Lenin -Institut in Moskau 1947 herausgegebenen zweiten verbesserten und erg?nzten russischen Auflage.">

I.

JOSEF WISSARIONOWITSCH STALIN (Dshugaschwili) wurde am 21. Dezember 1879 in der Stadt Gori, Gouvernement Tiflis, geboren. Sein Vater, Wissarion Iwanowitsch Dshugaschwili, der Nationalität nach Georgier, stammte aus einer Bauernfamilie des Dorfes Didi-Lilo, Gouvernement Tiflis, war von Beruf Schuhmacher, späterhin Arbeiter der Schuhfabrik Adelchanow in Tiflis. Die Mutter, Jekaterina Georgijewna, entstammte der Familie des leibeigenen Bauern Geladse aus dem Dorfe Gambareuli.

Im Herbst 1888 wurde Stalin in die geistliche Elementarschule von Gori aufgenommen. Im Jahre 1894 beendete Stalin die Schule und bezog im gleichen Jahre das griechisch-orthodoxe geistliche Seminar in Tiflis.

In diesen Jahren fand der Marxismus in Rußland, dank der Entwicklung des industriellen Kapitalismus und dem Wachstum der Arbeiterbewegung, weite Verbreitung. Der von Lenin geschaffene und geleitete Petersburger „Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse“ gab der Entwicklung der sozialdemokratischen Bewegung im ganzen Lande einen mächtigen Anstoß. Die Wellen der Arbeiterbewegung erfassten auch Transkaukasien, wohin der Kapitalismus bereits vorgedrungen war und wo eine starke nationale und koloniale Unterdrückung herrschte. Transkaukasien war eine typische Kolonie des russischen Zarismus, ein wirtschaftlich rückständiges Agrarland mit noch starken Überresten des Feudalismus, ein Land, das von zahlreichen Nationalitäten bewohnt war, die in einem bunten Gemisch nebeneinander lebten.

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts setzte in Transkaukasien eine rasche Entwicklung des Kapitalismus ein; die Arbeiter und Bauern wurden einer räuberischen Ausbeutung unterworfen, die nationale und koloniale Unterdrückung wurde verschärft. Besonders rasch entwickelte sich der Bergbau, die Gewinnung und Verarbeitung von Erdöl; hier hatte das ausländische Kapital die entscheidenden Positionen an sich gerissen. „Der russische Kapitalismus“, schrieb Lenin , „zog auf diese Weise den Kaukasus in den Weltwarenverkehr hinein, er nivellierte seine örtlichen Besonderheiten - Überreste der alten patriarchalischen Abgeschlossenheit - und schuf sich einen Markt für seine Fabriken. Das Land, das zu Beginn der Nachreformzeit noch schwach besiedelt oder von Bergvölkern bewohnt war, die abseits der Weltwirtschaft und sogar abseits der Geschichte standen, verwandelte sich in ein Land der Erdölindustriellen, der Weinhändler, Großproduzenten von Weizen und Tabak…“ ( Lenin , Werke, Bd. III, 3. Aufl., S. 464 russ.) Mit dem Aufkommen der Eisenbahnen und der ersten Fabriken und Werke im Kaukasus kam auch die Arbeiterklasse auf. Besonders rasch entwickelte sich die Erdölstadt Baku, das große Industrie- und Arbeiterzentrum des Kaukasus.

Die Entwicklung des Industriekapitalismus hatte ein Anwachsen der Arbeiterbewegung im Gefolge. In den neunziger Jahren entfalteten in Transkaukasien die dorthin verschickten russischen Marxisten eine revolutionäre Tätigkeit. In Transkaukasien setzte die Propaganda des Marxismus ein. Das Tifliser griechisch-orthodoxe Seminar war damals eine Pflanzstätte für jede Art von Befreiungsideen unter der Jugend, sowohl von volkstümlerisch-nationalistischen als auch von marxistisch-internationalistischen, es wimmelte von verschiedenartigen geheimen Zirkeln. Das im Seminar herrschende Jesuitenregime rief bei Stalin stürmischen Protest hervor, nährte und verstärkte in ihm die revolutionäre Gesinnung. Der fünfzehnjährige Stalin wird zum Revolutionär.

„In die revolutionäre Bewegung“, erzählt Stalin, „trat ich im Alter von 15 Jahren ein, als ich mit den illegalen Gruppen russischer Marxisten, die damals in Transkaukasien lebten, Verbindung aufgenommen hatte. Diese Gruppen übten großen Einfluss auf mich aus und brachten mir Geschmack an der illegalen marxistischen Literatur bei.“ (J. Stalin, Unterredung mit dem deutschen Schriftsteller Emil Ludwig, 1938, S. 9 russ.)

