin ihrer Reihen nicht aufrechterhalten, ihre Rolle als Organisator und Führer der proletarischen Revolution, ihre Rolle als Erbauer einer neuen, der sozialistischen Gesellschaft nicht erfüllen kann.

Die Entwicklungsgeschichte des inneren Lebens unserer Partei ist die Geschichte der Bekämpfung und Vernichtung der opportunistischen Gruppen innerhalb der Partei - der „Ökonomisten“, Menschewiki, Trotzkisten, Bucharinleute, Vertreter der nationalistischen Abweichungen.

Die Geschichte der Partei lehrt, dass alle diese Kapitulantengruppen dem Wesen der Sache nach Agenten des Menschewismus innerhalb unserer Partei, seine Schleppenträger, seine Fortsetzung waren. Sie spielten ebenso wie der Menschewismus die Rolle von Schrittmachern des bürgerlichen Einflusses in der Arbeiterklasse und in der Partei. Daher war der Kampf für die Liquidierung dieser Gruppen in der Partei die Fortsetzung des Kampfes für die Liquidierung des Menschewismus.

Ohne die „Ökonomisten“ und Menschewiki geschlagen zu haben, hätten wir nicht die Partei aufbauen und die Arbeiterklasse zur proletarischen Revolution führen können.

Ohne die Trotzkisten und Bucharinleute geschlagen zu haben, hätten wir nicht die für die Errichtung des Sozialismus notwendigen Bedingungen herbeiführen können.

Ohne die Vertreter der nationalistischen Abweichungen aller und jeglicher Spielarten geschlagen zu haben, hätten wir nicht das Volk im Geiste des Internationalismus erziehen, nicht das Banner der großen Freundschaft der Völker der UdSSR behaupten, nicht die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken errichten können.

Es könnte scheinen, dass die Bolschewiki dem Kampf gegen die opportunistischen Elemente in der Partei zu viel Zeit gewidmet, dass sie deren Bedeutung überschätzt hätten. Das ist jedoch völlig unrichtig. Man darf in seiner Mitte nicht den Opportunismus dulden, wie man in einem gesunden Organismus kein Geschwür dulden darf. Die Partei ist der führende Trupp der Arbeiterklasse, ihre vorgeschobene Festung, ihr Kampfstab. Man darf nicht zulassen, dass in dem führenden Stab der Arbeiterklasse Kleingläubige, Opportunisten, Kapitulanten, Verräter sitzen. Gegen die Bourgeoisie auf Leben und Tod kämpfen und Kapitulanten und Verräter in seinem eigenen Stabe, in seiner eigenen Festung haben - heißt in die Lage von Leuten geraten, die sowohl von der Front wie vom Rücken her beschossen werden. Es ist nicht schwer zu begreifen, dass ein solcher Kampf nur mit einer Niederlage enden kann. Festungen werden am leichtesten von innen genommen. Um den Sieg zu erringen, muss man vor allem die Partei der Arbeiterklasse, ihren führenden Stab, ihre vorgeschobene Festung von Kapitulanten, von Deserteuren, von Streikbrechern, von Verrätern säubern.

Man kann es nicht als Zufall ansehen, dass die Trotzkisten, die Bucharinleute, die Vertreter der nationalistischen Abweichungen im Kampfe gegen Lenin , im Kampfe gegen die Partei ebenso endeten wie die Parteien der Menschewiki und Sozialrevolutionäre, dass sie zu Agenten der faschistischen Spionagedienste wurden, zu Spionen, Schädlingen, Mördern, Zerstörungsagenten, Landesverrätern.

„Wenn man in seinen Reihen Reformisten, Menschewiki hat“, sagt Lenin , „so ist es unmöglich, in der proletarischen Revolution zu siegen, so ist es unmöglich, sie zu behaupten. Das steht offenbar prinzipiell fest. Das ist sowohl in Russland als auch in Ungarn durch die Erfahrung anschaulich bestätigt worden... In Russland hat es oftmals schwierige Situationen gegeben, wo das Sowjetregime ganz sicher gestürzt worden wäre, wenn die Menschewiki, Reformisten, kleinbürgerlichen Demokraten innerhalb unserer Partei verblieben wären...“ ( Lenin , Sämtl. Werke, Bd. XXV, S. 462/63 russ.)

„Wenn es unserer Partei gelungen ist“, sagt Genosse Stalin, „in der Partei die innere Einheit, die beispiellose Geschlossenheit ihrer Reihen zu schaffen, so vor allein deshalb, weil sie es verstanden hat, sich rechtzeitig von dem Unrat des Opportunismus zu reinigen, weil sie es verstanden hat, die Liquidatoren und Menschewiki aus der Partei zu verjagen. Der Weg zur Entwicklung und Festigung der proletarischen Parteien führt über ihre Säuberung von den Opportunisten und Reformisten, den Sozialimperialisten und Sozialchauvinisten, den Sozialpatrioten und Sozialpazifisten. Die Partei wird gestärkt dadurch, dass sie sich von den opportunistischen Elementen reinigt.“ (Stalin, Fragen des Lenin ismus, S. 98.)

5. Die Geschichte der Partei lehrt weiter, dass die Partei ihre Rolle als Führer der Arbeiterklasse nicht erfüllen kann, wenn sie, von Erfolgen berauscht, überheblich zu werden beginnt, wenn sie aufhört, die Mängel ihrer Arbeit zu bemerken, wenn sie sich fürchtet, ihre Fehler einzugestehen, sich fürchtet, diese rechtzeitig offen und ehrlich zu korrigieren.

Die Partei ist unbesiegbar, wenn sie Kritik und Selbstkritik nicht fürchtet, wenn sie die Fehler und Mängel ihrer Arbeit nicht verkleistert, wenn sie an den Fehlern der Parteiarbeit die Kader erzieht und schult, wenn sie es versteht, ihre Fehler rechtzeitig zu korrigieren.