In den Jahren 1896 und 1897 leitet Stalin marxistische Zirkel im Seminar. Im August 1898 tritt er auch formell der Tifliser Organisation der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands bei. Stalin wird Mitglied der Gruppe „Messame-Dassi“, der ersten georgischen sozialdemokratischen Organisation, die in den Jahren 1893-1898 eine gewisse positive Rolle bei der Verbreitung der Ideen des Marxismus spielte. Die „Messame-Dassi“ war politisch nicht einheitlich: ihre Mehrheit vertrat den Standpunkt des „legalen Marxismus“ und neigte zum bürgerlichen Nationalismus. Stalin, Kezchoweli und Zulukidse bildeten in der „Messame-Dassi“ den führenden Kern der revolutionären marxistischen Minderheit, die zur Keimzelle der revolutionären Sozialdemokratie Georgiens wurde.

Stalin arbeitet viel und beharrlich an seiner Bildung. Er studiert das „Kapital“ von Marx, das „Manifest der Kommunistischen Partei“ und andere Werke von Marx und Engels, macht sich mit den gegen die Volkstümlerrichtung, den „legalen Marxismus“ und „Ökonomismus“ gerichteten Schriften Lenin s vertraut. Bereits damals machten die Arbeiten Lenin s einen tiefen Eindruck auf Stalin. Einer der Genossen, die Stalin in dieser Zeit gut kannten, erinnert sich, wie Stalin, als er eine Arbeit Tulins ( Lenin s) gelesen hatte, sagte: „Ich muss ihn um jeden Preis sehen.“ („Erzählungen alter transkaukasischer Arbeiter über den großen Stalin“, Erinnerungen des Genossen P. Kapanadse, Verlag „Junge Garde“ 1937, S. 26 russ.) Der Kreis des theoretischen Interesses Stalins ist außerordentlich umfassend: er studiert Philosophie, politische Ökonomie, Geschichte, Naturwissenschaften, liest die Werke der Klassiker der schönen Literatur. Stalin wird zu einem gebildeten Marxisten.

Stalin leistet in diesem Zeitabschnitt intensive propagandistische Arbeit in Arbeiterzirkeln, nimmt an illegalen Arbeiterversammlungen teil, verfasst Flugblätter und organisiert Streiks. Das war für Stalin die erste Schule der praktischen revolutionären Arbeit unter den fortgeschrittenen Proletariern von Tiflis.

„Ich erinnere mich des Jahres 1898“, sagt Stalin, „als man mir zum erstenmal einen Zirkel von Arbeitern der Eisenbahnwerkstätten zuteilte ... Hier, im Kreise dieser Genossen, erhielt ich damals meine erste revolutionäre Feuertaufe ... Meine ersten Lehrer waren die Tifliser Arbeiter.“ („Prawda“ Nr. 136 vom 16. Juni 1926.)

Dem Unterricht in den marxistischen Arbeiterzirkeln von Tiflis lag ein von Stalin verfasstes Schulungsprogramm zugrunde.

Im Seminar, wo die „Verdächtigen“ unter scharfe Beobachtung gestellt wurden, kam man der illegalen revolutionären Tätigkeit Stalins auf die Spur. Am 29. Mai 1899 wird er wegen Propaganda des Marxismus aus dem Seminar ausgeschlossen. Stalin schlägt sich einige Zeit mit Stundengeben durch und findet dann (im Dezember 1899) Arbeit im Tifliser Physikalischen Observatorium als Beobachter und Rechner, ohne die revolutionäre Tätigkeit auch nur für einen Augenblick einzustellen.

Bereits zu dieser Zeit ist Stalin einer der energischsten und hervorragendsten Parteiarbeiter der Tifliser sozialdemokratischen Organisation. „In den Jahren 1898-1900 bildete und konstituierte sich die leitende sozialdemokratische Zentralgruppe der Tifliser Organisation ... Die Tifliser sozialdemokratische Zentralgruppe leistete beim Aufbau der illegalen sozialdemokratischen Parteiorganisation eine gewaltige revolutionär-propagandistische und organisatorische Arbeit.“ (L. Beria, „Zur Geschichte der bolschewistischen Organisationen in Transkaukasien“, 1941, S. 17 russ.) Stalin stand an der Spitze dieser Gruppe. Der Lenin sche „Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse“ war das Vorbild, dem die Tifliser revolutionären Sozialdemokraten in ihrer Arbeit unentwegt folgten. Unter Führung der revolutionären Minderheit der „Messame-Dassi“ (Stalin, Kezchoweli, Zulukidse) überschreitet die Arbeiterbewegung in Tiflis in diesem Zeitabschnitt den Rahmen der alten, rein propagandistischen Arbeit „mit hervorragenden Einzelpersonen“ aus den Reihen der Arbeiter. Die Agitation unter den Massen durch Herausgabe von Flugblättern über aktuelle Themen, durch fliegende Versammlungen und politische Demonstrationen gegen den Zarismus wird durch das Leben in den Vordergrund gerückt.

Die neue Taktik stößt auf den scharfen Widerstand der opportunistischen Mehrheit der „Messame-Dassi“, die zum „Ökonomismus“ neigte, vor revolutionären Methoden zurückschreckte und den politischen „Straßen“kampf gegen die Selbstherrschaft ablehnte. Stalin und die revolutionäre Minderheit der „Messame-Dassi“ führen einen heftigen und unversöhnlichen Kampf gegen die Opportunisten, für die Durchsetzung der neuen Taktik, der Taktik der politischen Massenagitation. Sie finden bei den fortgeschrittenen Arbeitern von Tiflis begeisterte Unterstützung.

Beim Übergang der Tifliser Sozialdemokraten zu neuen Arbeitsmethoden spielte Viktor Kurnatowski eine hervorragende Rolle. Das war ein geschulter Marxist, standhafter Anhänger und naher Kampfgefährte Lenin s, ein Verfechter der Lenin schen Ideen in Transkaukasien. Im Sommer 1900 in Tiflis eingetroffen, stellt er enge Beziehungen zu Stalin und der revolutionären Minderheit der „Messame-Dassi“ her und wird zum nächsten Freunde und Kampfgefährten Stalins.

Als im Dezember 1900 die Lenin sche „Iskra“ zu erscheinen begann, stellte sich Stalin restlos auf ihren Standpunkt. Stalin erkannte in Lenin sofort den Begründer einer wahrhaft marxistischen Partei, den Führer und Lehrer.

„Die Bekanntschaft mit Lenin s revolutionärer Tätigkeit seit Ende der neunziger Jahre, und besonders nach dem Jahre 1901, nach der Herausgabe der ‚Iskra’“, sagt Stalin, „hatte mich zu der Überzeugung gebracht, dass wir in Lenin einen außergewöhnlichen Menschen besitzen. Er war damals in meinen Augen nicht ein einfacher Führer der Partei, sondern ihr tatsächlicher Schöpfer, denn er allein verstand das innere Wesen und die dringenden Bedürfnisse unserer Partei. Wenn ich ihn mit den übrigen Führern unserer Partei verglich, schien es mir immer, dass Lenin seine Kampfgefährten - Plechanow, Martow, Axelrod und andere - um einen ganzen Kopf überragt, dass Lenin im Vergleich zu ihnen nicht einfach einer der Führer, sondern ein Führer höheren Typs ist, ein Bergadler, der keine Furcht im Kampfe kennt und kühn die Partei vorwärts führt auf den unerforschten Wegen der russischen revolutionären Bewegung.“ (J. Stalin, „Über Lenin “, Moskau 1946, S. 38.)

Stalin war von grenzenlosem Glauben an das revolutionäre Genie Lenin s erfüllt und ging den Weg Lenin s. Er ist von diesem Weg niemals abgewichen und führt nach dem Tode Lenin s dessen Werk kühn und sicher fort.

Unter den Bedingungen der einsetzenden Wirtschaftskrise, unter dem Einfluss der Arbeiterbewegung Rußlands und als Folge der Tätigkeit der Sozialdemokraten steigt in Tiflis in den Jahren 1900 und 1901 die Welle wirtschaftlicher Streiks, die einen Betrieb nach dem anderen erfassen. Im August 1900 bricht der grandiose Streik der Arbeiter der Eisenbahnwerkstätten und des Eisenbahndepots aus. An diesem Streik nimmt der aus Petersburg nach dem Kaukasus ausgewiesene M. I. Kalinin aktiv teil. Am 22. April 1901 findet im Zentrum von Tiflis eine Maidemonstration statt. Stalin ist der Organisator und Führer dieser Demonstration. Die Lenin sche „Iskra“ schätzte diese Demonstration als ein Ereignis von historischer Bedeutung für den ganzen Kaukasus ein; ihre Einwirkung auf die gesamte weitere Entwicklung der Arbeiterbewegung des Kaukasus war außerordentlich groß.