Die Partei geht zugrunde, wenn sie ihre Fehler verheimlicht, wunde Punkte vertuscht, ihre Unzulänglichkeiten bemäntelt, indem sie ein falsches Bild wohlgeordneter Zustände zur Schau stellt, wenn sie keine Kritik und Selbstkritik duldet, sich von dem Gefühl der Selbstzufriedenheit durchdringen lässt, sich dem Gefühl der Selbstgefälligkeit hingibt und auf ihren Lorbeeren auszuruhen beginnt.

„Das Verhalten einer politischen Partei zu ihren Fehlern“, sagt Lenin , „ist eines der wichtigsten und sichersten Kriterien für den Ernst einer Partei und für die tatsächliche Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber ihrer Klasse und den werktätigen Massen. Einen Fehler offen zugeben, seine Ursachen aufdecken, die Umstände, die ihn hervorgerufen haben, analysieren, die Mittel zur Behebung des Fehlers sorgfältig prüfen - das ist das Merkmal einer ernsten Partei, das heißt Erfüllung ihrer Pflichten, das heißt Erziehung und Schulung der Klasse und dann auch der Masse.“ ( Lenin , Ausgew. Werke in zwei Bänden, Bd. II, S.703.)

Und ferner:

„Alle revolutionären Parteien, die bisher zugrunde gegangen sind, gingen daran zugrunde, dass sie überheblich wurden und nicht zu sehen vermochten, worin ihre Kraft bestand, dass sie fürchteten, von ihren Schwächen zu sprechen. Wir aber werden nicht zugrunde gehen, weil wir nicht fürchten, von unseren Schwächen zu sprechen, und es lernen werden, die Schwäche zu über-winden.“ ( Lenin , Sämtl. Werke, Bd. XXVII, S. 260/61 russ.)

6. Schließlich lehrt die Geschichte der Partei, dass die Partei der Arbeiterklasse ohne umfassende Verbindungen mit den Massen, ohne ständige Festigung dieser Verbindungen, ohne die Fähigkeit, auf die Stimme der Masse zu lauschen und ihre brennenden Nöte zu verstehen, ohne die Bereitschaft, nicht nur die Massen zu belehren, sondern auch von ihnen zu lernen, keine wirkliche Massenpartei sein kann, die fähig ist, die Millionen der Arbeiterklasse und aller Werktätigen zu führen.

Die Partei ist unbesiegbar, wenn sie es versteht, wie Lenin sagt, „... sich mit den breitesten Massen der Werktätigen, in erster Linie mit den proletarischen, aber auch mit den nichtproletarischen, werk-tätigen Massen zu verbinden, sich ihnen anzunähern und, wenn ihr wollt, bis zu einem gewissen Grad sich sogar mit ihnen zu verschmelzen“. ( Lenin , Ausgew. Werke in zwei Bänden, Bd. II, S. 673.)

Die Partei geht zugrunde, wenn sie sich in ihrem eng parteilichen Gehäuse abkapselt, wenn sie sich von den Massen loslöst, wenn sie sich mit einer bürokratischen Kruste bedeckt.

„Man kann es als Regel betrachten“, sagt Genosse Stalin, „dass die Bolschewiki unbesiegbar bleiben, solange sie die Verbindung mit den breiten Massen des Volkes bewahren. Und umgekehrt, die Bolschewiki brauchen sich nur von den Massen loszulösen, die Verbindung mit ihnen zu verlieren, sich mit bürokratischem Rost zu bedecken, um jegliche Kraft einzubüßen und sich in ein Nichts zu verwandeln.

Die alten Griechen hatten in ihrer Mythenwelt einen berühmten Heros, den Antäus, der, wie in der Mythologie erzählt wird, ein Sohn Poseidons, des Gottes der Meere, und der Gäa, der Göttin der Erde, war. Er hegte besondere Anhänglichkeit für seine Mutter, die ihn geboren, genährt und erzogen hatte. Es gab keinen Helden, den er, dieser Antäus, nicht besiegt hätte. Er galt als ein unbesiegbarer Heros. Worin bestand seine Kraft? Sie bestand darin, dass er jedes Mal, wenn er im Kampfe mit einem Gegner in Bedrängnis kam, die Erde, seine Mutter, berührte, die ihn geboren und genährt hatte, und so neue Kraft schöpfte. Aber dennoch hatte er seine schwache Stelle: das war die Gefahr, auf irgendeine Weise von der Erde losgerissen zu werden. Die Feinde rechneten auf diese seine Schwäche und lauerten ihm auf. Und es fand sich ein Feind, der diese seine Schwäche ausnutzte und ihn besiegte. Das war Herkules. Wie aber besiegte er ihn? Er riss ihn von der Erde los, hob ihn in die Luft, nahm ihm die Möglichkeit, die Erde zu berühren, und erdrosselte ihn auf diese Weise in der Luft.

Ich denke, die Bolschewiki erinnern uns an den Heros der griechischen Mythologie, Antäus. Ebenso wie Antäus sind sie dadurch stark, dass sie Verbindung mit ihrer Mutter, mit den Massen, aufrechterhalten, die sie erzeugt, genährt und erzogen haben. Und solange sie die Verbindung mit ihrer Mutter, mit dem Volke, aufrechterhalten, haben sie alle Aussicht, unbesiegbar zu bleiben.

Darin liegt der Schlüssel der Unbesiegbarkeit der bolschewistischen Führung.“ (Stalin, Über die Mängel der Parteiarbeit, Moskau 1937, S.45.)

Das sind die grundlegenden Lehren des von der bolschewistischen Partei zurückgelegten historischen Weges.

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