So wurde in diesen Jahren unter Leitung der revolutionären, von Stalin geführten Minderheit der „Messame-Dassi“ der Übergang der Arbeiterbewegung Georgiens von der Propaganda in kleinen Zirkeln zur politischen Massenagitation vollzogen. Damit wurde auch im Kaukasus die Vereinigung des Sozialismus mit der Arbeiterbewegung eingeleitet, genau so, wie einige Jahre vorher der von Lenin geführte Petersburger „Kampfbund“ derselben Aufgabe in glänzender Weise gerecht worden war.

Die durch das Anwachsen des revolutionären Kampfes des transkaukasischen Proletariats beunruhigte zaristische Regierung verschärfte die Gewaltmaßnahmen und glaubte dadurch der Bewegung Einhalt gebieten zu können. Am 21. März 1901 führte die Polizei eine Haussuchung im Physikalischen Observatorium durch, wo Stalin wohnte und arbeitete. Die Haussuchung und der später bekannt gewordene Haftbefehl der Ochrana veranlassten Stalin, in die Illegalität zu gehen. Von da an bis zur Februarrevolution von 1917 führt er in der Illegalität das angestrengte und heldenhafte Leben eines Berufsrevolutionärs Lenin scher Schule.

Die Satrapen des Zaren waren ohnmächtig vor der ansteigenden revolutionären Bewegung. Auf Initiative Stalins und Kezchowelis begann im September 1901 die erste illegale georgische sozialdemokratische Zeitung „Brdsola“ (Der Kampf) zu erscheinen, die die Ideen der Lenin schen „Iskra“ konsequent verfocht. Nach der „Iskra“ war „Brdsola“ die beste marxistische Zeitung in Rußland.

Der Leitartikel der ersten Nummer der „Brdsola“ (September 1901) unter dem Titel „Geleitwort der Redaktion“ wurde von Stalin verfasst. Zur Bestimmung der Aufgaben des Blattes schrieb Stalin: „Die georgische sozialdemokratische Zeitung muss klare Antwort geben auf alle Fragen, die mit der Arbeiterbewegung zusammenhängen, die prinzipiellen Fragen klären, die Rolle der Arbeiterklasse im Kampf theoretisch erläutern und jede Erscheinung, auf die der Arbeiter stößt, mit dem Lichte des wissenschaftlichen Sozialismus beleuchten.“ (J. Stalin, Werke, Bd. 1, S. 9 russ.)

In diesem Leitartikel wies Stalin darauf hin, dass die Zeitung die Arbeiterbewegung führen und den Arbeitermassen so nahe wie möglich stehen muss, dass sie in der Lage sein muss, sie ständig zu beeinflussen, ihr bewusstes und leitendes Zentrum zu sein.

In der folgenden Nummer (November-Dezember) brachte die „Brdsola“ den wichtigen Artikel Stalins „Die Sozialdemokratische Partei Rußlands und ihre nächsten Aufgaben“. In diesem Artikel unterstrich Stalin die Notwendigkeit der Vereinigung des wissenschaftlichen Sozialismus mit der spontanen Arbeiterbewegung, wies auf die führende Rolle der Arbeiterklasse in der demokratischen Freiheitsbewegung hin und stellte die Aufgabe, eine selbständige politische Partei des Proletariats zu organisieren.

Auch die Herausgabe von Flugblättern in den verschiedenen Sprachen der vielen Nationalitäten Transkaukasiens nimmt weite Ausmaße an. „Prächtig geschriebene Aufrufe sind in russischer, georgischer und armenischer Sprache erschienen, und mit ihnen wurden alle Stadtviertel von Tiflis überflutet“, schrieb die Lenin sche „Iskra“ über die Tätigkeit der Tifliser Sozialdemokraten. („Iskra“ Nr. 25 vom 15. September 1902.) Stalins nächster Kampfgefährte, Lado Kezchoweli, gründete in Baku ein Komitee der Lenin schen „Iskra“-Richtung und organisierte eine illegale Druckerei. Am 11. November 1901 fand eine Konferenz der Tifliser sozialdemokratischen Organisation statt, auf der das Tifliser Komitee der SDAPR gebildet wurde. In das Komitee wurde Stalin gewählt. Er bleibt jedoch nur sehr kurze Zeit in Tiflis. Ende November reist Stalin im Auftrage des Tifliser Komitees nach Batum, dem drittgrößten (nach Baku und Tiflis) proletarischen Zentrum im Kaukasus, um dort eine sozialdemokratische Organisation zu schaffen.

In Batum entfaltet Stalin eine rastlose revolutionäre Tätigkeit: er stellt Verbindungen mit fortgeschrittenen Arbeitern her, gründet sozialdemokratische Zirkel, leitet selbst einige Zirkel, richtet eine illegale Druckerei ein, schreibt zündende Flugblätter, druckt und verbreitet sie, leitet den Kampf der Arbeiter der Betriebe von Rothschild und Mantaschow, organisiert die revolutionäre Propaganda auf dem Lande. Stalin schafft in Batum eine sozialdemokratische Organisation, gründet das Batumer Komitee der SDAPR und leitet die Streiks in den Betrieben. Am 9. März 1902 organisierte Stalin die berühmte politische Demonstration der Batumer Arbeiter, die er leitete und an deren Spitze er schritt. Hier wurde durch Stalin in der Tat die Vereinigung des Streiks mit der politischen Demonstration verwirklicht.

So entstand und entwickelte sich in diesem Zeitabschnitt im entschiedenen und unversöhnlichen Kampf gegen den Opportunismus die Organisation der Lenin schen „Iskra“ -Richtung in Transkaukasien. Ihr hervorragendster Organisator und Führer war Stalin, den die Batumer Arbeiter schon damals den Lehrer der Arbeiter nannten. Die Organisation der Lenin schen “Iskra“-Richtung in Transkaukasien wurde auf den festen Grundlagen des proletarischen Internationalismus aufgebaut, sie vereinigte in ihren Reihen die fortgeschrittenen Proletarier der verschiedenen Nationalitäten: Georgier, Armenier, Aserbaidshaner, Russen. Lenin hat später wiederholt die transkaukasische Organisation der Partei als Vorbild des proletarischen Internationalismus angeführt.

Der Aufschwung des Kampfes der Arbeiter in Batum rief bei der Regierung ernsthafte Beunruhigung hervor. Die Spürhunde der Polizei suchen eifrig nach den „Rädelsführern“. Am 5. April 1902 wird Stalin verhaftet. Doch auch im Gefängnis (zuerst in Batum, dann - vom 19. April 1903 an - in dem durch sein hartes Regime berüchtigten Gefängnis von Kutais, danach wieder in Batum) verliert Stalin nicht die Verbindung mit der revolutionären Arbeit.

Anfang März 1903 tagte der erste Kongress der sozialdemokratischen Organisationen des Kaukasus, auf dem der Kaukasische Bund der SDAPR gegründet wurde. Stalin, der sich in Haft befand, wurde zum Mitglied des Kaukasischen Bundeskomitees der SDAPR gewählt. Im Gefängnis erfährt Stalin von Genossen, die vom II. Parteitag zurückgekehrt waren, dass zwischen den Bolschewiki und den Menschewiki überaus ernste Meinungsverschiedenheiten bestehen. Stalin tritt entschieden auf die Seite Lenin s, der Bolschewiki.

Im Herbst 1903 wird Stalin auf drei Jahre nach Ostsibirien verbannt, in das Dorf Nowaja Uda, Kreis Balagansk, Gouvernement Irkutsk. Am 27. November 1903 kam Stalin im Verbannungsort an. In der Verbannung erhält er einen Brief von Lenin .

„Zum erstenmal lernte ich Lenin im Jahre 1903 kennen“, sagt Stalin. „Allerdings war es keine persönliche und unmittelbare Bekanntschaft, sondern sie erfolgte auf schriftlichem Wege. Aber sie hinterließ in mir einen unauslöschlichen Eindruck, der mich während der ganzen Zeit meiner Arbeit in der Partei nicht verließ. Ich war damals in Sibirien in der Verbannung ... Lenin s Brief war verhältnismäßig kurz, aber er gab eine kühne, furchtlose Kritik der Praxis unserer Partei und eine ausgezeichnete, klare und gedrängte Darlegung des ganzen Plans der Parteiarbeit für die nächste Periode.“ (J. Stalin, „Über Lenin “, Moskau 1946, S. 38/39.)

Stalin blieb nicht lange in der Verbannung. Er brannte vor Ungeduld, möglichst rasch die Freiheit wiederzuerlangen, um die Durchführung des Lenin schen Plans des Aufbaus der bolschewistischen Partei in Angriff zu nehmen. Am 5. Januar 1904 flüchtet Stalin aus der Verbannung. Im Februar 1904 ist er wieder im Kaukasus, zuerst in Batum und dann in Tiflis.

                

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